Predigtthema: Joseph & seine Brüder – versorgt, beheimatet, gesegnet
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Dies ist der sechste Teil unserer siebenteiligen Predigtreihe zu Joseph (Joseph – Träume, Tränen, Triumph). Die Reihe begann im August (vier Predigten zu 1.Mose 37-42), und wird nun im November fortgesetzt und beendet (drei Predigten zu 1.Mose 43-50).
Wir befinden uns im Buch Genesis („Ursprung“). Genesis begann mit Gott, der eine Welt erschuf, die voller Nahrung war. Genesis endet damit, dass dieser Gott einen Mann darauf vorbereitet, einer hungernden Welt Nahrung zu geben, weil die Ernte ausbleibt.
Die Geschichte von Joseph erstreckt sich über die Kapitel 37-50 im Buch Genesis. Sie gehört zu den bekanntesten und „filmreifsten“ Geschichten des Alten Testaments. Was Besonders ist: wir lesen in diesen Kapiteln an keiner Stelle von einem direkten Reden Gottes mit Josef. In Kap.37 taucht das Wort “Gott” gar nicht auf. Wir lernen einen Josef kennen, der in seinem Vertrauen auf die Gegenwart und das Handeln eines Gottes wuchs, der fast immer geschwiegen hatin seinem Leben. Josef hielt sich u.a. an die Träume in seiner Jugend fest, von denen er überzeugt war, dass sie von Gott stammten, auch wenn er sich die Erfüllung der Träume noch nicht ganz vorstellen konnte.
Das Evangeliums-Prinzip „Leiden vor Herrlichkeit“ passt ganz gut zu Josephs Leben. Joseph wurde über Jahre weg schwer belastet – er erlitt Hass und Ablehnung, wurde versklavt, falsch beschuldigt und inhaftiert, er musste jahrelang Gottes NEIN auf seine Gebete ertragen, weil Gott was anderes mit ihm vorhatte. Joseph litt, bevor er Macht und ein hohes Amt erlangte. Es war eine lange Wartezeit, und er hielt die ganze Zeit an seinem Glauben an Gott und Gottes Wort fest (obwohl er weit weniger über Gott wusste als wir heute). Man kann das gut mit dem Bau einer Space-Shuttle vergleichen: Wenn Ingenieure Materialien für den Einsatz im Shuttle testen, unterziehen sie diese, wo immer möglich, Laborbedingungen, die extremer sind als die, denen sie später im Weltraum ausgesetzt sein werden. Joseph wurde Bedingungen ausgesetzt, die ihn zu dem Mann machten, der er Jahre später sein sollte, wenn er ein ganzes Land zu regieren und weise Entscheidungen zu treffen hatte. Dabei aber ganz wichtig: Die Moral der ganzen Story ist nicht: „Sei Gott treu und er segnet dein Leben wie mit dem Leben Josephs in Ägypten!“ Ja, Josef ging es nun besser als vorher, aber das ist kein segensreiches Leben an sich. Das, was in Ägypten passiert, ist nicht gut, in dem Sinne: Josef ist im gottlosen Land, hat einen Job für einen gottlosen Mann, hat das falsche Gewand an, bekommt einen gottlosen Namen und heiratet die Tochter eines gottlosen Priesters (41,45). Gott gebraucht das alles, das ist göttlich, aber lasst uns nicht sagen, dass das, was hier in Ägypten läuft, erfüllend gut ist. Das erste Mal, das Josef eine selbstständige Entscheidung bekommt, ist bei den Namen seiner Söhne, und die bekommen eben keine ägyptischen Namen (41,51-52). Das zeigt etwas davon, dass Joseph immer noch wusste, dass das hier in Ägypten nicht seine wahre Heimat ist. Auch zeigt er damit, dass er das Alte loslassen kann (was für die Vergebung später wichtig wurde!). Seine Kinder bekommen hebräische Namen, und das erinnerte ihn täglich an seine Vergangenheit und an die Schuld seiner Brüder, aber er konnte das loslassen.
Den Verlauf der Joseph-Geschichte kurz zusammengefasst:
- Los gehts: geboren in eine wohlhabende Familie, Lieblingssohn des Vaters (37,1-11)
- Weit hinunter: verkauft und verraten von den eigenen Brüdern; dem Tod nur entkommen, weil die Geldgier der Brüder über ihre Mordlust siegte (37,12-36).
