Psalmen

Predigthilfe vom 30. Mai 2019 (Himmelfahrt) – Psalm 95

Predigtthema:           Der Herr ist König

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Vorzulesen in der Einleitung: Psalm 93,1-5

Wir finden unseren Predigttext im wahrscheinlich „beliebtesten“ AT-Buch der Christen. Die Psalmen, die zu den poetischen Büchern der Bibel gehören, werden traditionell in fünf Bücher eingeteilt. Psalm 95 gehört zum vierten Buch der Psalmen (Ps.90-106). Er besteht aus 11 Versen, die grob in zwei Blöcke eingeteilt werden können:

  1. 1-7a Aufruf, Gott zu loben, ihm die Ehre zu geben für das, wie er ist und handelt
  2. 7b-11 Warnung, mit Blick in die Vergangenheit, sich nicht zu verschließen

Es wird angenommen, dass David der Verfasser des Psalms ist (Hebr.4,7 gibt einen Hinweis darauf). Vermutlich wurde dieser Psalm zum Laubhüttenfest gesungen, welches an die Wüstenwanderung und Gottes Fürsorge erinnern sollte.

Im ersten Block (V.1-7a) wird das Volk Gottes dazu aufgefordert, dem Herrn zuzujubeln und vor sein Angesicht zu treten. Der Einzelne wird dafür abgeholt, dazu ermutigt. Es geht darum, in Gottes Gegenwart zu treten. Für uns Christen heute geschieht das durch Jesus Christus (Hebr.10,19-25).

Gott wird gleich zu Beginn in V.1 als „Fels unseres Heils (oder Rettung)“ beschrieben. Die Rettung geht von ihm aus, er bringt das Heil, in seinem Sohn Jesus Christus hat er uns die Rettung vor seinem Zorn über unsere Sünde erst möglich gemacht. Interessant ist diese Bezeichnung auch im Kontext des gesamten Kapitels: in V.8.9 geht es um das Geschehnis in der Wüste (Massa und Meriba in 2Mo 17), als das Volk murrte, weil das Wasser ausging. Damals ließ Gott Mose auf den Felsen schlagen, aus dem das ersehnte Wasser hervorsprudelte (2Mo17,1-7; 1Kor10,4).

Wenn wir Gott loben, dann geschieht das in Blickrichtung auf den Herrn selbst. Und weil wir wissen, dass Gottes-Lob nicht nur einen gewissen Teil in der Woche bekommen soll (z.B. im Gottesdienst), sondern unser ganzes Leben durchdringen muss, bedeutet das: Schau auf Jesus! (Ps13; Hebr.12,1-3) In allem was du tust! Der Fokus liegt auf dem Herrn.

Aber warum sollen wir Gott loben? V.3: Gott steht über allen falschen Göttern der Welt! (Psalm 81,8; 92,8; 93,4; 96,4) Diese „anderen Götter“ waren nicht real, sondern nur Bildnisse (Jeremia 10,1-10). Im Gegensatz zu diesen „falschen Götzen“ ist der Herr der, der die Tiefen der Erde (Meere und Täler) sowie die Höhen der Berge in seiner Hand hält. Diesem Herrn verdanken wir unser Heil, diesem Herrn dürfen wir angehören, diesen Herrn dürfen wir Vater nennen (Joh.1,12). Er ist nicht räumlich begrenzt, sondern der allmächtige Schöpfer, der das „Meer gemacht“ und das „Trockene gebildet hat.“

Dies im Wort Gottes offenbart zu bekommen und das zu erkennen, das treibt in eine geistlich demütige, beugende Haltung. In dieser Haltung geht es mehr um eine betende Stille und weniger um musikalischen „Lärm“.

V.7 bezeichnet Gott als „unser Gott“. Dies darf und kann nur sein Volk von Herzen aussprechen und sagen. Eine schöne poetische Art ist es, wenn der Schreiber sich und das gesamte Volk Gottes als „Volk seiner Weide“ und „Herde seiner Hand“ bezeichnet. Wenn tatsächlich David diesen Psalm geschrieben hat, dann wusste er als ausgebildeter Hirte definitiv, von was er sprach.

Im zweiten Block (V.7b-11) wechselt die Stimmung. Eine ernste Warnung durchzieht die letzten Verse in Ps.95. Aus dem Jubelwort werden ernste Mahnungen Gottes. Die Beziehung zwischen Gott und seinem Kind beinhaltet die Vorbedingung des „Hörens“ (Röm.10,14; Gal.3,2). Auf Gottes Wort zu hören, aufzuhorchen. Gott spricht durch sein Wort. Wir müssen uns davor hüten, irgendwelche neuen Methoden auszuklügeln, wie wir noch mehr und noch besser die Stimme Gottes hören könnten. Er tut dies bereits klar und deutlich durch die Bibel. Lasst uns fest darauf vertrauen (wie David in Psalm 119 vielfach betont und dazu ermutigt).

