Jahresthema: Von der Schönheit der Gemeinde – biblische Bilder der Gemeinde
Predigtthema: Bilder der Gemeinde: Gottes Weinberg: Joh 15,1-8 (Jes 5,1-7; Jes 27,2-5)
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema
Einleitung zum Jahresthema: Von der Schönheit der Gemeinde – biblische Bilder der Gemeinde
Zu den allgemeinen Hinweisen zum Jahresthema 2024 vergleiche die Predigthilfe vom 28.Januar 2024 über Joh 1,11-13.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
Maier Gerhard, Edition C Bibelkommentar, „Johannesevangelium 2. Teil“, Hänssler Verlag.
De Boor Werner, Wuppertaler Studienbibel, „Das Evangelium des Johannes“, R.Brockhaus Verlag Wuppertal.
Köstenberger, Andreas: John, Baker Academic
1.2.1 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes: Johannes 15,1-8
Zusammenhang/ Kontext:
In den synoptischen Evangelien spricht Jesus in verschiedenen Gleichnissen von einem Weinberg (Mt 12,1ff; Mt 20,1ff; Mt 21,28ff; Lk 13,6ff; Lk 20,9ff). In allen diesen Gleichnissen wird Israel als der Weinberg dargestellt.
Auch im Alten Testament ist das Bild eines Weinberges oder einer Pflanzung für das Volk Gottes geläufig. In Psalm 80,9 ist von einem Weinstock die Rede, den Gott aus Ägypten aushob und im verheißenen Land einpflanzte.
In Jesaja 5 lesen wir ein Lied über den Weinberg, der nicht die Frucht bringt, die er hätte bringen sollen und so die Konsequenzen des Weingärtners erleben muss. Auch Jeremia 2,21 ist eine Klage Gottes über sein Volk. Eine Klage über den edlen Weinstock, den Gott sich gepflanzt hat und der zu einem fremdartigen Weinstock geworden ist. In Hosea 10 wird Israel dem „üppigen Weinstock“ vorgeworfen, sich falsche Altäre und Gedenksteine gemacht zu haben, also sich von Gott abgewendet zu haben.
Aber nicht nur ganz Israel auch der einzelne Gläubige kann im AT mit einer wachsenden Pflanze verglichen werden (vgl. Ps 1,3; Ps 89,13f, Jer 17,8).
Auf diesem Hintergrund bekommt das Ich-bin Wort von Jesus, das wir in Johannes 15 lesen eine ganz besondere Bedeutung, weil es auf die Bedeutung von Jesus herausstellt und deutlich macht, dass echte Gemeinschaft mit Gott nur durch ihn, den Sohn Gottes, möglich ist. Oder vielleicht besser gesagt, dass echte Gemeinschaft mit Gott nur in ihm, als Rebe des echten Weinstocks möglich ist.
Jesus unterstreicht in diesen Versen die enge, untrennbare Verbindung der Gemeinde mit ihm als ihrem Haupt durch ein Bild, das seinen Zeitgenossen gerade durch ihren alttestamentlichen Hintergrund deutlich vor Augen stand. Und doch weist Jesus, durch die Art und Weise, wie er dieses Bild verwendet, seine Zuhörer sehr klar auf die Veränderung hin, die durch ihn geschehen ist.
Vers 1
Durch die Betonung, dass er der wahre Weinstock ist, baut Jesus direkt in Vers 1 einen deutlichen Kontrast zum Volk Israel auf, das als Weinstock Gottes immer wieder versagt hat. Israel hat nicht die Frucht gebracht, die es bringen sollte.
Mit der zweiten Aussage über Gott als den Weingärtner unterstreicht Jesus, dass sein himmlischer Vater den ganzen Prozess in seiner Hand hält. Für die Hörer Jesu, war das Weinberglied aus Jesaja 5 sicherlich sehr präsent. In diesem Lied stellt sich Gott als der sehr aktive Weingärtner vor, der sich leidenschaftlich und hingebungsvoll um seinen Weinberg kümmert, der alles dafür tut, dass sein Weinberg gute Früchte bringt.
Vers 2
Jesus beschreibt, wie sein Vater, der Weingärtner arbeitet, wie er mit jeder einzelnen Rebe umgeht. Das Ziel ist sehr deutlich. Der Weingärtner erwartet Frucht von seinem Weinberg und er handelt mit den Reben eben abhängig davon, ob sie Frucht bringen oder nicht. Ab Vers 9 will Jesus deutlich machen, dass Frucht bringen ein Leben in Liebe und im Gehorsam gegenüber Gottes Geboten bedeutet. Es geht um ein Leben zur Ehre Gottes, das von der Welt immer wieder mit Ablehnung und Verfolgung bedacht wird (vgl. Joh 15,18ff). Jesus spricht hier von einem Leben im Heiligen Geist, den er seinen Jüngern in Kapitel 14 und 16 verheißt. Die Frucht, von der Jesus spricht ist schlussendlich das Wirken des Heiligen Geistes im Leben all derer, die an Jesus als ihren Herrn und Retter glauben, die in ihm bleiben, so wie er in ihnen ist.
