2.Mose

Predigthilfe vom 21. Mai 2023 – 2. Mose 20, 8-11 

Jahresthema: WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes  

Predigtthema: Es gibt nichts SCHÖNERS – du sollt den Sabbattag heiligen  

Gottesdienst Einleitung:   Mk 2,23-28; Röm 14,5-8    Vorschläge zur Textlesung 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!  

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema  

Einleitung zum Jahresthema „WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes“!  


Die 10 Gebote (2Mo 20,1-17 und 5Mo 5,6-21), auch Dekalog genannt, nehmen im Alten Testament eine einmalige Stellung ein und haben sowohl für das Judentum als auch für das Christentum eine zentrale Bedeutung.  

Die Bedeutung: Die „zehn Worte“, sind das einzige Gesetz, welches direkt von Gott dem Volk Gottes auf zwei Steintafeln gegeben wurde. Man könnte sie das Grundgesetz des menschlichen Lebens bezeichnen, das die Beziehung des Menschen zu Gott und zu seinem Mitmenschen regelt. Es ist die erste verschriftete Menschenrechtserklärung und ist ein Wegweiser zu einem gesunden menschlichen Miteinander in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. Die 10 Gebote haben die christliche Ethik, die Kirchen- und Kulturgeschichte Europas ganz entscheidend geprägt. 

Die ersten vier Gebote handeln vom Verhältnis des Menschen zu Gott!

1. Gebot: Es gibt nur EINEN – du sollst keine anderen Götter neben mir haben
2. Gebot: Es gibt nichts VERGLEICHBARES – du sollst dir kein Bildnis machen
3. Gebot: Es gibt nichts HÖHERES – du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen
4. Gebot: Es gibt nichts SCHÖNERES – du sollst den Shabbattag heiligen 

Die sechs anderen Gebote: Das Verhältnis des Menschen zum Menschen!

5. Gebot: Der Schutz der WÜRDE – du sollst Vater und Mutter ehren
6. Gebot: Der Schutz des LEBENS – du sollst nicht töten
7. Gebot: Der Schutz der EHE – du sollst nicht ehebrechen
8. Gebot: Der Schutz des EIGENTUMS – du sollst nicht stehlen 
9. Gebot: Der Schutz vor TÄUSCHUNG – du sollst nicht lügen
10. Gebot: Der Schutz vor HABGIER – du sollst nicht begehren

Gott, der Schöpfer ist die höchste Autorität und Gesetzgeber. Alle menschliche Obrigkeit hat sich ihr zu verantworten. Somit fordern die Gebote Ehrfurcht und Gehorsam gegenüber Gottes Ordnungen.  

Das Ziel – die 10 Gebote sind WEGweiser auf JESUS: Mit dem Jahresthema wollen wir Gottes alte und ewige Grundordnung neu verinnerlichen. Sie sind alt aber immer noch gültig. Sie kommen aus Gottes Mund und werden nie zurückgenommen. Sie sind nicht verbesserungsfähig, sondern sind vollkommen und weisen uns den WEG zum Leben – sie weisen uns direkt zu JESUS der sagte: Ich bin der WEG, die Wahrheit und das LEBEN“!  

Der Anlass – Vergessenheit der Gebote Gottes: Die hilflose Suche nach tragfähigen Grundwerten für eine gut funktionierende Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben von Menschen offenbaren die Gottvergessenheit unserer Zeit. Wer Gott verliert, verliert auch die Gebote. Die 10 Gebote sind ein zusammenhängendes Ganzes. Der Mensch kann die Ethik nicht ohne die Autorität Gottes besitzen oder ausleben.  

Eine Forsa Umfrage mit dem Titel: „Die 10 Gebote – Bekanntheit und Bedeutung in der heutigen Zeit“, bestätigt, dass noch 56 Prozent wissen, dass man unter den „10 Geboten“ Verhaltensregeln bzw. einen Wertekodex mit religiösem Bezug versteht. Fast die Hälfte kennt somit den religiösen Bezug der Gebote Gottes nicht mehr. 

https://presseportal.zdf.de/fileadmin/zdf_upload/Bilder/Teaser-Bilder/Dokumente/forsa-Umfrage_zu_ZDF_Die_10_An-Gebote.pdf

