Predigtthema: Jesus hält uns in seiner Hand
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Kontext des Predigttextes
Vorher
Der Text knüpft inhaltlich durch die Frage in V. 24 direkt an den vorherigen an (Vgl. Joh. 10,19-21), wo ebenfalls ein Disput entstanden ist über das, wer Jesus denn ist. Zeitlich erfolgt diese erneute Frage allerdings ca. 2 Monate später am Fest der Tempelweihe (V.22).
Jesus greift dann das Motiv des Hirten und der Schafe der Verse 1-21 hier nochmals auf und führt es weiter aus.
Nachher
Vers 31 schließt sich direkt an V.30 an und sollte darum auch berücksichtigt werden. Die Zuhörer von Jesus greifen seine Worte auf und setzen ihm wegen dieser Worte zu und wollen ihn steinigen (V.31). Jesus tritt dann in einen Diskurs mit ihnen, wo er ihnen erneut den Gedanken aus Vers 25 erläutert: Jesus kann anhand der Werke erkannt werden, sie zeugen von ihm (Vgl. Vers 37-38).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Gerhard Maier, Johannes-Evangelium, Edition C
- Rudolf Schnackenburg, Das Johannesevangelium, Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
- Colin G. Kruse, John: An Introduction and Commentary, TNTC
- D. A. Carson, The Gospel according to John, The Pillar New Testament Commentary
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.22-23
In den ersten beiden Versen erklärt uns Johannes den zeitlichen und örtlichen Rahmen der nächsten Unterhaltung von Jesus: Es ist die Zeit des Tempelweihfests, welches kein mosaisches Fest war, sondern was erst recht spät aufgrund der Neuweihung des Tempels (ca. 165 v.Chr.) durch Judas Makkabäus erfolgte (Vgl. 1.Makk 4,4ff; 2.Makk 10,6-7). Dieses Fest ereignete sich im Dezember und war damit 2 Monate später das vorausgehende Gespräch (s.PH letzte Woche). Dazu passt auch die Ergänzung, dass es Winter war zu dieser Zeit (V.1b).
Der Ort der Unterhaltung war im Tempel, und zwar in der Halle Salomos. Dies war ein Säulengang längs der Ostseite des Vorhofes der Heiden im Tempelbezirk.
V.24-25
Die Menschen kamen wieder zu Jesus und sie bewegt dieselbe Frage, welche sie auch in V.19-21 beschäftigt hat: „Wer ist Jesus?“. Sie kommen damit zu Jesus und wollen von ihm eine definitive Antwort auf diese Frage haben. Sie wollen klar und deutlich aus seinem Mund hören, ob er denn nun der Christus, der versprochene Retter ist, oder nicht.
Jesus Antwortet ihnen, aber nicht, wie sie sich das vorgestellt haben, sondern er sagt „Ich habe es euch gesagt und ihr glaubt mir nicht“ (V.25). Worauf bezieht sich diese Aussage von Jesus? Bereits vorher hatte Jesus immer wieder, wie auch hier, darauf verwiesen, dass seine Werke eine deutliche Sprache sind (Vgl. Joh. 5,36-40). Und auch hier macht Jesus dann im zweiten Satz seiner Antwort deutlich: Die Werke, die er tut, zeugen von ihm. Jesus wollte sich nicht in die Reihe der politischen oder religiösen Retter und vermeintliche Messiasse der damaligen Zeit einordnen, sondern man sollte und kann ihn, anhand der Vorhersagen des AT, wirklich erkennen. Immer wieder hat Jesus Menschen geheilt, Wunder gewirkt und ihnen gezeigt, dass er der versprochene Retter ist. Gerade an seinen Werken und seinen Erklärungen, dass er die Werke tut, die er den Vater tun sieht (Joh 5,19ff). Auch in dem Abschnitt danach geht Jesus explizit auf diese Tatsache ein, als er den Menschen sagt: „Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubt mir nicht; 38 tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr mir nicht glauben wollt, damit ihr erkennt und wisst, dass der Vater in mir ist und ich in ihm“ (Joh. 10,37-38). Auch Johannes der Täufer stellte diese Frage und die Antwort Jesus bestätigt ihm das dann, dass „Blinde sehen, Lahme gehen, …“ verweist einmal mehr auf Jes. 35,5-6.
