Monatsthema: Gottes Willen annehmen
Predigtthema: Ein großer König, aber nicht mehr der „King“
Bibelstelle: 1. Samuel 15,1-35
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
In diesem Monat eröffnen wir eine neue aufeinander aufbauende Reihe, in der wir an Hand von alttestamentlichen Predigttexten (1. + 2. Samuel) aufzeigen wollen, wie wir im Alltag „Gottes Willen annehmen“ (Juli), „Gottes Führung vertrauen“ (August) und „Gottes Vergebung erbitten“ (September) können. Der Einstieg in diese Reihe erfolgt mit Texten aus 1. Samuel, wobei im Monat Juli drei prägende Gestalten in Erscheinung treten:
* Samuel – von Gott vorbereitet
* Saul – von Menschen erbeten
* David – nach dem Herzen Gottes
Am Leben von Saul lässt sich erkennen, dass das Gehen eigener Wege ein Ab- bzw. Irrweg ist. Unser Predigttext (1Sam 15,1-35) verdeutlicht von daher, dass man zwar äußerlich ein großer König sein kann, aber man auf Grund seines geistlichen Zustands man eigentlich nichts mehr zu sagen hat (= Predigtthema: Ein großer König, aber nicht mehr der „King“). Da sich der Predigttext aus vielen aufeinander aufbauenden Dialogen zusammensetzt, kann neben dem strukturierten (vgl. die Predigtgliederung von Wiersbe) evtl. auch eine thematische Gliederung hilfreich sein. Hierzu könnte zum Beispiel zuerst aufgezeigt werden, was der Wille Gottes ist und wie er sich offenbart. In einem zweiten Schritt kann dann als Kontrast aufgezeigt werden, wie Saul und Samuel darauf reagieren. Beide haben Mühe mit dem Willen Gottes, aber einer ordnet sich unter (= Samuel) und einer ordnet sich über (= Saul) den Willen Gottes. Klaus Bockmühl hat dazu folgenden Zusammenhang erkannt und hergestellt: „Ungehorsam ist Götzendienst, denn es ist die Verehrung des eigenen Willens“. Wenn wir zum Herrn sagen können – „Dein Wille geschehe!“ – dann sind wir auf dem Weg der Gnade, aber wenn der Herr zu uns sagen muss – „Dein Wille geschehe!“ – dann befinden wir uns im Gericht. Im Rahmen der Verkündigung weisen wir darauf hin, dass es nie nur um die rein äußere Erfüllung des Willen Gottes geht, sondern immer auch die innere Herzenseinstellung entscheidend ist (vgl. 1Sam 15,22 z.B. mit Mt 9,13; 12,7; Mk 12,33 und Spr 15,8; 21,3; Pred 4,17; Jes 1,11-17; Hosea 6,6; Amos 5,22.24; Micha 6,6-8). Auch im AT kommt die Rettung durch den Glauben (vgl. Hebr 11) und nicht allein aus der Opferhandlung. Aber wo der Glaube fehlt, da fehlt auch die Kraft zum Gehorsam (siehe „Saul“).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 166-177).
* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: Reichtum gewinnen, den man nicht mit Geld kaufen kann. Studien zum AT: 1. Samuel 1-31. Christliche Verlagsanstalt (S. 90-95).
* Karl Gutbrod. Das Buch vom König: Das erste Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,1. Calwer Verlag (S. 110-125).
* W.I. Thomas. Christus in Euch: Dynamik des Lebens. Hänssler (Kap. 9: „Der Mann, der sich zu erinnern vergaß“).
Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf – S. 418-420).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 15.08.1993 mit dem Titel „Ein König sucht Ehre“ (1Samuel 15,10-31). Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Samuel 15] und „Autor“ [z.B. Winrich Scheffbuch] ausfüllt.
3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
„Drei Herzensfehler führten Saul auf seinen Irrweg:
* Habsucht: Die völlige Vernichtung der Siegesbeute im Krieg gegen die grausamen und räuberischen Amalekiter hatte Gott befohlen. Weshalb schont nun Saul die besten Rinder (V. 9)? Es tat ihm und dem Volk leid, so viel Gewinn fahren zu lassen. Wie gut konnten sie die erbeuteten Tiere zum Opfern brauchen, anstatt ihre eigenen nehmen zu müssen! Habsucht stürzt Tausende auf die abschüssige Bahn. Das zeigen Judas, Achan (Jos 7), Gehasi (2Kön 5) und viele andere.
