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Predigthilfe vom 7. März 2021 – Matthäus 16, 1-12

Predigtthema:         Die falsche Lehre der Pharisäer – wir wollen uns davor hüten

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Es ist der erste Sonntag des neuen Jahres, an dem wieder über Matthäus gepredigt wird. Im vergangenen Jahr predigten wir im Christusbund im Matthäusevangelium bereits durch die Kapitel 9-15. Dem Zuhörer dürfte also das Evangelium generell nicht unbekannt sein. Daher brauchen wir nicht viel Zeit darauf zu verwenden, das Evangelium in Gänze zu beleuchten. Ein paar Worte und Information dürften dabei reichen. Etwa, dass Matthäus eine jüdische Leserschaft stark im Fokus hat und auch, dass er selbst ein Jünger Jesu war.

Der Kontext, um die Zuhörerschaft abzuholen, sollte beleuchtet werden. Zumal das vorher Geschehene maßgeblich dazu beiträgt, was nun in Kapitel 16 beschrieben wird.

Zum Ende von Kapitel 15 lesen wir noch die Geschichte der Speisung der 4000. Jesus beweist ein weiters Mal, dass er kein gewöhnlicher Rabbi ist, sondern der Messias, der Sohn Jahwes.

In Markus 8 wird dieselbe Geschichte erzählt und auch die anschließende Begegnung Jesu mit den Pharisäern. Diese beiden Erzählungen gehören demnach unweigerlich zusammen und sollten daher auch im Zusammenhang betrachtet werden.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

*   Matthew Henry Kommentar; Matthäus – Johannes

*   Wuppertaler Studienbibel; Edition C; CV- Kommentar

*   www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=0&searchstring=matthäus+16&language=0&x=0&y=0

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Man könnte den Text auch wie folgt überschreiben:

Die endgültige Verurteilung der Lehre der Pharisäer

V1-3:

In den Versen 1-12 sprach der Herr Jesus seinen Jüngern gegenüber seine endgültige Verurteilung der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer aus.

Wir erinnern uns, dass Jesus nun schon viele Wunder getan hatte, um dem Volk zu zeigen, dass er der Messias ist und dass das Volk daher an ihn glauben kann. Er lehrte sie mit Vollmacht und bewies dem Volk, dass er diese Macht von seinem Vater hatte (Mt 7,29; 9,6+8).

Und so kommen Jesus und seine Jünger gerade vom Wunder, dass Jesus wieder mehrere tausend Menschen satt gemacht hatte und das ist einer der Knackpunkte – die Pharisäer erkannten einfach nicht, dass Jesus der Messias ist. Statt zu erkennen was geschehen war, statt zu sehen welche Wunder Jesus tut, verlangten sie ein weiteres Wunder – „vom Himmel“. Sie wollten eine göttliche Offenbarung, an der es „wirklich“ nichts mehr zu rütteln gab. Dass Jesus aber schon längst alles dafür tat, um sich als Messias erkennen zu geben, wurde übersehen.

Es war damals und ist auch heute eine gängige Praxis, aufgrund der Wolken das Wetter vorherzusagen. Schon damals verstanden es die Gelehrten, und wahrscheinlich auch der normale Landwirt, das Wetter wenigstens in groben Zügen vorauszusagen.

Heute ist die Technik ja schon wesentlich weiter fortgeschritten und man hat sogar die Möglichkeit den Verlauf der Sterne vorherzusagen auf mehrere tausende von Jahren.

Gott als der Schöpfer hat sich nämlich was bei alle dem gedacht und zeigt sich so als derjenige, der alles in den Händen hält. Er lässt daran keinen Zweifel (Römer 1,20)!

Jesus hält nun den Schriftgelehrten vor, dass sie das eine, Wetter, Wolken und deren Anzeichen, erkennen und es verstehen diese zu deuten. Jedoch wie ist es mit dem Messias? Warum schaffen sie es nicht die Schriften, die Propheten etc. daraufhin auszulegen, dass sie den Messias erkennen? Vor allem auch deshalb, weil sich Jesus ja offensichtlich als dieser zu erkennen gab?