Der Weingärtner geht in Abhängigkeit vom Fruchtbringen sehr unterschiedlich mit den Reben um. Die Reben, die keine Frucht bringen, gehören nicht zum wahren Weinstock und werden deshalb abgeschnitten (Judas Ischariot wäre das Beispiel aus dem Kreis der Jünger). Auf der anderen Seite arbeitet der Weingärtner auch an den Reben, die bereits Frucht bringen. Diese reinigt er, damit sie im Glauben an Jesus wachsen und mehr Frucht bringen (wie es Jesus mit Petrus tut).
Vers 3
Mit Vers 3 nimmt Jesus wahrscheinlich auf Joh 13,10-11 Bezug. Dort bei der Fußwaschung hat er seinen Jüngern, insbesondere Petrus erklärt, wie das mit der Reinheit ist. Die Jünger sind schon grundsätzlich rein, durch das, was Jesus für sie tun wird (mit dem betonten Verweis auf Judas, der eben nicht rein ist). Dennoch benötigen sie immer wieder die Reinigung des Weingärtners. Doch dieser Reinigung können sie ohne falsche Angst entgegengehen, weil sie das Wort Jesu angenommen haben, weil sie auf ihn vertrauen (vgl. auch Joh 14,23).
Vers 4
Während Jesus in Vers 2-3 die Reinigung durch den Vater als Notwendigkeit für das Fruchtbringen beschrieben hat, kommt in Vers 4-8 das Bleiben in Jesus als Voraussetzung für das Fruchtbringen mehr in den Blick. Die Gemeinschaft mit Jesus ist absolut essenziell dafür. Das „und ich in euch“ sollten wir vom Bild des Weinstocks her verstehen. Wer sich in seinem Leben von Jesus trennt, der kann nicht erwarten, dass Jesus dennoch in ihm wirkt. Wenn Jesus hier vom Bleiben in den Jüngern spricht, dann ist hier wieder der Heilige Geist im Blick, den Jesus direkt im Umfeld unserer Verse als „Paraklet“ verheißt.
Leben mit Jesus ist leben in der persönlichen Beziehung zu ihm, in seinem Wort, im Gebet, im Gehorsam, im klaren Bekenntnis, in der Gemeinschaft mit den Glaubensgeschwistern und im treuen Einbringen, der von Gott geschenkten Gaben. Das Bild von der abgetrennten Weinrebe war für die Jünger ebenso alltäglich wie deutlich. Eine Rebe ohne Verbindung zum Weinstock wird unweigerlich eingehen.
Vers 5
Vers 5 ist wohl der bekannteste Vers in unserem Abschnitt. Wieder steht Jesus im Mittelpunkt. Er ist der Weinstock, nicht das Volk Israel. Er, der Messias, der Sohn Gottes, ist die Voraussetzung für jede echte geistliche Frucht. Jesus spricht seinen Nachfolgern eine große Würde zu. Wir dürfen Reben Jesu sein. Jesus, der wahre Weinstock, will durch uns hindurch Frucht bringen. Das ist eine große Ehre, die uns immer wieder ins Staunen bringen darf. Natürlich ist diese Ehre mit einer Verantwortung verbunden, mit der Verantwortung so in der Verbindung zu Jesus zu leben, dass auch wirklich Frucht in unserem Leben entsteht. Jesus spricht in diesem Vers auch eine wunderbare Verheißung aus. Wer in ihm bleibt, der wird viel Frucht bringen. Es hängt eben nicht an den Fähigkeiten der Rebe, nein der wahre Weinstock gibt die Kraft zu einem Leben voller Frucht. So ist auch der letzte Teil des Verses konsequent, wenn Frucht bringen eben nur in der Kraft Jesu geschehen kann, dann ist jeder Versuch, ohne ihn Frucht zu bringen von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Vers 6
Jesus bleibt nicht bei der positiven Seite stehen, er zeigt auch sehr deutlich, welche Konsequenz es hat, wenn seine Nachfolger nicht in ihm bleiben. Das Bild des Verbrennens, das Jesus in diesem Vers verwendet erinnert stark an Hesekiel 15,1-8, wo Gott Israel mit einem wertlosen Weinstock vergleicht, der nur noch als Feuerholz dienen kann. Jesus hat hier sehr klar das Gericht Gottes vor Augen und warnt seine Jünger vor den Konsequenzen eines fruchtlosen Lebens, eines Lebens ohne Verbindung zu Jesus.
Vers 7
Jesus spricht in Vers 7 noch einmal die Beziehung zu seinen Jüngern an. In Jesus bleiben bedeutet, dass Jesus Worte in uns bleiben. In Jesus bleiben ist nicht ein mystisches Gefühl, nein es ist ein Leben im Blick auf ihn, im Vertrauen auf seine Verheißungen und im Gehorsam gegenüber seinen Geboten. Paulus beschreibt ein solches „in Jesus bleiben“ in Röm 12,1-2 und nennt ein solches Leben unseren vernünftigen Gottesdienst. Es ist ein Leben in der Hingabe an Gott, im Streben danach Gottes Wille zu erkennen und zu tun. Und wieder gibt er den Jüngern eine große Verheißung. Jesus verspricht, dass ihr Gebet erhört wird, wenn sie in ihm bleiben. Auch das vertrauensvolle Gebet ist ein Kennzeichen des „in Jesus seins“. Nachfolger Jesu, die in Jesus bleiben, die von Jesu Worten durchdrungen sind, werden sich im Gebet eins machen, mit dem Willen ihres Herrn.
