Thema: Lukasevangelium – Begegnungen mit Jesus
Predigtthema: Jesus – von Menschen verkannt
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk. 10,16a)!
1 Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
„Mensch – Erkennst du den Herrn?“ ist ein Titel, mit dem man direkt an den vergangenen Sonntag anknüpfen kann. Nach dem Bericht der Taufe & der Versuchung Jesu folgt in Lukas 4 ab Vers 14 der Bericht über das erste Wirken von Jesus. Dies ist bei allen Evangelien das erste Wirken in Galiläa. Es ist sinnvoll den Text nicht ausschließlich auf die Verse 22-30 zu beschränken, sondern die Vorwoche mit einzubeziehen.
Lukas nimmt uns auf nüchterne Weise mit hinein in die nächsten Schritte des Herrn.
Christus geht durch den Landstrich Galiläa und lehrt in der Kraft des Geistes und der Gunst des Gottes, die er bei der Taufe öffentlich empfangen hat und in der er schon aufgewachsen ist (siehe Lk. 2,40ff). Wir befinden uns im Folgebericht den Lukas als Geschichtsschreiber verfasst. Es soll helfen tiefere Erkenntnis über das Wirken des Herrn zu erlangen und die Zuverlässigkeit der Berichte über Jesus zu überprüfen.
Nach den Versen 14-15 kommt ein Bericht den Lukas als Einziger hat. Er ist wahrscheinlich am besten in Parallele zu Joh. 4,43-45 zu setzten wo berichtet wird, dass Jesus in Galiläa ist und bezeugt, dass der Prophet nichts in seiner Heimat gilt.
Hier, in Lukas wird von der Art der Lehre berichtet und wie Jesus in Galiläa und im ganzen Umland auftritt. Dazu kommt die Art wie er anknüpft an die Gepflogenheiten der Umgebung und sich die Rituale der jüdischen Lehre zu eigen macht.
Dies stößt nicht nur auf Verständnis. Es führt eher dazu, dass Menschen aus der Synagoge Jesus töten wollen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Edition C, Lukas Evangelium 1. Teil; G. Maier
- Der neue Mathew Henry Kommentar, Band 1 (Matthäus bis Johannes)
- Auslegungen zum Neuen Testament, Lukas Evangelium; W. Barclay
Und natürlich auch diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte bzw. sicherlich auch ausleihen kann.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Der Bericht aus Lukas 4,14ff ist einerseits in Mt. 4,12-17; Mk. 1,14-15 & Joh. 4,43-45 berichtet. Andererseits ist es ein Detaileinblick, der ab Lk. 4,16 nur in Lukas gegeben wird.
Es ist hilfreich, dass in der Vorbereitung die Parallelen hinzugezogen werden. Darüber hinaus muss man den Bericht des Lukas einzeln sehen und im Vergleich mit dem Gesamtkontext der Bibel sehen.
Der Text aus Lukas 4,16-30 ist einerseits eingebettet in den Kontext, kann aber auch als Einzeltext gut gepredigt werden. Da an den vergangenen Sonntagen schon zu Lukas gepredigt wurde kann man hier gut an die vorherigen Verse anknüpfen und muss dies tun, um den Zusammenhang darzustellen.
Nach der Lehre in der Synagoge zu Nazareth kommt es zu Diskussionen und zur Kontroverse.
Einerseits sehen und hören die Hörer, wie gut Jesus redet und das seine Worte wahr sind.
Andererseits regen sie sich über die Lehre auf und wollen ihn loswerden und sogar töten.
Hier beginnt der Leidensweg des Herrn. Man sollte neben der Vorgeschichte, die erwähnt gehört, auf jeden Fall Vers 21 dazunehmen. Diesen Vers braucht es, um einzusortieren das Jesus herausforderte zu hören. Dies ist eine Aufforderung oder Benennung dessen, was auch im Alten Testament und dann anderen Stellen im Lukas-Evangelium und in Mt. und Mk. gesagt wurde. In Lk. 4,21 heißt es;
»Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt«, sagte er zu ihnen. »Ihr seid Zeugen.«
Was man auch übersetzen kann als: vor euren Ohren ist das Wort erfüllt worden bzw. zu HÖREN gewesen!
Dazu kann man auch 5. Mose 29,1-4 / Jes. 6,9-10 / Jer. 25,3-4 lesen wo beschrieben ist, dass man ein verständiges Ohr braucht. Die gute Botschaft wird nicht von jedem gehört und nicht von jedem erkannt. Man braucht ein geöffnetes Ohr und geöffnete Augen (des Herzens) um es zu erkennen. Das wird unter anderem in Lk. 10,23-24 gesagt aber auch in Lk. 14,35-35 verwendet. Auch Mt. 11,15 / 13,9 und in Mk. 4,9 & 23 verwendet Jesus diese Redewendung. Wie schon im alten Bund ist es Gott, der Herzen verändert, so das man sieht und hört, was die gute Botschaft ist.