Die Zeichen der Zeit wurden von den geistlichen Leitern des Volkes einfach nicht erkannt. Jesus, wenn er hier über Zeit spricht, meint damit etwas Besonderes. Es wird hier das griechische Wort kairos verwendet und dies meint: die von Gott festgesetzte, besondere, entscheidende Zeit.

Die Pharisäer schlitterten also an der Feststellung vorbei, dass sich nun die Zeit des Messias erfüllt und waren blind für Jesus, indem sie nochmal ein Zeichen forderten.

V4:

Jesus gibt den Pharisäern kein Zeichen. Er tat dies nie auf deren Bitte. Viel mehr gab er sich dem Volk zu erkennen, denn Jesus kam für die Kranken und nicht für die Gesunden.

Der Herr verwendet die gleichen Ausdrücke wie in Mt 12,39. »ehebrecherisch« bedeutet, dass die Pharisäer ihren eigenen Lehren anhingen anstatt der Lehre des Herrn. Jakobus nennt Christen, die, anstatt in der Gemeinschaft mit dem Herrn zu bleiben, die »Freundschaft der Welt« suchen, ebenfalls Ehebrecher (Jak 4,4). Für Jesus war das Abwenden von ihm als Messias ein ehebrecherischer Akt. Ihn nicht zu erkennen und die Zeichen der Zeit nicht zu deuten war das klare Versagen der Gelehrten.

Der CV-Kommentar schreibt:

„Das einzige Zeichen, das Er geben würde, würde das »Zeichen Jonas, des Propheten« sein. In Mt 12,38-43 erklärte Er das Zeichen, indem Er dort Jona mit dem Sohn des Menschen verglich, der »drei Tage und drei Nächte« im Innern der Erde liegen würde. Er verglich auch die Bewohner Ninives und die Königin des Südens mit Seinen Zeitgenossen.“

Und weiter:

„Man beachte, dass das einzige »Zeichen«, das der Herr gab, wo Menschen eines forderten, ein metaphorisches Zeichen war, das von Seinem Tod sprach. Das andere solche Zeichen kommt in Joh 2,19 vor: »Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen

werde ich ihn aufrichten« (Joh 2,19). Der Herr sprach dort von Seiner Auferstehung, was die Jünger aber erst verstanden, nachdem sie geschehen war (V. 22).“

V5-12:

Weiter im Text und auch weiter in der Geschichte nimmt Jesus sich wieder einmal Zeit, um seinen Jüngern aus dem Gesehenen und Gehörten eine Lehre weiterzugeben. Es gehörte ja mittlerweile fast zum Alltag, dass kritische Fragen seitens der Pharisäer kamen, um Jesus, wenn möglich, zu versuchen (22,15-34; 23,1-33; 12,38-42; 19,3…).

Der Herr jedoch bestand nicht nur die Tests, sondern er nahm seine Jünger oft zur Seite und erklärte sein Reden und sein Tun. Er ließ nicht unkommentiert, was seine Jünger gesehen hatten. So auch in dieser Geschichte.

Leider sehen wir auch in dieser Szene, dass die Jünger zunächst nicht verstanden haben, was Jesus sagte.

Er warnte seine Jünger vor dem Sauerteig der Pharisäer. In Vers 12 verstehen die Jünger, dass dieser Sauerteig die Lehre der Pharisäer ist. Jesus ging hier klar darauf ein, dass die Pharisäer Irrlehrer waren und das Volk mit ihrer Auslegung verführten.

In Matthäus haben wir einige Begegnungen, in denen die Pharisäer nicht sonderlich gut wegkommen. Ebenso warnt das NT vor dem Sauerteig der Irrlehre.

