Römer

Predigthilfe vom 29. Januar 2023 – Römer 3,19-20

Jahresthema: WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes  

Predigtthema: Die Absicht seiner GEBOTE – ein Weg zur Rettung?

Gottesdienst Einleitung:  Gal. 3,6-13; Röm 7,7,-13  Vorschläge zur Textlesung

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!  

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema  

Einleitung zum Jahresthema „WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes“!  


Die 10 Gebote (2Mo 20,1-17 und 5Mo 5,6-21), auch Dekalog genannt, nehmen im Alten Testament eine einmalige Stellung ein und haben sowohl für das Judentum als auch für das Christentum eine zentrale Bedeutung.  

Die Bedeutung: Die „zehn Worte“, sind das einzige Gesetz, welches direkt von Gott dem Volk Gottes auf zwei Steintafeln gegeben wurde. Man könnte sie das Grundgesetz des menschlichen Lebens bezeichnen, das die Beziehung des Menschen zu Gott und zu seinem Mitmenschen regelt. Es ist die erste verschriftete Menschenrechtserklärung und ist ein Wegweiser zu einem gesunden menschlichen Miteinander in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. Die 10 Gebote haben die christliche Ethik, die Kirchen- und Kulturgeschichte Europas ganz entscheidend geprägt. 

Die ersten vier Gebote handeln vom Verhältnis des Menschen zu Gott! 

1. Gebot: Es gibt nur EINEN – du sollst keine anderen Götter neben mir haben 
2. Gebot: Es gibt nichts VERGLEICHBARES – du sollst dir kein Bildnis machen
3. Gebot: Es gibt nichts HÖHERES – du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen
4. Gebot: Es gibt nichts SCHÖNERES – du sollst den Shabbattag heiligen   

Die sechs anderen Gebote: Das Verhältnis des Menschen zum Menschen! 

 5. Gebot: Der Schutz der WÜRDE – du sollst Vater und Mutter ehren
 6. Gebot: Der Schutz des LEBNES – du sollst nicht töten
 7. Gebot: Der Schutz der EHE – du sollst nicht ehebrechen
 8. Gebot: Der Schutz des EIGENTUMS – du sollst nicht stehlen
 9. Gebot: Der Schutz vor TÄUSCHUNG – du sollst nicht lügen
10. Gebot: Der Schutz vor HABGIER – du sollst nicht begehren 

Gott, der Schöpfer ist die höchste Autorität und Gesetzgeber. Alle menschliche Obrigkeit hat sich ihr zu verantworten. Somit fordern die Gebote Ehrfurcht und Gehorsam gegenüber Gottes Ordnungen.  

Das Ziel – die 10 Gebote sind WEGweiser auf JESUS: Mit dem Jahresthema wollen wir Gottes alte und ewige Grundordnung neu verinnerlichen. Sie sind alt aber immer noch gültig. Sie kommen aus Gottes Mund und werden nie zurückgenommen. Sie sind nicht verbesserungsfähig, sondern sind vollkommen und weisen uns den WEG zum Leben – sie weisen uns direkt zu JESUS der sagte: Ich bin der WEG, die Wahrheit und das LEBEN“!  

Der Anlass – Vergessenheit der Gebote Gottes: Die hilflose Suche nach tragfähigen Grundwerten für eine gut funktionierende Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben von Menschen offenbaren die Gottvergessenheit unserer Zeit. Wer Gott verliert, verliert auch die Gebote. Die 10 Gebote sind ein zusammenhängendes Ganzes. Der Mensch kann die Ethik nicht ohne die Autorität Gottes besitzen oder ausleben.  