2 Hilfen zum Textverständnis
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Die Brücke zum Text ist die Vorgeschichte, also der Bericht Taufe, Lk. 3,20-21 und der Bericht der Versuchung aus Lk. 4,1-13 sowie der Text der direkt vorangeht und uns in die Synagoge zu Nazareth hineinnimmt. (Lk. 4,14-21)
Jesus geht, erfüllt vom Geist und in der Kraft des Geistes in die Lehre über. Wie dies ausschaut, lesen wir in den Versen aus Lk. 4,16-30, dazu lesen wir, wie es ankommt und was Jesus lehrt.
Für diese Predigt ist es hilfreich schon ab Vers 14 zu lesen, da dies der Vorbericht zu den Ereignissen ist und nicht ausschließlich den Text zur Predigt zu verwenden.
In der folgenden Betrachtung fokussieren wir uns allerdings auf die Verse 21-30. Wer mehr Informationen zum Vortext möchte darf gerne die Predigthilfe vom 15. März 2026 hinzuziehen.
In Lukas 4,21-22 sehen wir wie die Lehre Jesu aufgenommen wird. Er legt das Bibelwort aus Jesaja 61,1-3 aus und bezieht es auf sich selbst und sein Auftreten.
Dieses Wort ist HEUTE in Erfüllung gegangen. Jesus zeigt auf, dass mit dem Tag die Rettung da ist und Menschen befreit werden. Wer dies erkennen will und aufrecht nachfragt, dessen Ohren sind geöffnet und dessen Augen sind auf. Es ist sicher kein Zufall, dass Lukas dies mit einarbeitet. Schließlich will er ja, dass Theophilus erkennt, was Jesus getan hat. Er hat schon viel gehört und doch braucht Theophilus nochmals den Bericht des Lukas.
Genauso in diesem Fall…
Die Menschen waren beeindruckt von Jesus und seiner Rede. Was Jesus sagte, war von Gott geschenkt oder, wie vorher schon gesagt, in der Kraft des Heiligen Geistes! Nur der Rückschluss war ein anderer. „Er ist ein guter Lehrer“ ABER… „Ist es nicht der Sohn des Joseph, dem Zimmermann? Wie kann der jetzt lehren?“
Vers 22: Alle waren von ihm beeindruckt und staunten über seine Worte. Sie mussten zugeben, dass das, was er sagte, ihm von Gott geschenkt war. »Aber ist er denn nicht der Sohn Josefs?«, fragten sie. „wie kann der jetzt so reden und lehren?“ Das passt nicht ins Bild von dem, was sie bisher kannten. Es war neu.
Bis heute fordern die Verse und ihre Auslegung heraus. Wie kommt es so schnell zu dieser Eskalation… also von Anerkennung hin zu Wut über den Redner?
Jesus nimmt die Anerkennung auf und bezieht in Lukas 4,23-27 Stellung zu den Anfragen, Aussagen und seiner Person. In Vers 22 ist es nur kurz zusammengefasst was gesagt wurde. Jesus nimmt es auf und stellt sich der Diskussion. Es beginnt mit dem Hinweis darauf, das Zeichen gefordert sind. (Sicher werdet ihr… V 23) Also stellt Jesus fest, dass sie das, was gehört wurde selbst sehen wollen. Sie glauben nicht an Christus, sondern wollen Wunder sehen als Beweis und Sicherheit. Im Grunde ist es so, wie wir auch in Joh. 4,44ff sehen. Jesus wird wahrgenommen, aber man möchte mehr Wunder sehen. Arzt hilf dir selbst ist einer dieser Sprüche die Jesus aufgreift und dennoch weiß er, dass das, was in Kapernaum geschehen ist, hier nicht reichen würde.
Ein Prophet gilt nichts in der Heimat. Das sehen wir unter anderem bei Mose, der vom Volk härter geprüft und angezweifelt wurde als von den Ägyptern (2. Mose 14,10ff; 4. Mose 11,1ff; Apg. 7,35ff) und Jona galt mehr in Ninive als in seiner Heimat. (Mt. 12,41; 2. Kön. 23ff) und dann Elia und Elisa die in der folge von Jesus genannt werden. Jesus ist aber ein Prophet wie Mose und Elia. Daher ist die Situation fast verständlich.
Jesus nutzt die Beispiele von Elia und Elisa, um aufzuzeigen, wozu er selbst gekommen ist.
Die Rettung für alle Welt.
Dies muss für die Israeliten ein Schlag ins Gesicht sein: umzingelt von Heiden (Galiläa war eingekreist von heidnischen Städten) wissen sie doch, dass sie auserwählt sind und eben Gottes Volk sind. Jetzt ist da dieser Lehrer und Prophet, der hier so gut redet, aber nicht geachtet wird. Er könnte zu den Heiden gehen, die in der Nachbarschaft leben. Was soll das jetzt?!? Vor allem als Jesus die Beispiele von Elia und Elisa nutzt wird deutlich, dass Jesus eher die Heiden bevorzugen könnte, wie Elia und Elisa es taten.
Der eine ging nach Sidon – 1. Kö. 17,9ff und der andere half dem Naaman und heilte diesen vom Aussatz – 2. Kö. 5,1ff!
Das darf nicht sein und ist der Grund für Ärger, dem hier dann ab Vers 28 Luft gemacht wird.
