Monatsthema: Warum lässt Gott das zu?
Predigtthema: Advent – In Jesus sehen wir Gottes Gnade
Predigttext: Ps.85
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Neue Genfer Übersetzung / Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung findet man z.B in folgender Literatur:
MacArthur Studienbibel.
Wiersbe, Warren W. Sei ein Anbeter. Christliche Verlagsgesellschaft.
Brinke. Skizzen über die Psalmen. Band 2.
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Es stellt sich zunächst die Frage, in welcher Situation der Psalmist sich befindet. Wahrscheinlich wurde er nach der Rückkehr aus dem Exil verfasst (V.2-4). Der Psalmist weiß durch die erfahrene Gnade Gottes in der Vergangenheit um das Wesen Gottes, sieht sich und das Volk Israel („uns“) aber derzeit in einer Krise. Er anerkennt den berechtigten Zorn Gottes wegen der aktuellen Sünde und fragt sich, wie es jetzt weitergeht (V.6-7). Er bittet um Gnade (V.5+8) und rechnet mit der Hilfe Gottes für die, die Gott fürchten (V.9-14).
2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen
Wir predigen am 1.Advent. Der Text ist von daher „adventlich“, weil er eine Spannung anspricht, die auch im Advent (= Ankunft) erlebt wird: Wann und wie kommt die ersehnte Hilfe Gottes an?
Beim Psalmisten war es so: Er wartet auf die Zuwendung und Hilfe Gottes.
Im AT war es allgemein so: Noch war die Hilfe Gottes im Messias nicht da, aber sie kam im Kind in der Krippe (1.Kommen Jesu).
Heute ist es so: Noch ist Gottes sichtbares Reich nicht offensichtlich und unsere Existenz ist noch nicht losgelöst von Sünde, aber es wird kommen (2.Kommen Jesu).
Der 1.Advent ist der Beginn des neuen „Kirchenjahres“.
Auch wenn diese Einteilung menschlich ist – sie kann uns dennoch helfen, über einen möglichen Neuanfang, persönliche Reformation und „neuen Segen“ nachzudenken und das zu erfahren.
Die Adventszeit war früher eine Fastenzeit. Man konzentrierte sich und besann sich. Gefeiert wurde dann (erst!) an Weihnachten. Wer heute in der Adventszeit schlicht und besinnlich lebt, lebt heute vermutlich „an-stößig“, aber schlicht adventlich.
2.3 Hinweise zum Text
G.R.Brinke schreibt: „Eine zeitgemäße Bitte (Psalm 85,6). Wie lautet sie? Willst du uns nicht wiederbeleben, dass dein Volk sich in dir freue? Lass uns Herr deine Güte sehen! Das Gebet um Neubelebung und ist zugleich ein Bekenntnis des geringen Zustandes. Es ist ein Rückblick auf frühere Segenszeiten und ein Zugeständnis gegenwärtiger innerer Armut. Der Psalmist zieht einen Vergleich zwischen einst und jetzt. Er mag im Geiste zurückgegangen sein auf die früheren Geschehen… Wie ist es heute in der Christenheit? Fangen wir beim Einzelnen an. Du und ich sollten Rückblick halten. Wie war es als wir fröhlich sangen, „alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweggetan“? Da floss das Herz über von Lob und Dank. Groß war unser Verlangen und unsere Bemühungen, andere zum Herrn zu führen. Denken wir an die Zeiten, da wir viele Stunden beteten und um das Heil der Seelen rangen. Der Versammlungsbesuch war uns ein großes Bedürfnis, und heute finden wir viele Entschuldigungen: das Fernsehen steht im Vordergrund. Der Sonntag war uns ein Festtag, und heute? Wozu dient er? Zum persönlichen Genuss. Um der Mission zu dienen, legten wir uns gerne Entbehrungen auf. Heute muss aller erdenkliche Komfort sein, und was bleibt noch für den Herrn übrig? Vergessen wir nie, dass dem Herrn das erste gehört! Wir trauern nicht über Unfruchtbarkeit und dass in den Gemeinden keine Bekehrungen stattfinden! Wo bleibt die Fürbitte für die Diener Gottes, um die schon Paulus die Gläubigen bat (Eph.6,18)?
Die Bitte um Neubelebung – wie heißt der erste Schritt? Buße! Gedenke nun, wovon du gefallen bist und tue Buße und tue die ersten Werke (Offb.2,5; Ri.2,4; Esra 10,1). Die Sehnsucht und das Bemühen Gottes für unsere Rückkehr ist bei ihm größer als bei uns (Hos.11,8; Jes.49,15; Jer.31,23).
