Jahresthema: Wert(e)voll leben
Die Auswirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben
Predigtthema: Wert(e)voll leben: Freude – mehr als nur glückliche Umstände
Gottesdienst Einleitung: Gal 5,22; Jes 61,10; (Vorschläge zur Textlesung)
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema
Einleitung zum Jahresthema „Wert(e)voll leben“!
Das Ziel: Mit dem Jahresthema wollen wir anhand der Frucht des Geistes (Gal 5,22) auf die christlich-biblischen Werte und Tugenden aufmerksam machen. Das Wortspiel „wert(e)voll leben“ zeigt auf, dass es sich lohnt christliche Werte auszuleben. Werte machen ein Leben wertvoll, sie sind sinngebend und achten die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes. Darum wollen wir auf die Auswirkung des Heiligen Geistes eingehen, der diese biblischen Grundwerte im Leben eines Christen verwirklichen will.
Der Anlass: Durch den Wertewandel und -pluralismus unserer Zeit werden christliche Werte zunehmend hinterfragt. Überzeugte Christen, die eine moralische Vorstellung vertreten oder leben, werden belächelt und als altmodisch oder unzeitgemäß verschrien. Diese Diskrepanz christlicher und gesellschaftlicher Normen stellt gläubige Christen (in der Gemeinde, Familie, Erziehung und am Arbeitsplatz) vor große Herausforderungen.
Als Gemeinde Jesu können wir uns daher weder einer Wertediskussion noch einer biblischen Werteverkündigung entziehen.
Die Chance: Das Thema hat eine gesellschaftliche Relevanz. Christliche Werte wie Verlässlichkeit, Treue, Wahrhaftigkeit, Disziplin, Fleiß, Selbstbeherrschung usw. werden durchaus im Alltag und der Gesellschaft geschätzt. Durch gelebte christliche Werte können wir Zeugnis und Licht in der Welt sein.
Auch für die Gemeinde- und Familienarbeit hat dieses Thema Relevanz. Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass biblische Werte in Elternhäusern weitergegeben werden oder dort bekannt sind. Darum müssen biblisch-christliche Werte wieder neu verkündigt, erklärt und begründet werden. Dabei muss die Wertevermittlung in Beziehung zur Liebe und zum Willen Gottes gestellt werden, dass daraus nicht nur eine Moralpredigt wird. Aber es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass wir in Christus tugendhaft leben.
„Im übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!“
Phil 4,8; vgl. Röm 12,1ff
Was sind WERTE?
Der Begriff „Werte“ stammt etymologisch aus dem Germanischen „werþa“ = „Wert, kostbar“. Weiter ist der Begriff verwandt mit germanisch „werþan“ = „werden“ (entstehen). Im Friesischen bedeutet „werþa“ = „würdig“. In der Bibel wird auch der Begriff „Tugend“ gebraucht, was soviel bedeutet wie „vorbildlich“, gute (sittliche) Charaktereigenschaft, anständig, redlich oder sittenhaft.“
Werte bestimmen die soziale Kompetenz, die Charakterbildung und die Persönlichkeit.
Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Bibel universelle, zeitlose, kulturell- und generationenübergreifende Werte/Tugenden vermittelt, die sich in der Menschheitsgeschichte bewährt haben. Christliche Werte haben Völker zivilisiert und humanisiert und prägten staatliche Grundgesetze und Gesellschaftsordnungen. Die christlichen Werte und Tugenden tragen in sich einen menschenwürdigen Charakter.
Neben einer christlichen Wertebildung durch Verkündigung oder Erziehung ist es aber vor allem der Heilige Geist, der das Herz des Gläubigen verändert, der ihm diese Werte zueignet und nachhaltig dazu befähigt, diese auch in der Kraft des Geistes auszuleben.
Das Jahresthema will dazu beitragen, dass wir die „Tugenden dessen verkündigen, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat… (1Pet 2,9ff).