Der Schreiber bezieht sich in den Versen 8ff auf Geschehnisse, welche noch weiter in der Vergangenheit liegen. Zwei tragische Ereignisse aus der Geschichte des Volkes Gottes. Das eine bezieht sich auf das Murren des Volkes in Refidim (wurde „Massa und Meriba“ benannt, was so viel bedeutet wie „Rebellion und Prüfung“ aus 2.Mose 17,1-7) und das andere in V.11 bezieht sich auf 4.Mose 14,27-35. Die Herzen des Volkes waren abgeirrt.

Die „Ruhe“ von der in V.11 die Rede ist, war ursprünglich das gelobte Land, welches dem Volk versprochen war (Kanaan). Allerdings bekommen wir im parallelen Lesen des dritten und vierten Kapitels im Hebräerbrief einen Einblick darin, dass diese Ruhe noch nicht die eigentliche Ruhe ist. Es geht vielmehr um die Errettung durch Jesus Christus.

So zeigt uns dieser Psalm in eindrücklicher Art und Weise zwei Seiten einer Medaille auf:

  1. Ein Aufruf zur Anbetung
  2. Eine ernstzunehmende Warnung

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* John MacArthur. Studienbibel: Anmerkungen und Parallelstellen zu Psalm 95. CLV Verlag.

* Kommentar: Warren W. Wiersbe. Sei voller Lobpreis: Studien des Alten Testaments (Psalmen 90-150). CV, Dillenburg.

* Kommentar: Dieter Schneider. Das Buch der Psalmen: Psalm 51-100. Wuppertaler Studienbibel AT. Brockhaus Verlag.

* Kommentar: Hans Brandenburg. Das lebendige Wort: Die Psalmen II (Psalm 73-150). Brunnen Verlag.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

In dieser Predigt sollte der Bezug zu Jesu Himmelfahrt hergestellt werden. In diesem Rahmen, in diesem Kontext treffen wir uns. Von der Himmelfahrt Jesu lesen wir in Markus 16,15-20; Lukas 24,50-53 und in Apostelgeschichte 1,4-11 (zentral). Es sollte versucht werden, das Thema der Predigt mit der Auffahrung Jesu in den Himmel zu verbinden.

Jesus wurde nach seiner Himmelfahrt über alle erhöht (Apg.2,33; Eph.1,19-23; Ph.2,9-11). Der Herr ist König, Jesus ist König. Er sitzt zur Rechten Gottes und er wird wiederkommen, um denen „zur Rettung zu erscheinen, die ihn erwarten“ (Hebr.9,28). Umso wichtiger und „lebensnotwendiger“ ist es für die Kinder Gottes, die Gemeinde, sich in dieser Weltzeit ganz auf den König auszurichten, auf Jesus, bis er wiederkommt.

Der Psalmist hat uns vor Augen geführt welche hohe Stellung diese Anbetung hat und welche „Gründe“ es gibt, unserem Herrn alle Ehre zu geben. Genauso wichtig ist es, in dieser Zeit aufzuhorchen auf das Wort Gottes. „Heute“ bedeutet nicht nur das „Heute“ von damals, sondern auch von dem jetzigen „Heute“. Und wenn wir im Glauben und Vertrauen an unseren Herrn genau hinhören, dann lassen wir uns vom Wort Gottes entlarven und korrigieren, denn es ist messerscharf (Hebr.4,12f.) und überführt und erzieht uns (2.Tim.3,16).

2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen

  • Anbetung ist eng verknüpft mit dem Hinschauen auf Jesus, dazu fordert uns die Bibel an mehreren Stellen auf. Je mehr wir auf den Herrn sehen, desto weniger sehen wir auf uns selbst. Umso mehr werden wir in sein Bild verwandelt, das ist Heiligung, das ist Jesus lieben und das Böse ablehnen. Hamilton Smith schrieb dazu: „In sich hineinzuschauen macht depressiv, um sich herumzuschauen verwirrt, aber nach oben zu schauen bedeutet, niemand zu sehen als Jesus allein“ (vgl. Matthäus 17,8).
  • Passend zum Psalm und zum Thema bietet es sich an, vor allem Parallelen aus anderen Psalmen zu ziehen (gerade zur Anbetung, Darstellung des Schöpfergottes, Lob und Dank, Schaf-Hirten Thematik usw.)
  • 95,7a bietet eine Möglichkeit, auf einer sensiblen, seelsorgerlichen Ebene, dem Zuhörer den guten und fürsorglichen Hirten vor Augen zu führen, auf dessen Weide wir gestärkt und durch dessen Hand wir geleitet werden.
  • Zwei Veranschaulichungen zu 95,7b:
    • Kennt ihr das? In der Vorwoche entdeckte man ein unschlagbares Angebot im Werbeprospekt des örtlichen Supermarktes. Aber man weiß: man muss am Montagmorgen pünktlich um 07.55 Uhr vor noch verschlossener Ladentür bereitstehen, um vom Angebot noch was abzugreifen. Das will man auf keinen Fall verpassen! Und sobald die Türen aufgehen, stürzen sich die Kunden hinein. Wenn man erst am Montagnachmittag einkaufen geht, könnte es schon zu spät und die Ware vergriffen sein. Gott macht uns das Angebot unseres Lebens, das wir uns auf keinen Fall entgehen lassen sollten: Er sieht, dass wir Menschen uns sehr weit von ihm entfernt haben. Und wenn wir so weiterlaufen werden wir in der ewigen Gottesferne landen, dann haben wir das Angebot verpasst. Welch eine Gnade, dass er uns das Angebot der Versöhnung anbietet. Eigentlich müsste man meinen, dass nun keiner dieses Angebot verpassen möchte und es keine wichtigere Priorität gäbe, als es rechtzeitig zu ergreifen. Man weiß ja schließlich nicht, wann es zu spät sein könnte, wann man dieses Leben hier verlässt. Leider sieht die Realität anders aus.

