Predigtthema: Was für ein Gott?!
Predigttext: 2. Samuel 6,12-23
1 Erläuterungen zum Text
6,12: Die begonnene Überführung der Bundeslade nach Jerusalem wurde von Da-vid wegen einem gravierenden Zwischenfall frustriert abgebrochen. Anders als geplant wurde die Lade im Haus von Obed-Edom nahe am Unglücksort unterge-bracht. Der Segen Gottes, wie ihn David erhofft hatte, blieb aus. Stattdessen erfüllte ihn Furcht vor Gott (s. Predigthilfe für 1. November 2015 zu 2Sam 6,1-11).
Nun erfährt David: Gott segnet das Haus von Obed-Edom in einem ganz umfas-senden Sinn – wegen der Bundeslade. Das bewegt ihn dazu, die abgebrochene Aktion der Überführung der Bundeslade fortzusetzen. David, der zornig auf Gott reagierte (6,8) und ihn fürchtete (6,9), belässt es nicht bei seinem gescheiterten Versuch. Nun holt er die Lade nach Jerusalem – mit Freude.
6,13: Mit großer Vorsicht und Umsicht wird die Überführung von David organisiert. Die Bundeslade wird nicht mehr auf einem Wagen transportiert, sondern sie wird von Leviten getragen (vgl. 4Mo 1,50; 4,15). Doch kaum ist die Prozession aufgebrochen, wird sie nach sechs Schritten schon wieder gestoppt. Ein Rind und ein Mastkalb wird als Signal der Dankbarkeit geopfert.
6,14: Während die Prozession mit der Bundeslade nach Jerusalem weiterzieht, tanzt David „mit aller Kraft“ (bzw. „mit voller Hingabe“) vor dem Herrn. Das hier gebrauchte hebräische Wort für „tanzen“ kommt im AT nur an dieser Stelle vor. In der griechischen Übersetzung des AT (Septuaginta = Bibel der ersten Christen im römischen Reich) wird der hebräische Ausdruck mit „ein Instrument schlagen“ wie-dergegeben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich David tatsächlich tanzend vor der Lade bewegt hat. Denn seine Frau Michal quittiert dieses Verhalten mit Verachtung (vgl. 6,16).
Auf dem Weg nach Jerusalem trägt David einen leinenen Priesterschurz, wie er von einfachen Priestern getragen wurde. Hebräisch wird er als Efod bezeichnet. Über sein Aussehen lässt sich nichts Sicheres sagen.
6,15: Der Festzug mit der Bundeslade zieht hinauf, denn der Zielort Jerusalem liegt auf etwa 800 m Höhe. Mit dem Erreichen des Ziels bricht unbändiger Jubel los, was wohl keiner Erläuterung bedarf. Der Posaunenschall ist eher als Hörnerschall zu verstehen, wobei das Horn in der Regel nicht als Musikinstrument, sondern als Signalinstrument benutzt wird.
6,16: Mit dem Eintreffen der Bundeslade am Zielort tritt Michal in Erscheinung. Sie schaut dem Geschehen aus dem Fenster zu. An der Überführung der Bundeslade hatte sie also nicht teilgenommen. Doch nicht nur das: Sie verachtet David wegen dieser Aktion. Als jüngere Tochter Sauls (1Sam 14,49) ist sie mit David verheiratet worden – anstelle ihrer Schwester Merab (1Sam 18,20ff). Sie war maßgeblich daran beteiligt, David vor den Übergriffen ihres Vaters zu retten (1Sam 19,11-17). Wäh-rend Davids Exil wurde sie von ihrem Vater mit Palti verheiratet (1Sam 25,44). Nach dem Tod Sauls forderte David Michal zurück, vermutlich um seinen Anspruch auf die Thronfolge zu befestigen (2Sam 3,14-16).
6,17-19: Die Bundeslade findet ihren Platz in einem Zelt, das von der Stiftshütte zu unterscheiden ist. Warum aber wird die Lade nicht in einem festen Gebäude aufge-stellt? Einerseits weist das Zelt auf das wandernde Gottesvolk hin. Schon die Wüs-tenwanderung war stets eng mit der Bundeslade verbunden. Andererseits weist das Zelt auf die Vorläufigkeit der Unterbringung hin. David trägt sich nämlich mit dem Gedanken, für die Bundeslade ein Haus (Tempel) zu bauen (vgl. 1Sam 7), was aber schließlich Salomo vorbehalten bleibt.
