Monatsthema: Kraft im Wohlstand
Predigtthema: Wer führt mich?
Bibelstelle: 2. Timotheus 1,7
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. 2.Timotheus-Brief, Titus- und Philemon-Brief. Edition C Bibelkommentar Bd. 19 – Neues Testament. Hänssler (20-22).
* James Allen / James Baker / David West. 1.Timotheusbrief – 2.Timotheusbrief – Titusbrief. Was die Bibel lehrt: Kommentarreihe Neues Testament 12. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 209f).
* Hans Bürki. Der zweite Brief des Paulus an Timotheus, die Briefe an Titus und Philemon. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (26-29).
Beim Brüderlehrkurs 2011 (Geistliches Leben als Gabe und Aufgabe) hat Andreas Klotz unter dem Thema „Wiederbelebung erfahren“ (2Tim 1,6f) wegweisende Ausführungen zum Thema weitergegeben. Bitte konsultiert hier noch einmal eure Notizen dazu. Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/55-Der_Zweite_Brief_Des_Apostels_Paulus_An_Timotheus.pdf; S. 1796 – zur Einführung in den 2Tim siehe S. 1794f).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 01.01.1984 mit dem Titel „Gott gibt das Nötige“ (2Tim 1,7), vom 05.07.2002 mit dem Titel „Die Gabe Gottes – Begabungen“ (2Tim 1,6f) und von Volker Gäckle vom 11.01.2004 mit dem Titel „Erwecke die Gabe, die in dir steckt“ (2Tim 1,6f). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 2. Timotheus 1] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich bzw. Gäckle, Volker] ausfüllt.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Auf Grund unseres Predigtanlasses (Pfingsten) unterbrechen wir für diesen Sonntag unsere Predigtreihe (Mai – Juli) aus dem Lukasevangelium, bleiben aber inhaltlich beim Monatsthema „Kraft im Wohlstand“. Nachdem bereits die Fragen „Wem gehört was?“ – „Was bestimmt mich?“ – „Wofür lebe ich?“ geklärt wurden, schließen wir nun mit der Frage „Wer führt mich?“ An diesem Sonntag wollen wir abschließend klären, wer der Herr in unserem Leben ist – der Christ (= ich) oder der Christus? Am Beispiel des Timotheus (Predigttext: 2Tim 1,7) wollen wir entdecken wie Jesus uns leitet, indem er uns durch den Geist führt (vgl. Joh 14,18 – näheres hierzu im Info-Mail vom Mai 2012) und welche Auswirkungen dies für unsere Leben hat (weiteres hierzu in den nachfolgenden ausführlichen Erklärungen von John MacArthur und Martyn Lloyd-Jones). Bitte weißt im Rahmen der Verkündigung auf den „Abschiedscharakter“ des 2. Timotheusbriefes als Verstehenshintergrund für den Predigttext (2Tim 1,7) hin.
3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Unter der Überschrift „Besinne dich auf deine Ressourcen“ gibt John MacArthur folgende Erklärungen zu 2Tim 1,7: „Das griechische Verb für ‚hat uns nicht gegeben‘ (didomi) steht im Aorist Indikativ Aktiv und weist auf eine schon vollendete Handlung hin. Vielleicht hält der Herr seine Hilfe in einem besonderen Fall so lange zurück, bis wir sie brauchen. Jesus sagte den Zwölfen: »Wenn sie euch aber ausliefern, so sorgt euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist‘s, der durch euch redet« (Mt 10,19f). Alles aber, was wir in unserem täglichen Glaubensleben und in unserem Dienst brauchen, gab Gott uns schon, als wir zum Glauben kamen.
Wir können uns sicher sein, dass kein ‚Geist der Furchtsamkeit‘ von Gott kommen wird. Beide Testamente kennen eine angemessene und passende Furcht vor Gott, und zwar im Sinne von Ehrfurcht und Verehrung. ‚Deilia‘ beschreibt aber eine scheue, feige und schamhafte Furcht vor Gott, die nur ein wankelmütiger und egoistischer Mensch verspüren wird. Der Herr ist niemals dafür verantwortlich, wenn wir feige und ängstlich sind oder uns sogar für ihn schämen. Das Substantiv ‚deilia‘ (Furchtsamkeit) kommt nur an dieser Stelle im Neuen Testament vor. Im Gegensatz zu ‚phobos‘, dem gebräuchlicheren Ausdruck für Furcht, hat ‚deilia‘ immer einen negativen Bedeutungsinhalt.
