Monatsthema: Kraft zur Hoffnung
Predigtthema: Hoffnung für Hilflose
Bibelstelle: Lukas 18,35-43
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 18,35-43) bieten z.B.
* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 415-423)
* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 435-437)
* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 383-386)
* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 117-123)
* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 619f)
Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1462).
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die „Kraft“ Jesu in uns so mächtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns an Hand von Lk 17+18 mit dem Themenfeld „Hoffnung“ (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben können, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erfüllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt für Ratlose – Ausweglose – Erwartungslose – Rechtlose – Ahnungslose – Machtlose – Orientierungslose – Verständnislose – Hilflose (= Predigtthema). Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 18,35-43) knüpfen wir mit unserer Predigt direkt an den vergangenen Sonntag an (Lk 18,31-34) und betten die Zeichenhandlung Jesu (Blindheilung) als Vorschattung in die bereits angekündigte Passion Jesu ein. Bitte beachtet hierzu auch die Parallelstellen bei Mt 20,29-34 und Mk 10,46-52. Jesus ist unterwegs zu mir, dies stellen wir in unserer Verkündigung heraus!
3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Wilhelm Wagner entfaltet folgenden Textaufbau für den Predigttext Lk 18,35-43:
a) Ganz beharrlich: Das Rufen (V. 35-39)
* wenn das Leben einsam macht (V. 35f)
* wenn die Sehnsucht der Seele erwacht (V. 37f)
* wenn niemand den Weg freimacht (V. 39)
b) Ganz großartig: Das Helfen (V. 40-42)
* Jesus sucht die persönliche Verbindung (V. 40)
* Jesus erfragt die innere Beziehung (V. 41)
* Jesus heilt in der Vertrauensbildung (V. 42: keine Massenheilung)
c) Ganz auffallend: Das Danken (V. 43)
* Lobpreis ist angesagt
* Schritte in die Nachfolge werden gewagt (vgl. hierzu V. 31-34)
* Nach Gottes Ehre wird gefragt
Konrad Eißler entfaltet unter dem Thema „Der verlorene Posten“ Lk 18,35-43 wie folgt: „Auf verlorenem Posten, das war dieser Blinde am Wege; aber das ist die gute Botschaft, dass keiner blind am Wege hocken bleiben muss. Das ist die gute Nachricht, dass keiner vergessen auf dem Wege lieben bleiben muss. Das ist die gute Post, dass keiner auf verlorenem Posten verloren sein muss. Inmitten aller Postwurfsendungen, die uns den Briefkasten verstopfen, inmitten aller Kartengrüße, die uns das Glück des einen und das Leid des anderen anzeigen, mitten darin ist heute die gute Post, dass keiner auf verlorenem Posten verloren sein muss. Also passen wir auf, was Lukas berichtet!
1. Der Blinde blieb auf Wachposten! Dort an der berühmten und berüchtigten Wegstrecke von Jericho nach Jerusalem hatte der Mann Posten bezogen. Auch wenn er nichts sehen konnte, konnte er doch alles hören. In jedem Augenblick war er ganz Ohr für den Lärm der Straße. Einmal war es das Knarren der Räder. ‚Das sind wieder die Kaufmannskarawanen, die mit ihrem Angebot das große Geld machen. Aber mir wäre auch mit großem Geld nicht geholfen‘. Ein anderes Mal war es das Getrappel der Pferde. ‚Das sind die Reiterkohorten, die Herodes der Große in Jericho stationiert hat. Aber mir wäre auch mit großer Macht nicht geholfen‘. Ein drittes Mal war es das Gemurmel der Leute. ‚Das sind die Pilgerzüge aus dem Land, die eine fromme Pflichtübung abhaken. Aber mir wäre auch mit Religion nicht geholfen‘. Der Blinde wartete nicht auf das große Geld, sondern mit dem Psalmisten auf den reichen Herrn, der die Blinden sehend macht, nicht auf die große Macht, sondern mit Jesaja auf den mächtigen Gott, der die Augen der Blinden aus der Dunkelheit reißt, nicht auf religiöse Figuren, sondern mit Jeremia auf den Sohn Davids, der Heilung und Heil verspricht. Auf wen warten wir noch, wenn wir Zuwendung benötigen? Auf wie viele Dinge setzen wir unser Vertrauen, wenn wir vom verlorenen Posten wegkommen wollen? Als ob uns etwas anderes in der Welt helfen könnte als allein dieser verheißene und gekommene Christus! Und wenn andre Heiler die Bühne betreten, so gilt: ‚Es ist in keinem andern Heil‘. Und wenn andere Namen in den Gazetten auftauchen, so bleibt es dabei: ‚Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben‘. Und wenn andere Christusse die Gemeinden verwirren, so steht es fest: ‚Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben als allein der Name Jesus Christus‘. Der Blinde sah messerscharf, was not tut. Weil Jesus über diese Erde geht und jeden noch so einsamen Weg kreuzt, an dem wir gerade traurig sitzen wie dieser Bettler, deshalb gilt es, hellwach zu sein für diesen Heiland.