  • 3,7 – bei Johannes der Täufer
  • 5,20; 9,11+12; 12,2f; 15,1f uvm.
  • generell im NT – Gal 5,7-10; 1.Kor 5,6-8

Die Jünger hatten nun schon einige Male selbst miterlebt, wie Jesus sich den theologischen Fragen der Pharisäer stellt und sie jedes Mal maßregelte. Sie müssten wissen, dass Jesus hier vom Sauerteig der Lehre der Pharisäer spricht. Doch wie in Vers 5 beschrieben, waren sie mit den irdischen Dingen zu sehr beschäftigt, um das Geistliche zu sehen.

Auch das, was in den Versen 5+7 beschrieben wird, verwundert uns nicht. Die Jünger sehen auf das, was vor Augen ist und nicht auf das, was Gottes ist. Gerade eben erlebten sie wieder eine Speisung einer riesengroßen Menschenmenge und wie im Handumdrehen vergessen sie, dass Jesus versorgen kann – auch aus dem Nichts.

Das ist es auch, worauf Jesus sie später hinweist. In Vers 8-11 stellt er ihnen rhetorische Fragen und konfrontiert sie mit dem eben Erlebten.

  • Warum macht ihr euch Gedanken über die leibliche Versorgung?
  • Habt ihr nicht gesehen was ich aus fünf Broten und zwei Fischen machen kann?
  • Wie viele Körbe blieben übrig?
  • Und die sieben Brote? Wie viel blieb da übrig?

Jesus geht in seiner liebevollen Art eines Lehrers auf die Fragen und Sorgen der Jünger ein. Er will ihnen die Zweifel an ihm und seiner Macht nehmen und gewährt ihnen den Rückblick. Schaut doch, was ich im Stande bin zu tun. Seht doch, was für ein Gott ich bin.

Macht euch keine Sorgen über euer leibliches Wohl (Mt 6,33), wohl aber um euer Seelisches.

Daher hütet euch vor der falschen Lehre der Pharisäer! Habt acht darauf, dass euch niemand verführt (Mt 24,4), betet und wacht, damit ihr nicht in Versuchung kommt (Mt 26,41).

Das ist der Kern dieser Worte. Der Herr Jesus wollte seinen Jüngern sagen, dass sie nicht um das leibliche Wohl bekümmert sein sollten, viel mehr aber um das Seelische.

Und diesen Kern, diese Botschaft, nahmen sie auf und verstanden zum Schluss, was Jesus ihnen mit dem Sauerteig der Pharisäer sagen wollte.

Der Sauerteig der Pharisäer wird von Jesus in verschiedenen Stellen beobachtet und bewertet. Diese Stellen sind sehr hilfreich und wichtig zu beachten im Vorfeld der Predigt. Denn Jesus warnte stets davor, sich der Lehre der Pharisäer anzuschließen.

Die Stellen sind u.a.:

  • Matthäus 23
  • Markus 12,18-27
  • Lukas 11,37-54
  • Johannes 8,31-47

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Auch wir sind heute stets in der Gefahr, unseren Blick auf das Irdische zu richten. Wir machen uns Sorgen um den Wohlstand, um unsere Kredite und um das Wohl unserer Kinder. Mit Sicherheit haben diese Fragen und Anliegen ihre Berechtigung. Doch aus der Sicht Jesu, sollten wir uns viel mehr Gedanken darüber machen, was mit unserer Seele passiert. Welchen Sauerteig lassen wir in unserem Leben zu?

  • Wo wenden wir den Blick unseren Sorgen zu, anstatt unsere Sorgen auf Jesus zu werfen? Phil 4,6
  • Wo stehen wir in der Gefahr, das Wort Gottes, das zu uns reden möchte, zu ersticken, indem wir verhindern, dass es zu uns spricht?