Die Hilfsmittel, die unser himmlischer Vater uns zur Verfügung stellt, sind ‚Kraft‘, ‚Liebe‘ und ‚Besonnenheit‘. Wenn wir ins Schwanken geraten und ängstlich sind, dann können wir sicher sein, dass die Ursache in uns liegt, weil wir uns auf uns selber und unsere eigenen, menschlichen Mittel konzentrieren und nicht auf den Herrn und seine göttlichen Quellen.
‚Dynamis‘ (Kraft) spricht von einer großen Macht oder Energie und ist auch der Ursprung unserer deutschen Worte »dynamisch« und »Dynamit«. Dieser Ausdruck bezieht sich auf eine effektive und produktive, nicht auf eine ungezügelte und wilde Form von Energie. Gott gibt uns seine Kraft, damit wir unseren Dienst für ihn bestmöglichst erfüllen können. Paulus betete nicht, dass den Ephesern die göttliche Kraft gegeben werden möge, sondern dass sie sich der göttlichen Kraft, die sie schon längst hatten, bewusst werden. Gott gebe euch »erleuchtete Augen eures Verständnisses«, bat der Apostel, »damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung und was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist, was auch die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung an uns ist, die wir glauben, gemäß der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er wirksam werden lassen in Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in den himmlischen Regionen« (Eph1,18-20). Durch Christus haben wir Zugang zu Gottes übernatürlicher Kraft, der gleichen Kraft, mit der er auch Christus von den Toten auferweckt hat. Obwohl in den Gläubigen des Alten Testaments der Heilige Geist nicht in der gleichen Fülle wohnte wie in den Gläubigen des Neuen Testaments (vgl. Joh 14,7), so war ihnen der Heilige Geist in ihrem Leben und Dienst doch eine göttliche Hilfe. Diese Menschen hatten das erkannt, was Sacharja Serubbabel gegenüber erklärte, dass seine Kraft nicht durch menschliche »Macht und nicht durch Kraft« gewirkt wird, »sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen« (Sach 4,6). Es ist ungemein wichtig zu verstehen, dass Gott uns seine Kraft nicht schenkt, damit wir sie für unsere eigenen Zwecke missbrauchen. Er schenkt uns seine Kraft, um uns durch sie zum Ziel zu führen. Wenn wir unser Vertrauen allein auf ihn setzen und nur den Wunsch haben, ihm allein zu dienen, dann ist er nicht nur bereit, sondern auch in der Lage, »über die Maßen mehr zu tun … als wir bitten oder verstehen, gemäß der Kraft, die in uns wirkt« (Eph 3,20).
Gott hat allen Gläubigen auch seine eigene göttliche Liebe zur Verfügung gestellt. Wie auch schon seine Kraft, haben wir sie bei unserer neuen Geburt empfangen. In seinem Brief an die Römer triumphierte Paulus: »Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist« (Röm 5,5). Die Liebe, die Gott uns gab, heißt ‚agape‘, eine willentliche und selbstlose Liebe, die sich nichts sehnlicher wünscht und alles daran setzt, das Wohl des Geliebten zu erreichen. Sie basiert weder auf Gefühlen noch auf Bedingungen, wie zum Beispiel die ‚philos‘ Liebe. Sie hat auch nichts mit der ‚eros‘ Liebe gemeinsam, die wollüstig und selbstsüchtig ist. Die Liebe, die wir von Gott bekommen haben, ist dauerhaft. Sie ist nicht wie die anderen beiden Arten der Liebe Schwankungen unterworfen oder unberechenbar. Sie ist eine selbstverleugnende Gnade, die zu anderen sagt: »Ich gebe mich für dich hin.« Auf Gott ausgerichtet, bei dem diese Liebe ihren Ursprung hat, heißt das: »Ich gebe dir mein Leben und alles was ich habe, um dir zu dienen.« Es ist die »Liebe im Geist« (Kol 1,8) des Gläubigen, die göttlich geschenkte Liebe dessen, der »sein Leben lässt für seine Freunde« (Joh 15,13). Es ist die »ungeheuchelte Bruderliebe«, durch die wir »einander beharrlich« lieben (1Petr 1,22), die »vollkommene Liebe«, die die »Furcht [austreibt]« (1Joh 4,18). Es ist die Liebe, die ohne Rückhalt oder Zögern bestätigt: »Denn leben wir, so leben wir dem Herrn, und sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn« (Röm 14,8). Über allem steht »die Liebe des Christus … die doch alle Erkenntnis übertrifft« (Eph 3,19). Tatsächlich kann unser geistliches Leben an unserem Maß an Liebe gemessen werden. Wer sich selber am meisten liebt, wird sich sein Leben lang hauptsächlich um sein eigenes Wohlergehen bemühen, seine eigenen Ziele verfolgen und nach Erfolg streben, ohne aber dabei sein bequemes Leben aufgeben zu wollen. So jemand wird sich nicht für andere aufopfern, geschweige denn für den Herrn. Wer aber mit der Liebe liebt, die Gott schenkt, dessen Leben wird sich darum drehen, Gott zu gefallen und das Wohl von anderen zu suchen, ganz besonders von Christen. Gott wohlgefällige Liebe ist die erste Frucht des Geistes und offenbart sich, »wenn wir im Geist leben … [und] im Geist wandeln« (Gal 5,22.25).
