Jahresthema: „Wie Menschen neu werden“ (Bekehrungsgeschichten aus der Apostelgeschichte)
Predigtthema: „Umkehr mit Konsequenzen“ (Menschen in Ephesus)
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Wichtiger Hinweis: dies ist die letzte Predigt unserer Jahresthema-Reihe „Wie Menschen neu werden – Bekehrungsgeschichten aus der Apostelgeschichte“. Es ist sicher gut, wenn man die Predigt in diesen Jahres-Kontext setzt. Kurz nochmal aufgreifen, worum es in dieser Reihe ging, evtl. ein Beispiel nochmal aufnehmen.
Wir befinden uns in der Apostelgeschichte. Es ist der einzige historische Bericht über die Entstehungszeit der Gemeinde Jesu. Lukas, der Arzt (Kol 4,14), schrieb sein Evangelium als auch die Apostelgeschichte (beides an Theophilus gerichtet), und hat somit den größten Teil des Neuen Testaments verfasst (27%). Die Apostelgeschichte beginnt mit der Himmelfahrt Jesu und endet mit der Gefangenschaft des Apostels Paulus in Rom. Paulus kam um das Jahr 61.n.Chr. nach Rom und blieb dort zwei Jahre (Apg 28,30). Deshalb endet die Apostelgeschichte etwa im Jahr 63 n.Chr. Somit umfasst sie die ersten dreißig Jahre der Kirchengeschichte.
Apg 1,8 ist sicher der Schlüsselvers der Apostelgeschichte. Er zeigt den großen Missionsauftrag, der sich erfüllen wird. Christen sollen Zeugen fürs Evangelium sein und die Botschaft verbreiten. Die Verbreitung dieser Jesus-Botschaft von Jesus-Menschen ist das Thema der Apostelgeschichte.
Die Apostelgeschichte zeigt auf, wie das Evangelium seine Kreise zieht und in die Welt getragen wird. Kapitel 2-8 berichten vom Zeugnis in Jerusalem, 8-12 vom Zeugnis in Judäa und Samaria und 13-28 bis ans Ende der Welt. Unser Textabschnitt befindet sich in diesem dritten, hinteren Teil.
Paulus befindet sich in unserem Abschnitt auf der dritten Missionsreise (Apg 18,23-21,16). Als er die Gebiete Galatien und Phrygien durchzogen hatte, kam er nach Ephesus (dort war er bereits und er versprach, wenn Gott es so wollte, nochmal zurückzukehren (Apg 18,21)). Dort war er nun etwa drei Jahre lang, länger als an jedem anderen Ort während dieser dritten Reise, aber sein Dienst hatte auch eine starke Wirkung (19,20). Von dort aus verbreitet sich das Evangelium durch ganz Kleinasien. Er lehrte in Ephesus kontinuierlich und systematisch, das trug Früchte. Dann kehrte er nach Mazedonien und Griechenland zurück, damit er sich um die Gesundheit der dortigen Gemeinden kümmern konnte. In Jerusalem später endete seine Reise wieder.
In unserem Abschnitt befindet sich Paulus in Ephesus. Es war die Hauptstadt der römischen Provinz Asien (westliche Teil der heutigen Türkei). Es war das Handelszentrum der Region und für den großen Tempel von Diana bekannt, der beim jährlichen Fest zu Ehren der Göttin viele Menschen anzog. Der Tempel stand auf 100 Säulen und wurde als eines der sieben Weltwunder angesehen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Videos zur Apg, YouTube: BibelProjekt – Buchvideos zur Apostelgeschichte.
- De Boor, Werner. Wuppertaler Studienbibel: Die Apostelgeschichte. R.Brockhaus
- Gooding, David. Die Apostelgeschichte. CLV (kostenlos Online PDF)
- Henry, Matthew. Der Neue Matthew Henry Kommentar. 3L Verlag
- MacDonald, William. Kommentar zum Neuen Testament. CLV (kostenlos Online PDF)
- Neudorfer, Heinz-Werner. Edition C: Bibelkommentar zur Apostelgeschichte. SCM
- Gute Anmerkungen zum Predigttext bietet u.a. die MacArthur Studienbibel und die neue Elberfelder-Studienbibel (CV Dillenburg).