Eine Forsa Umfrage mit dem Titel: „Die 10 Gebote – Bekanntheit und Bedeutung in der heutigen Zeit“, bestätigt, dass nur noch 56 Prozent wissen, dass man unter den „10 Geboten“ Verhaltensregeln bzw. einen Wertekodex mit religiösem Bezug versteht. Fast die Hälfte kennt somit die Gebote Gottes nicht mehr.
https://presseportal.zdf.de/fileadmin/zdf_upload/Bilder/Teaser-Bilder/Dokumente/forsa-Umfrage_zu_ZDF_Die_10_An-Gebote.pdf

Die Chance – Gottes guten Willen erkennen: Die 10 Gebote sind eine Selbstoffenbarung Gottes. Sie lassen uns nicht nur Gottes Autorität erkennen, sondern auch sein heiliges und liebevolles Wesen. Gottes Gebote sind gut und heilig. Sie sind Gottes gesunde Lebensanweisung für den Menschen. Sie wollen dem Menschen nichts Schlechtes, sondern geben Wegweisung zum wahren Leben, wie es Paulus in Gal 3,24 schreibt: 

„So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin,  
damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“ 

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund 
Krimmer Heiko, Edition C Bibelkommentar NT, „Römerbrief“, Band 10, Hänssler Verlag.
Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Römer bis Thessalonicher“ Band II, CLV. 
Henry, Matthew., Apostelgeschichte bis Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag. 
MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

Der kurze Predigttext aus Röm 3,19-20 bezieht sich thematisch auf die Frage: Wozu hat Gott das Gesetz gegeben? Was war Gottes Absicht?  

Zuerst wird kurz der Textzusammenhang erklärt. Anschließend soll eine Erklärung anhand verschiedener Bibelstellen die Antwort auf unser Thema geben.  

  1. Der Textzusammenhang – das Urteil Gottes über den Menschen  

Im Römerbrief erklärt Paulus die Grundlehren des christlichen Glaubens. Zentrales Thema ist die Tatsache, dass der Mensch nur durch den Glauben vor Gott gerechtfertigt wird. Kein Werk und Tun des Gesetzes macht den Menschen vor Gott angenehm.  

Eine Einteilung hilft zum Verständnis des Bibeltextes:  

Röm 1 Gottes Urteil über die Sünden der Heiden  
Röm 2 Gottes Urteil über die Sünden der Juden  
Röm 3a Gottes Urteil über die Welt: keiner ist gerecht! 

Röm 3b Die Grundlage der Erlösung ist das Blut Jesu 
Röm 4  Die Aneignung der Erlösung ist der Glaube  
Röm 5 Die Auswirkung der Erlösung ist Heilsgewissheit 

Nachdem Paulus in Röm 1 über die Heiden, die kein Gesetz (Gottes Offenbarung der Bibel) haben, auf Grund ihres sündhaften Lebens ein vernichtendes Urteil fällt, glaubten jüdische Zuhörer, dass sie auf Grund ihrer Erwählung als auserwähltes Volk und ihrer frommen Gesetzeswerke besser wären als die Heiden.  

Doch in Röm 2 spricht er ebenso ein klares Urteil über die jüdischen Menschen. Sie hatten die Heiden für das verurteilt, was sie selbst unter vorgehaltener Hand taten (vgl. Röm 2,1ff).  

Der jüdische Mensch hat in Bezug auf seine Erwählung keinen Vorzug. Weder ist er weniger sündig, noch weniger erlösungsbedürftig. Im Gegenteil, weil er durch Gottes Gebote mehr Erkenntnis hat, wird er umso mehr von seinen sündhaften Taten überführt (Röm 2,17-25). Weder seine Religiosität (Werke) oder seine Beschneidung machen ihn besser. Einzig und allein die Beschneidung am Herzen (ein Bild auf die Wiedergeburt im Geist Gottes) macht den Menschen vor Gott gerecht (Röm 2,29, vgl. Kol 2,11; Phil 3,3; Jer 4,4). 

Röm 3 zeigt, dass die Erkenntnis des Volkes Israel über den lebendigen Gott ein Vorrecht ist, weil ihnen viel anvertraut wurde. Gott hat sich speziell diesem Menschenvolk offenbart, ihnen sein Gesetz gegeben und steht mit ihnen in einem Bund. Gott benutzte Israel als Werkzeug seiner Selbst-Offenbarung in dieser Welt (vgl. Röm 9,4ff). 