* Hochmut: Saul nimmt den gefangenen Amalekiterkönig Agag mit, um seinen Triumph zu erhöhen. Er macht sich selbst eine Siegessäule (V. 12) und muss von Samuel hören: ‚Da du klein warst vor deinen Augen, wurdest du das Haupt unter den Stämmen Israels‘ (V. 17). Ja, einst war er klein, aber er blieb nicht klein! Hochmut heißt der Anfang des Irrwegs, die falsche Weichenstellung hier bei Saul, in 2Chr 26,16 bei Usia. Wer im rechten Geleise eines fruchtbaren Glaubensweges bleiben will, muss klein werden und klein bleiben.
* Heuchelei: Saul verstellt sich vor Samuel: Er grüßt ihn mit dem Wort: ‚Gesegnet seist du dem Herrn! Ich habe des Herrn Wort erfüllt‘ (V. 13). Das war Lüge. Zwar ließ sich dieses Wort so drehen und wenden, dass auch etwas Wahrheit in ihm war; denn Saul hatte einige von Gottes Anweisungen in der Tat erfüllt. Aber im ganzen Verhalten Sauls spürt man: Er ist nicht aufrichtig. Er bemüht sich mit großer Anstrengung, sich selbst einen besseren Anschein vor Samuel zu geben, als es ihm in Wirklichkeit zukommt. Mit frommem Vorwand tarnt er seine Habsucht: ‚Das Volk verschonte die besten Schafe und Rinder um des Opfers willen des Herrn, deines Gottes‘ (V. 15). Wer von der Lauterkeit und Wahrheit abweicht, wer besser scheinen will, als er ist, der hat den göttlichen Weg verlassen! Gott bewahre uns vor Sauls Habsucht, Hochmut und vor seiner Heuchelei (nach Alfred Christlieb, Licht von Oben Bd. 1)!
Walter Lüthi führt in unseren Predigttext wie folgt ein: „‘Siehe, Gehorsam ist besser denn Opfer, und Aufmerken besser denn das Fett von Widdern‘ (V. 22). Mit gutem Grund haben die Väter unseres Glaubens dieses Wort fettgedruckt. Es bildet tatsächlich die Mitte des Kapitels. ‚Gehorsam ist besser denn Opfer‘. Es geht hier um den Gehorsam. Dabei sind wir uns klar, dass gerade Gehorsam nicht eben zu den Fernsehschlagern und Modeartikeln dieser Zeit gehört. Nun, lange nicht alles, was Mode ist, ist schon deswegen gut. Und um einiges, das aus der Mode kommt, ist es schade. So wollen wir denn heute bewusst ein wenig altmodisch und fröhlich unzeitgemäß sein und miteinander darüber nachdenken, was für eine Bewandtnis es mit dem Gehorsam hat. Tatsächlich wird hier an König Sauls Verhalten ganz besonders klar, was Gehorsam ist. Der Gesalbte Gottes hat durch den Propheten Samuel einen göttlichen Auftrag bekommen. Saul soll am Volk der Amalekiter den sogenannten ‚Bann‘ vollziehen. Das sieht aus wie Krieg, hat aber mit dem Aufeinanderlosgehen zweier Völker, was man sonst unter Krieg versteht, nichts zu tun und kann darum auch nicht ohne weiteres damit verglichen werden. Der Bann ist ein göttlicher Gerichtsakt. Der richterliche Vollzug einer Todesstrafe in Gottes Auftrag. Die Amalekiter haben die Todesstrafe verdient. Längst mehr als verdient. Seinerzeit, als Gott sein Volk aus Ägypten führte, kaum war es durch den Untergang seines Hauptfeindes im Roten Meer den Nachstellungen Pharaos entronnen, wurden ihm die Amalekiter aufsässig. Mitten in der Wüste hilflos und schutzlos den wüstengewohnten Amalekitern ausgeliefert, schwebte Israel damals in Gefahr, aufgerieben zu werden. Das war damals, als Mose auf dem Berg während der Entscheidungsschlacht, die auf der Ebene unten tobte, die Hände hochhielt und fürs Volk um Rettung flehte. Es war nach jener