- Hoch hinaus: genießt als dessen Geschäftsführer das blinde Vertrauen von einem der mächtigsten Männer der damaligen Zeit (39,1-11).
- Wieder weit hinunter: landet ohne eigenes Verschulden – gerade wegen seiner Integrität – im Hochsicherheitsgefängnis von Ägypten (39,7-20).
- Noch einmal hoch hinaus: wird – obwohl selbst Gefangener – zum geheimen Chef des Gefängnisses; genießt wiederum das Vertrauen eines mächtigen Mannes, des Gefängnisaufsehers (39,21-40,22).
- Das letzte Mal hinunter: vergessen von jenen, denen er selbstlos geholfen hat (40,23).
- Der Höhepunkt zum Schluss: zweiter Mann hinter dem Pharao, Wiedervereinigung mit der Familie, Frieden (Kap. 41-50).
Für diesen Sonntag befinden wir uns in den Kapiteln 46-49, sprich: mitten in dem Teil der Geschichte, der zum Höhepunkt am Schluss von Josephs Leben gehört. Was grob geschieht: Josephs Vater Jakob zieht mit allem, was er besaß und wer bei ihm war, nach Ägypten (46,1-7). Ein großer Wendepunkt in der Geschichte Israels und der Beginn vieler Jahre Siedlung des Volkes Gottes mitten unter einem fremden Volk, den Ägyptern. Die Nachkommenschaft Jakobs wird detailliert aufgezeigt (46,8-27). Ein Höhepunkt unseres Abschnitts ist definitiv das Wiedersehen zwischen Jakob und seinem lange für tot erklärten Sohn Joseph, der einstige „Liebling“ des mittlerweile 130 Jahre alt gewordenen Vaters. Wir lesen von der Begegnung Jakobs mit dem Pharao (47,1-12) sowie davon, wie Joseph die Geschicke in Ägypten verwaltete (47,13-26). Jakob stirbt in Ägypten, fern von der Heimat, aber wünscht sich ein Begräbnis in der Heimat (47,27-31 – die größte Beerdigung, von der wir in der ganzen Bibel lesen). Doch vor seinem Tod lesen wir ausführlich von der Segnung (und „Adoption“) seiner Enkel Ephraim und Manasse, den beiden Söhnen Josephs (48,1-22), wie auch von der Segnung seiner eigenen Söhne (49,1-32) bevor in einem Vers sein Tod erwähnt wird (49,33). Jakob lebte 17 Jahre in Ägypten, bevor er dort starb, so lange wie Josef alt war, als er nach Ägypten verkauft wurde.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Henry, Matthew: Der Neue Matthew Henry Kommentar. Band 1 (1.Mo – Josua) 3L Verlag
- Lennox, John: Joseph. Daniel-Verlag
- MacDonald, William: Kommentar zum Alten Testament. CLV (kostenlos Online PDF)
- Rasnake, Eddie: Josef – Gott folgen, wenn wir unter Druck stehen. Rigatio
- Wiersbe, Warren: Kommentar zum Alten Testament, Band 1. CV Dillenburg
- YouTube: BibelProjekt – Buchvideo zu Genesis (Teil 2)
- YouTube: Vierteilige Predigtreihe zu Josef von Nathanael Bubenzer
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes (Auszüge)
46,2-4: Gott bricht sein Schweigen nach 22 Jahren und sprach zum ersten Mal (in der Bibel überliefert) wieder mit Jakob, seitdem Josef ein kleiner Junge war. Gott gab Jakob, der sich aufs Wiedersehen mit Joseph freute, aber dem es schwer fiel seine Heimat zu verlassen, eine vierfache Verheißung: 1. Die Verheißung der großen Nachkommenschaft („Ich werde dich zu einem großen Volk machen“). 2. Die Verheißung seines Beistands („Ich selbst ziehe mit dir“). 3. Die Verheißung der Bewahrung („ich führe dich auch wieder herauf“ – Gott sagt ihm die Rückkehr voraus, gemeint ist v.a. die seiner Nachkommenschaft, das Volk Gottes wird nicht von der Landkarte verschwinden). 4. Die persönliche Verheißung („Joseph wird seine Hand auf deine Augen legen“ – Joseph wird sich um alle seine Angelegenheiten kümmern, er darf in Ruhe die letzten Jahre seines Lebens in der Gemeinschaft seiner Familie erleben). Gottes Verheißungen ermutigten Jakob zu diesem großen Schritt.
