Monatsthema: Gott finden – in der letzten Zeit.
Predigtthema: Gott sucht Frucht
Bibelstelle: Jesaja 5,1-7
Verfasser: Dr. Heiko Krimmer
51. Predigthilfe
Gott sucht Frucht Jesaja 5,1-7 zum 12.11.2000
1. Zusammenhang
Der Schluss der „Schau“ (Offenbarung Gottes an Jesaja) über Juda und Jerusalem: Ankündigung des Gerichts über das „unfruchtbare“ Israel.
2. Biblische Parallelen
Jesus hat in seinem Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Matth. 21,35ff) Jesajas Lied sehr deutlich und in gleicher Gerichtsschärfe aufgenommen.
3. Gliederung des Textes
V. 1 Einleitung für ein Lied
V. 2 Die Pflege des Weinbergs (1. Strophe)
V. 3+4 Zwischenfrage
V. 5+6 Die Verwüstung des Weinbergs (2. Strophe)
V. 7 Prophetische Gerichtsaussage über Israel (3. Strophe)
4. Einzelerklärungen
V. 1: Jesaja kleidet seine prophetische Verkündigung in die Form eines „Liebesliedes“, wohl vorgetragen mit der Laute am Tempeltor zur Zeit des Herbstfestes (Weinlese), so konnte er sich der Aufmerksamkeit sicher sein. Er tritt als „Freier“ auf, als der, der während der Verlobungszeit zwischen Braut und Bräutigam vermittelt. „Mein Freund“ wörtl.: der Geliebte, bezeichnet die enge Beziehung. Der „Weinberg“ ist Bild für Israel (vgl. V. 7). Die „fette Höhe“, wörtl.: fruchtbare Berghalde, unterstreicht die gute Voraussetzung für ertragreiche Ernte.
V. 2: Alles Bilder für Gottes Zuwendung an Israel:“Den Boden umgraben“ = lockern, zur Bepflanzung vorbereiten = die großen Heilstaten Gottes für Israel. „Entsteinen“ = alles, was hindern kann aus dem Weg räumen = Gott vergibt immer wieder. „Edle Reben pflanzen“ = Gott erhält Israel. „Der Turm“ = Wachturm = Gott behütet Israel. „Kelter“ = alles für die Ernte vorbereitet = die Verheißung an Israel. „Gute Trauben“ = ausgereifte Früchte = Israels ganze Liebe zu Gott! „Schlechte Früchte“ = unreife, saure Trauben = Israels Undank und Götzendienst.
V. 3: Die Hörer des Liedes sollen „richten“, im Sinn von entscheiden, ihr Urteil abgeben. Noch können sie denken, es handle sich um eine Liebesgeschichte, die zu beurteilen ist. Wer gibt nicht gerne Rat in Liebesdingen?
V. 4: Die rhetorische Frage „…was sollte man noch mehr tun …?“ soll die Zuhörer zum Urteil herausfordern. Die Frage „warum hat er denn schlechte Trauben gebracht…?“ zielt schon tiefer nach den Ursachen, ja nach der Wesensart der so „Umworbenen“.
V. 5: Ohne auf Antwort zu warten singt Jesaja weiter. „Ich will euch zeigen“, wörtl.: euch wissen lassen = Gott gibt sein Urteil bekannt. „Der Zaun“, wörtl.: die „Dornenhecke“, der Schutz für den Weinberg, sie soll „weggenommen“ werden und der nun schutzlose Weinberg soll „verwüstet werden“, wörtl.: „abgeweidet“ = die Tiere fressen die Reben = Feinde werden Israel zerstören. Die „Mauer“, der Schutz für den ganzen Weinberg soll „eingerissen“ werden und alles wird „zertreten“, wörtl.: „zertrampelt“. = Die feindlichen Heere verwüsten das Land. Gott (die Mauer) gibt sein Volk schutzlos preis. (vgl. etwa Dan. 1,1-2).
V. 6: Die lange Gerichtszeit wird nun in diesen Bildern ausgedrückt: Der Weinberg wird „wüst liegen“, wörtl.: Ödland sein = es wird nichts wachsen = das Volk aus dem Land vertrieben sein. Nicht mehr „beschnitten“ und nicht mehr „gehackt“ im Sinne von, er erfährt keine Pflege und Fürsorge mehr = Gott verbirgt sich vor Israel. „Dornen und Disteln“ wachsen = Untaugliches = Israels vergebliches Leben und Mühen ohne Gott. Kein Regen bedeutet, es kann gar nichts Gutes mehr wachsen = Gott entzieht die Lebensgrundlage.