Die feierliche Überführung der Bundeslade erreicht mit Opferung und Segnung ihren abschließenden Höhepunkt. David selbst tritt als König Israels mit priesterli-cher Vollmacht auf. Das unterstreicht seine priesterliche Kleidung (6,14). Zudem wird das Fest der Freude mit dem Teilen von Lebensmitteln verbunden: Alle Israeli-ten – Männer und Frauen – erhielten ein Brot, einen Rosinenkuchen und einen Dat-telkuchen. Der Dattelkuchen wird nur hier im AT erwähnt. Nach diesem Fest gehen alle Teilnehmer nach Hause.
6,20-23: Als David heimkehrt, um seine Familie zu begrüßen, übt seine Frau Michal spöttische Kritik an David. Da sie ausdrücklich als Tochter Sauls erwähnt wird, ist die Stoßrichtung ihrer Kritik klar: Sie stellt die Würde Davids als König Israels in Frage. Sie argumentiert gegen das scheinbar anstößige sittliche Verhalten von David. Mit seiner halbnackten Tanzerei habe er sich vor den Sklavinnen des Hofes der Lächerlichkeit preisgegeben und sich auf die Stufe des Gesindels gestellt. Mit diesem Verhalten habe er bewiesen, dass ihm die Königswürde Israels nicht zusteht.
David durchschaut diese Kritik. Er stellt zunächst klar, zur Ehre Gottes getanzt zu haben. Michal kritisiert also gottesdienstliches Verhalten. Sodann hebt David hervor: Gott hat die Königswürde von Saul und seinen Nachkommen weggenommen und hat sie ihm anvertraut. Als von Gott erwählter König Israels will David auch künftig zur Ehre Gottes tanzen. Er ist sogar bereit, sich um Gottes willen noch mehr zu erniedrigen. Die Sklavinnen des Königshofes werden das zu schätzen wissen und den König ehren. Sie haben damit mehr verstanden als Michal, die Tochter Sauls, die den König verachtet. Gott hat David zum König erhöht und das gibt dem König die Freiheit, sich vor Gott zu erniedrigen (vgl. Mt 23,12).
Als Fazit wird festgehalten: Bis zu ihrem Tod hatte Michal kein Kind. An ihr haftet damit nicht nur der Makel der Kinderlosigkeit, sondern damit ist auch entschieden: Königliche Nachkommen Sauls wird es durch die Ehe von David und Michal endgültig nicht geben.
2 Hinweise zu Lehre und Leben
2.1 Gott oder Mensch?
Der Mensch findet zu seiner wahren Menschlichkeit erst in der Begegnung mit Gott. Ohne Gott verliert der Mensch den wesentlichsten Bezug seines Lebens. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb David die Bundeslade nach Jerusalem holen lässt und daran mit großer innerer Beteiligung mitwirkt. Denn die Bundeslade gilt als Zeichen der Nähe Gottes (s. Predigthilfe für 1. November 2015 zu 2Sam 6,1-11). David sucht diese Nähe.
Gewiss wird man berücksichtigen müssen, dass sich David mit der Überführung der Bundeslade auch die Zustimmung des Volkes sicherte. Denn die Beteiligung des ganzen Hauses Israel (6,15) lässt die Sehnsucht nach Gottes Nähe im Volk greifbar werden. Insofern war die Überführung der Bundeslade durchaus ein kluger Schachzug Davids, auf diese Weise seine Macht als König zu stabilisieren. Trotzdem bleibt das treibende Motiv für Davids Aktion die Hoffnung auf Gottes Nähe. Die Voraussetzung für diese Hoffnung ist Gottes Bundestreue, auf die auch die Bundeslade hinweist.
Sehnsucht nach Gottes Nähe begegnet uns auch beim modernen Menschen unse-rer Tage. Allerdings wird diese Sehnsucht in einer eigenartigen Zwiespältigkeit greifbar. Einerseits steht ein großer Teil der Menschen in unserem Land christli-chen Gottesdiensten in der Regel distanziert gegenüber. Andererseits suchen viele dieser Menschen mit regem Interesse nach spirituellen Erfahrungen in religiösem und esoterischem Zusammenhang. Bei solcher Suche bleibt der Mensch allerdings auf sich selbst bezogen und verfehlt Gott.
