Johannes

Predigthilfe vom 22. Januar 2023 – Johannes 5, 1-16

Predigtthema: Gott sieht mich – auch wenn mich sonst keiner sieht

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zu Predigt und Predigttext

In einer ersten Version des Textplans hieß das Predigtthema fälschlicherweise „Jesus macht sehend“ – hier sollte mit dem Gottesdienstleiter abgeglichen werden, dass er das nicht im Gottesdienst nennt.

Für diese Predigt kommen im Textplan dann zwei Fäden zusammen: Zum einen die Januarreihe zur Jahreslosung 2023 („Du bist ein Gott, der mich sieht“), in der es darum geht, dass Gott uns in unseren unterschiedlichsten Lebensumständen immer sieht. Zum anderen wird ab dem 15.01. das Johannesevangelium wieder aufgegriffen (Johannes 1 war am 4. Advent und Weihnachten 2022 im Textplan). Wir ziehen dann den heutigen Text (Joh 5) vor und machen von März bis Mai beginnend mit Johannes 2 weitere Predigten aus diesem Evangelium.

Im heutigen Predigtabschnitt geht es dabei um ein Wunder von Jesus, und weil Johannes insgesamt von relativ wenig Wunder berichtet und dabei auch Wunder, die seine „Kollegen“ nicht berichten, ist die Frage: „Warum berichtet er gerade dieses?“ Wobei die Antwort auf diese Frage evtl. in eine andere Richtung führt als das hier vorgeschlagene Predigtthema.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Der erste Gang sollte immer das Selbststudium sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln eine eigene Vorstellung davon zu erarbeiten, welche geistlichen Wahrheiten der Abschnitt enthält und was Gott im Sinne von 2. Tim 3,16 dem Leser bzw. Predigthörer zeigen möchte.

Erst in einer zweiten Phase liest und hört man dann andere Auslegungen (inklusive dieser Predigthilfe). Im Sinne von Apg 17,11 darf man dabei durchaus prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind.

Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum kostenlosen Download), Ryrie, Genfer Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen),

Weitere gute Hilfen:

  • Die Thompson-Studienbibel bietet mit ihren Kettenbegriffen direkt neben jedem Vers gute Anregungen, welche Themen in einem Abschnitt enthalten sind, die man dann in der Predigt aufgreifen kann.

Weitere Möglichkeiten zum Joh-Ev:

  • die Bände in Edition C und WuStuBi
  • „Das Neue Testament erklärt und ausgelegt“ von Walvoord und Zuck (Hänssler-Verlag) ist eine weitere sehr gute Ergänzung im Sinne einer Studienbibel-Kommentierung.
  • Die Kompaktkommentare von Warren Wiersbe (gibt es auf Englisch frei im Internet: https://storage.snappages.site/7STCWP/assets/files/The-Wiersbe-Bible-Commentary-New-Testame-72.pdf )
  • Es kann sich auch lohnen, nach dem Selbststudium dann auf sermon-online oder auch Youtube Predigten anderer Verkündiger zum Predigttext zu hören.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
(Die Anmerkungen beziehen sich auf die Formulierung der rev. Elberfelder Übersetzung)

Vers 1
Welches Fest das ist, ist offensichtlich nicht so wichtig (vgl. Joh 6,4; 7,2; 10,22).
Jesus kommt wahrscheinlich aus Kapernaum (Joh 4,46).

Vers 2-4
Dieser Vers ist so formuliert, als würde dieser Teich (und ganz Jerusalem) noch existieren. Das kann man so deuten, dass Johannes sein Evangelium vor 70 n.Chr. (Zerstörung Jerusalems) geschrieben hat.

Auch die Tatsache, dass Johannes den Vers 4 ursprünglich nicht geschrieben hat, sondern er wahrscheinlich (als eine von ganz wenigen Ausnahmen) erst später dazu gekommen ist und Johannes zu diesem Teich eben „nur“ die Informationen in Vers 7 liefert, deutet darauf, dass Johannes in eine Situation und an Adressaten schreibt, die geographisch/kulturell aber auch zeitlich sehr nah dran sind.

