Monatsthema: Leben in der Ewigkeit beim Herrn
Predigtthema: Durchblick zur Entscheidung für den Herrn
Bibelstelle: Offenbarung 22, 14-21
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Das Schlusswort der Offenbarung (22, 6ff) ist nicht ganz einfach zu verstehen. Verschiedene Sprecher treten auf, deren Sätze ihnen nicht immer zweifelsfrei zugeordnet werden können: Christus, Engel, Johannes, Geist und Braut. Ab Vers 12 kann eigentlich nicht mehr der Engel Urheber sein. Die Worte Jesu beginnen also nicht erst mit V 16.
Deshalb gliedert man besser inhaltlich, thematisch.
Erklärungen und Tipps:
V 14 An die Selbstvorstellung Jesu in V13 werden wie in 21, 6 Evangelium und ein Drohwort geknüpft.
Das „Kleiderwaschen“ ist nur bildhaft zu verstehen, wie manches in der Offenbarung sonst sind unnötige Streitfragen vorprogrammiert: Wie kann Blut weiß waschen?, usw.
Das Bildwort von den „weißen Kleidern“ wird in der Offenbarung unterschiedlich gebraucht.
1. Offb 7, 14: Reinigung durch das Blut des Lammes.
2. Offb 3, 4: In der Sardes-Gemeinde hatten manche ihre Kleider gar nicht erst besudelt.
3. Offb 3, 18: Reine Kleider werden durch die Buße erhalten.
4. Offb 6, 11: Erst nach dem Tod (= Heimgang) werden weiße Gewänder ausgeteilt.
Jeder Jude und jeder Christ hatte aber von Jes 1, 18 gehört: „So kommt denn…, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden.“ (Wolle galt als weiß).
Eine Verbindung mit 1. Jo 3, 2-3: „Wir werden ihn sehen, wie er ist. Und wer solche Hoffnung…“.
Zwei Vollmachten werden vergeben:
1. Teilhabe am Baum des Lebens. Die Gottesunmittelbarkeit der Bewohner des neuen Jerusalem.
2. Eintritt durch die Stadttore (siehe dazu Predigttipp für Offb 21, 9 – 22, 5).
V 15 Daneben das Drohwort: Nach 18, 4 wird der Auszug aus der alten Stadt Babel verlangt, hier der Einzug in die neue Stadt Jerusalem. Umkehr der Abhängigkeiten und Verhältnisse.
Unter der Ausweisung aus der neuen Stadt lässt sich die Beschreibung in Mt 25, 30 verstehen.
In Israel wurden alle Nichtjuden „Hunde“ genannt (Mt 7, 6; 15, 26; Phil 3, 2; 2. Petr 2, 22). (1)
Die Kennzeichen der sechs Gruppen von „ausgewiesenen Ausländern“ überschneiden sich.
Alle Ausgeschlossenen hatten sich für die Lüge entschieden, damals die Wahl des Götzendienstes, heute z. B. das Verständnis für und der Gebrauch von sog. Notlügen.
Menschen, denen Lüge nicht nur „unterlaufen“, sondern die sie sogar LIEBEN und für das tägliche Miteinander für unverzichtbar ansehen (Jo 3, 19).
V 16 Ob Gott oder Jesus den Engel gesandt hat, ist unwichtig (Jo 10, 30; 17, 11).
Der strahlende Morgenstern war ein Bild für den Sieg des Tages über die Nacht. Hier verkündet er den Tag Gottes, den keine Nacht mehr beenden wird (21, 25; 22, 5).
V 17 Die Gemeinde wird nicht erst bei der Wiederkunft des Herrn Braut, sie ist es schon. Diese Bezeichnung grenzt die Gemeinde ab gegenüber der „Hure Babel“ (Offb 17). Die Grundstimmung der Braut ist Freude auf das, was sie gern kommen sieht.
Der heilige Geist bietet eine Kostprobe für das ewige Leben an: Wasser des Lebens. (2)
Menschen sind interessiert (Jo 4, 15). (3)
Ablehnende werden nicht bedrängt. Jeder Mensch muss wollen, dass Jesus ihn heil macht.
Durst und Hunger gehören aber zu den Grundbedürfnissen aller Menschen. Essen und Trinken an einem gemeinsamen Tisch bedeutete im Orient: Wir gehören zusammen. Wir sind Blutsbrüder, stecken unter einer Decke (Mt 9, 11; Lk 5, 30; 19, 5). (4)
Mit GOTT an einem Tisch sitzen zu dürfen, wird nie getoppt werden.
Von Jesus gehen schon jetzt „Ströme von lebendigem Wasser“ aus (Jo 7, 38). Erlebbar!
Gemeinschaften, in denen diese Hoffnung erlahmt und deren Beziehungen zu Jesus sich in Erinnerungen erschöpfen, werden wieder zu einem Stück der Welt. So dämpfen sie die Kraft des Geistes (1. Thess 5, 19).
„Kerzengerade steht Johannes im Schlafsaal der Welt“ (Adolf Pohl), weckt auf und lädt ein.
