Monatsthema: Nach dem Willen des Herrn leben
Predigtthema: Wachsamkeit nach dem Willen Gottes
Bibelstelle: Epheser 5, 1-14
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Eph 4, 17 – 5,20 ist ein Aufruf an die Gemeinde zum Verlassen heidnischer Wege, denn auch bekehrte Ephesus-Einwohner waren durch ihr Umfeld geprägt worden. (1)
Allerdings trug die Weltstadtatmosphäre, (Ephesus lag am Hauptweg von Rom nach Osten) auch zur Verbreitung des christlichen Glaubens bei. Paulus lebte hier fast drei Jahre (Apg 19, 10; 20, 31), kannte sich also gut aus.
Erklärungen und Tipps
V 1-7
Einen anderen Menschen nachahmen beeinträchtigt die eigene Originalität, gerät leicht zum einfallslosen Nachäffen, zur grotesk verzerrten Kopie. Gott nachahmen schafft dagegen Originale (Phil 2, 5). (2)
Wiedergeborene Menschen tragen das „Erbgut“ des Vaters in sich (Rö 8, 14) und lassen sich umgestalten durch Erneuerung (griech metamorphouste) ihrer Sinne (3) (siehe auch Eph 4, 23; Kol 3, 10).
Zum Beispiel: Wie Kinder, die eine Liebesbeziehung zu ihren Eltern haben, versuchen deshalb praktisch „auch mal so“ zu werden. (4)
Wie durch einen Stempel des göttlichen Vaters wird das Wesen der Kinder Gottes geprägt.
Liebe (agape = die göttliche Liebe) ist das Lebenselement der Christen wie Luft und Wasser.
Der Wandel (siehe Elberf.; besser als Luthers „Lebt…“) meint gewohnheitsmäßiges Verhalten und Tun. Die Liebe wird also anderen Menschen nicht von Fall zu Fall entgegengebracht, sondern ist in Fleisch und Blut übergegangen (1. Ko 13; 16, 14; 2. Ko 6, 6; Gal 5, 13.22; Eph 3, 17; 5, 25).
Die Liebe Christi ist die neue Norm für das Christenleben.
Und die Liebe des Herrn wird nirgends deutlicher als auf seinem Weg ans Kreuz (Jo 15, 13; Rö 5, 8; Phil 2, 5-8).
Jeder „Duft von Wohlgeruch“ VERZEHRT sich wie Parfüm, wie jede Kerze. Gotteskinder verzehren sich im Dienst der Liebe zu ihren Geschwistern und allen Menschen (Gal 6, 10).
Nöte und Schwierigkeiten dürfen in der Gemeinde nicht ausgeblendet werden (ab 4, 17ff). (5)
Und Einfallstor für Sünde ist seit dem ersten Sündenfall (1. Mo 3, 4ff) die Selbstsucht (Habsucht), die Sucht, mehr haben zu müssen. (6) Habsucht ist nicht leicht zu entdecken, weil diese Süchtigen sich meistens „in Wort und Werk und ganzem Wesen“ rührig und geschäftstüchtig aufführen und ihre Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit beeindruckt (vgl. Sir 14, 7; Mk 7, 22; Lk 12, 13ff; Rö 1, 29; Eph 4, 19).
Hier kennzeichnet Paulus aber Grundhaltungen der Menschen, denn kein Mensch außer Jesus war niemals „habgierig“. (7)
Alle guten Gaben, die Gott gegeben hat, kann der Mensch missbrauchen und dadurch Gott entehren.
Allerdings zählt das nicht zu den Hauptthemen der Verkündigung. In diesen Bereichen sollte die Gemeinde der Welt keinen Anlass zu Gerüchten geben. Davon soll nicht einmal gemunkelt werden.
