Jahresthema: Leben im Horizont der Ewigkeit
Predigtthema: Anblick – was zählt?
Predigttext: Hebräer 13,18-25
Verfasser: Thomas Richter
Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext von euch persönlich gehörten Botschaft Gottes: „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). Deshalb suchen wir in der Vorbereitung der Predigt nach dem, was der Herr durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht dabei um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Dabei hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Hebr 13,18-25) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Hebr 13,18-25) bieten z.B.
* Arnold G. Fruchtenbaum. Der Hebräerbrief: Eine Auslegung aus messianisch-jüdischer Perspektive. Christlicher Mediendienst (S. 261-265).
* Fritz Laubach. Der Brief an die Hebräer. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 285-290).
* Sören Ruager. Hebräerbrief. NT Edition C-Bibelkommentar 22. Hänssler (S. 292-298).
* Jim M. Flanigan. Hebräerbrief. Was die Bibel lehrt 13. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 412-419).
* Eduard Riggenbach. Der Brief an die Hebräer. Kommentar zum NT Bd. 14. (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_14_Buecher_58_1913.pdf; S. 447-457).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 02.02.1999 mit dem Titel „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt“ (Hebr 13,10-25), vom 21.04.1996 mit dem Titel „Im finsteren Tal“ (Hebr 13,20f) und vom 29.04.1990 mit dem Titel „Völlig neu gestaltetes Leben“ (Hebr 13,20). Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [Hebräer 13] und „Autor“ [Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Beachtenswerte Anmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten auch die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/58-Der_Brief_An_Die_Hebraeer.pdf; S. 1844f).
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Das Osterfest ist der Anlass für unsere Verkündigung. Diesem Predigtanlass entsprechend kann der Predigttext evtl. aus zeitlichen bzw. thematischen Gründen gekürzt werden. Möglichkeiten wären z.B. eine Konzentration auf den Segenszuspruch in Hebr 13,20+21, der nur auf dem Hintergrund der leiblichen Auferstehung Jesu von den Toten einen Sinn ergibt und seine Wirkkraft entfaltet. Unter der Überschrift „Friedensleben contra Totenstille“ gibt Ulrich Parzany folgende Erklärungen zu Hebr 13,20 als Hintergrundinformation: „Warum nennen wir unsere Begräbnisstätten eigentlich Friedhof und nicht Kriegshof? Unsere Vorstellung ist wohl die: Der Tod schafft Frieden, und die Menschen, die wir hier begraben, finden ihre letzte Ruhe. Das könnte uns so passen! Das hätte auch Kaiphas und seinem Kollegen Pilatus gut gepasst. Es war ja ihr Wunschdenken, dass sie nun mit dem Tod Jesu endlich in Frieden gelassen würden. Ein Toter macht keine Scherereien mehr, jedenfalls nicht mehr so viele. Ein Toter klagt nicht an. Man hat ihn im Griff. Er bricht nicht mehr aus und kann nicht mehr beunruhigen. In Wahrheit aber ist der Tod kein Friedensereignis, sondern ein Kriegsgeschehen. Er zerreißt, er zertrennt. Er reißt uns aus der Hand, was wir lieben. Die Bibel sagt, dass der Tod die bitterste Folge aller Zertrennung ist. Das Wesen des Krieges ist die Zertrennung. Er scheidet Menschen voneinander. Er beraubt Menschen ihrer Körperteile und ihrer äußeren Habe. Er vertreibt Menschen aus ihrer Heimat. Paulus spricht davon, dass der Tod der Sünde Sold ist. Sünde aber ist in ihrer Wurzel Trennung von Gott. Frieden aber ist nur dort, wo Lebenszusammenhänge existieren, wo Kontakte wirksam sind, wo die Teile eines Ganzen organisch zusammengefügt sind, damit Leben pulsieren kann. Der Auferstehungstag Ostern stört empfindlich unsere geliebte Ruhe, die Selbstberuhigung der schlechten Gewissen, die froh sind, dass endlich Gras wächst über manche Dinge. Der Auferstehungsmorgen stört die Totenstille und den Frieden des Pilatus und des Kaiphas. Er bricht ein in die Ruhe der Legionäre und sogar in die Ruhe der Jünger, die gerade anfangen, sich mit scheinbar unabänderlichen Tatsachen abzufinden. Es entsteht Friedensleben contra Totenstille.