V. 7: Nun die „Auflösung“ des immer schärfer werdenden Liedes: Der „Kampfname“ Gottes, „Jahwe Zebaoth“ = Herr der Heere. Der Weinberg ist das Land Israel, die Israeliten (Juda steht stellvertretend für ganz Israel) sind die edlen Reben. Gottes „Herz hing an ihnen“ wörtl.: das Ergötzen, die Freude, die Liebe zu Israel. Gott wartet bei seinem Volk auf „Rechtsspruch“ = gerechtes Handeln und Leben, aber er erlebt „Rechtsbruch“ = Ungehorsam und Götzendienst. Israel hatte alle Voraussetzungen für ein Leben in Gerechtigkeit = Leben nach Gottes Geboten, aber „es war Geschrei über Schlechtigkeit“, wörtl.: „Wehklagen“ „Hilferufe“, nämlich all derer, die ausgebeutet, unterdrückt und betrogen werden (vgl. etwa Amos 5,10ff).
5. Die Spitze des Textes
Gottes Gericht ergeht schrecklich über das ungehorsame Volk.
6. Der Text heute
a) Das unermüdliche Werben Gottes um Israel, seine liebende Fürsorge für seine Gemeinde bis heute, endgültig geschehen in Jesu Heilstun, soll ganz gewiss ein mutmachendes Thema dieser Predigt sein.
b) Der erschreckende Undank und Ungehorsam Israels, unsere Schuld als Christen, wo wir die Nachfolge Jesu verlassen und eigene Sündenwege gehen – als Einzelne und als Gemeinde – soll uns zur Umkehr und entschlossenen Selbstprüfung anleiten.
c) Die harte Ansage des Gerichts – an Israel geschehen in der babylonischen Gefangenschaft und den 1900 Jahren Diaspora bis 1948 – soll auch uns mahnen. Auch wir gehen dem Gericht entgegen und wo wir nicht ganz zu Jesus gehören, verlieren wir das Heil.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
a) Unser Text ist so voll von Bildern, dass weitere Beispiele nur verdunkeln. Achten wir auf die Übertragung der Bilder (siehe Einzelerklärungen)
b) Wo sind wir in der gleichen Art und der Gefahr des Ungehorsams wie Israel damals? (Wo Heuchelei ist, Gesetzlichkeit, offene Sünde; eine Kirche, die nicht mehr am Wort bleibt etc.).
c) Ist ein guter Gitarrenspieler in der Gemeinde, er könnte die Lesung des Textes begleiten, so wie damals Jesaja seine Botschaft „gesungen“ hat.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung:
(erzählend) Kommt der Störer wieder und will das Fest kaputt machen? Die Mienen hellen sich auf: Er singt ein Lied, sogar ein Liebeslied, von Irrungen und Wirrungen bei der Liebe. Da hört jeder gespannt zu.
1. Strophe:
Liebeswerbung. Die Mühe um den Weinberg (die Geliebte). Ganzer Einsatz, doch: Schlechte Trauben, enttäuschte Liebe. Die Spannung steigt.
2. Strophe:
Ich habe doch alles getan. Helft mir, was soll ich noch tun? Wer rät nicht gerne in Liebesdingen. Doch das Lied geht weiter. Ganz anderer Ton.
3. Strophe:
Der enttäuschte, zornige Liebhaber. Ende gar nicht lustig! Deutliche Gerichtsaussage. Und dann der Hammer: Ihr seid dieser Weinberg. Verweisen (lesen) Matth. 21,33ff).
Wir wollen den Ton dieses Liedes noch einmal für uns aufnehmen.
1. Die Melodie vom Himmel her
Was die Engel zur Christnacht gesungen haben: Ehre sei Gott in der Höhe … Da beginnt diese Melodie der Liebe Gottes zu uns. Gottes Liebeswerben. Das Wunder des Evangeliums. Was hat Gott nicht alles für uns getan. Ntl.: Joh. 3,16. Wie oft tut Jesus das an dir: Umgraben, entsteinen, neu pflanzen, sogar Turm bauen.
Danken für diese Liebe.
2. Die Strophen singen wir
Nehmen wir diese Melodie der Liebe Gottes auf, singen sie weiter! Oder schrille Misstöne wie in Israel? Sündenmelodie, Eigenkomposition, Klagelieder, gottlose Lieder. Da prüft uns unser Text. Gibt es Frucht in deinem Leben? Sonst andere Melodie.
3. Was ist das Ende vom Lied?
Damals Gottes Urteil: Schlechtigkeit, ungenießbares Leben. Leben, das in das Gericht geht. Gott will mehr aus unserem Leben machen; uns sogar zu Vorsängern machen. Die Jesusmelodie: Noch nicht Gericht, sondern Sünder zur Buße rufen.
Schluss:
Die letzte Strophe wird in der Ewigkeit gesungen. Ernst und deutlich: Heulen und Zähneklappern oder „Halleluja“ = Ehre sei Gott!