Johannes

Predigthilfe vom 27. September 2015 – Johannes 10, 11-18

Monatshema: Jesus- Erzählungen

Predigtthema: In der Seelsorge Jesu: Jesus, der gute Hirte leitet uns (und nicht der Zeitgeist, die Anfechtung usw.)
Predigttext: Johannes 10, 11- 18 (die Verse 27-28 können dazu genommen werden)

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Zu den Besonderheiten des Johannesevangeliums, die auch für unseren Text sehr wichtig sind, steht in den Erläuterungen von „Die Jubiläumsbibel“ (leicht abgeändert vom Verf.):
Das Johannesevangelium setzt sich primär mit der Frage der Gegner und Zeitgenossen Jesu auseinander: Mit welchem Recht trittst du, Jesus, so auf? Was begründet deine Vollmacht?
Jesus antwortet im JohEv vor allem mit dem Hinweis auf seine Gottessohnschaft. Er ist vom Vater gesendet. Seine Vollmacht besteht darin, dass er seinem Auftrag ganz treu ist, dass er nur die Werke tut, die sein Vater ihm aufgetragen hat, dass er nur das sagt, was ihm sein Vater vorgesagt hat und dass er keine Ehre für sich sucht, sondern nur die des Vaters. Nach altorientalischem Gesandtenrecht, das hier als Denkhintergrund eine entscheidende Rolle spielt, ist damit nicht nur die Vollmacht des Gesandten begründet, sondern auch die Gegenwart des Sendenden im Gesandten. In Jesus, dem Sohn Gottes, begegnen die Menschen dem Vater.
Dies zeigt sich an den messianischen Zeichen, d. h. Wundern, die Jesus tut. Das JohEv berichtet sieben Wunder, die Jesus u. a. als den verheißenen Propheten wie Mose und als neuen Mose und Messias ausweisen. Im Zusammenhang mit Joh 10 ist hier vor allem die Heilung des Blindgeborenen und die sich anschließende Auseinandersetzung mit den Pharisäern in Kapitel 9 zu beachten.
Seinen Anspruch macht Jesus nach dem JohEv in ebenfalls sieben sogenannten Ich- bin Worten deutlich. Nach 2Mo 3,14 stellt sich Gott dem Mose auf die Frage nach seinem Namen und seinem Wesen mit den Worten vor: „Ich bin, der ich bin.“ Jesus greift auf diese heilige Formulierung zurück und beansprucht damit göttliches Wesen und göttliche Autorität. In ihm ist Jahwe, der Herr Israels, höchstpersönlich auf dem Plan.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Werner de Boor, Wuppertaler Studienbibel
* Gerhard Maier, Edition C Bibelkomentar Band 6

Anmerkungen zum Predigttext von Hans- Joachim Martens aus der Arbeitshilfe „Bibel im Gespräch“ 1/2002:

V. 11: Das Bild wechselt von der Tür zum Hirten: Jesus nimmt mit seiner Selbstbezeichnung die alttestamentliche Vorstellung von Gott als wahren Hirten seines Volkes auf (Hes 34,11ff). Von guten Hirten ist sonst nirgendwo in der antiken Welt die Rede, obwohl nicht nur im Alten Testament „Hirte“ ein stehendes Bild für den Herrscher ist. Auf diesem Hintergrund bekommt das Wort von der Lebenshingabe des guten Hirten sein beispielloses Gewicht. Das „Hinlegen des Lebens“ (so wörtlich) bestimmt seine ganze Existenz: Jesus ist der Hirte, der den Schafen fehlt (Mt 9,36); er bringt das Verlorene zurück (Mt 15, 24; Lk 19, 10); den Verirrten geht er in suchender Liebe nach (Lk 15,4ff); er ruht nicht eher, bis er sein ganzes Leben für die Seinen hingegeben hat (nochmals 10, 15b!)
