Johannes

Predigthilfe vom 8. Dezember 2024 – Johannes 10,7-10

Predigtthema:       Jesus, die Tür

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com.

1.1 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Maier, Gerhard. Johannes Evangelium (Edition C Bibelkommentar)
  • Lüthi, Walter. Johannes – das vierte Evangelium.
  • De Boor, Werner. Das Evangelium des Johannes (Wuppertaler Studienbibel)
  • Köstenberger, Andreas: John (Baker Exegetical Commentary)

1.2 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

In den Versen vor unserem Abschnitt, beschreibt Jesus, wie ein Hirte durch die Türe zu seinen Schafen hineingeht. Er hat rechtmäßigen Zugang und deshalb öffnet der Türhüter dem Hirten auch die Tür. Diebe und Räuber versuchen am Türhüter vorbei zu den Schafen zu kommen, um diese zu stehlen. Jesus betont dann weiter, dass die Schafe die Stimme des Hirten erkennen und ihm folgen. Dieser Abschnitt endet in Vers 6 mit der Erklärung von Johannes, dass die Zuhörer von Jesus nicht verstanden, was er ihnen mit diesem bildhaften Vergleich sagen wollte. Und so sehen wir, dass Jesus in Vers 7 noch einmal konkreter wird, indem er das Bild auf sich anwendet. Er beschreibt sich zunächst als die Tür zu den Schafen und dann ab Vers 11 als der gute Hirte, der sein Leben für die Schafe hingibt. Jesus scheint hier immer noch zu der Gruppe der Pharisäer zu reden, die in Joh 9,40 erwähnt wird.

Immer wieder lesen wir im Johannesevangelium, wie Jesus wichtige Aussagen mit einem doppelten Amen einleitet. Jesus betont, dass er die Wahrheit sagt, auf die sich seine Hörer verlassen können. Jesus bleibt in unserem Abschnitt beim Bild von den Schafen, und nimmt mit der Tür zum Schafstall einen besonderen Teil dieses Bildes in den Blick. Der Hirte steht natürlich im Hintergrund, aber er wird erst in Vers 11 wieder erwähnt. Der Türwächter, von dem in den ersten Versen die Rede war, taucht hier nicht mehr auf.

Jesus möchte eine wichtige Wahrheit über den Zugang zu seinem Reich vermitteln, und auch deutlich machen, wie gut versorgt die Schafe seiner Herde sind. Auf diese Ziele hin passt Jesus nun seinen Vergleich an und spricht von der Tür und weiterhin von Dieben und Räubern.

Eine Frage, die wir uns in Vers 7 stellen müssen, ist, ob Jesus hier meint, dass er die Tür zu den Schafen ist, oder dass er die Tür für die Schafe ist. Wenn die erste Deutung zutreffen würde, dann würde sich Jesus hier als derjenige beschreiben, der den Hirten den Zugang zu den Schafen gewähren würde. Allerdings tauchen im Kontext keine anderen guten Hirten außer Jesus, dem einen guten Hirten, auf. Von Vers 9 her erscheint es außerdem naheliegend, Vers 7 so zu deuten, dass Jesus die Tür ist, durch die die Schafe gehen müssen, um Rettung zu finden.

Vielleicht können wir die beiden Blickwinkel auch zusammenbringen, indem wir uns Jesus als einen Hirten vorstellen, der selbst im offenen Eingang zu den Schafen steht oder sitzt und so die Rolle der Tür übernimmt.

Als diese Tür ist Jesus zugleich Zugang zur Herde, er ist aber auch ihr Beschützer und ihr Versorger.

In Vers 9 beschreibt Jesus sich selbst als Zugang zur Rettung. Wer zu Jesus kommt und ihm vertraut, wird Teil seiner Herde. Er geht im Bild gesprochen durch die Hirten-Tür hindurch und steht von da an unter dem Schutz und der Versorgung des Hirten. Jesus baut hier einen klaren Kontrast zwischen sich und allen anderen Erlösungsangeboten oder Erlösern auf, die vor ihm gekommen sind. Nur durch ihn gibt es Zugang zur Rettung. Wir sehen hier eine deutliche Parallele zum Ich-bin Wort in Joh 14,6. Aber auch die anderen Ich-bin Worte unterstreichen genauso, wie das Ich-bin Wort von der Tür, die Einzigartigkeit von Jesus im Blick auf unsere Rettung.

