Lukas

Predigthilfe vom 6. Mai 2012 – Lukas 16, 1-13

Monatsthema: Kraft im Wohlstand

Predigtthema: Wem gehört was?

Bibelstelle: Lukas 16,1-13

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).

1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes bieten z.B.

* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 299-310)

* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R.Brockhaus (S. 377-389)

* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 336-342)

* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 15-26)

* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 569-579)

Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1457f) und die Predigt von Ludwig Rühle zu Lk 16,1-9 „Der ungerechte Verwalter“ in der Zeitschrift Bekennende Kirche Nr. 47 (Dezember 2011- http://www.bekennende-kirche.de/hefte/Bekennende_Kirche_47.pdf) S. 10-15.

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 15.11.1987 mit dem Titel „Klug handeln“ (Lk 16,1-9). Diese Predigt findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Lukas 16] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich] ausfüllt. Bedenkenswert ist auch die Predigt von David Schultze vom 26.02.2012 beim Sonntagabendtreff in Dillenburg zum Thema: „Gottes neue Situation – stell dich drauf ein“ (Lk 16,1-13 – Download unter http://www.sonntagabendtreff.de/themen).

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).

2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Im April haben wir uns schwerpunktmäßig mit Christus als unserem „Heiland“ beschäftigt, der uns Leben ermöglicht (Monatsthema: Kraft zum Leben). Im Mai geht es nun schwerpunktmäßig um Christus als unseren „Herrn“, der unser Leben verändert. Wie wird im Alltag deutlich, wer mein Leben ist und was mein Leben kennzeichnet bzw. auszeichnet. Die Predigttexte im Mai stehen deshalb unter dem Thema: „Kraft im Wohlstand“. Wie können wir als Christen in unserer Zeit so leben, dass es dem Christus entspricht. Einführend beginnen wir von daher in diesem Monat unsere Gottesdienste mit der Frage: „Wem gehört was?“ (Lk 16,1-13), um deutlich zu machen: Wer ist der Herr in meinem Leben? Wie wir mit „Besitz“ umgehen, spricht eine deutliche und nicht zu leugnende Sprache, was bzw. wer uns wirklich leitet! In den Monaten Mai bis Juli hören wir auf das Wort unseres Herrn aus dem Lukasevangelium.

