2.Mose

Predigthilfe vom 24. September 2023 – 2. Mose 20,15

Jahresthema: WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes  

Predigtthema: Der Schutz des Eigentums – du sollst nicht stehlen 

Gottesdienst Einleitung:   Eph 4,28 Vorschläge zur Textlesung 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!  

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema  

Einleitung zum Jahresthema „WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes“!  


Die 10 Gebote (2Mo 20,1-17 und 5Mo 5,6-21), auch Dekalog genannt, nehmen im Alten Testament eine einmalige Stellung ein und haben sowohl für das Judentum als auch für das Christentum eine zentrale Bedeutung.  

Die Bedeutung: Die „zehn Worte“, sind das einzige Gesetz, welches direkt von Gott dem Volk Gottes auf zwei Steintafeln gegeben wurde. Man könnte sie das Grundgesetz des menschlichen Lebens bezeichnen, das die Beziehung des Menschen zu Gott und zu seinem Mitmenschen regelt. Es ist die erste verschriftete Menschenrechtserklärung und ist ein Wegweiser zu einem gesunden menschlichen Miteinander in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. Die 10 Gebote haben die christliche Ethik, die Kirchen- und Kulturgeschichte Europas ganz entscheidend geprägt. 

Die ersten vier Gebote handeln vom Verhältnis des Menschen zu Gott!

1. Gebot: Es gibt nur EINEN – du sollst keine anderen Götter neben mir haben
2. Gebot: Es gibt nichts VERGLEICHBARES – du sollst dir kein Bildnis machen
3. Gebot: Es gibt nichts HÖHERES – du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen
4. Gebot: Es gibt nichts SCHÖNERES – du sollst den Shabbattag heiligen 

Die sechs anderen Gebote: Das Verhältnis des Menschen zum Menschen!

5. Gebot: Der Schutz der WÜRDE – du sollst Vater und Mutter ehren
6. Gebot: Der Schutz des LEBENS – du sollst nicht töten
7. Gebot: Der Schutz der EHE – du sollst nicht ehebrechen
8. Gebot: Der Schutz des EIGENTUMS – du sollst nicht stehlen 
9. Gebot: Der Schutz vor TÄUSCHUNG – du sollst nicht lügen
10. Gebot: Der Schutz vor HABGIER – du sollst nicht begehren

Gott, der Schöpfer ist die höchste Autorität und Gesetzgeber. Alle menschliche Obrigkeit hat sich ihr zu verantworten. Somit fordern die Gebote Ehrfurcht und Gehorsam gegenüber Gottes Ordnungen.  

Das Ziel – die 10 Gebote sind WEGweiser auf JESUS: Mit dem Jahresthema wollen wir Gottes alte und ewige Grundordnung neu verinnerlichen. Sie sind alt aber immer noch gültig. Sie kommen aus Gottes Mund und werden nie zurückgenommen. Sie sind nicht verbesserungsfähig, sondern sind vollkommen und weisen uns den WEG zum Leben – sie weisen uns direkt zu JESUS der sagte: Ich bin der WEG, die Wahrheit und das LEBEN“!  

Der Anlass – Vergessenheit der Gebote Gottes: Die hilflose Suche nach tragfähigen Grundwerten für eine gut funktionierende Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben von Menschen offenbaren die Gottvergessenheit unserer Zeit. Wer Gott verliert, verliert auch die Gebote. Die 10 Gebote sind ein zusammenhängendes Ganzes. Der Mensch kann die Ethik nicht ohne die Autorität Gottes besitzen oder ausleben.  