Vers 8
Jesus schließt unseren Abschnitt ab, indem er noch einmal den Weingärtner, Gott, den Vater, in den Blick nimmt. Jesus macht deutlich, dass absolut kein Konkurrenzkampf zwischen dem Weingärtner und dem Weinstock besteht. Beide sehnen sich nach Frucht. Ein Leben in der Nachfolge Jesu ist ein Leben, das Frucht bringt und durch ein solches Leben wird Gott der Vater geehrt. Der Weingärtner freut sich über seinen Weinberg, der viel Frucht bringt. Und diese geistliche Frucht gibt es nur in der Beziehung zu Jesus Christus, als echte Nachfolger Jesu.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
In unserer Serie über die unterschiedlichen Bilder der Gemeinde, die wir in Gottes Wort finden, wollen wir neu über das wunderbare Geschenk der Gemeinde staunen. In Jesus sind wir als Glaubensgeschwister miteinander verbunden. Wir teilen die wunderbare Erfahrung der Vergebung, das Geschenk, dass wir in Jesus neues, ewiges Leben haben. Wir erleben, wie Gemeinde trägt, wie Liebe untereinander weitergegeben und wie Gemeinschaft in Christus sichtbar wird.
Doch gleichzeitig leiden wir darunter, dass Gemeinschaft unter Christen immer wieder umkämpft ist und leider auch manchmal zerbricht. Wir leiden unter Enttäuschungen und Verletzungen, die Christen sich gegenseitig zufügen und manche der Predigthörer sind vielleicht müde und ernüchtert im Blick auf die Gemeinde geworden.
Wir wollen in dieser Serie neu bedenken, wie wunderbar Gottes Gemeinde ist. Gott baut seine Gemeinde mit fehlerhaften Menschen, mit Menschen, die auch aneinander schuldig werden. Aber Gott ist es, der seine Gemeinde baut, der jeden einzelnen von uns berufen hat, neu gemacht hat und uns immer mehr in sein Bild verändern will. Gott möchte, dass seine Liebe mehr und mehr durch uns hindurchscheint und wir so zum Segen für unsere Geschwister werden.
Unsere Predigten sollen motivieren, Gemeinde neu wertzuschätzen, Gemeinde wirklich zu leben und für die Gemeinde zu ringen. Natürlich nicht aus unserer eigenen Kraft, sondern aus der Beziehung zu Jesus Christus, der uns mit dem ausrüstet, was für unsere Gemeinde notwendig ist.
2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen
Wir wollen in der Predigt erneut unterstreichen, dass wir als Kinder Gottes dazu beauftragt sind geistliche Frucht zu bringen. Unser neues Leben in Christus soll sichtbar werden.
Wir wollen unsere Hörer erinnern, dass wir, um wirklich Frucht zu bringen, ganz von Gott abhängig sind. Er will auf eine doppelte Weise in uns wirken. Zum einen will er uns reinigen. Das bedeutet, dass Gott all das, was uns daran hindert geistliche Frucht zu bringen, mehr und mehr aus unserem Leben entfernen möchte. Außerdem will Gott uns in seiner Kraft mit all dem ausstatten, was wir brauchen, um wirklich in seinem Sinne zu wirken.
Deshalb wollen wir unsere Hörer ermutigen, sich bewusst ins Licht Gottes zu stellen, damit er sie mehr und mehr in sein Bild verändert. Außerdem wollen wir sie einladen, ihr Leben immer wieder neu in der Abhängigkeit zu Jesus zu leben, mit dem klaren Blick, dass er allein es ist, der in unserem Leben geistliche Frucht bewirkt.
Schließlich wollen wir den Zusammenhang zu Gemeinde zeigen. Gemeinde ist eine Gemeinschaft von Begnadigten, die in der Kraft Gottes Frucht bringen sollen. Als Gemeinde Jesu sollen wir ein fruchtbarer Weinberg sein. Ein Weinberg zur Ehre Gottes, dem dieser Weinberg gehört, ein Weinberg, in dem die einzelnen Gläubigen gestärkt werden und ein Weinberg, der ein Zeugnis ist für die Menschen, die Jesus noch nicht kennen.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Siehe 2.1 & 2.2
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Gemeinde ist Gottes Weinberg: Nur in Jesus können wir wirklich Frucht bringen
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Vom Weingärtner zurechtgestutzt – Gott macht uns zu fruchtbaren Reben
b) Vom Weinstock ausgestattet – Nur in und durch Jesus können wir Frucht bringen
c) Ein edler Tropfen – Durch die Frucht, die wir bringen, wird unser Gott geehrt
(Tobias Schurr)