‚Sophronismos‘ (Besonnenheit) bedeutet wörtlich ein starker und gesunder Geist, kann darüber hinaus auch einen beherrschten und disziplinierten Geist beschreiben, der in der Lage ist, die richtigen Prioritäten zu setzen. Diese von Gott geschenkte Fähigkeit zur Disziplin oder Besonnenheit ermöglicht einem Gläubigen, alle Bereiche seines Lebens zu kontrollieren, sowohl die guten als auch die schlechten. Er kann Erfolg haben, ohne stolz zu werden, und Niederlagen tragen, ohne bitter und hoffnungslos zu werden. Ein diszipliniertes Leben ist ein Leben, das von Gott in Ordnung gehalten wird und in dem göttliche Weisheit in jeder Situation angewandt wird. In seinem Brief an die Gemeinde in Rom gebraucht Paulus die Verbform dieses Substantivs und ermahnt: »Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern dass er auf Bescheidenheit bedacht sei [sophrone], wie Gott jedem einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat« (Röm 12,3). In seinem ersten Brief an Timotheus (3,2) und in seinem Brief an Titus (1,8; vgl. 2,2) benutzt er dieses Wort als Adjektiv, um eines der Hauptmerkmale eines Aufsehers zu benennen, nämlich Besonnenheit und Nüchternheit. Wenn wir unter der göttlichen Disziplin oder Besonnenheit leben, die unser gnädiger Herr uns schenkt, werden unsere Prioritäten in die richtige Reihenfolge gebracht. Jeder Aspekt des Lebens wird sich darauf ausrichten, die Sache Christi voranzutreiben. Durch seine vom Heiligen Geist gewährte Disziplin konnte Paulus sagen: »So laufe ich nun nicht wie aufs Ungewisse; ich führe meinen Faustkampf nicht mit bloßen Luftstreichen, sondern ich bezwinge meinen Leib und behandle ihn als Sklaven, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich werde« (1Kor 9,26f).
Das große geistliche Triumvirat von Kraft, Liebe und Zucht ist ein Teil des Lebens jedes Gläubigen. Dies sind keine natürlichen Eigenschaften. Wir haben sie nicht schon von Geburt an, man kann sie nicht in der Schule erlernen oder sich durch Erfahrung aneignen. Man kann sie nicht erben, sie entstehen nicht durch Umwelteinflüsse und können auch nicht gelehrt werden. Aber diese wunderbaren Ressourcen stehen allen Gläubigen zur Verfügung: ‚Kraft‘, um im Dienst für Gott erfolgreich zu sein; ‚Liebe‘, um ihm und anderen mit der richtigen Einstellung zu begegnen; und ‚Besonnenheit‘, um jeden Bereich unseres Lebens seinem Willen zu unterwerfen“ (zitiert nach John MacArthur. 2.Timotheus. John MacArthur Kommentar zum Neuen Testament. Bielefeld: CLV, 2003. S. 28-31).
Unter dem Thema „Angst vor der Zukunft“ hat Martyn Lloyd-Jones folgende Predigt zu 2Tim 1,7 gehalten: „ […]. An die Zukunft denken ist richtig, aber sich von der Zukunft beherrschen zu lassen, ist völlig falsch, Das ist ein wesentlicher Lehrsatz, und auch die Welt hat ihn entdeckt. Sie hat uns gesagt, dass wir eine Brücke nicht überschreiten sollen, ehe wir sie erreicht haben. Nehmen Sie das in Ihre christliche Lehre auf, denn die Welt hat da recht, und der Christ muss diese Weisheit anerkennen. Machen Sie sich nicht heute die Sorgen von morgen. In der Tat wurden viele biblische Aussagen zum selben Thema zu Sprichwörtern: »Darum sorget nicht für den anderen Morgen! « – »Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.« Gewiss, das Neue Testament liefert diesen Gedanken und stellt ihn in seine geistliche Form. Aber er gilt auch in des Wortes eigentlicher Bedeutung: »Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.« Das ist,gesunder Menschenverstand. Wie wir bereits sahen, ist es Zeitverschwendung, sich mit der Vergangenheit, die man nicht beeinflussen kann, zu beschäftigen. Aber es ist ebenso falsch, sich Sorgen um eine Zukunft zu machen, die im Augenblick noch unklar ist. »Eins nach dem anderen«. Leben Sie in der Gegenwart, und lassen Sie Ihre Gegenwart nicht stärker durch die Zukunft belasten als von der Vergangenheit.
