Jahresthema: Für ein gutes Mit-EINANDER.
Monatsthema: Römerbrief – Glauben mit gutem Grund
Predigtthema: Neues Leben: Sklaven der Gerechtigkeit, nicht der Sünde
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Wir beginnen mit der heutigen Predigt einen neuen Themenabschnitt im Römerbrief. Nachdem es in Römer 1-5 um die Problematik der Sünde (alle Menschen sind Sünder, Juden wie auch der Rest) und die Lösung dieses Problems ging (Rechtfertigung aus Glauben an das Evangelium von Jesus), deren prominentes Beispiel (Abraham) angeführt wurde und Jesus als Retter vorgestellt wurde (Umkehrung des Sündenfalls, Röm 5), geht nun Paulus der Frage nach, welche Konsequenzen sich daraus für das Leben eines Christen ergeben. Wichtig ist dabei, dass sich ein wiedergeborener Mensch (Christ) fundamental von einem nicht wiedergeborenen Menschen (Nicht-Christ) unterscheidet und dementsprechend auch anders lebt (Heiligung). Nach 2. Korinther 5,17 und Johannes 3 ist ein an Jesus Christus gläubig gewordener Mensch nicht mehr der alte. Gott schafft etwas völlig Neues! Das versucht Paulus in den folgenden Kapiteln zu erklären.
Diese kleine Predigtreihe innerhalb des Römerbriefs umfasst drei Predigten unter dem Thema: Neues Leben! In unserem heutigen Abschnitt bearbeitet Paulus das Thema Christ und Sünde!
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Bevor ich mit dir etwas in die Details zum Text gehen will, möchte ich dich einladen den Text erst einmal in aller Ruhe zu lesen. Am besten, du liest den Text einmal in der Luther-/Elberfelderübersetzung und danach in einer neueren Übersetzung (Ich empfehle Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), oder Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ)). Ich persönlich mache es meistens so, dass ich den Text ausdrucke und beim Lesen schon ein paar Anmerkungen, Unterstreichungen oder Fragezeichen mache. Das hilft mir dann, den Text besser zu verstehen und ich bin fokussierter auf den Gedankengang des Textes.
Gute Hilfen in der Vorbereitung leisten folgende Dinge:
* MacArthur Studienbibel -> ist sehr zu empfehlen, da sie sehr bibeltreu ist und sogar gratis (www.sermononline.de) als pdf zur Verfügung steht.
* Die Ryrie-Studienbibel -> nicht ganz so umfangreiche Textkommentierung wie die von MacArthur, aber kann ergänzend mit hinzugezogen werden.
* https://dasbibelprojekt.visiomedia.org/ Hier findest du kurze Videoclips über den Römerbrief. Diese helfen einen Gesamtüberblick über den Brief zu bekommen.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Wichtig für das Verständnis des Textes ist, den Blick für „das Ganze“ zu behalten. Wo kommt Paulus her und wo will er hin. Was wir in der Bibel und vor allem im Römerbrief sehen ist, dass Christsein keine Verhaltensveränderung, sondern eine Wesensveränderung ist. Jesus hat mich grundlegend neu gemacht. Diese Neuschöpfung verändert mein Leben und wirkt sich aus. Natürlich gibt es dann durch die Wesensveränderung nach und nach eine Verhaltensveränderung (bibl. Heiligung), die nach außen sichtbar sein muss. Damit verbunden ist dann die spannende Frage: Wie lebe ich als Christ?
Für dieses grundsätzliche Verständnis helfen mir dabei zwei Begriffe. Status und Performance! Status meint im biblischen Sinne den Stand, den ich vor Gott habe. Wichtige Stelle ist hier Röm 5,19: „Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten versetzt werden.“ Performance beschreibt dabei das sichtbare, nach außen wahrnehmbaren Verhalten, also das „wie lebe ich“.
Nach Römer 5,19 hat jeder Mensch zunächst den Status Sünder inne. Aus diesem Status kommt er selbst nicht raus. Allerdings wirkt sich dieser Status auf die Performance aus. Aus einem Sünder kommt letztlich auch sündiges Verhalten raus. Römer 5,19 spricht davon, dass ein Statuswechsel aufgrund des „einen“ (Jesus) möglich ist. Der neue Status heißt dann Gerechtfertigter/Gerecht gemachter. Dieser neue Status soll jetzt natürlich auch Auswirkung auf die Performance haben. Wenn das nicht der Fall ist, dann läuft irgendetwas grundsätzlich falsch.
Die Bibel verwendet viele verschiedene Begriffe um die beiden Status (Sünder und Gerechtfertigter) zu beschreiben. Oft sind es gegensätzliche Begriffspaare. Ich gebe euch hier mal ein paar Beispiele:
| Sünder (Röm 3,23) | Gerechtfertigter (Römer 3,24) |
| Finsternis (Eph 5,8; 1Petr. 2,9) | Licht (Eph 5,8; 1Petr. 2,9) |
| Nicht ein Volk (1Petr. 2,10) | Volk Gottes (1Petr. 2,10) |
| Kinder des Lichts (Eph 5,8), Söhne des Lichts (1Thes 5,5) | |
| Kinder des Zorns (Eph 2,3) | Kinder des Gehorsams (1Petr 1,14) |
| Kinder des Teufels (1Joh 3,10) | Kinder Gottes (Joh 1,12; 1Joh 3,10) |
| Sklaven der Sünde (Röm 6,16) | Sklaven der Gerechtigkeit/Gottes (Röm 6,16) |
| Feinde (Röm 5,10; 8,7) | Freunde (Joh 15,15) |
| Alter Mensch (Röm 6,5, Eph 4,22) | Neue Schöpfung / Neuer Mensch (2Kor 5,17; Eph 4,24) |
| Unfrei/Sklave (Joh 8,34) | Frei (Joh 8,35; Gal 5,1) |
Dazu gehört natürlich auch ein Wechsel des Machtbereichs.