2. Der Blinde ging auf Horchposten, denn eines Tages waren auffallend viele Schritte zu hören. Das Gerede der Menschen war anders als gewohnt. Ein ganz anderer Zug musste Richtung Jerusalem unterwegs sein. Wie ein Posten in der Nacht, der plötzlich aufschreit: ‚Halt! Wer da?‘, so forschte er, wer das wäre. ‚Jesus von Nazareth‘, war die nichtssagende Antwort. Der hat selber keinen roten Pfennig, meinten die Sehenden. Der muss selber gucken, wie er den Behörden aus den Augen kommt, Jesus von Nazareth hilft nichts, meinen die Sehenden immer. Der für meine Augen? Der für mein Herz? Der für meine Schmerzen, meine Verzweiflung? Was kann von Nazareth Gutes kommen? Jesus von Nazareth bringt’s nicht. Unser Blinder jedoch hat es anders gehört. Auf seinem Horchposten wurde ihm klar: Jesus ist der Sohn Davids. Wenn einer helfen kann, dann der. Jesus ist der Heiland der Welt. Wenn einer heilen kann, dann der. Jesus ist der erwartete Messias. Deshalb schreit er in seine Nacht hinaus: ‚Herr, erbarme dich‘ (oder griechisch übersetzt: Kyrie eleison)! Auch wenn er zunächst nur Widerstand und Unverständnis der Leute spürt, schreit er weiter: ‚Herr, erbarme dich!‘ Selbst wenn er nichts von diesem Herrn hört, bleibt er bei seinem Schrei in die Nacht: ‚Herr, erbarme dich!‘ Das ist die Bitte, die wir von diesem Bettler lernen müssen. Trotz der Nacht, die uns umgibt und jede Sicht auf einen gangbaren Weg genommen hat, beim Bitten bleiben: Herr, erbarme dich! Kyrie eleison! Trotz allem Unverständnis in der eigenen Familie, trotz des Schweigens, das von keiner väterlichen Stimme mehr durchbrochen wird, beim Bitten bleiben: Herr, erbarme dich! Wir gehen nicht verloren, wenn wir mit dem Bettler auf Horchposten gehen. Denn dort hat unser Blinder Jesus persönlich gehört. Er meldete sich zur Stelle, wie er es immer tut, wenn wir rufen. ‚Was willst du, dass ich für dich tun soll?‘ Und die Antwort kommt nicht wie aus der Pistole geschossen: ‚Herr, dass ich zehn Mark sehe‘. Der Blinde antwortete: Herr, dass ich dich sehe! Er will Jesus sehen. Er will den Heiland schauen. Er will die Herrlichkeit Gottes in den Blick bekommen. .Das ist die Rettung, wenn einem in allem Dunkel und in aller Finsternis das Licht Jesu erscheint. Auch unserem Horchposten ging das Licht auf: Er wurde sehend. Der Blinde hat im vollsten und tiefsten Sinn des Wortes das Licht der Welt erblickt. Er hat den erkannt, der da verkannt und verachtet seines Weges zog. Er hat Gott gelobt und gepriesen. Und das alles ist nicht im Perfekt oder Plusquamperfekt erzählt. Der Christus präsens ist genau so stark wie damals. ‚0, dass du könntest glauben, du würdest. Wunder seh’n…‘.
