2.Mose

Predigthilfe vom 29. Oktober 2023 – 2. Mose 20,16

Jahresthema:        WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes

Predigtthema:       Der Schutz vor Täuschung – du sollst nicht lügen

Vorschläge zur Textlesung: Jak 3,1-12; Joh 16,7-15; 1Joh 1,5-10

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema

Einleitung zum Jahresthema „WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes“!

Die 10 Gebote (2Mo 20,1-17 und 5Mo 5,6-21), auch Dekalog genannt, nehmen im Alten Testament eine einmalige Stellung ein und haben sowohl für das Judentum als auch für das Christentum eine zentrale Bedeutung.

Die Bedeutung: Die „zehn Worte“, sind das einzige Gesetz, welches direkt von Gott dem Volk Gottes auf zwei Steintafeln gegeben wurde. Man könnte sie das Grundgesetz des menschlichen Lebens bezeichnen, das die Beziehung des Menschen zu Gott und zu seinem Mitmenschen regelt. Es ist die erste verschriftete Menschenrechtserklärung und ist ein Wegweiser zu einem gesunden menschlichen Miteinander in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. Die 10 Gebote haben die christliche Ethik, die Kirchen- und Kulturgeschichte Europas ganz entscheidend geprägt.

Die ersten vier Gebote handeln vom Verhältnis des Menschen zu Gott!

1. Gebot: Es gibt nur EINEN – du sollst keine anderen Götter neben mir haben
2. Gebot: Es gibt nichts VERGLEICHBARES – du sollst dir kein Bildnis machen
3. Gebot: Es gibt nichts HÖHERES – du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen
4. Gebot: Es gibt nichts SCHÖNERES – du sollst den Shabbattag heiligen 

Die sechs anderen Gebote: Das Verhältnis des Menschen zum Menschen!

5. Gebot: Der Schutz der WÜRDE – du sollst Vater und Mutter ehren
6. Gebot: Der Schutz des LEBENS – du sollst nicht töten
7. Gebot: Der Schutz der EHE – du sollst nicht ehebrechen
8. Gebot: Der Schutz des EIGENTUMS – du sollst nicht stehlen 
9. Gebot: Der Schutz vor TÄUSCHUNG – du sollst nicht lügen
10. Gebot: Der Schutz vor HABGIER – du sollst nicht begehren

Gott, der Schöpfer ist die höchste Autorität und Gesetzgeber. Alle menschliche Obrigkeit hat sich ihr zu verantworten. Somit fordern die Gebote Ehrfurcht und Gehorsam gegenüber Gottes Ordnungen.

Das Ziel – die 10 Gebote sind WEGweiser auf JESUS: Mit dem Jahresthema wollen wir Gottes alte und ewige Grundordnung neu verinnerlichen. Sie sind alt aber immer noch gültig. Sie kommen aus Gottes Mund und werden nie zurückgenommen. Sie sind nicht verbesserungsfähig, sondern sind vollkommen und weisen uns den WEG zum Leben – sie weisen uns direkt zu JESUS der sagte: Ich bin der WEG, die Wahrheit und das LEBEN“!

Der Anlass – Vergessenheit der Gebote Gottes: Die hilflose Suche nach tragfähigen Grundwerten für eine gut funktionierende Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben von Menschen offenbaren die Gottvergessenheit unserer Zeit. Wer Gott verliert, verliert auch die Gebote. Die 10 Gebote sind ein zusammenhängendes Ganzes. Der Mensch kann die Ethik nicht ohne die Autorität Gottes besitzen oder ausleben.

Eine Forsa Umfrage mit dem Titel: „Die 10 Gebote – Bekanntheit und Bedeutung in der heutigen Zeit“, bestätigt, dass noch 56 Prozent wissen, dass man unter den „10 Geboten“ Verhaltensregeln bzw. einen Wertekodex mit religiösem Bezug versteht. Fast die Hälfte kennt somit den religiösen Bezug der Gebote Gottes nicht mehr.

https://presseportal.zdf.de/fileadmin/zdf_upload/Bilder/Teaser-Bilder/Dokumente/forsa-Umfrage_zu_ZDF_Die_10_An-Gebote.pdf

Die Chance – Gottes guten Willen erkennen: Die 10 Gebote sind eine Selbstoffenbarung Gottes. Sie lassen uns nicht nur Gottes Autorität erkennen, sondern auch sein heiliges und liebevolles Wesen. Gottes Gebote sind gut und heilig. Sie sind Gottes gesunde Lebensanweisung für den Menschen. Sie wollen dem Menschen nichts Schlechtes, sondern geben Wegweisung zum wahren Leben, wie es Paulus in Gal 3,24 schreibt:

