Monatsthema: Gottes Willen annehmen
Predigtthema: Vom Herrscher gehasst, aber vom Herrn geliebt
Bibelstelle: 1. Samuel 18,1-30
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
In diesem Monat eröffnen wir eine neue aufeinander aufbauende Reihe, in der wir an Hand von alttestamentlichen Predigttexten (1. + 2. Samuel) aufzeigen wollen, wie wir im Alltag „Gottes Willen annehmen“ (Juli), „Gottes Führung vertrauen“ (August) und „Gottes Vergebung erbitten“ (September) können. Mit dem Predigttext (1Sam 18,1-30) bereiten wir bereits das nächste Monatsthema (August) vor. Wer den Willen Gottes annimmt, der kann der Führung Gottes vertrauen. Menschen können sowohl als Unterstützung („Freund“) als auch als Widerstand („Feind“) in unser Leben treten. Auch wenn Menschen unser Leben stark beeinträchtigen und beeinflussen, so bekommt unser Leben vom Herrn her seine Richtung („Fels“), auch wenn die Lebensführung Gottes auf den ersten Blick oft nicht sichtbar ist und man den Eindruck hat in den Händen von Menschen zu sein. Freud und Leid sind im Leben von David ständige Begleiter. Als Predigtthema ergibt sich: „Vom Herrscher gehasst, aber vom Herrn geliebt“.
Da mit dieser Predigt das Monatsthema im Juli (Gottes Willen annehmen) endet, ist es hilfreich die bisherige Wegstrecke von Saul und David noch einmal im Rückblick zu betrachten (1Sam 15-17), damit die Situation und der Hintergrund des Textes erfasst und dargestellt werden kann (1Sam 18).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 203-211).
* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: Reichtum gewinnen, den man nicht mit Geld kaufen kann. Studien zum AT: 1. Samuel 1-31. Christliche Verlagsanstalt (S. 113-119).
* Karl Gutbrod. Das Buch vom König: Das erste Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,1. Calwer Verlag (S. 151-159).
* Charles R. Swindoll. David: Ein Mensch nach dem Herzen Gottes – mit David geistlich wachsen. Hänssler (S. 78-103).
* David Jaffin. Saul und David: Die große Verfolgung. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 24-30; http://bitflow.dyndns.org/german/DavidJaffin/Saul_Und_David_1999.pdf).
Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf; S. 424-426) und Wilhelm Busch. Die Suchaktion Gottes: Kurzgeschichten der Bibel. Die Wilhelm Busch Bibliothek 11. Neukirchen Vluyn: Aussaat, 2006 (S. 24-30; http://www.clv-server.de/pdf/255681-11.pdf)
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von David Jaffin vom 11.02.2000 mit dem Titel „Sauls Eifersucht auf David“ (1Sam 18,1-30 – Jaffin kommt allerdings erst nach 25min Vorrede auf den Bibeltext zu sprechen) und der Bibelarbeit von Arthur Wilder-Smith vom 23.11.1983 mit dem Titel „David, das Kind Gottes“ (1Sam 18,1-19,24). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Samuel 18] und „Autor“ [z.B. Jaffin oder Wilder-Smith] ausfüllt.
3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Alfred Christlieb erkennt hier „drei Kennzeichen inneren Rückgangs. Diese Kennzeichen sehen wir im Verhalten Sauls David gegenüber nach dessen Sieg über Goliath:
* Saul gibt dem Neid Raum: Saul hört die Frauen das Triumphlied singen: ‚Saul hat tausend geschlagen, aber David zehntausend‘ (V. 7). Der erste Teil des Gesanges gefällt seinen Ohren und seinem Herzen, aber nicht der zweite. Ein anderer bekommt mehr Ehre als er. Das kann Sauls Hochmut nicht ertragen, dass ein anderer ihn im Ruhm übertrifft: ‚Da ergrimmte Saul sehr und gefiel ihm das Wort übel‘ (V. 8). Wie war Sauls innere Haltung einst so ganz anders! Am Tag seiner Wahl zum König versteckte er sich vor lauter Bescheidenheit (1Sam 10,22). Bei den Hohnworten boshafter Menschen ‚tat er, als hörte er’s nicht‘ (10,27). Jetzt aber hört er sehr genau hin auf den Reigengesang und vergleicht die Ehre, die ihm widerfährt, mit der, die David bekommt. Ein törichtes Vergleichen! Unter den weiteren biblischen Beispielen, die den giftigen Neid zeigen, sei auf drei hingewiesen: Die Fürsten und Landvögte in Babylon beneiden Daniel um das Vertrauen, das er beim König genießt (Dan. 6, 5). Die Juden in Antiochien sehen das große Volk, das der Predigt des Paulus zuhört, werden voll Neides und widersprechen und lästern (Apg 13,45). Die Hohenpriester überantworten den Heiland aus Neid (Mark 15,10). Hüten wir uns vor der Pest des Neides, die aus dem Hochmut und aus der Selbstsucht stammt! Wir wollen bei Jesus lernen, den Himmelsweg in die Niedrigkeit hinein liebzugewinnen. Neid kann sich wie bei Saul bis zum Hass und zu Mordgedanken steigern.