Warum aber sucht der Mensch nach Gottes Nähe? Im Bild gesprochen: Wie bei einem Geldschein ein Wasserzeichen als Merkmal seiner Echtheit eingeprägt ist, so ist jedem Menschen die Handschrift Gottes eingeprägt, die den Menschen als Gegenüber Gottes kennzeichnet. Ohne diesen Gottesbezug verliert der Mensch letztlich auch den Bezug zu sich selbst. Ohne Rückbindung an seinen Ursprung verliert sich der Mensch im Universum vieler Optionen ohne Orientierung und Ziel.
Insofern hat jeder Gottesdienst als Gottesbegegnung grundlegende Bedeutung für das Menschsein des Menschen. Wenn David (unaufgefordert) die Bundeslade nach Jerusalem bringt, dann begegnet darin die Möglichkeit für ihn und das Volk Israel, Gott neu zu begegnen. Diese Gottesbegegnung verleiht dem Gottesdienst seine tiefste Bedeutung. Dabei geht die Gottesbegegnung immer von Gott aus, der sich seinem Volk versprochen und mit ihm verbündet hat.
2.2 Freude oder Kritik?
Der Gottesdienst ist ein Geschenk Gottes an seine Gemeinde, so wie auch jeder Sonntag (für das Volk Israel: Sabbat) ein Geschenk Gottes an alle Menschen ist. Wer diese Gaben missachtet, schadet sich selbst. Denn jeder Gottesdienst bietet zwei Schwerpunkte (wie die zwei Brennpunkte einer Ellipse): Einerseits zielt die gottesdienstliche Versammlung auf den geistlichen Aufbau der Gemeinde, ihre Sammlung. Andererseits zielt die Begegnung mit Gott auf die Ermutigung für das Leben im Alltag, ihre Sendung. Beide Akzente ergänzen sich. Die Begegnung mit Gott in der gottesdienstlichen Veranstaltung bewährt sich in der Alltagswirklich-keit.
Diese beiden Akzente werden auch in der Gottesdienstfeier anlässlich des Eintref-fens der Bundeslade in Jerusalem greifbar: Die Sammlung des Volkes Gottes im Gottesdienst mit seinen Opfern, Segnungen und Geschenken (leibliche Speise) in der Gegenwart des Herrn baut das Volk Gottes auf. Danach werden die Menschen in ihr Lebensumfeld entlassen („jeder in sein Haus“ 6,19), um dort ihren Glauben zu bewähren.
Die Begegnung mit Gott verleiht dem Gottesdienst einen Grundton der Freude. Schon auf dem Weg nach Jerusalem ist die Freude zu greifen (6,12.14f): Tanz, Jubel, Posaunenschall. Auch im Gottesdienst selbst ist alles auf den Ton des Dankes und der Freude gestimmt (Dank- und Brandopfer, 6,17). Allerdings begegnet solche Freude nicht durchgängig. Es gibt auch Menschen, die mit finsterer oder spötti-scher Mine scharfe Kritik äußern, z.B. Michal, die David verachtet (6,16.20ff).
Bis heute gibt es Menschen, die stets etwas am Gottesdienst auszusetzen haben, sich über Formen ärgern oder um Erlaubtes und nicht Erlaubtes streiten. Manche Fragen lösen schier unendliche Diskussionen aus: Musik und Tanz, Anspiel und Theater, Inhalte der Verkündigung und Lehre, Sprache und Stil, Offenheit für Christen und Nichtchristen usw. In dieses Spektrum fügt sich Michal mit ihrer Kritik am gottesdienstlichen Auftreten von David nahtlos ein. David mit seinem Verhalten (Tanz, Kleidung) hat sich aus der Sicht Michals als König disqualifiziert.