Rettung, als Mose von Gott den Auftrag bekam, in ein Buch die Worte zu schreiben: ‚Ich will den Amalek unter dem Himmel austilgen, dass man seiner nicht mehr gedenke‘ (2Mose 17,14). Seit dieser schriftlich niedergelegten Verfügung Gottes sind nun allerdings nicht nur Jahre und Jahrzehnte vergangen, sondern Jahrhunderte. Menschlich gesprochen wäre Amaleks Schuld längst verjährt. Aber was sind fünf Jahrhunderte vor Gott, dem tausend Jahre so viel zählen wie ein Tag und wie eine Nachtwache! Wenn Gott mit der Erfüllung seines Gerichtswortes so lange zugewartet hat, kann das nur den einen Sinn haben, dass er den Amalekitern Zeit einräumen wollte, sich eines Besseren zu besinnen. ‚Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte‘. Aber die Amalekiter spekulieren darauf, die alte Rechnung sei vergessen, und fahren weiter mit Schuldenmachen. Noch vom letzten Amalekiterkönig Agag heißt es, ‚sein Schwert hat Israels Weiber ihrer Kinder beraubt‘ (33). So treibt Amalek bis in die jüngste Vergangenheit kräftig Missbrauch mit Gottes Langmut und Geduld. Wer aber meint, Gott vergesse auch nur ein einziges, einmal gesprochenes Gerichts- oder Verheißungswort, treibt höchst gewagte Fehlspekulation. Das Maß der Amalekiter ist jetzt offenbar vollgelaufen. Gott schreitet zum Gerichtsvollzug. ‚Gottes Mühlen –‘. Und nun ist König Saul als Gerichtsvollstrecker ausersehen, Saul hat somit als Scharfrichter Gottes zu amtieren. König sein ist an sich schon schwer. Und gar König Israels, Gesalbter Gottes sein! Seinerzeit, als Gott sein Gericht an Pharao vollstrecken ließ, benutzte er als Werkzeuge den Wind und das Meer. Die herzlosen Elemente. Gott wird wissen, warum er sich diesmal, da es sich um das längst fällige Gericht an den Amalekitern handelt, eines Menschen bedient. Eines Menschen mit einem Herzen im Leib. Und Saul ist ein hochherziger Mensch! – Das Recht, von Gott eine Begründung für dieses sein Vorgehen zu fordern, steht uns nicht zu. Dass Gott genau weiß, was für ein furchtbares Unternehmen er hier einem Menschen zumutet, geht übrigens daraus hervor, dass er ihm seinen Auftrag auffällig exakt umschreibt: ‚Schone ihrer nicht, sondern töte Mann und Weib, Kinder und Säuglinge, Ochsen und Schafe, Kamele und Esel!‘ (3). Hier springt einen das kalte Entsetzen an. Der Hauptleidtragende aber ist hier nun allerdings nicht Saul, sind auch nicht wir, die solches mitanhören müssen, sind nicht einmal die Amalekitermütter und -säuglinge. Der Hauptbetroffene ist hier der Vater, der, um seinen Heilswillen durchzusetzen, diejenigen schlagen muss, die sich diesem Rettungswillen hindernd und herausfordernd in den Weg stellen. Der Gott, der hier das fremde Wort sagen muss ‚schone ihrer nicht‘, ist genau der gleiche Gott, der später ‚seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben‘ (Röm 8). Wer weiß, wie weh einem Vater die Hand tut, mit der er sein Kind züchtigen muss, der sieht hier Gottes Vaterhand bluten. Das ‚Haupt voll Blut und Wunden‘ taucht hier auf. Dass auch im furchtbaren Gericht über die Amalekiter Gottes Barmherzigkeit hier nicht ausgeschaltet, sondern am Werk ist, geht aus einem nicht zu übersehenden Zeichen hervor: Unter den Amalekitern wohnt ein kleiner Stamm. Die Keniter. Sie haben sich seinerzeit an den Grausamkeiten gegen