Ausgehend von Gal 5,22 werden die jeweiligen Werte/Tugenden anhand ausgewählter Bibeltexte (Predigttexte) erklärt. Unter einem extra Punkt findet ihr eine zusätzliche Definition aus einem Online-Lexikon, einen Anti-Wert und ergänzende Erklärungen über den jeweiligen Wert/Tugend. Diese helfen das Thema unter weiteren Gesichtspunkten zu vertiefen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund
Krimmer, Heiko, Edition C Bibelkommentar NT, „Johannesbriefe““, Band 21, Hänssler Verlag.
Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Timotheus bis Offenbarung“ Band III, CLV.
Henry, M., Apostelgeschichte–Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag.
MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV.
Remmers, A., Die Bibel im Überblick leicht bearbeitete Auflage., Hückeswagen: CSV.
Hermann „Freude, sich freuen“, Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriert. Calw; Stuttgart: Verlag der Vereinsbuchhandlung.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Freude macht ein Leben wertvoll
Wie traurig ein Leben ohne Freude ist, muss wohl kaum erwähnt werden – und doch gibt es viele Menschen, die kaum Freude im und am Leben haben. Das trifft sogar manchmal auf Christen zu.
„Die Freude ist der Doktorhut des Glaubens“, so hat es Martin Luther formuliert. Doch oft scheint es, als hätten wir im Alltag diesen Hut abgelegt. Wir haben manchmal wenig Freude an uns selbst, an unseren Mitmenschen, an unserer Arbeit oder den Umständen. Wir grämen und bekümmern uns, sitzen bedrückt da oder laufen mit bedenklicher Mine durch den Tag. Jeder soll sehen, wie sorgenvoll, belastend und stressig oder geschäftig man ist, statt dass die Freude des Glaubens unseren Alltag prägt. Wie kann Christsein denn einladend sein, wenn wir die Freude an den Nagel hängen und die Mütze des Trübsinnes über das Gesicht ziehen.
Freude – mehr als glückliche Umstände
Freude ist nach der Liebe der zweite Begriff in der Werte-Auflistung des Heiligen Geistes (Gal 5,22). Gemeint ist eine Freude, die dem Gläubigen von oben aus der göttlichen Quelle geschenkt wird und darum von irdischen Umständen nicht bestimmt wird.
Wir haben dazu einen Predigttext aus 1.Petr. 1,3-9 gewählt, der uns diese ewige Freude in besonderer Weise vor Augen stellt. Eine Freude, die allen Umständen trotzt.
Doch zuvor wollen wir einen Überblick geben über die unterschiedlichen Arten von Freude, die in der Bibel beschrieben wird.
Die Freude am irdischen Leben – Erdenfreude: Gott schenkt in seiner Güte und Liebe dem Menschen viel Anlass zu Freude. Einige Beispiele, die aufzeigen, dass wir Freude im und am Leben genießen dürfen, da Gott selbst ja der Geber des irdischen Lebens ist.
- Die Nahrung für den Leib und ein leckeres Essen (Steak oder Maultaschen 😊) erfüllt den Menschen mit Freude (Apg 14,17).
- Den Wohlstand, den Gott schenkt, darf man genießen, wenn man sein Herz und seine Hoffnung nicht daran hängt (Pred. 2,25; 3,12-13; 5,18; 6,2).
- Das Ehe- und Familienleben, das Aufwachsen der Kinder miterleben (Spr. 5,18; Joh 16,21), gehorsame Kinder (Spr. 10,1).
- Das Arbeits- und Berufsleben. Ob als Landwirt über die Ernte (Jes 9,2) oder den Erfolg im Beruf. Z.B. bei einem Lehrer (Heb 13,17).
- Eine gesunde Gesellschaft oder Gemeinschaft teilt seine Freude und sein Leid mit anderen (Röm 12,15). Dies bewahrt vor einer egoistischen Eigenfreude.
