Matthäus

Predigthilfe vom 27.8.2006 – Matthäus 22,34-40

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der ihn liebt
Predigtthema: In gehorsamer Liebe

Bibelstelle: Matthäus 22,34-40

Verfasser: Eckhard Löffler

Bausteine zu Matthäus 22, 34-40

Direkte Vorgeschichte ist ein Streit u. a. um die Auferstehung der Toten. Jesus soll als Irrlehrer abgestempelt werden.
V 34 Pharisäer und Sadduzäer (1) hatten theologisch und politisch unterschiedliche Ansichten, s. Bibellexikon. Natürlich hatten die Pharisäer am vorausgegangenen Gespräch mit den Sadduzäern nicht teilgenommen.
Jesus erhält Lob und Anerkennung, weil er es der Gegenpartei gezeigt hatte (2). Die Redewendung „das Maul gestopft“ hat Luther der bildhaften Umgangssprache seiner Zeit entnommen, wörtlich: zum Schweigen gebracht. Das Geschehen bewirkte eine Zufriedenheit der „Sieger“.
V 35f Ein „Gesetzeskundiger“, der kaum ein Mann der Praxis war, stellt als hochkarätiger Experte eine Fangfrage (3). Die theologischen Experten waren in der Geschichte nicht immer diejenigen, welche die ganze Bibel wichtig machten. Einige verführten ihre Gläubigen und deckten Sünde zu (4).
Trotzdem lässt Bibelstudium, die regelmäßige Beschäftigung mit dem ganzen Bibelwort, Gottvertrauen wachsen.
613 Gebote nennt das AT. Wenn aber Gottes Wort zur Verfolgung eigener Ziele missbraucht wird, fehlt der Segen Gottes (Ps 2, 2; Apg 4, 25ff) (5).
V 37-40 Sogar fromme Fallensteller nimmt Jesus ernst.
„Du sollst…“ stammt aus dem „Schemâ Israel“ (2. Mose 6, 4f), das als Glaubensbekenntnis der Juden täglich gebetet wird, gerade in Anfechtungen bis zum Tod. Jede traditionelle, jüdische Familie befestigt die Mesusa (6) an den Türpfosten der Wohnung als Erinnerung und Bekräftigung des Gotteswillens.
Gottesliebe ist das Höchste. Aber der Glaube, der dem Nächsten nichts Gutes tut, ist unecht (Jak 2, 17).
Gott erwartet keine Liebe, die nicht auch den Nächsten einschließt. Ist das menschenmöglich? Röm 8, 3 (7)

Der Glaube „hängt“ – dasselbe Wort wie bei der Kreuzigung (Lk 23, 39; Gal 3, 13) – an der Gottes- und Nächstenliebe. „Das Liebesgebot ersetzt nicht die anderen Gebote, sondern fasst sie zusammen und trägt sie keimhaft in sich“ (Gerh. Maier). Herzstück des Gesetzes ist Gottes Liebe. In der Liebe zu Gott und meinem Nächsten „hängt“ die ganze Bibel.
Gott liebt mich brutto, samt meiner Angst, meinem Hass auf Einzelne, meinem Versagen.
Und dieses Wissen akzeptieren kann frei machen zur Liebe.

Gliederungsvorschlag (nach Gerhard Maier)
1. Gottes Gebote sind gut.
2. Das Herzstück des Gesetzes heißt Liebe.
3. Gottes- und Nächstenliebe lassen sich nicht trennen.

Fußnoten
(1) 3 große Gruppen von Gläubigen gab es:
1. Pharisäer (= Abgesonderte) hielten sich für frommer als andere. Eine Laienbewegung. Reinheitsgesetze wurden stark beachtet, weshalb Jesus´ Gemeinschaft mit Zöllnern und Sündern Anstoß erregte.
Wegen IHREM Verständnis von Gottes Gesetz und Willen waren sie gegen Jesus.
2. Sadduzäer waren politisch interessiert, vom griech. Denken beeinflusst, bildeten die dem Hohenpriester ergebene Fraktion im Hohen Rat, leugneten als Rationalisten die Auferstehung der Toten, ein Weiterleben nach dem Tode und die Existenz von Engeln und Geistern.
Gegen Jesus eher aus politischen Gründen.
3. Essener (s. Bibellexikon),die in diesem Text keine Rolle spielen.
(2) Anhänger einer Meinung gehen mit „gegnerischen“ Argumenten oft hart um.
Sportlich: Ein Gegentor erfreut die Clubanhänger.
(3) Das Verb kann erproben, prüfen, versuchen, anfechten, auch zur Sünde verlocken beschreiben. Äußerliche oder seelische Lagen können dem Menschen Anlass zur Sünde werden.
(4) Marcion galt als Kirchenvater und wollte schon im 2. Jahrhundert die Bibel umschreiben und seinen Überzeugungen angleichen.
(5) Wie oft haben Brüder über Meinungen gestritten und sich auseinandergelebt, die letztlich IHREN Erkenntnissen entsprangen. Im Namen des Gottesworts wurde der persönliche „alte Adam“ hochgehalten.
(6) Mesusa (hebr.) bedeutet Türpfosten und bezeichnet eine Schriftkapsel am Türpfosten, die den Bibeltext 5. Mo 6, 4-5 oder -9 enthält.
(7) Nächstenliebe erscheint z.B. Bertold Brecht unmöglich. Im „guten Menschen von Sezuan“ befahlen die „Götter“, zu lieben, bzw. gut zu sein. Nun wächst ihr Eindruck, dass es nicht umgesetzt wird: „Sollen wir eingestehen, dass unsere Gebote tödlich sind?“. Sie suchen nach wenigstens EINEM guten Menschen, der anderen hilft. Aber gerade die Hilfe wird dem Hilfsbedürftigen zum Fallstrick (Lk 17, 17). Brechts Antwort: Wer Verlorenen hilft, geht selbst verloren. Es geht also nicht.
Allerdings: EINER GEHT – ans Kreuz und zeigt dort am deutlichsten, wie Liebe aussieht.