V.26
In Vers 26 richtet Jesus dann harte Worte an seine Zuschauer: Sie sind nicht von seinen Schafen. Sie verstehen Jesus und seine Worte nicht. Sie folgen ihm nicht nach. Jesus bezeichnet seine Nachfolger als Schafe (z.B. Mt. 10,16), doch seine Zuhörer glauben ihm eben nicht (Vgl. Joh. 8,45). Sie wollen es nicht glauben. Wichtig ist in diesem Vers anzumerken, dass es hier nicht um das Thema Vorherbestimmung geht, denn sonst würde Jesus seine Zuhörer eben nicht in den Versen 37-38 zum Glauben auffordern. Jesus geht es um die Unterscheidung, dass seine Zuhörer eben nicht an ihn glauben, dass ihr Unglaube ihnen im Weg steht, sie die Zeichen und seine Werke nicht sehen wollen oder es ihnen schwer fällt dies zu akzeptieren, dass dieser Jesus anders ist als alle vor und nach ihm, die verkündeten und vermeintlich diese Retter waren. Jesus ist anders, er hat Vollmacht, er tut die Zeichen und alles in seinem Leben zeigt, dass er dieser Retter ist, auf den das Volk seit langer Zeit gehofft hat.
V.27-28a
Jesus wird in diesen Versen noch deutlicher und führt das Gesagte in V.26 weiter aus: Er wiederholt die Worte aus V.16, wo er ebenfalls gesagt hat, dass seine Schafe seine Stimme hören, sie folgen ihm, sie vertrauen darauf, dass er der gute Hirte ist (s. Predigthilfe letzte Woche). Jesus ruft klar in die Nachfolge, die Menschen sollen ihm nachfolgen (Joh. 12,26), sie sollen ihm hinterhergehen, wie eben bildlich auch eine Herde ihrem Hirten hinterhergeht. Unweigerlich klingen die Worte aus Ps. 95,7 an: „Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet“. In Vers 28 kommt dann ein zusätzlicher Aspekt dieser Nachfolge hinzu, der bisher noch nicht zur Sprache kam: Jesus gibt nicht nur sein Leben für die Schafe (V.11), er beschützt die Herde (V.1; 12), sondern er gibt ihnen auch ewiges Leben (V.28; ebenso in Joh. 6,27). Ein unglaubliches Geschenk, was der Hirte hier seinen Schafen verspricht, was auch ganz gut in die Adventszeit und besonders den Text am 24.12. schon vorbereitet. Jesus kann dies den Schafen versprechen, weil er sein Leben hinlegen wird, weil er für die Sünden sterben wird (Vgl. Joh. 10,15.17-18).
V.28b- 30
In den letzten beiden Versen wird dann zum einen deutlich, dass niemand die Schafe aus der Hand Jesus reißen kann (V.28b; ebenso in: Joh. Joh. 6,37.39; 17,2.24; 18,9). Jesus hält die Schafe. Dieser Gedanke wird bereits vorher in Joh. 6,39 deutlich und unterstreicht Jesu Kraft. Auch bei Paulus (Römer 8) und im Hebräerbrief (Hebr.13,6) wird dies deutlich: Niemand kann uns aus dieser Hand Jesus reißen. Dies wird noch deutlicher, wenn Jesus in Vers 29 bezeugt, dass es eben nicht nur seine Hand ist, sondern auch die Hand des Vaters. Der Schöpfer des Universums hält uns in seiner Hand, wo, wenn nicht dort, könnten wir uns sicher fühlen?! Nicht Wölfe, Räuber oder andere Dinge können uns aus dieser mächtigen Hand Gottes rausreißen. Es gibt keine größere Sicherheit in dem irdischen Leben als diese Hand Gottes, die er jedem ausstreckt, die jeder ergreifen kann, wenn er Jesus nachfolgt.
Im letzten Vers unseres Abschnitts macht Jesus die bemerkenswerte Aussage: „Ich und der Vater sind eins“ (V.30; ähnlich in: Joh. 14,10; 17,22). Jesus macht hier deutlich, dass er nicht der Vater im Himmel ist, sondern es sind zwei unterschiedliche Personen, aber sie sind einzigartig verbunden. Jesus ist Gott, aber Gott sind drei Personen (Trinität). Der Vater ist hier nicht als Jesus auf der Erde. Sie sind voneinander zu unterscheiden und doch sind sie beide Gott. Zur Frage, warum Jesus und der Vater nicht eine Person sind siehe: D. A. Carson, The Gospel according to John, The Pillar New Testament Commentary, 394ff.