Jesus ist der Einzige, der uns wahres Leben mit einer wahren Hoffnung geben kann. Und dieses wahre, erfüllte Leben kommt am Ende von Vers 9 in den Blick. Wieder wandelt Jesus das Bild etwas ab. Das Ein- und Ausgehen bedeutet nicht, dass die Schafe die rettende Herde ständig verlassen und dann wieder zurückkommen. Nein, hier beschreibt Jesus das wunderbar befreite Leben, das wir als Schafe seiner Herde haben dürfen. Jesus möchte seinen Schafen ein Leben in Fülle geben.

Diese Aussage von Jesus in Vers 10 erinnert stark an Ps 23. Jesus, der Sohn Gottes, ist dieser gute Hirte, den David in Psalm 23 besingt. Er gibt seinen Schafen Ruhe und Geborgenheit, er versorgt sie reichlich.

Auch die Beschreibung des Messias in Micha 5,3 bildet einen alttestamentlichen Hintergrund für unseren Abschnitt. Dort wird vorhergesagt, wie der Messias seine Herde in Kraft weidet und dass seine Schafe sicher wohnen werden.

Mit dem Leben im Überfluss hat Jesus also nicht materiellen Reichtum im Blick, sondern ein Leben in der Geborgenheit Gottes, im Frieden mit ihm und in der tiefen Zufriedenheit durch ihn.

Dieses Streben Jesu, dass seine Schafe ein Leben im Überfluss haben, steht im krassen Gegensatz zu dem Dieb, den Jesus in Vers 10 auch noch anspricht. Das Ziel des Diebes ist niemals das Wohl des Schafes. Der Dieb will das Schaf zerstören und zeigt damit, dass sein Verhalten zum Widersacher Gottes passt. Jesus hat den Teufel in Joh 8,44 von Anfang an als Menschenmörder und als Lügner bezeichnet und genau diesen zerstörerischen Charakter finden wir auch bei dem Dieb, den Jesus in Vers 10 beschreibt.

Wenn wir schließlich noch einmal auf den Zusammenhang mit Kapitel 9 schauen und uns bewusst machen, dass Jesus hier mit den Pharisäern redet, die dem geheilten Blinden das Leben und den Weg zu Jesus so schwer gemacht haben, dann sehen wir, wie diese Worte von Jesus die Pharisäer in Frage stellen.

Jesus macht ihnen deutlich, dass sie sich wie Diebe und Räuber verhalten, die schlussendlich nicht das Wohl dieses Schafes im Blick haben, sondern es zerstören. Damit wird sichtbar, dass sie eben nicht von Gott geleitet sind, sondern vom Teufel. Gleichzeitig sind diese Verse aber auch eine Einladung an die Pharisäer, die in ihrer Selbstgerechtigkeit gefangen sind. Jesus lädt sie ein, dass sie ihn als ihre Tür, als ihren guten Hirten erkennen und annehmen und so wahres Leben in ihm finden.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweis für hermeneutische Überlegung

Wie sehen, gerade in Joh 10 sehr deutlich, wie Jesus ein Bild mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Blickwinkeln benutzt. Das sollte für uns immer wieder ein Hinweis sein, Bilder nicht zu überinterpretieren. Vielmehr ist es die Herausforderung jeweils den Hauptgedankengang zu erkennen, der mit dem Bild zum Ausdruck gebracht und illustriert werden soll.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen

Gerade in der Adventszeit, wenn wir erneut das Kommen Jesu in den Blick nehmen, ist es wichtig, dass wir deutlich machen, wie sehr unsere Welt Jesus braucht. Ohne Gottes Retter sind wir verloren. Alle anderen Rettungsangebote, die unsere Welt zu bieten hat, tragen schlussendlich nicht. Nur in Jesus finden wir wirklich dauerhaft erfülltes Leben mit einer ewigen Perspektive und der tiefen Geborgenheit in ihm.

Deshalb wollen wir neu darüber staunen, dass Jesus für uns die Tür zur Rettung geworden ist und dabei neu bedenken, was es Jesus gekostet hat, für uns zu dieser Tür zu werden.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Siehe 2.2

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Jesus, die Tür

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

1. Die Tür zur Rettung
2. Das tödliche Ziel der Schafräuber
3. Die Tür zum erfüllten Leben – oder: Das wunderbare Ziel des guten Hirten

(Tobias Schurr)