Jahresthema: Wert(e)voll leben. Die Auswirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben.
Predigtthema: Wert(e)voll leben: Bescheidenheit
– mehr als nicht nur alles haben zu müssen
Predigttext: 1. Timotheus 6, 6-10
Gottesdienst Einleitung: Philipper 4, 11-13 Vorschläge zur Textlesung
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden, findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema
Einleitung zum Jahresthema „Wert(e)voll leben“!
Das Ziel: Mit dem Jahresthema wollen wir anhand der Frucht des Geistes (Gal 5,22) auf die christlich-biblischen Werte und Tugenden aufmerksam machen. Das Wortspiel „wert(e)voll leben“ zeigt auf, dass es sich lohnt christliche Werte auszuleben. Werte machen ein Leben wertvoll, sie sind sinngebend und achten die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes.Darum wollen wir auf die Auswirkung des Heiligen Geistes eingehen, der diese biblischen Grundwerte im Leben eines Christen verwirklichen will.
Der Anlass: Durch den Wertewandel und -pluralismus unserer Zeit werden christliche Werte zunehmend hinterfragt. Überzeugte Christen, die eine moralische Vorstellung vertreten oder leben, werden belächelt und als altmodisch oder unzeitgemäß verschrien. Diese Diskrepanz christlicher und gesellschaftlicher Normen stellt gläubige Christen (in der Gemeinde, Familie, Erziehung und am Arbeitsplatz) vor große Herausforderungen.
Als Gemeinde Jesu können wir uns daher weder einer Wertediskussion noch einer biblischen Werteverkündigung entziehen.
Die Chance: Das Thema hat eine gesellschaftliche Relevanz. Christliche Werte wie Verlässlichkeit, Treue, Wahrhaftigkeit, Disziplin, Fleiß, Selbstbeherrschung usw. werden durchaus im Alltag und in der Gesellschaft geschätzt. Durch gelebte christliche Werte können wir Zeugnis und Licht in der Welt sein.
Auch für die Gemeinde- und Familienarbeit hat dieses Thema Relevanz. Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass biblische Werte in Elternhäusern weitergegeben werden oder dort bekannt sind. Darum müssen biblisch-christliche Werte wieder neu verkündigt, erklärt und begründet werden. Dabei muss die Wertevermittlung in Beziehung zur Liebe und zum Willen Gottes gestellt werden, dass daraus nicht nur eine Moralpredigt wird. Aber es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass wir in Christus tugendhaft leben.
„Im Übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!“
Phil 4,8; vgl. Röm 12,1ff
Was sind WERTE?
Der Begriff „Werte“ stammt etymologisch aus dem Germanischen „werþa“ = „Wert, kostbar“. Weiter ist der Begriff verwandt mit germanisch „werþan“ = „werden“ (entstehen). Im Friesischen bedeutet „werþa“ = „würdig“. In der Bibel wird auch der Begriff „Tugend“ gebraucht, was so viel bedeutet wie „vorbildlich“, gute (sittliche) Charaktereigenschaft, anständig, redlich oder sittenhaft.“
Werte bestimmen die soziale Kompetenz, die Charakterbildung und die Persönlichkeit.
Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Bibel universelle, zeitlose, kulturell- und generationenübergreifende Werte/Tugenden vermittelt, die sich in der Menschheitsgeschichte bewährt haben. Christliche Werte haben Völker zivilisiert, humanisiert und prägten staatliche Grundgesetze und Gesellschaftsordnungen. Die christlichen Werte und Tugenden tragen in sich einen menschenwürdigen Charakter.
Neben einer christlichen Wertebildung durch Verkündigung oder Erziehung ist es aber vor allem der Heilige Geist, der das Herz des Gläubigen verändert, der ihm diese Werte zueignet und nachhaltig dazu befähigt, diese auch in der Kraft des Geistes auszuleben.
Das Jahresthema will dazu beitragen, dass wir die „Tugenden dessen verkündigen, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat… (1Pet 2,9ff).
Ausgehend von Gal 5,22 werden die jeweiligen Werte/Tugenden anhand ausgewählter Bibeltexte (Predigttexte) erklärt. Unter einem extra Punkt findet ihr eine zusätzliche Definition aus einem Online-Lexikon, einen Anti-Wert und ergänzende Erklärungen über den jeweiligen Wert/Tugend. Diese helfen das Thema unter weiteren Gesichtspunkten zu vertiefen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund
Grünzweig, Fritz, Edition C Bibelkommentar NT, „1.Timotheus“, Band 19, Hänssler Verlag.
Henry, Matthew., Apostelgeschichte bis Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag.
MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Bevor wir die neunte Tugend aus Gal 5,22 (die Selbstbeherrschung) betrachten, wollen wir uns noch mit zwei weiteren Charaktereigenschaften beschäftigen, die Gottes Geist in uns bewirken möchte. Das ist „Bescheidenheit/Genügsamkeit“ und „Freigebigkeit“.
Als Textgrundlage dazu dient 1Tim 6,6-10 in dem der Apostel Paulus die Christen vor geistlicher Irrlehre und materieller Habgier warnt. Gerade in Ephesus, wo Timotheus sich gerade befindet (1,3) gab es viele reiche und wohlhabende Gemeindeglieder (6,17).
Da auch wir in besonders wohlhabenden Verhältnissen leben dürfen, möchte der Text auch unser Anspruchsdenken und unsere Unzufriedenheit hinterfragen und zu einer gottgewollten Bescheidenheit ermutigen.
Die Beziehung zu materiellen Dingen zeigen das Maß der Bescheidenheit auf.
Das Streben nach äußeren Dingen und dabei immer mehr haben und besitzen zu wollen, zeigt auf, wie wichtig und wertvoll die materiellen Dinge geworden sind. Doch auch wenn der Wert unseres Vermögens steigt, wir immer größeren Reichtum anhäufen, wird das Leben nicht automatisch wert(e)voller.
Bescheidenheit und Genügsamkeit sind Wesenszüge, die der Grundhaltung unserer Gesellschaft eher widersprechen. Wie sagt schon das Sprichwort: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Oder: „Bescheidenheit ist keine Zier, sondern Dummheit.“
Der Umgang mit Bescheidenheit ist gespalten.
Mit der Bescheidenheit ist es gar nicht so einfach. Der Umgang ist zwiegespalten. Denn Bescheidenheit wird durchaus als bewundernswerte Eigenschaft geschätzt.
Menschen, die bescheiden oder genügsam sind wirken rücksichtsvoll, sympathisch und umgänglich. Wer sich selbst darstellt, sich von anderen abhebt oder etwas auf sich hält, dem sagt man schnell fehlende Bescheidenheit nach. Somit wird die Tugend der Bescheidenheit zumindest von anderen erwartet, auch wenn sie einem selbst fehlt.
Wir erleben eine Gesellschaft, in der Menschen sich noch nie so häufig durch Selfies selbst derart betrachtet und dargestellt hat. Der heutige Mensch giert nach Aufmerksamkeit, Selbstdarstellung und Anerkennung.
- Im Kindesalter nährt man das Selbst-wert-gefühl und sagt: Sei stolz auf dich, du bist was! Du kannst was – selbst dann, wenn das Kind in der Schule aus Faulheit keine Leistung erbringt.
- Im Jugendalter kämpft man um den Selbst-wert-erhalt und sagt: Sei wie du bist und lebe dich aus. Man investiert viele Trainingsstunden im Fitnessstudio und in teures Make-Up, um sich auf Social-Media-Plattformen als Anschauungsobjekt darzustellen.
- Erwachsene prahlen selbst-bewusst mit dem, was sie sich an Wohlstand leisten können und sagen: „Schau, was ich mir geholt habe“. Mein neues Auto, mein neustes iPhone und meine tollen Urlaubsbilder im Status sollen allen anderen zeigen, was ich mir selbst-verständlich verdient habe. „Es geht nicht um’s brauchen, sondern einfach um’s haben.“
- Und dann gibt es noch die, die mit falscher Bescheidenheit ihr Licht unter den Scheffel stellen, sich selbst-entwerten und ständig sagen: ich kann nichts, ich bin nichts. Tiefstapler, die sich kleiner machen, als sie sind und sich selbst und andere, mit falscher Demut, etwas vorlügen. Also gar nicht so einfach mit der Bescheidenheit.
Was ist wahre Bescheidenheit und wo ist sie zu finden?
Bescheidenheit bedeutet: Eine Angemessenheit, die Zufriedenheit mit der eigenen Situation bewirkt. Ein sich begnügen mit dem Vorhandenen. Ein Unabhängig sein von Umständen. Ein Dankbar werden. Vgl. 2Kor 9,8, Phil 4,11-13; Lk 3,14; Heb 13,5
Kommen wir zu unserem Predigttext aus 1Tim 6,6-10:
Die beiden Abschnitte 6,1-5 und 6-10 gehören eng zusammen.
Im V.1-5 geht es um falsche Lehren und in V.6-10 geht es um falsches Leben.
Paulus erinnert: wer anders lehrt, wird anders leben!