Eine Forsa Umfrage mit dem Titel: „Die 10 Gebote – Bekanntheit und Bedeutung in der heutigen Zeit“, bestätigt, dass noch 56 Prozent wissen, dass man unter den „10 Geboten“ Verhaltensregeln bzw. einen Wertekodex mit religiösem Bezug versteht. Fast die Hälfte kennt somit den religiösen Bezug der Gebote Gottes nicht mehr. 

https://presseportal.zdf.de/fileadmin/zdf_upload/Bilder/Teaser-Bilder/Dokumente/forsa-Umfrage_zu_ZDF_Die_10_An-Gebote.pdf

Die Chance – Gottes guten Willen erkennen: Die 10 Gebote sind eine Selbstoffenbarung Gottes. Sie lassen uns nicht nur Gottes Autorität erkennen, sondern auch sein heiliges und liebevolles Wesen. Gottes Gebote sind gut und heilig. Sie sind Gottes gesunde Lebensanweisung für den Menschen. Sie wollen dem Menschen nichts Schlechtes, sondern geben Wegweisung zum wahren Leben, wie es Paulus in Gal 3,24 schreibt: 

„So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin,  
damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“ 

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund 

Stadelmann, Helge, Edition C Bibelkommentar NT, „Epheserbrief“, Band 14, Hänssler Verlag. 

Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Römer bis Thessalonicher“ Band II, CLV. 

MacDonald, W., „Kommentar zum Neuen Testament“, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 

Lang, Benjamin, „Die Bibel verstehen – die zehn Gebote“, Dillenburg CV 

Bräuner, Hansjörg „Wuppertaler Studienbibel – Das zweite Buch Mose Teil1“ Brockhaus Verlag. 

Mc Quilkin, Robertson, Biblische Ethik -Eine Einführung in biblisch begründetes Denken und Handel. CLV  

Weidemann, Helmut. Richtlinien für ein befreites Leben – Gott schützt das Eigentum. Vortrag auf Sermon online: https://www.sermon-online.com/de/contents/31757 

Es steht eine PowerPoint Vorlage zur Verfügung, die man für das Jahresthema für die Predigt verwenden kann. Die Vorlage kann auch durch Nicht-Christusbund-Benutzer abgerufen werden: 
https://christusbund.sharepoint.com/:f:/s/medien/ErmNoGeK_EpMpygIZp_IqGABQB1dNlz3irBw0slfgaloNw?e=4ui31z 

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

Nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen – sind drei Gebote, mit denen Gott bestimmte Bereiche des Lebens unter seinen Schutz stellt.  

  • Das Leben und damit auch die Gesundheit. 
  • Die Ehe und damit auch die Familie. 
  • Die materiellen Dinge und damit auch den Besitz und das Eigentum.  

Es mag erstaunen, dass Gott den Schutz um das private Eigentum des Menschen legt und so viel Gewicht materiellen Dinge gibt, dass es sogar eines von 10 Geboten einnimmt.  

  1. „Mein“ und „Dein“ – Gott gesteht privates Eigentum zu!  

Die Unterscheidung von „Mein“ und „Dein“ ist keine Folge des Sündenfalls, sondern offenbart, ein intuitives Wissen um das Recht auf Eigentum, welches tief in der Natur des Menschen verankert ist. Und Gott gesteht dem Menschen dieses private Eigentum zu, indem er es sogar vor Diebstahl oder Enteignung schützt. Damit widerspricht die Bibel den Menschen oder extremen Gruppen, die keinen Bezug zum Eigentum haben und behaupten, dass Eigentum unsozial wäre und allen doch alles gleich gehören sollte und jegliches Eigentum in das Allgemeinwesen aufgehen müsste. Der gern zitierte Satz des französischen Frühsozialisten Pierre-Joseph Proudhon: „Eigentum ist Diebstahl“ stimmt also nicht und so pauschal hat er ihn selbst auch nicht verstanden. Wenn der liberale französische Ökonom Frédéric Bastiat (1801–1850) sagt: „Nicht, weil es Gesetze gibt, gibt es Eigentum, sondern weil es Eigentum gibt, gibt es Gesetze.“ (https://www.bastiat.de/eigentum-und-gesetz) bestätigt er die Tatsache, dass Eigentum ein natürliches Recht des Menschen ist. 