| Finsternis (Joh 8,12) | Licht (Joh 8,12) |
| Macht Satans (Apg 26,18) | Macht Gottes (Apg 26,18) |
| Macht der Finsternis (Kol 1,13) | Reich seines Sohnes (Kol 1,13) |
| Reich dieser Welt (Eph 6,12) | Reich Gottes (Joh 3,5) |
| Unter Gesetz (Röm 6,14; Gal 4,4) | Unter Gnade (Röm 6,14) |
| Sünde herrscht (Röm 5,21) | Gnade herrscht (Röm 5,21) |
Genau darum geht es mal grundsätzlich in unserem Abschnitt heute. An Jesus Christus gläubig gewordene Menschen haben einen Statuswechsel und damit auch einen Wechsel des Machtbereichs hinter sich.
Dieser neue Status, dieses neue Leben, diese neue Schöpfung (2Kor 5,17+21) muss sich auch im „Alltag“ auswirken. Wenn das nicht der Fall ist, dann haben wir Grundlegendes missverstanden. Das will Paulus uns aufzeigen.
An dieser Stelle möchte ich auf zwei wichtige Stellen verweisen. Zum einen Jakobus 2. Hier beschreibt Jakobus im Prinzip genau diesen Zusammenhang zwischen Status und Performance. Die NGÜ übersetzt meiner Ansicht nach sehr gut in Jak 2,17: „Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.“
Echter Glaube wirkt sich aus. Ein echter Wechsel des Machtbereichs bleibt nicht verborgen, sondern wirkt sich aus. Mein neuer Status muss sich nach und nach auch in meinem realen Leben zeigen.
Zum anderen Eph 5,8: „Früher gehörtet ihr zwar zur Finsternis, aber jetzt gehört ihr durch den Herrn zum Licht. Lebt nun auch als Menschen des Lichts!“
Das bringt den sehr wichtigen Aspekt zum Ausdruck, dass unsere Performance als Christen immer unserem Status hinterherhinkt. Wir sind nach unserer Bekehrung sofort Kinder Gottes, aber wir leben noch lange nicht so. Das muss erst trainiert werden. Es beginnt nun ein Prozess der Veränderung/Verwandlung in das Bild Christi hinein (Röm 12,2; 2Kor 3,18), dessen Abschluss erst im Himmel sein wird (Kol 3,4; 1Joh 3,2).
Die Begriffe, die Paulus für den Status in unserem Abschnitt verwendet, sind folgende (Röm 6,16+22):
Sklaven der Sünde -> Status jedes Menschen (Sünder)
Sklaven der Gerechtigkeit/Sklaven Gottes ->Status aus Gnade (Gerechtfertigter)
Paulus verwendet das Bild des Sklaven um diesen Statuswechsel zu erklären! In Vers 19 übersetzt die NGÜ folgendermaßen: „Ich gebrauche das Bild vom Sklavendienst, das ihr alle kennt, weil ihr sonst vielleicht nicht versteht, worum es geht.“
In diesem Bild schwingen wichtige biblische Wahrheiten mit:
- Der Mensch ist nicht frei, autonom oder gar selbstbestimmt -> Illusion! Alle sind Knechte der Sünde.
- Es gibt nur zwei Optionen, entweder Sklave des Teufels oder Sklave Gottes sein. Entweder vom Teufel und der Macht der Sünde bestimmt zu sein, oder von Gott! Entweder dem üblen Herrn dienen (Teufel), oder dem sanftmütigen und demütigen HERRN (Jesus -> Mt 11,29).
Aber: Wer Sklave Gottes/Jesu wird, der ist gleichzeitig auch Kind Gottes und damit frei! Frei von der Macht der Sünde und des Teufels (Kol 1,13), frei vom Gesetz, d.h. aus eigener Leistung Gott gefallen zu müssen (Gal 4,4) und frei von sich selbst und der Selbstverwirklichung (Gal 2,2; 2Kor 5,15).
Hinter diesem Vergleich steckt das damalige allgegenwärtige Bild des Sklavenmarktes. Man geht auf den Sklavenmarkt, um sich Sklaven zu kaufen. Normalerweise sucht man billige Arbeitskräfte und in der Regel galt das Interesse nicht dem Sklaven, sondern seiner Arbeit/Leistung, die er in Zukunft erbringen würde. Anders ist das bei Gott. Er schickt seinen eigenen Sohn auf dem Sklavenmarkt, um seine geliebten Geschöpfe freizukaufen. Dabei geht es ihm nicht um die Leistung der Freigekauften, sondern um die Sklaven selbst. Sein Beweggrund für den Freikauf ist Liebe (Joh 3,16; Röm 5,8) und das obwohl seine Geschöpfe sogar selber schuld an ihrer Versklavung sind (Röm 3,23; 5,12; Jes 59,2). Gott weiß um die Not dieser versklavten Menschen und um ihren üblen Herrn. Der Preis ist hoch, sehr hoch. Das Leben des HERRN selbst (Mk 10,45). Die Frage aufgrund dieses Vergleichs ist nun: Wie reagiert der freigekaufte Sklave, der seine Befreiung geschenkt bekommen hat (Röm 3,24).