Doch diese Erdenfreuden sind gänzlich von ihren Umständen abhängig. Sie sind zerbrechlich und können schnell zum Auslöser für Leid werden. Erdenfreuden sind so vergänglich wie die Erde selbst. Der Kummer wird im Alkohol ertränkt oder durch andere oberflächliche Lüste und Dinge verdrängt (Spr 14,13). Doch die Freude kehrt selten dauerhaft zurück, sondern bleibt fragil. Hat der Mensch keine andere Freude als die Erdenfreude wird sie zum Wichtigsten, so dass er diese bis aufs äußerste auskosten möchte (Pred 8,15). Dabei verführt die Erdenfreude den Menschen (verlorener Sohn) in das Extrem der Sünde und des Egoismus, die am Ende folgenschwere Nöte bringt. Umgekehrt warnt der Prediger aber auch vor dem Gegensatz einer extremen Frömmigkeit, die jegliche Freude im und am irdischen Leben geringachtet oder z.B. Gott geschaffene Speisen und Freuden verbietet (Pred 7,16; Kol 2,23; 1Tim 4,3).
Die arglistige Freude – Schadenfreude: Durch die gefallene Natur ist auch die irdische Freude von der Sünde verunstaltet. Freude kann, wie wir gerade gesehen haben, selbstgefällig fromm sein, aber auch sehr egoistisch und hämisch. Menschen finden Gefallen an Schadenfreude und am Bösen (Spr 2,14; Hos 7,3; Lk 22,5). Doch diese Art der Freude entwürdigt den Menschen und verachtet Gott als Erschaffer derselben (Spr 17,5; Spr 24,17; Ps 35,26). Solche Freude steht einem Christen nicht gut.
Die arglistige und sündhafte Freude wird Gott richten, ein Ende bereiten (Jak 4,9; 5,1-2; Jes 24,8-9; Jer 48;33). Die Welt vergeht mit ihrer Lust und ihren Freuden (1Joh 2,17).
Die Freude am Heil – Christenfreude: Nachdem der Mensch die Freudenbotschaft des Evangeliums gehört und angenommen hat (Eph 1,13) wird die Freude zum festen Bestandteil eines Christenlebens – so sollte es auf jeden Fall sein. Die Freude durchströmt das Herz eines Gläubigen, weil er Vergebung, Heil und Rettung erfahren hat. Der Grund dafür ist Gottes Güte und Gnade, die ihn ohne Zutun eigener Werke wiedergeboren hat. Diese Freude trotzt allen Anfechtungen und Umständen. Sie blickt auf das vollbrachte Gotteswerk am Kreuz, ist bereit das eigene Kreuz der Nachfolge geduldig zu tragen. Es ist eine Freude, die von innen kommt, die der Heilige Geist inwendig im Gläubigen wirkt (Ps 51,14; Röm 14,17, Gal 5,22). Vergebung der Sünden befreit uns zur wahren Freude (Ps 16,9; 21,7). Ist die Last der Sünde, die Angst vor Strafe und die Sorge um das Morgen weg, darf ich froh mit Jesus leben. Die Traurigkeit des Lebens verliert an Macht, die Bekümmernisse stehen nicht mehr im Fokus, auch wenn sie noch gegenwärtig sind. Vielmehr treten Rettung und Heil in Jesus in den Mittelpunkt. Jesu Worte des Trostes, der Verheißung und Erlösung machen die Freude vollkommen (Joh 15,11; 16,22; 17,13). Sichtbar wird es an der Freude am Wort Gottes (Ps 119,77) und am Gottesdienst (Ps 84,11). Die Freude an dem Herrn Jesus ist nicht nur ein Zeugnis, sondern auch Stärke (Neh 8,10). Sie wird zum Wesensbestandteil des Erlösten und erneuerten Menschen. Wie so vieles im Leben eines Christen, so unterliegt auch die Freude einem Wachstumsprozess. Es gibt eine Anfangsfreude, ein Strohfeuer, das manchmal schnell wieder vergeht (Mt 13,20f.). Doch der HERR lässt uns wachsen im Glauben, in der Liebe, in der Freude und in den göttlichen Tugenden und Werten.