Nach der Bibel muss ein Dieb, der ertappt wird, das Gestohlene je nach Vorfall mehrfach erstatten (2 Mo. 22, 1 ff.). Wird er beim Stehlen erwischt und durch Notwehr getötet, so ist das kein Mord. Auch diese strafrechtliche Konsequenz, die für einen Diebstahl zwar eher mild ausfallen, unterstreichen Gottes Willen das Eigentum des Menschen zu schützten.  
-> Gott hat nichts gegen das Eigentum. 

  1.  Eigentum ist Lohn – Gott gibt Wertschätzung der Arbeit  

Es geht nicht um das materielle Gut, sondern um die Wertachtung des Menschen. Wer schonmal erlebt hat, dass in seinem Haus eingebrochen wurde, der kennt das Gefühl der Verletzlichkeit, der Entmachtung, der Erniedrigung und der Unsicherheit. Mit dem Gebot schützt Gott das Eigentum und auch die Wertachtung dessen, was ein Mensch für das Eigentum geleistet hat. Ohne Eigentum hat die Arbeit keinen Gegenwert. Die Bibel sagt, „der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (1Tim 5,18) und verurteilt die reichen Arbeitgeber, die „den Lohn der Arbeiter… zurückhalten“ und damit bestehlen (Jak 5,4). Mit dem Gebot gibt Gott der Arbeit des Menschen:  

  • eine Wertschätzung der geleisteten Mühe.
  • einen Schutz für den rechtmäßig erworbenen Lohn und Eigentum. 
  • eine Motivation für fleißige Arbeitsmühen. 
  • eine Planungssicherheit für die Zukunft, weil das, was man erworben hat einem bleibt. 

Die Arbeit des Menschen gehört zur Schöpfungsordnung und -verantwortung. Der Mensch ist berufen zur Arbeit und soll seinen Lebensunterhalt selbst erarbeiten (1Thess 4,11). 
-> Gott schätzt und schützt die Arbeit des Menschen.  

  1.  Eigentum macht unabhängig – Gott will Pflichtbewusstsein 

Einmal schützt das Gesetz vor der Willkür des anderen, einfach sich das zunehmen, was ihm nicht gehört. Aber es schützt auch vor der Willkür vom Nächsten, von dem ich ggf. abhängig bin. Wer Eigentum und Geld hat, der wird unabhängig. Er braucht den anderen nicht und wird damit auch frei – frei Entscheidungen selbst zu treffen, die man aber auch selbst zu verantworten hat.  

Über Eigentum und Reichtum kann und darf man sich freuen. Man kann damit viel Gutes tun und das rechtmäßig erworbene Eigentum ist eine Leihgabe Gottes (Spr 8,18; Pred 5,18) – es ist ein Segen, wenn wir es verantwortungs- und pflichtbewusst gebrauchen. 

Eigentum, das selbst erworben ist, wird in der Regel auch mehr gepflegt und bewahrt als Gemeineigentum. Eigentum schafft den Anreiz Verantwortung zu übernehmen und bewirkt ein „nachhaltiges“ Verhalten. Es ist zwar sonderbar, aber es ist nun mal so, dass Menschen mit ihrem Eigentum meist sorgsamer umgehen als mit kollektiven Gütern.  

Aber Eigentum und Reichtum, enthält auch eine Gefahr:  

  • Eigentum macht angreif- und erpressbar (Spr 13,8). 
  • Eigentum kann zur Last werden (Spr 15,16). 
  • Eigentum kann fesseln und ist doch vergänglich (Spr 23,4ff; Pred 4,8). 
  • Eigentum kann zum Götzen werden und zur Gewinnsucht führen (Pred 5,9). 
  • Eigentum kann zum Schaden für den Menschen werden (Pred 5,12ff). 

Wenn Gott jemandem Eigentum anvertraut, dann ist das ein Geschenk.  
-> Wir sind Haushalter und Geschäftsführer dessen, was Gott uns anvertraut hat.  
-> Wir müssen einmal Rechenschaft geben, wie wir mit Besitz und Eigentum umgegangen sind.  