1. Der Gott des Friedens bricht die Totenstille
»Der Gott des Friedens hat von den Toten herausgeführt. . . unseren Herrn Jesus«. Was passiert eigentlich in der Frühe des Ostermorgens? Was heißt Auferstehung Jesu? Ist er plötzlich wach geworden und aufgestanden sozusagen aus eigener Kraft? Manche behaupten ja, Jesus sei nur scheintot gewesen. Es klingt nicht sehr überzeugend, dass ein zu Tode gefolterter Mann, der drei Tage ohne Essen und Trinken im Grab lag, einen Stein zur Seite wälzen konnte, vor dem drei ausgewachsene Frauen sich scheuten, und anschließend eine Kohorte römischer Legionäre überwältigte, die ja gewiss nicht von Pappe waren. Aber was ist es sonst um die Auferstehung? Auferweckung ist ein Schöpfungsakt des lebendigen Gottes, den der Schöpfer Himmels und der Erde an dem Leichnam des gekreuzigten Jesus vollzieht. »Der Gott des Friedens hat Jesus, den Herrn, herausgeführt von den Toten«, heißt es hier. Warum wird Gott gerade in diesem Zusammenhang als Gott des Friedens bezeichnet? Weil er die Auferstehung schafft, beweist er, dass er der Gott des Friedens ist. Frieden im Sinne der Bibel ist nicht schlappe Stille, sondern aktiver Kampf gegen den Tod und Sieg über den Tod. Darum wird an dieser Stelle, wo Gott in der einzigartigen Tat der Auferweckung die zerstörerischen Mächte zerschlägt, die Bezeichnung »Gott des Friedens« gebraucht. Der Tod bewirkt eine Totenstille die wir zwar Frieden nennen. Aber es ist ein Diktatfriede, der aufgezwungen wird ohne Rücksicht auf Recht und jedes Wort der Liebe zum Schweigen bringt. Wer aber wirklich Frieden schaffen will, muss Tote auferwecken. Weniger reicht nicht. Der Tod ist der allmächtige Herr, und er steckt in unseren Knochen, kriecht in unsere Gedanken und bewegt unsere Taten. In der Auferweckung Jesu schafft Gott neue Lebenszusammenhänge gegen die Macht des Todes. Unser Text ist in seiner Fortsetzung ein österlicher Segenswunsch. Er steht am Ende des Hebräerbriefes, der in manchen Kapiteln etwas von den Nöten der christlichen Gemeinde durchschimmern lässt. In diese Situation hinein sagt der Apostel: Der Vater Jesu Christi hat seine Eigenschaft als friedenschaffender Gott am Ostermorgen unter Beweis gestellt. Er stiftet neue Lebenszusammenhänge zwischen Gott und Menschen und zwischen Menschen untereinander. Friedensleben entsteht am Ostermorgen. Wir dürfen da hineingezogen werden. Der Gott des Friedens streckt seine Hände nach uns aus.
2. Gott setzt seine Existenz aufs Spiel
»Der Gott des Friedens hat den großen Hirten herausgeführt durch das Blut des ewigen Bundes«. Das bedeutet: Die Auferweckung Jesu geschieht um dieses Bundesblutes willen. Wie ist das zu verstehen? Die Auferweckung hat eine Vorgeschichte, die das Ostergeschehen geradezu zwingend notwendig macht. Gott hat Tatsachen geschaffen, die ihn innerlich nötigen, Jesus aufzuerwecken. Am Anfang der Geschichte des Volkes Israel nach dem Auszug aus Ägypten schließt Gott am Berg Sinai mit diesem Volk einen Bund: Ihr sollt mein Eigentumsvolk sein, um das ich mich kümmere, für das ich alle Verantwortung übernehme, ein Volk von Königen und Priestern. Das Volk antwortet mit dem Versprechen: »Alle Worte, die der Herr gesagt hat, wollen wir tun«. Der Bundesschluss wird dann besiegelt, in dem Mose das Volk mit dem Blut von Opfertieren besprengt. Was soll das Blut? Es ist das Zeichen für die Tatsache: Es geht ums Leben. Wenn Israel diesen Bund bricht, verwirkt es sein Leben. Gott schwört ihm die Treue, und er gibt ihm in seinen Geboten gnädige Wegweisung und Lebensregeln. Blut ist in der Bibel der Inbegriff des Lebens, und es geht bei diesem Bund um Tod und Leben. Der Hebräerbrief redet wie die großen Propheten von dem ewigen Bund, den Gott schließt. Aber es war die Not Israels, dass es den Bund immer wieder brach und unter Gottes Gericht geriet. Da kündigt Gott einen neuen, soliden, unverbrüchlichen Bund an, der der Tatsache Rechnung trägt, dass das Volk ein Bundesbrecher ist. Gott schließt den neuen Bund in der Kreuzigung seines Sohnes Jesus Christus, dessen Blut dort vergossen wird. Gott schwört bei seinem eigenen Leben die Treue zu seinen verlorenen Geschöpfen. Er überwindet mit diesem Bundesschluss auf Golgatha den Bundesbruch der Menschen. Er setzt seine Existenz als Pfand ein. Sein Blut soll es besiegeln, dass er seinem rebellischen Geschöpf die Liebe durchhält und es retten will. Ostern ist nun die Nagelprobe darauf, ob dieser Treueschwur Gottes wirklich durchträgt oder ob er nichts anderes ist als unsere menschlichen Treueversprechen: Der Tod zermalmt sie und löscht sie aus. Gott zeigt, dass der Tod seine Treue nicht zerbrechen kann. Der Tod kann alles kaputtmachen, aber Gottes Treue nicht. Gott hat sein Blut dafür gegeben, nicht nur zeichenhaft, sondern wirklich. Seit Ostern ist die durch das Kreuz manifestierte Liebe Gottes erwiesen als unzerstörbar, durchhaltend, unerschütterlich.