V. 12f: Ganz anders dagegen der Mietling (wörtlich „Söldner“). Jesu Zuhörer verstehen diesen Vergleich. In der „Mischna“ (schriftlich fixierte Sammlung der mündlich Überlieferten rabbinischen Tora- Auslegung) „treffen wir unter den vier Arten von Hütern … den Lohnhüter. … Da wird darüber verhandelt, ob es ein Zwangsunfall ist, wenn ein Wolf kommt, d. h. ob der Hüter schadenersatzpflichtig ist, wenn der Wolf ein Schaf raubt. … Da erscheint der Dieb, der stiehlt und schlachtet, und der Räuber, der im Gegensatz zum Dieb bewaffnet ist“ (K.Bornhäuser). So sehr sich Mietling und Räuber unterscheiden, veranschaulichen sie doch das Gleiche: Die Herde ist nicht ihr Eigentum. Der Mietling mag den Schafen manche Fürsorge angedeihen lassen, zur letzten Hingabe ist er nicht bereit. Der Hirte, von dem Jesus spricht, ist wirklich der Eigentümer. Er beweist das, indem er sich für sein Eigentum hingibt.
V. 14f: Wiederholung des Ich- bin- Bildwortes: Der Ton liegt hier auf dem gegenseitigen Sichkennen. Kennen und Erkennen ist mehr als theoretisches Wissen, Wahrnehmung oder Erfahrung. Es erfasst den ganzen Menschen, ist Ausdruck tiefster Gemeinschaft und Hingabe. Das Bild von den Schafen, die den Hirten und seine Stimme kennen, auf sie hören, sollte davor bewahren, rein gedanklich, abstrakte Vorstellungen mit dem „Erkennen“ zu verbinden. Zwischen Jesus und seiner Gemeinde besteht ein wechselseitiges, persönliches Verhältnis des Vertrauens wie zwischen Jesus und seinem Vater im Himmel. „Die höchste Gemeinschaft, die Liebe Gottes zu seinem Sohne, ist Maßstab und Vorbild für die Gemeinschaft Jesu mit den Seinen. … Wer mit Jesus nicht in persönlicher Vertrautheit verbunden ist, gehört noch nicht zu seiner Gemeinde“ (F.Büchsel).
V 16: Das im Gleichnis genannte Gehege (1) wird jetzt auf die zum Judentum gehörenden Gläubigen bezogen. Mit den „anderen Schafen“ sind die Heidenchristen gemeint. Sie gehören schon jetzt zu Jesus als die, die ihm der Vater gegeben hat (29; 11,52). Diese Zugehörigkeit ist nicht an menschliche Voraussetzungen gebunden. Es zählt allein die herbeirufende Stimme des Hirten. Die werden sie hören! „Die Welt kann daraufhin angesprochen werden, dass es in ihr noch Schafe gibt, die der Herr kennt, und die ihn erkennen werden, wann und wo es ihm gefällt. Die Tür zur Welt hin bleibt offen“ (T. Jänicke).
Das Endziel ist die eine Herde, die eine Kirche, aus Juden und Heiden. Unter dem einen Hirten, Jesus! Wenn Menschen von dem einen Hirten geführt werden, sind sie auch miteinander verbunden. Ohne ihn gibt es keine Überwindung der Zerrissenheiten (in Gemeinde und Welt!).
Zu beachten ist das „Muss“ der Sendung Jesu: Durch das Opfer seines Lebens für alle hat er Eigentumsrechte erworben.
V. 17f: Der Lebenseinsatz des Hirten für seine Schafe (vgl. 11b; 15b) geschieht freiwillig. Nicht seine Feinde triumphieren; er selbst liefert sich ihnen aus. Er erfüllt in souveräner Vollmacht den Willen seines Vaters. Damit ist nicht die harte Wirklichkeit seines Sterbens aufgehoben, aber seine Freiheit hervorgehoben: Er gibt sein Leben dahin. Er nimmt es wieder (vgl. Leidens- und Auferstehungsweissagungen im Markusevangelium: 8,31; 9,31; 10,34; durchweg heißt es „auferstehen und nicht „auferweckt werden“ (von Gott)!). Vollmacht und Freiheit des Sohnes Gottes gründen in der Liebe Gottes, seines Vaters. Ihm steht Jesus mit seiner ganzen Lebenshingabe für die Gemeinde ganz zur Verfügung.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir befinden uns in der Predigtreihe, „In der Seelsorge Jesu“. Die Zuhörer sollen ermutigt werden, sich mit all ihren Sorgen, Nöten und Ängsten dem guten Hirten Jesus anzuvertrauen.