  1.  Wir leben im Wohlstand – Gott gibt uns viel Grund zur Dankbarkeit. 

Als Christen ist das Stehlen ein Zeichen tiefer Undankbarkeit gegenüber Gott, der gibt, was zum Leben nötig ist (Mt 6,33). Stehlen ist etwas, was zu einem Christenleben auf keinen Fall passt (Eph 4,28). Und doch muss Paulus den gläubigen Ephesern streng daran erinnern, dass sie nicht mehr stehlen sollen. 

Das zeigt Christsein oder Wohlstand schützt nicht vor Diebstahl. In Europa leben wir in einem nie dagewesenen Wohlstand – uns geht es gut und wir haben alles, was wir brauchen, sogar mehr. Selbst wenn jemand nichts hat, so wird er vom Staat durch Sozialleistungen unterstützt, damit es ihm an nichts fehlt. Keiner müsste also stehlen und doch ist der Dieb in einer Wohlstandsgesellschaft nicht ausgestorben. In einer Wohlstandsgesellschaft wird genauso geklaut, wie in ärmeren Ländern. Experten sagen: „Wenn Menschen ärmer werden, führt das nicht zwangsläufig zu mehr Diebstahl.“  

Es gibt unzählige Ladendiebstähle oder Menschen, die in Hotels – auch in christlichen Gästehäusern Dinge mitgehen lassen. Ob Christen oder Besserverdienende, sie alle neigen zum Stehlen, obwohl sie es sich leisten könnten, das Geklaute zu bezahlen.  

Es sind auch jüngere Menschen, die den Reiz suchen oder infolge von falscher Erziehung und schlechten Vorbildern (Eltern oder Freunde) die Grenze des fremden Eigentums überschreiten. Der Diebstahl scheint was Reizvolles, manchmal was Cooles oder Heldenhaftes zu sein (Spr 9,17). 
-> Das Stehlen passt nicht zum Christenleben und darf nicht bagatellisiert werden.  

  1. Mit dem Eigentum anderen dienen – Gott will, soziale Verantwortung  

Gott schenkt Eigentum, damit wir anderen damit dienen können. So lesen wir es an vielen Stellen in der Bibel.  

Schon im AT gab es das Gesetz der Nachlese, dieses forderte die Landwirte dazu auf, ihre Getreidefelder nicht gänzlich abzuernten, sondern für die arme Bevölkerung am Rand etwas stehen zu lassen. Somit gab es auch die Verantwortung, mit Privateigentum die soziale Absicherung der Schwachen zu gewährleisten (3Mo 19,9). 
Haben wir Häuser oder Wohnungen, sollen wir Gastfrei sein (1Pet 4,9). 
Haben wir mehr als andere, sollen wir dem geben, der nichts hat (Lk 3,11). 
Paulus selbst wurde durch die Gaben der Gemeinden unterstützt (Phil 4,1ff). 
Jeder hat von Gott etwas bekommen, mit dem er anderen dienen kann (1Pet 4,10). 

In Eph 4,28 fordert Paulus die Christen auf, nicht nur, nicht mehr zu stehlen, sondern so fleißig zu arbeiten, dass wir so viel erwerben, damit wir dem, der Mangel hat, etwas geben können.  
-> Eigentum ist somit Aufgabe und Verantwortung am Nächsten. 

  1. Stehlen ist teuflisch – Gott verabscheut das Stehlen 

Warum das Stehlen so schlimm ist, liegt daran, dass es die Art und das Wesen Satans ist. Der Satan ist ein Dieb und ein Lügner. Er kommt wie ein Dieb, um zu stehlen (Joh 10,10). Er machte Judas zum Dieb (Joh 12,6). Er machte Adam und Eva zum Dieb, als er sie dazu brachte, von der verbotenen Frucht zu nehmen (1Mo 3,2ff.). Räuber gehören nicht in Gottes Reich (1Kor 6,10) und mit ihnen sollen wir auch keine Freundschaften halten (1Kor 5,10-11) – denn die Art färbt allzu schnell ab.  
-> Wer stiehlt lebt die Art des Teufels und nicht die Art Gottes. 

