Offenbarung

Predigthilfe vom 30. März 2014 – Offenbarung 3, 14-22

Jahresthema:         In Gottes Nähe leben

Predigtthema:         Wenn bei uns der Mittelweg golden erscheint

Predigttext:             Offenbarung 3,14-22

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Offb 3,14-22) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Glücklich, wer aus diesem Buch vorliest, und glücklich, wer diese prophetische Botschaft hört und sich danach richtet! Denn was hier angekündigt ist, wird sich bald erfüllen“ (Offb 1,3). Hilfreiche einführende Anmerkungen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (unter http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/66-Die_Offenbarung_Christi_Durch_Johannes.pdf; S. 1924f).

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung von Offb 3,14-22 bieten z.B.

* Fritz Grünzweig: Johannesoffenbarung 1. Teil. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 24. Hänssler (S. 120-133).

* Gerhard Maier: Die Offenbarung des Johannes. Kap 1-11. Historisch Theologische Auslegung. SCM R. Brockhaus (S. 233-254).

* Adolf Pohl: Die Offenbarung des Johannes. 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 150-158).

* John MacArthur. Kommentare zur Offenbarung: Denn die Zeit ist nahe. Mitternachtsruf (S. 115-125).

* Hellmuth Frey: Das Ziel aller Dinge: Das letzte Wort des Erhöhten an seine angefochtene Gemeinde – seelsorgerliche Auslegung der Offenbarung. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 91-100).

* Walvoord / Zuck (Hg.): Das Neue Testament erklärt und ausgelegt. Bd. 5: 1Kor – Offb. Hänssler (S. 580f).

* Theodor Zahn: Die Offenbarung des Johannes (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_18_Buecher_66_1924.pdf; S. 310-316).

* Kurt Heimbucher: Die sieben Sendschreiben. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 77-89).

* Frank Hinkelmann: Die sieben Sendschreiben der Offenbarung – Eine praktisch-fundierte Auslegung. VTR (S. 88-97).

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Durch die Sendschreiben erhalten wir Einblicke in das Urteil und die Seelsorge Jesu zu seiner Gemeinde. Hier erfahren wir, wie Jesus uns sieht und was er uns sagt: Vorstellung – Diagnose – Therapie – Verheißung!

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

In inhaltlicher Hinsicht ist das Reden des Geistes und das Reden Jesu gleichzusetzen (vgl. Offb 3,14b mit 3,22 unter Bezug auf Offb 1,12-20). Da die Offenbarungsvermittlung als universal gültiges Wort Gottes ein für allemal in Christus ihren Abschluss gefunden hat (Hebr 1,1f; 2,2-4; vgl. Joh 14,26; 15,26f; 16,12-15), ist ein heutiges Reden des Geistes immer an das Wort Jesu gebunden, das uns durch den Geist über die Propheten und Apostel übermittelt und erschlossen ist. Die gegenwärtige Verkündigung ist von daher kein unmittelbares Offenbarungsgeschehen mehr, das zum universalen Wort Gottes wird, sondern basiert auf dem bereits geschehenen Offenbarungswort Gottes, das es für unsere Zeit auszulegen und anzuwenden gilt (vgl. 2Tim 3,14-4,5).

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

„Es ist leichter unter Heiden fromm zu sein als unter lauwarmen Christen“ (Augustinus).