Damit sind sie aber nicht automatisch vor Gott gerechtfertigt, sondern stehen unter demselben Urteil Gottes wie alle Menschen auch – es ist keiner gerecht (Röm. 2,10-18). Gott kennt kein Ansehen der Person (Röm 2,11). Darum stehen auch alle Menschen unter demselben Befund der Sünde (Röm 3,23) und unter demselben Strafmaß des Todes (Röm 5,23). 

  1. Röm 2,19-20   Das Evangelium der Gnade 

V. 19 Ist die Zusammenfassung von Röm 1+2. Kein Mensch, auch nicht die unter dem Gesetz (Juden) sind gerechtfertigt. Alle stehen sie unter dem Gerichtsurteil Gottes. 
V. 20a Fazit ist: Der Mensch wird nicht durch Gesetzeswerk gerecht, sei er noch so fromm (Röm 2,28; 1,17; Gal 2,16). 

Ab Vers 21 erklärt Paulus nun, wie Rechtfertigung vor Gott zustande kommt.  
V. 21 Sie liegt außerhalb des Gesetzes. 
V. 22 Sie liegt in der Gerechtigkeit Gottes selbst – in Jesus Christus und für jeden zugänglich, der an ihn glaubt. 
V. 23 Sie macht keinen Unterschied zwischen Heiden und Juden. 
V. 24 Sie wird geschenkt (Gnade) ohne Verdienst. 
V. 25 Sie wird gewirkt durch das Blut Jesu (stellvertretendes Opfer). 
V. 26 Sie offenbart Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit und rettet jeden, der glaubt.  

Was ist nun die Absicht Gottes mit seinen Geboten – ein Weg zur Rettung?  

a) Der Mensch steht unter Gottes Gesetz, ob er will oder nicht  

Die Bibel unterscheidet verschiedene Gesetze in die der Mensch „hineingesetzt“ ist.  

  • Das Elementargesetz (Naturgesetz). Jeder Mensch steht unter diesem Gesetz. Er kann sich diesem nicht entziehen. Wir sind den Elementen unterworfen, die Gott gegeben hat.  
  • Das moralische Gesetz (Intuition, Gewissen). Auch das hat jeder Mensch und wurde von Gott in das Menschenherz hineingelegt (Röm 2, 15, Micha 6, 8). Er kann damit Gutes vom Schlechten unterscheiden. Er hat ein Empfinden für Gerechtigkeit mit dem er das Verhalten von sich und anderen beurteilt und verurteilt. 
  • Das ausdrückliche Gesetz (Dekalog, Bibel). Die 10 Gebote oder auch die gesamten Schriften hat Gott durch sein auserwähltes Volk der Menschheit gegeben. Allerdings war es zuerst dem Volk Israel gegeben. Sie sollten sich damit von den Heidenvölkern unterscheiden und als Gottes Volk vorbildlich ein Zeugnis für Gott sein.  

b) Das Gesetz offenbart die Heiligkeit Gottes – schafft Ehrfurcht Röm 7,12 

Als Gott dem Volk Israel durch Mose die 10 Gebote gab, fährt Gott als der Heilige (2Mo 19,18) im Feuer herab. Kein Mensch (Sünder) durfte sich dem heiligen Gott nähern. Als Zeichen und Schutz sollte das Volk einen Zaun um den Berg machen, der warnt: bleib weg!  

Das ganze ausdrückliche Gesetz (10 Gebote, Sittengesetze und Zeremonialgesetze) verdeutlicht Gottes heiliges Wesen. Gleichzeitig zeigen alle Sozialgesetze Gottes Fürsorge und Schutz des Menschen. Das Gesetz drückt Gottes guten Willen aus – nicht nur über ein Volksleben, sondern über das Leben des einzelnen („Du sollst”). Es gilt jeder Gemeinschaft von Menschen, die nach Gottes Willen leben wollen und ist somit von bleibender Bedeutung. 

