Monatsthema: Christus – der Hirte
Predigtthema: Christus – der Verändernde
Bibelstelle: Hesekiel 36,26-27
Verfasser: Mirko Lau
Der Text (unrev. Elberfelder Übers., darauf bezieht sich Punkt 4.)
26 Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
27 Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahret und tut.
1. Der Zusammenhang
Gott hat ausführliches Gericht angekündigt: Gegen jeden aus dem Haus Israel persönlich, gegen die Hirten, gegen die umliegenden Nationen.
Gott hat klar gemacht, dass er der Herr ist, der Gehorsam erwartet und Ungehorsam bestraft und dass er der Treue ist, der seinem Volk wieder eine Chance gibt und sie in sein ewiges Friedensreich führen wird!
Dies fasst Gott noch einmal zusammen und bringt es in Hes. 36,23 auf die Spitze: Es geht um Gott und seinen Heiligen Namen!
Deshalb muss er sein Volk reinigen von den Sünden, die geschehen sind und er muss etwas tun, damit sie sich in Zukunft nicht mehr verunreinigen…
2. Biblische Parallelen
* Das neue Herz: Jer. 32,39; Hes. 11,19; Hes. 18,31; vgl. auch Ps 51,10.17; Hebr. 8,10; 10,15ff.22; Römer 5,5; 1. Joh. 5,2+3; Römer 12,2
* Das alte Herz: Hes. 33,13; Hos. 13,6; Mt. 13,5; Mt. 15,8; Apg. 7, 51
3. Der Aufbau
Vers 26+27a: Die Verwandlung unseres inneren Menschen: Gott gibt uns ein neues Herz und einen neuen Geist
Vers 27b: Die Folgen der Verwandlung: Das Leben im Gehorsam
4. Einzelerklärungen
Vers 26:
* „Ich werde geben“: Gott ist der Handelnde. Der Bundespartner kann nichts anderes machen, als es geschehen zu lassen. Nicht wir nehmen, sondern ER gibt! Das bezeugt unsere Abhängigkeit und verlangt unsere Demut. Wir können uns auf unsere frommen Entscheidungen nichts einbilden, sondern sind ganz und gar von der Gnade und Gabe Gottes abhängig! Interessant ist hier Hes. 18,30+31: Gott mahnt in der Ankündigung des Gerichtes, dass sich Israel ein neues Herz und einen neuen Geist „schaffen“ soll, aber sie haben es natürlich nicht geschafft!
* „neu“: Besonders in der Phase des jüdischen Exils und der Propheten zu der Zeit spricht Gott immer von etwas neuem, was er geben möchte: Ein neuer Bund, ein neues Herz, ein neuer Geist. Dabei bleibt manches „alt“: Die Parteien Gott und sein Volk, die Gebote gehören zu diesem Bund und es geht um eine stabile Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Neu ist dagegen die neue Einstellung des Volkes Gottes. Gott ändert nicht die äußeren Bedingungen, sondern er ändert den Bundespartner. Genau in diese Richtung zielt unser Abschnitt.
*„neu“ bedeutet in diesem Zusammenhang dann „ganz anders“, „vorher unbekannt“ und „viel besser als das vorherige“
* „Herz“: Im biblischen Denken ist der Mensch eine Einheit aus dem körperlichen und dem innerlichen. Für das Innerliche gibt es verschiedene Begriffe, die sich aber oftmals in der Bedeutung überschneiden: So ist das Herz das, mit dem man glaubt (Römer 10,10), mit dem man Lebenspläne macht (Spr. 16,9), in dem man Gefühle empfindet (1. Sam. 1,8), in dem der Geist wohnt (Gal 4,6) oder in dem die Sünde ist (Apg. 15,9). Dieses „Herz“ will Gott erneuern!
* „Geist“: Grundsätzlich bezeichnet „Geist“ in der Bibel unterschiedliche Dinge, z. B. den Geist Gottes, aber dann auch, wie eben hier, den inneren Bereich des Menschen. Hier ist natürlich das Innere des Menschen gemeint, denn der Geist Gottes ist nicht alt und neu sondern immer derselbe. Mit dem Geist des Menschen verhält es sich aber ähnlich wie mit dem Herzen. Der Geist des Menschen bestimmt sein ganzes Inneres. So steht z. B. in 5. Mose 2,30 der „Geist“ parallel zum „Herzen“, erfüllt also die gleiche Funktion. In 1. Kor 5,5 ist der Geist der Platzhalter für das Innere im Gegensatz zum äußeren „Fleisch“, in Mt. 10,28 ist dafür von „Leib“ auf der einen Seite und „Seele“ auf der anderen Seite die Rede. „Herz“ und „Geist“ beschreiben hier in Vers 26 also nicht zwei unterschiedliche Teile im Menschen, sondern im Sinne des typischen Hebräischen Stiles wird hier die selbe Sache mit zwei unterschiedlichen Begriffen bezeichnet, um sie zu betonen: Gott wird das Innere des Menschen ganz neu machen!