Macht er einfach weiter wie bisher? So startet ja Paulus in unseren Abschnitt. Röm 6,1: „Sollen wir weiterhin sündigen, damit sich die Gnade in vollem Maß auswirkt? Oder aber macht dieser Kauf aus Liebe grundsätzlich was mit dem befreiten Sklaven und befähigt ihn sozusagen, sein Leben aus Dankbarkeit radikal umzukrempeln (mit der Kraft Gottes)?
Ich habe in der Vorbereitung zum Galaterbrief (teilweise sehr verwandt mit dem Römerbrief) zu dieser Thematik der Sklaverei folgende Geschichte gelesen. Sie bringt meiner Ansicht nach sehr gut auf den Punkt, in welche Richtung und zu welchem Ziel uns Paulus mit diesem Vergleich der Sklaverei führen will.
In der Zeit des Bürgerkriegs in den USA als die Sklaverei noch nicht abgeschafft war, geht ein Nordstaatler auf einen Sklavenmarkt und kauft sich eine junge Sklavin. Als sie sich wenige Meter von der Auktion entfernt haben, sagt der Mann zu der gekauften Sklavin: „Du bist frei“. Erstaunt antwortet die Frau: „Du meinst frei zu tun, was immer ich will?“ „Ja“ sagt er. „Und zu sagen was immer ich will?“ „Ja, alles“ „Frei, der zu sein, der ich sein will?“ „Jap“ „Und hinzugehen wo immer ich will?“ „Ja“ antwortet der Mann mit einem Lächeln im Gesicht. „Du bist frei dort hinzugehen, wo du willst.“ Die Frau schaut ihn aufmerksam an und sagt: „Dann will ich mit dir gehen.“
Das muss die Stoßrichtung von Römer 6-7,6 sein. Weil Christus uns mit seinem eigenen Leben ohne Gegenleistung freigekauft hat und wir jetzt ein neues Leben „in Christus“ leben, wollen wir alles Alte loslassen und mit ihm leben.
Röm 6,19b (aber auch Röm 6,13b) ist sozusagen das Fazit des Kapitels. Dort heißt es (NGÜ): „Jetzt aber macht euch zu Sklaven der Gerechtigkeit, und stellt alle Bereiche eures Lebens in ihren Dienst; dann wird das Ergebnis ein geheiligtes Leben sein.“
Gegenüberstellung aus Römer 6,16-23 (Elb Übersetzung)
| Altes Leben (Alter Adam) | Neues Leben (Neuer Adam – Christus) |
| Sklaven der Sünde (V16) | Sklaven des Gehorsams/Gottes (V16+22) |
| Folge davon ist der Tod (V16) | Folge ist Gerechtigkeit (V16) |
| Kennzeichen: Unreinheit/Gesetzlosigkeit (Status) zur Gesetzlosigkeit (Performance) (V19) | Kennzeichen: Gerechtigkeit (Status) zur Heiligkeit (Performance) (V19) |
| Frei gegenüber der Gerechtigkeit (V20) | Frei von der Sünde (V22) |
| Schämenswerte Frucht (V21) | Heiligkeit als Frucht (V22) |
| Folge ist Tod (V21) | Folge ist ewiges Leben (22) |
| Fazit: Lohn für dieses Leben ist Tod | Fazit: Gnadengeschenk (wichtig, nicht Lohn) ist ewiges Leben |
An dieser Stelle möchte ich nochmals kurz auf Röm 5 verweisen. Möglich wird dieser Wechsel erst und ausschließlich durch Jesus Christus. Er geht diesen Weg aus Liebe zu uns (Röm 5,8) und sein Sterben & Auferstehen ermöglicht das Gnadengeschenk der Vergebung (Röm 5,17) und der Neuschöpfung. Weil Jesus der eine Gerechte war, können wir gerechtfertigt werden (Röm 5,18b). Jesus ist aber gleichzeitig auch der Prototyp/Vorbild dieses neuen Lebens, an dem wir uns hier auf der Erde ausrichten sollen (Hebr 12,1+2) und in dessen Bild uns Gott verwandeln will und letztlich wird (Röm 8,29; 1Kor 15,49; 1Joh 3,2).