Dass eine vollkommene Einhaltung des Gesetz Gottes nicht möglich ist, zeigt nicht nur die Geschichte des Volkes Israel und der Gemeinde auf, sondern bestätigt die Schrift (Gal 2,10-11). Nur Jesus Christus hat das Gesetz Gottes vollkommen gehalten. Darum ist Jesus der GERECHTE, der der Norm des Gesetzes völlig entspricht. 

c) Das Gesetz wirkt Erkenntnis der Sünde – schafft Sündenerkenntnis Röm 3,20 

Das Gesetz wird zum Spiegel für jeden, der sich darin anschaut (Jak. 1, 23-24). Es bewirkt Erkenntnis der Sünder. Ohne das Gesetz wüssten wir nicht was Sünde ist (Röm 7,7).  

Der Mensch ist tot in Sünden, er ist blind, sein Gewissen ist durch die Sünde verblendet und taub geworden. Daher lebt der Mensch „an Gottes Willen vorbei“. Das nennt die Bibel Sünde (hamartia = nicht treffen, Ziel verfehlen, vorbeischießen). 

d) Das Gesetz rechnet die Sünde zu – macht schuldfähig Röm 4,15; 5,13 

Das Gesetz überführt den Menschen seiner Sünde und macht ihn gegenüber dem Gesetzgeber schuldig. Je mehr wir Gottes Gebote kennen und doch nicht tun, umso schwerer wird die Schuld der Übertretung des Gesetzes: Luk. 12, 47-48 

Röm 5,13 hört sich komisch an – als hätte es vor dem Gesetz keine Sünde gegeben. Doch die Sünde herrschte schon von Adam an. Damit zeigt Paulus zweierlei: 

1. Die Sünde war bereits vor dem ausdrücklichen Gesetz da.  
2. Der Mensch stand schon immer unter dem moralischen Gesetz Gottes.  

e) Das Gesetz macht die Sünde aktiv – wirkt Sündenaktivierung Röm 7,7-9 

Viele gehen von einem guten Menschenbild aus und glauben, dass sie keine Sünde hätten. Aber gerade das Gesetz offenbart die verborgene und unerkannte Sünde im Menschen, die in jedem schlummert, bis sie vom Gesetz „gereizt“ wird. Sünde wird durch das Gesetz lebendig (Röm. 7,9) und äußert sich in der Begierde (Röm 7,7) und Tat (Röm 7,5). 

Das Gesetz offenbart die völlige Sündhaftigkeit und Verderbtheit des Menschen – und offenbart die Sünde als „überaus sündig“ (Röm 7,13) und “überaus mächtig” (Röm. 5, 20) gegenüber dem Menschen. Diese Erkenntnis ist Vorrausetzung, dass der Mensch erkennt, dass er Gott nichts Gutes vorweisen kann, sondern von Gottes Gnade abhängig ist. 

f) Das Gesetz verurteilt den Sünder – völlige Verlorenheit Röm 4,15 

Das Gesetz verurteilt den Sünder (Röm 2,12), bewirkt Gottes Zorn und den Tod des Sünders (Röm 7,10). Das Gesetz wirkt, wie ein Fluch Gottes (Gal. 3, 10), obwohl es gut, heilig und lebensspenden ist. Wieso? Weil das Gesetz den Menschen in eine völlige Verzweiflung seiner selbst bringen möchte.  