* „das Innere“: Dieser Begriff unterstreicht, dass es sich um den „unsichtbaren“ Teil des Körpers handelt im Gegensatz zum sichtbaren Körperlichen.
* „wegnehmen“ bezeichnet eigentlich oft das Gegenteil, dass nämlich einer den guten Weg im moralischen Sinne verlässt. Hier veranlasst nun Gott genau das Gegenteil, dass nämlich der Mensch wieder zurück auf den guten Weg kommt.
* „Stein“ und „Fleisch“: Diese beiden Worte stehen hier für „tot“ und „lebendig“. „Fleisch“ bezeichnet den lebendigen Körper im Sinne von 1. Mose 2,23, also ohne den Hintergedanken der sündigen Natur, wie wir ihn vielleicht von Paulus her kennen. „Stein“ steht für die innere Regungslosigkeit, bzw. den Tod. Interessant ist hier die Beschreibung Nabals in 1. Sam 25, 37. Er ist nicht wirklich tot, aber er ist innerlich wie ein Stein, also regungslos, sein „Herz“ ist tot, es nimmt nichts mehr wahr! Und so gibt Gott hier in Hes. 36 denn auch ein „fleischernes“, also ein lebendiges Herz.
Vers 27:
* „meinen Geist“ ist im Hebräischen vorangestellt und damit in besonderer Weise betont. Gott gibt seinen Geist, er gibt sich selber, das ist das ganz neue, völlig andere und viel bessere! Hier denke man auch an 2. Kor 5,7: Gottes Schatz in irdischen Gefäßen! Der Mensch darf mit Gottes Augen sehen, mit Gottes Herzen fühlen und mit Gottes Willen planen!
* „und ich werde machen … und tut“ „Machen“ und „tun“ sind hier bei Hesekiel das gleiche hebräische Wort. Hier sieht man gut, wie geistliches Leben funktioniert: Gott tut, damit wir tun! Wir sind aktiv, wir leben den Glauben, wir sind verantwortlich, aber vorher hat Gott getan: Er tut zuerst, damit wir dann tun. Epheser 2,10: Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen.
* „in den Geboten wandeln und die Gesetze bewahren“: Das ist die typische Ausdrucksweise für den Gehorsam gegenüber Gott. Gott wird es machen, dass sein Volk gehorsam lebt.
5. Die Spitze des Textes
Gott handelt und gibt den Menschen seinen eigenen Geist, damit der Mensch nach Gottes Geboten handeln kann.
6. Der Text heute
6.1
Wie groß kann die Freude darüber sein, dass Gott an uns handelt! Er verlangt nicht einfach nur irgendwas, sondern er gibt uns dazu die nötigen Werkzeuge. Wir haben Gottes Waffenrüstung, wir haben seinen Geist! Wir stehen nicht alleine und hilflos da! Lob und Dank!
6.2
Gott findet, dass wir ein neues Herz nötig haben, weil das alte soviel sündigt. Sehen wir das eigentlich auch so, oder sind wir mit unserem alten ganz zufrieden? Wo leiden wir eigentlich noch an unserer Sünde, und können wir uns freuen, dass eine Zeit kommen wird, in der wir tatsächlich nie wieder sündigen werden? Ist uns diese unermessliche Gnade bewusst, dass wir nicht für immer so sündig bleiben müssen wie wir jetzt noch sind? Wo haben wir uns vielleicht sogar mit sündigem Handeln (Geiz, Unzuchtsünden, Schädigung des eigenen Körpers, Gottes Schöpfung zerstören, Tratschen, unversöhnte Beziehungen usw.) in unserem Leben abgefunden und wollen gar nichts „Neues“? Lassen wir uns wachrütteln!
6.3
Wir tun als Christen manchmal so, als müsste das Christsein ein einziger Krampf sein, dabei sagt uns Gott, dass der Gehorsam von alleine kommt, wenn wir einfach nur seine Nähe suchen (Galater 5,16) . Und das ist durch Jesus möglich und zwar relativ einfach!