Die neue Identität, das neue Leben, ist ein „mit-Christus“! V3-10
Sehr spannend ist die Beschreibung des neuen Lebens in den Versen 3-10. Paulus verwendet zur Beschreibung das Wort baptizo (siehe 1.5 wichtige Begriffe),taufen. Das neue Leben ist nichts Losgelöstes, sondern das Gegenteil ist der Fall. War der alte Mensch gebunden an die Sünde, (Sklave), so ist der neue Mensch gebunden an Christus (Sklave). Christsein beschreibt immer ein „mit-Christus-sein“, Anteil an ihm und seinen Errungenschaften haben. Passend dazu ist Gal 3,26: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.“
Wer zu Christus kommt und Vergebung in Anspruch nimmt, der wird „getauft“, d.h. in Christus hineingenommen. Im griechischen Text unserer Stelle fällt das auf. Es sind mehrere Begriffe genannt, wo wir „mit“ Christus sind. Dabei handelt es sich oft um Wörter mit der der Präposition gr. sün, die so viel wie „mit“ oder „zusammen“ heißt. Was haben wir mit Christus.
| Griechisch | Deutsch |
| Sünetafämen (V4) | Mitbegraben |
| Sümfutoi …tou thanatou autou (V5) | Zusammengewachsen seines Todes |
| Sünestaurothe (V6) | Mitgekreuzigt |
| Apethanomen sün Christo (V8) | Gestorben mit Christus |
| Süzäsomen auto (V8) | Mitleben werden mit ihm |
Wer an Jesus glaubt, dessen altes Leben ist mit Christus gestorben und begraben. Es wurde mit Jesus gekreuzigt (Gal 2,19; Gal 6,14). Allerdings ist der Gläubige dann genauso mit Jesus verbunden, was seine Auferstehung und sein neues Leben angeht (V5+V8). Dahinter verbirgt sich die große Hoffnung der Gläubigen, dass sie eines Tages bei der Wiederkunft Jesu, zu diesem neuen Leben kommen werden. Heilsgeschichtlich betrachtet befinden wir uns sozusagen in einem Zwischenstadium, das wir in der Theologie mit dem Satz „Schon jetzt und noch nicht“ ausdrücken. Schon jetzt ist unser alter Mensch gestorben und wir sind neue Menschen (2Kor 5,17), aber das Neue ist noch nicht vollständig da, es wird noch kommen. Dieses neue Leben ist da, aber es ist noch verborgen, noch nicht offenbar (Kol 3,3). Es schwingt also beides mit. Wir leben jetzt schon ein neues Leben mit Christus, allerdings ist dieses neue Leben noch nicht in endgültiger Qualität da, da der alte Leib noch existiert. Die neue Natur lebt sozusagen in der „alten Hülle“, die leider noch alte und sündige Gewohnheiten kennt.
In Kolosser 3 beschreibt Paulus den alten und den neuen Menschen. Wichtige Verse für das Verständnis unseres Abschnitts sind Kol 3,3f: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, euer[ Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.“
Deswegen sind Christen nie etwas losgelöst von Christus. Wir hängen sozusagen an Christus. Aus diesem Hintergrund heraus schreibt Paulus die Verse Gal 2,19+20: „Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“
Was wir durch die Verbundenheit zu ihm alles haben, ist enorm. Hier lohnt sich mal eine Studie über das Begriffspaar „in Christus“ bzw. „in ihm“ im Epheser- und Kolosserbrief.
Das Beispiel des Gesetzes V1-7
Um dieses Beispiel des Paulus zu verstehen, muss man sich nochmals der Funktion des Gesetzes klar werden. Zuvor schrieb Paulus:
Röm 3,20 „Darum: Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durchs Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“
Röm 5,20: „Das Gesetz aber kam daneben hinzu, damit die Übertretung zunehme. Wo aber die Sünde zugenommen hat, ist die Gnade überreich geworden,“
Betrachtet man dazu noch Galater 3, dann wird das Bild komplett.
Röm 7,7: „Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durchs Gesetz“
Gal 3,11: „Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“
Gal 3,24: „Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“
Halten wir fest: Das Gesetz war niemals dazu da, um den Sünder zu rechtfertigen. Sowohl im Römerbrief wie auch im Galaterbrief schreibt Paulus, dass aus Gesetzeswerken (Halten des Gesetzes) niemand vor Gott gerechtfertigt wird. Aber durch das Gesetz erkennt der Mensch seine Sündhaftigkeit und macht sich auf die Suche nach Erlösung! Somit bereitet das Gesetz den Weg für einen Erlöser, der dann natürlich in Christus gekommen ist. Deswegen nennt Paulus das Gesetz in Gal 3,24 einen Zuchtmeister, wörtl. einen Pädagogen, hin zu Jesus. Auf diesem Hintergrund macht auch Röm 10,4 absolut Sinn. „Denn das Endziel des Gesetzes ist Christus, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit“. Das Gesetz zielt immer auf Christus und kommt dann in dieser Funktion zum Ende, wenn der Mensch Christus als seinen Erlöser annimmt. Er ist dann nicht mehr unter Gesetz (frei davon), da er dann zur Familie Gottes gehört. Gal 3,25f: „Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister; denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus.“
Paulus wendet sich an seine Zuhörerschaft, die das Gesetz kennen (Röm 7,1). Damit meint er sehr wahrscheinlich nicht explizit das jüdische Gesetz, sondern prinzipiell die Funktion des Gesetzes, egal ob im römischen Staat, oder im griechischen Hintergrund, oder im jüdischen Denken. Eine Sache bleibt: Verurteilt werden kann nur ein Lebender (V1). Ein Toter kann nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Das Beispiel der Ehe verdeutlicht das. Stirbt der Ehemann, dann ist die Frau nicht mehr an das Ehegesetz gebunden und kann wieder heiraten. Paulus überträgt das nun auf unsere Beziehung zu Christus. Weil wir mit Christus gestorben sind und damit alle Rechtsforderungen des Gesetzes (Strafe, Fluch, etc. siehe Gal 3,13) in Christus erfüllt sind, sollen wir nun ganz mit ihm leben (V4), uns ihm vermählen. Ohne Christus hat das Gesetz unsere Leidenschaften erregt (V5) und wir mussten sündigen. Das Ergebnis war immer schlechte Frucht! Jetzt im neuen Leben mit Christus übt das Gesetz nicht mehr die Wirkung aus. Wir sind frei davon. Damit meint Paulus nicht, dass wir uns nicht mehr an irgendwelche Regeln zu halten brauchen (klar, wir sollen ja nach dem Willen Gottes leben), sondern das Gesetz kann uns nicht mehr verurteilen und bestrafen. Wir dürfen aufatmen und Christus fröhlich dienen und vor allem mit der Umgestaltung des Geistes rechnen (2Kor 3,18).