* Saul fürchtet sich vor dem, den Gott beglaubigt: Wir lesen von David, dass er sich klüglich verhält in all seinem Tun und dass der Herr mit ihm ist (18,14). Saul beobachtet das, bekommt Angst vor David und scheut sich vor ihm (V. 15). Ist diese Scheu nicht verdächtig? Hätte Saul innerlich richtig gestanden, würde er sich über Davids Weisheit und geschicktes Verhalten gefreut haben. Dann hätte er keine Angst vor ihm gehabt. Jetzt gerät er in Furcht vor dem, den Gott vor allem Volk beglaubigt. Die rechte Stellung vor Gott schenkt dem Menschen Mut und innere Unabhängigkeit. Der Abtrünnige – wie Saul – wird vor Menschen ängstlich und wittert überall Gefahr für sein Ansehen. Saul hätte um seine Stellung und Macht nicht zu bangen brauchen, wäre sein Verhältnis mit Gott in Ordnung gewesen. Dann hätte er vertrauen können: Was mir von Gott gegeben ist, kann mir von ihm bewahrt werden. Nun aber ist in dem Abtrünnigen und Verworfenen ein geheimes Beben vor dem Gottesmenschen David. Saul kennt keine Freude mehr an Gott; er kann sich auch nicht über den freuen, den Gott segnet und zu dem sich Gott bekennt. Prüfen wir uns, ob wir Zutrauen oder Furcht denen gegen= über haben, mit denen der Herr ist!
* Saul geht mit Tücke um: Einmal ist Saul in seinem Hass gegen David so maßlos, dass er ihn aufspießen will (V. 11). Dann macht er heimliche, unlautere Pläne, um David durch andere zu vernichten. Er soll in die Hände der Philister fallen (V. 17). Sein Versprechen, David seine Tochter Merab zum Weib zu geben, hält er nicht. Die jüngere Tochter Michal gibt er ihm darum, dass sie ihm zum Fall gerate (V. 21). Was ist das für eine heimtückische Art! Man kann Saul nicht mehr trauen, wie das früher der Fall war. Die selbstsüchtige Angst um seine eigene Macht ist die Triebfeder seiner Pläne und Worte. Hüten wir uns, irgendeinem Menschen heimtückisch schaden zu wollen! Damit sind wir auf satanischen Wegen. Was wir andern zudenken, kann sich gegen uns selber richten. Die Fürsten, die Daniel hinterlistig eine Falle stellten, damit er in der Löwengrube umkäme, wurden selber hineingestoßen (Dan. 6, 25). Andere sollen durch uns Segen und Hilfe haben, aber keinen Schaden davontragen“ (aus Alfred Christlieb. Licht von Oben Bd. 2).