Scheinbar suchen wir nach den komplizierten Formeln, rennen zu vielen Konferenzen und den großen Rednern, aber im Alltag ändert sich doch nichts!
Was wir brauchen, ist ein Bewusstsein für Gottes Handeln an uns, für das, was sich bei uns tatsächlich geändert hat, dadurch, dass wir Gottes Kinder geworden sind. Und wir brauchen dass einfache Wissen, was es heißt, im „Geist zu wandeln“.
6.4
Wo arbeiten wir im Reich Gottes mit, aber tun es aus eigener Kraft und mit unseren eigenen Zielen? Wo ist es gar nicht Gottes Handeln, das uns zum Handeln bringt, sondern wo ist vielleicht Selbstdarstellung oder Selbsterlösung, die wir damit erzielen wollen, oder einfach Tradition?.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
a) Hat sich unser Leben gemessen an den vielen Predigten, die wir schon gehört und/oder gehalten haben, eigentlich angemessen geändert?
b) Immer wieder hört man: „Man kann doch nicht perfekt sein“, „das ist halt mein Laster“, „was Hänschen nicht gelernt hat, lernt Hans nimmermehr“, aber ist das die Wahrheit? Gibt es Sünden, die wir auf keinen Fall los werden können? Oder kann Gott es machen, dass wir wirklich seine Gebote halten? Immerhin sagt Johannes „seine Gebote sind nicht schwer“ (1. Joh. 5,3)
c) Was würden wir von einem Vater halten, der seinen Sohn zum Rasenmähen schickt, aber ihm nicht zeigt und sagt, wie es geht? Gott ist da anders, er zeigt uns wie es geht, bzw. tut das Entscheidende für uns!
d) Wenn man verliebt ist, geht einem vieles leichter von der Hand. Wo erleben wir noch diese „Leichtigkeit“ in der Beziehung zu Gott, wo krampfen wir uns eher ab?
e) Es gibt immer mehr und immer bessere und leistungsfähigere Geräte, aber trotzdem haben die Menschen nicht mehr sondern eher weniger Zeit, warum? So scheint es im Christsein auch: Es gibt immer mehr Konferenzen, große Redner, tolle Bücher, aber trotzdem geht es im Glauben nicht richtig voran, warum? Wir müssen uns auf die einfachen aber wesentlichen Dinge konzentrieren: Gott hat in Jesus Christus das Entscheidende getan!
f) Was wären wir eigentlich ohne Gottes Handeln? Nehmen wir uns einmal die Zeit und gehen unser Leben durch: Beruf, Familie, Besitz, Mitarbeit in der Gemeinde Was wäre das alles wert, wenn Gott nicht handeln würde? Ob uns das endlich wieder wirklich dankbar macht?
8. Material und Gliederung des Textes
Thema: Christus – der Verändernde
Einleitung:
Wie sehr leidest du eigentlich an deiner Sünde? Wie weh tut es noch?
1. Das unveränderte Herz
Das Herz des Menschen ist von Natur aus ungehorsam. Gott beschreibt das Herz als totes Herz. Wir brauchen Vergebung und Erneuerung!
Gott beschreibt das in Hes. 36,25: Gott wird sein Volk reinigen! Das brauchen auch wir.
In Jesus erleben wir diese Reinigung: Er stirbt an unserer Stelle und übernimmt damit unser Gericht! Ein für allemal sind wir gereinigt! (Hebr. 10,10ff)
Hier handelt Gott, so wie es in Hesekiel beschrieben wird. Gott ist es, der es macht. Es ist nicht unser Verdienst, sondern sein Verdienst, Ihm sei Lob und Dank, was wären wir ohne Ihn? Überlegen wir es uns einmal genau.
2. Das erneuerte Herz
Aber Jesus will nicht nur unsere Sünde vergeben, sondern er will uns helfen, dass wir nicht mehr sündigen, deshalb gibt er uns seinen Heiligen Geist.
Paulus lehrt uns, dass wir der Sünde widerstehen können, wenn wir mit diesem Geist unser Leben gestalten. (Gal. 5,16) Und Johannes lehrt uns (1. Joh. 5,3), dass es nicht schwer ist, Gottes Gebote zu halten.
Wenn wir das erleben wollen, dann müssen wir uns klar machen, dass es immer noch Gott ist, der handelt.
Wir oft krampfen wir uns einen ab in der Mitarbeit oder im frommen Leben, weil wir meinen, dass wir was leisten müssen.
Erinnern wir uns doch, wie leicht uns manches fällt, wenn wir den, für den wir es tun, lieb haben, z. B. bei einem Liebespaar.
