Matthäus

Predigthilfe vom 3.1.2010 – Matthäus 5, 1-12

Monatsthema: Der Lebensstil Jesu
Predigtthema: Glückselig leben – was Jesus darunter versteht!

Bibelstelle: Matthäus 5, 1-12

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 11-61).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 102-132).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 1: Predigten über Matthäus 5,3-48. 2. Aufl. Friedberg: 3L-Verlag, 2003 (S. 39-176 – sehr empfehlenswert!).

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Bei der Auslegung und Anwendung des Matthäusevangeliums ist zu beachten, dass hier das Wort Gottes nicht chronologisch (so z.B. aber bei Lk; Joh), sondern theologisch geordnet ist. In Mt 4,17 wird zuerst das Lebensprogramm Jesu offenbart: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen“! Dann erfolgt die kurze Information mit wem diese Botschaft verkündigt werden soll. Von Mt 4,23 bis 9,35 wird darauf nun entfaltet, wie in Jesus, als dem Messias des Worte (Mt 5-7) und der Tat (Mt 8+9), die Möglichkeit zu dieser Buße besteht. In Mt 5-7 wird dieser Umkehrruf konkretisiert und entfaltet, wie der Lebensstil und das Lebensprogramm Jesu sich im Leben seiner Nachfolger (= Jünger) im Reich Gottes (= „Reich der Himmel“) vollziehen soll. In den Monaten Januar bis Mai wollen wir diese Reich Gottes Perspektive der Nachfolge auslegen und anwenden.

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

V. 1f: Jesus will nicht die Begeisterung der Massen, sondern die Buße der Einzelnen. Es geht ihm nicht darum, von dem öffentlichen Jubel der Vielen getragen zu werden, sondern um die persönliche Verbindung des einzelnen Menschen mit Gott. Aus diesem Grund zieht sich Jesus nicht von den „Vielen“, aber doch aus der Volksmenge zurück, um sich den „Einzelnen“ persönlich zuzuwenden. Auf dem Gebirge treten nun seine Jünger (vgl. Mt 4,18-22) zu ihm heran und „sie“ (= Jünger) lehrt er nun über seinen Lebensstil und sein Lebensprogramm (vgl. Mt 4,17). Die Jünger sind nicht die einzigen Hörer seiner Lehre, sondern auch die Volksmenge ist dabei (vgl. 7,28f), aber die eigentlichen Adressaten sind die Jünger und die Hörer, die in seine Nachfolge treten sollen. Damit ist nun auch schon die erste Grundentscheidung getroffen: Über die „Wenigen“, die mit Jesus leben wollen, sollen die „Vielen“ erreicht werden, die mit Jesus leben sollen. Nachfolge geschieht immer im Kontext derer, die gewonnen werden sollen und vollzieht sich in der Art und Weise des Messias. Deshalb gilt es zu beachten: Die Lehre Jesu in Mt 5-7 ist Jüngerlehre für das Reich Gottes! Aus diesem Grund gilt diese Lehre nicht allgemein als Ordnung für die Gesellschaft, sondern als Programm für die Gemeinde. Aber heilsgeschichtlich ist hierbei zu beachten, dass das Leben im „Reich der Himmel“ (= Reich Gottes) zwar „jetzt schon“ begonnen hat, aber „noch nicht“ vollendet ist. Diese heilsgeschichtliche Spannung zwischen dem „schon jetzt“ und „noch nicht“ ist in der Anwendung auf die Gemeinde zu berücksichtigen. Im Blickpunkt stehen war die Jünger (= Nachfolger) Jesu, die aber durch das Wort und die Tat Jesu, die erreichen sollen, die dieses Wort auch (mit)hören (Mt 7,28f). Die hier verheißenen „Segnungen“ haben also sowohl gegenwärtige als auch zukünftige Auswirkungen und Relevanz. Eine ausgezeichnete Einführung in ein schriftgemäßes heilsgeschichtliche Verstehen des Wortes Gottes findet sich bei Helge Stadelmann / Berthold Schwarz: Heilsgeschichte verstehen. Dillenburg: CV, 2008 (zur Bergpredigt siehe dort S. 161-174) oder in der MacArthur Studienbibel (kostenlose Möglichkeit zum Download unter www.sermon-online.de auf der Homepage unter „Themen“ in der rechten Spalte der Tabelle).