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.8: Paulus predigte in der Synagoge vor Ortvom Reich Gottes. Über das Königreich Gottes zu reden, ist das gleiche, wie darzulegen, dass Jesus der Christus ist, weil Jesus das Königreich eingeleitet hat (Apg 28,31). Er „sprach freimütig“, mit innerer Freiheit und mit Freude. Man darf nicht vergessen, dass Synagogen für Paulus nicht die schönsten Erinnerungen hochriefen. Er hatte schon so viele üble Erfahrungen dort machen müssen, so viel Hass, der ihm an solchen Orten schon entgegengeschleudert wurde. Doch Gott nimmt ihm alle Furcht und lässt ihn befreit aufatmend verkündigen (Eph 6,19).
V.9: Aber wie bereits in Korinth lehnten auch die Menschen in Ephesus die frohe Botschaft ab. Als direkte Reaktion auf diesen Widerstand trennte Paulus sich von ihnen (gemeinsam mit den neugewonnen Jesus-Jüngern) und begann, in der „Schule des Tyrannus“ zu verkündigen. Paulus vermied es, aufgrund der harten Herzen vieler Zuhörer in unfruchtbares Streiten zu geraten oder sich übermäßig zu verteidigen. Auch schützte er mit dem Rückzug die Herzen derer, die gerade zum Glauben gekommen waren. Er war ein fürsorglicher Hirte, der seine junge Herde im Blick und ihre geistliche Gesundheit am Herzen hatte (ein Vorbild für Eltern und Gemeindeleiter).
Über Tyrannus wird nicht noch mehr berichtet. Jemand hat vermutet, dass er eine Art Philosoph oder ein Pädagoge war, der während der kühlen Morgenstunden lehrte, jedoch seinen Schulraum während der Hitze des Tages an Paulus vermietete.
V.10: Paulus darf über einen längeren Zeitraum, zwei Jahre lang, den Menschen mit dem Evangelium dienen (im Vergleich zu anderen Diensten und wie lange er an Orten verkündigen durfte, war dies sehr lang). Sowohl Juden als auch Heiden wurden mit der Verkündigung erreicht. Was gab Paulus weiter? Es war „das Wort des Herrn“. Alle Verkündigung des Paulus hatte einen Inhalt, ein Ziel, einen Fixpunkt, es war und blieb immer das Wort vom Evangelium.
V.11-12: „Tücher … oder Schürzen“, damit sind Schweißtücher oder Arbeitsschürzen gemeint, die Paulus bei der Herstellung von Zelten oder Markisen getragen hatte (Apg 18,3). Wie schon die Berührung des Glaubens am Saum von Jesu Gewand eine Frau heilte (Lk 8,44.48) und der Schatten des Petrus förderlich bei der Heilung anderer war (Apg 5,15f.), so bestätigt Gott jetzt in einer heidnischen Stadt die Wahrheit seines Evangeliums und die Vollmacht seiner Boten durch „ganz außergewöhnlich Dinge“ (Apg 19,11).
V.13-14: Dritte scheiterten bei dem Versuch, sich die Vollmacht des Apostels für eigene Zwecke anzueignen (wie beim Zauberer Simon in Apg 8).
V.15-16: „aber wer seid ihr?“ Der böse Geist erkennt, dass die Söhne des Hohen Priesters Skevas einen Mangel an Glauben an Jesus und deshalb keine Vollmacht besaßen, seinen Namen anzurufen. Die errettende Kraft des Namens Jesu wird nicht einfach im Aussprechen des Namens übertragen, sondern durch das Vertrauen in die Person, welche diesen Namen trägt (Apg 3,16).
Diese Szenerie endet verstörend, indem der Besessene die falschen Zauberer mit Gewalt überwältigte, sodass sie „nackt und verwundet aus jenem Haus entflohen“.
V.17: Klar, so ein Ereignis verbreitet sich schnell unter den Stadtbewohnern. Ihnen wurde die Kraft von Jesus deutlich, aber in einer gesunden Furcht erkannten sie auch, dass man diese Kraft nicht einfach aus eigennützigen Zwecken missbrauchen kann.
V.18: Der Machtkampf zwischen der Kraft Gottes und den dunklen Kräften entbrannte, und wir sehen wiederholt: wo Licht ist, muss Finsternis weichen. Viele von denen, die zum Glauben an Jesus gekommen waren, aber ihre dunkle Vergangenheit noch nicht bereinigt hatten, traten in dieses überführende, aber heilende Licht Gottes. Hier geschehen echte Bekehrungen, weil das Evangelium die Kraft Gottes ist, die rettet, sowohl Juden als auch Heiden (Röm 1,16f.).
