Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … im Leidenden kommt
Bibelstelle: Jesaja 52,13- 53,12
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Der bekannteste Abschnitt im ganzen Jesajabuch.
Teile daraus werden im NT oft zitiert: Jes 52, 15 in Rö 15, 21; Jes 53, 1 in Jo 12, 38 und Rö 10, 16; Jes 53, 4 in Mt 8, 17; Jes 53, 7f in Apg 8, 32-33; Jes 53, 9 in 1. Petr 2, 22; Jes 53, 12 in Lk 22, 37.
Der Hauptteil des Textes handelt von der Verwerfung des Gottesknechts. Hauptgedanke ist jedoch (Jes 52, 13; 53, 11f), dass sein Leiden zur Erhöhung und Herrlichkeit führen wird. Das Leiden ist wichtig, aber ebenso seine Herrlichkeit, die zeigen wird, dass der Gottesknecht den Willen des Vaters freiwillig getan hat.
Der Knecht wird verworfen (Jes 49-50), dann wird der Überrest erhöht (51, 1 – 52, 12). Nun wird auch der Knecht erhöht (52, 13 – 53, 12).
Erklärungen und Tipps:
Kap 52, V 13 Genauer: „Mein Knecht wird WEISE handeln.“ Weisheit bezeichnet die Übereinstimmung mit Gottes Gedanken. Die Erhöhung meint hier nicht die „Erhöhung am Kreuz“, sondern den Platz bei Gott (Phil 2, 9; Kol 3, 1; Hebr 1, 3; 8, 1; 10, 12; 12, 2; 1. Petr 3, 22).
V 14 „Über den Knecht entsetzen“ könnte auch „von Scheu ergriffen“, „erstaunt sein“ bedeuten.
Die „Vielen“ sind die Völker und ihre Könige (V 15). Alle Menschen, die ihn beim zweiten Kommen sehen, werden überrascht sein. Ein einmaliger Weg: Von der Krippe über das Kreuz zur Herrlichkeit.
V 15 „Besprengt“ hat der at-liche Priester nach dem Gesetz (3. Mo 4, 6; 8, 11; 14, 7) die Menschen, die Vergebung und Reinigung brauchten.
Dieser Knecht, der zu allen Zeiten an den Rand gedrängt wurde (1), wird in Wirklichkeit das Wichtigste und Entscheidendste für die Völker und Könige schaffen: Reinigung von der Sünde (Jo 1, 29; Hebr 10, 14).
Den Mund hält man geschlossen, wenn keine Gegenargumente mehr vorhanden sind.
Kap 53
Der Bericht über den Tod des Gottesknechtes wird vom „erleuchteten“ Israel ausgehen, wenn sie ihn und die Bedeutung seines Todes für sich erkannt haben.
Zuerst wird Israel bekennen, dass es die Wichtigkeit des Knechtes Gottes katastrophal falsch eingeschätzt hat (V 1-3).
V 1 Der jüdische Überrest wird beklagen, dass so wenige Menschen seiner Botschaft vom Heiland und Gottesknecht glauben.
„Arm“ bedeutet bei Jesaja oft Stärke (40, 10; zwei Mal in 51, 5.9; 52, 10; 53, 1; 59, 1.16; 60, 4; 62, 8; 63, 5.12).
V 2 Trotz Klagen wird Israels Überrest erkennen, dass an der Erscheinung des Gottesknechtes nichts ist, was die großen Massen begeistern könnte (V 3).
Ein Reis ist der neue, zarte, verletzbare Trieb einer Pflanze. Und das auch noch auf einem „Ackerboden“, den kein Bauer „geschenkt“ nähme.
V 3 Tiefer kann keiner sinken (Phil 2, 6-8). Angehörige dieser Gruppe der Allerletzten wurden immer übersehen, überhört und, wenn noch möglich, „über den Tisch gezogen“. Das Volk hält ihn nicht für wichtig. Kein Regierungsvertreter würde heute den wichtigsten Menschen der ganzen Welt zu einem Empfang einladen.
V 4 Israel WIRD erkennen, was der Heiland für die Menschheit getan hat.
Krankheiten und Schmerzen waren Indikatoren für Sünde (Jo 9, 2; Mt 9, 1-8; u. a.). Jesus nahm die FOLGEN der Sünde auf sich, mehr: 2. Ko 5, 21.
Dass Jesus auch körperliche Leiden heilen konnte und kann, waren Zeichen für die großen Möglichkeiten Gottes. Es geht hier nicht um Grippe, Lepra oder Krebs. Die eigentliche Krankheit hat seit dem Sündenfall die SEELE der Menschen befallen (1. Mo 3, 5).
Und die Folgen dieser Trennung von Gott nimmt der Gottesknecht auf sich, erträgt und trägt sie (1. Petr 2, 24; 3, 18).