46,34: Israel war mit seinem gesamten Vieh gekommen, um die alte Familientradition der Hirtenhaltung fortzuführen. Joseph sah darin eine Chance, seine Familie von der umgebenden Kultur abzugrenzen, denn „jeder Hirte ist den Ägyptern ein Gräuel“. Das bedeutet nicht, dass die Ägypter kein Vieh besaßen, sondern dass sie Hirten ablehnten. Dafür wurden verschiedene Gründe angeführt. Viehhalter stammten meist aus den unteren Bauernschichten; sie waren oft Nomaden und wurden daher von den sesshaften Stadtbewohnern misstrauisch beäugt; oder sie opferten Tiere, die den meisten Ägyptern heilig waren. Weitere Einblicke erhalten wir im Buch Exodus, wo Mose den Pharao bittet, Israel ziehen zu lassen und ihn anzubeten. 2.Mo 8,21-23: „Da ließ der Pharao Mose und Aaron zu sich rufen und sagte: „Geht und schlachtet eurem Gott Opfer. Es muss aber hier im Land geschehen!“ „Das können wir nicht“, erwiderte Mose, „denn unsere Art, Opfer für Jahwe, unseren Gott, zu schlachten, wäre für die Ägypter ein Gräuel. Wenn sie das zu sehen bekämen, würden sie uns gewiss steinigen. Drei Tagereisen weit wollen wir in die Wüste ziehen und Jahwe, unserem Gott, Opfer schlachten, wie er es uns befohlen hat.“ Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass in Ägypten der Widder den Göttern Amun und Khnum heilig war und daher verwandte Tiere – Lämmer und Schafe – möglicherweise ähnlich verehrt wurden. Angesichts dieser kulturellen und religiösen Gepflogenheiten wird verständlich, warum der Pharao Israel in einem separaten Gebiet ansiedeln wollte.
47,7: Jakob hatte einen großen Auftrag von Gott erhalten und dessen Stimme vernommen, die ihm befahl, nach Ägypten zu gehen. Er wollte damit beginnen, das zu tun, wozu sein Großvater Abraham berufen war – den Heiden ein Segen zu sein. So segnete Jakob den Pharao, vielleicht auch deshalb, weil dieser seinen Sohn Joseph beschützt und der Familie Goschen als sicheren Wohnort gegeben hatte.
47,11: Die Familie wurde in der Landschaft Ramses angesiedelt. “Ramses” = eine Stadt, die später von israelitischen Sklaven errichtet werden würde.Das Exil wurde zu einer Heimat für das Volk Gottes. Später würde das noch problematisch werden. Nicht ohne Grund würden sich viele Israeliten später in der Wüste wünschen, wieder nach Ägypten zurückzukehren. Sich zu wohl in der Fremde einzurichten kann die Freude an der wahren Heimat rauben.
Ab 48,1: Am Sterbebett werden zwei Jungs in die Familie „adoptiert“: Ephraim und Manasse, die beiden Söhne Josephs, werden zu Stämmen des Volkes Israel. V.11 zeigt die tiefe Dankbarkeit Jakobs, nicht nur seinen geliebten Sohn, sondern auch dessen Söhne noch gesehen haben zu dürfen.