Diese Freude an Jesus macht ein Leben wertvoll, weil sie auf die Erlösung gegründet ist. Nur diese Freude ist eine wahre, innere und wirklich bleibende Freude. Diese Freude wird durch wechselhafte Umstände auf die Probe gestellt (Jak 1,2; Phil 1,18). Aber die Bewährung des Glaubens verstärkt die Freude, macht sie gewisser und fester. Der Glaube an Jesus und das Vorrecht, im Dienst für Gott zu stehen ist eine Freude, trotz allen Beschwernissen. Die Freude nimmt einen hohen Stellenwert im Christenleben ein und ist eben der Doktorhut des Glaubens. Darum ruft auch Paulus wiederholt die Gläubigen dazu auf, sich im HERRN zu freuen (Phil 3,1; 4,4; 1Thes 5,16;…).
Die Freude auf die Herrlichkeit – Himmelsfreude: Die Freude am Heil ist zukunftsgerichtet auf die Wiederkunft Jesu und die endzeitliche Erlösung. Im Alten Testament wird die Freude bei der Wiederherstellung des Volkes Israels zur Vorschattung auf die ewige Freude im Himmel (Jes 35,10; 51,11). Jerusalem und Zion wird der Ort der ewigen Freude sein, wo alles Erste vergangen sein wird, Schmerz, Leid und Traurigkeit werden nicht mehr sein. Christen leben von dieser Himmelsfreude, sie schöpfen Kraft und Geduld in allem Leid durch diese lebendige Hoffnung. Im Glauben gehen wir der Herrlichkeit entgegen und werden einmal zur ewigen Freude des Herrn in den Himmel kommen (Mt 25,21; Off 21,4). Dann werden wir den sehen, der uns erlöst hat und an den wir geglaubt haben.
Von dieser ewigen und herrlichen Freude spricht unser Bibeltext aus 1Pet 1,3-9.
Hier einige Gedanken zum Text:
Petrus schreibt diesen Brief vermutlich aus Rom in den Jahren 61-62 n.Chr., noch vor der großen und schlimmen Christenverfolgung unter Nero. Die Gemeinden in Kleinasien bestanden schon einige Jahre und hatten manchen Widerständen standgehalten. Doch nun wurden sie immer mehr von den heidnischen Einflüssen bedrängt und standen in der Gefahr:
- entweder sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, sich zu wehren und zu rebellieren oder
- mit den Wert-Maßstäben der Heiden (ihrer Moral und Ethik) einen Kompromiss einzugehen.
Ziel des Briefes ist die bedrängten Gemeinden in ihren Umständen und ihrer Unterdrückung zu trösten, sie im Glauben zu stärken, Nachteile um Jesu willen zu erdulden und sie an die lebendige Hoffnung und ewige Freude zu erinnern.
V.3-5 Die Freude an der unverdienten Gnade Gottes
Petrus erinnert daran, dass die unverdiente Rettung Grund zum Gotteslob und zur Freude ist.
- Der Christ ist wiedergeboren durch Gottes Barmherzigkeit. Es ist somit ganz und gar Gottes Werk, das mich gerettet und mir ein neues Leben geschenkt hat.
- Der Christ hat durch Jesu Auferstehung eine ewige Hoffnung. Es ist Gottes Schöpfermacht, die den Tod überwunden hat. Ewiges und bleibendes Leben ist in Jesus möglich geworden. Die Traurigkeit des Todes ist durch die Freude des Lebens hinweg getan. Christen sehen sich nie das letzte Mal. Das ist Grund zur echten und unvergänglichen Freude. Ein Trost und Grund zur Freude gerade an Beerdigungen.