Nur KOMMEN muss jeder selbst (Mt 11, 28). Eine Kernaufmunterung für jeden, der mit Jesu lebt.
V 18 Hier kommt sicher wieder Johannes zu Wort und warnt noch einmal drastisch vor den Folgen eines Lebens ohne Gott, d. h. ohne Jesus. Wer das inspirierte Gotteswort links liegen lässt, es verkürzt oder „verschlimmbessert“ verletzt die Majestät Gottes.
Dazu gehören sicher auch viele fragwürdige Auslegungen der Offenbarung, die möglichst alles in die jeweiligen politischen Verhältnisse übertragen wollen und „mehr als die Schrift wissen“.
Die Offenbarung beanspruchte als einzige im NT von sich aus die Zugehörigkeit zum Kanon (Offb 1, 1), also zu den Schriften, die im Gegensatz zu den Apokryphen zum Wort Gottes gehörten. An ihm musste sich alles messen lassen, was echt göttlich, geistlich und christlich sein sollte.
Zur Frage der Zugehörigkeit einzelner Bücher zum Kanon siehe Fußnote (5)
V 19 Diese Warnung bezieht sich nicht nur auf das Buch der Offenbarung sondern auf den ganzen Kanon (1. Tim 3, 16). Gottes Wort ist unantastbar. (6)
Wer sich nicht an Gottes ganzes Wort hält, schadet der Gemeinde.
Zur Geschichte des KANON siehe Bibellexikon.
V 20 Kein Wenn und Aber: Jesus kommt wieder! Sein JA unterstreicht nur die Wichtigkeit seine Mission (Phil 2, 6ff, u.v.a.).
BALD bedeutet im Griechischen auch SCHNELL (siehe Offb 3, 11).
„Amen“ ist eine Bekräftigungsformel. Sie wird bis heute oft ausgesprochen in Verbindung mit Wahrheiten, denen man umfassend beipflichtet. Auch in Verbindung mit dem Wunsch: „Komm Herr Jesus!“
V 21 Was letztlich zählt ist Gottes Gnade, nicht menschliches Versagen oder irgendwelche Verdienste. Gottes Gnade genügt. (7)
Gliederungsvorschlag
1. Zu Ihm kommen
2. Sein Wort bleibt
3. Er kommt bald
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Fußnoten
(1) Herumstreunende, herrenlose Hunde wurden verachtet, weil sie z.B. auch Aas fraßen, vergleichbar z.B. mit dem Verzehr unreiner Speisen (Schweinefleisch, u. a.).
Die Fruchtbarkeitsgöttin Isis wurde auf einem Hunde reitend dargestellt. „Die schamlose, öffentliche Begattung der Hunde machte den Hund zum Bild der Hetäre“ (Adolf Pohl, Wuppertaler Studienbibel).
(2) In Israel war Wasser oft DAS Überlebensmittel.
(3) Jedes Volks- oder Straßenfest, jede gemütliche Hocketse beweist das Verlangen des Menschen nach frischem Wasser.
(4) Horrende Beträge werden gezahlt, um mit Prominenten nur einmal an einem Tisch sitzen zu dürfen, noch höhere Summen, wenn man dadurch anschließend vielleicht „ins Fernsehen“ kommt.
Das gemeinsame „Gesehen-werden“ gehört zu den vorrangigen Wünschen der Menschen: „Nur einmal mit der Bundeskanzlerin speisen, – oder mit dem wichtigsten Mann eines christlichen Werkes, – oder mit unserem Oberbürgermeister, – oder mit…“. Oder mit…, – nur allgemein anerkannter, wichtiger als ich jedenfalls, sollte er schon sein.
(5) Kanon: „Das Wort ist eine Entlehnung aus latein. canon (Norm, Regel), das ursprünglich aus dem Griechischen stammt, kanón (Leitfaden, Maßstab, etwas Mustergültiges, Maßgebendes) stammt. Der Begriff ist von einem Rohrstab abgeleitet, der als Längenmaß diente, ursprünglich ein Lehnwort aus dem hebräischen Wort für Schilfrohr.“ (nach Wikipedia)
„Wenn der Begriff ‚Kanon’ auch erst ab dem 4. Jahrhundert verwendet wurde, war die Gemeinde der Sache nach doch nie ohne Kanon. Von Anfang an gab es das AT, das mündliche und dann auch das schriftliche Zeugnis der Apostel mit normativer Kraft. Es ist darum ungeschichtlich zu sagen, erst die spätere Kirche habe den Kanon ‚geschaffen’ und darum stünde die Kirche über dem Kanon. Vielmehr hat die Kirche sich unter die in Kraft befindliche Norm gebeugt. Christus, das Evangelium und die Apostel waren VOR der Kirche.“ (Adolf Pohl)
(6) Auch wenn „wissenschaftliche Erkenntnisse“ modernistischer Theologen verschiedenster Denkrichtungen Kürzungen und Veränderungen vorschlugen. Gottes Wort wird letztlich unangetastet bleiben.
(7) Wenn z.B. Sterbende das begriffen haben, können sie sich getrost IHREM gnädigen Gott anvertrauen.