49,8-12: Der Fokus wird auf Juda gelegt. Als Jakobs Söhne am Totenbett den Segen ihres Vaters erhalten, gelten Juda die ersten positiven Worte – die Brüder vor ihm bekommen nur ernste Worte der Mahnung. Juda bekommt den „wichtigsten“ Teil in der Segnung der Söhne. Joseph wird überaus fruchtbar sein (V.22), aber er wird nicht der Anführer des Volkes sein. Diese Rolle ist Juda zuteilgeworden. Leon Kass kommentiert: „Offenbar hatte Joseph seinen jugendlichen ‚ägyptischen‘ Traum von den Weizengarben nur halb verstanden: Seine Brüder beugen sich zwar vor ihm, aber nur in Ägypten. In Israel werden die Brüder – einschließlich Josephs Söhne – von Juda geführt werden.“ Mit Judas schockierender Geschichte vor Augen fällt einem auf, wie gnädig Gott war, die Nachkommen Judas zur königlichen Linie im Stammbaum Jesu zu machen. Juda wird der Vater vieler geistlich starker Könige, darunter David, Josaphat, Ussija, Jotam, Hesekia, und Josia. Und schließlich ist da unter seinen Nachkommen ein anderer Joseph, „aus dem Hause und dem Stamm Davids“, der seine junge, schwangere Frau nach Bethlehem bringt, um sich dort für die Volkszählung zu registrieren (Lukas 2). Dieses Baby würde der „Löwe aus dem Stamme Juda“ werden (Offenbarung 5,5). Kelly Keller schreibt: „So weit reicht die Güte Gottes: Juda, der langjährige Schandfleck seiner Familie, kehrt um und wird zum Vater des Königs der Könige.“
2. Sagen, wo es hingeht
2.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Wir sehen die praktischen Auswirkungen der Gnade und der Verheißungen Gottes im Leben Josephs und seiner Familie. Zunächst bei Jakob: Die Versprechen, die Gott Jakob gibt, richten den altgewordenen Mann Gottes auf das große Bild aus, dass der Herr selbst malt. Mit diesen Zusagen kann Jakob in ein unbekanntes Land ziehen, wohlwissend, dass er sich mit der anstehenden Begegnung mit Joseph auch alten Fehlern gegenüberstellen wird. Seine Freude würde groß werden, doch es war auch das Bevorzugen seines Jüngsten, welches tiefen Hass in den Herzen der anderen Söhne geschürt hatte und sie letztendlich dazu brachte, diesen grauenvollen Schritt damals zu gehen. Jakob zieht los, und am Ende seines Lebens erfährt er die Güte Gottes in einem noch höheren Maß, als er es zu träumen gewagt hätte.
Doch auch in Josephs Leben und Verhalten erkennen wir die wirksame Kraft der Gnade Gottes. Seine Gastfreundschaft gegenüber den Männern, die ihn damals „in den sicheren Tod“ verkauften und seine Hingabe für das Vereinen der Familie zeigen, dass er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einem größeren Gott anvertrauen und abgeben konnte. Er sah den größeren Plan, zu dem auch sein Leiden gehörte und ein Baustein war. Er wurde verraten und verkauft, für Tod erklärt, und nun holt er genau diese versagende Familie zu sich, versorgt sie, errichtet ihnen eine neue Heimat und heißt sie willkommen. Kennen wir das nicht auch von einem anderen? Darauf werden wir u.a. bei der Segnung Judas hingewiesen: wir dürfen auf einen noch größeren König, Anführer, Bruder und Herrn schauen, aus der Linie Judas stammend. Er war im Gegensatz zu Joseph ohne Fehler (1.Petr 2,22). Er trug keinen bunten Mantel, hätte ihn aber als einziger wirklich verdient (Phil 2,9-11). Er wurde von deinen Seinen verraten (Mt 26,21-22), verkauft (Mt 26,14-15), und im Gegensatz zu Joseph tatsächlich getötet (Jes 53,3). Doch durch dieses Leiden, konnte er uns zu Kinder Gottes machen (Gal 3,26), uns eine ewige Heimat vorbereiten, (Joh 14,2) uns nun schon mit allem versorgen, was wir für ein Leben mit ihm benötigen (Röm 8,32), um uns eines Tages zu sich zu holen, damit auch wir dort sind, wo er ist (Joh 14,3).
2.2 Drei Fragen zur Orientierung – das Evangelium für unsere Herzen
Wir wollen Predigten halten, die ins Herz gehen. Dabei können drei Fragen helfen:
a. Wie hilft der Text den Zuhörern, Jesus anzubeten?
Wo strahlt die Schönheit des Evangeliums aus dem Text hervor? Worüber können die Zuhörer vielleicht wieder oder ganz neu über Jesus staunen?
b. Wie hilft der Text denen, die leiden?
Wir leben in einer gefallenen Welt. Gehe immer davon aus, dass einige deiner Zuhörer im Moment mit Leid zu kämpfen haben. Wir wissen nicht, was die Menschen vor uns in den Tagen, Stunden, Minuten vor dem Gottesdienst durchgemacht haben. Auch die, die breit Lächeln, können mit Tränen zu kämpfen haben. Wie ermutigt sie dieser Text?
c. Wie hilft der Text denen, die mit Selbstgerechtigkeit und Schuld zu kämpfen haben?
In einer gefallenen Welt leiden Menschen nicht nur, sie haben auch gefallene Herzen. Wir tun vieles, um uns selbst gut dastehen zu lassen, haben mit Selbstgerechtigkeit und mit verborgener Schuld zu kämpfen. Wie hilft dieser Text unseren Zuhörern, mit ihrer Schuld zu Jesus zu kommen und den Gottesdienst wieder ermutigt zu verlassen? Sodass sie Jesus vertrauen und ihm mit Freude dienen.