Die Verse 5 und 6 bilden einen krassen Gegensatz. V5 ist das alte Leben ohne Christus und der Dienst für den Tod und V6 ist das neue Leben, ein Leben für Christus. Interessanterweise kann ein Christ ja auch im „Fleisch“ unterwegs sein, d.h. den Begierden nachgeben und sündigen. Deswegen könnte man V5+6 als gutes Bild nehmen für Leben im Fleisch (altes Leben) in V5 und Leben im Geist (neues Leben) in V6.
Paulus führt dann diese Thematik in Römer 7-8 weiter.
1.4 Struktur des Abschnittes:
Man kann den Römerbrief unter anderem als Antwort des Paulus auf vorliegende kritische Fragen/Anfragen an den christlichen Glauben sehen, vorwiegend von jüdischer Zuhörerschaft vorgebracht. Immer wieder nennt Paulus diese Anfragen und wiederlegt sie. Eine wichtige Redewendung ist dabei me genoito (Siehe wichtige Begriffe), was so viel heißt wie „niemals“. Diese Redewendung kommt insgesamt 10mal im Brief vor und 2mal in unserem Abschnitt. Anhand von ihr lässt sich der Abschnitt in zwei Teile einteilen. Aus diesem Grund geht auch unser Abschnitt an diesem Sonntag bis Röm 7,6. In Röm 7,7 kommt dann die nächste Frage und das nächste me genoito.
In unserem Abschnitt sieht das dann wie folgt aus (Ich versuche das mal in eigenen Worten wiederzugeben):
V1: Dann ist es ja gut, wenn ich sündige. Dann kommt die Gnade erst richtig zum Ausdruck! Je mehr ich sündige, je mehr Gnade begegnet mir! Es braucht quasi meine Sünde -> Paulus sagt darauf: Never ever, du hast noch nicht verstanden, was geistlich in deinem Leben neu geworden ist. Du bist doch jetzt tot für die Sünde. (V2-14)
V15: Ok, aber ob ich dann sündige oder nicht, ist dann prinzipiell egal, denn es gibt ja kein Gesetz mehr (weil ich ja tot bin), das mich verurteilen könnte, sondern ausschließlich Gnade. Ich kann also machen, was ich will. Ich habe also einen Freifahrtsschein! -> Paulus sagt darauf: Never ever, denn dein Handeln lässt Rückschlüsse ziehen, wem du gehörst. Du machst dich dann erneut zum Sklaven der Sünde und lebst nicht in der erkauften Freiheit.
Entscheidend ist also der Zusammenhang von Christ und Sünde, von Christ und Gesetz, sowie ein richtiges Verständnis von Gnade. Alles muss dabei mit dem neuen Stand, man könnte auch die neue Identität durch Christus sagen (Status), erklärt werden. Diese wird uns von Paulus ja in Kapitel 5 vorgestellt.
Innertextliche Gliederung:
V1 Kritische Anfrage an den Christlichen Glauben: „Sündigen ist wichtig für die Gnade“.
V2-14 Wiederlegung des Paulus! „Sünde gehört nicht mehr zu unserer neuen Identität“ (Status).
Erklärung mittels der Neuwerdung bei der Bekehrung (Bild der Taufe).
V15 Kritische Anfrage an den christlichen Glauben: „Das Gesetz gilt nicht mehr! Ich kann also munter sündigen, denn nichts klagt mich mehr an. Ich habe also einen Freifahrtsschein zum Sündigen“
V16-7,6 Wiederlegung des Paulus! „Christus hat dich befreit von der Macht der Sünde, um ihm zu dienen. Du musst nicht mehr das Böse tun, sondern du kannst das Gute tun. Wieso willst du dich wieder an sie (Sünde) versklaven? Das macht keinen Sinn“.
7,1-6: Paulusbringt das Beispiel der Ehe und ihr Zusammengang mit dem Gesetz, um diese neue Freiheit zu erklären.
1.5 Wichtige Begriffe:
Ich möchte versuchen euch ein paar Begriffe aus dem Text zu erläutern, die mir wichtig erscheinen, bzw. die sehr häufig vorkommen. Es werden bei weitem nicht alle wichtigen sein, aber ein paar. Die Begriffe sind nach der Elberfelderübersetzung aufgelistet. Evtl. stimmen meine Zählungen aus dem Urtext nicht immer. Danke fürs Verständnis.