Diese Gedanken erhöhen die Glaubwürdigkeit von Johannes, insofern kann man diesen Gedanken im Zeitalter der „historisch-kritischen Bibelauslegung“ und dem besonderen Zweifel, mit dem das Johannes-Evangelium „überzogen wird“ durchaus in der Predigt platzieren.

Vers 5
„Mensch“ – vgl. auch Joh 3,1 – der absolute Basisbegriff, der auf die Schöpfung zurückführt. Hier liegt kein „Kranker“, kein „Sünder“, sondern ein in Gottes Ebenbild erschaffener „Mensch“.

Vers 6
Manche deuten die Frage Jesu so, als wollte Jesus das wirklich vom Kranken wissen, weil es evtl. entscheidend ist, ob der Kranke es überhaupt will. Dass es heute Kranke gibt, die evtl. nicht gesund werden wollen, mag so sein, aber die Frage ist, ob das hier plausibel ist, denn der Kranke sitzt ja am Teich und die Antwort des Kranken, wenn man sie nicht als „Ausrede“ interpretiert, ist sicher auch keine Überraschung für Jesus.
Es ist m.E. wahrscheinlicher, dass Jesus diese Frage vor allem für die umstehenden Zuhörer (und Leser) stellt, damit SIE die Antwort hören: Da ist ein Mensch, der gesund werden will, aber keiner hilft ihm! (Ganz anders als bei dem Gelähmten in Mk 2,1ff)

Vers 7
Dieser „Mensch“ hat keinen „Menschen“, der sich um ihn kümmert! Hier ist ein „Mensch“, der Hilfe braucht – und keiner hilft ihm! Woher bekommt er Hilfe?
Sein Satz deutet übrigens mit keiner Silbe an, dass dieser Mensch irgendeinen „Glauben“ an Jesus oder eine „Heilungserwartung“ hat. Er hat nur die eine Option im Blick, die er eben praktisch nicht hat: keiner hilft ihm. Laut Vers 13 kannte er auch Jesus gar nicht.

Vers 8
Der Mann soll sein „Lager“ zusammenräumen und mitnehmen – er könnte es ja auch für einen anderen Kranken liegen lassen. Aber er soll es mitnehmen und „tragen“, denn die sich daraus entwickelnde Sabbat-Frage ist offenkundig von Jesus so gewollt.

Vers 9
Alles geschieht, wie Jesus es sagt. Und die entscheidende Info kommt jetzt (erst): Es geschieht an einem Sabbat.

Vers 11-13
Es könnte sein, dass der Geheilte hier „die Schuld verschieben will“ (wie Adam und Eva beim Sündenfall), aber es kann auch sein, dass Jesus für ihn zu einer wirklichen Autorität geworden ist, nachdem er gesund geworden ist.
Nach Vers 13 ist Jesus ja dann relativ schnell gegangen. Das legt auch nahe, dass Jesus hier tatsächlich nicht ALLE gesund gemacht hat, sondern „nur“ diesen einen Kranken. Und das wiederum legt nahe, dass es hier nicht in erster Linie um Jesu Allmacht geht oder seine Liebe zum Kranken, sondern (auch) um andere Punkte.

Vers 14
Offensichtlich ist der Mann nach seiner Heilung in den Tempel gegangen. Darin könnte sich ein gewisser (alttestamentlicher) Glaube an den Gott Israels zeigen, dem er nun evtl. danken möchte. Wenn gerade ein Fest war, dann war der Tempel mit Sicherheit voll und der Mann hätte tendenziell einen anderen Heimweg gewählt, wenn er direkt nach Hause gewollt hätte. Er wollte also wohl wirklich IN den Tempel.