Hurerei, bzw. Unzucht (griech. porneia abgeleitet von porné = Hure) meint zuerst die geschlechtliche Betätigung außerhalb der Ehe. (8)
Jesus nennt Hurerei als einzigen Scheidungsgrund (Mt 19, 9). Doch auch Huren und Hureren steht der Weg zur Vergebung offen (Mt 21, 31f; 1. Ko 6, 11).
Daneben versteht die Bibel auch den Umgang mit falschen Göttern. Als Bild des Götzendienstes werden die Begriffe „Hure“ und „Hurerei“ vor allem in Offb 2, 20f; 14, 8; 17, 1 bis 19, 2 verwendet.
Die Bibel macht bei einzelnen Sünden Unterschiede. Die Vertreter der in V3 genannten Fälle werden in V5 härter beurteilt als die Untäter in V4.
Als „Zungensünden“ sind die drei Bereiche V4 aufzufassen. Mit Worten wird leichter, eher und unbedachter zerstört als durch Taten (1. Petr 3, 10; 1. Jo 3, 18; Jak 1, 26; 3, 5-8).
Paulus stellt keinen biblischen Sittenkodex auf, nach dem die Gemeinde sich zu richten hat. Die Bibel soll vielmehr in der Gemeinde leben(!). Dadurch entsteht ein (fast) „instinktives“ Wissen von dem, was Gott gefällt und was nicht (Mt 7, 21; Jo 7, 17; Hebr 13, 21).
V. 3-5 könnten einen Schwarz-Weiß-Eindruck erwecken: Hier der Gläubige und dort der Sünder. Aber der Gläubige ist mit seiner Bekehrung nicht sündlos geworden. (9) Er lebt in ständiger Gemeinschaft mit der Welt und tausende Eindrücke beeinflussen ihn ungewollt und leider manchmal auch gewollt, sonst hätte Paulus diesen Briefabschnitt nicht schreiben müssen.
Er erwartet aber eine klare und grundsätzliche Scheidung (vgl. V11).
„Werdet nicht ihre Mitteilhaber, Mitgenossen“. (10)
V 8f „Denn“ leitet die Begründung für Gotteskinder ein: Früher – Jetzt (Baruch 4, 28; Rö 6, 20; 1. Ko 12, 2; Eph 2, 1.11-17; Kol 1, 21; 1. Petr 2, 10.25).
„Denn – So“ beschreibt eine logische Folge wie z.B. „Darum“ (Eph 4, 25; siehe entspr. Predigttipp).
Die Radikalität der Bekehrung wird unterstrichen: Vorher – nachher; damals – jetzt; entweder – oder; früher „Söhne des Ungehorsams“(V6b), jetzt „Kinder des Lichts“ (8b).
V 10-14 „Prüfen“ gehört nun zu den Glaubensregeln (Rö 14, 22; 2. Ko 13, 5; 1. Thess 5, 21).
Wer sein Verhältnis zur Welt prüft, sollte wissen, was „weltlich“ ist, ohne diesem Wissen zu verfallen. Die Prüfung soll den Charakter der Welt darstellen. (11)
Die von Gott seit 1. Mo 3 abgefallene Welt wird überführt: Sünde = Zielverfehlung.
„Ans Licht bringen“ könnte kriminalistische Ambitionen wecken und aus menschlicher Kraft geschehen. (12)
Hier geht es um das Licht des Gottes, der sowieso alles weiß (Jo 1, 48ff) und trotzdem die Liebe ist.
Momentanes Wachsein für Jesus nennt die Bibel Erweckung. Dabei geht es weniger um einen Begriff als um ein Geschehen. Wache Christen brauchen das Wort Gottes, die Gnade, die Geschwister, die Gemeinde, die Mission, das Zeugnis, das Gebet, den Dank, das Opfer, – eigentlich nur IHN, den Herrn, ALLEIN.