Nun aber wollen wir uns dem zuwenden, was der Apostel sagt. Er hebt das Denken auf eine höhere Ebene, und seine Belehrung hat einen doppelten Charakter. Erstens sind seine Worte ein Verweis, und zweitens sind sie eine Mahnung. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied. Als erstes tadelt er den Timotheus. Er wendet sich ihm zu und sagt: »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht.« Das ist ein Verweis. Timotheus war zu dem Zeitpunkt von dem Geist der Furcht befallen, er war davon gepackt; daher tadelt Paulus ihn: »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.« Der Grundsatz, die Lehre, hier ist, dass unsere wesentliche Schwierigkeit bei dieser besonderen Form geistlicher Depression darin besteht, dass wir versäumen zu erkennen, was Gott uns in dem Geschenk des Heiligen Geistes gegeben hat und gibt. Das war das wirkliche Problem bei Timotheus, wie es das bei all solchen Christen ist. Es ist ein verhängnisvoller Fehler, wenn wir nicht erkennen, was Gott für uns getan hat und noch immer an und in uns tut. In der Tat können wir Worte, die der Herr Jesus einmal gebrauchte, in leicht verändertem Zusammenhang verwenden. Als er Jakobus und Johannes antwortete, die Feuer vom Himmel rufen wollten, um bestimmte Samariter zu verzehren, sagte er: »Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?« (Lk 9,55). Das nun sagt Paulus zu Timotheus. Damals war es negativ, hier ist es positiv. Der Apostel muss Timotheus zureden, die Gabe Gottes zu entfalten. Unsere Ängste resultieren aus dem Versäumnis, die Gaben Gottes zu entfalten, nachzudenken und an uns zu arbeiten. Sie schauen in die Zukunft, und dann beginnen Sie, sich Dinge vorzustellen, und Sie sagen: »Was könnte wohl nicht alles geschehen?« Dann läuft Ihre Phantasie mit Ihnen davon. Sie werden von ihr gepackt und halten nicht inne, um sich daran zu erinnern, wer Sie sind und was Sie sind. Es überwältigt Sie, und Sie gehen zu Boden. Nun müssen Sie sich als erstes fest in den Griff bekommen, sich selbst Einhalt gebieten, aufrütteln, an sich zu arbeiten und sich selbst die Meinung zu sagen. Wir müssen, wie der Apostel es sagt, uns an bestimmte Dinge erinnern. Und so, wie ich es verstehe, ist eigentlich das Große, das Paulus zu Timotheus sagt, folgendes: »Timotheus, du scheinst über dich, das Leben und über alles, was du zu tun hast, so zu denken, als wärst du immer noch ein gewöhnlicher Mensch! Du bist ein Christ, du bist wiedergeboren; der Geist Gottes ist in dir. Aber du betrachtest all diese Dinge, als wärst du immer noch, was du einmal warst: ein gewöhnlicher Mensch.« Und ist das nicht das Problem bei uns allen in dieser Beziehung? Obgleich wir wirklich Christen sind, obwohl wir der Wahrheit glauben, obwohl wir wiedergeboren sind, obwohl wir zweifelsohne Kinder Gottes sind, geraten wir in diesen Zustand des Denkens; als wäre keines dieser Dinge überhaupt mit uns geschehen.
Wer herrscht: der Heilige Geist oder unser Temperament?