3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Unter der Überschrift „komplexe Gleichnisse mit drei Hauptaussagen“ erläutert Prof. Craig L. Blomberg das „Gleichnis vom unehrlichen Verwalter“ (Lk 16,1-13) folgendermaßen: „Herr – Verwalter – Schuldner: Das Gleichnis vom unehrlichen Verwalter ähnelt in seiner Struktur stark dem Gleichnis vom Schalksknecht. Eine einleitende Abrechnungsszene zwischen Herr und Knecht (V. 2) geht in die nachfolgende Interaktion des Knechts mit den Schuldnern seines Herrn (V. 3-7) über, auf die eine endgültige Abrechnung zwischen Herr und Knecht (V. 8) folgt. Der Knecht, nicht der Herr, ist die vereinigende Figur der drei Szenen. Einleitende und abschließende Verse rahmen die drei Episoden ein (V. 1.9), obwohl in diesem Fall zusätzliche Aussprüche Jesu angehängt sind (V. 10-13). Wie im vorhergehenden Gleichnis geht es im Kontext um Anweisungen für die Jünger und nicht um eine Kontroverse mit den Gegnern. Da es sich um Aussagen über gute Verwalterschaft handelt, ist dies vollkommen angemessen. In der Tat ist V. 9 nur für diejenigen eine passende Schlussfolgerung, die schon Nachfolger Jesu sind. Jesus sagt denen, die ihm nicht nachfolgen, nicht, dass sie Geld darauf verwenden sollten, sich ihre Erlösung zu verdienen, sondern er sagt denen, die ihm schon nachfolgen, dass sie die Früchte, die der Umkehr angemessen sind, aufweisen müssen, selbst (oder vielleicht gerade) im Bereich weltlicher Reichtümer. Das Gleichnis ist in seiner komischen, fast pikaresken Zeichnung eines Herrn, der eine skrupellose Person lobt, zu einem gewissen Grad einzigartig, und aus diesem Grund. hat V. 8 vielen Kommentatoren Probleme bereitet. Eine häufig vertretene Auslegung argumentiert, es sei völlig legal gewesen, was der Knecht in Bezug auf die Verringerung der Schuldbeträge der Schuldner getan hat; er habe bloß die Strafgebühr oder Kommission gestrichen, die er selbst bekommen hätte. Von daher habe der Herr kein Geld verloren, das ihm rechtmäßig zustand, sondern der Knecht habe selbst für den Verlust eingestanden, Entschädigungen für vorherige Verschwendungen seien teilweise gemacht worden, und dazu habe der Mann neue Freunde gewonnen, die sich nach seiner Entlassung um ihn kümmern würden. All das klingt recht plausibel und einleuchtend, hängt aber davon ab, ob man in das Gleichnis historische Umstände hineinliest, die nicht ausdrücklich und eindeutig dargelegt werden und die für die ursprüngliche Hörerschaft Jesu vielleicht selbstverständlich gewesen sind. Es ist genauso denkbar, dass der Knecht in seinen letzten Handlungen ebenso skrupellos wie in seinen ersten war, aber als oberster Aufseher des Herrn hatte er legal die Macht, seine Entscheidungen in die Tat umzusetzen. Der Herr hätte ihn dann für seine Klugheit und für das vorausschauende Eigeninteresse gelobt – für ihn selbst zwar kein Trost, aber er wäre bei dieser Interpretation gezwungen gewesen, ehrlich den Erfolg dieses Vorgehens anzuerkennen. Der letzte Teil von V. 8 könnte bei dieser Auslegung ein wenig logischer erscheinen. Die hinterlistige Ethik der ‚Kinder dieser Welt‘ scheint in dem Satz ‚sind unter ihresgleichen klüger‘ impliziert und der Kontrast zum Mangel an Klugheit der ‚Kinder dieser Welt‘ wird um so stärker. […]. Auf der anderen Seite stimmen diese drei Aussagen bemerkenswert gut mit den drei Episoden und den drei Hauptpersonen der Geschichte überein, Vielleicht bilden sie zusammen die richtige und ursprüngliche Auslegung. Aus V. 8a erfährt man etwas über das Lob vonseiten des Herrn, aus V. 8b etwas über die Raffiniertheit des Knechts und aus V.9 etwas über die Begnadigung der Schuldner. Berücksichtigt man die Reihenfolge der Episoden und verwendet man die bekannten allegorischen Bezüge für den Herrn, den Knecht und die Schuldner, können die Lektionen des Gleichnisses folgendermaßen formuliert werden:

1) Alle Kinder Gottes werden einmal aufgerufen, Gott gegenüber Rechenschaft zu geben über die Art ihres Dienstes.

2) Die Vorbereitung für diese Abrechnung sollte einen klugen Gebrauch aller zur Verfügung stehender Ressourcen beinhalten, besonders auf dem Gebiet der Finanzen.

3) Solche Klugheit, die ein Leben echter Jüngerschaft demonstriert, wird mit ewigem Leben und ewiger Freude belohnt werden.