V.19: „ihre Zauberbücher“ – damit sind die Schriftrollen mit den Namen und Zaubersprüchen gemeint, die sie für ihren magischen Ritualen benutzt haben. Ephesus war nun mal ein Machtzentrum magischer Aktivitäten. Die Macht des Evangeliums ist stark genug auch solche zu erretten, die sich tief in den Okkultismus verstrickt haben, doch es gehört dazu, sich ganz von diesem alten Leben zu trennen und abzuwenden (was im Kern immer die Buße ist = die Abwendung vom alten Leben und die Hinwendung zum neuen Leben in Jesus).
„50 000 Silberdrachmen“ – eine Silberdrachme war eine Silbermünze, was etwa einem Tageslohn entsprach. Dieser radikale Schritt, die wertvollen Zauberbücher zu verbrennen, mit denen sie noch viel Geld hätten machen können, war ein deutliche Zeichen dafür, dass ihre Bekehrung echt war.
V.20: Dieses Zeugnis führte zu noch mehr Bekehrungen, und „das Wort des Herrn … erwies sich kräftig.“ Der Bruch mit dem alten Leben und die Kraft des Evangeliums zu retten, wurde zu einem mächtigen Zeugnis. Wie eine Pflanze stetig am Wachsen ist und ein Hausbau Stein für Stein vorankommt, so entfaltet sich die Kraft des Wortes Gottes in Ephesus und die Gemeinde wächst.
2. Sagen, wo es hingeht
2.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Mit Blick auf unseren thematischen Kontext (Jahresthema: „Wie Menschen neu werden“) sollten v.a. die Verse 17-20 einen besonderen Fokus bekommen.
Im Kern soll es um die Auswirkungen des Evangeliums gehen, wenn Gott Menschen in seiner Gnade zu sich zieht und sich Leben komplett verändern. Dabei beobachten wir im Text v.a. wie Paulus hingebungsvoll und mit Leidenschaft um die Menschen in Ephesus ringt, ihnen die Botschaft des Evangeliums verkündigt und treu am Wort Gottes bleibt. Wir erkennen seine fürsorgliche Liebe zu den neugewonnenen Geschwistern und wie Gott auch Herzenstüren öffnet, wie z.B. bei Tyrannus, der daraufhin wortwörtlich seine Tür öffnet für den Dienst des Apostels.
Die Dunkelheit dieser Welt, repräsentiert durch dunkle Mächte Ephesus, sticht hier hervor, doch noch mehr das strahlende und stärkere Licht von Jesus. Dabei geht es bei ihm nicht um eine Zauberformel, die man ausspricht, sondern dem menschgewordenen Sohn Gottes, dem man Glauben schenkt und vertraut. Wir sehen die verändernde Kraft dieses Gottes, wenn Neubekehrte sich vom alten Leben mit allen schlechten Gewohnheiten trennen. Hier sehen wir den radikalen Schritt der Verbrennung dunkler Bücher, die bisher ihr Leben regiert haben.
Nachfolge Jesu bleibt eine 180° Wendung. Alte Götzen verlieren ihre Schönheit, wenn die Herrlichkeit Jesu ins Leben eines Menschen strahlt. Menschen werden neu und das hat direkte Konsequenzen in ihrem Leben. Manchmal bedeutet es auch, als Christen sich nicht nur von Dingen zu trennen, die offensichtlich ein sündhaftes Verhalten in uns wecken, sondern sich immer wieder auch die Frage zu stellen: was hindert mich daran den Lauf mit Jesus zu laufen? Selbst schöne Dinge, die in sich keine Gefahr darstellen, können zur Gefahr werden durch die Art und Weise, wie wir sie genießen. Hebräer 12,1-2: „Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens,“.
2.2 Drei Fragen zur Orientierung – das Evangelium für unsere Herzen
Wir wollen Predigten halten, die ins Herz gehen. Dabei können drei Fragen helfen:
a. Wie hilft der Text den Zuhörern, Jesus anzubeten?
Wo strahlt die Schönheit des Evangeliums aus dem Text hervor? Worüber können die Zuhörer vielleicht wieder oder ganz neu über Jesus staunen?
b. Wie hilft der Text denen, die leiden?