Israel nicht beteiligt. Diese Keniter soll Saul durch rechtzeitige Aufforderung zur Flucht schonen, ‚denn ihr tatet Barmherzigkeit an den Kindern Israel‘ (6). – ‚Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen‘. Was nun König Saul anbetrifft, so hat jetzt für ihn die Stunde der Entscheidung geschlagen. Gott stellt hier Sauls Gehorsam auf die Probe, gibt ihm eine Chance zu zeigen, welcher Art von König er ist. Ob ‚ein König wie ihn die Nationen haben‘, oder der Gesalbte Gottes. Wird er die Probe bestehen? Man wagt jetzt hier fast nicht weiterzulesen. Man sieht sich der atemberaubenden Frage gegenüber, ob man sich selber in solch einer Stunde bewährt hätte. Saul will ganz ohne Zweifel sein, was man einen frommen Magistraten nennt. Das heißt, Saul gehorcht – und gehorcht doch nicht. Saul besteht das Examen – und fällt doch durch. Saul gehorcht genau so, wie von alters her bis zum heutigen Tag fromme Leute, Magistraten und Nichtmagistraten, gehorchen: Saul gehorcht, aber mit Vorbehalt. Saul gehorcht mit Auswahl. Ach, man hätte es menschlich mehr als nur begriffen, und wie wünschte man doch, es würde jetzt von Saul heißen, er habe den Gerichtsvollzug an den Säuglingen und Müttern nicht übers Herz gebracht! Das stände ihm, dem wie wir wissen im Grunde Gemütvollen, wohl an. Und wer weiß? Gott hätte ihm dieses Vergehen der Menschlichkeit verziehen! – Man schaut sich jetzt fast die Augen aus nach so etwas. Aber davon steht nichts da. König Saul schont zwar. Aber anders. Saul schont willkürlich und eigenwillig. Und er schont statt unten – oben. An den minderen und an den räudigen Tieren vollzieht er den Bann. Dem Drängen des Volkes gegenüber nachgiebig aber schont er die schönen und gesunden. Während sie sich einreden, diese schönen Tiere dann später Gott zu opfern, läuft ihnen in Erwartung der fetten Opferanteile das Wasser schon jetzt im Munde zusammen. Und auch an den Müttern, Kindern und Säuglingen vollzieht Saul das Gericht. Aber König Agag, seinen Standesgenossen, verschont er” (Walter Lüthi. Das erste Buch Samuel ausgelegt für die Gemeinde. Basel: Verlag Friedrich Reinhardt. S. 179-183).
Alfred Christlieb zieht nachfolgenden Vergleich zwischen Saul (1Sam 15,24) und David (2Sam 12,13): „Wir haben hier zwei Männer, welche die gleichen Worte sprechen. Beim einen bewirken sie volle Entlastung, Vergebung, Gnade und Frieden, beim anderen Verwerfung. Woran liegt das? Man könnte denken, weil beide ihre Sünde anerkennen und eingestehen, müsste Gott auch beiden vergeben. Scheint Gott nicht ungerecht, wenn er so verschieden mit den beiden umgeht? – Nein, Gott ist nie ungerecht. Es liegt ein wesentlicher Unterschied vor in den beiden Bekenntnissen, obwohl der Wortlaut der gleiche ist. David erkennt rückhaltlos seine Schuld an. Er beugt sich ohne Vorbehalt unter die ganze Größe seiner Schuld und die ganze Schwere der verdienten Strafe. Anders Saul. Er gibt wohl auch seine Schuld zu, aber nur widerstrebend, weil er überführt ist. Er sucht seine Schuld zu beschönigen und sie möglichst auf andere abzuschieben. Er sagt: Wir hatten die gute Absicht, dem Herrn ein Opfer darzubringen. Das Volk hat von dem Raub genommen. Saul sucht sich selber rein zu waschen. Wohl spricht sein Mund: ‚Ich habe gesündigt‘. Aber dabei denkt er: Ich hab’s doch