Jesaja

Predigthilfe vom 4. Januar 2026 – Jesaja 43,14-25 (vor allem Vers 19)

Predigtthema: Jesus macht sein Volk neu

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der Predigttext steht in der Reihe der Jahreslosungen, in denen wir uns anschauen, wie Gott Neues schafft. Speziell Vers 19 steht im Fokus, wobei der Kontext das Neue veranschaulicht und mit einbezogen wird.

Jesaja ist in besonderer Weise der Prophet des Neuen Bundes: in Jesaja 54,10; 55,3 sowie Jes 61,8 wird dieser neue Bund angekündigt. Der Prophet Jesaja verbindet wie kein anderer Altes und Neues Testament und ist der am öftesten zitierte Prophet im Neuen Testament.

Wichtig für das Verständnis des Textes ist es, zu verstehen, dass der Text sich zum einen auf die Wiederherstellung Israels als Volk bezieht. Aber dass Gott darüber hinaus noch etwas viel Größeres ankündigt: die Wiederherstellung des Menschen selbst, was besonders im anschließenden Kapitel 44 deutlich wird, wo die Ausgießung des Geistes angekündigt wird. Hier wird klar: der Mensch selbst ist derjenige, der wächst wie Weiden an den Wasserbächen!

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • „Jesaja für heute“, Kommentar zum Buch Jesaja“, Eckhard J. Schnabel, SCM R. Brockhaus
  • „Jesaja. Der Prophet und seine Botschaft“, Werner de Boor, Hänssler Verlag

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Vers 14-5:

Jesaja prophezeite, bevor Israel von Babylon in die Gefangenschaft geführt wurde. Hier sieht er schon die Befreiung Israels voraus. Er ist derjenige, der Weltgeschichte lenkt und dabei Einzelschicksale nicht aus den Augen verliert: der König Israels! Die Könige Israels haben in ihrem Hirtenauftrag versagt, aber Gott tritt in die Bresche und kümmert sich um sein Volk. Israel ist sein Volk, das er geschaffen hat! An der Erwählung Israels hält Gott fest, trotz der Schuld des Volkes (vgl. Jer 31,35-37)

Vers 16-18:

Schon einmal, beim Auszug der Israeliten aus Ägypten, schuf Gott Neues. Er erwählte sich das Volk Israel zum Eigentum und schloss mit Ihnen am Sinai einen Bund. Der Pharao konnte mit all seiner Macht Gott nicht daran hindern, sein Volk aus der Knechtschaft zu befreien. Gott schuf für Israel eine Straße durch das Meer: was für Menschen unmöglich ist, machte Gott möglich! Er besiegte die Macht Pharaos durch das Wunder am Schilfmeer!

Für Israel begann damals ein völlig neues Leben in Freiheit!

Aber Israel blieb nicht frei. Israels Geschichte zeigt, dass der Mensch bzw. das Volk, das seine Freiheit nicht bewusst in Anspruch nimmt, sich wieder neu in Knechtschaft begeben kann.

Jesaja sprach prophetisch zu einem Volk, das in sich in der Gefangenschaft Babylons befand. Äußerlich war die Lage für Israel absolut hoffnungslos. Aus eigener Kraft konnten sie sich nicht aus dieser Knechtschaft befreien.

Gott knüpft nun an die Befreiung Israels aus Ägypten an: Hier spricht der Gott, der schon einmal einen Weg durch das Meer bahnte und die Streitmacht Ägyptens besiegte! Gott wird sie aus Babylon befreien und wieder in das Land zurückholen.

Aber, und das ist das überraschende: Gott kündigt an, dass das neue Wunder, das er wirken wird, das alte bei weitem übertreffen wird. Es wird überhaupt nicht vergleichbar sein mit dem, was Gott damals getan hat. Deshalb soll Israel nicht an das Frühere denken.

Nicht einfach sichtbare Wiederherstellung: etwas viel größeres, die geistliche Wiederherstellung kündigt Gott an!

Israel konnte sich nie mehr zu einem Königreich entwickeln. Die sichtbare Wiederherstellung blieb bisher unvollständig. Aber Gott schuf das Wunder der neuen Schöpfung im Menschen (2. Kor 5,17).