Erst wenn der Mensch vor Ohnmacht und Unfähigkeit überführt ist, schreit er in seiner Not um Hilfe und Gnade. Somit wird das Gesetz zum Wegweiser zum Leben.  

g) Das Gesetz führt zur Gnade – wirkt als Wegweiser zu JESUS  

Gottes Anliegen mit dem Gesetz ist, dass die Sünde zu JESUS, seinem Erlöser gezogen wird. In diesem Sinn ist das Gesetz: „der Zuchtmeister (Pädagoge) auf Christum“ (Gal. 3, 24). Die Buße und Reue des Menschen wegen seiner Sündennot (Paulus nennt es eine göttliche Traurigkeit 2. Kor. 7, 10) macht den Menschen bereit im Glauben Jesu Gnade anzunehmen. 

h) Das Gesetz weist zum Kreuz – wirkt Versöhnung und Genugtuung  

Das Kreuz Jesu ist die Bezahlung aller Schuld. Die Genugtuung des Gesetzes und was Gesetz einfordert, ist der Tod des Sünders. Darum ist Jesus das Lamm Gottes, das Sühneopfer für die Sünden der ganzen Welt (Joh 1,29). In Jesus wird das ganze Gesetz Gottes vollkommen erfüllt. Er ist der „Sohn des Wohlgefallens“, der Gottes Willen nie „verfehlt“ hat (Joh 4, 34, 8, 46). Alle Forderungen des Gesetzes sind in Ihm zur Ruhe gekommen. Daher ist Christus auch des Gesetzes Ende (Röm. 10,4). 

Eine wichtige Reihenfolge bei der Gesetzgebung am Sinai: Bevor Gott am Sinai Mose die steinerne Tafel des Gesetzes überreichte, gab Gott Mose die Anordnung zum Bau der Stiftshütte. Darin wird der Weg der Gnade beschrieben – das Opfer in der Stiftshütte als Geschenk zur Rechtfertigung. Die 10 Gebote sind der Weg des Gesetzes. Dieser kann vom Menschen nicht erfüllt werden – darum gab Gott aus Gnade die Stiftshütte (2Mo 31,18). 

Wenn wir das Ziel und den Zweck des Gesetzes missverstehen, werden wir den Weg der Gnade nicht erkennen und uns an den Geboten und Anforderungen Gottes ärgern.  

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

Heilsgeschichtlich muss eingeordnet werden, wozu Gott das Gesetz im Alten Testament dem jüdischen Volk gegeben hat: es ist Gottes Anordnung und Verhaltenscodex für den Menschen. Doch das Gesetz ist an keiner Stelle dem Menschen, auch nicht dem jüdischen Menschen gegeben worden, um damit vor Gott gerecht zu werden.  

Die Universalität von Gottes Urteil und Heilsweg gilt allen Menschen

  • jeder Mensch ist ein Sünder (Heide und Jude)
  • jeder Mensch ist verloren  
  • jeder Mensch braucht Jesus  

Es gibt keinen alternativen Heilsweg zur Rettung – z.B. einen Weg des Gesetzes zum Heil.  
Es gibt nur den einen Heilsweg zur Rettung – allein durch den Glauben.  

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Als Einführung zum Jahresthema nimmt diese Predigt eine wichtige und zentrale Rolle ein. Wenn wir die 10 Gebote betrachten, geht es nicht um einen Moralismus, sondern darum, dass wir  

1) die Grundbedeutungen und das Ziel des Gesetzes verstehen 

2) die Motivation und Inhalte des Gesetzes erkennen 

3) das Wesen und die Einheit zum Gesetz leben möchten 

Als Einstieg kann beispielhaft die immer größer werdende Vergesslichkeit der 10 Gebote angeführt werden und dass damit auch ein moralischer Verfall erkennbar ist. Weiter kann auch hinterfragt werden, woher es kommt, dass der Mensch eine natürliche Neigung hat, sich von Gesetzen, Obrigkeiten und Autoritäten loszusagen.  

Auch die Auswirkung von Geboten auf die innere Haltung von Menschen zeigt und offenbart eine innere sündhafte Haltung der Rebellion. Dann ist es nicht mehr komisch, warum Kinder gerade oft das tun wollen, was man ihnen verbietet.  

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Eine Gesellschaft braucht Regeln, damit sie funktioniert. Darum gibt es Gesetze die Ordnung und Frieden schaffen und erhalten. Kaum vorzustellen, wenn Gesetzlosigkeit in einem Volk überhandnimmt. 