„So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin,
damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Bräumer, Hansjörg: Das zweite Buch Mose. Wuppertaler Studienbibel, R. Brockhaus.
Cochlovius, Joachim: Gottes ausgestreckte Hände, VTR.
Lange, Benjamin: Die Bibel verstehen – die zehn Gebote, CV.
Lüthi, Walter: Die Zehn Gebote, Brunnen.
Pink, Arthur W.: Die Zehn Gebote, Sola Gratia Medien.
Ryken, Philip: Exodus, Crossway.
Watson, Thomas: Die Zehn Gebote, 3L.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.16: Das neunte Gebot nimmt uns zunächst mit in die israelitische Rechtsprechung hinein. Dort hatten Zeugen die Aufgabe eine Aussage zu tätigen, um zur Entscheidung einer Rechtsstreitigkeit beizutragen. Aufgrund der beschränkten Untersuchungsmöglichkeiten kam den Augenzeugen eine entscheidende Rolle zu. Eine solche Zeugenaussage muss nach Gottes Gebot der Wahrheit entsprechen. Natürlich ist das neunte Gebot nicht nur auf den Bereich des Gerichtes beschränkt, sondern bezieht sich darüber hinaus auf den Umgang mit der Wahrheit im alltäglichen Leben.

Das hebräische Wort (schaeqaer), das hier verwendet wird, geht über das reine Aussprechen einer Unwahrheit hinaus und bezeichnet eine Täuschung oder Untreue, die auf die Schädigung des Nächsten ausgerichtet ist (vgl. Bräumer, S.136). In Sprüche 25,18 wird der Mann, der als falscher Zeuge gegen seinen Nächsten auftritt, mit einem Hammer, Schwert und geschärften Pfeil verglichen. Sehr deutlich ist auch dort der Schaden im Blick, den eine solche falsche Zeugenaussage für den Nächsten bringt.

Der Lüge gegenüber steht die Wahrheit, die eine Wohltat für den Nächsten ist. In Sprüche 14,25 werden der wahre und lügnerische Zeuge gegenübergestellt und der wahre Zeuge als Lebensretter bezeichnet. Wir sehen also den göttlichen, lebenserhaltenden Charakter der Wahrheit auf der einen, den sündhaften, lebenszerstörenden Charakter der Lüge auf der anderen Seite.

In der zweiten Nennung der 10 Gebote im fünften Buch Mose, wird das neunte Gebot leicht anders formuliert. Statt von Lüge (schaeqaer) ist dort (5.Mose 5,20) von Falschheit oder Nichtigkeit (schaw) die Rede, das gleiche Wort, das wir auch im dritten Gebot finden, in dem verboten wird, den Namen Gottes zu missbrauchen. Ein falscher Zeuge ist genau wie ein Lügenzeuge einer, der seine Worte, die er eigentlich zum Guten einsetzen soll, benutzt, um dem anderen zu schaden. Auf seine Worte kann man sich eben nicht verlassen, weil sie falsch sind und andere täuschen.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

  • Das neunte Gebot lädt uns ein ganz grundsätzlich über Wahrheit und Lüge nachzudenken. Die Bibel unterstreicht an vielen Stellen, dass Gott selbst die Wahrheit ist und die Wahrheit redet. In den Psalmen ist immer wieder von Gottes Wahrheit die Rede. Auf der anderen Seite sehen wir, dass der Teufel mit Lüge und Täuschung agiert (vgl. 2.Kor 11,13-14). Schon in 1.Mose 3 wird dies sehr deutlich. In Joh 8,44 bezeichnet Jesus den Satan sowohl als Menschenmörder als auch als Lügner und Vater der Lüge. Auf der anderen Seite lesen wir besonders im Johannesevangelium, wie Jesus immer wieder für sich in Anspruch nimmt die Wahrheit zu sagen, ja noch mehr, er nimmt in Anspruch selbst die Wahrheit zu sein (Joh 14,6). Auch im Blick auf dem Heiligen Geist redet Jesus immer von Wahrheit (vgl. Joh 16,13).
    Wenn wir dann auf den Prozess von Jesus schauen, sehen wir, wie besonders das neunte Gebote übertreten wurde. Es wird berichtet, wie falsche Zeugen auftraten, um gegen Jesus auszusagen. Und nach der Auferstehung Jesu lesen wir davon, dass die Grabwächter bestochen wurden, um die Lüge zu verbreiten, der Leichnam Jesu sei gestohlen worden. So versuchte man durch Lüge, die Wahrheit der Auferstehung Jesu zu unterdrücken.
  • Ein zweiter Aspekt, den wir beim neunten Gebot bedenken müssen, ist die zerstörerische Wirkung, die eine Lüge auf das menschliche Miteinander hat. Gottes Wort ist auch in diesem Bereich sehr ehrlich, wenn es vom Scheitern von Menschen im Blick auf die Wahrheit berichtet. Ob im Leben von Abraham, Jakob, oder auch König David, die Bibel zeigt sehr deutlich, wie die Lüge das Leben eines Menschen und das Miteinander zwischen Menschen schädigt (vgl. auch Spr 19,9; Spr 20,17).
  • Im neuen Testament lehrt besonders die Geschichte von Hananias und Saphira in Apg 5, wie ernst es Gott mit der Wahrheit nimmt und was es bedeutet Gott zu belügen.
  • In Jakobus 3 wird sehr plastisch beschrieben, welche zerstörerische Kraft unsere Zunge hat. Auch diesen Aspekt sollten wir für die Auslegung des neunten Gebotes im Blick haben. Und eben auch den Auftrag Gottes, dass wir unsere Worte zu seiner Ehre und zum Wohl des Nächsten einsetzen sollen.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