Vers 19:

Siehe:

Gott fordert auf, genau hinzuschauen. Das macht er immer wieder, damit der Mensch nicht an dem vorbeigeht, was er tun wird. Was Gott schafft, beginnt oft unscheinbar. Die Aufforderung, hinzusehen, muss also geistlich verstanden werden: es braucht geistlich geöffnete Augen, um wahrzunehmen, was Gott tut. Der Verstand kann das nicht erfassen.

Ich will Neues schaffen:

Hier fällt das entscheidende Stichwort: Neues (hebräisch chadash) bedeutet:

„neu“, „frisch“, „unbenutzt“, oder „noch nie dagewesen“.

Es kann sich auf etwas beziehen, das noch nie zuvor existiert hat, oder auf etwas, das erneuert oder wiederhergestellt wurde.

Das Wort wird oft für neue Dinge, neue Ereignisse, neue Bündnisse oder neue Handlungen Gottes verwendet.

Beispiele:

Neuer Bund (Jeremia 31,31): Ein Bund, der anders ist als der alte.

Neues Herz/Geist (Hesekiel 36,26): Eine innere Erneuerung.

Neues Lied (Psalm 33,3; 40,4): Ein Lied, das Gott für neue Taten gewidmet ist.

Gott wiederholt nicht sein bisheriges Handeln! Er ist nicht an alte Handlungsmuster gebunden.

Jetzt wächst es auf:

Nur Gott kann etwas erschaffen, was wächst. Er hat am Anfang Himmel und Erde erschaffen. Die Schöpfung, die er geschaffen hat, ist darauf ausgelegt, sich zu vermehren!

So weist dieses Wort darauf hin, dass das Neue, was Gott schafft, mit der Schöpfung vergleichbar ist, die Gott am Anfang geschaffen hat. Und tatsächlich greift Paulus dieses Bild in 2. Kor 5,17 auf: Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.

Aus neutestamentlicher Sicht sehen wir sehr klar, was Gott durch Jesaja ankündigt: nicht nur die Wiederansiedelung Israels im verheißenen Land, nicht einfach eine Wiederherstellung des Landes und des Tempels, wie Israel dies erhoffte. Nein, dieses Neue übertrifft die äußerliche Wiederherstellung: Gott macht nicht einfach das Land, sondern zuerst den Menschen neu!

Dieses Neue, das hier angekündigt wird, ist untrennbar mit den Verheißungen aus Jeremia 31,31 oder Hesekiel 36,26 verbunden:

Hier klingt an, dass Gott einmal nicht mehr in einem äußerlichen Tempel, sondern in den Herzen der Menschen wohnen wird. Sie werden der neue Tempel Gottes sein!

Jesus erzählte später in vielen Gleichnissen vom Reich Gottes, auf welche Art und Weise dieses Neue, was Gott hier ankündigt, wachsen wird:

Lk 13,18–19.

18 Da sprach er: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich’s vergleichen? 19 Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und warf’s in seinen Garten; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen.

Gott vergleicht das menschliche Herz mit einem Garten, in den das Samenkorn (das Reich Gottes!) ausgesät wird. Vgl. auch Matthäus 13, 19, das Gleichnis vom Sämann bzw. den unterschiedlichen Böden: Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt hinweg, was in sein Herz gesät ist.

Die Bibel gebraucht verschiedene Bilder, um das für den menschlichen Verstand schwer zu fassende zu beschreiben: Das menschliche Herz ist ein Garten (Hohelied 14,15), ein Tempel (1.Kor 6,19), eine Wohnung (Joh 14,23), ein Ackerfeld/ Boden, eine Quelle/ Brunnen (Spr. 4,23; Joh 7,38), eine Schatzkammer (LK 6,45), eine beschriebene Tafel (Jer 31,33; Sprüche 7,3).

So kann Paulus sagen, dass wir diesen Schatz, diesen hellen Schein in irdenen Gefäßen haben (2. Kor 4,6-7): äußerlich unscheinbar, aber innen voller Kraft und göttlichen Leben, das sich ausdehnt und wächst.