  1.  Wenn der Mensch Gott beraubt – Gott gehört bereits das, was wir ihm geben 

In Maleachi 3,8 lesen wir: „Darf ein Mensch Gott berauben? Ja, ihr beraubt mich! – Ihr aber sagt: »Worin haben wir dich beraubt?“  

Das Volk Israel hatte Gott auf zweifache Weise beraubt 

  • Weil sie die gesetzlichen Abgaben nicht leisteten. Der „Zehnte“ sollte nach 5Mo 12,1ff. zum Tempel- und Gottesdienst finanzieren beitragen und die Erstlingsfrucht sollte nach 5Mo 18,1ff; Neh 10,36 zur Versorgung der Priester dienen.  

Damit haben sie nicht nur Gott beraubt, sondern auch den Tempel (Röm 2,2). 

Als Kinder Gottes sind auch wir schuldig Gott das zu geben, was ihm gehört. Der Zehnte ist heute keine gesetzliche Vorgabe mehr, wie im AT – wir dürfen sogar mehr geben.  

Wir sind Gott schuldig: 

  • von dem zu geben, was er uns gab Mal 3,8ff 
  • Recht und Liebe zu üben Lukas 11,42 
  • ihm unser Leben zu geben, das er erkauft hat 1Kor 6,19-20 
    -> Als Christen haben wir eine finanzielle Verantwortung, dass Gemeindeleben und der Gottesdienst durchgeführt werden können.  
    -> Als Christen sind wir bestimmt, Gott mit unserem Leben zu bezeugen.  
    -> Wo geben wir nicht das, was Gott gehört und berauben den HERRN? 
  1. In Jesus werden wir frei von der Last der Sünde und dem stehlen müssen 

Jesus möchte uns befreien von der Neigung zu stehlen – wir brauchen nicht stehlen, weil Gott versorgt. Im Vertrauen auf Gottes Versorgung werden wir frei andere bestehlen zu müssen. Jesus möchte uns allen alles sein (Joh 10,10) – wir dürfen in ihm alle Fülle haben und wissen, dass er versorgt (Mt 6,24). 

Jesus möchte uns befreien von der Sünde des Stehlens und der Last des schlechten Gewissens – wir dürfen Vergebung erfahren, wo wir andere bestohlen und betrogen haben. Gott will uns bereit machen, ehrlich zu werden, gestohlenes zurückzugeben und es wieder gut zu machen. Ein Zachäus, dessen Herz durch Jesus verändert wurde, war durch Gottes Gnade fähig, das zu viel Geraubte den Menschen wieder vielfach zu erstatten (Lk 19,8). Der Räuber, der am Kreuz wegen seiner Verbrechen verurteilt wurde, durfte Vergebung erfahren und kam ins Paradis Gottes. Jesus will, dass Diebe und Räuber umkehren und gerettet werden. 

  • Wo müssen wir umkehren, brauchen wir Vergebung und sind anderen Wiedergutmachung schuldig? 

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

Diebstahl und Unterschlagung – was ist der Unterschied? 

Beispiel für Diebstahl: Die Geldtasche aus der Jacke (dem Gewahrsam) eines anderen entwenden oder den PKW eines anderen vorsätzlich stehlen. 

Beispiel für Unterschlagung: Verlorene Geldtasche einbehalten oder das geliehene Fahrzeug nicht zurückgeben.  

Du sollst nicht stehlen! – Kulturelle Unterschiede von Eigentumsverständnis 

Das Gesetz ist klar und verständlich und doch gibt es in der Anwendung je nach kulturellem Verständnis und der gesetzlichen Reglungen eines Landes einen gewissen Spielraum. So kann die Entwendung oder Benutzung von Privateigentum in bestimmten kulturellen Gesellschaften anderes verstanden werden als bei uns.  