Diese Spannung zwischen Freude am Gottesdienst und seiner Kritik fordert zur Verständigung heraus. Ein Gottesdienst darf nicht in Beliebigkeit ausarten. Ande-rerseits soll ein Gottesdienst auch einen Raum bieten, auf unkonventionelle Weise der Freude an Gott und der Dankbarkeit ihm gegenüber Ausdruck zu verleihen. Es muss in einem Gottesdienst nicht steril, sondern es darf lebendig zugehen. Der vorliegende Bibeltext mit seiner Spannung von Freude und Kritik fordert heraus, die eigene Gottesdienstpraxis zu reflektieren. Gottesdienst ist aber immer ein Geschehen vor dem Herrn (6,17) und im Namen des Herrn (6,18). Auf diesen Gottesbezug kann in keinem Gottesdienst verzichtet werden.
2.3 Erhöhung oder Erniedrigung?
Die Diskussion zwischen Michal und David nach dem Fest-Gottesdienst in Jerusa-lem bezieht sich auf den Zusammenhang von Erhöhung und Erniedrigung. Michal wirft David vor, sich auf entwürdigende Weise erniedrigt zu haben und damit seine Königswürde verspielt zu haben (6,20). David kontert, auch in Zukunft zu tanzen und sich noch geringer und noch niedriger zu machen (6,21f) und zwar vor dem Herrn (6,21). Dieser Bezug zur Wirklichkeit Gottes darf nicht außeracht gelassen werden.
Damals wie heute lässt sich mit der Bereitschaft zur Erniedrigung nicht punkten. Auf Erhöhung kommt es an: schneller, weiter, stärker, besser, höher, spektakulä-rer. Das Niedrige, Schwache, wenig Auffällige, nicht Herausragende wird nicht be-achtet, eher missachtet. Doch was ist vor Gott angemessen?
David weist mit seinem Ja zum Niedrigen weit über sich hinaus in eine Richtung, die in Jesus Christus zum Ziel kommt. Von Jesus Christus, dem höchsten König der Welt aus der Linie des Königtums von David heißt es (Phil 2,8): „Er erniedrigte sich selbst.“ Dieser Weg der Erniedrigung führt nicht nur in die Verachtung (Davids Ver-achtung durch Michal), sondern ins Sterben. So handelt Gott! Er nimmt teil an un-serem Leben. Gott bleibt nicht bei sich, sondern kommt zu uns. Er teilt unsere Not. Wird Teil unserer Wirklichkeit, Teil unserer gefallenen Schöpfung. Er hat Teil an unserer Bedürftigkeit, unserer Gefährdung, unserer Müdigkeit, unseren Sehnsüch-ten, unseren Schmerzen, unserem Scheitern, unserer Trauer und unseren Hoffnun-gen. Durch sein persönliches Engagement schafft Gott Veränderung. Was für ein Gott ist Gott, der in Jesus mitten in unserer Welt erschienen ist! Was für ein Gott ist Gott, der in der Niedrigkeit von Jesus seine Liebe erwiesen hat!
Niedrigkeit ist die Signatur des Gottesdienstes, ein Markenzeichen Gottes. Die Begegnung mit ihm ist nur möglich, weil Gott in Jesus Christus den Weg der Erniedrigung gegangen ist.
3 Bausteine für die Predigt
3.1 Predigtziel
Die Predigt will die Liebe zum Gottesdienst fördern, weil Menschen in der Begeg-nung mit Gott zur ihrem Menschsein finden, für den Lebensalltag vorbereitet wer-den und für ein „Ja“ zur Niedrigkeit als Markenzeichen Gottes gewonnen werden.
Themen und Gliederungsvorschlag
Thema der Predigt: Begegnung mit Gott
Gliederungsvorschlag (in Anlehnung an 2.1 bis 2.3):
• Sehnsucht nach Gott
• Freude bei Gott
• Niedrigkeit vor Gott
3.2 Hinweise zur Predigt
Für die Predigt ist darauf zu achten, möglichst Doppelungen zu vermeiden, weil 6,1-11 und 6,12-23 eine Einheit bilden. Die Überführung der Bundeslade kann als ein gottesdienstliches Geschehen verstanden werden, denn sowohl der Weg nach Jerusalem, das Aufstellen der Lade in Jerusalem, aber auch die nachfolgende Aus-einandersetzung mit Michal berühren das Thema des Gottesdienstes. Die Gottes-dienste des alttestamentlichen Gottesvolkes und der neutestamentlichen Gemeinde weisen natürlich Unterschiede auf. Trotzdem gibt es einen übergreifenden Aspekt, der beides miteinander verbindet: die Begegnung mit Gott. Mit dieser Betonung beginnt der alttestamentliche Text für die neutestamentliche Gemeinde zu reden.