Erkennt ihr es nicht:

Das ist die Grundproblematik des Volkes Israel:

Jes 42,19

Wer ist so blind wie mein Knecht, und wer ist so taub wie mein Bote, den ich senden will? Wer ist so blind wie der Vertraute und so blind wie der Knecht des Herrn?

Israel hatte ein Problem damit, Gottes Wirken wahrzunehmen! Sie hatten nur Augen für das, was sie äußerlich wahrnehmen konnten, aber keine geistlich geöffneten Augen:

Jes 43,8.

Es soll hervortreten das blinde Volk, das doch Augen hat, und die Tauben, die doch Ohren haben!

Später wird Jesus diese Klage noch oft wiederholen:

Mt 13,13–15.

13 Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. 14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jesaja 6,9–10): »Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet nicht erkennen. 15 Denn das Herz dieses Volkes ist verfettet, und mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie geschlossen, auf dass sie nicht mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, dass ich sie heile.«

Das Problem mit der Wahrnehmung ist aber nicht speziell ein Problem Israels! Später greift Paulus diese Thematik auf, weil er erkennt, dass auch die Epheser ein Problem damit hatten.

Was ist die Lösung?

Es ist die Bitte um Offenbarung durch den Heiligen Geist:

Eph 1,17–18.

Darum bete ich … 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. 18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt…

In Offenbarung 3 rät Jesus der Gemeinde Laodizea, Augensalbe zu kaufen, um zu sehen:

18 rate ich dir, … Augensalbe (zu kaufen), deine Augen zu salben, damit du siehst.

Wir sehen hier also: Das Problem mit der Wahrnehmung ist ein grundsätzlich menschliches Problem. Und zwar nicht speziell von ungläubigen Menschen, die den Heiligen Geist nicht haben, sondern gerade auch von Gläubigen, die zwar den Heiligen Geist haben, aber nur durch ihre natürliche Wahrnehmung geistliche Dinge verstehen wollen! Paulus macht in 1. Kor 2, 14 deutlich, dass der natürliche bzw. seelische Mensch, nichts vom Geist Gottes vernimmt. Die Seele bzw. der Verstand ist nicht in er Lage, Geistliches wahrzunehmen. Deshalb ist es das große Lernen, wahrzunehmen, wie der Heilige Geist zu unserem Geist spricht (Römer 8,16).

Ja, ich lege durch die Wüste einen Weg, Ströme durch die Einöde

Wieder geht es darum, dass Gott einen Weg schafft, wo vorher keiner war. Und Wasser, wo vorher Trockenheit herrschte. Das Bild erinnert an die Erlebnisse Israels in der Wüste. Aber wie schon klar wurde: Die Erneuerung reicht noch viel tiefer als alle äußerliche Erneuerung. Sie betrifft das Herz!

Schon in Kapitel 40 kündigt Jesaja das Neue an. Und schon dort wird klar, dass diese Erneuerung sich grundsätzlich von allem unterscheiden wird, was Israel bisher mit Gott erlebt hat:

3 Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! 4 Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden! Und das Unebene soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene! 5 Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren

Aus neutestamentlicher Sicht sehen wir, dass es Jesaja nicht einfach um Straßen in der Wüste geht, sondern um Wege im Herzen der Menschen. Johannes der Täufer wird später dieser Rufer in der Wüste sein, der die Menschen zu einer Herzens- Umkehr aufruft. Er kündigt an, dass sich das Volk auf ihren Messias vorbereiten soll, der nicht nur mit (äußerlichem) Wasser zur Reinigung taufen wird, sondern mit dem Heiligen Geist, der das Herz reinigt!

Es geht in dem Ruf zur Umkehr also darum, dass Gott Wege im Herzen des Menschen bahnen möchte. Berge sind das Bild für Hochmut. Täler ein Bild für Erniedrigung und Depression. Krummes ist ein Bild für Lüge.

Ziel des Ganzen: Die Herrlichkeit des Herrn soll offenbar werden – wieder nicht nur äußerlich, sondern im Herzen des Menschen.

Ströme in der Wüste veranschaulichen sehr genau, was Gott plant: gleicht der Mensch ohne Gott einem Dornstrauch in der Wüste (Jeremia 17,6), so gleicht der Mensch, der Gott vertraut einem Baum am Wasser (Jeremia 17,8; Psalm 1).