Häufig hört man den Satz: „ich habe den Eindruck, alles geht immer schneller, ich habe immer weniger Zeit für die Stille mit Gott“. Es gibt so viele Stimmen, die sich in dieser schnellen und hektischen Zeit erheben und uns beeinflussen wollen. Stimmen, die uns Angst machen. Stimmen, die uns verunsichern. Stimmen, die uns aufhalten. Stimmen, die uns irreleiten. Stimmen, die einfach nur überflüssig sind. Das Stimmengewirr ist groß. Eine klare Entscheidung, die Stimme des guten Hirten hören zu wollen, ist immer wieder neu vonnöten.
Denn nur die Stimme des guten Hirten bringt unser Herz zur Ruhe. Nur wenn wir uns vergegenwärtigen, dass der gute Hirte bei seinen Schafen, seiner Gemeinde, wacht, hört die Angst auf. Nur wenn wir seine Stimme hören, lernen wir, sie von den anderen Stimmen zu unterscheiden.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
„Unsere Vorstellungen vom guten Hirten sind weithin geprägt durch Bilder – Dichtung und Malerei des Barock bis zu den Klassikern und Romantikern – vom friedlich beschaulichen Hirtenleben. Der „Heiland“ erscheint als Gestalt mit weichlichen Zügen in einer sonnendurchluteten, heiteren, aber realitätsfernen Landschaft.
Die biblische Anschauung ist völlig anders: Der Hirte ist Bild für den König! Er kämpft für die ihm Anvertrauten, setzt sein Leben für Schwache und Hilflose ein (1Sam 17, 34-37). Er sorgt für seine Herde und führt sie durch „finstere Täler“ (Ps. 23,4).“ Hans- Joachim Martens.
Weil die Hirten Israels versagten, kündigt Gott sich selber als Hirte und Fürst (gleichbedeutend mit König) an: Hesekiel 34, 23f: Und ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein, und ich, der HERR, will ihr Gott sein, aber mein Knecht David soll der Fürst unter ihnen sein; das sage ich, der HERR.
Im Gegensatz dazu stehen die Mietlinge, die wir auch in unserer Zeit erleben: Leiter, die die ihnen anvertrauten Seelen auf verschiedene Art und Weise ausnehmen und ausnutzen. Die andere von sich anstatt von Jesus Christus abhängig machen. Sie lassen Menschen enttäuscht und verbittert zurück, als ginge es sie nichts mehr an. Die anvertraute Herde darf ihnen nichts kosten.
Gute Leiter sind Leiter, die sich vom guten Hirten leiten lassen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Das Ich- bin- Wort vom guten Hirten ist den meisten Predigthörern von Kind an vertraut. Aber es ist ein Wort, das wir wohl nicht oft genug hören können. Denn es ist so aktuell, so tröstlich, so not- wendig. Durch ein gut gewähltes Beispiel wird auch das fest geprägte Bild vom Hirten für den ein oder anderen eine neue Seite bekommen. Überhaupt hat der Predigttext eine unglaubliche Tiefe, die eine Predigt nur anschneiden kann. Deshalb ist es wichtig, sich nicht zu verzetteln, nicht alles sagen zu wollen.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 21.04.1985 mit dem Titel „Jesus, der gute Hirte“. Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 10] und „Autor“ [z.B. Winrich Scheffbuch] ausfüllt.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Zuhörer sollen durch die Predigt ermutigt werden, sich (ganz neu) Jesus, dem guten Hirten anzuvertrauen. Er ist der, der uns durch die Wirren der Zeit ans Ziel bringt.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Der unvergleichliche Hirte!
Die Zuhörer sollen auch zu einer bewussten Entscheidung herausgefordert werden, auf die Stimme dieses guten Hirten zu hören. Er ist der gute Hirte, weil er sein Leben für die Schafe eingesetzt hat. Deshalb ist er vertrauenswürdig. Kein anderer Religionsstifter ist je wieder aus dem Tod zurück gekommen.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Der unvergleichliche Hirte
a) (V. 11- 13) gibt alles für seine Schafe
b) (V. 14- 16) kennt alle seine Schafe
c) (V. 17- 18) hat alle Macht

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Die Stimme des Hirten
Ein Schäfer erzählt: »Wenn in meiner Herde ein Lamm geboren wird, trage ich es in der ersten Woche so oft es geht auf meinem Arm. Während ich mit ihm rede, gewöhnt sich das Lamm an meine Stimme. Es merkt sich: Hier geht es mir gut. Hier wird für mich gesorgt. Ein Leben lang wird das Lamm meine Stimme nicht mehr vergessen und darauf hören. Das kann manchmal lebenswichtig sein. Ein befreundeter Gastwirt hatte mich gebeten, seine fünf Schafe in meiner Herde mitzunehmen. Wir zogen durch das Neckartal: links der Neckar, rechts eine Landstraße. In der Nacht war es kalt gewesen. Über dem Fluss und den Wiesen lag Bodennebel, so dass der Neckar kaum zu sehen war.