Wie der Weltmensch, der Mensch, der überhaupt nicht wiedergeboren ist, lassen wir uns von der Zukunft überfallen und beherrschen und vergleichen unsere eigene Schwachheit und unseren Mangel an Kraft mit der Größe der Berufung und der ungeheuren Aufgabe, die vor uns liegt. Dann unterliegen wir, als wären wir solche, die den Herrn und die Wiedergeburt nicht erlebt hätten. Wir müssen, so sagt Paulus zu Timotheus, uns daran erinnern, dass uns die Gabe Gottes, der Heilige Geist, gegeben ist, und erkennen, dass von daher unsere ganze Einstellung zum Leben und zur Zukunft eigentlich ganz anders sein muss. Wir müssen das Leiden aus einer neuen Perspektive betrachten, wir müssen allem auf eine neue Weise entgegensehen. Die Art und Weise, in der wir dem allem entgegensehen, ist, uns daran zu erinnern, dass der Heilige Geist in uns ist. Da ist die Zukunft, da ist die hohe Berufung, da ist die Verfolgung, da ist der Widerstand, da ist der Feind. Ich sehe alles. Ich muss zugeben, dass ich schwach bin, dass mir die notwendigen Kräfte und Neigungen fehlen. Aber anstatt an dieser Stelle aufzuhören, muss ich fortfahren und sagen: »Ja, ich weiß das alles, aber …« Und in dem Augenblick, in dem ich das Wort »aber« gebrauche, tue ich das, was der Apostel von mir will. Ich sage: »Aber – aber der Geist Gottes ist in mir. Gott hat mir seinen Heiligen Geist gegeben.« In dem Augenblick, in dem ich das sage, verändert sich die ganze Einstellung. Mit anderen Worten: Wir müssen lernen zu sagen, dass das, was in all diesen Lagen eine Rolle spielt, nicht für uns gilt, sondern für ihn. Timotheus war von Natur aus schwach, und der Feind war stark, und die Aufgabe war groß. Aber er durfte nicht allein an sich oder an die Situation im Hinblick auf sich selbst denken – »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht; er hat uns gegeben den Geist der Kraft.« Also denken Sie an die Kraft des Geistes Gottes. Wenn wir damit beginnen, bringen wir unsere Lehre ins Gleichgewicht und haben einen ganz klaren Überblick über den vollen Sachverhalt. Ich habe mir bereits Mühe gegeben zu zeigen, dass unser Temperament verschieden ist, und ich will es hier noch einmal unterstreichen. Aber an dieser Stelle möchte ich sagen, dass obwohl unser Temperament unterschiedlich ist, es in Bezug auf die Aufgabe überhaupt keinen Unterschied machen sollte! Hierin liegt das Wunder der Erlösung. Wir haben unser Temperament von Gott bekommen. Außerdem ist unser Temperament verschieden, und das ist auch von Gott. Aber es darf niemals für uns als Christen zutreffen, dass wir von unserem Temperament beherrscht werden. Wir müssen vom Heiligen Geist beherrscht werden. Sie müssen Ihr Temperament unter diese Ordnung stellen. Es gibt Kräfte und Fähigkeiten, aber auch Ihr besonderes Temperament, das diese gebraucht. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass Sie als Christ durch den Heiligen Geist beherrscht werden sollten. Es wäre ein großer, tragischer Fehler, wenn ein Christ sich durch sein Temperament beherrschen ließe. Der natürliche Mensch wird immer durch sein Temperament bestimmt; er kann nichts dafür. Aber der Unterschied, den die Wiedergeburt macht, ist, dass es jetzt eine höhere Macht gibt, die selbst über unserem Temperament steht. In dem Augenblick, in dem der Heilige Geist in mein Leben kommt, beherrscht er alles, einschließlich des Temperaments. So befähigt er Sie, durch Ihr Temperament auf Ihre eigene, besondere Weise zu wirken. Das ist das Wunder der Erlösung. Das Temperament bleibt, aber es herrscht nicht mehr. Der Heilige Geist hat die Herrschaft übernommen.
