Josua

Predigthilfe vom 9. Oktober 2022 – Josua 20, 1-9

Predigtthema:         Nur bei Gott sind wir sicher

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Josua und das Volk Israel haben mit Gottes Hilfe das verheißene Land eingenommen.

In den Kapiteln zuvor wird die Aufteilung des Landes unter die Stämme Israels geregelt.

In unserem heutigen Predigttext geht es darum, auch einen grundsätzlichen juristischen Rahmen für das Miteinander zu schaffen.

Da Gott das Leben jedes Einzelnen extrem wichtig ist und es damals keine Polizei gab, die Verstöße entgegennahm und untersuchte, gab es für den Fall einer Tötung die Blutrache.
Das war zunächst eben auch ein „Abschreckungsmittel“, überhaupt Hand anzulegen an das Leben eines anderen Menschen.

Freistädte – das hatte Gott schon zu Zeiten von Mose befohlen – 2.Mo.21,13 4.Mo.35,1-34 5.Mo.19,1-13.

Nun, da das verheißene Land tatsächlich in ihrem Besitz war, war es an Josua diesen Anordnungen Gottes nachzukommen.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

The Wiersby Bible Commentary OT                

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Schon bevor Mose das Gesetz empfing, hatte Gott die Generalregel gegeben: Wer Blut vergießt, der soll mit seinem eigenen Blut dafür büßen! 

1.Mo.9,5-6: „Auch will ich euer eigen Blut, das ist das Leben eines jeden unter euch, rächen und will es von allen Tieren fordern und will des Menschen Leben fordern von einem jeden Menschen. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.“

Das ist Gottes „Rache“ … also SEINE Sache!… so rigoros, weil wer Menschen antastet, der tastet Gott an! „… denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.“

„Rache“

Zunächst gilt:  „Die Rache ist mein, ich will vergelten …“              5.Mose 32:35

„Blutrache“ im AT

Die Familien waren verantwortlich, wenn jemand aus ihrer Reihe getötet wurde, den Mörder zu richten, denn es gab noch keine Polizei, die solch einen Fall hätte ermitteln können.

„Freistädte“

Damit nicht ein Mensch unschuldig des Todes sterben musste, gab es diese „Freistädte“, wohin ein Totschläger fliehen konnte.

Totschläger = einer, der ohne Absicht einen anderen Menschen zu Tode gebracht hatte.

Im Gegensatz zum Mörder ist er einer, der aus Hass, Neid oder Gier einen anderen Menschen mit Absicht zu Tode bringt.

Das Gesetz war eigentlich recht einfach:

Jeder, der eine Person getötet hatte, konnte zunächst Schutz in einer der sechs Freistädte finden.

Dort war er/sie zunächst sicher vor den Bluträchern.

Dann gab es unter den Ältesten dieser Städte (Leviten waren auch vor Ort) eine Untersuchung.

Wenn dann tatsächlich die Unschuld des Totschlägers festgestellt wurde, war dieser dort in der Stadt sicher und „unantastbar“.

Auflage war:   Der Totschläger musste bis zum Tod des Hohepriesters in der Freistadt verweilen, sonst war er „vogelfrei“ für die Bluträcher.

Nach dem Tod des Hohepriesters konnte der Bluträcher (ohne Gefahr) wieder zurück in seine Heimat!

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Freistädte der damaligen Zeit sind ein Bild für unsere Erlösung durch Jesus Christus!

Hebräer 6,18 „… einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.“

Wir brauchen diese „Zuflucht“, weil:         Römer 6,23a       „Der Lohn der Sünde ist der Tod, …“

Die Rettung (Freistadt) ist Jesus:         Apostelgeschichte 4,12

„Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“         (Luther)

„Bei niemand anderem ist Rettung zu finden; unter dem ganzen Himmel ist uns Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können.«.“                    (NGÜ)

Der Sünder (Totschläger) muss zu Jesus (Freistadt) fliehen: Matthäus 11,28-30

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Johannes 6:37 „Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

Der Weg zu den „Freistädten“ einfach zugänglich         5.Mose 19,2-3

„… sollst du dir drei Städte aussondern im Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird, es einzunehmen. Und du sollst den Weg dahin herrichten und das Gebiet deines Landes, das dir der HERR, dein Gott, zu Eigen geben wird, in drei Kreise/Teile teilen, damit dahin fliehen kann, wer einen Totschlag getan hat.“

In Jesus hat Gott selbst den Weg bereitet … und uns den Zugang „leicht gemacht“.

Johannes 14:6   „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Soweit passt der direkte Vergleich der Freistädte mit Jesus!

Aber was Gott uns in Jesus geschenkt hat, geht weit über die Bedeutung der Freistädte hinaus!!!

a) wer zu Jesus kommt, dem wird vergeben … es braucht keiner weiteren Untersuchung

     … wir kommen, weil wir uns unserer Schuld bewusst sind und wir bekennen das vor Gott!
     1.Johannes 1,9 „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

b) bei den Freistädten gabs eine Auflage/Bedingung    (die Stadt nicht zu verlassen)

     Unsere Rettung durch Jesus ist keiner Bedingung unterstellt!

     Gottes Rettung basiert auf seiner Gnade, die wir im Glauben annehmen dürfen:       

     Epheser 2,8-9 „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus             euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“

c) Unser „Hohepriester“ wird niemals sterben!
     Und darum sind wir auf ewig „sicher“, wie es in Hebräer 7,24 steht:

     „… dieser (Jesus) aber hat, weil er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum.

     Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen;

     denn er lebt für immer und bittet für sie.“

Namens-Bedeutung der Freistädte

Kedesch          = Heiligtum                                          (Gott will uns ganz und gar)    

Sichem            = Schulter                                           (Gott will uns anlehnen lassen)

Hebron            = vereinen, zusammenfügen               (Gott will engste Gemeinschaft)

Bezer               = Festung                                           (Gott will unser Schutz/Stärke sein)

Ramot              = Anhöhe, hoch sein, erhöhen            (Gott will uns aus „der Tiefe“ herausholen)

Golan              = Meer & Wasser                                (Gott will Ströme lebendigen Wassers fließen lassen)

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Auch wir Christen sind nicht frei von Schuld und Sünde.

Aber wir haben ein wunderbares Zufluchtsangebot Gottes. Keine Freistadt, wo noch über Schuld und Unschuld diskutiert wird – wir dürfen mit unserer unbewussten aber gerade auch mit unserer bewussten Schuld zum Kreuz – zu Jesus kommen und wissen: Wenn wir Schuld bei Gott bekennen, dann ist uns vergeben!

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Nimm dir Zeit. Nimm ein Blatt Papier. Nimm einen Stift und schreibe dir bewusste Sünde auf.

Breite das Blatt vor Gott aus und bekenne deine Schuld.
Lies 1.Johannes 1,9-10. Nimm ein Streichholz und verbrenne den Zettel und sei gewiss:

Gott hat dir in Jesus vergeben.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Heiko Krimmer vom 08.02.2005 mit dem Titel „Raum zur Umkehr“.

Heiko Krimmer 2004 mit dem Titel „Gott schafft Raum zur Umkehr“.

Diese Botschaften findet ihr unter https://www.sermon-online.com/de/search?q=Josua+20%2C1-9&language=24

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Damals bei Josua durften Totschläger in eine der sechs Freistädte fliehen und waren sicher bis zur Untersuchung ihres „Falles“ und bei Feststellung ihrer Unschuld darüber hinaus.

Heute dürfen wir nicht nur mit unabsichtlicher Schuld, sondern mit allen unseren Sünden zu Jesus fliehen. ER hat schon für jegliche Schuld am Kreuz mit dem Tod „bezahlt“ und wer das im Glauben annimmt, dem ist Vergebung zugesprochen. Das ist wahres Evangelium –  gute, geniale Nachricht!

Darum dürfen und sollen wir mit großer Zuversicht zu Gott/Jesus kommen und IHM unsere Sünden bekennen – ER wird uns vergeben!

Es gilt die Aufforderung Jesu aus Matthäus 11,28 an jeden von uns:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gott ist ein gerechter Gott. Darum wird Falsches bzw. Sünde auch geahndet.

Gott ist ein liebender Gott. Darum wird Sünde nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in seiner Liebe zu uns Menschen hat Gott seinen Sohn diese Strafe bezahlen lassen (Kreuzestod). Wer bei Jesus, der wahren „Freistadt“, Zuflucht sucht, dem werden nicht nur unabsichtliche Fehler, Vergehen, Sünden vergeben (wie es in den Freistädten zu Josuas Zeiten der Fall war). Wer im Glauben zu Jeus mit jeglicher Sünde kommt und sie bekennt dem wird zugesichert: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

(aus 1.Johannes 1,9)

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Freistädte = die göttliche Anordnung
          – Gott will Leben schützen

b) Freistädte = die menschliche Aufgabe

          – Gott will leichten Zugang für Totschläger

c) Freistädte = die wörtliche Absicht

          – Gott will mehr als Bewahrung vor dem Tod (6 Ortsnamen und ihre Bedeutung)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

>>Der Stellvertreter<<              aus „Hoffen wir das Beste“     von Axel Kühner; Seite 94-95

Es war einmal ein König, der sein Land glücklich machen wollte. Er hatte schon verschiedene Anordnungen getroffen, um die schlechten Zustände in seinem Reich zu beseitigen. Eine dieser Maßnahmen lautete: Der Genuss von Rauschmitteln ist verboten. Das war eine besonders harte Maßnahme, denn viele waren diesem Laster verfallen, selbst am Hofe des Königs.

Der König hatte eine harte Strafe angedroht. Wer auf frischer Tat ertappt wurde, sollte mit dreißig Stockschlägen bestraft werden. Lange Zeit wurde niemand zum König gebracht. Und es schien so, als wagte kein Untertan den Befehl zu übertreten. Eines Tages kam ein Diener zum König und meldete, dass eine Frau Rauschmittel genommen hätte. Der König befahl: „Bring sie her, sie wird ihre Strafe bekommen. Jeder, der es verdient, wird bestraft, und wenn es meine eigene Frau wäre.”

Der Diener entfernte sich und kehrte bald mit zwei Soldaten zurück, die eine Frau zwischen sich führten. Es war … die Mutter des Königs. Der König erschrak. Das hatte er nicht erwartet. Was nun? Er musste sein Wort halten.

Gespannt warteten die Diener ab, was ihr König tun würde. Der König sah seine Mutter an. Dann trat er vor, entblößte seinen Rücken und erteilte dem Gerichtsdiener den Befehl, ihm die dreißig Stockschläge zu geben. Er nahm die Strafe, die seine alte Mutter verdient hatte, auf sich. Im ganzen Land wurde der König für das, was er getan hatte, gelobt.

„Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.“

Jesaja 53,5f.    

(Jochen König)