3. Der Mann lief vom Startposten! Ihn hielt nichts mehr an seinem alten Platz. Nur der weiße Stock und die schmutzige Binde blieben als stumme Zeugen auf der Straße zurück. Lukas berichtet: ‚Er wurde sehend und folgte ihm nach‘. Aber wohin? Geht es hinab nach Tiberias? Dort am Seeufer unter schattigen Bäumen bei kühler Brise lässt sich mit diesem lieben Herrn ein wunderbares Leben führen. Oder geht es hinunter nach Caesarea? Dort am Meeresstrand, mit Blick auf die graue Festung und mit Sicht auf das blaue Meer, lässt sich mit diesem treuen Herrn eine gesegnete Freizeit durchführen. Oder geht es hinüber nach Sychar? Dort am Jakobsbrunnen, am Fuß des Garizim und in der Nähe Samariens, lässt sich mit diesem reichen Herrn eine communio sanctorum, eine Gemeinschaft der Heiligen, gründen. Und Jesus sagt: ‚Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem‘. Der Weg nach Jerusalem ist beschwerlich; 25 km geht es durch felsiges Gelände. Er ist gefährlich; acht Stunden lang führt er über tiefe Schluchten hinweg. Er ist steil; 1200 Meter müssen überwunden werden. Er ist einsam; Banditen haben leichtes Spiel. Der Weg nach Jerusalem ist und bleibt ein Kreuzweg. Machen wir uns nichts vor, und lassen wir uns nichts vormachen! Es ist einfach nicht wahr, dass der Weg mit Jesus hoch über den Nebelfeldern von Gipfel zu Gipfel geht. Es ist einfach nicht richtig, dass dieser Herr nur eine Prachtstraße in den Himmel angelegt hätte. Es stimmt hinten und vorne nicht, dass nur Hallelujarufe auf dem Sonnenweg zur Ewigkeit zu hören seien. Richtig ist vielmehr, dass dort verspottet wird; misshandelt, angespuckt, gegeißelt und getötet; denn der Jünger ist nicht über den Meister, aber, liebe Freunde, es wird auch auferstanden, auch aus dem Tod zum Leben gekommen. Der Kreuzweg ist die einzige Zufahrt zum ewigen Leben. Einen anderen Weg gibt es nicht. Deshalb blieb unser Mann auch nicht sitzen und beguckte sich dankbar die Gegend. Das neu geschenkte Augenlicht war ihm zu wenig. Im Licht Jesu sah er den Weg nach Jerusalem, machte den Horchposten zum Startposten und sprach es diesem Herrn nach: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem. Wollen wir nicht mitgehen? Auf verlorenem Posten muss keiner verloren sein“ (entnommen aus „Die Kirche am Markt“ vom 20.08.1989)
4. PREDIGTGLIEDERUNGEN
Hoffnung für Hilflose – deshalb
a) mit Jesus reden
b) auf Jesus hören
c) mit Jesus leben
oder nach Wilhelm Wagner (25.01.1998):
a) Ganz beharrlich: Das Rufen (V. 35-39)
b) Ganz großartig: Das Helfen (V. 40-42)
c) Ganz auffallend: Das Danken (V. 43)
oder nach Konrad Eißler:
a) Der Blinde blieb auf Wachposten
b) Der Blinde ging auf Horchposten
c) Der Mann lief vom Startposten
oder nach Paul Gerhard Bender (25.01.1998):
a) Voll daneben
b) Ganz dabei
c) Zuwendung ganz persönlich