nicht so schlimm gemeint! Der Schlechteste bin ich noch lange nicht. Ich habe doch den Befehl Gottes ausgeführt! – Vor Menschenaugen war Sauls Schuld lange nicht so groß wie Davids Schuld. Der hatte ja einen Ehebruch und einen Mord begangen. Saul dagegen hatte sich nur einen kleinen Ungehorsam zuschulden kommen lassen, indem er den König und die besten Tiere der Amalekiter leben ließ. Weshalb wird nun David begnadigt und Saul verworfen? Davids Reue war echt. Rückhaltlos beugte er sich vor Gott und bekannte in seinen Bußpsalmen seine Schuld offen vor allem Volk. Saul dagegen suchte sein Ansehen vor den Menschen zu retten und bat Samuel: ‚Ehre mich doch vor den Ältesten‘! – Ist unsere Buße aufrichtig?“
V. 24 (C.H. Spurgeon): „Hier haben wir den Charakter des aufrichtigen Mannes – des Mannes, der nicht, wie Bileam, bis zu einem gewissen Grad aufrichtig ist in zwei Dingen; sondern hier haben wir den Mann, der gerade das Gegenteil ist – der nichts Hervorstechendes in seinem Charakter hat, sondern der sich von den Umständen leiten ließ. So war Saul. Samuel bestrafte ihn, und er sagte: ‚Ich habe gesündigt‘. Aber er meinte nicht, was er sagte; er entschuldigte sich mit der lügnerischen Ausrede: ‚Ich fürchtete das Volk‘! Saul fürchtete nie jemanden; er tat immer seinen eigenen Willen – er war ein Despot. Unaufrichtigkeit war der Hauptzug in seinem Charakter. Eines Tages ließ er David aus dem Bett holen, um ihn, wie er dachte, zu töten; an einem anderen Tag erklärte er: ‚Das sei ferne, dass ich dir, mein Sohn David, etwas zuleide tun sollte‘. Bisweilen war Saul unter den Propheten und dann wieder unter den Zauberinnen; bald war er hier, bald dort, aber unaufrichtig in allem. So gibt es viele Leute in unseren Christenversammlungen. Sie stimmen sogleich mit allem überein, was man ihnen sagen mag. Ihr Gewissen ist zart und gibt nach, sobald es berührt wird. Kaum ist es aber verwundet, so heilt es alsbald wieder. Sie haben – sozusagen – Herzen von Gummi, auf das man bei der leichtesten Berührung einen Eindruck machen kann, der aber nicht bleibt, weil es sogleich wieder in seine ursprüngliche Gestalt zurückkehrt. Man kann solche Menschen zu allem bewegen, aber sie sind nicht fest in ihrem Wesen und kehren bald wieder zurück zu dem, was sie vorher gewesen sind. So manche bücken sich mit ihrem Haupt und sprechen in der Kirche: ‚Wir haben uns, o Gott, verirrt von deinen Wegen‘; aber sie meinen das nicht, was sie sagen. Manche kommen zu ihrem Seelsorger und sagen: ‚Meine Sünden sind mir leid‘; aber sie fühlen nicht, dass sie Sünder sind, sie sagen nur so, um ihrem Geistlichen zu gefallen. Manche weinen in der Kirche sehr bald, aber sie bleiben die alten, unbekehrten Leute, nachher wie vorher. Ihr Bekenntnis ist unaufrichtig. Bileam war groß in Allem, was er tat, im Guten, wie im Bösen; aber Saul, im Vergleich dazu, war klein in allen seinen Handlungen, so groß er auch war seiner Körperlänge nach“ (C.H. Spurgeon).
4. PREDIGTGLIEDERUNG
a) Was ist der Wille Gottes?
b) Was ist der Wille Sauls?
c) Was ist der Wille Samuels?
oder nach Warren W. Wiersbe:
a) Saul ist Gott ungehorsam (V. 1-11)
b) Saul belügt Samuel (V. 12-15)
c) Saul disputiert mit Samuel (V. 16-23)
d) Saul wird von Gott verworfen (V. 24-29)
e) Saul wird von Samuel verworfen (V. 30-35)