Monatsthema: Gott finden – im vollen Evangelium
Predigtthema: Das Wort selbst leben
Bibelstelle: 1.Thessalonicher 2,1-12
Verfasser: Dr. Heiko Krimmer
42. Predigthilfe
Das Wort selbst leben 1. Thessalonicher 2,1-12 zum 10.9.2000
1. Zusammenhang
Der Apostel wehrt sich wohl gegen bösartige Angriffe gegen seine Person und bezeugt seine lauteren Motive und seine untadelige Lebensführung in Thessalonich.
2. Biblische Parallelen
Oft wurde der Apostel persönlich angegriffen, wie sein Herr Jesus selber auch.
Vgl. etwa Mt. 11,19; Mt. 12,22ff; 1. Kor. 4; 2. Kor. 1,12ff; 2.Kor. 10.
3. Der Aufbau des Textes
V. 1 + 2: Der Anfang in Saloniki
V. 3 – 8: Die lauteren Motive des Apostels
V. 9 – 12: Das Ringen um die Heiligung der „jungen“ Christen.
4. Einzelerklärungen
V. 1: Mit „ihr wisst“ knüpft Paulus an Kapitel 1,5+9 an. Die Thessalonicher selber wissen ja, wie Paulus bei ihnen gelebt und gewirkt hat. Deshalb können sie alle bösartigen Angriffe zurückweisen. Der Dienst des Paulus war nicht vergeblich, wörtl.: leer, ohne Ertrag. Das Wort Gottes hat Herzen verwandelt; eine christliche Gemeinde ist ja entstanden.
V. 2: Die Leiden in Philippi (vgl. Apg. 16,9ff) haben Paulus und seine Mitarbeiter nicht abgeschreckt, vielmehr haben sie Mut gewonnen, auch in Thessalonich zu predigen. Mut, wörtl.: Freiheit zur Rede (ohne Rücksicht auf Menschen). Nicht aus ihnen selber- etwa als Trotzreaktion – kommt solcher Freimut, sondern, „in unserem Gott“, in dieser engen Gemeinschaft mit Jesus Christus, der ja gerade in Philippi (Erdbeben, das die Gefängnistüren öffnete) seine Kraft erwiesen hat. Doch auch in Thessalonich konnte das Evangelium nur unter „viel Kampf“ (Widerstand der Juden) verkündigt werden.
V. 3: Paulus wurden viele unlautere Motive unterstellt (wohl von den Juden). „Ermahnung“ ist ein zusammenfassender Begriff für die Evangeliumsverkündigung, wörtl.: Ermunternd zurufen, trösten, mahnen, einladen. „Betrügerisch“, wörtl.: täuschen, im Sinn von: von der Wahrheit abirren, Falsches verkündigen; „unlauter“ wörtl.: unrein, im Sinn von unmoralischem Lebenswandel (sexuelle Unmoral, aus Stolz, Habgier etc.) oder rhetorische Kniffs anwenden. Das alles sind wohl Vorwürfe, die von Gegnern erhoben wurden.
V. 4: Paulus ist unabhängig von Menschen, denn er ist von Gott selbst berufen zur Verkündigung (vgl. Apg. 9,15). „Wert geachtet“ wörtl.: auf Kernechtheit geprüft; „Menschen zu gefallen“, im Sinne von; jemand nach dem Mund reden, sich einschmeicheln; „Gott, der unser Herz prüft“, wiederzugeben mit: Gott, der unser Innerstes kennt (vgl.
1. Sam. 16,7)
V. 5: Wieder weist Paulus Vorwürfe zurück und ruft Gott zum Zeugen an, denn Menschen können die innersten Antriebe nicht erkennen. „Schmeichelworte“, eigentlich: kriecherische Worte, „versteckte Habsucht“, (vgl. 2. Petr. 2,3).