[…]. Aber wie bereits angemerkt, ist es recht plausibel, dass der Herr in der Geschichte den Knecht gelobt haben könnte, in welchem Fall der Wechsel der Person in V. 9 mit größerer Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass der Kommentar Jesu zum Gleichnis hier beginnt. Der anstößige Satz ‚macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon‘ hat durch die Entdeckungen von Qumran eine wichtige Klärung erfahren, die die Meinung bestärkten, dass ‚ungerechter Mammon‘ einfach eine stehende Wendung für alles Geld war, so wie man heute vielleicht den Ausdruck ‚Moneten‘ verwendet. Es handelt sich hier nicht um einen Befehl, unredlich erworbenen Gewinn zum eigenen Interesse zu gebrauchen. Diese Erklärung räumt auch mit der Notwendigkeit auf, V. 9 in einer ironischen oder sarkastischen Weise oder als eine rhetorische Frage zu interpretieren. Die Auslegungsgeschichte zu dem Gleichnis offenbart, dass es zwei Hauptinterpretationen gegeben hat. Einige sind der Auffassung, das Gleichnis wolle Schlauheit hinsichtlich der Verwendung unseres Geldes lehren, andere sind der Meinung, es lehre Vorsicht in Krisenzeiten. Es scheint unnötig, sich zwischen diesen zu entscheiden. Jede Auslegung macht für sich selbst den Eindruck, sie sei verkürzt, aber zusammen ergeben sie einen vernünftigen Sinn. Jesus ermahnt seine Jünger, sich auf den Tag des Gerichts durch den weisen Gebrauch von allem, was Gott ihnen gegeben hat, besonders ihres Geldes, vorzubereiten. Wenn es wahr ist, dass wir nicht Gott und gleichzeitig dem Mammon dienen können (V.13), im Sinne einer gleichzeitigen, endgültigen Hingabe an beide, dann lässt sich wahre Jüngerschaft kaum besser feststellen als am Gebrauch unserer Finanzen. V. 13 scheint in diesem Zusammenhang durchaus angemessen zu sein, und die vorherigen Verse wiederholen die gleiche Lektion auf drei ähnliche Weisen. Eine Person, die im Geringsten treu ist, wird auch im Großen treu sein (V. 10). Dieses Sprichwort wird dann in V. 11.12 übersetzt, indem ‚im Geringsten‘ durch ‚ungerechter Mammon‘ (z.B. irdische Reichtümer) und ‚fremdes Gut‘ (das, was von Gott geliehen ist) und ‚im Großen‘ durch ‚wahres [z.B. himmlisches] Gut‘ und ‚was euer ist‘ (das, was bis in die Ewigkeit hinein bestehen wird) ersetzt wird. Obwohl nur wenige bereit sind, diese Annahme zu unterstützen, ist es sinnvoll, V. 1-13 als ursprüngliche Einheit in diesem Kontext zu betrachten. Wenn das Gleichnis so verstanden wird, dass es drei statt einer einzigen Hauptaussage macht, und wenn man Jesus zugesteht, einen weiteren Kommentar hinzuzufügen, dann sollten sich die Einwände gegen diese Bemühung widerlegen lassen“ (ohne Fußnoten gekürzt zitiert aus Craig L. Blomberg. Die Gleichnisse Jesu: Ihre Interpretation in Theorie und Praxis. Wuppertal: R. Brockhaus, 1998. S. 217-221).

Prof. Armin Baum unterscheidet in unserem Predigttext zwischen zwei Hauptteilen, dem eigentlichen Gleichnis (Lk 16,1-8) und den sich daraus ergebenden Anwendungen (Lk 16 9-13). So lässt sich folgender zusammenhängender Aufbau des Predigttextes aufzeigen:

A. Das Gleichnis (1-8)

* Der reiche Mann und sein Verwalter (1-2: Jeder Diener Gottes wird einmal Rechenschaft über sein Leben ablegen müssen)

* Der Verwalter und seine Schuldner (3-7: Die richtige Vorbereitung darauf besteht in materieller Wohltätigkeit)

* Der reiche Mann und sein Verwalter (8: Diese wird durch das ewige Leben belohnt werden)

B. Die Anwendungen (9-13)

* Freunde gewinnen (9: Ohne Wohltätigkeit gibt es kein ewiges Heil)

* Treue im Kleinen (10-12: Unser Umgang mit unserem Geld ist eine Bewährungsprobe)

* Zwei Herren dienen (13: Gottesdienst und Geldliebe schließen sich gegenseitig aus)

So ergibt sich nach Prof. Baum folgendes Fazit: Die Jünger sollen sich auf die Ewigkeit vorbereiten, indem sie das ihnen anvertraute Geld an andere weitergeben (= Gleichnisaussage V. 1-8); ohne finanzielle Wohltätigkeit kein Heil (= Gleichnisanwendung V. 9-13). Vgl. hierzu auch Lk 3,7-9; Eph 5,5; Jak 2,14-17. Pointiert formuliert Prof. Baum: „Der kluge Manager als Modell zukunftsorientierter Jüngerschaft: Wohltätigkeit als Eintrittskarte für das Gottesreich“. Um diese Aussagen richtig einordnen zu können ist wichtig, das Folgendes beachtet wird: Lk 16,1-13 ist ein Gleichnis für die „Jünger“ und Lk 16,14-31 ist ein Gleichnis für die Pharisäer mit einem inneren Zusammenhang: „Geld“!