- Der Christ hat durch Gottes Wort eine feste Gewissheit seiner Rettung. Das himmlische Erbe ist:
- unvergänglich (unverweslich, so dass es nicht verdirbt oder vergeht)
- unbefleckt (rein, makellos und ohne Fehler)
- unverwelklich (nur hier in der Bibel und meint, dass es nicht von innen heraus kaputt geht, verwelkt oder verblüht)
- aufbewahrt (verwahren, bewachen, erhalten)
Gott selbst garantiert die Rettung, er bewahrt mir das Heil, weil ich es gar nicht könnte. Dieses unerschütterliche Heil ist der Grund zur bleibenden Freude, denn sie ist damit unabhängig vom Menschen. Weder von seinen äußeren Umständen, die auf ihn eindrängen, noch von seinem inneren Gemütszustand, die ihn oft an sich zweifeln lassen oder beschweren. Wie gut, dass JESUS mich hält und mein Heil nicht davon abhängt, ob ich die Kraft behalte, mich an ihm festzuhalten – das macht mich froh.
Es ist Gottes Kraft, die uns das Heil bewahrt und nur darum kann sie zur Gewissheit und Freude werden. Wie soll eine Freude des Heils möglich sein, wenn sie ständig mit der Angst vor Verlust einhergeht? Die Freude am Heil (Herrn – der HERR ist Heil) ist meine Stärke. Und weil dieses ewige Heil mir sicher ist, darf ich mich jetzt schon auf den Himmel freuen.
- Gottes Gnade bewirkt die Wiedergeburt, sie ist Gottes unveränderliches Werk im Gläubigen.
- Gottes Gnade bewirkt die Gewissheit und Freude, weil Gott das unvergängliche Erbe für uns aufbewahrt.
- Die Gnade bewirkt die Sicherheit des Heils, weil Gottes Kraft und Treue allein der Garant für die Vollendung meins Heils ist.
V.6-7 Die Freude an der bewahrenden Gnade Gottes
Die Lebensumstände auf der Welt sind oft so unterschiedlich. Jedes Menschenleben ist angefochten, beschwerlich, mühevoll und mit Zeiten des Leidens behaftet. Die Sünde zerstört das Leben, raubt die Freude und kann unendlichen Schmerz bereiten.
Christen, die ihre Freude nicht in der Welt suchen, werden noch mehr angefochten, weil sie von der Welt und dem Teufel angegriffen werden. Petrus erinnert, dass diese irdischen Leiden zeitlich und kurz sind – im Vergleich zur Ewigkeit. Paulus sagt, dass die Bedrängnisse schnell vorüber gehen und eine umso größere Herrlichkeit bewirken (2Kor 4,17).
Petrus verschweigt nicht, dass diese Anfechtungen auch Traurigkeit auslösen können, aber sich eben in Freude umwandeln werden. Jakobus schreibt darum, dass wir es für lauter Freude achten dürfen (Jak 1, 2). Und wahrlich stehen eben wir oft in diesem Spannungsfeld, dass Anfechtungen uns keine Freude sind. Ob wegen Umständen, weil Menschen uns wegen des Glaubens an Jesus bedrängen, einschüchtern oder unrecht tun, oder ob wir gedrängt werden, Kompromisse mit den Wert-Maßstäben der Heidenwelt einzugehen oder gelockt werden Abstriche an Gottes Wort zumachen. Wie oft sind es aber auch Anfechtungen, die aus der Lust und Sünde unseres eigenen Fleisches kommen. Christen leiden in dieser Welt, leiden an der Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit der Welt, an der Sünde in ihrem eigenen Leben und was sie in und an unserem Leben anrichtet.
Petrus erinnert die Zuhörer, dass nach Leid, Trauer und Tränen die Freude, das Heil und der Jubel folgt. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten (Ps 126,5).
Wir brauchen dringend die Erinnerung an diese ewige und herrliche Freude, die alles irdische Leid überwiegt. Nicht, dass Leid kein Leid wäre, Trauer keine Traurigkeit – doch es ist wichtig, nicht zu vergessen:
- dass Leid, Trauer, Bedrängnis für Christen zeitlich sind
- die Freude im und am HERRN dagegen ist für den Christen ewig!