3. Die große Hirtenkarriere
Was ist das Ergebnis der Auferweckung? »Gott hat von den Toten herausgeführt den großen Hirten der Schafe«. In Jes 63,11 wird berichtet, wie Israel in einer Notsituation nach Gott schreit: »Wo ist denn nun, der aus dem Wasser zog den Hirten seiner Herde?« Das Volk denkt an Mose, den Gott aus den Fluten des Nils gerettet hatte und zum Hirten Israels bestimmt hatte. Mose führte das Volk aus der Knechtschaft Ägyptens hin zu den Plätzen, wo es Nahrung und Wasser gab, er sorgte für Schutz und Wegweisung im Auftrag Gottes. Wo ist Gott jetzt, der damals solche Wunderhilfe gab? Hier ist er! Er zieht den Hirten nicht nur aus dem Beinahe Tod des Wassers. Er führt ihn herauf aus dem Totenreich und setzt ihn zum Hirten ein. Das ist eine unvergleichliche Hirtenkarriere. Jesus ist der große Hirte, der einzigartige im Gegensatz zu all den anderen, die Gott seinem Volk vorher schon je und dann gab. Jesus ist der gute Hirte. Kein anderer leitet, versorgt, schützt wie er. Seine Leute können selbst durch den Tod nicht mehr aus Jesu Händen gerissen werden. Der griechische Ausdruck, der hier für »Schafe« steht, bedeutet eigentlich »Kleinvieh«. Das ist typisch für Jesus. Er ist der unvergleichlich große Hirte, der sich vor allem um die kleinen Leute kümmert in einzigartiger Liebe. Mit der Auferweckung beginnt seine Friedensaktivität voller Lebensbewegung, Suchbewegung, Fürsorgebewegung. Das ist sein Friedensleben gegen die Totenstille der von Gott Getrennten“ (in Auszügen entnommen aus „Die Kirche am Markt“ vom 07.04.1985).
Auf dem vorgenannten aufbauend merkt Ulrich Parzany nun unter dem Thema Ostertüchtigkeit zu Hebr 13,20f folgendes noch ergänzend an: „Stellen Sie sich vor, jemand nimmt einen riesigen Vorschlaghammer, holt mächtig Schwung und schlägt auf einen kleinen Nagel, den er in die Wand treiben will, um einen Bilderrahmen daran aufzuhängen. Bei dem muss doch etwas nicht stimmen! Stellen Sie sich vor, jemand will das Herzklopfen vor einer Prüfung durch eine Herzoperation überwinden Das wäre genauso verrückt. Es ist ein sprichwörtlicher Witz, dass einer mit Kanonen nach‘ Spatzen schießt. Wenn gewaltige Unternehmungen in Gang gesetzt werden, muss es sich auch um die Lösung entsprechend großer Probleme handeln. Bei großen Aktionen können wir mit Recht durchgreifende Wirkungen erwarten. Taten und Ergebnisse sollten in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. In unserem Text, dem österlichen Hirtensegen am Schluss des Hebräerbriefes, wird mächtig ausgeholt. Der Gott des Friedens wird angerufen, der Jesus von den Toten auferweckt. Die ganze heilige Treue Gottes wird beschworen, die sich im blutigen Bundesschluss am Kreuz offenbart. Jesus als der Weltherrscher wird genannt. Und was soll dabei herauskommen? Was soll erbeten und bewirkt werden? »… der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen«. Ist das denn eine angemessene Relation? Natürlich sollte man sich um das Gute bemühen und versuchen, den Willen Gottes zu tun. Aber eigentlich buchen wir das mehr unter Moral ab und sehen es nicht als so wichtig und weltverändernd an. In Gottes Augen nimmt sich die Sache anders aus. Für ihn gibt es nur ein großes Ziel, das in unserem Leben erreicht werden muss: Sein Wille soll geschehen! Mit der Auferweckung Jesu setzt sich Gottes Wille durch gegen die Todesmacht, gegen die Feindschaft der religiösen und nichtreligiösen Gottlosigkeit, gegen das. Versagen der Jünger. Gott kommt zum Ziel: Seine Liebe am Kreuz wird am Ostertag als Triumph der Liebe Gottes bestätigt. Gott holt weit aus, um auch bei uns eins zu erreichen: die Ostertüchtigkeit. Wir sollen fähig werden, seinen Willen zu tun. Was gehört zu dieser Ostertüchtigkeit? Wie kommt sie zustande?