Sünde (gr. hamartia): 17mal in unserem Abschnitt
Bedeutet zunächst nicht eine Tat, sondern beschreibt einen Zustand. Wörtl. könnte man diesen Begriff mit „Ziel verfehlen“ übersetzen. Im bibl. Kontext ist hamartia eher ein Beziehungsbegriff, der beschreibt, dass der Mensch sein Ziel, d.h. seine Bestimmung verfehlt hat. Er war geschaffen als Ebenbild und Gegenüber Gottes, mit dem Auftrag, Gott und sein Wesen auf der Erde zu repräsentieren. Der einzige Mensch, der das Ziel erfüllt hat, ist Jesus. „Wer mich sieht, sieht den Vater!“ Joh 14,9
Auf keinen Fall (gr. me genoito): 2mal in unserem Abschnitt (Verse 2 und 15)
Diese Redewendung kommt im Römerbrief 10x vor (u.a. Röm 3,4; 3,6; 3,31; 6,2; 6,15; 7,7; 7,13; 9,14; 11,1; 11,11 sowie 4x in anderen paul. Briefen 1Korinther, Gal). Stärkste Form im griechischen, um eine Aussage zurückzuweisen. Es schwingt das Entsetzen mit, eine Aussage dieser Art überhaupt in Erwägung zu ziehen. Heute müsste man das so übersetzen: nie im Leben, never ever! Paulus verwendet diesen Ausdruck zum Verneinen völlig falscher Schlüsse in der Jesus-Nachfolge und räumt mit falschen Ansätzen auf. Dieser Ausdruck hilft uns, den Römerbrief in logische Blöcke zu teilen. Es scheint fast so, als wusste Paulus von diesen Anfragen an den Glauben und damit den falschen Schlussfolgerungen und beantwortet, bzw. widerlegt diese von der Schrift her.
Taufe, getauft (gr. baptisma; baptizo): 3x in unserm Abschnitt (V3+4)
Wir denken hier schnell an die sakramentale Handlung der Taufe. Vom Wortsinn her bedeutet das Wort baptizo aber untertauchen, eintauchen oder hineingenommen sein. Was Paulus in den Versen 3-10 beschreibt ist das, was geistlich betrachtet mit einem Menschen geschieht, der an Jesus gläubig geworden ist. Diese innere Erneuerung und geistliche Realität drücken wir dann bildlich durch das Sakrament der Taufe gegenüber der sichtbaren Welt aus. Paulus will hier nicht sagen, dass wenn wir jemand sakramental taufen, dann das, was in Römer 6,3-10 steht, passiert. Das Umgekehrte ist der Fall. Weil durch den Glauben an Christus das in den Versen 3-10 beschriebene passiert ist, lassen wir uns sakramental taufen.
Das Wort baptizo bringt zum Ausdruck, dass wir durch den Glauben an Christus in ihn mithineingenommen werden, also Anteil an ihm haben. Sowohl Anteil an seinem Tod (V3), also auch Anteil an seiner Auferstehung und Leben (V4).
Weil das so geschehen ist, ist der alte Mensch tot und damit das alte Programm „Sklave der Sünde sein“ Vergangenheit. Jetzt gibt´s ein neues Programm: „in Neuheit des Lebens wandeln (V4)“.
Sklave, dienen als Sklave (gr. doulos; douleuo): kommt 9 mal vor
Dieser Begriff kommt im NT sehr häufig vor. In unseren deutschen Bibeln wird er oft mit Knecht, Diener oder dienen übersetzt. Er bringt zum Ausdruck, dass es auch einen Besitzanspruch Gottes an mein Leben gibt. Allerdings ist er ja der beste HERR, den es nur geben kann. Ein HERR, der alles für mich gibt (Mk 10,45). Dem diene (stelle mich als Sklaven zur Verfügung) ich gern. Das gab es übrigens damals auch, dass Sklaven sich auf Lebenszeit an den HERRN gebunden haben, weil er so gut war. Vgl. dazu 2Mose 21,6. Zu diesem Thema empfehlenswert ist das Buch von John MacArthur „Sklave Christi“.
Gesetz / Gesetzlosigkeit (gr. nomos / anomia): 12mal in unserem Abschnitt
Nomos ist das Gesetz und die Vorsilbe „a“ ist im griechischen die Verneinung. Der Gebrauch des Wortes Gesetz in der Bibel wird unterschiedlich gebraucht. Einmal kann es die kompletten fünf Bücher Mose, die Torah, meinen. Beispiel hierfür ist Lk 24,44. Jesus redet vom Gesetz Mose, den Propheten und Psalmen. Damit meint er die gesamte jüdische Heilige Schrift, unser Altes Testament. Ein anderes Mal meint nomos die explizit gegebenen 613 Gebote, die Gott am Sinai gibt. Beispiel hierfür wäre Gal 3,10-12. Hier stehen die Regeln und das Halten der Regeln im Vordergrund. Paulus führt die Thematik „Gesetz“ dann in Kapitel 7 weiter aus.
2. Verstehen, worum es geht
Die große Linie im Römerbrief ab Kapitel 6 lautet: Wie lebe ich konkret mein Christsein. Um darauf eine gute Antwort zu finden, erklärt Paulus ausführlich, was mit der Hinwendung zu Christus mit einem Menschen geistlich passiert. Er lebt ein komplett neues Leben! Sein altes Leben mit seinen alten Wünschen, Zielen, und Begehrlichkeiten ist mit Christus gestorben. Natürlich macht die Bibel uns klar, dass das neue Leben kein Automatismus ist und dass man sehr wohl einfach weiter machen kann, wie zuvor. Aber das ist der komplett falsche Ansatz. Man hat Grundlegendes nicht verstanden.