Als ich mit meiner Herde die Straße entlangging, fuhr ein großer Sattelzug vorbei. Der Fahrer drückte zum Gruß auf seine Dreiklanghupe. Die Schafe erschraken fürchterlich über dieses laute Geräusch. In der Herde brach Panik aus. Sie rannten einfach drauf los. Wegen des Nebels konnten die Schafe nicht erkennen, dass sie auf einen Fluss zuliefen. Die steile Uferböschung, das eiskalte Wasser, die Strömung, meine Herde war in höchster Gefahr. Ich rief, so laut ich konnte: »Halt! Bleibt stehen!« Und siehe da, meine Schafe hörten meine Stimme. Sie spürten instinktiv: Das ist unser Hirte. Er ist da. Wir brauchen nicht wegzulaufen. Gegen die Panik und Angst setzte sich die Erinnerung an den Hirten durch.
Knapp vor dem Flussufer kam die Herde zum Stehen. Nur fünf Schafe rannten blindlings weiter, die Schafe des Gastwirts. Sie kannten mich nicht, sie waren nicht auf meine Stimme programmiert. Sie stürzten in den Neckar und ertranken.«
Von Bodo Ammenhäuser, Leben ist mehr. Internetseite mit Suchfunktion: http://www.talk-about.org/leben-ist-mehr/

Schafe kennen den Hirten
Ein Schäfer erlebte eines Morgens eine böse Überraschung. Als er die Tür des Schafstalls öffnete und seine Herde nach draußen rief, kam keins der Tiere heraus. Er blickte in den Stall, und der war leer. Man hatte ihm in der Nacht alle seine Schafe gestohlen.
Einige Tage später hörte er, dass auf dem Markt einer nahen Stadt Schafe verkauft werden sollten. Die wollte er sich doch einmal ansehen. Es könnten ja vielleicht seine Schafe sein. Und wenn nicht, konnte er sich dann dort eine neue Herde kaufen.
Zu seiner großen Freude erkannte er seine Herde sofort wieder; denn wenn auch für einen Nichtkenner alle Schafe ziemlich gleich aussehen, so kennt ein Hirte seine Tiere sogar mit Namen.
Darum brauchte er sie nur so zu rufen, wie er es jeden Morgen tat. Sogleich hoben alle ihre Köpfe, und dann stürmten sie auf ihn los, sehr zum Ärger der Diebe.
Anna Schulz, Leben ist mehr.
Damit hatte ich nicht gerechnet
Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen; denn unseren Tagesspruch kenne ich von Kindesbeinen an. Aber das geht uns mit angelerntem Wissen leider oft so.
Unser Bauernhaus ist von Wiesen umgeben, die durch dichte Wallhecken getrennt sind. Als einmal auf einer dieser Wiesen eine Gemeindeveranstaltung stattfand, sollte ich einen Bibeltext vorlesen. So begann ich laut und deutlich zu sprechen, damit alle auf der Wiese Anwesenden mich gut verstehen konnten; aber dann das: Ein vielstimmiger Chor laut blökender Schafe ließ das Vorlesen zu einer heiser machenden Strapaze werden. Hinter der nächsten Wallhecke weidete nämlich meine Heidschnuckenherde. Die Tiere kamen nicht an die Hecke gerannt, weil sie so fromm erzogen waren, dass sie an der Andacht teilnehmen wollten, nein, sie kamen ausschließlich, weil sie meine Stimme kannten.