Um die falsche Lehre und das falsche Leben zu korrigieren, lenkt er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf das, was am Ende des Lebens wirklich bleibt.
- Bescheidenheit ist gebunden an die Gottesfurcht (und umgekehrt)
V.6 Gottesfurcht meint eine Frömmigkeit, die weiß, dass es mehr gibt als das irdische Leben und sich bewusst ist, dass wir uns einmal vor Gott verantworten müssen.
Furcht vor Gott ist die angemessene Grundhaltung des Menschen gegenüber seinem Schöpfer. Dabei ist es kein Widerspruch, wenn die Bibel sagt, dass wir einerseits, in Christus durch Gottes Gnade frei sind und andererseits, die Angst vor Gott dann aber sagt, dass wir Gott umso mehr fürchten, weil wir um seine Heiligkeit wissen.
Paulus bezeichnet diese Ehrfurcht vor Gott als notwendige Schranke vor falscher Lehre. Die Rechenschaftspflicht warnt vor der Überheblichkeit, über das hinauszugehen, was Gottes Wille und Wort sagt oder sich gar respektlos und ungeistlich zu verhalten (vgl. V.3-5).
Wie diese Gottesfurcht den gesunden Worten Jesu und seiner Lehre entsprechen (gleich sind), so soll auch die Bescheidenheit mit der Gottesfurcht zusammenpassen und ihr gleich sein.
V. 7 Wer Gott vergisst, der lebt nur noch in der Welt und für die Welt. Der hat vergessen, dass er am Ende des Lebens nichts mitnehmen wird. „Das letzte Hemd hat keine Taschen“! Darum ist das Streben nach materiellen Dingen eine irdische Gesinnung, die nicht der Gottesfurcht entspricht. Sie vergisst, dass wir keine Schätze auf Erden sammeln sollen (Mt 6,19; Jak 5,1-3).
2. Bescheidenheit ist zufrieden mit dem Vorhandenen
V.8 Genügen lassen: Schon in der Bergpredigt erinnert Jesus daran, dass Gott selbst die Vögel versorgt – und ihm seine Kinder doch weit mehr wert sind. Darum sollen wir nicht in derselben irdischen Gesinnung wie die Heiden leben, die nur auf materielle Dinge aus sind (Mt 6,31-33). Die Sorgen um die Dinge dieser Welt kommen durch eine Haltung der Bescheidenheit und Genügsamkeit zur Ruhe.
– Es zeugt von einem Charakter Jesu: Am Leben Jesu sehen wir Bescheidenheit. „Füchse haben Gruben (…) aber der Mensch hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann“ Mt 8,20. In Bescheidenheit kam Jesus auf die Welt. In bescheidenen Verhältnissen wuchs Jesus in einem ärmlichen Elternhaus auf. Genügsamkeit prägte sein Leben. Es waren nur 12 Jünger. Es glauben nur wenige. Unabhängig seiner äußeren Umstände begnügte er sich mit dem Vorhandenen. Selbst in Ablehnung und Verfolgung und Tod, genügte ihm Gott. Dass wir uns genügen lassen, ist nicht unser Naturell.
– Es zeugt von Gottes Gnade: In Jesus will Gott uns alles sein. In allen schwachen Umständen sollen wir uns an seiner Gnade genügen lassen (2Kor 12,9). Wir wollen oft so viel mehr. Mehr Sieg über Sünde, mehr Erfolg im Leben oder der Gemeinde, mehr Gesundheit, mehr Ausdauer und mehr Kraft. JESUS will uns nicht mehr geben als sich selbst, weil es mehr nicht gibt.
– Es zeugt von einem Lernweg: Paulus erinnert daran, dass Bescheidenheit und Genügsamkeit Lernprozesse sind. Der Mensch lernt mit der Erfahrung. So sagt Paulus: „Ich habe gelernt (…) mich zu begnügen! Phil 4,11.
– Es zeugt von einer ewigen Hoffnung: Auf Erden nicht alles haben zu müssen, sondern um Jesu und seines Dienstes Willen auf manches zu verzichten. Das zeugt von einer Hoffnung auf eine bessere Welt. Auf diese Hoffnung hin, können wir verzichten, nicht einfach, um der Opferbereitschaft und der Hingabe willen, sondern vor allem, um des Lohnes der Nachfolge willen. Man kann sich hinterfragen, ob die Erwartung des Lohnes Bescheidenheit ist – aber, dass der Herr seinen Nachfolgern das 10-fache und 100-fache in der Ewigkeit verheißen hat (Mt 19,27-30), kann uns hier genügsam und bescheiden machen, weil das Beste noch kommt.