Gottes bewahrende Gnade verwandelt das irdische Leid am Ende in etwas Wertvolles und Bleibendes. Der Vergleich mit Gold und Edelmetallen, die in der Hitze der Glut gereinigt werden, sind Beispiele, dass Gott die irdischen Umstände dazu gebrauchen will, dass unser Glaube umso herrlicher, reiner, geläuterter und noch echter und edler wird.
V. 8-9 Die ewige Freude an der leibhaftigen Gnade
Liebe steht vor der Freude, so in Gal 5,22 – sicherlich kein Zufall. Die Liebe erzeugt Freude.
Das wissen nicht nur verliebte Pärchen, sondern auch solche, die sich über Jahre treu und fest geliebt wissen. Liebe hält auch Leidenszeiten und schwere Umstände aus. Liebe ist mehr als Zuneigung, sie ist ein Grundwert aller Tugenden. Aus der Liebe entspringen alle anderen Werte, auch die Freude. Schlatter formuliert es mal so: “Liebe macht froh und Jesus liebhaben macht ganz froh“.
Ohne den Heiligen Geist ist weder die Liebe Gottes noch die Freude Gottes in uns – wenn aber Gottes Liebe in uns ausgegossen ist, dann ist es gerade die Liebe zu Jesus, der in uns die Freude bewirkt. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat – und wir freuen uns, weil wir ihn, den wir lieben einmal sehen werden. Gegenwärtig ist unser Leben ein Leben im Glauben, wir lieben und freuen uns über Jesus, ohne ihn jemals gesehen zu haben. Wir dienen ihm und unser Leben gehört ihm – ohne dass wir ihn jetzt sehen könnten. Eine blinde Liebe? Eine blinde Freude? Das ist Glaube!
Mit unaussprechlicher Freude, ohne Worte werden wir uns freuen, wenn wir das Ziel unseres Glaubens erreichen und Jesus sehen. Uns werden die Worte fehlen, wir werden aus dem Staunen und der Bewunderung nicht herauskommen, wenn wir ihn sehen werden, wie er ist (1Joh 3,2). Was für eine herrliche Himmelsfreude!
JESUS schafft in uns die Freude, die allen Umständen trotzt und ewig bleibt.
Manche Not und Leiden, die wir auf Erden erfahren, bleiben ein unergründliches Geheimnis Gottes. Aber eines steht fest, dass die Freude am Ende überwinden und überwiegen wird (1Pet 4,13). Wenn Jesus wiederkommt, ist das Erste vergangen, werden wir die Herrlichkeit Gottes nicht nur sehen, sondern daran Anteil haben.
Im Blick auf Jesus werden wir froh – vielleicht werden wir auch beschämt schweigen, weil wir erkennen, dass unser irdisches Leiden ein wehleidiges Jammern war, das im Vergleich zur ewigen Herrlichkeit unverhältnismäßig und falsch war. Je mehr wir heute und jetzt schon vor Gott stehen, verliert die Erde ihre Anziehungskraft.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Das irdisch erfahrene Leid und der Aufruf zur ewigen Freude in Jesus sind ein Spannungsfeld. Darum muss betont werden, dass diese Freude ein Werk Gottes ist und ein Wirken des Geistes. Der Mensch kann sich nicht einfach auf Knopfdruck trotz seiner irdischen Not freuen. Freude ist ein innerer Gemütszustand, der wechselhaft ist. Die wahre Glaubensfreude ist dagegen ein in Jesus ruhen und sich geborgen wissen.
Dabei ist in den Versen 3-5 die beschriebene Reihenfolge des Heils zu beachten.
- Die Wiedergeburt – so werde ich Christ und bekomme das Heil.
- Die Heilsgewissheit – so darf ich als Christ Gewissheit haben.
- Die Heilssicherheit – so bleibt mir als Christ das Heil bewahrt.
- Die Heilsfreude – so darf ich mich an und in meinem Heil freuen.
Wer nicht wiedergeboren ist, noch keine Gewissheit oder Sicherheit des Heils kennt, dem wird es nicht möglich sein, sich in JESUS zu freuen. Die Freude im Herrn setzt eine echte Wiedergeburt und Gewissheit voraus!!