Das menschliche Herz ohne Gott gleicht einer Wüste ohne Leben! Aber der Mensch, der in Verbindung zu Gott lebt, lebt an vielen Wasserströmen. Gott kündigt nicht nur einen Bach an, sondern viele Ströme. Dieses Bild greift Jesus direkt auf, wenn er in Johannes 7 sagt:

Joh 7,38

Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.

Alles das erinnert daran, dass Gott einmal den Menschen an einen Ort eingepflanzt hat, der voller Fruchtbäume und Ströme war: Eden

1. Mose 2,

9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

10 Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme.

Was Gott also durch Jesaja ankündigen lässt, ist die Wiederherstellung des Garten Eden, die im Herzen der Menschen beginnt, die Jesus Christus folgen.

Besonders schön wird diese geistliche Wiederherstellung in Jesaja 44 veranschaulicht:

3 Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, 4 dass sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern, wie die Weiden an den Wasserbächen.

Jesaja gibt den Israeliten und uns eine gewaltige Schau der Zukunft und der Wiederherstellung!

Vom Menschen, der mit dem Heiligen Geist getauft wurde, kann folglich nicht mehr uneingeschränkt gesagt werden, dass das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens nur böse ist (1. Mose 6,5). Sondern der neu erschaffene Geist des Menschen, der in einer Einheit mit dem Heiligen Geist verbunden ist, ist vollkommen gut und sogar verherrlicht, das heißt: er trägt die Herrlichkeit Gottes in sich (Römer 8,30).

Es kommt nun alles darauf an, aus diesem Neuen heraus, aus dem Geist zu leben. Denn Paulus veranschaulicht im Römerbrief sehr klar, dass das Fleisch, der alte Mensch, in einem Krieg mit dem Geist, dem neuen Menschen steht. Der Gläubige hat die Wahl, aus dem Geist heraus oder aus dem Fleisch heraus zu leben: Römer 8,6 Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.

Vers 20

Noch einmal wird hier wiederholt, dass Gott für das Volk Wasser in der (geistlichen) Wüste schaffen wird. Dieses Versprechen erinnert auch an das Wasser, das Gott schon einmal in der Wüste schenkte (Exodus 17,3 und Numeri 20,8). Das eine Mal sollte Mose den Felsen schlagen – was ein Bild für das Kreuz von Jesus ist, an das er geschlagen wurde. Das andere Mal sollte Mose zu dem Felsen sprechen, was ein Bild für den auferstandenen Jesus ist, zu dem wir sprechen sollen!

Vers 21-25

Gott hält Israel seinen Gottesdienst im Tempel vor Augen. Israel empfand den Gottesdienst im Tempel als Last, die Gott ihnen aufgeladen hatte. Es ist hier von Mühe und Arbeit die Rede.

Aber Gott macht klar: mit diesem Gottesdienst habt ihr nicht mir gedient. Mir habt ihr nicht euer Bestes gebracht!

Und hier wird wiederum ein Grundproblem Israels veranschaulicht: ein äußerlicher Gottesdienst ohne Beteiligung des Herzens! Ein äußerlich korrekter Gottesdienst ohne die Hingabe des Herzens ist für Gott wertlos! Gott sucht nicht das Opfer, er möchte nicht unsere Arbeit, er möchte nicht unser Geld, er möchte unser Herz!

Und dieses Herzensproblem kann der Mensch nicht lösen: Gott kündigt hier an, dass er selbst dieses tiefliegende Problem der Sünde im Herzen des Menschen lösen wird, was später durch Jesus in Erfüllung gehen wird. Durch den neuen Bund schafft Gott einen neuen Menschen, der ihm aus dem Herzen heraus und nicht mehr in einem äußerlichen Gottesdienst dienen wird.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Aus neutestamentlicher Sicht steht die Erneuerung des menschlichen Herzens im Zentrum von Gottes Heilshandeln mit den Menschen. Das Neue, das Gott schafft, ist der neue menschliche Geist, der durch den Heiligen Geist zum Leben erweckt wird. Der Heilige Geist im Menschen ist das neue fleischerne Herz, das niemand anderer als Jesus Christus selbst ist: Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit (Kol 1,27).

