2.Samuel

Predigthilfe vom 28. August 2011 – 2. Samuel 7, 1-16

Monatsthema: Gottes Führung vertrauen

Predigtthema: Verheißen, aber nicht verdient

Bibelstelle: 2. Samuel 7,1-16

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Lange musste David darauf warten. Nun ist er endlich König und die Bundeslade steht wieder in Jerusalem. So bleibt die Frage: Wie geht es nun weiter? Was ist dran? In der Verkündigung wollen wir aufzeigen, dass eines bleibt, was sich im Rahmen unserer Predigten schon als verbindende Linie durch diesen Monat gezogen hat: „Gottes Führung vertrauen“ (= Monatsthema). David entdeckt, dass das was er nun ist, nicht sein Verdienst ist, sondern gnädiger Ausdruck des Willens Gottes ist. Deshalb ergibt sich als Predigtthema: „Verheißen, aber nicht verdient“ (2Sam 7,1-16). Die Aufgabe die David nun innehat, entspricht dem Willen Gottes, aber auch die Art und Weise, wie er seine Berufung lebt, hat deshalb dem Willen Gottes zu entsprechen. Die Lebensrealität ist aber, dass der göttlichen Ratschluss und die menschlichen Ansichten kollidieren können. Im Rahmen der Verkündigung wollen wir aufzeigen, wie wir wieder in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes kommen, wenn wir eigene Sichtweisen entwickeln. Hier können wir am Beispiel Davids lernen, der Führung und dem Willen Gottes zu vertrauen und seinem Wort zu vertrauen. Wir folgen seinem Wort nicht nur, wenn Gott uns etwas verheißt, sondern auch wenn er etwas gebietet!

Bei aller praktischen Anwendung für unseren Alltag, gilt es aber auch im Blick zu behalten, dass wir mit 2Sam 7,1-16 das messianische Verheißungswort zu predigen haben, das über David zu Jesu führt (vgl. hierzu auch Hebr 11,32 mit Hebr 12,1-3 und Mt 1,1a). Von daher ist es hilfreich, wenn das gesamte Kapitel 7 im Blick ist!

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

* Klaus vom Orde. Das zweite Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 99-110).

* Warren W. Wiersbe. Sei bereit neu anzufangen: Gott vertrauen und den Durchbruch erleben. Studien des AT: 2. Samuel 1-24, 1.Chronik. Christliche Verlagsanstalt (S. 51-56).

* Charles R. Swindoll. David: Ein Mensch nach dem Herzen Gottes – mit David geistlich wachsen. Hänssler (S. 219-235).

* Alan Redpath. Leben nach dem Herzen Gottes: Seelsorgliche Studien über David. Francke Verlag (S. 154-162).

Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/10-Das_Zweite_Buch_Samuels.pdf; S. 453-454) und die Predigthilfe von Jochen König vom 26.01.2003 zu 2Sam 7,1-13 (www.studienbibel.de).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Heiko Krimmer vom 25.02.2003 mit dem Titel „Segen, der bleibt“ (2Sam 7,1-18) und von 1997 mit dem Titel „Gott gibt Zukunft“ (2Sam 7,1-18). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 2. Samuel 7] und „Autor“ [z.B. Krimmer, Heiko] ausfüllt.

3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

Alfred Christlieb benennt drei Kennzeichen der Leute nach Gottes Herzen:

„Die Geschichte von dem geplanten Tempelbau zeigt uns nach drei Seiten hin, dass David ein Mann nach dem Herzen Gottes war.

* David denkt an Gottes Haus und Ehre: Wir lesen in Vers 1, dass Gott dem David Ruhe gegeben hat von allen seinen Feinden. Da erfüllt ihn der Gedanke: Nun ist die Zeit da, dem Herrn ein Haus zu bauen. Was plant der reiche Kornbauer nach dem Einbringen der reichen Ernte? Neue Scheunen für sich (Lk 12,18). Worauf ist der Sinn des unlauteren Gehasi aus? Auf Silber, Kleider, Ölgärten, Weinberge, Knechte und Mägde (2Kön 5,26). Was planen wir, wenn uns Erfolge im geschäftlichen Leben oder sonst wie zuteil geworden sind? David sinnt nach, was er für Gott tun kann. Wir forschen oft nur, wie wir unserm eigenen Leben noch mehr Annehmlichkeiten verschaffen können. Nicht an Siegesdenkmäler und an Sommerpaläste denkt David nach all seinen Erfolgen, sondern er will einen Ort für die Lade Gottes bauen. Wohl dem, der ernstlich und eifrig fragt: Was kann ich für meinen Gott, seine Sache und seine Ehre tun?