2.2 Weitere Hinweise zum Wert FREUDE
Quellen: https://www.values-academy.de/freude
Hinweis: Diese Beschreibung der Freude ist von der Christenfreude und Himmelsfreude zu unterscheiden und zu differenzieren.
Definition: Freude wird betrachtet als ein Gemütszustand, ausgelöst durch positive Emotionen, auf Grund von schönen Erfahrungen, Erlebnissen oder Erinnerungen.
Freude ist die Basis für ein positives Leben und Wohlergehen. Sie ist ein positives Gefühl des Glücklichseins und der Fröhlichkeit. Unsere emotionalen und seelischen Bedürfnisse werden befriedigt. Wenn wir Freude verspüren, geht es uns gut.
Sowohl Intensität als auch die Form, in der die Freude zum Ausdruck gebracht wird, können stark variieren. So können wir uns innerlich freuen oder die Freude mit anderen teilen, indem wir sie mit Gesten, Mimik oder Worten ausdrücken.
Anti-Wert: Trauer, betrübt sein, Niedergeschlagen, grämen, bekümmert sein.
Synonyme oder Wortformen: Fröhlichkeit, Frohsinn, Heiterkeit, Hochgefühl, Frohmut, Spaß, Vergnügen, Vergnüglichkeit, Vergnügung, Wonnegefühl, Belustigung, Gefallen, Wohlgefallen, Behagen, Lust, Seligkeit, Vergnügen, Vergnügtheit, Entzücken, Hochgenuss, Gaudi.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Der Petrusbrief ist an die bedrückte und leidende Gemeinde gerichtet. Wie Petrus diese Leiden ernst nimmt, so müssen auch wir die Leiden und Nöte der Zuhörer ernst nehmen und nicht geistlich oder gar überheblich übergehen.
Freude und Leid im Leben
Gerade in unserer westlichen Kultur, die von Freiheit und Wohlstand geprägt ist, gibt es eigentlich viel Grund zur Freude im Leben. Dafür sollten wir vielmehr Gott gegenüber Dankbarkeit sein. Erdenfreude dürfen und sollen wir genießen, wenn sie frei von Egoismus und rein von Sünde ist.
Es muss darauf verwiesen werden, dass irdische Freuden aber oft auch schnell zerbrechen können und Traurigkeit und Verdruss auslösen können.
- Aus der glücklichen Ehe, wird ein Ehedrama.
- Aus dem süßen Baby wird ein ungehorsames und rebellisches Kind.
- Aus dem Traumjob wird ein täglicher Spießrutenlauf.
- Auf die erfolgreiche Zeit im Betrieb folgt die Insolvenz.
- Auf die gesunden Jahre, folgen Zeiten der Krankheit und Schwachheit usw.
Diesen Wechsel von Freude und Leid kann Depressionen und tiefe seelische Nöte auslösen. Da ist es wenig hilfreich, wenn nur zur Freude aufgerufen wird. Es braucht die Erklärung zur Unterscheidung der Freuden und die Quelle zur wahren Glaubensfreude, die uns in JESUS geschenkt wird.
Freude ist ein Kennzeichen der Christen
Wir haben in vielerlei Hinsicht Grund und Anlass zur Freude. Das sollen Menschen in unserer Familie, Ehe, am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft erfahren. Freundlichkeit, Güte, eine Zufriedenheit und fröhliche Art sind ermunternd und mitreißend, solang es nicht eine überspielte und gekünstelte Freude ist. Freude macht Mut, Freude steckt an.
Wo fällt es mir schwer Freude und Fröhlichkeit im Alltag zu leben?
Lebe ich eine ansteckende Christenfreude?
Wo kann ich anderen als Christ eine Freude machen?
Werde ich als ein fröhlicher Mensch wahrgenommen oder bedrücken mich die Sorgen?
Mache ich mich lustig über den Schaden anderer?
