Lukas

Predigthilfe vom 24.12.2002 – Lukas 2,1-14

Monatsthema: Dem Retter vertrauen
Predigtthema: Jesus mitten unter uns

Bibelstelle: Lukas 2,1-14

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

1. Zusammenhang
Die Geburtsgeschichte ist verwirklichte Verheißung: Jetzt geschieht, was der Engel (Luk.1,31) angekündigt hat. Nur Lukas hat diese ausführliche Geburtsgeschichte. Er hat wohl Maria und andere Augenzeugen befragt.

2. Biblische Parallelen
Vergleiche die alttestamentlichen Verheißungen auf Jesus: Etwa Jes. 6,14; 9,1-6; 11,1ff; u.a.; auch Micha 5,1. Matth.1,18-25 bestätigt Lukas 2 und Matth. 2, 1ff ergänzt. Johannes 1,1-18 verkündet das geschichtliche Geschehen in theologischer Deutung.

3. Aufbau des Textes
a) V. 1-6 Die Reise nach Bethlehem
b) V. 7-9 Die Geburt Jesu und die ersten Zeugen
c) V. 10-14 Das Engelwort und das Gottes-Lob

4. Einzelerklärungen
Vers 1
Augustus, „der Erhabene“ – eigentlich Gaius Octavianus -, der Nachfolger von Julius Caesar, regierte von 31 v.Chr. bis 14 n.Chr. das römische Reich. Er war der wohl „größte“ römische Herrscher, der dem Mittelmeerraum für lange Zeit Frieden und Blüte brachte. Er erlässt ein „Gebot“, eine verpflichtende Anordnung, dass alle Bürger seines Reiches „geschätzt“ werden sollten: Sie mussten ihr Vermögen offenlegen und sich in Steuerlisten eintragen lassen. Der Kaiser brauchte Geld für seine Reformen.

Vers 2
Israel wurde von Herodes regiert, aber das letzte Wort hatte der Statthalter des Kaisers, Quirinius oder griech: Cyrenius, der seinen Sitz in Syrien hatte. Es war die erste Steuererfassung für das gesamte römische Reich. Während der Kaiser nimmt, will der neugeborene Christus geben, sogar sich selbst zu unserer Rettung. Größer könnte der Gegensatz kaum sein.

Vers 3
Besitz war hauptsächlich Grundbesitz, deshalb mussten die Menschen an den Ort, an dem sie ihren Besitz hatten. Eine riesige Wanderungsbewegung auf Zeit war nötig.

Vers 4
Joseph wohnte und arbeitete in Nazareth, aber sein Grundbesitz als Nachkomme der Davidsfamilie war in Bethlehem. Deshalb musste er dorthin. So aber erfüllt sich Micha 5,1. Gott gebraucht die politischen Ziele des Augustus für seine Heilsvollendung.

Vers 5
Er nahm Maria mit. „Vertrautes Weib“, wörtl.: seiner anvertrauten Frau. Das heißt, sie war laut Ehevertrag schon seine Frau; er hatte die Ehe aber noch nicht vollzogen. Die Bemerkung „die war schwanger“ zeigt den „Skandal“, den Joseph aber durch das Wort des Engels (vgl. Matth. 1,18-25) gläubig trug.

Vers 6
In Bethlehem kam dann die Geburtsstunde. „Es kam die Zeit“, wörtl. „Die Tage wurden voll“, ist medizinische Fachsprache. Lukas war Arzt.

Vers 7
Maria gebar später noch mehr Kinder (mindestens 6; vgl. Lukas 6,3). Wie jedes Neugeborene trug Jesus Windeln – welche Erniedrigung des Gottessohnes. Eine Futterkrippe war seine Wiege, das deutet auf ein „Not-Quartier“ in einem Stall hin. Im Haus war kein Platz für die Familie. Der Gottessohn nimmt niemand auch nur das Geringste weg. Er begnügt sich mit dem Einfachsten, vgl. auch Luk. 9,58.

Vers 8
Bei Bethlehem hüteten Hirten ihre Schaf-Herden. Sie lebten Tag und Nacht bei ihren Tieren im Freien, um sie zu schützen. Hirten waren weithin die „Porias“, die Außenseiter der damaligen Gesellschaft. Sie galten als Betrüger und grobe Kerle.

Vers 9
Denen begegnet als Erste der Gottes-Engel: Gott sucht gerade die Ausgegrenzten. Sie erleben die „Klarheit des Herrn“ eigentlich: Die Herrlichkeit Gottes = der Engel in seinem himmlischen Glanz, für menschliche Augen fast unerträglich. Deshalb erfasst sie riesige Furcht. Das ist „normal“, wo sündige Menschen der Wirklichkeit des heiligen Gottes begegnen.

Vers 10
„Fürchte dich nicht“, wörtl. „fliehe nicht weg“, das ist schon das ganze Evangelium, das frohe Wort, so „verkündigen“. wörtl. „große Freude“ meint mehr als ein vorübergehendes Gefühl, etwa wiederzugeben mit: Ein Leben, das mit Freude voll wird. Gott behandelt weltumspannend: Er zielt auf „alles Volk“ = alle Menschen.