In den Predigten über die Jahreslosung können wir schön die Linie verfolgen, die Gott vorgegeben hat:

Was Jesaja ankündigt (Jes 43,19): siehe ich will ein Neues schaffen!, wird durch Christus im Herzen Realität: Neues ist geworden (2. Kor 5,17) und wird schließlich vollendet, wenn auch die äußerliche Schöpfung erneuert wird: Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Was Gott hier ankündigt und was sich dann im Neuen Bund erfüllt, kann nicht stark genug betont werden: der Mensch, der eine neue Schöpfung geworden ist, ist nicht mehr nur böse von Jugend auf! Er ist in Christus gerecht, heilig, ohne Sünde, verherrlicht etc. Das trifft zu 100% auf den neugeschaffenen Geist im Menschen zu, während gleichzeitig zu 100% gilt, dass das Fleisch schwach ist und zeitlebens zur Sünde neigt, wenn ihm Raum gegeben wird:

Jesus drückt das in Mk 14,38 so aus:

Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

Die Seele des Menschen steht in der Mitte zwischen Geist und Fleisch. So sagte Jesus vor seiner Kreuzigung (Mk 14,34):

Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!

Die Seele braucht die Führung des Geistes, denn sie kann der Versuchung des Fleisches nicht widerstehen! Gott schenkt dem Menschen durch den neuen Geist eine Quelle der Kraft, durch die er imstande ist, Sünde zu überwinden und im Sieg zu leben.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Der Predigttext steht am Anfang des Jahres. Man könnte die Sehnsucht des Menschen nach einem Neubeginn ansprechen. Wir möchten gerne vergessen, was misslungen ist und noch einmal neu anfangen können. Der Start in ein neues Jahr ist oft mit der Hoffnung verknüpft, dass dieses Jahr besser werden möge als das alte. Man lässt gefühlt Altes zurück, um Neues zu beginnen.

Und oftmals versuchen Menschen, durch einen Wechsel der Arbeitsstelle, des Wohnorts, der Freundschaft etc. neu zu beginnen. All das hat in bestimmten Situationen seine Berechtigung. Was aber oft vergessen wird ist, dass, wenn wir uns nicht um unser Herz kümmern, wir das Neue im Alten beginnen. Der Text macht deutlich, dass ein äußerlicher Wechsel das eigentliche Problem nicht behebt, das sich im Inneren des Menschen befindet: seinem Herz! Und das war das Kernproblem Israels: Sie waren nicht in der Lage, in der Freiheit zu leben, die Gott ihnen schenkte, weil sie ein Herzensproblem hatten.

Der Mensch möchte gerne durch das Verändern seiner Umstände seine Probleme beheben. Aber Gott arbeitet viel gründlicher: er möchte durch das Erneuern des menschlichen Herzens die Umstände verändern. Die Reihenfolge ist immer: von innen nach außen! Erneuerung beginnt im Inneren und sie ist ein Wachstumsprozess, der einen Menschen lebenslang erneuert.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Der Predigttext stellt den Verkündiger vor die große Herausforderung, dem Zuhörer zu verdeutlichen, dass Jesaja nicht nur von der äußerlichen Wiederherstellung Israels spricht. Gott gebraucht oft Bilder der Schöpfung, um geistliche Wahrheiten zu verdeutlichen. Wir können das durchaus mit den Gleichnissen Jesu vom Reich Gottes vergleichen, die eine geistliche Wahrheit sichtbar machen. Was Jesaja hier ankündigt, kann nicht gesehen und verstanden werden ohne geistlich geöffnete Augen und Ohren.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Der Zuhörer soll verstehen, dass Erneuerung im Inneren, im Herzen beginnt. Und dass es Gottes Ziel mit jedem Menschen ist, ihn in einem Wachstumsprozess der Erneuerung wiederherzustellen. Die Bekehrung ist dabei nur der Anfang!