Leider bin ich nicht der »Gute Hirte«, sondern nur ein ganz gewöhnlicher Hobbyschafhalter, und da kann es schon mal passieren, dass die Schafe meine Stimme hören und doch nicht gemeint sind. Meine Schafe erwarteten, auf frisches Weideland, sozusagen auf »grüne Auen« geführt zu werden; aber das war damals überhaupt nicht meine Absicht. Welch ein Glück, dass ich so etwas bei meinem Hirten, dem Herrn Jesus Christus, noch nie erlebte habe, immer war ich gemeint, wenn ich seine Stimme vernahm. Das konnte in einer Predigt oder in einer Bibellese, aber auch in schmerzlichen Erfahrungen geschehen. Aber wie oft vernehmen wir seine Stimme gar nicht, wenn er uns ermahnen oder belehren will. Ja, nicht einmal seinen Trost nehmen wir immer an. Da will ich von meinen Schafen lernen!
Erwin Kramer, Leben ist mehr

Guter Hirte oder Hirtenhund?
Vor 750 Jahren wurde in Royère bei Limoges, Frankreich, Bernard Gui geboren. Er trat schon als Jugendlicher als Novize in ein Dominikaner-Kloster ein und erhielt bei den Dominikanern eine fundierte theologische Ausbildung. Er wirkte danach als Lehrer und später als Prior in verschiedenen Klöstern. 1307 wurde er zum Inquisitor von Toulouse ernannt. Mit einer Unterbrechung war er insgesamt 12 Jahre in diesem Amt tätig und kämpfte vor allem gegen die Katharerbewegung in Südfrankreich und die Juden. In seine Amtszeit fallen 930 Urteile, davon 42 Hinrichtungen und über 300-mal lebenslange Kerkerhaft.
In Roman und Film »Der Name der Rose« von Umberto Eco wird er wohl fanatischer dargestellt, als er in Wirklichkeit war. Er verfasste außerdem ein Handbuch der Inquisition und eine Lebensbeschreibung Thomas von Aquins. Der Papst setzte ihn auch bei diplomatischen Aufgaben ein. Die letzten Jahre seines Lebens amtierte er als Bischof, bis er 1331 starb.
Die Dominikaner wurden wegen ihrer führenden Beteiligung an der Ketzerverfolgung auch domini canes – Hunde des Herrn – genannt. Es bleibt fraglich, ob sie damit dem Auftrag Gottes gerecht wurden, Menschen zu retten. Gott selbst hat mit seinem Sohn Jesus Christus den guten Hirten gesandt, der seine Herde nicht mit Schäferhund und Treibstachel führt, sondern sein Leben ließ, um die Schuld der Menschen vor Gott zu sühnen. So gewinnt er die Glaubenden für das Reich Gottes und sagt ihnen zu, dass sie ein Anrecht auf göttliche Gemeinschaft in der Ewigkeit haben. Die Art und das Wesen Jesu Christi sollten uns auch heute davon abhalten, Überzeugungen mit Gewalt zu verbreiten.
Bernd Hüsken, Leben ist mehr
Man hört, was man hören will
Die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns sind faszinierend. Ein Beispiel ist das Hören: Menschen sind in der Lage, sich in einem Raum mit vielen Stimmen und zusätzlichen Nebengeräuschen auf einen bestimmten Sprecher zu konzentrieren. So sagte der Neurochirug Edward Chang von der Universität in San Francisco im vergangenen Jahr: »Wir haben festgestellt: Von zwei Stimmen, die in ein Ohr gesprochen wurden, hat das Gehirn nur eine wahrgenommen. Das Ergebnis zeigte, dass die zweite Stimme komplett ignoriert wurde.« Durch die Messung von Hirnströmen fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Nervensystem in der Hörrinde nur auf das anspricht, was der Zuhörer hören will.
Auch Jesus Christus sprach darüber, wie wichtig es ist, die richtige Stimme unter den vielen Lockrufen dieser Welt herauszuhören. Er verglich sich dabei mit einem Guten Hirten, der aufopferungsvoll für seine Schafe sorgt. Zu dieser Zeit wurden die Schafe im Nahen Osten abends in einem Pferch untergebracht. Da dort mehrere Herden Schutz suchten, musste der Hirte seine Schafe am nächsten Morgen von den anderen Herden trennen. Dies tat er, indem er seine Schafe zu sich rief. Weil die Schafe die Stimme ihres Hirten kannten, sammelten sie sich um ihn und ließen sich von ihm aus dem Pferch herausführen. Voraussetzung für ein Leben unter der Führung, dem Schutz und der Fürsorge des Guten Hirten war daher, dass die Schafe auf die Stimme ihres Hirten achteten.