Wie gut, dass Gott Grundgesetze für menschliches Zusammenleben geschenkt hat.  

Selbstprüfend kann man sich fragen:  

  • Wie sehr respektiere und achte ich Gottes Gesetze. Welchen Stellenwert nehmen sie in meinem Alltagsleben ein?  
  • Wo neige ich dazu Gottes Gesetz als etwas zu sehen, das mich vor Gott gut oder besser dastehen lässt.  
  • Woran kann ich Gottes gutes und heiliges Wesen in seinen Geboten erkennen? 
  • Lass ich es zu, dass Gottes Gesetze mir ein Spiegelbild aufzeigen und mich von Sünde überführen? 
  • Wann erlebe ich, dass Gottes Gesetze in mir wirksam werden? Z.B. durch das Gewissen, eine erdrückende Schuld, das Hinführen zur Buße, ein dankbares Aufblicken auf das Kreuz.   

3. Sagen, wo es hingeht 

  1.  Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Es geht um ein dreifaches Anliegen.  

  1. Es soll die theologische Grundlage für das Jahresthema bilden. Die Predigtreihe über die 10 Gebote soll nicht den Eindruck vermitteln, als würde das Halten der Gebote den Menschen vor Gott gerecht machen können.  
  1. Das Gesetz Gottes ist der Spiegel zur Selbsterkenntnis, der uns aufzeigt, dass wir Sünder sind, unter dem Fluch und Gericht des Gesetzes stehen und unbedingt eine Erlösung benötigen, die außerhalb unseres Tuns und Wesens liegt.  
  1. Der Zuhörer soll lernen oder erinnert werden, dass Gottes Gesetze gut sind. Er soll reflektieren, wie er selbst auf Gesetze, Regeln und deren Autorität dahinter reagiert und was es in ihm dabei persönlich auslöst. 
  1.  Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Das Gesetz Gottes ist ein Wegweiser zum Leben – aber nicht, weil ich dadurch lebe, dass ich es schaffe zu tun, sondern weil JESUS für mich alles vollbracht hat.  

Weil wir als wiedergeborene Christen Gottes Kinder sind und wir seinen Geist im Herzen haben, steht das Gesetz Gottes nicht mehr als Forderung vor uns (du sollst), sondern als inneres Herzensanliegen und freiwilliger Wunsch, Gottes Geboten folgen zu wollen (ich will)! 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

Wozu das Gesetz:  

  1. Ein Lichtstrahl, der uns zeigt, wie Gott ist
  2. Ein Spiegelbild, das uns zeigt, wie wir wirklich sind  
  3. Ein Wegweiser, der uns zeigt, wo wir Rettung finden
  1. Die ganze Welt ist vor Gott schuldig 
  2. Die ganze Welt steht unter dem Gericht  
  3. Die ganze Welt braucht Gottes Gnade 
  1. Die Macht der Sünde kennen 
  2. Die Strafe der Sünde erkennen 
  3. Das Wesen der Sünde bekennen  

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

Zitate 

„Auch wenn du der größte, älteste und verstockteste Sünder bist, auch wenn du wieder und wieder gegen das Licht und die Erkenntnis gesündigt hast, wenn du jetzt auf Jesus Christus vertraust, wird Dir um Seinetwillen vergeben werden, denn im Blut des Herrn Jesus ist Kraft genug, auch die größten Sünden zu tilgen.“  (Georg Müller) 

Gesetz bedeutet, dass wir etwas für Gott tun. Gnade bedeutet, dass Gott etwas für uns tut. 
(Corrie ten Boom) 

Wer nicht durch die Gnade selig werden will, geht nach dem Gesetz verloren. 
(Hermann Heinrich Grafe) 

Auf der ganzen Welt gibt es etwa 40 Millionen Gesetze und das nur, um den 10 Geboten Geltung zu verschaffen. (Arno Backhaus) 

(Klaus Eberwein)