Jesaja

Predigthilfe vom 19.11.2000 – Jesaja 6,1-8

Monatsthema: Gott finden – in der letzten Zeit.
Predigtthema: Gott sendet zum Dienst.

Bibelstelle: Jesaja 6,1-8

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

52. Predigthilfe

Gott sendet zum Dienst Jesaja 6,1-8 zum 19.11.2000

1. Zusammenhang
Erst nach seiner Gottesbotschaft (Kap. 1-5) berichtet Jesaja von seiner Berufung zum Gottesboten.

2. Biblische Parallelen
Auch andere Propheten berichten von ihrer Berufung: vgl. Jer. 1; Hes. 1; Hosea 1; Amos 7,1ff).
Vergleiche auch die ntl. Erzählungen von der Berufung der Jünger durch Jesus und die Berufungsgeschichte des Paulus (Apg. 9,1ff).

3. Gliederung des Textes

V. 1 – 4 Die Schau des Jesaja
V. 5 – 7 Die Entsühnung des Jesaja
V. 8 Seine Berufung

4. Einzelerklärungen

V. 1: Es ist wohl das Jahr 736 v.Chr., Usija war zunächst ein gottgefälliger König, aber dann wegen seines Hochmutes mit Aussatz bestraft (vgl. 2. Chron.26). Jesaja steht im Tempeleingang und „sieht“, für sehen steht das ganz normale Wort. Es ist also kein innerseelisches Geschehen, sondern Wirklichkeit. Er sieht den erhöht aufgestellten Thron und von dem, der dort sitzt, nur den Saum des Gewandes, der den Tempel ausfüllt. Er weiß, dass es der Herr (Jahwe) selbst ist. Auch hier gilt das Wort Gottes an Mose: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht“ (2. Mose 33,20).

V. 2: Seraphim wörtl.: „Feurige“, sind Thronengel Gottes, in menschenähnlicher Gestalt (Antlitz, Füße), aber mit sechs Flügeln, die ihnen volle Beweglichkeit verleihen. Sie bedecken ihr Antlitz aus Ehrfurcht vor dem heiligen Gott und ihre Füße, damit nichts Unreines (durch die Berührung des Bodens) vor Gott ist. Sie fliegen, das heißt, sie umschweben den Thron Gottes. Ein eindrücklicher Blick in die Wirklichkeit der Herrlichkeit.

V. 3: Sie rufen einander das Bekenntnis der Heiligkeit Gottes zu. „Heilig“ ist hier in seiner Grundbedeutung „ausgesondert“ = völlig anders als Wesenszusage zu verstehen. Das dreimalig „heilig“ ist wohl Hinweis auf den dreieinigen Gott (Vater, Sohn und Hl. Geist).
„Herr“ ist der Gottesname Jahwe, „Heerscharen“ , kennzeichnet Gott als den allmächtigen Gebieter aller Mächte und Kräfte. Das unterstreicht umfassend die Aussage: Alle Lande sind seiner Ehre voll, wörtl.: „Die ganze Erde ist Fülle (gefüllt) von seiner Gewichtigkeit“, im Sinne von: Er hat alles in seiner Macht und Herrschergewalt.

V. 4: So gewaltig sind die Engelsrufe, dass die „Stützpfeiler und Schwellen“ des Tempelgebäudes wanken. Der Rauch ist beides, Verhüllung der „tötenden“ Herrlichkeit des allmächtigen Gottes und Zeichen der Anbetung (Rauch vom Opfer und Weihrauch).

V. 5: Jesaja kann in dieses überwältigende Gottesbekenntnis der Seraphim nicht einstimmen. In der Gegenwart Gottes erkennt er sich selber in seiner Sünde: „Wehe mir“ ist Klageruf; „ich vergehe“, wörtl.: ich werde zum Schweigen gebracht = ich habe keine Entschuldigung, ich bin ein verlorenen Sünder! „Unreine Lippen“, wörtl.:“eingetaucht in Schmutz“, vgl. ntl. Römer 7,17ff, „die Sünde, die in mir wohnt“. „Lippen“ stehen stellvertretend für die ganze Person, denn das kennzeichnet den Menschen ja im Besonderen: Er kann reden. Ganz Israel, so erkennt Jesaja, das „heilige“ Volk ist so in Sünde gefangen und da lebt, „wohnt“ er ja mittendrin. Das: „denn meine Augen…“ macht deutlich: Erkenntnis der Sünde kommt nicht aus mir, sondern nur von dem lebendigen Gott; vgl. auch Joh. 16,8-10 und Lukas 18,13.

V. 6: Der Seraphim flog zu ihm hin mit einer glühenden Kohle, die er vom Opferfeuer, das auf dem Tempelaltar brannte, nahm. Das Opfer soll ja Versöhnung bewirken. Dass der Engel eine Zange braucht, unterstreicht die „Menschlichkeit“, sonst würde auch er sich verbrennen. Engel sind nicht gottgleich.