Wenn uns die Bibel nicht sagen würde, dass der Teufel den Ungläubigen die

Augen zuhält, könnte man solch ein Verhalten überhaupt nicht verstehen,

geht es doch um ihr eigenes ewiges Wohlergehen.

Gott selbst aber will unsere Augen öffnen, wenn wir ihn darum bitten.

  • Wie sieht ein „trauriger Lebenslauf“ aus?

Mit 7: Viel zu jung, um an Gott zu denken.

Mit 14: Viel zu übermütig, um an Gott zu denken.

Mit 18: Viel zu sportlich, um an Gott zu denken.

Mit 24: Viel zu verliebt, um an Gott zu denken.

Mit 35: Viel zu beschäftigt, um an Gott zu denken.

Mit 50: Viel zu viele Sorgen, um an Gott zu denken.

Mit 60: Viel zu müde, um an Gott zu denken.

Mit 80: Viel zu spät, um an Gott zu denken.

Gott hat uns als Menschen für die große, unendlich lange Ewigkeit geschaffen. Unser Erdenleben ist davon nur ein kleiner Teil. Allerdings hat uns Gott hier auf Erden die Aufgabe gestellt, uns zu entscheiden, wo wir diese lange Ewigkeit zubringen wollen. Wir können seit dem Sündenfall nicht mehr entscheiden, ob wir gut oder böse sein wollen; aber wir können entscheiden, ob wir zu unseren Schulden stehen und um Vergebung bitten, oder ob wir Gottes.

Ansprüche an uns Menschen ignorieren wollen. Im zweiten Fall könnte der obige »Lebenslauf« auf uns zutreffen.

  1. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören folgender Predigten:

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Der Zuhörer soll ausgerüstet werden. Zum einen geht es um die Souveränität Gottes, dem König. Er hat alles in seiner Hand, er steht über allem. Das gibt eine tiefe Hoffnung und einen tiefen Frieden dem, der bereits durch seine lebendige Beziehung zu Jesus Frieden mit Gott hat und wissen darf: Nichts geschieht ohne dass mein Herr mich führt und leitet.

Es geht darum, sich vom Lob Gottes wieder neu anstecken zu lassen, zu staunen und den Herrn in seinem Wort kennenzulernen (wie er ist und wie er handelt). Dieses Staunen führt in eine demütigende, anbetende Haltung.

Doch genauso soll dem Zuhörer wieder der Ernst der Lage geschildert werden, welche Konsequenzen es mit sich trägt, wenn Gottes offenbartes Wort zur Seite gelegt und ignoriert wird und das Herz sich „verhärtet“ (mit Rückblick auf das Wüstengeschehen). Zu Gott kommen, ihm glauben und nicht den gleichen Fehler machen wie die Israeliten. Nur dann kann man wirklichen Frieden mit Gott haben.

Abschließend soll es aber ein Trostwort sein, dass die Kinder Gottes in diese „Ruhe“ eingehen werden, wenn sie in Christus sind. Das ist unsere Hoffnung, das ist unser Ziel, dahin geht unser Blick.

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Der Herr ist König – wir blicken auf ihn! (V.1-5)
  2. Der Herr ist König – wir beugen uns vor ihm! (V.6-7a)
  3. Der Herr ist König – wir hören auf ihn! (V.7b-11)

C.H.Spurgeon zu Psalm 95:

 „Psalm 95 klingt wie das Läuten von Kirchenglocken, fröhlich und zugleich ernst und feierlich, zuerst mit einem lebhaften Klang und dann wie eine Totenglocke, als ob sie die Beerdigung der Generation einläutete, die in der Wüste umkam.“

(Simon Hamalega)