Gott gab uns den Geist der Kraft …
Nun wollen wir das im einzelnen ausarbeiten. »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht.« Was ist dann der Geist, den er uns gegeben hat? Passen Sie auf. »Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft«. Das ist es, was er zu Recht an die erste Stelle setzt. Wir haben eine Aufgabe, auch wenn wir unsere eigene Schwachheit kennen. Ja, aber hier ist eine Kraft selbst für Schwächlinge, und es bedeutet Kraft im denkbar umfassendsten Sinne. Haben Sie Angst, dass Sie nicht fähig sein werden, das christliche Leben zu leben? Die Antwort ist: »Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen« (Phil 2,12f). Die Angst und das Zittern bleiben, das ist Teil Ihres Temperaments. Aber Sie sind in der Lage, durch die Kraft, »die in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen«, zu arbeiten. So werden Sie nicht ein Mensch, der keine Angst hat und nicht mehr der Furcht unterworfen ist – Sie müssen noch immer Ihre Seligkeit mit Furcht und Zittern schaffen -, aber ungeachtet dessen ist da Kraft. Es ist die Kraft Gottes, die in Ihnen wirkt »beides, das Wollen und das Vollbringen, zu seinem Wohlgefallen«. Das bezieht sich jedoch nicht nur auf den Punkt, ein Christenleben zu führen und mit der Versuchung und der Sünde zu kämpfen, es bedeutet auch Kraft zum Erdulden, Kraft, um weiterzugehen, wie immer auch die Bedingungen und die Umstände sind, und Kraft, durchzuhalten und auszuhalten. Ich möchte noch weitergehen. Es bedeutet, dass dem furchtsamsten Menschen in allen Dingen Kraft gegeben werden kann, sogar zum Sterben. Sie sehen es an den Aposteln. Sie sehen es an einem Mann wie Petrus, der Angst hatte vor dem Tod, der sich fürchtete, zu sterben. Er verleugnete sogar seinen Herrn aufgrund dieser Angst. Er sagte: »Ich kenne ihn nicht, ich habe nichts mit ihm zu tun.« Er verleugnete den Herrn Jesus, seinen größten Wohltäter, unter Eid und mit Fluchen, um sein Leben zu retten. Aber betrachten Sie ihn später in der Apostelgeschichte. Der Geist der Kraft hatte sich mit ihm verbunden, und jetzt ist er bereit, zu sterben. Er konnte der Obrigkeit gegenübertreten, er konnte jedem Menschen gegenübertreten. Das ist eines der herrlichsten Dinge in den langen Berichten der Kirchengeschichte, und es geschieht noch immer. Ich werde niemals müde, die Christen aufzufordern, die Geschichte der Märtyrer und der Glaubenszeugen, der Reformatoren, der Puritaner und der Covenanter [=schottische Presbyterianer] zu lesen. Lesen Sie ihre Geschichten, und Sie werden nicht nur starke, mutige Männer finden, sondern auch schwache Frauen und Mädchen und sogar kleine Kinder, die heldenhaft für die Sache Christi starben. Sie konnten das nicht aus sich selbst, aber ihnen wurde der Geist der Kraft gegeben. Das meint Paulus hier. Er sagt zu Timotheus: »Sprich nicht so. Du sprichst wie ein natürlicher Mensch. Du sprichst, als wenn du selber mit deiner eigenen Kraft dem allen entgegentreten müsstest. Aber Gott hat dir den Geist der Kraft gegeben. Geh vorwärts! Er wird mit dir sein. Du wirst dich selbst nicht wiedererkennen und über dich selbst staunen. Selbst wenn es bedeutet, dem Tod ins Auge zu schauen, wirst du dich freuen, dass du für würdig erachtet bist, Schmach und sogar den Tod zu leiden um seines herrlichen Namens willen.« Kraft! Sie ist uns gegeben. Und Sie und ich müssen, wenn wir versucht sind, durch die Widrigkeiten zu verzagen, sagen: »Ich habe den Heiligen Geist, und er ist ein Geist der Kraft«.
… und den Geist der Liebe