V. 7: Mit der glühenden Kohle berührt der Engel den Mund Jesajas, eigentlich ein zerstörerischer Vorgang, aber: das „Siehe“ leitet das völlig Überraschende des Geschehens ein: Die glühende Kohle verbrennt nicht, sondern sie macht „rein“, entsühnt. So sagt es der Engel, wörtl.: „Deine Schuld wird entfernt“ – sie wird verbrannt, nicht du! Feuer, das brennt, aber nicht verbrennt (vgl. 2. Mose 3,1-5). Nicht Gerichtsfeuer (vgl. Jes. 10,17), sondern Reinigungsfeuer erlebt Jesaja, das alles Sündige wegbrennt (vgl. auch 1. Kor. 3,15)

V. 8: Jetzt die Gottesstimme mit der Frage: Wen soll ich „senden“, wörtl.: „wie einen Pfeil abschießen“; „wer wird gehen für uns?“ auch die Mehrzahl „für uns“ weist auf die Dreieinigkeit. Gott fragt, er zwingt nicht. Und Jesaja antwortet, hebräisch ganz kurz und prägnant: „Hier ich, sende mich!“

5. Die Spitze des Textes
Jesaja wird persönlich von Gott berufen und für seinen zukünftigen Dienst gereinigt und bevollmächtigt.

6. Der Text heute

a) Der heilige Gott, der ganz andere Gott, dass wir das wieder betonen. Gott ist nicht unser Kumpel. Er ist mit nichts und niemand zu vergleichen; er ist ein verzehrendes Feuer. Die plumpe Vertraulichkeit ist uns verwehrt.

b) Erst auf diesem Hintergrund wird das Evangelium deutlich: Gott bei uns in Jesus. In verhüllter Gestalt, dass wir nicht vergehen müssen. Wir dürfen sogar Vater sagen. Erst wo Jesus unsere „Lippen“, unsere ganze Person reinigt, entsühnt, können wir mit dem lebendigen Gott in Gemeinschaft kommen und leben.

c) Ja, noch mehr: Er ruft uns in seinen Dienst. Wir Vergängliche im Dienst des Ewigen. Das ist unsere Würde. Wir können nur staunend danken dafür.

7. Beispiele und Verdeutlichungen

A) Der Heilige Gott

a) Den Mogul-Kaisern in Indien durfte man sich nur auf dem Boden kriechend nahen, ohne den Blick zu erheben. Wer den Kaiser doch ansah, wurde sofort von der Palastwache mit dem Schwert getötet.

b) Die Liedstrophe EG 379,1:“Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann…“

c) Offenbarung 1,17: Als Johannes den verherrlichten Christus sah, fiel er zu seinen Füßen wie ein Toter.

B) Der versöhnende Gott

a) Jesus ist diese glühende Kohle: Einer, der sich selbst verzehrt. So wird Versöhnung.

b) Feuer, das brennt und nicht verbrennt: Der brennende Dornbusch.

c) „Unreine Lippen“ = Die willentliche, verantwortete Rede kennzeichnet den Menschen vor allen anderen Geschöpfen. Deshalb kann er sündigen, weil er sich seiner bewusst ist. Ein Tier kann nicht sündigen

C) Der sendende Gott

a) Die Gottesbegegnung ist nie zur alleinigen persönlichen Erbauung; sie ist In-Dienstnahme.

b) Wen soll ich senden? Vgl. Jesu Ruf: Matth. 9,37+38: Die Ernte ist groß.

c) Sind wir gehorsam wie Jesaja: „Hier ich, sende mich?“ Oder wie Jona, der floh?

8. Material und Gliederung zur Predigt

Einleitung:
Jesaja gerät in Todesgefahr! Warum? Er begegnet Gott – ein uns so ungewohnter Gedanke. Vgl. Beispiel 7 A, (Mogul-Kaiser)

1. Gott – ganz für sich
Der Schreck bei der Gottesbegegnung: Er ist der ganz Andere. Heilig = abgesondert, einzigartig, unberührbar. Wie Feuer und Reisig. Wir so schnell: Der liebe Gott. Gott ist nicht unser Kumpel. Der Gottesschreck: Die Religionen in ihren Furchtausprägungen bewahren das auf. Der Ernst der Gottesbegegnung, selbst die Engel bedecken sich. Das 3x Heilig weist auf den dreieinigen Gott: Der Vater, der Sohn und der Geist. Gott der völlig Andere. Er ist sich nicht selbst genug. Er will uns. Das ist das Evangelium.

2. In Jesus – ganz für mich
Jesaja: Weh mir, ich vergehe, wörtl.: Ich werde zum Schweigen gebracht, kann nicht mitloben. Ich erkenne mich als Sünder, als Verlorener. Unrein, wörtl.: im Schmutz wühlen. „Lippen“, steht für ganze Person. Der Mensch hat Stimme = er ist sich seiner bewusst, sündigt bewusst. Ein Tier kann nicht sündigen. Erst vor Gott erkenne ich mich als Sünder. Doch er reinigt (vgl. 1. Joh. 1,8). Feuer, das brennt, aber mich nicht verbrennt: Jesus verzehrt sich selbst, so werde ich rein. Nur durch Jesu Vergebung kann ich mit dem heiligen Gott Gemeinschaft haben. Das ist das Zentrum des Evangeliums: Versöhnt mit Gott!

3. Sein Geist sendet dich

Gottesbegegnung ist In-Dienstnahme. Wen soll ich senden? Wörtl.: wen soll ich als Pfeil abschießen. Die Pfeile der Liebe, die ins Herz zielen, nicht töten, sondern harte Herzen aufsprengen. Sind wir dem Ruf gehorsam oder fliehen wir wie Jona?
Jesaja kurz und klar: Hier ich, sende mich! Gott will dich senden. Er zeigt dir den Ort, den Menschen, den du anzünden sollst. Lasst uns neu hingehen.

Schluss:
Christ sein leben wie beschauliches, bewachtes Kaminfeuer oder wie ein Flächenbrand, der sich ausbreitet?