Der Satz von Jesus ist der Satz, der in diesem Abschnitt am schwersten zu verstehen ist: Bestätigt Jesus hier einen Zusammenhang von Sünde und Krankheit („Schlimmeres“/“Ärgeres“) und welche Sünde wäre das, die etwas Schlimmeres als seine 38-jährige Krankheit (Vers 5) auslöst? Und war er 38 Jahre krank, weil er gesündigt hatte – oder seine Eltern? In Joh 9,2.3 sagt Jesus, dass es bei dem Blinden dort nicht an einer Sünde liegt oder darf man auch das nicht verallgemeinern?
Aber die Bezeichnung in Vers 5 als „Mensch“ legt durchaus nahe, dass der Kranke für Jesus nicht in diesem Sinne ein „Sünder“ ist.
Das beste Verständnis ist m.E., dass Jesus hier keinen Zusammenhang zwischen Sünde und konkreter Krankheit herstellen möchte, sondern dass das hier ein Satz ist, der noch im alttestamentlichen Kontext zu verstehen ist, nämlich dass Jesus dem Mann zunächst einmal ganz grundsätzlich nahelegt, Bundestreue im alttestamentlichen Sinne zu leben, z.B. im Sinne von Psalm 1: Halte dich von Sünde und von Sündern fern, das ist letztlich wichtiger als Gesundheit, denn „die Gottlosen bestehen nicht im Gericht … der Gottlosen Weg vergeht“ (Ps 1, 5-6). In diesem Sinne soll sich dann dieser Mann „bereithalten“ und wir dürfen hoffen, dass ihm dann zu einem späteren Zeitpunkt klar (gemacht) wird, wie er von Jesus noch viel mehr „profitieren kann“ als bei seiner Heilung hier.

Vers 15
Es ist schwer zu sagen, inwieweit in diesem Satz auch eine Kritik an dem Geheilten liegt. Es ist unklar, ob er unter Druck gesetzt worden ist.

Vers 16
Hier zeigt sich nun ein Grund, warum Johannes gerade dieses Wunder berichtet: Es ist ein Sabbatwunder, wie auch in Mk 3,2-6 oder in Joh. 9,14-16. Von 4. Mose 15,32ff her war ein Sabbatwunder eine Möglichkeit, Jesus zum Tod zu verurteilen, deshalb war das für die Pharisäer sehr interessant – neben dem Vorwurf der Gotteslästerung.
Man muss das sicherlich auch in einer Linie mit Mt 12,8 sehen, dass Jesus der „Herr des Sabbats“ ist und er sich über eines der grundlegenden Bundesgebote hinwegsetzt.
Und von 5. Mose 13,2ff her war ein Wunder auch keine automatische Bestätigung, dass Jesus ein „Guter“ war (auch wenn diese Verse in der Argumentation der Pharisäer so direkt keine Rolle zu spielen scheinen).

Damit kann dieser Abschnitt auf ganz verschiedenen Ebenen genutzt werden:
1. Er erklärt, warum die Juden Jesus töten wollten und lieferte einen Anklagegrund.
2. Er zeigt im größeren Kontext, dass Jesus der „Herr des Sabbats“ ist, der also über dem Gesetz steht und damit dann Gott ist. (Der Sabbat war wirklich ein sehr grundlegendes Bundesgebot!)
3. Er zeigt, dass Jesus voraussetzungslos heilt.
4. Er zeigt, dass Jesus dem hilft, den sonst keiner sieht.
5. Er liefert Anhaltspunkte für die Glaubwürdigkeit von Jesus.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Jesus kann heilen und Jesus will dem Kranken helfen, aber das Wunder vermittelt auch darüber hinausgehende Punkte. Der Verkündiger muss gut überlegen und gewichten, in welche Richtung er gehen will.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Es ist zwar noch Januar, aber man muss den Jahreswechsel nicht mehr thematisieren. Ein Aufhänger könnte allerdings sein, dass der eine oder andere über Weihnachten und den Jahreswechsel Gemeinschaft erlebt hat und nun im Laufe des Januars (zurück) in der Einsamkeit lebt und sich wieder vergessen fühlt.