Die einzig richtige Reaktion als wiedergeborener Mensch ist die aus Vers 11: „So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus!“ Wir sollen uns danach ausstrecken, uns Christus ganz zur Verfügung zu stellen. Wir leben ja in der neuen Freiheit, nicht mehr sündigen zu müssen. Die Macht der Sünde ist gebrochen (1.Kor 15,55f). Gott will uns jetzt immer mehr in das Bild seines Sohnes verändern (Röm 8,29). Der Schlüssel liegt in der Hingabe an Jesus. Wir sollten in dieser Predigt unseren Zuhörern vermitteln, dass unser Leben jetzt Christus ist. (Phil 1,21).
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir befinden uns mitten in einer Reihe zum Römerbrief. Nachdem wir die letzten Male thematisch über Rechtfertigung aus Glauben gesprochen haben, geht es ab heute um das neue Leben mit Christus. Wir alle stehen doch immer wieder vor der Frage: Wie sieht dieses neue Leben aus und wie lebe ich es? Wir dürfen beim Predigen das bisher Gesagte aber nicht vergessen. „Weil wir durch Christus die Rechtfertigung haben und komplett neu gemacht sind, deswegen wollen wir lernen in diesem neuen Leben mehr und mehr zu leben.“
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Der Römerbrief erklärt uns beinahe wie kein anderer Brief aus dem NT, wie wir die gesamte bibl. Geschichte zu verstehen haben. Der Sündenfall und seine Folgen im Garten Eden und seine Auswirkung auf die gesamte Menschheitsgeschichte können nur durch Christus „umgekehrt“ werden. Römer 5 bringt ja diesen Vergleich zwischen Adam und Jesus. Durch Adam wurden alle zu Sündern (Status) und durch Jesus können alle zu Gerechten werden (neuer Status) (Röm 5,19). Damit haben wir hier die theologische Erklärung von 1Mo 3,15, dem „Protoevangelium“, dem ersten Evangelium in der Bibel. Der „Schlangenzertreter“ heißt Jesus Christus und die Macht des Todes und der Sünde können nur durch den Tod des einen („der Biss in die Ferse“) zunichte gemacht werden.
Das Geheimnis, wie jetzt die sündige Natur überwunden werden kann, ist gelüftet. Weil Gott uns durch Jesus den Sieg über Tod und Sünde schenkt (1Kor 15,57), dürfen wir selber sterben und zu neuem Leben durchdringen. Dieses neue Leben ist eine geistliche Realität (Status), die sich im Alltag auswirken darf (Performance). Natürlich haben wir aktuell noch eine Zwischenzeit, die ihre Herausforderungen hat, nämlich, dass diese neue Schöpfung „noch“ im alten Leib (Bibel nennt das Fleisch) ist. Diese beiden stehen im Widerstand gegeneinander und machen das Christsein zu einem täglichen Kampf (siehe dazu Röm 8 und Gal 5). Die herrliche Aussicht ist die Wiederkunft unseres Herrn, wenn das Alte endgültig abgetan werden wird und wir komplett neu sein werden und auch dieser Kampf mit seinen Siegen, aber auch Niederlagen vollständig in einen Sieg verwandelt werden wird.
Wir stehen heute genau an der gleichen heilsgeschichtlichen Stelle wie die Gemeinde in Rom damals. Aus diesem Grund sind alle Dinge, die Paulus in unserem Textabschnitt anspricht, 1:1 für uns heute gültig und müssen in diesem Sinne nicht übertragen werden, wie bspw. Inhalte aus dem AT. Die Textgattung ist Briefliteratur, was die Auslegung erleichtert. Die verwendeten Beispiele (Ehe, Kapitel 7,1-6) aus dem Text entstammen der damaligen Situation der Menschen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text ist relativ lange. Allerdings ist auf jeden Fall zu empfehlen, den Text komplett zu lesen. Es ist zu empfehlen evtl. aufgrund des Verständnisses eine neuere Übersetzung zu. Zu empfehlen sind auf jeden Fall die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) oder auch die Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ). Beide wurden direkt aus dem Urtext übersetzt im Gegensatz zur Neuen Leben, Gute Nachricht oder Hoffnung für alle Übersetzung z.B.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir wollen heute eine wichtige Wahrheit des neuen Lebens mit Christus vermitteln. Bisher waren wir unseren Begierden und der Sünde hilflos ausgeliefert. Aber durch Jesus und das neue Leben durch den Geist Gottes, hat die Sünde keine Macht mehr über uns. Wir dürfen lernen Sünde zu lassen, indem wir uns mehr und mehr Jesus anvertrauen. Wir sind keine Sklaven des alten Lebens, dafür aber Sklaven von Jesus Christus. Dieser Machtwechsel darf betont werden, so wie es Paulus in unserem Abschnitt auch macht, und erneut dazu aufgerufen werden, Jesus zu dienen, wie wir es bspw. in Vers 13+19 lesen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
(Vorschlag)
Ich mache dir hier ein paar Themenvorschläge:
„Neues Leben: Sklaven der Gerechtigkeit, nicht der Sünde“ Textplan Christusbund
„Weil Jesus uns befreit hat, lasst uns ihm dienen“
„Befreit, um zu dienen“
„Verheiratet mit Jesus“
„Sklave des besten HERRN“
- Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Die Macht der Sünde und die Ohnmacht der Menschen
Wie sieht das Leben ohne Jesus aus? Welchen Status habe ich und welche Performance?