V. 23: „Ich bin ein armer, geringer Mann – dieses Wort sagt David zu den Knechten Sauls, als diese ihm zureden, Michal, die Tochter Sauls, zur Frau zu nehmen (V. 22). Wir wollen drei Winke daraus entnehmen:
* Zuerst ist dieses Wort ein wichtiger Wink für alle diejenigen, die es im Irdischen zu etwas gebracht haben: David war durch den Sieg über Goliath und durch die bald darauf folgende Ernennung zum ‚Fürsten über 1000 Mann‘ (Kap 18,13), besonders aber durch die früher erfolgte Salbung vom einfachen Hirtenknaben zum hervorragenden Heerführer in Israel aufgestiegen. Er war nicht mehr der im Verborgenen lebende Schafjunge, sondern er war ein weitbekannter Streiter geworden. Wie leicht hätte ihm dieser Erfolg zu Kopf steigen können! Es wäre traurig gewesen, wenn die Knechte Sauls bei ihren Andeutungen, er solle des Königs Schwiegersohn werden, gemerkt hätten: David ist selbstbewusst geworden und hält sich ohne weiteres für tüchtig, diesen hohen Rang einzunehmen. Stattdessen antwortet David ganz bescheiden: ‚Dünkt euch das ein geringes, des Königs Eidam (Schwiegersohn) zu sein? Ich aber bin ein armer, geringer Mann‘. Aus diesen Worten sieht man, dass David bei allen glänzenden Erfolgen nüchtern geblieben ist und in der Demut verharrt. Er behält das Gefühl: Ich gehöre auch jetzt, wo ich Heerführer geworden bin, zu den geringen Leuten, und in dieser Stellung will ich auch bleiben. Das ist eine schöne innere Haltung: Vom Schafhirten zum berühmten Sieger und Heerführer emporsteigen und trotzdem demütig bleiben und in Wahrheit das Bewusstsein in sich tragen: Ich bin ein armer, geringer Mann! In unserer Zeit steigt auch mancher empor. Es mag ihm nicht ein Rang wie dem David zufallen. Aber es erlangt einer Vermögen, er wird befördert, er kann sich viel leisten. Wo bleibt da oft die Davidsstellung: ‚Ich bin ein armer, geringer Mann‘? Die Gesegneten des Herrn sind die kleinen Leute, die im Herzensgrund niedrig bleiben wie David.
* Sodann enthält dieses Wort einen Wink für solche, die in allerlei Schwierigkeiten und verwickelten Lagen stecken: Mit der Aufforderung an David, Michal zur Frau zu nehmen, hat es ja seine besondere Bewandtnis. Saul steckt hinter den Worten seiner Knechte. Sein Plan aber ist nicht etwa aus Liebe entstanden, sondern aus Falschheit. Er will David zu Fall bringen und verlangt von ihm den Tod von hundert Philistern als Hochzeitsgabe. Bei solchem Unternehmen, so hofft er, werde David durch der Philister Hand fallen (V. 25). David befindet sich also in einer äußerst schwierigen Lage, die größte Wachsamkeit erfordert. Wer wird nun durch eine solche Menge von groben und feinen Schlingen richtig hindurchkommen und bewahrt bleiben? Nur der Demütige! Auch in unsern Tagen mehren sich die groben, die feinen und die ganz feinen Schlingen für die Christen. Viele ahnen nicht, was für Satansfäden auf ihren Weg gelegt werden. Achten wir doch auf das Eine, dass wir demütige Leute bleiben! Diese, aber nur diese, werden über alle Schlingen recht hinwegkommen.
* Aber nicht nur für solche, die emporgestiegen oder in besonderen Schwierigkeiten sind, gilt unser Wort, sondern für alle, die Leute „nach Gottes Herzen“ werden möchten wie David: Wir wollen nach dem Ziel schauen. Worin besteht es? Nicht in irdischen Thronsesseln wie bei David, wohl aber in einer Krone in der himmlischen Herrlichkeit. Nicht Menschengefallsucht soll uns leiten, sondern der Wunsch, Gott zu gefallen und das Davidszeugnis zu erlangen: ‚Ein Mann nach Gottes Herzen‘ (1Sam 13,14). Welche Leute erlangen dies? Nicht die Stolzen. In unserem Vers können wir sehen, weshalb David ein Mann nach Gottes Herzen war. Wer sich solchen Niedrigkeitssinn schenken lässt, dass er bei allen Erfolgen und Anerkennungen ein ‚armer, geringer Mann‘ bleibt wie dieser David, der ist ein Mensch nach dem Herzen Gottes, der wird die Krone erlangen. Lasst uns solchen Sinn von unserm Herrn Jesus erbitten, der ihn selber gehabt hat (‚Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig‘, Mt 11,29) und denen schenken will, die auf ihn sehen“ (aus Alfred Christlieb. Licht von Oben Bd. 2).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Vom Herrscher gehasst, aber vom Herrn geliebt:
a) Der „Freund“ im Kampf (V.1-5)
b) Der „Feind“ im Kampf (V.6-16)
c) Der „Fels“ im Kampf (V. 17-30)
oder nach Alan Redpath:
a) Verfall oder Wachstum
b) Verlassenheit oder Zuwendung
c) Ungehorsam oder Nachfolge