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Gliederungsvorschlag 1 nach Heiko Krimmer:
1. Woran sich ein liebevoller Lebensstil orientiert, wovon er sich distanziert
2. Nicht im Zwielicht bleiben
3. Leben, wie es Gott gefällt
evtl. 4. Aufdecken, was dunkel ist
Gliederungsvorschlag 2
1. Wertloses im Dunkeln
2. Leben im Licht
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Fußnoten
(1) Ephesus war ein Schmelztiegel vieler Völker, Religionen, magischer Kulte und okkulter Praktiken. Das Leben der Stadt stand unter dem Zeichen der Göttin der Fruchtbarkeit (griech. Artemis, röm. Diana). Dafür stand der Tempel. Prostitution war gesetzlich erlaubt und prägte das Stadtleben.
Die im Straßenpflaster eingemeißelten Wegweiser zum Bordell finden heute noch das Interesse der Ephesus-Besucher.
(2) „Nachahmen“ kommt vom mittelhochdeutschen ámen = ausmessen. (Áme war ein Flüssigkeitsmaß). Der große Duden übersetzt: „ausmessend gestalten“, d. h. ständig das Eigene am Vorbild prüfen und sich ihm möglichst genau anpassen.
Im alten Luthertext stand „Werdet meine Mitnachahmer!“.
(3) Bekanntes Beispiel ist die Wandlung der Raupe zum Schmetterling. Einer Raupe kann man auch mit den ausgefeiltesten Methoden nicht das Fliegen beibringen. Erst die Umwandlung (Metamorphose) schafft das Wunder.
(4) Kinder tragen auch das Erbgut ihrer Eltern in sich.
(5) „Das ertragen wir, behalten wir für uns und breiten die Decke der Verschwiegenheit darüber!“ klingt gut, hat aber oft von Zuständen abgelenkt, die einer Gemeinde geistlich schadeten.
(6) Die weltweite Wirtschafts- und Bankenkrise entstand nicht zuletzt durch das Mehr-haben-wollen (-müssen) leitender Manager.
(7) Deshalb sollte nicht jedem gläubigen Kind, das sich sehnlichst Playmobil wünscht, ein bedrücktes Gewissen verschafft werden. Rö 14, 1: „Den Schwachen im Glauben nehmt an und streitet nicht über Meinungen“ (Luther: „und verwirrt die Gewissen nicht!“).
(8) Die Bibel nennt jede geschlechtliche Betätigung außerhalb der Ehe Hurerei (Mt 5, 32; 19, 9; 1. Mo 38, 15f; 19, 9; Rö 1, 26; 1. Tim 1, 10; 1. Ko 5, 1f; 3. Mo 18, 23). Anmerkung: Die Schuld des Onan war zuerst die Verweigerung einer Pflicht (1. Mo 38, 9; 5. Mo 25, 5).
Ausführlichere Beschreibungen gehören eher in den seelsorgerlichen Bereich als in die Predigt.
(9) Wozu bräuchte er dann noch einen Heiland?
(10) Ein Teilhaber ist bewusst und verbindlich an etwas beteiligt. Der Begriff „Genosse“ hängt mit „genießen“ zusammen. Mit Anderen zusammen teilt man eine gemeinsame Nutznießung.
(11) z.B. versuchen im Gerichtswesen fast alle angeklagten Gesetzesübertreter zuerst einmal ihre „weiße Weste“ vorzuführen. Einzelne Anwälte sind leider bereit, durch unwahre oder bewusst lückenhafte, einseitige oder verdrehte Darstellung einen Freispruch zu erwirken. Alle Tarn- und Täuschungsmittel gelten dabei als Kavaliersdelikte und vergrößern sogar den Ruhm dieser „Rechtsanwälte“.
Der erfahrene, geschulte Blick des Richters kommt seinen Kunden trotzdem „auf die Schliche“.
Gott sieht das Herz an (1. Sam 16, 7).
(12) Ein Thema der Literaten, solange es um allgemeine Schuld geht, nicht um die eigene (Texte im Internet):
Friedrich v. Schiller: „Die Kraniche des Ibykus“.
Adelbert von Chamisso: „Die Sonne bringt es an den Tag“.