„Laodizea lag in Phrygien (in Kleinasien), inmitten einer gebirgigen Landschaft auf einem felsigen Vorsprung. Die Stadt dehnte sich auf dieser Plattform in einem Umfang von ca. 250 Hektar aus. Gegründet wurde Laodizea durch den syrischen König Antiochus II., der die Stadt zu Ehren seiner Frau Laodika ‚Laodizea‘ nannte. Gegenüber von Laodizea – getrennt durch das Lykostal – lag Hierapolis (6 km nördlich). Hierapolis war ein Kurort, bekannt durch seine kohlensäurehaltigen heißen Quellen. Das heiße Quellwasser floss über Felsenterrassen herab, setzte dabei Mineralien ab und verlor an Wärme. Bis das Wasser am Fuße des Berges bei Laodizea ankam, war es lauwarm und ohne heilende Wirkung. Das unten im Tal ankommende Wasser hatte seine Kraft verloren. Es schmeckte fade und abgestanden. An diese Erfahrung knüpft Jesus an, wenn er die Christen von Laodizea mit lauwarmen Wasser vergleicht. Das Wort ‚lauwarm‘(griechisch: chliaros) kann im Blick auf die Gemeinde übersetzt werden mit ‚ohne Profil‘. ‚Lauwarme‘ Christen sind Christen ohne Saft und Kraft. Sie wirken nicht ansteckend, sondern abstoßend. Die Verbürgerlichung und Angleichung der Gemeinde an die Umwelt führte zu Weltfrömmigkeit und Gestaltlosigkeit. Die Gemeindeglieder von Laodizea hatten sich offensichtlich keiner groben Vergehen schuldig gemacht. Jesus warf ihnen weder Irrlehren noch Götzenopfer noch Unzucht vor. Ihr Christsein aber war gekennzeichnet von einer erschreckenden Mittelmäßigkeit. Sie waren wie lauwarmes Wasser, das niemandem mehr einen Dienst leisten kann. Abgestandenes, lauwarmes Wasser hat keine Heilkraft mehr und stillt auch nicht den Durst. Nimmt man es in den Mund, so löst es nur ein Ekelgefühl aus. Lauwarmes Wasser kann man nur ausspucken. Das gleiche sagt Jesus von den mittelmäßigen Christen. Er wird jedes einzelne Glied der Gemeinde, das ohne Profil ist, ausspucken wie lauwarmes, kraftlos gewordenes Wasser. Für Jesus sind Menschen, die seiner Botschaft kalt gegenüberstehen, angenehmer als lauwarme Christen. Er sagt: ‚O, dass ihr doch warm oder kalt wäret‘!“ (Hansjörg Bräumer – entnommen aus „Zuversicht und Stärke“ Heft 6 [Okt/Nov 1994] – S. 52f).

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 20.03.1983 mit dem Titel „Weder Fisch noch Fleisch“ (Offb 3,14-22), vom 18.08.1992 mit dem Titel „Bibelarbeit“ (Offb 3,14-22), vom 22.11.1978 mit dem Titel „Predigt“ (Offb 3,14-22), von Dr. Heiko Krimmer vom 28.02.2006 mit dem Titel „Brennen wir für Jesus?“ (Offb 3,14-22), von Konrad Eißler vom 17.11.1982 (Offb 3,14-22) und vom 16.11.1988 (Offb 3,14-22). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Offenbarung 3] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich bzw. Krimmer, Heiko bzw. Eißler, Konrad] ausfüllt.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Leitfrage ist: Wo gehen wir nur noch den Mittelweg?

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Frank Hinkelmann gibt folgenden Hinweis für die Verkündigung von Offb 3,14-22: „Radikal tritt uns die Botschaft dieses letzten Sendschreibens entgegen. ‚Tote können nicht leben‘, so lautet die Botschaft Gottes an eine Gemeinde, der Gott erst sagen muss, dass sie tot ist und gar nicht mehr lebt, denn sie selbst hält sich für geistlich völlig gesund und lebendig. Deswegen begründet Jesus in den ersten Versen seinen Befund des geistlichen Todes eindrücklich anhand von zahlreichen ironischen Anspielungen aus dem Umfeld der Stadt.

Im zweiten Teil erfolgt das Aufzeigen der einzigen Therapiemöglichkeit: Die Umkehr zu Gott, eine neue geistliche Erweckung. Auch seinen Therapievorschlag veranschaulicht Jesus wieder mit Bildern und Vergleichen aus der Umwelt der Stadt.