Wir leben in einer gefallenen Welt. Gehe immer davon aus, dass einige deiner Zuhörer im Moment mit Leid zu kämpfen haben. Wir wissen nicht, was die Menschen vor uns in den Tagen, Stunden, Minuten vor dem Gottesdienst durchgemacht haben. Auch die, die breit Lächeln, können mit Tränen zu kämpfen haben. Wie ermutigt sie dieser Text?
c. Wie hilft der Text denen, die mit Selbstgerechtigkeit und Schuld zu kämpfen haben?
In einer gefallenen Welt leiden Menschen nicht nur, sie haben auch gefallene Herzen. Wir tun vieles, um uns selbst gut dastehen zu lassen, haben mit Selbstgerechtigkeit und mit verborgener Schuld zu kämpfen. Wie hilft dieser Text unseren Zuhörern, mit ihrer Schuld zu Jesus zu kommen und den Gottesdienst wieder ermutigt zu verlassen? Sodass sie Jesus vertrauen und ihm mit Freude dienen.
Das Evangelium verrichtet immer die tiefste Arbeit in unseren Herzen. Dazu John Owen: „Heiligkeit ist nichts anderes als das Einpflanzen, Festschreiben und Verwirklichen des Evangeliums in unseren Seelen.“
Wir wollen Predigten halten, die das Evangelium von Jesus zum Strahlen bringen und in die Herzen der Zuhörenden fällt. Dazu David King: „In einer evangeliumszentrierten Predigt ist das Evangelium wie die Sonne, die jeden Aspekt der Predigt in seine Umlaufbahn zieht und ihn mit Licht und Wärme erstrahlen lässt.“
Deshalb wollen wir den Gottesdienstbesuchern v.a. den vor Augen malen, um den es beim Evangelium zentral geht: Jesus Christus. Dazu Michael Reeves: „Lass die Menschen die reine Schönheit Christi sehen. Zeig ihnen, dass er besser und herrlicher ist als alle Götzen, mit denen sie es zu tun haben. Öffne ihre Augen und gewinne so ihre Herzen für das Evangelium.“
2.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Treue // Treue zur Botschaft … (V.8-10)
- Glauben // und wahrer Jesus-Glauben, … (V.11-18)
- Zeugnis // werden zum Zeugnis in der Welt! (V.19-20)
2.4 Predigtveranschaulichung
Paulus passte den Kern seiner Botschaft nicht an seine Zuhörer an, er verkündigte treu das Evangelium. Wir stehen immer in der Gefahr uns auf das zu konzentrieren, was sich verändert und wo wir mitgehen müssen, statt auf das, was gleichbleibt und worauf man sich verlassen kann. Amazon Gründer Jeff Bezos wird oft danach gefragt, wie er “vorhersieht” was sich in den nächsten 10 Jahren weltweit verändern wird. Spannend, wie er mal geantwortet hat (Interview im Harvard Business Review): “Ich werde fast nie gefragt, was sich in den nächsten zehn Jahren nicht verändern wird. Diese Frage ist die viel wichtigere – weil du eine Business-Strategie um die Dinge herum aufbaust, auf die du dich verlassen kannst, die durch die Zeiten hindurch gleichbleiben.” Diese Art zu denken hat Amazon erfolgreich gemacht. Statt andauernd nach neuen Hacks zu schauen, hat sich Amazon auf das fokussiert, was sich Konsumenten immer schon wünschten: niedrige Preise und schnelle Lieferungen (was viele von uns in der jetzigen Weihnachtszeit sicher genossen haben). Wenn du dich auf das fokussierst, was wirklich wichtig ist und was die Zeiten überdauert und Menschen damals wie heute am meisten brauchen, dann schafft das die Kraft, die du brauchst, um wirklich einen Unterschied zu machen für die “Evangeliums-Strategie”. Die Gemeinde Gottes hält seit Tag eins am selben Buch fest, verkündigt denselben Christus und lebt denselben Glauben wie die ersten Geschwister. Paulus wusste, wie wichtig es ist, seine Verkündigung um das herum aufzubauen, was gleichbleibt, und dass diese feste Botschaft sich zwar nicht verändert, aber dafür Menschenherzen verändert. Gott gebraucht das, auch heute noch, zu seiner Ehre!
(Simon Hamalega)