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

1. Siehe ich will Neues schaffen:

Gott kündigt dem Volk Gottes einen Neuanfang an. Er wird sie aus der Gefangenschaft in Babylon wieder nach Israel bringen und neu im Land ansiedeln. Aber die Erneuerung, die Gott plant, übertrifft die sichtbare Wiederherstellung. Israel soll nicht mehr an das Denken, was Gott früher gewirkt hat, sondern offen sein für etwas, was das alles in den Schatten stellt: die Erneuerung des menschlichen Herzens!

Wie Israel sind auch wir heute oft gefangen in Umstände, alten Denkschemas, Gebundenheit oder Verletzungen. Wir wünschen uns sehnlich eine Veränderung unserer Umstände. Aber Gott möchte viel mehr, als unsere Umstände ändern: er möchte unser Herz erneuern, heilen, wiederherstellen!

2. Jetzt wächst es auf, erkennt ihr es nicht?:

Das Neue, was Gott ankündigt, wird nicht für jeden offensichtlich sein! Viele werden auf die sichtbare Wiederherstellung Israels blicken und deshalb nicht erkennen, was Gott tut. Statt eines sichtbaren Königtums sendet Gott seinen Sohn. Statt äußerlicher Wiederherstellung beginnt Gott eine umfassende innere Wiederherstellung der Herzen. Diese Wiederherstellung des Herzens wird als Wachstumsprozess beschrieben, welcher verborgen im Herzen nur für Menschen mit geistlich geöffneten Augen sichtbar sein wird.

Wir leben heute in einer „Instantgesellschaft“: alles soll möglichst schnell gehen. Aber Wachstum braucht Zeit! Und wenn wir nicht darauf achten, was Gott in unserem Herzen tun möchte, kann es uns völlig verborgen bleiben, wie Gott wirkt. Es ist notwendig, wie Paulus in Epheser 1,17ff, um erleuchtete Augen des Herzens zu beten, ihn zu erkennen!

3. Ich Ja, ich lege durch die Wüste einen Weg, Ströme durch die Einöde:

Diese Wiederherstellung vergleicht Gott mit einem Weg in der Wüste: Dort, wo vorher kein gangbarer Weg war, bahnt Gott einen Weg. Dort, wo vorher Dürre war, schenkt Gott Ströme. All das sind Bilder für den Erneuerungsprozess des Herzens: Gottes Herrlichkeit soll sich im Herzen offenbaren. Wenn das geschieht, eröffnen sich dem Menschen völlig neue Perspektiven und Räume und völlig neue Quellen der Kraft.

Die Erneuerung des Herzens schafft in uns neue Wege: Gott tut das Wunder, dass wir alte, eingefahrene Denkstrukturen verlassen können und völlig neue, uns unbekannte Wege gehen können. Wir entdecken durch Gott neue Quellen, die der Heilige Geist in unserem Inneren fließen lässt. Es eröffnet sich eine völlig neue Qualität des Lebens aus der Kraft des Heiligen Geistes: das Leben Jesu in uns!

3.3 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Das Bild eines großen Obstbaumes zeigen, der voller Früchte hängt. Anschließend einen Apfelkern zeigen: wie lange braucht ein Samenkorn, um zu dieser stattlichen Größe heranzuwachsen? Wie lange braucht es, bis man so viele Früchte ernten kann, wie wir auf dem Bild sehen? Es vergehen viele Jahre und Jahrzehnte!

Wachstum ist ein langsamer und stetiger Prozess. Niemand kann das Wachstum beschleunigen. Was wir tun können, ist, den Samen in einen Boden pflanzen, der fruchtbar und frisch ist, damit der Baum die optimalen Voraussetzungen hat, groß zu werden.

Die Bibel vergleicht das Reich Gottes mit einem Samenkorn, das in unser Herz gepflanzt wird und zuerst klein und unscheinbar ist. Es ist ein Samenkorn mit gewaltigem Potenzial. Die Voraussetzung, dass dieses Neue im Menschen wachsen kann, ist, dass er im Heiligtum verwurzelt ist. In Gottes Gegenwart, im Gebet, der Stille, im Lesen des Wortes Gottes, kann der Samen wachsen und sich zu einem fruchtbaren Baum entfalten.

(Karlheinz Deininger)