1.Samuel

Predigthilfe vom 24.7.2011 – 1. Samuel 17, 1-58

Monatsthema: Gottes Willen annehmen

Predigtthema: Ein gewaltiger Riese, aber vor Gott nur ein Zwerg

Bibelstelle: 1. Samuel 17,1-58

Verfasser: Thomas Richter

 

 

Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.

 

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

 

In diesem Monat eröffnen wir eine neue aufeinander aufbauende Reihe, in der wir an Hand von alttestamentlichen Predigttexten (1. + 2. Samuel) aufzeigen wollen, wie wir im Alltag „Gottes Willen annehmen“ (Juli), „Gottes Führung vertrauen“ (August) und „Gottes Vergebung erbitten“ (September) können.

Der Predigttext (1Sam 17,1-58) hat die bekannte Geschichte von David und Goliath zum Inhalt. Da der Predigttext sehr lange ist, dürfte es angemessen zu sein die Textlesung zu begrenzen (z.B. 1Sam 17,20-50). Der Text ist von Kontrasten geprägt, die im Rahmen der Predigt herausgestellt werden sollten, wobei hierbei auch die Hintergründe der ganz unterschiedlichen Reaktionen aufgezeigt werden sollten:

* Unterschiedliche Reaktion von David und seiner Brüder bzw. dem Volk Israel auf Goliaths Reden und Auftreten

* Unterschiedliche Kampferfahrung von David und Goliath bzw. Saul

* Unterschiedliche Ausrüstung von David und Saul bzw. Goliath

* Unterschiedliche Größe von David und Goliath

* Unterschiedliches Vertrauen von David und Goliath bzw. Saul bzw. Volk Israel

* usw.

Der Predigttext enthält eine weitere Veranschaulichung des Wortes Gottes, das schon die Berufung von David geprägt hatte: „Sieh nicht auf sein Aussehen und auf seinen hohen Wuchs! […]. Denn der Herr sieht nicht worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der Herr sieht auf das Herz“ (1Sam 16,7). Dieses Wort Gottes an Samuel, wird nun von David in der Praxis als Ausdruck des Glaubens umgesetzt. Als Predigtthema ergibt sich: „Ein gewaltiger Riese, aber vor Gott nur ein Zwerg“. Vor dem Angesicht Gottes sehen die Dinge anders aus, als vor dem Angesicht von Menschen. Von daher ist die Frage, welche Sichtweise wir haben. Die natürlich menschliche (= Angst) oder die geistlich göttliche (= Mut)?

 

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

 

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 189-202).

* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: Reichtum gewinnen, den man nicht mit Geld kaufen kann. Studien zum AT: 1. Samuel 1-31. Christliche Verlagsanstalt (S. 104-111).

* Karl Gutbrod. Das Buch vom König: Das erste Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,1. Calwer Verlag (S. 138-151).

* Charles R. Swindoll. David: Ein Mensch nach dem Herzen Gottes – mit David geistlich wachsen. Hänssler (S. 58-77).

* David Jaffin. Saul und David: Die große Verfolgung. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 12-23; http://bitflow.dyndns.org/german/DavidJaffin/Saul_Und_David_1999.pdf).

* C.H. Spurgeon. Christus im Alten Testament: Erweckungspredigten über alttestamentliche Vorbilder. Bielefeld: CLV, 1997 (S. 53-67; http://www.clv-server.de/pdf/255379.pdf).

 

Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf; S. 422-424) und der Predigttipp für den 12.01.2003 von Jochen König zu 1Sam 17,1-58 (www.studienbibel.de).

 

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 02.02.1986 mit dem Titel „Ganz schön mutig“ (1Sam 17,1-58), vom 24.05.1981 mit dem Titel „Weggelegte Furcht“ (1Sam 17,1-58) und vom 21.03.1976 mit dem Titel „Weggelegte Furcht – David und Goliath“ (1Sam 17,1-58). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Samuel 17] und „Autor“ [z.B. Winrich Scheffbuch] ausfüllt.