Bei der Kreuzigung meinte Israel noch, dass die Leiden (geplagt, geschlagen, gemartert) gerecht und verdient seien, weil er Gott gelästert hätte (Mk 2, 7). Tatsächlich trug er das Gerichtsurteil, das die Menschen hätte treffen müssen.
V 5 Die Verse 4 und 5 wollten schon dem damaligen Israel die Augen öffnen: „unsere, für uns“.
Seine Wunden, innerlich und äußerlich, wurden ihm durch das Volk und das Hinrichtungskommando beigebracht. Sie wurden zum Heilmittel für die Errettung der geistlichen Wunden aller Gläubigen.
Das physische Leiden am Kreuz konnten ja nur Menschen beschreiben, die nicht in der Haut der Verurteilten steckten.
Sein Gehorsam gegenüber dem Vater wurde angenommen (Phil 2, 8). Sein Tod versöhnte den Zorn Gottes gegen die Sünde. Jesu stellvertretendes Sterben lässt Gott die Sünden des Volkes (und der anderen, die an ihn glauben) „übersehen“, weil der Gottesknecht alle Rechnungen bezahlt hat.
V 6 Der Überrest wird seine Schuld anerkennen.
Schafe neigen dazu, ihren Leithammeln zu folgen. So wendete sich auch Israel von Gott ab, wenn ihre Verantwortlichen Anderes vor hatten. Sünde heißt, Gottes Wort übersehen und eigene Wege gehen. Gott übertrug aber die Strafe nicht auf die Schafe sondern auf ihren freiwilligen Stellvertreter (V 11).
V 7 Schafe laufen gern „hintendrein“, sogar in ihr Unglück. Jesus, das Lamm Gottes, gab sich still dem Tod hin. Verteidigung wäre möglich und sicher überzeugend gewesen (Mt 26, 63a; 27, 14; 1. Petr 2, 23). Jesu Ziel war aber nicht die eigene Errettung. Für uns!
V 8 Nach Angst (Gefangenschaft, Fesseln; Jo 18, 12.14) und Gericht (Todesurteil Jo 19, 16) starb Jesus nicht wegen seiner eigenen Sünden. Der Sohn Gottes war sündlos (2. Ko 5, 21; Hebr 4, 15; 1. Jo 3, 5) und starb für die Sünden ANDERER.
„Weggerissen“ bezeichnet bis heute den Wechsel von den Lebendigen zu den Toten und unterstreicht die Unverfügbarkeit des Menschen über den Termin seines Todes.
V 9 Für Soldaten wurden die am Kreuz Verstorbenen selbstverständlich unter „Ungläubigen“ verscharrt.
Der hebräische Text spricht hier von „unter Reichen“, – und deutet für die Bestattung Jesu das teure Grab des Josef von Arimathäa an (Mt 27, 57ff; Mk 15, 42ff).
V 10 Gottes Wille, der auf die Rettung seiner Menschen zielt, will retten, auch auf eigene Kosten (1. Tim 2, 4-6). Letztlich hat nicht das LEBEN Jesu den Zorn Gottes über die Sünde der Menschheit gestillt, sondern sein TOD.
V 11 Sein Leiden bringt uns Leben.
V 12 „Raub, Beute“ gehörte den siegreichen Feldherren (Ps 68, 19; Eph 4, 7f).
Weil ER lebt, tritt er auch heute für „Übertreter“ ein.
Gliederungsvorschläge
von Thomas Richter
1) Im Leiden überdauert er alle (52, 13-15)
2) Im Leiden überrascht er alle (53, 1-3)
3) Im Leiden überführt er alle (53, 4-6)
4) Im Leiden überwindet er alles (53, 7-9)
5) Im Leiden übernimmt er alles (53, 10-12)
von Theo Sorg:
1) Gottes Knecht – der Verachtete
2) Gottes Knecht – der sich Opfernde
3) Gottes Knecht – der Erhöhte
von Burghard Affeld:
1) Seine Erniedrigung – unser Entsetzen
2) Seine Erhöhung – unsere Chance
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Fußnoten
(1) Der große Gott kommt in unserer Zeit immer zuerst klein und unaufdringlich in diese Welt, ein Prinzip des Himmelreichs (Lk 13, 18f). Leicht zu übersehen. Jede Weihnachtsreklame ist lauter.
Staats- und Kirchenpräsidenten halten Weihnachtsansprachen. Fast jeder Ort hat mittlerweile seinen Weihnachtsmarkt. Viele Kilometer städtischer Lichterketten „erfreuen“ die Menschen.
Den längsten Weihnachtskalender (Guiness) pflegt die Stadt Tönning.
„100 miles of light“ schmücken in Virginia/USA die Straßen über die Weihnachtstage.
Fast niemand freut sich auf den Weihnachtsrummel („Wer will Zimtsterne im Sommer?“), aber die Mehrheit macht mit.
Und Christus? Er lässt sich an den Rand drängen: In der Welt – und in unseren Herzen.