Als nächstes erwähnt Paulus die Liebe. Ich finde das höchst interessant und faszinierend und frage mich, wie viele von Ihnen die Liebe an dieser Stelle auf unsere Liste gesetzt hätten. Warum, denken Sie, steht sie hier? Was meint der Apostel damit? »Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft …0 Ja, ich verstehe, dass ich Kraft brauche, aber Liebe – warum Liebe? Es ist doch sicherlich nicht Liebe, was der ängstliche Mensch braucht. Warum stellt Paulus das an die zweite Stelle, den Geist der Liebe? Hier haben wir ein hervorragendes Stück Psychologie, denn was ist überhaupt die Hauptursache für diesen Geist der Furcht? Die Antwort ist: »das Ich« – Eigenliebe, Selbstinteresse, Selbstschutz. Haben Sie erkannt, dass das Wesen des Problems darin besteht, dass die ängstlichen Menschen wirklich zu sehr mit sich beschäftigt sind? »Wie kann ich das tun? Was ist, wenn ich versage?« Sie drehen sich beständig um sich selbst, betrachten sich selbst und beschäftigen sich mit sich selbst. Und genau an dieser Stelle tritt der Geist der Liebe auf den Plan, denn es gibt nur einen Weg, von sich selbst loszukommen. Es gibt nur ein Heilmittel für das Ich. Sie werden niemals selbst in der Lage sein, mit ihrem Ich fertig zu werden. Das war der fatale Irrtum bei jenen armen Menschen, die Mönche und Einsiedler wurden. Sie konnten von der Welt und von anderen Menschen Abstand nehmen, aber sie konnten nicht vor sich selbst weglaufen. Das Ich ist in den Menschen, und man kann es nicht loswerden. Je mehr Sie sich kasteien, desto mehr wird Ihr Ich Sie quälen. Es gibt nur einen Weg, das Ich loszuwerden, und das ist, dass man so von jemandem oder einer Sache gefesselt wird, dass man keine Zeit hat, an sich zu denken. Gott sei Dank: Der Geist Gottes macht das möglich. Er ist nicht nur der »Geist der Kraft«, sondern er ist auch »der Geist der Liebe«. Was bedeutet das? Es bedeutet Liebe zu Gott, Liebe zu dem großen Gott, der uns geschaffen hat, Liebe zu dem großen Gott, der den Weg der Erlösung für uns elende Geschöpfe gebahnt hat – für uns, die wir nichts anderes als die Hölle verdienen. Er hat uns mit seiner »nie endenden Liebe« geliebt (Jer 31,3). »Denk daran«, sagt Paulus zu Timotheus, »und wenn du ganz in Anspruch genommen wirst von der Liebe Gottes, wirst du dich selbst vergessen.« Der Geist der Liebe wird Sie aus dem Egoismus und aus der Deprimiertheit über Ihre eigene Person befreien, weil Depressionen aus dem Ich und dem Egoismus herrühren. Sprechen Sie also mit sich selbst über diese ewige, wunderbare Liebe Gottes – des Gottes, der ungeachtet unserer Sünden in Gnade auf uns sah und den Weg der Erlösung plante und Seinen eigenen Sohn nicht schonte, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat. Was nun weiter? Denken Sie weiter an die Liebe des Sohnes in ihrer Breite, Länge, Tiefe und Höhe. Erforschen Sie die Liebe Christi, die alle Erkenntnis übersteigt. Denken Sie an ihn, der aus der himmlischen Herrlichkeit kam und die Zeichen (Abzeichen) seiner Macht ablegte. Der als Kind geboren wurde, als Zimmermann arbeitete und den Widerspruch der Sünder ertrug. Denken Sie an ihn, in dessen Stirn sie eine Dornenkrone drückten, durch dessen Hände und Füße Nägel geschlagen wurden. Jesus hing am Kreuz. Was tat er dort? Dort starb er für uns, damit Ihnen und mir vergeben würde und wir mit Gott versöhnt würden. Denken Sie an seine Liebe. Und wenn Sie etwas von dieser Liebe erfassen, vergessen Sie sich selbst. Dann – lieben Sie die Brüder, denken Sie an andere Menschen, an ihre Nöte, ihre Sorgen. Soll .ich fortfahren? Timotheus scheint zu sich gesagt zu haben: »Ich könnte getötet werden.« Paulus sagt: »Denk an die anderen Menschen. Schau auf jene Menschen, die umkommen in ihren Sünden. Vergiss dich selbst«. Üben Sie Liebe zu den Verlorenen und ebenso Liebe zu den Brüdern. Üben Sie Liebe für die größte und erhabenste Sache der Welt: für das wunderbare, herrliche Evangelium. Machen Sie sich mit jeder Einzelheit vertraut. Das meint der Apostel mit dem Geist der Kraft und dem Geist der Liebe. Wenn Sie vom Geist der Liebe vereinnahmt werden, dann vergessen Sie sich selbst. Sie werden sagen, daß nichts anderes wichtiger ist als Jesus, der sich selbst für Sie dahingab, und dass Sie dafür alles hergeben möchten. Sie werden wie Graf Zinzendorf nur ein Verlangen haben, und das ist »Jesus und Jesus allein«. Das ist »der Geist der Liebe«!