 

3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

 

Alfred Christlieb zeigt drei Lektionen aus „Davids Kampf mit Goliath:

* Ein Kampf vor dem Kampf: Bevor David den Kampf mit dem Riesen Goliath bestand, musste er einen andern Kampf bestehen, in dem er leicht hätte besiegt werden können. Er hatte im Gehorsam gegen den Vater seine älteren Brüder, die mit Saul in den Kampf gegen die Philister gezogen waren, auf dem Schlachtfeld besucht und ihnen Lebensmittel mitgebracht (V. 17f). Da hört er den Spott und die Herausforderung des Riesen Goliath. Er erkundigt sich, welchen Siegespreis der bekommt, der diesen Philister schlägt. Das hört sein Bruder Eliab. Er fährt ihn voll Zorn an: ‚Warum bist du herabgekommen, und wem hast du die wenigen Schafe dort in der Wüste gelassen? Ich kenne deine Vermessenheit wohl und deines Herzens Bosheit. Denn du bist hergekommen, dass du den Streit sehest‘ (V. 28). Was sind das für grundlose und gehässige Beschuldigungen und Verleumdungen! Hatte David seinen Brüdern nicht Liebe erwiesen? Hätten sie ihm, der für sie die Lebensmittel den weiten Weg hergetragen hatte, nicht dankbar sein müssen? Nun wird ihm Vernachlässigung seiner Pflichten und das Be nehmen eines neugierigen, aufdringlichen Schlachtenbummlers vorgeworfen. Da steht David unversehens vor einer sehr ernsten Gelegenheit, in der rechten inneren Stellung zu bleiben und geistlich zu reagieren. Hätte er hier versagt, wäre er zornig geworden und hätte er widergescholten, so würde er schwerlich die innere Ruhe und die göttliche Freudigkeit zum Kampf gegen Goliath gehabt haben. Aber David besteht die Probe. Er kann stillbleiben und sanft antworten (V. 29). Er geht friedlich weiter, ohne sein Gewissen verletzt zu haben (V. 30). Ahnten wir, welch köstliche Gelegenheiten Gott uns bietet, tiefer in die Beugung hineinzuwachsen, wir würden uns oft anders verhalten, wenn uns die Schimpfworte irgendeines Eliab treffen. Wir würden uns die innere Dienst- und Kampffreudigkeit nicht nehmen lassen durch falsche, fleischliche Reaktion.

* Nicht in der Rüstung eines andern: Saul will zunächst David den Kampf ausreden, weil er meint, dass dieser Knabe ein zu ungleicher Gegner für den von Jugend auf geübten Kriegsmann ist (V. 33). Als es dann doch zum Kampf kommen soll, will Saul David in seiner Rüstung kämpfen lassen (V. 38). Beides kommt aus dem Berechnen des Verstandes und nicht aus dem Glauben. David versucht es mit Sauls Rüstung (V. 39), aber er merkt, dass er darin sich nicht bewegen und nicht kämpfen kann. Er legt sie weg und bleibt bei dem Kampfesmittel, das er gewohnt ist: Kieselsteine und Schleuder (V. 40). Wieder ein wichtiger Wink! Im Reich Gottes soll niemand mit Waffen kämpfen, die für einen andern passen. Der Ungelehrte soll nicht versuchen, Waffen der Gelehrsamkeit anzulegen. Für Saul war es das Richtige, in seiner gewohnten Rüstung mit Schild und Schwert zu kämpfen, und David tat gut daran, dass er bei seinen einfachen Waffen blieb, so sehr das einen geübten Streiter zum Spott reizen musste. Viele haben sich selber geschwächt, indem sie von Menschen allerlei annahmen, andere nachzuahmen versuchten, anstatt bei der Art zu bleiben, die Gott ihnen gegeben hatte. Wer darin treu dem Herrn dient, wird ähnliches erleben wie David, der mit einem einfachen Schleuderstein den Riesen traf und niederstreckte.

* Demütigung nach dem Erfolg: Unmittelbar nach dem glänzenden Sieg sorgt Gott bei David dafür, dass er nicht dem Hochmut verfällt. Saul stellt ihm die verächtliche, demütigende Frage: ‚Wes Sohn bist du, Knabe?‘ (V. 58) So hatte er schon vorher seinen Feldhauptmann Abner gefragt (V. 55). Hat er ihn wirklich wieder vergessen, weil David so lange vom Königshof weg und zu Hause war? (V. 15) Oder ist die Frage so gemeint: Wo kommt dieser Wicht eigentlich her? Stammt er auch aus einer halbwegs anständigen Familie? – Der König hatte ja dem Sieger über Goliath versprochen, dass er ihm seine Tochter zur Frau geben wolle (V. 25). Wie es auch gemeint gewesen sein mag, auf jeden Fall muss David eine demütigende Behandlung über sich ergehen las sen. Später kommt es ja auch so, dass die versprochene Tochter nicht dem David, sondern jemand anderem gegeben wird (1Sam 18,19). Den David aber sucht Saul aufzuspießen (V. 10f). Es ist Gottes Treue, dass er dafür sorgt, dass nach Erfolgen Demütigungen für die Seinen kommen. Sie sollen kleine Leute bleiben!“ (aus Alfred Christlieb. Licht von Oben Bd. 2).