1. Gott muss alles selber machen
Dieser Gebetswunsch ist kein Appell an unseren guten Willen: Gott hat so viel für euch getan, nun bemüht euch, entsprechend zu leben! Veranstaltet moralischen Frühjahrshausputz! Es geht hier um einen Gebetswunsch. Der Apostel erwartet nichts von den Christen. Der Gott, der keine Mühe gescheut hat, um Frieden zu schaffen, der Kreuz und Auferstehung Jesu in Szene gesetzt hat, um uns zu bewegen – aus dem Tod ins Leben zu reißen –, der soll nun auch noch in uns schaffen, was er von uns getan haben will. Sonst läuft nichts. »… und schaffe in uns, was vor ihm gefällig ist, durch Jesus Christus«. Der auferstandene Jesus ist der Hebel in Gottes Hand, mit dem er uns Klötze vorwärtsbewegt, hin zu seinen Zielen. Gott ist kein Idealist. Das unterscheidet ihn mächtig von uns Menschen. Er macht sich nichts vor. Er weiß, was er von uns nicht erwarten kann. Ein schlechter Baum bringt keine guten Früchte. In uns steckt kein guter Kern, an dem Gott anknüpfen könnte, um noch etwas Gutes aus uns hervorzulocken. Gottes Politik verläuft ganz anders. Er beginnt mit der Schöpfung aus dem Nichts. Er weiß, dass er bei uns nur negative Voraussetzungen findet. Er setzt bei seinem geliebten Sohn an und steckt ihn in die Haut unseres Lebens. Er weckt Jesus wieder auf vom Tode. Das ist ein ebenso einzigartiger Akt wie die Erschaffung der Welt. So macht er die Gottlosen gerecht. Dass wir uns so schwer tun, das Kreuz Jesu und das Ostergeschehen zu begreifen, liegt nicht an der Begrenztheit unseres Verstandes, sondern daran, dass wir unverbesserliche Idealisten sind im Blick auf die Natur des Menschen und noch immer meinen, mit entsprechendem Bemühen selber etwas Gutes schaffen zu können. Die Bibel aber sagt uns, dass Gott selber jeden Schritt des Gehorsams, den wir nach seinem Willen tun sollen, in uns bewirken muss. Aus uns kommt nichts, aber durch ihn kann auch Gehorsam wachsen. Dieser Realismus Gottes, der unsere Selbstüberschätzung brutal zerbricht, ist aber auch unsere Chance. Wenn ich vor der Frage stehe, ob ich Gottes Willen tun soll, gibt es für mich nur eine ehrliche Antwort: Ich möchte es grundsätzlich gerne, aber ich kann es nicht. Meine Vorsätze sind nicht stark genug. Jesus will ja tatsächlich, dass ich meine Feinde liebe, nicht nur. theoretisch. Er will, dass ich ohne Aufhören vergebe. Er will, dass ich ehrlich bin. Er will, dass mein Leben ein Dienst für ihn und die Mitmenschen wird. Er will es wirklich. Gott hat doch nicht umsonst so viel eingesetzt. Er will bei uns zur Wirkung kommen. Er erwartet, dass wir unsere eigenen Bemühungen um Gehorsam aufgeben und uns ihm überlassen: »Danke, Herr, dass du in mir auf die Beine stellen willst, was ich nie bewerkstellige! Schaffe du in mir dein Wunder des Gehorsams!« In uns regt sich noch viel zu viel eigene Bastelei im Blick auf unsere Heiligung. Wir wollen noch zu viel selber versuchen, statt uns auf Jesus zu werfen.
