Hesekiel

Predigthilfe vom 11.11.2001 – Hesekiel 11,14-21

Monatsthema: Christus – der Verheißene
Predigtthema: Christus wirkt den neuen Bund

Bibelstelle: Hesekiel 11,14-21

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

1. Zusammenhang
Mitten in deutlichen Gerichtsaussagen über Israel und seine Führer eine Gnaden- und Heilsaussage für die, die verschleppt und gefangen sind.

2. Biblische Parallelen
Jesus redet vom neuen Bund bei der Einsetzung des Abendmahls; vom wiedergeboren werden aus Wasser und Geist mit Nikodemus (vgl. Joh 3, 1ff). Das neue Herz (vgl. Lukas 24, 25ff) – die Emmausjünger: „brannte nicht unser Herz?“, auch Römer 5,5 und Gal. 4,6 und öfter im NT. Zur Wiedererwählung Israels Römer 11,25ff.

3. Der Aufbau / Gliederung des Textes
V. 14-16 Das Urteil über die Weggeführten
V. 17-20 Gottes Gnadenzusage der erneuten Gabe des Landes
V. 21 Warnung vor dem Götzendienst

4.Einzelerklärungen
V. 14: Hesekiel redet nicht aus eigener Einsicht. Er sagt Gottes Wort, was Jahwe ihm sagt, wortgetreu.
V. 15: Das selbstgerechte Urteil der in Jerusalem Verbliebenen über die Weggeführten, die fast alle der Oberschicht angehörten.
„Verwandte“, eigentlich: der „Löser“, der zum Rückkauf verpflichtete, wenn einer in Schulden gekommen war und sich selbst nicht auslösen konnte.
„Ferne vom Herrn“, das ist ein geistliches Urteil = sie sind von Gott verstoßen. Aber auch räumlich gemeint: Fern vom Tempel, dem Wohnsitz Gottes. Die Jerusalemer sehen die Eigentumsrechte der Weggeführten für erledigt an und sehen sich als alleinige Inhaber des Landes. Selbstgerecht schreiben sie die Juden in Babylon ab.
V. 16: Gott besättigt: Die Verschleppung ist Gericht. „Vertreiben“ = ausschütten, verstreuen, zerscheitern. Aber: Keine ganze Gottesferne, wörtl.: nur noch ein weniges würde ich ihnen zum Heiligtum. Auch in der (räumlichen) Gottesferne ist er noch ein wenig da, eben in seinem Wort durch Hesekiel.
V. 17: Er gibt eine Gnadenzusage. „Zusammenbringen“, wörtl.: in Garben binden = als Ernte sammeln. Er wird ihnen wieder das Land Israel geben, wörtl: den Erdboden Israels, also ganz real gemeint.
V. 18: Auch das Urteil über die, die im Lande geblieben sind: Sie tun Götzendienst.
V. 19: Gott wird sein Volk verwandeln : „Anderes Herz“= geradliniges Herz, d.h. ganz auf ihn ausgerichtet. „Neu“ = im Sinn von „noch nie da gewesen“.
Das „fleischerne“ Herz meint ein Herz, das zur Liebe fähig ist.
V. 20: Die Liebe zu Gott zeigt sich im Halten seiner Gebote, vgl. Joh. 14, 15+21.
„Ordnungen“, wörtl.: Rechtssetzungen beschreibt den ganzen Heilswillen Gottes.
V. 21: Dazu gehört die entschlossene Absage an allen Götzendienst. „Götze“, eigentlich: Das Ekel erregende, Verabscheuungswürdige (vgl. etwa die obszönen Götzenbilder Kanaans).
„Greuel“ = Das Unreine, Ungeheiligte, gemeint sind die Götzenopfer, die ja bis hin zu Menschenopfern gingen.

5. Die Spitze des Textes
Auch in der Gottesverlassenheit des Gerichtes lässt Gott die Seinen nicht völlig los. Er hält in seinen Heilsgedanken auch durch Gerichte fest.