  • Im Rahmen unserer Predigtreihe zu den 10 Geboten wollen wir verstehen, wie die Gebote Gottes wirklich Wegweiser zu Leben sind. Gottes Gebote wollen unser Leben eben nicht einschränken, sie wollen uns zu einem Leben führen, das mehr und mehr im Einklang mit dem Willen Gottes steht und so von wahrer Freiheit geprägt ist.
  • Gleichzeitig zeigen uns Gottes Gebote, wie sehr wir von der Gnade Gottes abhängig sind und laden uns ein, auf Jesus Christus und sein Erlösungswerk zu vertrauen und sind auch so Wegweiser zum Leben.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

  • Auch das neunte Gebot fordert uns hier sehr heraus und macht uns deutlich, wie sehr wir Gottes Gnade brauchen. Wie schnell vergehen wir uns mit Worten an unserem Nächsten. Oft müssen wir schmerzhaft feststellen, dass wir Menschen mit unreinen Lippen sind (vgl. Jes 6,5). So will uns auch dieses Gebot immer wieder zur Buße führen.
  • Gerade im Miteinander in der Gemeinde ist es wichtig, dass wir uns vor Gott und auch voreinander Rechenschaft geben, wie wir die Wahrheit in Liebe reden und uns so gegenseitig unterstützen in unserer Beziehung zu Jesus zu wachsen (vgl. Eph 4,15ff). Wir dürfen uns dabei von Jesus prägen lassen, der voller Liebe für die Menschen war und trotzdem sehr deutlich die Wahrheit sagte. Es muss in der Gemeinde immer wieder bedacht werden, wie ehrliche und liebevolle Korrektur geschehen kann.
  • Schließlich sollte sich jeder Einzelne ganz persönlich im Blick auf dieses Gebot hinterfragen. Wir reden wir mit anderen Menschen und wie reden wir über sie? Leitet uns auch hier die von Gottes Liebe geprägte Wahrheit? Wo müssen wir Buße tun, weil wir aus vermeintlicher Liebe die wichtige Wahrheit eben nicht gesagt haben? Oder wo müssen wir umkehren, weil unsere lieblose Wahrheit eben nicht die Absicht hatte, den Nächsten zu erbauen, sondern ihn niedergestreckt hat?

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Helmut Weidemann 15.01.2018 mit dem Titel „Bei der Wahrheit bleiben“. Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ und „Autor“ ausfüllt.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Predigt soll ermutigen und herausfordern unser Leben wieder in das Licht der Wahrheit Gottes zu stellen. Sie soll zur Umkehr einladen, wo wir leichtfertig oder auch lieblos mit der Wahrheit umgegangen sind. Und sie soll motivieren, die Wahrheit in Liebe zu sagen, damit durch unser Reden Menschen wirklich in Gottes Sinn erbaut werden.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Der Schutz vor Täuschung – du sollst nicht lügen

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Den Gott der Wahrheit kennen – damit seine Wahrheit uns prägt
b) Unser trügerisches Herz kennen – damit der Vater der Lüge uns nicht überrascht
c) Unsere Lippen reinigen lassen – damit Gottes Heiligkeit und Gnade unser Reden leitet
d) Die Wahrheit in Liebe sagen – damit echtes Wachstum geschieht

(Tobias Schurr)