Wichtig ist auch, dass man den Anschluss in der Predigtreihe im Januar findet. Im besten Fall weiß man, was die Wochen vorher konkret vor Ort gepredigt wurde und baut darauf auf und insofern sollte man das hier vorgeschlagene Predigtthema vom Textplan evtl. auch tatsächlich mit aufgreifen und darauf auch einen seelsorgerlichen Schwerpunkt legen, auch wenn in diesem Abschnitt evtl. noch andere Punkte wichtiger sein könnten.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Wenn zumindest ein Schwerpunkt auf dem Thema liegt „Gott sieht mich – auch wenn mich sonst keiner sieht“, dann wäre für diesen Punkt eine mögliche Anwendung: „Wen sehe ich denn eigentlich (nicht)?“, aber eben dann auch wirklich der persönliche Zuspruch z.B. an den Einsamen: „Gott sieht dich …“

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Es hilft, sich selbst noch einmal in 1-2 prägnanten Sätzen deutlich vor Augen zu führen, was der Predigthörer am Ende der Predigt verstanden haben soll.
Der Zuhörer soll neu in seinem Vertrauen bestärkt werden, dass Gott ihn sieht, auch wenn er seine Zweifel hat (an den Geschwistern, an der Bibel oder auch an Gott).

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Diese Predigthilfe bzw. diese Predigt versucht, die Zielsetzung vom Thema her und die anderen Zielsetzungen des Abschnittes miteinander zu vereinen.

Thema: Gott sieht mich – auch wenn mich sonst keiner sieht
Punkt 1: Johannes zeigt den echten Jesus (Die Glaubwürdigkeit seiner Schilderung)
Punkt 2: Jesus ist Gott (Der „Herr des Sabbats“)
Punkt 3: Gott sieht dich – auch wenn dich sonst keiner sieht (Vers 7)  

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Einstieg über die Beschreibung der Einsamkeit, auch die Einsamkeit in der Menge (der Gemeinde), die es bei uns leider auch gibt, weil wir als Gemeinde leider nicht dort sind, wo wir sein sollten.
Evtl. auch die Einsamkeit im Alltag, nachdem es zu Weihnachten und dem Jahreswechsel noch viel „Trubel gab“.
-> Zuspruch des Themas: Gott sieht dich, auch wenn dich sonst keiner sieht!

Dieses Thema soll in einem „Dreisprung“ erarbeitet werden.
TEXTLESUNG

1. (Sprung) Johannes zeigt den echten Jesus
Einsamkeit führt oft in Zweifel, letztlich auch in Zweifel an Gott und seinem Wort.
Von daher ist es schön, dass dieser Abschnitt auch ein paar sachliche Anhaltspunkte für die Glaubwürdigkeit der Bibel liefert:
Vers 2 – Johannes hat relativ früh geschrieben
Vers 4 – Es ist sehr, sehr selten, aber an dieser Stelle verständlich, dass einige Jahrzehnte nach dem Schreiben des Evangeliums der Vers 7 nicht mehr reicht zum Verständnis des Teiches, deshalb ergänzt jemand Vers 4. Ohne den Vers 4 hat Johannes aber offensichtlich für Leute geschrieben, die ganz nah dran waren und da wäre es so leicht, ihn einer Lüge zu überführen.
-> Die Bibel (und dieser Abschnitt bzw. das Johannes-Evangelium) gibt uns immer wieder Indizien, dass sie sehr verlässlich ist, auch weil sie in einer Zeit geschrieben wurde, wo alles noch präsent und prüfbar war.
Das kann uns in Diskussionen helfen.
Es kann uns aber auch sehr konkret Mut machen, wenn wir gerade selber innerlich alles in Zweifel ziehen.
An dieser Stelle oder auch schon zu Anfang von Punkt 1 könnte man auch grundsätzlich Mut machen, dass solche Zweifel völlig in Ordnung sind und „dazu gehören“ (siehe z.B. Psalm 44,24f) oder auch „dunkle Stunden“ wie in Hiob 3,3 oder in 1. Kön 19,4.
Auch diese Ehrlichkeit macht die Bibel sehr vertrauenswürdig.

Und wer ist „dieser ECHTE Jesus“?
2. (Sprung) Jesus ist Gott
Johannes berichtet von wenigen Wundern. Warum berichtet er als Einziger von gerade diesem? Es geht wohl auch sehr stark um das, was das Wunder auslöst, nämlich den Ärger der Juden, weil es am Sabbat geschieht. An dieser Stelle kann man einige Textstellen bringen, die zeigen, wie die Sabbatfrage immer wieder zu Streit geführt hat bis dahin, dass Jesus sich als „Herr des Sabbats“ selber zu Gott macht! Dass Jesus den Anspruch hat, Gott zu sein, dazu kommt es ja dann auch ab Vers 17.
-> Jesus ist Gott!
Und das ist nicht nur einfach ein „richtiger Satz“, sondern es ist eine Wahrheit, die dein Leben trägt. An dieser Stelle kann man die Eigenschaften Gottes ganz direkt an den Zuhörer herantragen:
Er ist mit seiner Allmacht und seiner Liebe bei dir!
Du hast, als Christ, Gott in deinem Leben!