V. 6: Die „Ehrsucht“ ist die häufigste Gefährdung erfolgreicher Verkündiger.
V. 7 Paulus setzt sein „Gewicht“ ( im Sinne von : Autorität) als direkt von Christus Berufener nicht ein, sondern wie eine Mutter, wörtl.: „Amme“ hat er die jungen Christen „gepflegt“ wörtl.: gewärmt, liebkost.
V. 8: so wuchs in kurzer Zeit eine ganz enge, liebende Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde. „Herzenslust“, wörtl.: Begehren, Sehnsucht, liebevolle Zuneigung. Paulus gibt ihnen Anteil an seinem innersten Fühlen und Ergehen; so tut die Liebe, wörtl.: Ihr wurdet Geliebte für mich. Liebe, hier Agape, beschreibt die sich hergebende, aufopfernde Liebe.
V. 9: Auch das wissen die Thesslonicher: Paulus ist ihnen nie finanziell zur Last gefallen. Er hat sich seinen Lebensunterhalt mit eigenen Händen erarbeitet (Zeltmacher).
V. 10: So können die Thessalonicher bezeugen, dass der Apostel untadelig bei ihnen gelebt hat und damit alle Anwürfe entkräftigt. „Heilig“, wörtl.: gottes-echt im Sinne von, nach seinem Wort leben; „gerecht“, nach Gottes Weisungen leben; „untadelig“ = ganz mit Gottes Willen übereinstimmen.
V. 11: So wird er ein rechter Vater dieser Gemeinde. „Vater“ wörtl: Versorger, ist im geistlichen Sinne zu verstehen. Er hat „jeden einzelnen“ im liebenden Blick.
V. 12: Das tut ein geistlicher Vater: „Ermahnen“ (vgl. V. 3); „trösten“, mit dem Akzent „ermutigen“, Vergebung zusprechen und „beschwören“, wörtl.: mit ganzem Einsatz dazu aufrufen. Seine „Kinder“ sollen „würdig“, wörtl.: aufwiegend im Sinne von „gleich wie Gott“ (vgl. Mt. 5,48) in der Nachfolge Jesu Christi leben; auf Gottes Ziel zu: Sein Reich und seine ewige Herrlichkeit.
5. Die Spitze des Textes
Der Zeuge Jesu Christi lebt, was er verkündigt.
6. Der Text heute
a) Eine vorbildliche Dienstbeschreibung für Mitarbeiter in der Gemeinde. Reine Motive, eine untadelige Lebensführung und eine fürsorgliche Liebe. Wenn das Paulus so konnte, können wir das auch! Wir entschuldigen uns so schnell mit einem falsch demütigen: „wir sind schwach und wir sind Sünder!“
b) Eine vorbildliche Ermahnung für eine christliche Gemeinde: Lebt würdig = wachst hinein in die Jesusart; lebt zielgerichtet auf die Vollendung, das kommende Gottesreich zu. Wir entschuldigen uns so schnell:“ wir sind unwürdig!“ Nein, der Geist Gottes soll uns immer mehr umgestalten in die Jesusart. Willst du das?
c) eine vorbildliche Zurückweisung aller bösartigen Angriffe und Verleumdungen: Sie sind widerlegt durch das untadelige Leben. Kann man das von uns auch sagen?
7. Beispiele und Verdeutlichungen
A. Die Angriffe
a) Paulus verlor nach dem Debakel in Philippi nicht den Mut. Er besteht alle Angriffe „in Gott“, in engster Gemeinschaft mit seinem Herrn.
b) Gegen die Verleumdung setzt er schlicht sein untadeliges Leben, so stopft er der Bosheit das Maul.
c) Bei Jesus selbst musste Pilatus bezeugen:“Ich finde keine Schuld an ihm“. Erst falsche Zeugen mussten das Urteil herbeiführen.
