Johannes

Predigthilfe vom 24. März 2024 – Johannes 8,2-11

Predigtthema:             Jesus urteilt gnädig

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Zusammenhang

Tags zuvor war Jesus nur knapp einer Festnahme entgangen. Die Soldaten, von den Pharisäern und dem Hohenpriester geschickt, waren ohne ihn aber beeindruckt von ihm wieder abgezogen. Niemand hatte es gewagt Hand an ihn zu legen.
Jesus hatte die Nacht gegenüber der Stadt Jerusalem, am Ölberg verbracht.
Ungeachtet und unbeeindruckt und ohne Furcht kehrte Jesus am Tag darauf zurück in die Stadt und zurück in den Tempel.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Johan Mac Arthur Studienbibel
  • Wiersby Bible Commentary
  • Life Application Study Bible NIV – Study Bible Notes
  • Wuppertaler Studienbibel
  • Edition C Bibelkommentar
  • Stuttgarter Erklärungsbibel

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Vers 2
Jesus war früh dran. Seine erste Priorität gilt dem Haus seines Vaters = dem Tempel.
Dort lehrt er Menschen (legt ihnen die Schriften des AT aus), um so dem Willen seines Vaters nachzukommen, wie es in 1. Timotheus 2,4 heißt:
„Gott will, dass allen Menschen geholfen werde (gerettet werden) und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Vers 3+4
Die „Unterrichtseinheit“ Jesu wird abrupt unterbrochen. Jetzt wird eine Frau, die im Ehebruch ergriffen wurde (das riecht förmlich nach einer Falle) in die Mitte gestellt.
Was für ein Szenario = offensichtliche Sünde an dem Ort, wo der Heilige seine Wohnung hat. Zwei Welten treffen aufeinander.

Interessant auch zu vermerken – die Schriftgelehrten und Pharisäer sprechen Jesus mit „Meister“ an. Im Griechischen steht hier διδάσκαλος didaskalos und kann mit Lehrer übersetzwerden – eben einer, der andere an- bzw. unterweist.

Vers 5
Dass diese Anrede mit Meister zunächst wohl eher hämisch gemeint war wird aus den darauffolgenden Sätzen deutlich. Die Frommen versuchen Jesus in eine Zwickmühle zu bringen. Sie machen deutlich, dass nach dem Gesetz (3.Mose 20,10 / 5.Mose 22,22ff) eine Ehebrecherin ja zum Tod durch Steinigung verurteilt ist.
Sollte Jesus sich gegen die Ehebrecherin stellen, dann würde er letztlich alle die verurteilen, mit denen er als „Freund der Sünder“ durchaus viel Zeit verbrachte und worin er seinen Auftrag sah: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

Auf der anderen Seite, wenn Jesus ihre Freilassung fordern würde, dann würde er sich damit gegen das heilige Wort Gottes stellen. Und das war ja sein Anspruch: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Matthäus 5,17

Vers 6
Hier wird deutlich, dass die Ankläger letztlich nicht wegen der Frau da waren, es ging nicht um die begangene Sünde – und wo war übrigens der mitschuldige Mann? War er eventuell sogar Teil des Komplotts gewesen?
Es ging ihnen nur darum Jesus eine Falle zustellen und einen Grund zu finden ihn hinter Gitter zu bringen bzw. ihn aus dem Weg zu räumen.
Die Reaktion Jesu erscheint verwunderlich. Er bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Ist Jesus überfordert? Betet Jesus um Weisheit? Sammelt er sich, um die Antwort richtig. Und in der rechten Weise rüberzubringen?

Tut Jesus das, was in Jeremia 17,13 beschrieben wird?
„Denn du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen (sich abwenden), müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers.“

Vers 7
Das bezieht sich direkt auf 5.Mose13,10; 17,7
Augenzeugen waren die ersten, die bei solch einer Hinrichtung beginnen sollten.

In Matthäus 5,28 erklärt Jesus, wo Ehebruch eigentlich beginnt – und es scheint so, dass keiner der frommen Anwesenden da ohne Schuld war und Jesus eventuell sogar dementsprechende Fakten, die sonst niemandem bekannt waren, auf die Erde geschrieben hatte.

Vers 8
Alle Ankläger sind schuldbewusst und ohne Worte davongeschlichen. Sie hatten mit dem Finger auf die Frau und deren Vergehen gezeigt – aber Jesus hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit drei Fingern auf sich selbst zeigen, und damit auf ihre eigene Schuld und Sündhaftigkeit.

Vers 9
Ob Jesus nun tatsächlich eine Liste mit den Namen der Ankläger und ihrer Sünden auf die Erde geschrieben hatte, oder ob es seine Worte waren, die den Anklägern durchs Herz ging – alle hatten begriffen, dass sie eigentlich kein Recht hatten sich hier als Richter aufzuspielen, denn sie alle hatten „Dreck am Stecken“.

Vers 10
Jesus wendet sich der Frau zu. Der Gottessohn wendet sich dem Sünder zu, so wie Jesus sein Miteinander mit den Zöllnern und Sündern zuvor schon den Pharisäern und Schriftgelehrten in Markus 2,17 erklärte: „Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

Vers 11
Die schuldbewussten Frommen hatten die Ehebrecherin nicht verurteilt.

Der Gottessohn ist noch viel weniger an der Verurteilung bzw. dem Tod eines Sünders interessiert. Gott ist und war schon immer ein Gott, der alles darangesetzt hat, dass Menschen umkehren, Buße tun und auf Grund seiner Vergebung einen Neustart machen können.
Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten hätten dies aus der Schrift wissen müssen.

