Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der ihn liebt
Predigtthema: In durchhaltender Liebe
Bibelstelle: Matthäus 5, 43-48
Verfasser: Eckhard Löffler
Bausteine zu Matthäus 5, 43-48
Die Bergpredigt stellt übliche Werte auf den Kopf (1).
V 43f Du sollst … – aber wer ist mein Nächster? Jesus kehrt im Beispiel vom barmherzigen Samariter diese Frage um: Wem bin ICH der Nächste? (Luk 10).
Zeloten, Pharisäer und Essener verachteten und bekämpften „Außenstehende“, auch im eigenen Volk (s. auch V 46f) (2). Gemeinschaft mit Zöllnern, Heiden, Sündern war suspekt – „Vaterlandsverrat“. Jesus geriet so ins Visier der selbstgerechten Frommen (Mt 9, 11) (3).
Verfolgung ist die Zuspitzung von Feindschaft, wogegen FÜRBITTE die Tat höchster Liebe ist (4).
Feindbilder entstehen ohne Gottes Hilfe. Wichtiger ist die REAKTION der Jesus-Nachfolger (Phil 2, 5; 1. Petr 2, 21+23).
Menschen kennen die Regel „Druck erzeugt Gegendruck“. Jesus stellt dagegen das Waffenarsenal der Christen vor: Liebe und Fürbitte (5).
Trotz Verfolgung betete die frühe Gemeinde für alle Obrigkeit (1. Tim 2, 1). Beispiele genug aus den verfolgten Gemeinden des Ostens.
Das NT sieht im Irrlehrer allerdings einen Mitarbeiter des Satans, der Gemeinde zerstört und schlägt Abstand, aber NICHT Hass, Verfolgung, Vernichtung vor (Röm 16, 17ff; 2. Joh 10).
Irrlehrer werden ermahnt, möglichst wiedergewonnen, aber auch im Ernstfall nie gehasst.
Die göttliche agape-Liebe überfällt keinen ungeplant wie in weltlichen Liebesbeziehungen. Christen, die Gottes Liebe weitergeben WOLLEN, werden erfahren, dass ihre Gefühle dem Willen folgen, dass sich positive, „christliche Gewohnheiten“ entwickeln (6). Liebe, die nur Freunde umarmt, ist unvollkommen, weil die eigentliche Reife fehlt. Vereinsmeierei, abgeschottetes Verbandsdenken führt in die Isolation.
V 45 Gott liebt seine Welt und zeigt das auch (1. Mo 8, 22). Liebesentzug als Strafe ist eine menschliche Erfindung und kommt bei Gott nicht vor. Seine Liebe ist „ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist“ (Röm 5, 5).
V 48 Jesus meint keine umfassende Vollkommenheit, wie Gott sie besitzt. Hier geht es um Feindesliebe. Das Wort „teleios“ wird z.B. für die Reife eines Erwachsenen gegenüber einem Kind verwendet (V 45a) (7).
Trotzdem unmöglich für uns, das zu schaffen! Was wir nicht können, schafft aber Gott selbst – bis zum Kreuz, an dem er alles allein und ohne unser menschliches Zutun wirkt (Mt 19, 26; Röm 8, 3). Nirgends wird unser menschlicher Stolz, alles SELBER ordnen zu können, so zerstört wie auf Golgatha.
Gliederungsvorschlag 1 (Oswald Sanders):
1. Wer ist mein Nächster?
2. Wer ist mein Feind?
3. Was ist Vollkommenheit?
Gliederungsvorschlag 2 (Gerhard Maier):
Einleitung: Wo unterscheiden sich Christen von Nichtchristen?
1. Gottes Liebe ist anders
2. Gott formt unsere Liebe ähnlich
3. Gott gibt dazu die Kraft
Fußnoten
(1) F. G. Chesterton: „Liest man die Bergpredigt zum ersten Mal, so hat man das Gefühl, dass alles auf den Kopf gestellt wird. Beim zweiten Mal entdeckt man, dass alles genau richtig gestellt wird. Zuerst denkt man, ein solches Leben sei unmöglich, um dann festzustellen, dass nichts Anderes möglich ist.“
(2) Zeloten (Eiferer) benutzten einen kurzen Krummdolch, um Andersdenkende umzubringen. Schriftgelehrte verkündeten: „Den Feind sollst du hassen!“, Qumran-Essener schrieben: „Ewigen Hass gegen alle Männer des Verderbens!“, d. h. gegen alle Nicht-Essener.
(3) Kritische Anfrage: Welche Sorte von fremden Leuten hätten wir nicht so gern in unseren Gottesdiensten?
(4) Jesus am Kreuz (Luk 23, 34), Stephanus (Apg 7, 60); s. auch Röm 12, 14+20; 1. Kor 4, 12; 1. Petr 2, 21ff.
(5) „Gutes für Gutes, Böses für Böses, das ist natürlich. Böses für Gutes ist teuflisch. Gutes für Böses, das ist göttlich“ Kirchenvater Augustin
(6) Augustin: „O Herr, schenke uns, was du befiehlst, und dann befiehl, was du willst.“
(7) Oswald Sanders: „Etwas ist vollkommen, wenn es den Zweck erfüllt, für den es geschaffen wurde.“ – hier also Nächsten- und Feindesliebe.