B. Die Versuchung
a) Die stärkste Versuchung ist die „Ehrsucht“. Christen freuen sich, wenn der andere etwas besser kann als ich.
b) Schmeichelworte! Wie oft richten wir unsere Verkündigung nach den Menschen aus, klammern etwa die Gerichtsworte aus, weil wir wissen, dem einen oder der anderen passt das nicht. Wie sehr lässt du dich von den Hörern beeinflussen?
c) Habgier! Welche finanziellen Interessen haben wir bei unserer Mitarbeit in der Gemeinde? Werde ich als Hauptamtlicher sauer, wenn ich keinen Kostenersatz bezw. Honorar bekomme?
C. Das untadelige Leben
a) Bei vielen Prozessen gegen Gläubige in der ehemaligen Sowjetunion mussten falsche Anschuldigungen konstruiert werden, um sie mit einem Schein des Rechtes aburteilen zu können.
b) „Sein Leben zu Hause (als Haustyrann) schreit so laut, dass ich seine Predigt nicht hören kann“, so eine Pfarrfrau über ihren Mann.
c) Vgl. Mt. 5,11, besonders: „So sie daran lügen!“
8. Gliederung und Material zur Predigt
Einleitung:
Unsere Eingangsfrage: Wie tut ein Bote Jesu Christi seinen Dienst, entfalten wir dreifach:
a) unter vielen Angriffen
b) aus reinen Motiven
c) in fürsorgender Liebe.
1) Unter vielen Angriffen
Paulus hat das vielfach erlebt, bis zu körperlichen Verfolgungen (vgl. 2. Kor. 11,23-33, lesen) Gemeint sind die Verdächtigungen, die besonders die Juden in Saloniki ausstreuen. Rufmord: Irrlehre, Unmoral, durch Redetricks verführen, finanzielle Ausbeutung, nach dem Mund reden, Ehrsucht etc. Eine üble Liste von Vorwürfen, nach dem Motto: Irgend etwas bleibt schon hängen. So haben sie es mit Jesus gemacht (vgl. Mt. 11,19; 12,22ff), so ist es in vielen Ländern heute. Beispiele aus der früheren SU, in Moslemländern etwa: Sie beleidigen Mohammed; in Indien: sie taufen aus finanziellen Interessen. Wir erleben – noch – wenig davon. Aber auch bei uns wollen manche Verdächtigungen die Vollmacht angreifen.
Paulus widerlegt das alles mit seinem – jedem durchsichtigen – Lebenswandel.
2) Aus reinen Motiven
So tut er seinen Dienst. Jesus sagt: Selig sind, die reines (durchsichtigen) Herzens sind (vgl. Mt. 5,8). Nur so können wir bestehen. Hast du etwas zu verbergen? Oder darf jeder alles in deinem Leben wissen? Jesus selbst hat Paulus berufen. Das ist seine Grundlage, ihn für wert erachtet = auf Kernechtheit geprüft, z.B. durch die Leiden der Verfolgung. Paulus gibt nicht auf, sondern gewinnt immer mehr Freimut. Leiden macht echt! Seine Motive sind rein. Das zeigt sich dreifach:
a) ohne finanzielle Interessen
b) er redet nicht nach dem Mund
c) er lebt für die Gemeinde (Agape).
Können wir das von uns auch sagen? Entschuldige dich nicht so schnell: Jesus will uns wirklich kernecht machen.
3) In fürsorgender Liebe
Echtheitserweis ist die Agape: die hergebende, fürsorgende Liebe. Wie eine Mutter (Amme) pflegt er (erwärmt, liebkost) er die jungen Christen. Wie ein Vater hat er jeden Einzelnen im Blick: er ermutigt, spricht Vergebung zu, und ruft mit ganzem Einsatz zu einem gottwohlgefälligen Leben. Dabei stellt er ihnen das herrliche Ziel der Ewigkeit von Augen.
So dürfen wir umeinander ringen, uns füreinander hergeben und aneinander festhalten. Prägt die Agape unser eigenes Leben, unsere Gemeinde?
Schluss: Mein persönlicher Lebenswandel soll und kann das Evangelium unterstreichen.