* 16,1-8: Gleichnis für die Jünger

* 16,9-13: Regel für die Jünger

* 16,14-18: Regel für die Pharisäer

* 16,19-31: Gleichnis für die Pharisäer

In Lk 16,1-13 geht es nicht darum, wie man das Heil erlangt, sondern darum, wie deutlich wird, dass man das Heil geschenkt bekommen hat. Es geht also nicht um den Heilsempfang, sondern um Heilsgewissheit bzw. Heilsauswirkungen!

In der Zeitschrift „Bibel und Gemeinde“ Heft 2/2004 (= http://www.bibelbund.de/pdf/bug 2004-1.pdf) auf S. 65f erfolgt der Versuch einer Antwort auf die Frage: „Warum wird der ungerechte Verwalter in Lk 16 gelobt“?

4. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

Die nachfolgenden Beispiele und Veranschaulichungen stammen von Dr. Heiko Krimmer aus der Zeitschrift „Zuversicht und Stärke“ Heft 6 / 1993 (S. 45-47):

* Die große Krise:

a) Die Ehe zerbricht. Die Ehefrau hat die Scheidung eingereicht. Der Ehemann ist völlig am Ende. Es kommt zu einem ‚etwas anderen‘ Beratungsgespräch: ‚Ich bin schuld‘. Völlig ungewohnt diese Erkenntnis des Mannes. ‚Ich habe sie ganz allein gelassen. Ich bin auch nie mit in die Kirche gegangen. Gibt es jetzt noch Hilfe‘? so fragt er zaghaft erwartend. ‚Ich würde wieder ganz neu anfangen zu glauben. Wenn meine Frau nur bei mir bliebe‘.

b) Fast neunzig Jahre alt war diese Frau. Mit einem völlig ungewohnten Anliegen rückte sie heraus: ‚Ich führe einen Prozess mit meinem Neffen‘, ließ sie wissen, ‚er hat mich um meinen Erbteil beim Tod meiner Schwester betrogen‘. Erschütternd: Diese Frau kennt nur eines: Sammeln, Haben, Sichern. Auf die Frage: ,Wer erbt denn nach Ihrem Tod‘? kommt die überraschende Antwort: ‚Ich habe keine Verwandten mehr. Mein Neffe wird alles erben‘.

c) Er war begeisterter Motorradfahrer. Die Wochenenden kostete er voll aus. Den ‚Rausch‘ von Geschwindigkeit, Freiheit, Wagnis. Früher war er begabter Mitarbeiter in der Jugendgruppe. Jetzt bleibt dafür keine Zeit mehr. Ein schwerer Unfall. Fast zwei Monate lag er in der Klinik. Würde er jemals wieder normal gehen können? Die früheren Jugendkreisfreunde besuchten ihn regelmäßig. ‚Wenn ich hier wieder rauskomme, dann fange ich ganz anders an‘, so sagte er nach einem Besuch. ‚Ich bin vor Gott weggerast. Jetzt will ich mit ihm gehen‘.