Und wir haben Grund, Gott wirklich lieb zu haben: Er ist der attraktivste Lebensgefährte, weil er uns mit Liebe überschüttet, uns den Himmel anbietet, uns im Alltag immer begleiten will und vor allem uns vergeben will, damit wir wirklich mit ihm zusammen sein können.
Wir können Gott wirklich lieb haben! Und Jesus sagt es mal so: Wem viel vergeben ist, der liebt viel!
Wenn wir Gott lieb haben möchten, dann müssen wir uns damit beschäftigen, wie umfassend er uns gereinigt hat. Diese folgenreiche Liebe von Gott zu uns, die verändert unser Herz und lässt uns ihn lieben. Wir lieben, weil ER uns zuerst geliebt hat (1. Joh 4, 19), und dann sind seine Gebote leicht.
In der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist zu leben (Gal 5,16), bedeutet zuerst genau das: Aus der Vergebung zu leben, denn nur durch die Vergebung können wir überhaupt in der Nähe des Heiligen Geistes sein!
Und dann sind wir genau bei dem, was Gott beschreibt: Gott handelt, Gott reinigt, und das verändert uns, so dass wir handeln.
3. Gottes Geist gegen altes Leben
In der Praxis klappt das leider nicht immer so, wie Gott das möchte. Immer wieder fallen wir in altes Handeln zurück.
Haben wir uns vielleicht sogar mit Sünde abgefunden?
Zunächst mal eine Beruhigung: Es wird eine Zeit geben, da erfüllt sich das Wort von Hesekiel absolut wörtlich: Wir werden nie mehr sündigen! Wir werden innerlich und äußerlich ganz und gar erneuert sein und niemand wird uns mehr verführen!
Es wird eine Zeit kommen, da enttäuschen wir Jesus nicht mehr! Darauf wollen wir uns freuen und wollen Gott danken, dass wir diese Zeit dank Ihm und seinem Sohn erleben können!
Und dann die Herausforderung:
Wir wollen für Sünde in unserem Leben wirklich sensibel werden und bleiben: Wir wollen beten, dass Gott seinen Finger auf die wunden Punkte legt, wir wollen uns von anderen Christen hinterfragen lassen und ihre Kritik nicht sofort von der Hand weisen, sondern sie wirklich an uns ran lassen und durchdenken. Und wir wollen unsererseits auf andere zugehen und vorsichtig und liebevoll wunde Punkte in ihrem Leben ansprechen.
Wir wollen uns gegenseitig dabei helfen, wirklich in dieser Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist zu bleiben, damit wir der Sünde widerstehen können.
a) Aus der Vergebung leben – vom Kreuz her leben. Wem viel vergeben ist, der liebt viel
b) Gebet – mit Gott über alles reden, gerade auch, wenn Sünde uns egal zu sein scheint!
c) Bibellektüre – immer wieder über Stellen meditieren, nicht den 5-Minuten-Losungs-Quicky, sondern längere Abschnitte, ruhig auch mehrere Tage hintereinander den Gleichen
d) Gegenseitige Ermutigung: Korrektur, Ermutigung, Ermahnung, Beichte, das hilft, der Sünde zu widerstehen und wirklich neu zu leben! Wenn ich weiß: Nächste Woche muss ich es meinem Freund wieder beichten, dann lasse ich es eher, als wenn ich niemandem Rechenschaft ablegen muss.
Oder lässt uns unsere Sünde kalt? Haben wir uns an sündige Strukturen in unserem Leben gewöhnt? Dann wollen wir Gott anflehen, dass er unser Gewissen wieder schärft! Das Ziel bleibt: Gottes Gebote tun!
Es geht nicht darum, dass wir Gott mit unserem Gehorsam zu irgendwas umstimmen wollen. Wir müssen uns nicht abkrampfen in der Mitarbeit, um Gott zu besänftigen.
Es geht darum, das wir die Nähe Gottes suchen und uns dann von ihm verändern lassen, denn das geht der Rest von alleine!
Da müssen wir vielleicht anfangen, das aus unserem Leben zu entfernen, was zur Konkurrenz wird für die Nähe Gottes: Fernseher, Hobby, Computer, Literatur, die den Glauben nicht wirklich fördert…
Schluss:
Ein Glaube ohne Folgen ist tot! (Jak. 2,17) Aber Gott hat ja das tote Steinerne gegen das lebendige ausgetauscht, damit wir Früchte bringen. Also lasst uns die Nähe Gottes suchen und mit dem neuen Herz leben!