2.Mose

Predigthilfe vom 30.5.2010 – 2.Mose 31, 12-17

Monatsthema: Innehalten – Gottesdienst
Predigtthema: Ruhe nach Gottes Plan

Bibelstelle: 2.Mose 31, 12-17

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Der Predigtanlass ist ein „Innehalten-Gottesdienst“. Der Schwerpunkt in diesem Gottesdienst liegt auf dem gemeinsamen „zur Ruhe kommen und Hören“. Innehalten heißt, dass wir nicht einfach von einem Monat in den anderen eilen, sondern immer wieder anhalten – Atemholen und uns dabei neu ausrichten bevor es weitergeht. Von daher hat in diesem Gottesdienst auch der Rückblick seinen Raum. Wir wollen bewusst weitergehen und von daher bewusst überlegen, was nehmen wir in den nächsten Monat mit und was lassen wir zurück.

Mit dem im Predigttext dargelegten Konzept des Sabbat ist das Volk Israel bereits vertraut (2Mose 16,23-30; 20,8-11; 23,10-13; 31,12-17 – vgl. auch 35,1-3). Nachdem die Grundlagen der Bundesschließung dargelegt sind (2Mose 24), gibt der Herr detaillierte Anweisungen zum Bau des Heiligtums (2Mose 25-31). Das auch der Bau des Heiligtums entsprechend der Schöpfungsordnung erfolgen soll, wird auch durch die direkte Gottesrede deutlich. Die ersten sechs Spruchformeln beziehen sich auf den Bau des Heiligtums (2Mose 25,1; 30,11; 30,17; 30,22; 30,34; 31,1), während die siebte Spruchformel die Anweisung zum Sabbat beinhaltet (31,12) – wie bei der Schöpfung! So ergibt sich im Hinblick auf den Sabbat ein zweifacher Zusammenhang. Auf der einen Seite handelt es sich um einen speziellen Bundesschluss mit dem Volk Israel (2Mose 19+24), aber genauso enthält dieser Bundesschluss auch Aspekte der grundlegenden Schöpfungsordnung. Von daher ist im Hinblick auf das Sabbatgebot wichtig, dass wir den Wortlaut beachten (Sinaibund ist für Israel), aber die Weisungen Gottes entsprechend dem Wortsinn (Schöpfungsordnung ist universal gültig) anwenden und übertragen. Der Sabbat ist somit zwar gerade das Bundezeichen (vgl. 2Mose 31,13+17; Hes 20,12+20 mit Hebr 8,7-13) des Sinaibundes, aber als Schöpfungsprinzip liegt diesem Gebot ein bis heute gültiges Grundprinzip zu Grunde: „Ruhen nach Gottes Plan“ (= Predigtthema).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

„Bevor Mose die Tafeln mit den heiligen Geboten aus Gottes Hand entgegennimmt und vom Berg der Gottesoffenbarung hinabsteigt, erfolgt noch einmal eine Erinnerung an die Heiligkeit des Sabbats. Die strenge Einhaltung des Sabbats darf auch während der Dauer der Herstellung des Heiligtums nicht ausgesetzt werden. So schließt die Unterweisung, die Gott Mose über das künftige Heiligtum gibt (2Mose 25,1-31,17), mit der Bekräftigung des Sabbats als Bundeszeichen, und Mose eröffnet seinerseits die Weitergabe dieser Weisungen mit der Aufforderung, den heiligen Sabbat zur Ehre Gottes einzuhalten (2Mose 35,1-3)“ (Hansjörg Bräumer. Das zweite Buch Mose: Kap 19-40, Wuppertaler Studienbibel. Wuppertal: R. Brockhaus, 1999. S. 309).

Das Sabbatprinzip ist für das Volk Gottes ein Richtpunkt (= geheiligte Zeit; V. 12f), ein Rastpunkt (= gesegnete Zeit; V. 14f) und ein Sammelpunkt (= gemeinsame Zeit; V. 16f). Gerade daran wie wir den „Ruhetag“ gestalten, wird deutlich, worin wir uns von unserer Umwelt unterscheiden und wem wir glauben!

A) Ruhen nach Gottes Plan ist ein „Richtpunkt“ (V. 12f)

Zum Umgang Jesu mit dem Sabbat siehe: Mt 12,5-8; Mk 1,21; 2,27f; Lk 4,16.
Zu beachten ist, dass neun der „Zehn Gebote“ im Neuen Testament auch für die neutestamentliche Gemeinde verfügt werden, teils als Zitat, teils in neuer Formulierung (die MacArthur Studienbibel bietet eine hilfreiche Übersicht in den Erklärungen zu 2Mose 20,1ff). Allein das Sabbatgebot ist für die ntl. Gemeinde nicht wieder in der alttestamentlichen Form verfügt (vgl. 2Mose 20,8-11 mit Mt 12,8; Joh 9,16; Kol 2,16f; Gal 4,9-11; Röm 14,5f).