Was für Konsequenzen das Befolgen des Therapieangebotes hätte, zeigt Jesus durch Johannes in den letzten zwei Versen auf. Gott belohnt uns sogar noch für die Befolgung des Therapieangebotes. Dabei erweist sich der Lohn hier vor allem eschatologisch in einer Herrschaftsbeteiligung in Gottes messianischem Reich.

Gerade Gemeinden in unserer westlichen Hemisphäre stehen grundsätzlich in einer ähnlichen Gefahr wie Laodizea. Materieller Wohlstand und Religionsfreiheit bergen die Gefahr in sich, dass wir uns ‚einlullen‘ lassen und gar nicht bemerken, dass wir die erste Liebe und die ersten Werke des Glaubens gar nicht mehr haben und leben. Hier hat die Botschaft an die Gemeinde in Laodizea nichts an ihrer Aktualität verloren“ (entnommen aus Frank Hinkelmann. Die sieben Sendschreiben der Offenbarung: Eine praktisch-fundierte Auslegung. Nürnberg: VTR, 2004. S. 96).

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Wenn bei uns der Mittelweg golden erscheint

a) Aufdeckung – Jesus hat den Einblick

b) Aufhellung – Jesus verhilft zum Durchblick

* „Gold“: Leben – von Jesus geprägt

* „weiße Kleider“: Leben – vom Herrn beschenkt

* „Salbe“: Leben – vom Geist geleitet

c) Aufwartung – Jesus schenkt den Ausblick

 

oder nach Wilhelm Wagner

Wovon spricht der Herr?

a) Von einer gefährlichen Mittelmäßigkeit

b) Von einer angebotenen Möglichkeit

c) Von einer großartigen Gemeinsamkeit

 

oder nach Theo Sorg

Schritte zur Umkehr

a) Er spricht ein Wort der Warnung

b) Er gibt ein Wort der Weisung

c) Er sagt ein Wort der Einladung

 

oder nach Maike Sachs

a) Was uns von Jesus abhält

b) Was uns zu Jesus hinführt

c) Wozu uns Jesus festhält

 

oder nach Gottfried Voigt

Buße als Entdeckung:

a) Ernst machen

b) Wertvolles kaufen

c) Christus einlassen

 

oder nach Frank Hinkelmann:

Tote können nicht leben

a) Befund: geistlich tot! (V. 14-17)

b) Therapie: geistliche Erweckung (V. 18-20)

c) Heilungsfolge: geistlicher Segen (V. 21f)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Wertvolle Hinweise für die Predigtvorbereitung und -veranschaulichung enthalten die Predigten von Dr. Philipp Bartholomä vom 05.12.2010 mit dem Titel „Halbherzigkeit – Der Brief an die Gemeinde in Laodizea“ (Offb 3,14-22 – unter http://www.er-lebt.de/predigtmitschnitte/halbherzigkeit-der-brief-an-die-gemeinde-in-laodizea-offb-314-22/) und von Dr. Wolfgang Nestvogel mit dem Titel „Jesus steht vor der Tür – Laodicea“ (Offb 3,14-22 – unter http://www.beg-hannover.de/pages/Predigten/PredigtreiheSendschreiben.htm).

Frank Hinkelmann bietet folgenden Vorschlag zum Einstieg: „Tote können nicht leben! Ein zutiefst logischer Satz dessen Wahrheitsgehalt jeder von Ihnen unterschreiben könnte. Doch so klar und logisch dieser Satz uns auch erscheinen mag, was muss man tun, wenn der Patient sich als höchst lebendig und vital ansieht, obwohl er eigentlich eine Leiche ist? Verstehen Sie was ich meine? Einen solchen Fall finden wir in unserem letzten Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea vor. Die Gemeinde hält sich für geistlich total lebendig, doch Gott sagt sie ist tot. Doch hören wir auf die Worte, die …“ (entnommen aus Frank Hinkelmann. Die sieben Sendschreiben der Offenbarung: Eine praktisch-fundierte Auslegung. Nürnberg: VTR, 2004. S. 97).