Im Alten Testament erlaubte das Gesetz (5Mo 23,25f), dass Menschen durch fremde Weinberge gehen und so viel Trauben essen durften, bis sie satt waren. Das würde bei den Weinbauern heute im Remstal auf wenig Zustimmung stoßen. 

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Wir erleben einen leichtfertigen und lässigen Umgang mit Diebstahl. Was ist schon dabei, wenn man das zu viel bekommene Rückgeld an der Kasse einbehält. Die verlorene Geldbörse nicht abgibt, die zu wenig bezahlte Rechnung in der Gaststätte nicht reklamiert, weil der Kellner vergessen hat, zwei Getränke zu verrechnen.  

Wahrscheinlich wird kaum ein Zuhörer da sein, der nicht schon mal was gestohlen hat. Sei es auch nur eine Geldmünze als Kind oder Süßigkeiten. Nicht selten haben Kinder ihre eigenen Eltern bestohlen und tragen es ein Leben lang mit sich herum. Man vertuscht, man beschwichtigt und tut so, als wäre das alles scheinbar unbedeutend. Und doch nagt das Gewissen, obwohl der Diebstahl klein war. Stehlen ist eben kein Kavaliersdelikt, das man einfach vergessen könnte. Gottes Geist überführt den, der gestohlen hat.  

Das will Gott auch durch die Predigt heute tun. 

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Stehlen hat viele Gesichter – Was ist Diebstahl?  

Diebstahl ist:  

  • das zu nehmen, was mir nicht zusteht 
  • das vorzuenthalten, was einem anderen rechtmäßig zusteht  

Das Stehlen bezieht sich nicht nur auf materielle Dinge. Der Diebstahl beginnt im schlichten Alltag beim Versicherungsbetrug, dem vorgetäuschten Brillen-, Fahrrad- oder Autodiebstahl. Die falsche Spesenrechnung oder KM-Geldabrechnung, die Anschaffung des Privatwagen als Firmenwagen, das einbehaltene Rückgeld an der Kasse, das zu viel war. Die Rechnung, auf der versehentlich nicht alles abgerechnet wurde, die geschönte Steuererklärung, die Schwarzarbeit, die Privattelefonate und das Werkzeug und Material was von der Firma entwendetet wurde. Das zu spät kommen bei der Arbeit, die zu langen Arbeitspausen oder falsche Krankmeldungen (Blau machen). Das alles sind Beispiele für stehlen.  

Man kann sich aus der Arbeit stehlen. Menschen, die nicht arbeiten wollen und vom Sozialleistungen leben, bestehlen und betrügen die Allgemeinheit und den Steuerzahler. In diesem Zusammenhang sagt Paulus: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ (2Thess 3,10). Wichtig: Nicht wer nicht arbeiten kann, sondern wer nicht will. Wer nicht kann, der soll getragen werden, aber wer nicht will, muss arbeiten.  

Man kann einem den guten Ruf stehlen, wenn man schlecht über ihn redet.  
Man kann einem die Zeit stehlen, wenn man ihn mit unwichtigen Dingen abhält.  
Man kann einem die Ruhe stehlen, wenn man rücksichtslos laut ist und Lärm macht.  

Die Schwester des Diebstahls ist die Lüge 

Kein Diebstahl geht ohne Lüge einher. Man belügt den, den man bestiehlt. Man belügt den, der sein Verlorenes sucht und nicht findet, weil ein anderer es entwendet hat.  

Hier müssen wir uns als Christen selbst prüfen, wo wir stehlen und andere schädigen.  

  • Wo haben wir Menschen bestohlen, weil wir Dinge genommen oder nicht zurückgeben haben, die uns nicht zustehen? 
  • Wo habe ich mich in Lügen verstrickt, weil ich meinen Diebstahl nicht zugegeben habe.  
  • Wo belasten mich alte Diebstähle aus der Vergangenheit, die ich in Ordnung und wiedergut machen muss. 
  • Wo bestehle ich Gott, weil ich nicht nach seinem Willen lebe, finanziell das Gemeindeleben und die Arbeit im Reich Gottes nicht mittrage.  