Wie fangen Neubelebungen an? Beim Einzelnen. Das sehen wir schon im Alten Testament. Juda erlebte unter 4 Königen , unter Asa, Josaphat, Hiskia, und Josia Erweckungen. … Wo begann die große Reformation? Bei einem einfachen Mönch, bei Martin Luther. Und neuere unter Whitfield, Wesley, Finney und anderen. Lesen wir die Schrift zu unserem eigenen Herzen wie jene Männer etwa die Bergpredigt? Lassen wir sie uns überführen? Dann werden wir uns bald der Bitte des Sängers anschließen: Beleb dein Werk, o Herr, zeig deinen starken Arm, weck durch dein Wort die Toten auf, der Deinen Herz mach warm! Beleb dein Werk, gib neuen Gnadenschein; Dir wird dafür dann Preis und Ehr und uns der Segen sein. Beleb dein Werk, o Herr, vertreib den Schlaf geschwind, den glimmend Docht fach an zur Flamm durch deines Geistes Wind! Beleb dein Werk… Beleb dein Werk, o Herr, was krank ist, mache wohl, den Durst und Hunger still mit Dir, mach uns des Geistes voll! Beleb dein Werk… Beleb dein Werk, o Herr, dein Heil werde offenbar, daß bald die ganze Welt Dich kennt und Dir sich weiht fürwahr! Beleb dein Werk…“
- Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Der Psalm beschreibt die Bitte um Wiederherstellung. Der schottische Prediger Georg H. Morrison sagte: „Das siegreiche Leben eines Christen ist eine Serie von Neuanfängen.“ Wiersbe schreibt: „Es ist eine Sünde, Gott nicht zu gehorchen, und zu fallen, aber es ist auch eine Sünde, nicht aufzustehen. Wir müssen immer einen Neuanfang wagen. Dieser Psalm zeigt uns, wie wir das nach Zeiten des Versagens und der Strafe immer wieder tun können.“
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Thema: In Jesus sehen wir Gottes Gnade
Oder Thema: Erfahrungen mit der Gnade Gottes – damals und heute
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
V.1-4 „Vormals…“: Die guten „Alten Zeiten“ – durch die Gnade Gottes.
Der Psalmist kennt Gott, sein Wesen. Gott war und ist ein heiliger Gott, aber auch ein gnädiger Gott.
V.5-8 „Willst du uns denn nicht wieder erquicken?“: Die Beugung in der Gegenwart.
Der Psalmist anerkennt den Zorn Gottes. Was tun – Verzweifeln oder Vertrauen? Der Psalmist entscheidet sich für Vertrauen in die Verheißungen Gottes. Eine Lösung sieht er nur im erneuten gnädigen Handeln Gottes…
V.9-14 „Könnte ich doch hören…“: Die guten „Neuen Zeiten“ – durch die Gnade Gottes.
Der Psalmist will hören, was Gott sagt (bzw. schon gesagt hat). Er hält sich an den Verheißungen fest. Die Sehnsucht nach dem erwünschten „Wort“ wird erfüllt: In Jesus kommt Herrlichkeit in die Welt (vgl. V.10; Joh.1,14), der Friedefürst,… , wir erfahren die Gnade Gottes und in ihm wird der ganze himmlische Segen gegeben (Eph.1-3). Neues Leben in der Kraft des Geistes wird möglich (vgl. Eph.4-6). Gottes rundum-erneuerndes „Wort“ ist Schutz gegen die menschliche Torheit (V.9b). Der Psalmist endet mit der herrlichen Skizze eines Reiches in dem Frieden herrscht, weil Gott regiert.
Oder: angelehnt an Wiersbe:
„Wir müssen immer einen Neuanfang wagen. Dieser Psalm zeigt uns, wie wir das nach Zeiten des Versagens und der Strafe immer wieder tun können.“
V.2-4 Dem Herrn danken (für sein Wesen)
V.5-8 Den Herrn um Wiederherstellung bitten (wegen unserem Wesen)
V.9-14 Auf Gottes Botschaft hören (für sein Heil: in Jesus)
Oder: angelehnt nach Brinke:
V.1-4 Frühere Segenszeiten
V.5-8 Gegenwärtige Armut
V.9-14 Zukünftige Freude
Oder: nach Ross (Altes Testament erklärt und ausgelegt)
V.2-8 Gebet zu Gott
V.9-10 Die Verheißung Gottes
V.11-14 Der Glaube des Psalmisten
Oder:
V.1-4: Was haben wir schon erlebt (mit Jesus)? (Vergangenheit)
V.5-8: Was erleben wir ehrlicherweise gerade (mit Jesus)? (Gegenwart)
- 9-14: Was werden wir erleben können (mit Jesus)? (Zukunft)
Lied: Wo ist solch ein Gott
Lied: Beleb dein Werk
Lied: Adventslieder