3. Bescheidenheit weiß um die Gefahr des Reichtums
V. 9 Begnügen statt Betrügen: Als Folge von Geldgier oder der Liebe zum Geld nennt Paulus vier Stadien, die wie eine Abwärtsspirale nach unten führt.
– Versuchung: Die Liebe zum schnellen Geld kann Menschen zu Diebstahl, Verbrechen, dubiose Geschäfte, Spekulationen, Glückspiel und anderen falschen Dinge versuchen. Diese Versuchung ist oft selbstgemacht, weil man sich eben nicht mit dem vorhandenen Reichtum begnügt. Durch das Vergleichen mit Freunden, Medien, gesellschaftlicher Werte und Statussymbole wird in mir ein Mangel geweckt, der mich versucht, diesen durch die eigene Begierde zu stillen. Versuchung will mir etwas verkaufen, was ich nicht brauche und erzeugt in mir ein Mangelgefühl, wo in Wirklichkeit kein Mangel vorhanden ist.
– Fallstrick: Wer den Versuchungen nachgibt, geht leichtsinnig Risiken ein, die zur Schlinge werden. Wieviel Menschen haben an der Börse (Bitcoin, Aktiengeschäfte usw.) den schnellen Gewinn erhofft aber stattdessen den Großteil ihres Vermögens verzockt?
– Törichte Begierden: Zieht sich die Schlinge zu, entstehen dumme oder unvernünftige Gedanken. Statt sittsam und besonnen (vgl. 2,9+3,2), wächst die Begierde nach Anerkennung und Geltung. Dabei bemerkt man nicht, dass Geld mangelnden Selbstwert oder Selbstachtung aufwerten kann.
– Schädliche Begierde: Am Ende führt Geldgier nicht zum Glück. Vielleicht zum irdischen äußeren Erfolg, aber nicht zum bleibenden Segen. Wie oft hat Habgier und Geldgier Ehen und Familien geschadet. Männer die Hof und Gut im Casino verspielt haben und die ganze Existenz der Familie zerstörten haben.
– Untergang: Geldgier ist eine Last, deren Schwergewicht unterschätzt wird. Wie ein Boot, das mit Wasser vollläuft und beginnt zu sinken, so ist jegliche Lust und Sünde, die das Leben eines Menschen füllt. Sie nimmt immer mehr das Herz ein und beschwert unerträglich die Seele. Paulus erinnert Titus daran, den weltlichen Lüsten abzusagen (Tit 3,12)
– Verderben: Gemeint ist kein Ende der Existenz, sondern ein dauerhafter elender Zustand. Es bezieht sich auf ein zerstörtes irdisches Leben, das leiblichen Schaden miteinschließt. An anderer Stelle wird das Wort mit „ewigen Verderben“ ergänzt, was ja die ewige Verlorenheit und Hölle bedeutet. Hier, meine ich, geht es nicht um das ewige Heil, sondern um das irdische Leben, das der Mensch sich wegen der Geldliebe selbst verdorben, verloren und vergeudet hat. Die Folgen sind allzumal schrecklich.
Darum ist die Geldgier die Wurzel allen Übels.
V. 10 Begnügen statt Vergnügen: Wenn die Reichtümer steigen, fallen die Werte. Nicht selten zeichnet sich das in der prominenten Gesellschaft ab, dass Luxus, Wohlstand und Geldgier den Charakter eines Menschen verderben können. Es sind bei weitem nicht alle. – Paulus differenziert – es sind einige. Diese haben sich der Geldgier hingegeben.
– Sie kannten nichts, außer Renditezuwachs und Wachstumsgewinne.
– Sie lebten für den zeitlichen Besitz und Wohlstand und haben bleibende Werte und Beziehungen (Familie, Gott, Menschen) missachtet.
– Sie haben geistliche Verluste eingefahren, haben die Beziehung zu Gott vernachlässigt, sind falsche Wege gegangen.
– Sie haben sich und andere damit großen seelischen Schaden und Schmerz zugefügt.
Die „vielen Lüste“ aus V.9, haben „viele Schmerzen“ in V.10 zur Folge.
Bescheidenheit wird somit zu einem Rezept für ein gesundes und schmerzfreies irdisches Leben.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Es ist wichtig, das Verhältnis von Christsein und Reichsein zu erläutern. Reichtum und Wohlstand ist an sich nichts Verwerfliches, aber sie birgt die Gefahr, ein Hindernis für geistliches Wachstum zu sein. Entscheidend ist, der gottgewollte Umgang mit Besitztümern und die Wertigkeit, die ein Besitz einnimmt. Hat der Reichtum mich in Besitz genommen oder besitze ich Reichtum? Die Motivation und auch die Beziehung zur Gottesfurcht sind hier entscheidend.