In Lukas 4,28-30 wird die Eskalation beschrieben.
Sie hören die Worte und geraten in Wut. Sie, die das auserwählte Volk sind, werden vom Lehrer und Propheten vor den Kopf gestoßen. Diese Aussagen sollten den Tod zur Folge haben!
Aber Jesus stellt sich auf und geht mitten durch die Menge. Dies ist überraschend aber auch ein Zeichen für die Autorität die Jesus hat. Nachdem er schon dem Teufel widerstanden hat, ist es hier ein leichtes den Menschen zu widerstehen. Er geht in der Gewissheit, dass seine Stunde in Jerusalem kommt und nicht hier.
Jesus geht in der Sicherheit, dass er im Vater geborgen ist und erst am Anfang des Weges ist.
So ist dieser Bericht auch ein Beispiel für das Durchstehen des Weges. Nachdem Jesus dem Teufel widersteht, widersteht er hier dem Drängen der Menschen durch Wunder und Werke zu zeigen, wer er ist. Es ist durch Glauben allein, wie Jesus erkannt wird. So wie auf die Jesaja Worte gesagt ist:
Wer Ohren hat zu hören (und Augen zu sehen) der erkennt aus der Gnade Gottes heraus!
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Diese Predigt wird in der Passionszeit gehalten. Es ist ein erster Hinweis auf das Trachten nach dem Leben Jesu. Das gipfelt kommt dann an Karfreitag in die Kreuzigung und den Tod sowie die Auferstehung an Ostern.
In der Predigt kann man dies schon andeuten und damit die Vorbereitung starten auf die Osterzeit.
3 Sagen, wo es hingeht
Jesus Lehrt in der Synagoge und bezieht sich auf die Propheten, vor allem auf Elia und Elisa. Diese Erklärung aus der Schrift zeigt auf in welcher Art Jesus gesehen werden muss. Er ist ein Prophet und Lehrer wie Mose und Elia. Aber auch größer, eben der, durch den das Jesaja Wort erfüllt ist.
Die Diskussion, die hier aufgeführt wird, gab es damals, auch zur späteren Zeit von Jesu Wirken und dann bei Petrus, Paulus, in der ganzen Kirchengeschichte und bis heute:
- Was soll das mit Jesus und dem einen Weg?
- Was ist das mit dem Evangelium Und Kreuzestod?
- Wie kann ich das glauben?
Bis heute ist es schwierig es zu vermitteln. Vor allem da, wo man durch die Nachfolge Jesu als Christ verändert wird, aber jeder einen noch von früher kennt. „der war doch immer…“
Dann ist es schwierig zu predigen. Jesus selber hat das erlebt, warum sollte es uns anders gehen.
Dennoch ist es dran und wichtig, dass wir das Evangelium predigen und Jesus als den Retter der Welt aufzeigen. Das Hören und Erkennen, schenkt dann der Geist Gottes, der zu sich zieht. An uns ist nur das Reden und Verkündigen.
3.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus von Menschen verkannt ist als Thema gesetzt. Der Herr der Herren ist da, erkennst du ihn nicht? Oder wie Jesaja 43,19 beschrieben ist: Neues wächst auf, erkennst du es nicht?
Es ist damals, wie heute wichtig, dass wir aufzeigen, wozu Jesus da ist und was er tut. Er macht Gefangene frei und macht Zerbrochenes heil. Er ist der Heiland und Retter, der Christus, der schon in Lk. 2 benannt wird. Diesen sollten wir predigen, auch und gerade gegen die Vorstellungen die Menschen haben.
3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
An diesen Text kann man gut herangehen, indem man die Vorgeschichte und die letzten beiden Predigten hernimmt und da die Gemeinde abholt. Sollte man die Vortexte nicht in den Predigten gehabt haben, wäre es sinnvoll die Verse 16-21 mit hineinzunehmen. Dadurch kann man die Gottesdienst Teilnehmer in den Abschnitt hineinnehmen.
Anschl. kann man den Text selbst durchgehen und aufzeigen, wer Jesus bis heute ist.
Eine Gute Aufteilung ist im Text selbst gegeben:
- Lk. 4,21-22: Jesus und seine Worte zeigen Wirkung auf die eine und andere Art;
Das ist bis heute der Fall. Das Wort Gottes erzeugt Reaktionen,
den einen ein Anstoß den anderen die Rettung
- Lk. 4,23-27: Jesus reiht sich in die Propheten ein und wird dennoch verkannt
Bis heute können wir das Richtige sagen und doch wird es abgelehnt
Menschen empören sich über die Radikalität der guten Nachricht
- Lk. 4,28-30: Jesus wird mit dem Tod bedroht, weiß sich aber geborgen im Vater
Bis heute ist die Botschaft des Evangeliums ein Grund für Verfolgung
Das war es zur Zeit Jesu, zur Zeit der Apostel und in der ganzen Kirchengeschichte
Bis heute ist das so (siehe auch OPEN DOORS)
- Wie stehe ich zum Herrn der Herren?
- Verkenne ich ihn?
oder
- Erkenne ich ihn?
Gesegnete Vorbereitung 😊
(Björn Husfeld)