Jesus entfaltet diesen neuen Lebensstil nun in drei Schritten im Rahmen von Seligpreisungen, indem er seinen Nachfolgern ihren Weg markiert, der von der Abkehr vom „Alten“ (V. 1-6) über die Umkehr zum „Neuen“ (V. 7-11) hin zur Heimkehr im „Ewigen“ (V. 12) verläuft.

A) Abkehr vom ‚alten‘ Leben (V. 3-6)

„Glückselig“ [Elb] oder „selig“ (Lu) = makarios [gr.] = zu beneiden / zu beglückwünschen / glücklich zu preisen bzw. gesegnet. Es geht hierbei nicht einfach um Glück bzw. Glücklichsein, sondern „makarios“ bedeutet: „von Gott gesegnet“ / „Gottes Gunst empfangend“. Natürlich führt das auch zu einem Glücklichsein, aber eben nicht zu einem Glück nach menschlicher Definition. Nachfolgend beschreibt Jesus also, wie seine Jünger unter dem Segen Gottes leben.

„Unsere Kultur ist besessen von allem, was mit ‚Lifestyle‘ zu tun hat. Es gibt zahllose Zeitschriften über Mode, Gesundheit und Fitness, Schlankheitskuren, Heim und Garten und andere Aspekte unseres Lebens. Deutlich wird, dass es in diesen Zeitschriften vornehmlich um den Stil und um das äußere Erscheinungsbild unseres Lebens geht und nicht so sehr um den Inhalt. Jesus dagegen geht es vielmehr um das, was hinter dieser Fassade steckt. Das, was Jesus in der Bergpredigt lehrt, stellt eine Herausforderung für unseren westlichen Lebensstil dar. Er zeigt uns jedoch auch eine alternative Lebensweise und fordert uns auf, einen christlichen Lebensstil zu entwickeln“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil, S. 9f).

V. 3: „arm“ = „ptochos“ = bettelnd / auf fremde Unterstützung angewiesen – „im Geist“ gibt nun die Richtung vor, denn es geht um die richtige Haltung Gott gegenüber und damit um die Beziehung zu ihm. Mit leeren Händen vor Gott stehen und ganz auf ihn angewiesen sein. Ein „Bettler im (evtl. durch den) Geist“ zu sein, bedeutet anzuerkennen, dass wir nach den Maßstäben Gottes nichts vorzuweisen haben. Wir stecken im Sumpf der Sünde fest und können uns nicht selbst herausziehen. Aber wir können unsere ohnmächtigen Hände nach dem Herrn ausstrecken, dass er sie ergreift und uns hinüberzieht ans rettende Ufer. Solchen „Bettlern“ stehen die Pforten des Himmelsreiches offen (beachte Offb 3,17).

V. 4: „trauern“ = „pentheo“ = klagen / traurig sein – in der griechischen Übersetzung des AT (LXX = Septuaginta) wird dieser Begriff oft für die Totenklage verwendet – der Bezug ist hier auf die geistliche Not (vgl. V. 3) bzw. die Schuld zu sehen, denn es gibt eine göttliche Trauer, die der Geist Gottes schenkt (vgl. z.B. Mt 26,75 mit 2Kor 7,10).