Ich glaube, dass wir in einer Zeit wie dieser in großer Gefahr stehen, uns durch die unglaubliche Medienflut und die Sorgen, die durch die Maßnahmen entstehen, ablenken zu lassen. Vielleicht ist es hilfreich, die Sorgen Sorgen sein zu lassen. Vielleicht ist es hilfreich, dass wir uns mal von den Medien abkapseln, wenigstens eine Zeit lang, um wieder den Blick für Jesus in unserem Leben zu bekommen.

Weiter dürfen wir nicht vergessen, was Gott schon alles Gutes in unserem Leben getan hat. Die Jünger vergaßen einfach, das Wunder von gerade eben und machten sich Sorgen um ihr Brot.

  • Wo vergessen wir das Werk Gottes in unserem Leben?
  • Wo überwuchern vielleicht Ängste und Vergesslichkeit die Herrlichkeit Gottes in unserem Leben?

Weiter müssen wir uns aber auch damit beschäftigen, dass wir alle anfällig sind für Sauerteig. Sei es in unserem persönlichen Leben, dass wir Dinge zulassen, die unsere Aufnahmefähigkeit für Gott und sein Reden beeinträchtigt. Sei es in unseren Beziehungen (Kinder, Ehepartner, Gemeindemitglieder, Freunde), dass wir Sachen nicht aufgearbeitet wuchern lassen, die uns vielleicht verletzt haben und Keile zwischen uns treiben, die dort nicht hingehören. Sei es aber auch die Gemeinde selbst, dass wir Gedankengut oder eben Irrlehren zulassen, die Gott nicht will – so z.B. der richtige Gottesdienst; die Frage danach, was Gemeinde ist; Lehrmäßige Inhalte, die zu Gesetzen gemacht werden, wo die Bibel uns Freiheiten einräumt; der Umgang mit Corona, wo nicht gemeinsam nach der Wahrheit gesucht wird; usw.

  • Epheser 5,9 – Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Wichtige Inhalte in diesem Text sind bestimmt folgende:

  • V1-4 Jesus tut Wunder. Er beweist sich als Messias. Er möchte das auch in unserem Leben tun – lasse ich sein Wirken zu und erkenne wer er ist?
  • V5+7 Hören wir auf Jesu Worte? Was erstickt das Reden Gottes in unserem Leben? Wo richten wir unseren Blick nicht auf ihn? Was erschwert es mir, auf ihn zu sehen?
  • V8-11 Wo lassen wir den Sauerteig des Zweifels zu in unserem Leben? Wo vergessen wir, was Gott uns Gutes getan hat?
  • Gott ist mächtig. Er kümmert sich um unsere Versorgung – leiblich und auch geistlich!
  • Generell besteht die Gefahr, dass der Sauerteig in unserem Leben wuchert. Habt Acht!

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) (V.1-4)       Visuelle Versorgung                                                                                

b) (V. 5-7)      Geistliche Versorgung

c) (V. 8-12)    Leibliche Versorgung

oder:

a) (V. 1-4)      Erkenne Jesu Wunder

b) (V. 5-7)      Erkenne Jesu Lehre

c) (V. 8-12)    Erkenne Jesu Versorgung

3.3 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Ein Jäger geht auf seinen Hochsitz und erschießt die Tiere, die saisonal dran sind. Tiere, die eingedämmt werden müssen, dass das Waldgefüge im Gleichgewicht bleibt.

  • Auch wir müssen manchmal auf unseren geistlichen Hochsitz, um Dinge auszuschalten, die uns in Atem halten. Auf dass unser geistliches Gefüge wieder im Gleichgewicht bleibt!

Erklären, wie Sauerteig funktioniert. Erklären, wie Öl viele hundert Liter Wasser verunreinigen kann.

Lied:

Lobe den Herrn meine Seele und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele vergiss es nicht, Amen!

Oft hilft ein persönliches Beispiel aus dem eigenen Leben, wo Sorgen den Blick für Gottes Reden verdeckt haben.

(Valentin Töws)