2.2 Weitere Hinweise zum Wert BESCHEIDENHEIT
Quellen: https://www.values-academy.de/bescheidenheit/
Wortformen: Anspruchslosigkeit, Bedürfnislosigkeit, Zurückhaltung, Genügsamkeit, Unaufdringlichkeit, bescheidene Art, bescheidenes Wesen, Einfachheit, Selbstbescheidung, zurückhaltende Art, zurückhaltendes Wesen.
Wortherkunft: Aus Mittelhochdeutsch „Bescheidenheit“ = „Verstand, Einsicht“.
Definition: Entschieden genügsames Wesen.
Beschreibung: Die Bescheidenheit ist eine Charaktereigenschaft, die ein geringes Streben oder Verlangen nach Ansprüchen beschreibt, selbst wenn daraus ein Vorteil oder Gewinn resultieren würde. Zudem beschreibt es ein Bewusstsein für Wertschätzung von Dingen und das bewusste Nichtverlangen von besonders Wertvollem.
2.3. Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Genügsamkeit und Bescheidenheit berührt viele Bereiche unseres Lebens. Materielle und irdische Dinge sind nur eine Facette. Man kann sich selbst die Fragen stellen:
- Bin ich zufrieden mit den materiellen Gütern, die Gott mir geschenkt hat oder treibt mich Habgier und Geldliebe um?
- Bin ich genügsam mit dem Vorhandenen? Haben wir nicht viel zu viel?
- Kann ich zufrieden bleiben, wenn wir künftig vielleicht Wohlstand, Wärme, Urlaub, Spareinlagen etc. einbüßen müssen?
- Lass ich mir an meiner vorhandenen Gesundheit genügen?
- Lass ich es genug sein im Streit und kann ich aufhören?
- Lass ich mir genügen mit dem Erbe, wie es ausgeteilt ist?
- Bin ich zufrieden mit den Lebens- und Familienumständen?
- Lass ich mir an der Gnade genügen?
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Bei aller Angst um die Inflation, der Geldentwertung und andauernden Krisen, die unsere Wirtschaft und Wohlstand gefährden, zählen wir immer noch zu den Reichsten auf der Welt.
In Verhältnis zur Weltbevölkerung sind wir wirklich reich und dennoch sind wir oft nicht zufrieden, wollen mehr Gehalt oder weniger dafür arbeiten.
Obwohl wir alles haben, begnügen wir uns nicht mit dem Vorhandenen. Unsere Bescheidenheit, die wir glauben zu haben, beruht auf einer sehr eigenartigen Sichtweise.
Ziel der Predigt ist,
- zu erinnern, dass wir viele Gründe haben, zufrieden zu sein.
- zu ermutigen, sich genügen zu lassen, mit dem was vorhanden ist
- zu verkündigen, dass in Jesus wir alle Genüge haben
Genügsamkeit und Bescheidenheit soll immer mehr zu unserem Charakter werden. Es ist ein Lernprozess der Lebenserfahrung – aber auch eine Folge unseres Glaubens und der Jesusähnlichkeit. Bescheidenheit zeugt am Ende auch von einer lebendigen Hoffnung auf eine bessere Welt.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Bescheidenheit ist eine Charaktereigenschaft, die den Glauben an Jesus auch in unserem Leben bewirken möchte.
Bescheidenheit befreit mich von den irdischen Zwängen, alles haben zu müssen.
Bescheidenheit darf ich an Jesus sehen und lässt mich dankbar und zufrieden werden.
Bescheidenheit lebt von der Gnade Gottes, dass wir in ihm alle Fülle haben.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Bescheidenheit ist gebunden an die Gottesfurcht (und umgekehrt)
- Bescheidenheit ist zufrieden mit dem Vorhandenen
- Bescheidenheit weiß um die Gefahr des Reichtums
- Wer anders lehrt, wird anders Leben
- Genug sein lassen und auf Besseres hoffen
- Begnügen statt sich sinnlos zu Vergnügen
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
„Suche nichts außer Ihm. Er genügt dir! Du magst habgierig sein, soviel du willst: Gott ist genug!“ (Aurelius Augustinus) Augustinus von Hippo
„Wer genügsam ist, weiß um Gottes völlige Vorsorge für seine Bedürfnisse und um Gottes völlige Gnade in seinen Umständen.“ (Jerry Bridges)
Es ist nie genug, einfach nur Umsatz und Gewinn zu machen. (Heinrich Deichmann)
(Klaus Eberwein)