V. 5: „sanftmütig“ = „praus“ = freundlich / mild, gemeint sind also Menschen, die sich nicht rücksichtslos und gewaltsam gegen andere durchsetzen.
Martyn Lloyd-Jones erläutert Sanftmut u.a. wie folgt: „In ihrem Wesen ist Sanftmut echte Selbsterkenntnis, die dann in Einstellung und Verhalten anderen Menschen gegenüber zum Ausdruck kommt. Sanftmut hat zwei Seiten: Es ist einmal die Haltung gegenüber mir selbst, die dann auch ihren Niederschlag in der Haltung meinen Nächsten gegenüber findet. Sehen Sie, wie unausweichlich Sanftmut der ersten und zweiten Seligpreisung folgt, der geistlichen Armut und dem Leid tragen. Ein Mensch kann niemals sanftmütig sein, es sei denn, er hat erkannt, dass er ein elender Sünder ist. Diese anderen Dinge müssen zuerst kommen. Wenn ich die rechte Selbsterkenntnis habe und meine ganze geistliche Armut erkannt habe und um meine Sündhaftigkeit Leid trage, dann werde ich auch sanftmütig werden, denn ich habe keinen Grund mehr, hochmütig zu sein. Ein Sanftmütiger ist niemals stolz auf sich selbst, er rühmt sich nicht seiner selbst. Er weiß genau, dass es an ihm nichts gibt, worauf er stolz sein kann. Das heißt auch, dass er nicht darauf aus ist, sich selbst zu behaupten. Wir sehen, dass dies das genaue Gegenteil des so populären psychologischen Ansatzes ist, sich selbst zu verwirklichen, positiv von sich selbst zu denken, sich alles zuzutrauen. Ein sanftmütiger Mensch hat mit diesen Dingen nichts am Hut, er schämt sich eher, dass sich diese Gedanken und Wünsche auch bei ihm regen. Er denkt nicht zuallererst an sich und seinen Gewinn; er pocht auch nicht auf alle seine Rechte. Er stellt auch keine Forderungen hinsichtlich seiner Position, seinen Privilegien, seines Besitzes, seiner gesellschaftlichen Stellung. Nein, er ist wie jener Mann, den der Apostel Paulus im Brief an die Philipper beschreibt: ‚Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war‘ (2,5). Christus pochte nicht auf seine Rechte, sondern nahm Knechtsgestalt an – und er hat dies ganz bewusst getan. Das ist auch der Punkt, an den du und ich gelangen müssen.
Erlauben Sie mir jetzt, weiterzugehen. Wer sanftmütig ist, ist auch nicht empfindlich, was die eigene Person betrifft. Er kreist nicht ständig um sich selbst und seine Interessen. Er verteidigt sich nicht ständig. Wir kennen das doch alle, oder nicht? Ist das nicht der größte Fluch, der seit dem Sündenfall über uns gekommen ist – diese Selbstverliebtheit, dieses Selbstmitleid? Wie empfindlich reagieren wir, sobald es um uns geht? Wir verbringen unser ganzes Leben damit, uns selbst zu beliebäugen. Wenn aber jemand sanftmütig wird, dann hört er damit auf, er sorgt sich nicht mehr um sich selbst und auch nicht darum, was andere Leute von ihm sagen. In Wahrheit sanftmütig sein heißt, ich brauche mich nicht mehr zu verteidigen, weil ich einsehe, dass es bei mir nichts zu verteidigen gibt. Wir sind nicht ständig in der Defensive, das ist alles unwichtig. Der wahrhaft Sanftmütige bemitleidet sich nicht selbst und spricht nicht zu sich selbst: „Du machst harte Zeiten durch. Mein Gott, wie unfreundlich doch die Menschen zu dir sind. Sie verstehen mich nicht.“ Er denkt auch nicht mehr: „Was bin ich doch für ein toller Mensch. Gäben mir die anderen nur eine Chance“ – Selbstverliebtheit, Selbstmitleid! Wie viel Zeit haben wir schon damit vergeudet! Ein sanftmütiger Mensch hat damit abgeschlossen. Mit anderen Worten heißt sanftmütig sein, mit sich selbst fertig sein. Man hat erkannt, dass man vor Gott keine Rechte und Verdienste hat“ (Lloyd-Jones, Bergpredigt Bd. 1, S. 83f).

„Wer am Boden liegt, braucht sich nicht mehr davor zu fürchten, zu fallen“ (John Bunyan). Wer an diesem Punkt ist, der kann das Land erben

V. 6: „hungern“ = „peinao“ = Hunger leiden / hungern nach = heftig verlangen / sich sehnen nach – „dürsten“ = „dipsao“ = Durst haben / dürsten nach = heftig verlangen / sich sehnen nach – nach was? Nach Gerechtigkeit! Zum einen im eigenen Leben danach sehnen, dass der Wille Gottes geschieht und zum anderen danach, dass sich Gottes Gerechtigkeit überall durchsetzt.

„Jesus erklärt seinen Zuhörer in der Bergpredigt, dass Gott uns erfüllen und unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit stillen wird – wenn wir wirklich verzweifelt sind. Es reicht nicht aus, unsere eigene geistliche Armut zu erkennen, darüber zu trauern und anderen zu gestatten, dass sie die Aufmerksamkeit darauf lenken. Wir müssen danach hungern und dürsten, anders zu sein und ein gerechtes Leben zu führen. Jesus verspricht, dass der Mensch, der jeden dieser Schritte in seinem Leben und in seiner Beziehung zu Gott durchläuft, von Gott gesegnet werden wird“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil, S. 23).