Vers 11
Der Heiland, wörtl.: Der Retter ist geboren = ganz Mensch geworden. Das ist das Evangelium. „Heute“ ist mehr als flüchtige Zeitangabe; jetzt beginnt der „Tag des Heils“! „Christus“, hebr.: Messias und „Herr“ sind Hoheitstitel und bezeichnen Jesus als Gottessohn. „In der Stadt Davids“, da werden Gottes Verheißungen wörtlich erfüllt; vgl. Micha 5,1.

Vers 12
Das war auch damals nicht normal: Ein Neugeborenes in einer Futterkrippe für Tiere! Damit setzt Gott ein „Zeichen“ – eigentlich: Hinweispfeil – das sowohl den Hirten, wie allen, die anfangen zu glauben, Gottes Wirklichkeit und Plan verdeutlichen: Gott ist wirklich ganz unten; er nimmt niemand was weg.

Vers 13
Die unsichtbare Himmelswelt öffnet sich. Zum Lobpreis Gottes, den die unzähligen Engel anstimmen. Was da in Bethlehem geschieht ist wirklich weltumstürzend.

Vers 14
Die Christgeburt gibt Gott, dem Vater, alle „Ehre“, wörtl.: Das ganze Gewicht! Er handelt. So wird auf Erden – eben weltweit – Friede mit Gott, der Friede, den Christus schafft durch seinen Kreuzestod. Jeder, der das annimmt lebt im „Wohlgefallen“ = in der Liebe und der Zuwendung Gottes.

5. Die Spitze des Textes
Christus, der Retter ist da!

6. Der Text heute
a) Die historische Verankerung wird oft bestritten und von einer „Legende“ geredet. Nein: Lukas ist Historiker und der nüchterne, zeitlich datierte Bericht hat keinerlei „märchenhafte“ Züge.
b) „Als die Zeit erfüllt war…“ Gal 4,4. Das geschieht hier. Seit Jesu Geburt beginnt die Endzeit: Gottes Heilshandeln kommt zur Vollendung.
c) Die „Niedrigkeit“ der Geburt des Gottessohnes zeigt Gottes ganze Liebe. Er verzichtet auf alle Macht und Gewalt. vgl. Phil. 2,6ff

7. Beispiele und Verdeutlichungen
Der Lukas-Bericht ist so plastisch, dass weitere Beispiele nur ablenken würden.
Einige Verdeutlichungen:
a) Augustus = der Erhabene; Jesus = der Gotthilf, in aller Ärmlichkeit.
b) Augustus treibt Steuern ein; Jesus teilt Frieden aus.
c) Ein Fall für´s Sozialamt: Ein Neugeborenes in einer Futterkrippe.
d) Schon das Baby Jesus findet keinen Platz bei den Menschen. Vgl. Joh 1,11.
e) Hirten, die „Porias“ der Gesellschaft hören als Erste das Evangelium.
f) Wo sich Gott und Mensch begegnen packt uns – zu Recht – die Furcht.
g) Mit Christus wird tatsächlich Friede, für die, die ihm vertrauen. Vgl. Eph. 2,14.

8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung:
„Ich steh“ an deiner Krippen hier, o, Jesu, du mein Leben… (Lied vorher singen lassen): Da, am völlig unpassenden, armseligsten Ort, da ist Gott da. Wider alles menschliche, religiöse Denken und Erwarten.

1. Augustus will hoch hinaus
Der römische Kaiser verspricht Frieden, Wohlstand und Glück für alle, ein goldenes Zeitalter. Doch dazu braucht er Geld. Wer bezahlt? Natürlich die einfachen Leute. Ihnen greift er in die Tasche. Mit aller Härte: Aufstände wegen der Steuer von Ägypten bis Syrien. So ist´s in der Welt: Ausbeutung, Unterdrückung, leere Versprechen.
Gott „benützt“ den Augustus; er wird Werkzeug: So muss Joseph nach Bethlehem. Micha 5,1 erfüllt sich wortwörtlich.
Wir dürfen vertrauen: Die Mächtigen stehen unter Gottes Plan. Im ganzen „Machtgetöse“ bleibt Gott der Handelnde. Er hat Heilsplan und Heilsziel. Das gilt auch für uns ganz persönlich. Wir sind nicht den Mächten ausgeliefert, sondern vertrauen Jesus: „Mir ist gegeben alle Gewalt…“

2. Gott kommt ganz tief herab
Tiefer geht´s nicht: Baby = völlig ausgeliefert; Windeln = unappetitlich, ganz Mensch; Krippe = unhygienisch, ein Fall für´s Sozialamt; Hirten = die Porias der damaligen Gesellschaft. Doch, so will es Gott! Damit keiner Angst haben muss; dass seine Liebe völlig deutlich wird; dass er wahrer Mensch wird; dass der Kaputteste begreift: Gott will mich!

3. So kommen wir aus der Tiefe in die Höhe
Wir können das nicht erklären, der Engel muss „verkünden“ = deutlich sagen:
a) weg mit dem Schreck, denn Gott ist für euch
b) der Heiland ist geboren, der Retter von Sünde und Tod
c) Freudenzeit beginnt, jeder kann das Heil annehmen
d) das gilt weltweit, allem Volk
e) Gott wirft sein ganzes Gewicht (seine Ehre) in die Waagschale, um uns zu retten
f) Friede mit Gott durch Jesus ist jetzt da
g) Gott hat Wohlgefallen an uns; jeder der jetzt glaubt erlebt Gottes Liebe

Schluss: „Ich sehe dich mit Freuden an…“ Tatsächlich: Weihnachten ist Freudenfest