Habe ich eine Lebensfreude oder überkommt mich eine Lebensmüdigkeit?
Kann ich unterscheiden, welche Art von Freude mir vielleicht gerade fehlt oder mir mangelt? Fehlt es an Erdenfreude, Christenfreude oder Himmelsfreude?
Eine fehlende Erdenfreude hat keine Macht, die Freude am HERRN zu schmälern.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Den Zuhörern soll bewusst werden, dass wir als Christen viel Grund zur Freude haben.
Die Glaubensfreude, von der die Bibel spricht, wird durchaus von irdischen Umständen beeinflusst, begünstigt oder auch bedrückt. Aber die Freude am HERRN ist die Kraft, die auch fehlende Erdenfreude trösten und heilen kann.
Es gibt mehrere Gefahren als Christen mit der Freude umzugehen. Zum Beispiel:
- Die Gefahr alle Freude im und am Leben zu verteufeln oder als sündhaft zu betrachten. Wir dürfen irdische Freuden teilen und nach Gottes Willen in Reinheit und Dankbarkeit genießen.
- Die Gefahr, dass eine überfromme Freude am Herrn das Leid und die Not der Menschen nicht ernstnimmt und das Mitleid auf der Strecke bleibt.
- Die Gefahr, dass die Erdenfreude am Wohlstand uns den Blick auf den Himmel trübt und wir die Freude am Herrn von äußeren Umständen abhängig machen.
Was bleibt und in einem Christenleben vorherrschend sein Tun und Handeln prägen soll, ist die ungetrübte Freude an seinem Heil in Jesus. Darum kann er auch eine Freude haben, selbst dann, wenn die Umstände im Alltag (Familie, Ehe, Arbeit, Gesundheit, Alter) Anlass geben zur Traurigkeit.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Freude ist mehr als nur glückliche Umstände.
Lässt der Gläubige sich vom Geist Gottes und der Hoffnung in Jesus bestimmen, erlebt er in den Herausforderungen und beschwerlichen Zeiten seines Lebens eine bleibende Glaubensfreude in Jesus, die ihm keiner nehmen kann.
Diese Glaubensfreude in JESUS soll die Grundhaltung im Leben eines Christen sein. Die Freude soll unseren Umgang im Alltag prägen und bestimmen. Menschen sollen an Christen erkennen, dass es eine bessere Hoffnung und ein ewiges Lebensziel gibt, das alles irdische Leid überwiegt. Diese ewige Freude der Hoffnung verschafft uns einen anderen und gelasseneren Umgang mit Schwierigkeiten. Weil aber diese Freude im HERRN im Alltag oft in Vergessenheit gerät, dürfen wir uns gegenseitig immer wieder daran erinnern, uns dazu ermutigen und im Gebet darum bitten, so dass wir eine wahre Christenfreude ausstahlen.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Freude steckt an – Gewissheit der Hoffnung
- Freude macht Mut – Bewährung im Glauben
- Freude tut gut – Liebe zu Jesus
- Die Freude am wahren Leben – das Heil
- Die Freude im Erdenleid – das Christenleben
- Die Freude an Jesus – die Herrlichkeit
- Die Erdenfreude – Freude im und am Leben
- Die Christenfreude – angefochten und bewährt
- Die Himmelsfreude – Freude, die uns keiner nimmt!
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Die Freude ist der Doktorhut des Glaubens.
Martin Luther
Willst du immer freudig sein, freue dich im Herrn allein.
Trost und Freud in andern Dingen muss zuletzt Betrübnis bringen.
Gedicht
“Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.”
Jes 61,10
“Ist Jesus unsere Freude geworden, dann haben wir die Freude, die ewig bleibt.”
Friedrich von Bodelschwingh
“Dieses Leben ist ein Vorzimmer des Himmels. Unsere größten Freuden sind nur die ersten Früchte und der Vorgeschmack der ewigen Freude, die noch kommen wird. Ja, das Beste kommt noch.”
Corrie ten Boom
(Klaus Eberwein)