Hesekiel 33,11 „So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?“

Jesus verdammt die Frau nicht. Heißt Sünde damit nicht gut oder tolerierbar, sondern macht ihr klar, dass von ihrer Seite ein Umdenken und Andershandeln nun gefordert ist.
Nicht verharren in der Sünde, sondern ein „neuer Lebenswandel“ ist gefragt.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Wie gut, dass Gott uns in seinem Wort Richtlinien, Gesetze und die Konsequenzen bei Verstoß gegen dieselbe festgehalten hat. Das war ihm sogar so wichtig, dass Gott mit seinem eigenen Finger die 10 Gebote in die zwei Steintafeln eingravierte (2.Mo.32,15).

Gott wollte die Gesetze allerdings nie als „Regelbuch“ verstanden haben, an das man sich hält und damit gerecht vor IHM steht.
Er wollte es als Maßstab für unsere Herzenseinstellung (Jeremia 31,33, Hebräer 8,10).
Das Gesetz sollte die Heiligkeit Gottes verdeutlichen. Es war als Spiegel für uns Menschen gedacht, der aufzeigt, dass wir ohne Ihn dieses Idealbild nie erreichen werden, mit IHM in uns aber diesem Spiegelbild immer ähnlicher werden dürfen.
Gesetz, bzw. das Einhalten des Gesetzes war somit nie „Rettungsmittel“. Dafür hat Gott seinen Sohn gesandt und für Christen seinen Geist in uns gegeben.

Gott ist zu 100% ein gerechter und heiliger Gott – und Sünde ist ihm ein Gräuel und kann nicht vor ihm bestehen, aber gerade auch in diesem Text wird deutlich, dass Gott gleichzeitig ein Gott der Liebe ist, der den Sünder liebt (nicht die Sünde) und der auf Grund dieser Liebe in Jesus den Weg geschenkt hat, der Versöhnung und einen Neubeginn und ewiges Leben ermöglicht.

Das zusammengefasste Gesetz (Doppelgebot der Liebe) macht dann auch sehr deutlich, dass wir diese empfangene Liebe an unsere Mitmenschen weitergeben sollen.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Es ist Palmsonntag. Wir erinnern uns an den Einzug Jesu auf einem Esel, als die göttliche Vorhersage sich erfüllte, die im Propheten Sacharja in Kapitel 9 Vers 9 steht:

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

Jesus, der König aller König, ist 100 % gerecht und heilig. Und wie damals, sowohl bei der Ehebrecherin als auch beim Einzug nach Jerusalem, kommt Jesus auch als „Helfer“ (יָשַׁע yasha, wörtlich: Erlöser, Befreier, Retter).

Jesu Mission war und ist als Heiliger das Unheilige aufzudecken und als Heiland ist er gekommen, um mit seinem Blut Gerechtigkeit für uns zu schaffen, die vor Gott gilt, damit wir als Vergebene und von Sünde Gereinigte, vor und mit Gott auf ewig leben können.

„Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ (1. Johannes 1,7)

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Vorsicht – wenn wir auf die Schuld anderer zeigen, zeigen wir immer auch mit drei Fingern auf uns selbst. Es ist nicht unsere Aufgabe andere zu verurteilen. Jesus hat dies auch an anderer Stelle (z.B. in Matthäus 7,1-5) deutlich gemacht, dass wir zunächst über uns selbst und unser Leben/Herz/Gedanken nachdenken und dies vor Gott in Ordnung bringen sollten, bevor wir über „den Splitter im Auge“ des Nächsten nachdenken.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Gerade auch wir Christen sollten nicht andere auf Grund offensichtlicher Sünde verurteilen. Vielmehr sollten wir uns immer wieder selbst fragen, wo liegen wir verkehrt und uns daran freuen, dass Gott in seiner Gnade einen Ausweg aus Schuld und Sünde teuer für uns bereitet hat.

Wir wollen, als Kinder Gottes, als begnadigte Sünder, auch anderen Sündern mit Liebe begegnen, nicht ihr Tun gutheißen, aber ihnen die Vergebung Gottes, seine Gnade vor Augenmalen, die sie zur Umkehr bewegen möchte.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Alle Menschen sind Sünder              Römer 3,23
Bei manchen ist es offensichtlicher als bei anderen.
Alle Menschen haben auf Grund ihrer Sünde den Tod verdient            Römer 6,23a
Allen Menschen steht das Gnaden-Angebot Gottes bereit                     Römer 6,23b
Gottes Güte und Gnade dient dazu, dass wir umkehren                          Römer 2,4b
Gottes Gnade ist kein „Schwamm drüber“, sondern teuer erkaufte Gnade durch das Opfer seines Sohnes am Kreuz, der damit tatsächlich dann unseren „Schuldbrief“ der Sünde auswischen kann. (Kolosser 2,14)

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Offensichtlich schuldig                             (V.1-6a)                                            
b) Offensichtlich nicht unschuldig           (V. 6b-9)
c) Offensichtlich nicht verdammt             (V. 10-11)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Wenn ich auf andere zeige, zeigen immer drei Finger auf mich selbst.

Römer 2,1-8
1 Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. 2 Wir wissen aber, dass Gottes Urteil recht ist über die, die solches tun. 3 Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? 4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? 5 Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, 6 der einem jeden geben wird nach seinen Werken: 7 ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; 8 Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit;

(Jochen König)