* David lässt seine Pläne durchkreuzen: Gott nimmt Davids wohlgemeinten Plan nicht an. Erst Davids Sohn soll den Bau des Hauses Gottes ausführen (V. 12f). Was tut David? Versteift er sich auf den einmal gefassten Plan? Erklärt er dem Propheten Nathan, der seine Gedanken gebilligt hat: Ich baue doch, du warst ja auch dafür!? Nein, David lässt seinen Plan sofort fahren, als er sieht, dass Gott andere Pläne hat. Er geht an keine Aufgabe, die Gott ihm nicht zuweist. Dies ist ein wichtiges Kennzeichen eines Menschen nach dem Herzen Gottes. Natürliche Menschen setzen ihren Willen durch, Gottes Menschen kreuzigen ihn. Natürliche Menschen übernehmen Aufgaben, wie sie ihnen gefallen und gut dünken. Gottesmenschen haben eine heilige Scheu vor allem, was ihnen der Herr nicht aufträgt.

* David beugt sich demütig vor Gott: Gott durchkreuzt David den Plan des Hausbaues. Und dann gibt er ihm eine hohe und herrliche Verheißung: ‚Der Herr verkündigt dir, dass der Herr dir ein Haus machen will … Ich will deinen Samen nach dir erwecken, der von deinem Leibe kommen soll; dem will ich sein Reich bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines Königreichs bestätigen ewiglich … Dein Haus und dein Königreich soll beständig sein ewiglich vor dir, und dein Stuhl soll ewiglich bestehen‘ (V. 11; 12f; 16). Was tut nun David? Er beugt sich in den Staub und spricht: ‚Wer bin ich, Herr, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast‘? (V. 18). Leute nach Gottes Herzen sind demütig, auch hohe Ehren beugen sie hinab. Und dies ist das Wichtigste” (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2: Bilder aus Davids Leben und Zeit).

Am Beispiel von David entdeckt Alfred Christlieb folgende geistliche Verhaltensreaktionen, wenn Gott unsere Pläne durchkreuzt:

„Davids Plan, einen Tempel zu bauen, wurde von Gott durchkreuzt. Da auch zu unserm Weg manchmal durchkreuzte Pläne gehören, kann es von Nutzen und Trost für uns sein, in dieses Kapitel hineinzuschauen.

* Ein schöner Plan: Beachten wir zuerst, dass es ein schöner, edler Plan war, den David aufgeben musste. Der Plan kam aus einem Herzen, das selbstlos war und Gott liebte. David benutzte seine Ruhezeit nach vielen Kriegen nicht dazu, für sich mehr Ansehen und Bequemlichkeit zu suchen, sondern er plante ein Haus für die Bundeslade Gottes. Beschämt uns David damit nicht? Haben wir uns nicht oft in Ruhe- und Erfolgszeiten Plänen hingegeben, die nicht zur Ehre Gottes gereichten? Davids schöner Plan fand ohne weiteres die Billigung des gesegneten Gottesknechtes Nathan: ‚Nathan sprach zu dem König: Gehe hin; alles, was du in deinem Herzen hast, das tue; denn der Herr ist mit dir‘ (V. 3). War dies nicht ein sicherer Beweis, dass die Gedanken Davids mit dem Willen Gottes übereinstimmten? Aber Gott sagte: Nein! So können auch in unserm Herzen Pläne entstehen – etwa zu einer neuen Reichgottesarbeit – die wirklich aus selbstlosem Herzen kommen und bei frommen Leuten Anerkennung finden. Und doch müssen sie von Gott durchkreuzt werden, weil sie nicht mit seinem Willen übereinstimmen. Lasst uns deshalb sehr vorsichtig sein, ehe wir behaupten, dass es ein Plan von Gott sei!

* Wie Gott ihn durchkreuzte: In der Art, wie Gott den Plan Davids durchkreuzte, steht er als ein zarter, liebevoller Erzieher vor uns. In der Nacht kam Gottes Wort zu Nathan (V. 4). Er musste David an vergangene Führungen erinnern, diesen Plan ihm wegnehmen, aber zugleich neue Verheißungen für die Zukunft geben. Davon hörten wir schon (V. 11-16). Hier liegt ein sehr großer Trost. Wir sehen, wie behutsam und freundlich Gott seine Kinder von Lieblingsplänen losmacht, wenn sie auf seine Stimme hören. Wir werden an eine Mutter erinnert, die ihrem geliebten Kind etwas wegnehmen oder versagen muss, dabei aber das Kind doppelt stark fühlen lässt, wie lieb sie es hat. Gott durchkreuzt manchen Plan in unserm Leben. Ihm sei Dank dafür! Aber dabei weist er uns hin auf seine Treue in der Vergangenheit und auf seine Verheißungen für die Zukunft, so dass wir überschwengliche Kraft bekommen, von unsern Plänen zu lassen. Wir brauchen uns nicht zu ängsten, wenn Gott unser Plänemachen durchkreuzt. Gott setzt bessere Pläne an die Stelle der unsrigen, und die Macht seiner Treue führt sie hinaus.