2. Von der Auferstehungsherrlichkeit nach oben gezogen
Der Apostel beendet seinen Gebetswunsch mit der Anbetung Gottes und des Herrn Jesus Christus: »… welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!« Das ist typisch. Wenn wir uns beschäftigen mit unseren moralischen Bemühungen und unserem Scheitern, dann werden wir von unseren Niederlagen niedergeschlagen. Der Teufel, der Feind unseres Lebens, benutzt sie, um sie uns wie einen Knüppel auf den Kopf zu schlagen, dass wir resignieren und den Kampf aufgeben. Der Apostel erwartet den Gehorsam nicht aus der Fähigkeit des Menschen. Er erbittet ihn vom auferstandenen Herrn. Darum endet sein Brief, in dem er sich mit den Nöten der Gemeinde beschäftigt hat, nicht in der Resignation und Mutlosigkeit, sondern in der Anbetung. Wer seinen Blick auf Gott lenkt, der gerät unversehens ins Staunen, denn da gibt es viel anzubeten: Er sieht den Gott des Friedens, der sich in der Auferweckung Jesu beweist; den großen Hirten der kleinen Leute, der sich um uns kümmert wie sonst niemand; den Herrn, der in uns sogar noch das Wollen und Vollbringen seines Willens schafft. Alle Ehre gehört ihm »von Ewigkeit zu Ewigkeit«. Das ist einer der starken Ausdrücke der Bibel, die man gar nicht wörtlich wiedergeben kann. Gemeint ist hier nach jüdischem Verständnis »von Weltzeiten zu Weltzeiten«. Die Geschichte ist voller dramatischer Entwicklungen und Bewegungen, voller Wechsel und Turbulenzen. Wir können sie nicht durchschauen und bekommen sie nicht in den Griff. Es gibt nur einen Richtpunkt, an dem wir uns orientieren können, der nicht wankt und bricht: Gottes Herrlichkeit! Wer vom Getriebe der Welt und dem wirbelnden Strom der Zeiten nicht rettungslos fortgerissen werden will, findet hier alleine seinen festen Halt: Gottes Majestät anbeten! Das ist Ostertüchtigkeit: den Herrn anbeten, der seit Ostern Herrscher über alle Welt ist, und vor niemandem sonst die Knie beugen! Das ist, nicht selbstverständlich. Da muss Gott wirklich weit ausholen, um das in unserem Leben zu bewirken!
3. Das österliche Amen!
Am Schluss unseres Textes steht ein »Amen«. Das spricht eigentlich nicht der Verfasser des Hebräerbriefes. Nach gottesdienstlicher Praxis ist es die Antwort der Gemeinde auf das Lob Gottes, das ein einzelner angestimmt hatte: Ja gewiss! Das stimmt! Das ist wahr! Wir bestätigen es! Gott allein gebührt die Ehre! Wir wollen es annehmen! Denken wir an die Vorgeschichte: Vor Karfreitag wollten die Jünger Jesus so gerne treu sein. Aber dann haben sie versagt. Verzweifelt und enttäuscht sitzen sie vor lauter Angst im Versteck. Und dann tritt der Auferstandene in ihre Mitte mit seinem Friedensgruß. »Der Herr ist auferstanden!« Erst zweifelnd und zögernd, dann gewiss, getröstet, jubelnd stimmen sie ein: »Er ist wahrhaftig auferstanden’« So lautet bis heute der Ostergruß in der Ostkirche. Die Osterbotschaft wartet auf unser Amen. Sie Ist Gottes Einschreibebotschaft an uns. Wir sollen den Empfang quittieren: Amen! Ja: angekommen, angenommen, begriffen, in Anspruch genommen! Lassen Sie die österliche Zeit nicht vorbeigehen ohne dieses Oster-Amen!“ (entnommen aus „Die Kirche am Markt vom 14.04.1985).
3. PREDIGTGLIEDERUNG
Nach Gottfried Voigt (zu Hebr 13,20f):
a) Hier waltet seine Fürsorge
b) Hier gilt sein Wille
c) Hier erklingt sein Lob
oder nach Theo Schneider (zu Hebr 13,20f)
a) Im Segen leben – unter Gott
b) Im Segen leben – durch den großen Hirten
c) Im Segen leben – nach Gottes Willen
d) Im Segen leben – durch leben
oder nach Sören Ruager (zu Hebr 13,18-25)
a) Einander vor Gott kennen
b) Einander in Christus kennen
c) Einander anerkennen