Ich bin ein Sklave der Sünde und ein Sklave meiner eigenen Begierden. Wo führt mich dieses Leben hin? Ins Verderben, in den Tod.
In diesem Punkt soll das alte Leben aufgezeigt werden, die Sklaverei der Sünde! Ein Leben ohne Gott mit dem Zwang zu sündigen. Ein Leben des Egoismus und der Unfreiheit. Ein Leben mit schämenswerten Früchten mit dem Ziel Tod. Hier sollte auch die Einladung ausgesprochen werden, dass Christus uns davon befreien will, wenn wir noch in diesem Status leben.
- Die Macht Jesu und die Ohnmacht der Sünde
Gott sei Dank hat uns Jesus befreit von diesem alten Leben. Wir sind neue Menschen, keine Sklaven der Sünde mehr. Wir sind jetzt mit Christus verbunden! -> Was heißt das? Mitgestorben, mitbegraben, mitgekreuzigt, mitauferstanden -> wir leben ein neues Leben und dienen nicht mehr der Sünde. Unser Leben ist jetzt mit Christus verbunden, wir sind in ihn hineingetaucht (wörtl. Taufe). Wir sind tot für das Gesetz! -> Keine Anklagen mehr, denn das Gesetz ist erfüllt für uns durch Jesus. Keine drohende Strafe mehr, denn die Strafe wurde an Christus vollzogen. Bsp. der Ehe und die neu gewonnen Freiheit, die wir aber für Christus einsetzen sollen (Gal 5,13)! Wir sollten hier aber bei der biblischen Wahrheit bleiben. Die Macht der Sünde ist gebrochen, doch auch Christen sündigen noch (1Joh 1,8-10). Vollendung wird es dann geben, wenn Christus wiederkommt. Erst dann werden wir nicht mehr in Beziehung zur Sünde sein und ganz im neuen Leben leben mit einem neuen Leib (1Joh 3,2)
- Leben im Machtbereich Jesu
Hier sollten wir auf die Aufforderungen des Paulus an seine Zuhörer eingehen. Weil Christus uns freigemacht hat von der Sklaverei der Sünde, deswegen:
- Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus (V11).
- Stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten, eure Glieder als Werkzeuge der Gerechtigkeit (V13).
- Stellt eure Glieder jetzt der Gerechtigkeit und Heiligkeit als Sklaven zur Verfügung (V19).
Wie das geht beantwortet letztlich Römer 8. Hier geht es um das Leben durch den Geist Gottes. Hier sollten wir noch manches offen lassen für die nächste Predigt.
Das große Ziel ist, Gott zu dienen (7,6) und Gott Frucht bringen (7,4 + Joh 15,5)! Weil Christus der beste HERR (Mt 11,29) ist, sollten wir uns ihm mit Leib und Leben verschreiben und das tun, was im AT die Sklaven taten, die nicht mehr von ihrem Herren gehen wollten -> verschreiben auf Lebenszeit, siehe 2Mo 21,6. Unser HERR ist ja einer, der zunächst uns dient mit seinem Leben (Mk 10,45+Phil 2,5ff). Deswegen wollen wir ihm gerne dienen. Wichtige Bibelstelle sind dabei Röm 12,1 und 2Kor 5,15. Wie geht das praktisch? Röm 12,2 und 2Kor 3,18 können hier noch in den Blick genommen werden. Jesus muss unser Denken verändern. Wir müssen lernen mit seinen Augen die Welt zu sehen. Das geht aber nur, wenn wir Zeit mit ihm verbringen und ihn betrachten. Das ist ein Prozess, der auch Zeit braucht. Alles beginnt mit dem Fragen nach seinem Willen und dem Studieren des Wortes Gottes, sowie der täglichen Beziehungspflege mit ihm. Gal 2,20 gibt uns den Hinweis,dass Christen ihren Alltag als ein Leben mit Jesus verstehen. -> Der Inhalt aus Röm 6,3-10 + Kol 3,3 drückt aus, dass wir ein Leben gekoppelt an Christus haben. Wir sind quasi verklebt mit ihm. Deswegen sollten wir lernen, „im wir“ zu denken und zu leben und das mit all unseren Fehlern und Schwachheiten.
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Das Bild des Sklavenmarktes, das Paulus aufgreift, sollten wir in unsere Predigt einbauen. Kein Mensch ist frei, sondern alle sind Sklaven des übelsten HERR denn es nur gibt, der Sünde und des Todes (Hebr 2,15)! Jesus geht auf den Sklavenmarkt um mich frei zu kaufen. Aber der Preis sind keine Dollars oder Euros, der Preis ist sein eigenes Leben. Für so einen Herr arbeitet man doch gerne. Es wäre total unverständlich, wenn der befreite Sklave wieder zu seinem alten, schlechten Herrn zurückgehen würde!
Evtl. kann die obige Beispielgeschichte aus der Sklaverei in Amerika verwendet werden.
(Manuel Nowak)