… und den Geist der Zucht
Und zuletzt »der Geist der Zucht« – »nicht der Geist der Furcht, sondern der Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht«. Was bedeutet das? Er ist das richtige Gegenmittel für den Geist der Furcht: Selbstbeherrschung, Disziplin, ein ausgewogenes Denken. Obgleich Sie und ich furchtsam und nervös sein können, ist der Geist, den Gott uns gegeben hat, der Geist der Beherrschtheit,: der Geist der Disziplin, der Geist der Urteilskraft. Der Herr hat das bereits alles gesagt, bevor Paulus daran dachte. Paulus wiederholt nur und gibt einen Kommentar zu der Lehre Jesu. Sie erinnern sich an das, was er zu seinen Jüngern sagte, als er sie aussandte, zu lehren. Er warnte sie, dass sie gehasst und verfolgt werden könnten und dass ein Tag kommen könnte, da sie ihr Leben hingeben müssten oder den Gerichten überantwortet würden. Aber er fährt fort und sagt: »Wenn sie euch nun überantworten, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt« (Mt 10,19). »Ihr werdet vor Gericht stehen, und man wird alles versuchen, euch mit euren Worten zu fangen: Aber sorget nicht«, so sagt der Herr Jesus, »denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Ihr braucht euch nicht zu fürchten, ihr müsst nicht die Nerven verlieren, ihr braucht nicht so aufgeregt und beunruhigt zu sein, dass ihr nicht wisst, was ihr sagen sollt; es wird euch in derselben Stunde gegeben, was ihr reden sollt.« Das ist der Geist der Weisheit und der Zucht! Ich kann diesen Punkt sehr kurz an einem Beispiel verdeutlichen. Es ist die Geschichte eines verhältnismäßig jungen Mädchens in den Tagen der Covenanter in Schottland. Sie wollte an einer Abendmahlsfeier teilnehmen, die eines Sonntagnachmittags von den Covenantern abgehalten wurde. Allerdings waren solche Abendmahlsfeiern streng verboten. Die Soldaten des Königs von England suchten überall nach Menschen, die sich zu diesen Abendmahlsgottesdiensten trafen. Als das Mädchen auf ihrem Weg um eine Ecke bog, stand sie einer Gruppe von Soldaten gegenüber, und sie wusste, dass sie in der Falle war. Einen Augenblick lang fragte sie sich, was sie sagen sollte, aber bei der Befragung hörte sie sich gleich darauf antworten: »Mein älterer Bruder ist gestorben, und sie verlesen heute Nachmittag sein Testament. Er hat etwas für mich getan und mir etwas hinterlassen, und ich will die Verlesung des Testamentes hören.« Man ließ sie weitergehen. »Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht« – Weisheit, Klugheit, Vernunft. Er wird Sie so klug machen wie die Schlangen. Sie werden in der Lage sein, vor Ihren Feinden absolut wahre Aussagen zu machen, aber der Feind wird es nicht verstehen, und Sie werden entkommen. 0 ja, ihr älterer Bruder war gestorben – Christus war für sie gestorben -, und bei der Abendmahlsfeier sollte das Testament wieder verlesen werden; Sie wollte sich daran erinnern, was er für sie hinterlassen und getan hatte. Sie sehen, dem Unwissendsten und Nervösesten im Königreich Gottes wird ein klarer Verstand und der Geist der Weisheit gegeben. »Sorget nicht«, sagt Christus, »es wird euch in derselben Stunde gegeben, was ihr reden sollt«. Er wird Ihnen sagen, was Sie sagen sollen. Er wird Sie, wenn notwendig, zügeln. Wir leben nicht aus uns selbst. Wir dürfen nicht von uns als von gewöhnlichen Menschen denken. Wir sind keine natürlichen Menschen; wir sind wiedergeboren. Gott hat seinen Heiligen Geist gegeben, und er ist der Geist »der Kraft und der Liebe und der Zucht«. Daher sage ich denen, die durch ihre Angst vor der Zukunft besonders anfällig sind für geistliche Depressionen, im Namen Gottes und mit den Worten des Apostels: »Erwecke die Gabe Gottes.« Erinnern Sie sich an das, was für Sie gilt. Anstatt sich von der Zukunft und von den Gedanken daran hemmen zu lassen, sollten Sie zu sich selbst sprechen und sich daran erinnern, wer Sie sind, was Sie sind und welcher Geist in Ihnen ist. Nachdem Sie sich an den Charakter des Geistes erinnert haben, werden Sie in der Lage sein, stetig vorwärts zu gehen, nichts zu fürchten, in der Gegenwart zu leben – bereit für die Zukunft und mit nur einem Verlangen: den zu ehren, der sein alles für Sie gab“ (in Auszügen zitiert nach D. Martyn Lloyd-Jones. Geistliche Krisen überwinden. 3. Aufl. Lahr: VLM, 1995. S. 104-120).
4. PREDIGTGLIEDERUNGEN
Nach Wilfried Reuter – Zum Geburtstag der Gemeinde: „Von Gott beschenkt“!
a) Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben
b) Uns ist der Geist der Kraft geschenkt
c) Uns ist der Geist der Liebe geschenkt
d) Uns ist der Geist der Besonnenheit geschenkt
oder nach Erhard Berneburg: Gott gibt
a) den Heiligen Geist
b) Halt in der Angst
c) Kraft zum Leben