* Die große Klugheit:

a) 65 Jahre war er nun alt. Ein erfolgreicher indischer Geschäftsmann; in der dritten Generation war seine Familie Christ. Gerade deshalb wollte er der Hindugesellschaft durch seinen Erfolg beweisen, dass auch Christen etwas sind. Er wurde todkrank. Die Ärzte hatten ihn aufgegeben. Da gelobte er, schon im Koma liegend: ‚Gott, wenn du mir noch Jahre dazugibst, sie sollen ganz für dich sein‘. Der Herr gab ihm noch 14 Jahre. Er verkaufte alles und wurde ein vollmächtiger Zeuge Jesu Christi, besonders unter den Dschungelleuten Südindiens. Er war der Gründer der Indien-Inland-Mission; sie ist heute eine Kirche mit mehr als 15000 getauften Mitgliedern und einer breit gefächerten Sozialarbeit.

b) Er war ein begabter Musiker, Trompeter. Mindestens fünf Stunden am Tag konzentriertes Üben. Ein bekannter Professor nahm ihn als Schüler an. Wie aber war es mit seiner Berufung, Theologie zu studieren, Pfarrer zu werden? Konzertsaal oder Kanzel? Karriere oder Dienst? Er wurde hin und her gerissen. Dann die entschlossene ‚kluge‘ Entscheidung: er ‚quälte‘ sich durch die alten Sprachen, Griechisch  und Hebräisch. Die Trompete erklang noch in einem Posaunenchor. Er ist heute ein begabter Seelsorger, gerade für junge Leute.

c) ‚Wir bieten Ihnen die kaufmännische Leitung des neuen Werkes in Indien an‘. Fast ungläubig steht der leitende Angestellte vor seinem Chef: Ist das die große Chance? Vor seinem inneren Auge sieht er plötzlich ein anderes Bild: Einen kleinen Saal, gefüllt mit Menschen. Es ist die pietistische Gemeinschaftsstunde, die er leitet. ‚Wer wird hier weitermachen? Ist nicht das meine Platzanweisung von Gott?‘ Nach einigem Ringen lehnt er das verlockende berufliche Angebot ab. Gott segnet bis heute seinen Dienst in der Gemeinschaft und schafft viel Frucht.

* Die große Erwartung:

a) Er ist knapp über 50. Bewusster Christ und eifriger Mitarbeiter in der Gemeinde. Ein schwerer Gehirntumor, die Ärzte sind machtlos, geben ihn auf. Lange Leidenswochen liegt er zu Hause. Er nimmt von Tag zu Tag ab. Ein Nachbar meint: ‚Schrecklich, so zu sterben‘. Ich sage ihm die Worte des Kranken, den ich eben besucht habe: ‚Ich bin geborgen, denn ich kann hoffen‘.

b) Die Zwei gehen vom Grab weg. Der Beerdigungsgottesdienst ist zu Ende. ‚So möchte ich auch sterben‘, meint der eine, ‚von einer Sekunde zur anderen, Herzschlag, ohne langes Leiden‘. Da sagt der andere spontan: ‚Karl, das würde ich dir nicht wünschen‘. Schweigen, dann erstaunt: ‚Und warum nicht‘? Darauf die knappe Antwort: ‚Das kann sich nur einer wünschen, der weiß, wo er hinkommt‘.

c) Sie hat große Schmerzen. Die Krankheit zeichnet sich deutlich schon auf ihrem Gesicht ab. Behutsam frage ich: ‚Sind die Schmerzen heute wieder sehr stark‘? ‚Ja‘, antwortet sie mühsam, ‚ja, Herr Pfarrer, aber damit ist auch der neue Leib näher‘.

5. PREDIGTGLIEDERUNGEN

Nach Dr. Heiko Krimmer:

a) So ernst ist die Lage

b) So wichtig ist die Entscheidung

c) So groß ist die Zukunft

 

oder nach Wilhelm Wagner (28.9.1980):

a) Gott ruft uns zur Verantwortung

b) Gott will unser kluges Handeln

c) Gott belohnt unsere Treue

 

oder nach Wolfgang Becker:

a) Es geht um meine letzte Verantwortung

b) Es geht um die wichtigste  Entscheidung meines Lebens

c) Es geht um das größte Ziel meines Lebens

 

oder nach Gottfried Voigt: Wie sorgen wir für unsere Zukunft bei Gott?

a) Von weltlicher Klugheit etwas für Ewige lernen

b) Mit irdischem Besitz etwas fürs Ewige tun