„Laodicea war Einkaufsstadt. Bazare, Kaufläden, Shops reihten sich eng aneinander. Angebote gab es in Hülle und Fülle. Aber der Renner auf dem Markt war die ››Trimata«, ein baumwollenes Obergewand, das die Modeboutiquen zu gesalzenen Preisen anboten. Die rund um die Stadt weidenden Schafe lieferten die tiefschwarz glänzende Wolle, und die in der Stadt ansässige Industrie fertigte den modisch teuren Stoff. Deshalb waren die Tweens in schwarz gestylt und die Snobs in schwarz gekleidet und die Ladys in schwarz gehüllt. Jeder war heiß auf dieses Schwarz. Und an die Türen dieser Modebewussten klopft einer. Unaufdringlich packt er seinen Stoff aus: ››Weiß, das jedem passt. Weiß, das jedem steht. Weiß, das jeden festlich kleidet. Ich rate dir, kauf bei mir«! So sagt es der Herr, weil kein noch so teurer und schicker Stoff unsere Sünden zudecken kann. Trotz Brokat sind wir vor Gott nackt. Trotz englischem Tuch sind wir vor Gott bloß. Trotz Samt und Seide sind wir vor Gott total aufgedeckt. Es gibt keine Kreation, hinter der wir uns verstecken könnten. Dieser Herr will uns nicht unbekleidet stehen lassen. So wie der Pharao den Joseph mit kostbarer Leinwand einkleidete, so wie ein Belsazar den Daniel mit reinem Purpur ausstattete, so wie der Vater den verlorenen Sohn mit dem besten Kleid herausputzte, so bietet er jedem das weiße Kleid der Gerechtigkeit an. Im Blut des Karfreitags ist es gewaschen, im Licht des Ostertags gebleicht, im Glanz des Himmelfahrtsfestes strahlend hell geworden. Dieses Weiß passt jedem, weil es unserer Natur angepasst ist. Dieses Weiß steht jedem, weil es als Deckweiß unsere schändlichen Stellen zudeckt. Dieses Weiß kleidet jeden festlich, weil nur diese Farbe beim letzten Abendmahl zugelassen ist. Keiner soll am Schluss ausgeschlossen sein, deshalb klopft er an unsere Tür: ››Ich rate dir, kauf bei mir«“ (entnommen aus Konrad Eißler. Kurz gesagt. Wuppertal: R. Brockhaus, 1992. S. 28f).

„Genau genommen ist das Problem in Laodizea ja nicht, dass sie gar nichts vorzuweisen haben, sondern dass sie ihren Wert am falschen Maß messen“ (Maike Sachs).

„Theologiestudenten vor dem letzten Studienjahr hatten mit Johannes Bours fünf Tage der Stille. An jedem Tag legte Johannes Bours ein Sendschreiben aus der Offenbarung aus. Nach Abschluss der Einkehrzeit haben die Studenten ihm als Zeichen des Dankes fünf Rosenstöcke seiner Lieblingsrose ‚Gloria Die‘ geschenkt – jeder Rosenstock als Zeichen für eine Gemeinde. Beim Auspacken bekam jeder Rosenstock einen Namen zugewiesen: Ephesus, Pergamon usw. Eine Pflanze ließ die Blätter hängen. Da sagte Johannes Bours spontan: ‚Das ist Laodizea, ein Rosenstock, der weder heiß noch kalt ist, weder lebendig noch tot‘. Nach einem Dreivierteljahr schrieb er einem der Studenten: ‚Soeben habe ich die erste Rose ‚Gloria Die‘ gepflückt. Sie steht, wunderbar entfaltet, auf meinem Schreibtisch vor mir und erinnert mich an den Kurs… Alle fünf Sträucher sind angegangen; Laodizea allerdings kümmerlich und ohne Knospen; ‚weder heiß noch kalt‘! – Aber Geduld‘!“ (Predigteinstieg von Hansjörg Bräumer – entnommen aus „Zuversicht und Stärke“ Heft 6 [Okt/Nov 1994] – S. 51).

 (Thomas Richter)