6. Der Text heute
a) Dieses Heilswort gilt gewiss durchhaltend für das Volk Israel, ganz konkret auch mit der Landzusage. Das ist heute politisch höchst umstritten, aber Gott wird sein Wort einlösen.
b) Wir als neutestamentliche Gemeinde sind „Erfüllung“ dieser Verheißung vom „fleischlichen“ = liebenden Herzen (Israel wird folgen). In Jesus Christus und seiner Gabe des heiligen Geistes an die Glaubenden ist dieses „Neue!“ geschenkt.
So predigen wir diesen Verheißungstext als „erfüllt“ in Christus und seiner Gemeinde und als auf Voll-Erfüllung gerichtet bei der endlichen Errettung ganz Israels.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
a) Die Sonderstellung Israels als der „ersterwählte“ Sohn bleibt bis zur Heilsvollendung bestehen (vgl. Römer 9-11). Bei der Wiederkunft Jesu wird sich ganz Israel bekehren und im 1000-jährigen Reich vollständig gesammelt im Israrelland Heilsvolk für alle Völker sein.
b) Die Verheißungen Gottes eilen von Erfüllung zu Erfüllung. das Bild einer Brücke: Pfeiler um Pfeiler wird in den Strom (der Zeit!) gesetzt, bis die Brücke am andern Ufer ist (im Reich Gottes).
c) Das 1. Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ ist der Vorspruch für alle Gottesgemeinschaft.
d) Das fleischerne Herz ist eine Gabe Gottes; wir können uns das nicht selber geben. Unser Herz ist „böse von Jugend auf“ (1. Mose 8,21). Die Rechtfertigung allein aus Gnade ist schon alttestamentliche Grundlinie. Vgl. „Ich will geben…“
e) Die Liebe zu Gott wird am Tun seines Willens erkannt (vgl. Joh. 14,15). Leibe ist biblisch ein Tun und keine Gemütsbewegung.
f) Wie selbstgerecht sind die „Verschonten“ in Jerusalem. Wir haben uns selber vor Gott zu fragen, wo wir seine Ehre verletzen.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung:
Geschichtliche Situation: 597 v. Chr. war die Oberschicht Israels nach Babylon gefangen weggeführt worden. Die Zukunft Israels war aus. 585 v. Chr. erfolgte dann die endgültige Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Gott redet durch seinen Boten in diese trostlose Situation hinein, in Ernst und Gnade.

1. Alles verloren?
So ist es. Das ist der Ernst der Verkündigung. In seinem Götzendienst und seiner Sünde hat Israel alles verloren: Die Gemeinschaft mit Gott und die Heilsgabe des Landes. Sie sind rechtlose Gefangene Babels. Noch meinen die Zurückgebliebenen selbstgerecht: Sie hätten keine Strafe verdient, aber auch sie ereilt das Gericht. Hesekiel redet im Namen Gottes überdeutlich. Ja, das ist Gottes Gericht.
Das gilt für uns alle: Wir sind dem Gericht verfallen. Paulus sagt: „Da ist keiner der Gutes tue, auch nicht einer!“(Römer 3,12). Erst wo ein Mensch das erkennt, da kann Rettung geschehen. Wie oft gleichen wir den selbstgerechten Jerusalemern von damals. Wir zeigen auf die „böse“ Welt, diesen verlorenen Sünder und sehen nicht unsere eigene Versuchung – Jesus sagt:“Zieh erst den Balken aus deinem Auge“ (Matth. 7,5).
Ja, wir haben – zu Recht – alles verloren. Der natürliche Mensch lebt in der babylonischen Gefangenschaft des Satans durch die Sünde. Diese Analyse unserer Lage ist eindeutig. Und: Keiner kann sich daraus selbst befreien. Doch von Gott her gilt:

2. Alles gewinnen!
Er ließ damals und bis heute Israel nicht los, nicht endgültig untergehen. Er kündigt Heil an. An Gottes treue zu Israel hängt unsere Heilsgewissheit, denn wir sind nicht besser als Israel. Gott kommt zur Ernte, selbst da, wo alles verdorben erscheint (vgl. Mt. 9, 37f). Sammeln, zusammenbringen, wörtl: zu Garben binden. Wo kein „Löser“ = Rückkäufer da ist, da tritt Gott selbst auf den Plan.
In Jesus Christus ist das geschehen- Noch erkennt ihn das „blinde“ Israel nicht, aber das wird geschehen. Ohne Israel gibt es keine Heilsvollendung (vgl. Römer 11,25ff). Wir Jesus-Glaubende haben in ihm alles gewonnen: Erlösung, lohnendes Leben, Freiheit und ewiges Leben. Das ist das Evangelium. Gott hat das getan! Jesus hat uns freigekauft am Kreuz; wir konnten das nicht selber tun. Die Erlösung geschieht allein aus Gnade.
Durch die Gabe des Geistes haben wir das neue Herz, das fleischerne Herz, den neuen Geist, den heiligen Geist! Hesekiel 11,19 ist in der neutestamentlichen Gemeinde vor-erfüllt. Jesus hat den neuen Bund gestiftet, den Bund der ewigen Erlösung. Wir können nur staunend danken.

3. Deshalb: Alle Liebe für IHN
Der neue Geist ist der Geist, der uns zur Liebe befähigt; das fleischerne Herz ist das Herz, das Gott liebt und den Nächsten. Liebe ist biblisch ein Tun: „Wer mich liebt, hält meine Gebote“(Joh. 14,15). Noch lebt Israel ohne „Liebe“, vertraut auf die eigene Kraft. Wir bitten in diesen Tagen besonders für Israel, dass Gott jetzt schon vielen im Volk das fleischerne Herz gibt. Und: Wo wir bitten, sind wir auch bereit, Jesuszeugen zu sein. Mission in Israel ist das Gebot der Stunde.
Unsere Liebe zeigt sich an dem, dass wir nach Gottes Willen fragen (in seinem Wort) und ihn dann auch tun. Wir wollen Gott zu Liebe leben. Lasst uns wieder brennender werden und alles wegtun, was Jesus traurig macht.

Schluss: Das ist unsere Botschaft in diese trostlose Welt hinein: Mit Jesus gewinnst du das Leben, das ewige Leben!