 

V. 28f: „Wenden wir uns noch einmal diesen beiden Versen zu. In Kap. 16,13 lesen wir, dass der Geist des Herrn über David gekommen ist. Diesen Gesalbten Gottes trifft nun der bittere Spott des eigenen Bruders. Es reizt den Eliab offenbar zum Zorn, dass der jüngere Bruder einen Kampf mit Goliath überhaupt in Erwägung zieht, zu dem er selbst wie alle andern Streiter Israels zu feige und zu ängstlich ist. Wie fällt er über David her, wirft ihm Untreue in den häuslichen Pflichten, Hochmut, Bosheit und müßiges Herumlaufen vor. Wie tief mussten diese Worte das Herz Davids treffen[ Sein eigener Bruder redet so hart gegen ihn. Andere hören zu, wie er herabgesetzt wird. Auf solche Behandlung müssen sich diejenigen gefasst machen, die vom Geist des Herrn gesalbt worden sind. Ihre eigenen Brüder, Hausgenossen und Verwandten werden sie oft verspotten. Man wird ihnen Hochmut und Besserseinwollen vorwerfen. Man wird ihnen Unlauterkeit und Heuchelei nachsagen. Wie oft ist schon behauptet worden: Da laufen sie in die Versammlungen, anstatt zu Hause ihre Pflichten zu erfüllen! Wundert euch nicht! Es wird allezeit so sein. Wo ein David gesalbt ist, da fällt ein Eliab über ihn her. David gerät bei Eliabs Spott und Verleumdung nicht in Zorn und Bitterkeit. Er spielt nicht den Beleidigten. Er macht dem Bruder wegen seiner Ungerechtigkeit keine Vorhaltungen vor den Ohren der andern. Er vergilt nicht Gleiches mit Gleichem. Er hätte – menschlich gesehen – Grund gehabt zu antworten: Eliab, nun habe ich die Lebensmittel für euch auf meinen Schultern hergetragen. Und so sieht jetzt dein Dank aus. Ich tue dir im Leben keinen Gefallen mehr! – Aber so fährt David nicht heraus. Er antwortet sanft, milde und freundlich. So will auch uns die Salbung, die wir von oben empfangen, leiten, dass wir auf den Spott und die Verachtung der Mitmenschen geistlich reagieren, ihnen gegenüber milde und freundlich sein können. Der sich still von Eliabs Zorn wegwendende David besiegt gleich darauf den Goliath. Was mag Eliab jetzt wohl gedacht haben, als sein Bruder vor dem ganzen Israel als der Überwinder des grimmigsten Feindes und Verächters des Volkes dasteht? Ob er sich nicht wegen seines gehässigen Verhaltens geschämt hat? Gott kann auch heute die Seinen, die still ihm leben und dienen, zu seiner Stunde erhöhen und rechtfertigen, dass Menschen ihr Unrecht ihnen gegenüber einsehen und sich schämen“(aus Alfred Christlieb. Licht von Oben Bd. 2).

 

4. PREDIGTGLIEDERUNG

 

Vor Menschen ein Riese, aber vor Gott nur ein Zwerg:

a) Leidenschaftliche Reaktion (V. 20-30)

b) Angemessene Ausrüstung (V. 31-40)

c) Uneingeschränktes Vertrauen (V. 41-50)

 

oder nach Wilhelm Wagner (23.08.1992):

a) Berufen – aber was nun?

b) Klein – aber oho!

c) (Ganz schön) mutig – aber was tun?

bzw.

Wie werden wir mit unseren „Riesen“ fertig?

1. Schritt: Bereitschaft

2. Schritt: Vertrauen

3. Schritt: Demut

4. Schritt: Bruderschaft

 

oder nach Warren W. Wiersbe

a) Gott leitete David (V. 1-27)

b) Gott ermutigte David (V. 28-39)

c) Gott befähigte David (V. 40-58)