Es geht nicht nur darum, etwas von Gott zu bekommen, sondern darum, begierig zu sein, dass der Wille Gottes geschieht.

B) Umkehr zum ‚neuen‘ Leben (V. 7-11)

Die Auswirkungen der Abkehr vom ‚alten‘ Leben und Denken zeigen sich nun in der Umkehr zu einem ‚neuen‘ Leben:

V. 7: „barmherzig“ = „eleemon“ = mitleidsvoll – Barmherzigkeit ist, was dem Wesen Gottes entspricht. Hier geht es auch um das Wissen, dass man ohne Gottes Hilfe nie zum Ziel kommt. Glückselig ist, wem vergeben wurde und wer vergeben kann (Vgl. Mt 6,14f; 18,21ff)!

V. 8: „rein“ = „katharos“ = frei von Verunreinigung / unvermischt / unverfälscht / ungetrübt wie das klare Wasser (vgl. Eph 5,5). Der Herr kennt das Herz und er allein kann es in den rechten Zustand bringen (1Joh 3,1-3).

V. 9: „Friedenstifer“ = „eirenopoios“ = seinen Frieden verbreiten – der Kampf richtet sich gegen die Sünde, nicht gegen den Sünder

V. 10: „verfolgen“ = „dioko“ = hier geht es um die, die Verfolgung erlitten haben und nun die Wunden davon gleichsam mit sich herumtragen
V. 11: „schmähen“ = „oneiditzo“ = schelten / beschimpfen

C) Heimkehr ins ‚ewige‘ Leben (V. 12)

„Jesus hat uns nie gesagt, wir sollten uns darum reißen, verfolgt zu werden. Doch er hat uns sehr wohl erklärt, dass wir die Verfolgung, wenn sie uns trifft, als einen Segen betrachten sollen. Wir sollen uns freuen und jubeln oder – wie es in einer anderen Übersetzung heißt – ‚vor Freude springen‘. Jesus nennt dafür drei Gründe: Erstens, weil unser Lohn im Himmel sein wird. Wer um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird, ist deshalb gesegnet, weil ihm das Himmelreich gehört (vgl. Vers 10). Und in eine ähnliche Richtung geht auch Jesu Wort an seine Jünger: ‚Euer Lohn im Himmel wird groß sein‘ (Vers 12). Zweitens kommt unsere Freude daher, dass wir uns mit Jesus identifizieren. ‚Um meinetwillen‘ (Vers 11) werden sie verfolgt, sagt Jesus. Drittens ist es ein Zeichen für die Echtheit unseres Glaubens, denn so wurden zuvor bereits die Propheten verfolgt (vgl. Vers 12)“(Gumbel, Herausfordernder Lebensstil, S. 33f).

3. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Nachfolge“. Äußere Veränderung ist nur möglich, wo vorher eine innere Veränderung in und nach dem Lebensstil Jesu erfolgt ist.
Im Rahmen der Predigt gilt es zu zeigen, was es heißt unter den Segnungen Gottes zu leben. Was „Segen“ ist, wem deshalb zu gratulieren ist, weil er Segnungen Gottes erfährt in seinem Leben, das ist allerdings vom Herrn her zu definieren und kann nur durch das Wort des Herrn verstanden werden. Von daher ist darauf zu achten, dass die Seligpreisungen so verkündigt werden, dass es zu einer Neudefinition von „Glück“ kommt. Glückselig ist und wird nur der, der eine Reich Gottes Perspektive hat und im und für das Reich Gottes lebt. Die Seligpreisungen beschreiben nicht nur das Leben eines Jünger Jesu, sondern auch das Leben des Herrn selbst (vgl. Mt 10,24f). Von daher ist die Gemeinde Jesu nicht ein Spiegelbild der Gesellschaft, sondern vielmehr ein Kontrastbild der Gesellschaft, eine christliche Gegenkultur (vgl. Röm 2,24; Mt 6,8a).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Glückselig leben – was Jesus darunter versteht:
a) Abkehr vom ‚alten‘ Leben (V. 1-6)
b) Umkehr zum ‚neuen‘ Leben (V. 7-11)
c) Heimkehr ins ‚ewige‘ Leben (V. 12)

oder nach Reinhold Elser:
a) Wir staunen darüber, wie Jesus beginnt
b) Wir staunen darüber, wem Leben gelingt
c) Wir staunen darüber, was Jesus bringt