Hesekiel

Predigthilfe vom 4.11.2001 – Hesekiel 3, 17-21

Monatsthema: Christus – der Verheißene
Predigtthema: Christus schafft Rettung

Bibelstelle: Hesekiel 3, 17-21

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

Wir beginne mit einer Reihe von Hesekiel-Texten.
Hesekiel (hebräisch – Ezechiel; deutsch – „Gott stärkt“) lebt um 600 v.Chr. Er ist ein Zeitgenosse des Jeremia und Daniel. Er wurde 597 v. Chr. mit vielen vornehmen Juden nach Babylon verschleppt und lebte und wirkte dort unter den gefangenen Juden. Seine Botschaft im Buch gliedert sich in drei Teile:
1. Kapitel 1-24: Deutliche Benennung der Sünde Israels und des Gerichts
2. Kapitel 25-32: Deutliche Strafworte gegen die Feindvölker Israels
3. Kapitel 33-48: Deutliche Ansage des zukünftigen Heils für Israel

1. Zusammenhang
Im Rahmen der Berufungsgeschichte des Propheten wird sein Auftrag eindringlich genannt.

2. Biblische Parallelen
Wörtliche Wiederholung von V 17-19 in Hes. 33, 7-9; vgl. auch Kapitel 18.
Neutestamentlich ist Jesus dieser Mahner vor dem Gericht. Vgl. etwa Matth. 21, 33ff: Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern. Auch Paulus versteht seinen Dienst als solches warnende Ermahnen. Vgl. 1. Kor. 5, 1ff; Gal 6, 1+2. Dazu auch Hebr. 13, 17

3. Der Aufbau / Gliederung des Textes
a) V. 17: Der Auftrag, Wächter zu sein
b) V. 18+19: Die Warnung des Gottlosen
c) V. 20+21: Die Warnung an den Gerechten, der abfällt

4.Einzelerklärungen
V. 17: „Menschenkind“ – wörtlich: Menschensohn ist ein Ehrentitel für die Boten Gottes, den dann Jesus für sich als messianische Selbstbezeichnung verwendet, ausgehend von Daniel 7, 13.
„Menschensohn“ beschreibt so ein Doppeltes: Ganz einem Menschen gleich, dann aber auch als „ursprünglicher“ Mensch (Adam im Paradies – vgl. 1, Mose 1, 27 „Ebenbild“) ganz Gott zugeordnet.
„Wächter“ – der, der von hoher Warte aus ausspäht.
„warnen“ – wörtlich: jemand zur Vor-/Einsicht rufen, nämlich, dass höchste Gefahr droht.

V. 18: „Der Gottlose“, der Frevler, bezeichnet einen Menschen, der Gott uns seine Gebote bewusst vergisst und sienen bösen Neigungen folgt.
„Sein Blut fordern“, im hebräischen Wort steckt der Vorgang, dass Gott das Versagen seines Boten aufdeckt und straft.

V.19: „Sünde“ = bewußter Fehltritt, gezieltes Abweichen von Gottes Weg.
„Leben errettet“ = wörtliche: Herausziehen (aus dem Abgrund, Tiefe des Todes).

V. 20: „Gerechter“ – eigentlich: Ein Bewährter; einer, der geradlinig den Weg des Gehorsam gegen Gottes Gebot geht.
„Zu Fall bringen“ – wörtlich: Ein Hindernis auf dem Weg = Seine Sünde wird ihm zu einem Stolperstein, der ihn zu Fall bringt.

5. Die Spitze des Textes
Der Gottesbote ist verpflichtet den Sünder zu warnen vor der Strafe. Verweigert er diesen Auftrag verfällt er selber dem Gericht.

6. Der Text heute
Gewiss gilt: Wir verkündigen das „Evangelium“, die frohe Nachricht von der Liebe Gottes zu allen Menschen (Johannes 3, 16). Gewiss gilt aber auch: Wer dieses Evangelium nicht annimmt, der wird in Ewigkeit verloren gehen. Das sollen wir ebenso klar sagen. Wir scheuen uns oft, vom Gericht Gottes zu reden. Ohne diesen Ernst aber verliert das Evangelium seinen Glanz und seine Einmaligkeit.