* Wie David es aufnahm: Unsere letzte Frage lautet: Wie stellte sich David zur Durchkreuzung seines Planes? Es gibt Kinder, die voll Wut und Eigensinn schreien und stampfen, wenn die Mutter ihnen etwas wegnehmen muss, wenn sie es auch noch so zart und freundlich tut, Gibt es auch Kinder Gottes, die solches tun? David gehörte jedenfalls nicht zu ihnen. Er hielt nicht eigensinnig fest an seinem schönen Plan, sondern ließ ihn voll Demut und Anbetung fahren. Sein Auge blieb nicht hängen an dem, was er aufgeben musste, sondern er sah auf die herrlichen Verheißungen, die Gott ihm dafür gab. So konnte sein Herz sich freuen und anbeten. Er ließ los, wo Gott ihm seinen Plan wegnahm. Er hielt fest, wo Gott ihn mit neuen herrlichen, bis in die Ewigkeit reichenden Verheißungen tröstete (V. 12f). Wer es mit David so hält, gerät bei durchkreuzten Plänen nicht ins Murren und Klagen; denn sein Herz ist im Grund mit Loben und Danken erfüllt” (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2: Bilder aus Davids Leben und Zeit).

Das Gott manchmal unsere Pläne durchkreuzen muss, ist das eine. Die Frage ist aber, was lernen wir daraus, dass Gott so nicht wieder in unser Leben eingreifen muss. Alfred Christlieb hat dazu Folgendes entdeckt, wie ein wichtiges Umlernen erfolgen kann:

„David will dem Herrn ein Haus bauen. Mitten in dieses Planen hinein kommt das doppelte Gotteswort: ‚Solltest du mir ein Haus bauen, dass ich darin wohne?‘ (V. 5) und: ‚Der Herr verkündigt dir, dass der Herr dir ein Haus machen will‘ (V. 11). Also nicht David soll dem Herrn ein Haus bauen, sondern der Herr wird es dem David tun. Das ist eine geistliche Lektion, die wir alle zu lernen haben. Ähnlich wie David sind wir alle mehr oder weniger bemüht, Gott ein Haus zu bauen, für ihn etwas zu leisten, etwas zu schaffen, das sein Wohlgefallen findet. Aber Gott sagt uns: Still, mein Kind! Es kommt mir nicht darauf an, dass du etwas Großes für mich tust. Lass mich vielmehr etwas für dich und an dir tun! Welches ist der Bau, den wir alle gern errichten? Unsere eigene Gerechtigkeit und Heiligkeit, unser eigener Eifer und unsere große Geschäftigkeit im Dienst des Herrn. Darin soll Gott wohnen nach unseres Herzens Dünken. Welches Haus will Gott uns bereiten? Die Gerechtigkeit aus Gnaden, in der wir uns bergen dürfen in Zeit und Ewigkeit. Die Heiligung nicht als fromme Selbstbemühung, sondern als Verklärung in sein Bild im innigen Umgang mit ihm. Den Dienst nicht als eine Unzahl frommer, eifriger Pläne aus dem eigenen Herzen und der eigenen Kraft, sondern als Erfahrung, dass er die Wege bahnt und die Kräfte den Schwachen darreicht. Das ist das Geheimnis des wahrhaft gesegneten Lebens: nicht etwas für Gott tun, sondern Gott in uns und durch uns sein Werk haben lassen. Martha hat viel für den Herrn getan. Sie hat sich um ihn zu schaffen gemacht und ihm gedient. Sie muss sich mahnen lassen, dass das gute Teil ist, zu des Meisters Füßen zu sitzen und sein Wort aufzunehmen (Lk 10,38-42). Petrus hat oft dem Herrn versprochen, dass er alles für ihn zu tun bereit wäre. Er muss lernen, sich still hinzusetzen, damit ihm der Meister die Füße wäscht und die innere Reinigung an ihm beginnt (Joh 13,5ff). – Und schauen wir noch den betenden Pharisäer an. Er zählt Gott die Leistungen seiner Frömmigkeit auf und meint, einen großartigen Bau seiner eigenen Gerechtigkeit errichtet zu haben, auf dem Gottes Wohlgefallen ruht. Aber Gott neigt sich zu dem armen, gebeugten Zöllner, der nur im Haus der Gnade wohnen will (Lk 18,9-14)” (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2: Bilder aus Davids Leben und Zeit).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

a) Was will ich für Gott?

b) Was will Gott von mir?

c) Was will Gott für mich?

(bei c) ist auch der messianische Aspekt zu berücksichtigen! Jesus ist der verheißene König [V. 16] und damit auch mein König = der Wille Gottes für mich!)