Grundgedanken zum Sabbat (nach H. Bräumer):
* Der Sabbat ist das höhere Heiligtum
* Der Sabbat ist ein Zeugnis von der Zusammengehörigkeit zwischen Jahwe und seinem Volk.
* Der Sabbat ist ein demonstratives Zeichen für die nichtisraelische Völkerwelt
* Die Heiligung des Sabbats ist das praktische Glaubensbekenntnis des Judentums
Diese Punkte gelten auch in einem übertragenen Sinne für uns und sollten in der Predigt veranschaulicht werden – vor allem im Hinblick auf eine „missionarische“ Zeichenwirkung.

B) Ruhen nach Gottes Plan ist ein „Rastpunkt“ (V. 14f)
Vgl. 2Mose 31,14f mit 1Mose 2,2f – der Lebensrhythmus ist vom Herrn vorgegeben und das Geschöpf steht nicht über dem Schöpfer (6 Tage Arbeit – 1 Tag Ruhe). Wofür der Herr Zeit braucht und sich Zeit nimmt, dafür sollten auch wir Zeit finden und haben. Dieser Tag ist im Kern aber nicht der Tag der Familie, sondern der Tag des Herrn. Der Segen, den Gott diesem Tag verleiht, wird durch das „heilig“ erläutert. Heilig ist das, was Gott gehört, worüber er verfügt. Von daher ergibt sich folgender Grundrhythmus für unser Leben: Sechs Tag sollst du dich in besonderer Weise mit der Schöpfung beschäftigen, einen Tag sollst du dich in besonderer Weise mit dem Schöpfer beschäftigen. Gott gibt der Arbeit ihren Raum, begrenzt sie aber auch. Aber dem Gebot der Ruhe (1Tag) entspricht .auch ein Gebot zur Arbeit (6 Tage). So kann man das Gebot des Ruhens erst verstehen und schätzen, wenn auch das Gebot der Arbeit befolgt und beachtet wird.

Vgl. 2Mose 31,14f mit 4Mose 15,32-36 (bitte hier den Kontext von 4Mose 15,22-31 beachten).

C) Ruhen nach Gottes Plan ist ein „Sammelpunkt“ (V. 16f)
Vgl. 2Mose 31,16f mit Joh 20,26; Apg 20,6f; 1Kor 16,1f; Offb 1,9f. Der „Ruhetag“ ist somit nicht einfach ein freier Tag, sondern ein Tag, der dem Herrn gehört. Die ntl. Gemeinde begeht ihn am Sonntag, dem Tag der Auferstehung und des neuen Lebens und kommt an diesem Tag zusammen zum Danken und Brotbrechen. Dieser Tag ist somit der Startschuss in eine neue Woche (= nach biblischer Zählung der erste Tag der Woche). Im Zentrum dieses Tages steht von daher der Gottesdienst und die „beste“ Zeit dieses Tages gehört dem Herrn

Der Sabbat ist ein Augenblick des Aufatmens (vgl. V. 17 mit 2Sam 16,14)

Praktische Tipps zur „Ruhe nach Gottes Plan“:
* Bedenke immer wieder neu, worum es an diesem Tag geht!
* Beginne den „Ruhetag“ bereits am Vorabend!
* Kleide dich anders (zum Unterschied zum Alltag)!
* Mache den Gottesdienst zum Mittelpunkt (nicht die Freizeit oder die Familie)!

3. PREDIGTGLIEDERUNG

Ruhe nach Gottes Plan ist
a) Richtpunkt – es ist geheiligte Zeit (V. 12f)
b) Rastpunkt – es ist gesegnete Zeit (V. 14f)
c) Sammelpunkt – es ist gemeinsame Zeit (V. 16f)

4. PREDIGTSCHWERPUNKT

Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Stille“. Stille bedeutet nicht, dass alles zum erliegen kommt und nichts mehr geschieht, sondern das wir im Herrn zur Ruhe kommen.

„Der Sabbat ist begründet mit dem Ruhen Gottes am siebten Schöpfungstag. Der Sonntag ist nun begründet mit der Auferstehung Jesu Christi. Der Sabbat bezieht sich auf einen Tag, an dem die Vollkommenheit der Schöpfung abgespiegelt wird. Der Sonntag bezieht sich auf die Person, mit deren Auferstehung die neue Schöpfung beginnt“ (Hartmut Schmid).

„Unser wahrer Sabbat ist der Herr Jesus Christus selbst“ (Gregor der Große).