7. Beispiele und Verdeutlichungen
a) Die Geschichte von Ananias und Saphira (Apg. 5,1ff) ist solch eine Warnungsgeschichte: Ein Gerechter weicht bewusst vom Weg Gottes ab und hört auch nicht auf die Mahnung. Er hätte nicht sterben müssen, hätte er seine Sünde offen bekannt.
b) Jesus mahnt den Judas in der Nacht vor dem Verrat überdeutlich. Judas aber kehrt nicht um!
c) „In unserer Gemeinde ist soviel verborgener Groll und Gegeneinander. Niemand aber traut sich, das anzusprechen“, so sagt einer aus dem WBB. So werden wir aber selber schuldig und die Gemeinde verliert ihre Vollmacht.
d) „Warnen“, eine Wurzel des hebräischen Wortes heißt: „in Schlachtreihe ordnen“, also dem Einbruch des Bösen in die Gemeinde entschlossen wehren.
e) In Gottes Namen warnen! Nicht auf eigene Rechnung. Die Polizei darf nicht für sich kassieren. Das entlastet uns: Das Gericht ist Gottes Entscheidung.
f) Warnen ist nicht Drohen. Keine Angst machen, sondern klar die Konsequenzen der Sünde benennen.
g) Jesus warnt Israel ganz deutlich: vgl. Matth. 21, 33ff.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Der Turmwächter von Rothenburg o.T. ist heute eine Touristenattraktion. Im Mittelalter war er unentbehrlich: Er wachte über der Stadt und schlug rechtzeitig Alarm bei Feuer oder Angriffen. So sind wir Christen Mahner: Achtung! Die Sünde ist der Leute Verderben, sie gehen damit ewig verloren.

1) Der Wächter hat die Übersicht
So beschreibt Hesekiel seinen Auftrag: Er ist zum Wächter gesetzt. Einer, der vom hohen Turm aus die Gefahren sieht und Alarm schlägt. Das ist bleibender Auftrag der Gottesleute: Wir reden vom Gericht Gottes über jeden, der Jesus ablehnt. Keine abschreckende Drohung mit schlimmen Höllenbildern, sondern nüchternes Aufzeigen der Konsequenzen: Mit Jesus ewiges Leben; ohne Jesus ewige Gottesferne!
Deshalb benennen wir deutlich die Sünde(n). das ist heute vielfach aufgeweicht. Das biblische Wort sagt klar was Sünde ist und benennt auch die einzelnen Sünden.
Vgl. etwa die heutige Diskussion um Homosexualität. Doch auch die Sünden im Umgang mit Geld und Besitz, Ehrsucht, Lüge usw. führen ins Gericht.
Wir sehen uns selber an. Welche verborgenen Sünden gibt es bei mir? Welche Sünden (und es gibt viele) stören unsere Gemeinde? Wie oft scheuen wir uns, nach Gal. 6, 1+2 zu handeln?
Gott gibt uns in seinem Wort klare Maßstäbe an die Hand, was Sünde ist un von daher sollen wir klar warnen und zur Umkehr jetzt! einladen.

2. Gewonnen aus der Einsicht
Der Späher ist nicht nur auf die eigenen Augen angewiesen: Wir verstehen Sünde schnell moralisch. Gott selbst öffnet uns in seinem Wort die Augen für die Angriffe des Bösen. Wir sind von ihm beauftragt. Jesus sendet seine Jünger, eben auch mit der Aufgabe, das Gericht anzusagen (vgl. Matth. 10, 14f + 32f). Gewiss: In dieser Zeit der Gnade ist das Vernichtungsgericht ausgesetzt, aber im Endgericht entscheidet Heil oder Verdammnis allein an dem Vertrauen zu Jesus. Unsere Gerichtsverkündigung gipfelt immer in der Jesuseinladung.
Wie klar bezeugt das Petrus: Es ist in keinem andern Heil…
Wir reden in Jesu Namen, also nicht auf eigene Rechnung. Hinter aller Gerichtspredigt steht Gottes glühende Retterliebe. Wichtige biblische Aussage: 1. Tim 2,4! Gott will Rettung. Das nimmt biblischer Gerichtsaussage jeden verurteilenden Fanatismus und führt immer hinein in den Umkehrruf.
Diese zwei Einsichten hat nur der Christ. Der, der die Bibel kennt. Einmal: Es gibt einen doppelten Ausgang der Menschen- und Weltgeschichte: Rettung oder Verdammnis.
Und: Gott will retten, dazu hat er alles eingesetzt, selbst einen Sohn Jesus!

3. Er mahn zur Vor-sicht
Vorsicht im Sinne von voraus-sehen, die Konsequenzen aufzeigen. Nicht drohen! Ist das Drohung, wenn ich einen Autofahrer etwa stoppe und warne: „Achtung, vorne ist die Brücke eingestürzt, du fährst in den Abgrund?“ Nein – doch der natürliche Mensch empfindet jede Rede vom Gericht als Drohung. Das müssen wir so in Kauf nehmen und trotzdem nicht müde werden. Gerichtsaussage aus glühender Retterliebe heraus, das wird man uns abspüren.
Wo ich nicht warne vor der ewigen Verdammnis, werde ich schuldig. Jesus nennt deshalb die Pharisäer „blinde Blindenleiter“.
Als Wächter haben wir neutestamentlich noch einen weiterreichenden Auftrag als Hesekiel: Wir sagen die Wiederkunft Jesu Christi an! Nicht nur warnen, sondern die steigende Freude er Erwartung der Vollendung wecken.

Schluss:
Ist der Ruf „Jesus kommt wieder“ für dich Freudenruf oder Schreckensschrei?