Jesus steht in diesem Vergleich für den Guten Hirten. Er alleine kann uns zum ewigen Leben führen. Er bietet uns an, uns ihm anzuschließen und ihm nachzufolgen. Haben wir unseren Willen und unsere Ohren darauf ausgerichtet, auf seine Stimme zu reagieren?
Andreas Droese, Leben ist mehr
Ein Leben für Afrika
Heute vor 201 Jahren wurde in Schottland einer der größten Entdecker geboren, mit dem sich nur wenige Forschungsreisende messen können: David Livingstone (1813-1873). Als Erster durchquerte er Afrika von West nach Ost und erforschte intensiv Ostafrika, so z. B. das Fluss-System des Sambesi; er entdeckte die Victoria-Fälle, den Njassasee und die Quellflüsse des Kongo.
Dabei war er eigentlich Missionar, denn der aus ärmlichsten Verhältnissen Stammende, der als Kind in der Fabrik arbeiten musste, war dennoch Arzt geworden, um den Menschen in Afrika geistlich und leiblich helfen zu können. Daher vergaß er bei allem geografischen Forscherdrang nie, die Botschaft Christi weiterzugeben. Seine gütige, liebevoll hilfsbereite Art machte ihn zum hochverehrten Vater vieler Menschen in Afrika, in dem er sich stets als Gast verstand, denn Kolonialismus lag ihm völlig fern. Er litt sehr darunter, die Grausamkeiten des durch die Araber betriebenen Sklavenhandels erleben zu müssen, und machte die Öffentlichkeit auf diese »offene Wunde der Welt« aufmerksam. Als er, durch Strapazen und Krankheiten völlig erschöpft, am 1. Mai 1873 am Bangweolo-See gestorben war, begruben seine anhänglichen schwarzen Begleiter sein Herz, das Afrika gehörte, in afrikanischem Boden, trugen aber den einbalsamierten Leichnam Tausende Kilometer weit zur Küste. Großbritannien gab seinem großen Sohn sein Grab in der Westminster Abbey. Die Aufschrift auf seiner Grabplatte schließt mit dem Text unseres Tagesverses (Johannes 10, 16, Anm.des Verfassers), weil dieser Mann nie vergessen hatte, dass er ein aus Liebe dienender Botschafter Jesu Christi war und sich daher dem Anliegen Jesu verpflichtet sah, alle Völker dieser Erde mit der Botschaft der Liebe Gottes zu erreichen.
Gerhard Jordy, Leben ist mehr.
Fukushima 50
Die Seismologen hatten schon eine böse Vorahnung, und dann kam eines der größten Erdbeben für Japan. Eine dadurch ausgelöste riesige Welle aus dem Meer überflutete die Ostküste Japans, zerstörte Häuser, Infrastruktur und warf Hochseeschiffe wie Spielzeuge aufs Land. Die Zahl der gefundenen Toten stieg täglich an. Dann versagte die Kühlung des AKWs in Fukushima und eine noch viel größere Katastrophe bedrohte die Menschen in dieser Provinz Japans.
Trotz der rasant ansteigenden gesundheitsgefährdenen Strahlung meldeten sich 50 Arbeiter – unter ihnen auch einige Christen -, die ihr Leben opfern wollten, um die Stromversorgung und somit die Kühlung des Kernkraftwerkes wieder zu reparieren.
Dieser Wille zu helfen, ohne Rücksicht auf das eigene Leben, erinnert mich an den Rettungsplan Gottes. Wir hatten durch unsere Sünden keine Möglichkeit mehr mit Gott in Gemeinschaft zu kommen. Daher sandte Gott seinen eigenen Sohn Jesus Christus. Dieser opferte sich dann mit seinem Leben am Kreuz von Golgatha und vergoss stellvertretend sein Blut für unsere Sünden. Dadurch haben wir wieder die Möglichkeit, mit Gott in Verbindung zu stehen – d.h. ewiges Leben zu erhalten. Dies ist ein Wunder, welches wir mit unserem menschlichen Verstand nur zum Teil verstehen können.
Die stillen Helden von Fukushima konnten ihre eigenen Landsleute nur vor dem Strahlentod retten, indem sie sich ihm freiwillig aussetzten. Jesus Christus hat durch seinen Opfertod allen Glaubenden sogar ein ewiges Leben bei Gott erworben, wofür sie ihm ewig dankbar sein werden.
Volker Koenig, Leben ist mehr
(Karlheinz Deininger)