In der Predigt bietet es sich an…,
… von der Sehnsucht des Menschen nach Gott zu reden. Vor allem ist aber auch die Sehnsucht Gottes nach uns Menschen hervorzuheben. Sie begegnet in der Nähe Gottes zum Menschen. Die Bundeslade ist ein Zeichen dafür. Gottesdienst gibt es also, weil Gott Menschen sucht, ihnen begegnet, ihnen dient und sich mit ihnen verbündet (Bundeslade!). Gottesdienst beinhaltet dann auch die Antwort des Menschen auf diese Zuwendung Gottes, nämlich Gott zu dienen.
… von der Freude der Begegnung mit Gott und dem Reichtum seines Schenkens zu reden. Ein Gottesdienst in seiner vielfarbigen Gestalt mit Liedern, Gebeten, Ver-kündigung, Gemeinschaft, Segen und auch ungewöhnlichen Elementen hat viel zu bieten. Jeder Gottesdienstteilnehmer ist Empfangender, um dann als Beschenkter im Lebensalltag zur Ehre Gottes für Menschen da sein zu können – durch Wort und Tat.
In diesem Zusammenhang kann auch die Auseinandersetzung mit oft geübter Kri-tik an Gottesdiensten aufgenommen werden (Michals Votum wird nicht ver-schwiegen). Diese Auseinandersetzung um Gottesdienstformen und -gestaltung soll letztlich davon bestimmt sein, die Begegnung mit Gott zu fördern. Es kann aufgezeigt werden, wie jeder Gottesdienst (auch ein scheinbar kritikwürdiger Got-tesdienst) aufbauend wirken kann. Die Nähe Gottes begegnet in vielen Gottesdienstelementen.
… von dem Geheimnis der Niedrigkeit Gottes in Jesus Christus zu reden, die als Markenzeichen Gottes auch das Leben von Christen formt. Gemeinde ist also darin zu ermutigen, gegen den Mainstream ein Ja zur Niedrigkeit vor Gott zu gewinnen und zu leben, indem sich Christen dem lebendigen Gott ein- und unterordnen und ihm ihren Respekt bekunden (das muss nicht zwingend durch einen Tanz gesche-hen wie bei David). Es gibt viele Ausdrucksformen, in denen die Achtung vor Gott bekundet werden kann. Auch das Bekenntnis zur Niedrigkeit der Gemeinde mit ihren Grenzen, ihrer begrenzten Kraft usw. gehört in diesen Zusammenhang. Ebenso die Zuwendung zu schwachen und verachteten Menschen. Das Erste, was die frühen Gemeinden regeln mussten, war die Frage: Wie kann sie für die Verletz-lichsten und Schwächsten der Gemeinschaft sorgen, für Witwen und Weisen (vgl. Apg 6,1ff; Jak 1,27)? Gerechtigkeit, Teilen und Helfen waren ganz zentrale Themen für die junge Gemeinde. Die Last des anderen zu tragen war ein Teil ihrer Identität (bis hin zur Last der Versuchlichkeit, vgl. Gal 6,2).Wenn eine Person litt, nahmen alle an ihrem Leid Anteil (vgl. 1Kor 12,26). Gott benutzte die Mittel und Fähigkeiten des einen, um für andere zu sorgen. Alles wurde mit einem dankbaren Herzen in offenen Händen gehalten. Ohne Bereitschaft zur Niedrigkeit ist solche Herabneigung zu den Schwächsten nicht zu leben. Was bedeutet das z.B. für unser Engagement in der Zuwendung zu Flüchtlingen? Die Niedrigkeit, die von David im Respekt vor Gott bejaht wurde, drängt auch zu einer Gestalt in unserem eigenen Leben.
3.3 Praktische Anregung
Nach dem Gottesdienst zur Überführung der Bundeslade wurden Lebensmittel verteilt. Wie wäre es, am Schluss des Gottesdienstes eine Aufmerksamkeit zu ver-teilen oder einen kleinen Imbiss für alle anzubieten?
Christoph Müller