Wir wollen Predigten halten, die das Evangelium von Jesus zum Strahlen bringen und in die Herzen der Zuhörenden fällt. Dazu David King: „In einer evangeliumszentrierten Predigt ist das Evangelium wie die Sonne, die jeden Aspekt der Predigt in seine Umlaufbahn zieht und ihn mit Licht und Wärme erstrahlen lässt.“
Der Theologe und Autor, Dane Ortlund, hat 39 Predigtregeln veröffentlicht, nach denen er jede Predigt versucht zu gestalten. Die ganze Liste findest du hier: theoblog.de/dane-orlund-39-predigtregeln/47080/
Ich habe von diesen Predigtregeln zehn ausgewählt und hier aufgelistet, die ich dir ganz besonders ans Herz legen möchte:
- Predige zuerst dir selbst.
- Ein durchgängiger Ton der Ermutigung.
- Deine Zuhörer sind verzweifelter, als sie zeigen.
- Sei konkret, nicht abstrakt.
- Streiche alles überflüssige gnadenlos.
- Zeige regelmäßig etwas von deiner eigenen Schwäche.
- Es sind sowohl eifrige als auch stagnierende Christen anwesend.
- Höre mit der Predigt auf, solange du noch Zuhörer hast.
- Predige so, als säße dein Sohn in der letzten Reihe und gäbe dir noch eine Chance.
- Gib ihnen einen Vorgeschmack darauf, wie Jesus selbst ist.
Buchtipp zum Predigtdienst: Piper, John: IHN verkündigen wir – Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung. Betanien Verlag („Dieses Buch ruft uns zurück zu einem biblischen Maßstab für die Predigt.“ Warren W. Wiersbe)
2.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Die Fürsorge Josephs à mit Gott die Vergangenheit loslassen (Vergebung)
- Das Vertrauen Jakobs à mit Gott in die Zukunft gehen (Zusagen Gottes)
- Der Nachkomme Judas à mit Gott in der Gegenwart leben (Evangelium von Jesus, unter dem regierenden Zepter des wahren Anführers jeden Tag ruhen und leben)
2.4 Predigtveranschaulichung
Gottes Verheißungen in seinem Wort stärken uns und geben Orientierung in einer orientierungslosen, „schrägen“ Welt. Auf Gott können wir uns verlassen, das konnte Jakob damals als Gott zu ihm sprach, das konnte Joseph inmitten seiner Kämpfe und Versuchungen, und das konnte Juda, als Jakob über ihm ein göttliches, prophetisches Wort zu seiner Stammeslinie aussprach. Gerade dann, wenn alles in Schieflage gerät (Zweifel über Gottes Führung, Angst vor einer unbekannten Zukunft, die Versuchung anklopft, nicht vergebungsbereit zu sein und stattdessen den Stolz siegen zu lassen), brauchen wir ein Licht, welches uns auf unserem dunklen Weg leuchtet (Ps 119,105) und sich nicht an die Dunkelheit in und um uns herum anpasst.
Eine Illustration dazu: Woran erkennst du, dass ein Bilderrahmen schief an der Wand hängt? An den anderen Dingen, die darum herum an der Wand hängen. Wenn alles gerade hängt, kann sogar die Wand schief sein, aber du erkennst sofort, dass das besagte Bild schief hängt, weil du es automatisch mit den anderen drumherum vergleichst. Aber was, wenn alles drumherum schief hängt? Was, wenn sowohl die Wand als auch alle anderen Bilderrahmen nicht gerade sind? Dann brauchst du ein Werkzeug, welches sich nicht den schiefhängenden Bildern anpasst, sondern unabhängig davon dir zeigen kann, wie man „gerade“ hängt. Du benötigst eine Wasserwaage, damit du prüfen kannst, ob dein Bild „im Wasser steht“. Gottes Wort, die Bibel, ist eine solche Wasserwaage, die sich nicht an die Unsicherheiten in und um uns herum anpasst. Wir wollen sie als Kinder Gottes an unser Leben anlegen, mit all ihren Verheißungen, die von unserem Retter-Gott kommen, und somit Mut fassen, Vergebung annehmen, Vergebung leben, und hoffnungsvoll nach vorne schauen.
(Simon Hamalega)