Die Menschen, die um Jesus standen, verstanden, was er sagten wollte: Denn ihre Reaktion zeigt, wie heftig diese Aussage war und lässt uns verstehen, was Jesus hier sagte: Die Zuhörer heben Steine auf (V.31) um damit Jesus zu steinigen. In Vers 33 wird die Anklage dann deutlich: „Wir steinigen dich nicht wegen der guten Werke, die du tust, sondern wegen der Gotteslästerung: Du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott“ (Vgl. V.33). Die Zuhörer waren sich also sicher: Jesus bezeichnet sich hier als Gott, er sagt „Ich bin Gott“. Diese unglaubliche Aussage schockiert auch heute noch Menschen, und es ist ein Geheimnis, das wir vielleicht nie ganz verstehen werden, was aber wahr ist: Jesus war ganz Mensch, aber auch ganz Gott. Diese unglaubliche Botschaft, dass Gott seinen Sohn auf diese Erde sendet, darauf gehen wir ja gerade an diesem 4. Advent zu und ist eine großartige Möglichkeit auf dieses unglaubliche Ereignis hinzuweisen, dass Gott, der alles hatte, seinen Sohn sendet, dass Jesus unter uns Menschen als Mensch lebte, mit diesem einen Auftrag, den er an Karfreitag und Ostersonntag erfüllte: Frieden zwischen Gott und den Menschen.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Jesus kommt und er ist der lang ersehnte Retter des Volkes. Doch viele erkennen es nicht und wollen oder können es nicht glauben, was Jesus hier sagt. Er ist der Sohn Gottes, er ist der Messias und er verspricht, dass er seinen Schafen ewiges Leben geben wird und sie sicher in seiner und Gottes Hand sind.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Wir befinden uns in der Adventszeit und kurz vor Heiligabend. Die Predigt ist vorerst der Abschluss der Johannesevangeliums-Reihe. (Es geht im Februar erst dann mit Kapitel 12 weiter). Gott sendet seinen Sohn auf die Erde, damit er dies möglich macht: Damit Menschen wieder zu ihm kommen können. Jesus macht hier die große Zusage, dass die Schafe nicht mehr aus seiner und sogar Gottes Hand gerissen werden können. Jesus macht in Vers 30 deutlich, dass er der Sohn Gottes ist und er wirklich ganz Mensch wurde.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
- Die Frage aller Fragen ist: Ist Jesus Gottes Sohn? -> Jesus beantwortet diese Frage hier
- Folgen wir Jesus nach? Hier kann man einen Aufruf zum Glauben aussprechen, gerade wenn Gäste da sind: Jesus lädt jeden ein, dass er kommen darf, dass er eine Antwort findet auf diese Frage: Wer ist Jesus? Er sichert sogar uns zu, dass derjenige, der ihn suchen wird, ihn finden wird (Mt. 7,7-8). Wir haben einen Gott, der sich finden lässt, der nicht weit weg im Nebel ist und sich versteckt, sondern jemand, der sogar selbst Mensch wurde, auf die Erde kam, um die Gemeinschaft mit Gott wieder zu ermöglichen
- Folgen wir der Stimme Jesus? Oder wo tun wir uns schwer? Wo ist der Ruf der Welt laut um uns herum und wir vertrauen Jesu und seinem Wort nicht?
- Haben wir diese Gewissheit, dass nichts uns aus Jesu Hand reißen kann? Verstehen wir es, was es bedeutet, dass der Schöpfer des Universums, der uns geschaffen hat auch hält und uns niemals los lässt, oder fallen lässt.
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von:
- Winrich Scheffbuch: https://www.sermon-online.com/de/contents/31319
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Das Ziel der Predigt ist, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist. Er kam, wurde Mensch, sammelte seine Herde und passt auf sie auf. Er ist ganz Gott und ganz Mensch und darum sind wir sicher in seiner und des Vaters Hand.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus hält uns in seiner Hand.
Jesus ist der Sohn Gottes, und darum dürfen wir seinem Wort vertrauen, wenn er unmissverständlich klar macht, dass wir sicher in seiner Hand sind.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Von der Frage aller Fragen (V.22-25)
b) zu Jesus dem Hirten (V. 26-28a)
c) zum Versprechen des Hirten (V.28b-30)
(Wolfgang Götz)