3. Sagen, wo es hingeht 

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

  1. Gott zeigt uns seine Güte – der Mensch darf das Eigentum besitzen, das Gott ihm anvertraut hat.
  2. Gott zeigt uns unseren Auftrag der Hingabe – der Mensch hat die Verantwortung mit dem Eigentum gut umzugehen.  
  3. Gott zeigt uns unsere Habgier auf – der Mensch neigt zum Stehlen, weil er meint immer das Begehren zu müssen, was er nicht hat.  
  4. Gott zeigt uns was recht ist – der Mensch soll weder Menschen noch Gott bestehlen, sondern in Wahrheit leben. 

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gott hasst das Stehlen und lässt es seinen Kindern nicht durchgehen. Christen können sich zwar an Dingen anderer vergreifen, sie können andere auf vielfältige Weise bestehlen, aber Gott wird sie nicht in Ruhe lassen. Gottes Geist wird nicht lockerlassen, bis wir es in Ordnung gebracht haben.  

Heute gibt Gott die Gelegenheit deine Vergangenheit zu klären, Dinge in Ordnung zu bringen, Gestohlenes zurückzugeben oder wiedergutzumachen.  

Hebräer 3,7 „Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört“.  

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

  1. Eigentum verpflichtet zur Dankbarkeit  
  2. Eigentum verpflichtet zur Hingabe  
  3. Eigentum verpflichtet zum Opfersinn 

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

Der Evangelist Johannes Seitz (Gründer des Christusbundes) erzählt:  

Wir haben es tausendfach erfahren müssen, dass, wer einen Betrug oder Diebstahl begangen hat und das Betrogene oder Gestohlene nicht zurückerstatten will, wenn er es kann, eben nicht glauben kann und im Banne liegen bleibt. Ein Beispiel dafür:  

Ein Bruder, der eine hohe gesellschaftliche Stellung einnahm, kam in mein Haus und erzählte mir, er sei schon dreizehn Jahre bekehrt, aber seit acht Jahren seien ihm zwei außerordentlich schwere Sünden aufgedeckt worden, und da habe ihm sein Gewissen gar keine Ruhe gelassen; er müsse irgendwo eine Priesterseele suchen und diese Sünden bekennen. Er habe dieser Stimme acht Jahre lang widerstanden. Es sei seinem verborgenen Hochmut zu schrecklich gewesen, diese Sünden vor jemand ans Licht zu bringen. Aber der Geist Gottes und er hätten diese acht Jahre lang im Kampf gelegen. Der Geist Gottes habe ihn immer wieder auf die Forderung des bekennen müssen hingewiesen, und er habe dieser Forderung so widerstanden, dass er im Kampf gegen diese Stimme seine Nerven aufgerieben habe. Und jetzt könne er diese Stimme nicht weiter bekämpfen, er sei nur deshalb hierher gereist, um sich von dieser furchtbaren Gewissenslast und Gewissensanklage zu befreien. Als er dies getan hatte, da hatte er eine solche Freude, dass ich fürchtete, seine Freude könne etwas ins Seelische übergehen, und ich ihn davor warnte. Da sagte er mir, ich könne mir gar keine Vorstellung machen, in was für einen Himmel er sich versetzt fühle, da er von dieser furchtbaren Last und Gewissensangst jetzt befreit sei, unter der er acht Jahre lang gestanden habe. Und jetzt könne er glauben, was Johannes sagt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt“ (1. Joh. 1,9). 

Quelle: Er ist unser Leben: Beispiel- und Stoffsammlung für die Verkündigung, Martin Haug, 1941, Beispiel 215 

„Wir dürfen uns von keiner Arbeit stehlen, von der wir sicher sind, dass Gott sie getan haben will, und die zu Seiner Ehre ist.“ 
Elisabeth Elliot   

(Klaus Eberwein)