Und das schauen wir uns ganz konkret für diesen Kranken an:
3. (Sprung) Gott sieht dich – auch wenn dich sonst keiner sieht (Vers 7)
Lesen wir es noch einmal – Vers 12-13
Dieser Mann hatte keine Ahnung, wer Jesus ist. Wenn man das Johannes-Evangelium von vorne liest, hat man auch nicht den Eindruck, dass Jesus bis hierher viele Leute gesund gemacht hat.
Vers 6 – da kommt ein Fremder und fragt „Willst du gesund werden?“
Meine Überzeugung ist, dass Jesus das auch nicht für den Kranken fragt, die Antwort zeigt ja, dass er gesund werden will, und das wusste Jesus vorher. Jesus fragt, damit die anderen Zuhörer, die die Antwort hören.
Die Antwort – Vers 7
Hörst du das? „Ich brauche Hilfe, aber keiner hilft mir …“ (seit 38 Jahren)
-> Zuhörer herausfordern, wer ihre Hilfe brauchen könnte … evtl. ganz konkrete Beispiele, wo Hilfe vor Ort gesucht wird.
Was aber so wunderschön ist an diesem Vers 7:
Dieser Mann kennt Jesus nicht und er hat auch keinerlei Erwartung an Jesus. In seinem Satz ist überhaupt kein Glaube zu finden, er sieht und schildert nur sein Problem.
Und Jesus hilft!
(Es ist schön, dass der Geheilte danach in den Tempel geht. Das deutet darauf hin, dass er sich bei Gott bedanken wollte! Insofern bedanke dich ruhig auch bei Gott, wenn es dir gut geht.)
Aber es darf dir auch gehen wie dem Gelähmten in Vers 7: Du hängst in deinem Problem fest und siehst keine Lösung. Aber Jesus sieht dich! (Vers 6a) Vielleicht löst er dein Problem nicht so einfach wie bei dem Kranken! Aber er ist Gott, er sieht dich, er weiß selbst, was Leiden ist, er weiß selbst, was es bedeutet, von den Freunden verraten und verleugnet zu werden! Und wenn er das Problem nicht löst oder lösen will, dann will er dir aber alles geben, damit du die Situation durchstehst! Du musst dafür nicht „den Frommen spielen“, das musste der Kranke hier ja auch nicht … An dieser Stelle könnte man auf Hiob 3 oder Jeremia oder auch Psalm 44,24 schauen.
-> Gott sieht dich, auch wenn dich sonst keiner sieht!

4. Einige Tipps für die Verkündigung

  • Arbeite (und bete) in der Vorbereitung so lange mit dem Abschnitt, bis er wirklich mit seinen Punkten dein eigenes Herzensanliegen ist!
  • EVA – E=erkläre den Text gründlich / V=veranschauliche deine Predigtpunkte mit einem Bild / A – Anwendung: Zeige praktische Beispiele, wie dieser Punkt im Alltag (in deinem Alltag) Anwendung finden kann bzw. findet.
  • Halte Blickkontakt! – vor allem am Anfang und Ende der Predigt (lerne Einleitung und Zusammenfassung möglichst auswendig!)
  • Eine „Predigt“ ist mehr als ein Vortrag/Referat, sie ist Zuspruch, der von Herzen kommt und zu Herzen gehen soll, sei es Ermutigung oder Ermahnung.
  • Erzähle aus deinem Leben – ausgewogen – wo dir das eine oder andere vorbildlich gelingt, wo aber auch mal etwas nicht so gelungen ist, wie es sein sollte oder schwer fällt.
  • Werde wirklich praktisch und konkret: Wie kann eine Wahrheit wirklich im Alltag umgesetzt werden?

(Mirko Lau)