Die Chance – Gottes guten Willen erkennen: Die 10 Gebote sind eine Selbstoffenbarung Gottes. Sie lassen uns nicht nur Gottes Autorität erkennen, sondern auch sein heiliges und liebevolles Wesen. Gottes Gebote sind gut und heilig. Sie sind Gottes gesunde Lebensanweisung für den Menschen. Sie wollen dem Menschen nichts Schlechtes, sondern geben Wegweisung zum wahren Leben, wie es Paulus in Gal 3,24 schreibt: 

„So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin,  
damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“ 

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

  • Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund 
  • Krimmer Heiko, Edition C Bibelkommentar NT, „Römerbrief“, Band 10, Hänssler Verlag. 
  • Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Römer bis Thessalonicher“ Band II, CLV. 
  • Henry, Matthew., „Apostelgeschichte bis Offenbarung“, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag. 
  • MacDonald, W., „Kommentar zum Neuen Testament“, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 
  • Heimbichner, Andreas., „Vom Sabbat zum Sonntag“, Heft-Nr. 0206, Großheide, Bibel- und Missionsschule Ostfriesland 
  • Lang, Benjamin, „Die Bibel verstehen – die zehn Gebote“, Dillenburg CV 

Es steht eine PowerPoint Vorlage zur Verfügung, die man für das Jahresthema für die Predigt verwenden kann. Die Vorlage kann auch durch Nicht-Christusbund-Benutzer abgerufen werden: 
https://christusbund.sharepoint.com/:f:/s/medien/ErmNoGeK_EpMpygIZp_IqGABQB1dNlz3irBw0slfgaloNw?e=4ui31z 

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

Das vierte Gebot handelt vom wöchentlichen Sabbattag den Gott eingesetzt hat. Es ist das längste und ausführlichste Gebot von allen und nimmt eine Sonderrolle ein. 

  1. Es betont das Bundeszeichen zwischen Gott und seinem auserwählten Volk Israel.
  2. Es betont den heiligen Aspekt der Ruhe und Gottesbegegnung. 
  3. Es ist das Einzige von den 10 Geboten, das im Neuen Testament weder von Jesus noch von den Aposteln wiederholt oder bestätigt wird. Im Gegenteilt, es scheint sogar, dass Jesus (Lk 13,14-16) und Paulus (Röm 14,5; Kol 2,16) das alttestamentliche Sabbatgebot aufheben. 

Wir wollen, warum das so ist und die Wichtigkeit und geistliche Bedeutung des Gebotes, erklären. Ebenso was die Relevanz für unser Glaubens- und Gemeindeleben ist und wie es für uns anzuwenden ist. 

Sabbat im Alten Testament – eine Definition 

In der Bibel und im Judentum steht der „Sabbat“, für den wöchentlichen Ruhetag.  

Der Begriff selbst ist eine Ableitung aus dem Verb „ruhen“ im Schöpfungsbericht (1Mo 2,2-3). Nachdem der Herr das Schöpfungswerk vollendete, „ruhte“ er („schawat“), was so viel bedeutet wie: aufhören, zu Ende bringen, ruhen, verschwinden. 

Wichtig: Gott hat im Schöpfungsbericht noch keine gesetzliche Anordnung zur Einhaltung eines Ruhetages geboten, auch wenn der 7-Tage Rhythmus von Beginn an einen universalen Charakter bekam.  

1) Der Sabbat ist ein Bundeszeichen an Israel: Gedenken an den Sabbattag  

V. 8 Der HERR schreibt dem Volk Israel per Gesetz vor, den Sabbattag einzuhalten. Dabei fällt auf, dass sich das Volk erinnern soll: „Gedenke an den Sabbattag!” Es meint so viel wie: „ins Gedächtnis rufen, sich erinnern, daran denken, was schon bekannt ist“.  

a) Der Sabbattag gehört zum Gesetzesbund mit Israel 

Ein wichtiger Aspekt ist, dass der Sabbat am Sinai ausschließlich dem Volk Israel gegeben wurde. Er ist das Zeichen dieses Bundes mit Gott (2Mo 31,16-17). Der Wochen-Sabbat sollte sie von den anderen Heidenvölker unterscheiden, die keinen wöchentlichen Ruhetag kannten. Wer den Sabbattag einhielt, zeigte damit, er gehört zum Volk Israel. Mehr dazu unter: 2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

-> Wird an unserem Sonntagsverhalten der Unterschied zu Nichtchristen erkennbar? 

b) Der Sabbattag war schon vor der Gesetzgebung der 10 Gebote bekannt.  

Wir wissen vom wöchentlichen 7.Tag, an dem Gott nach der Schöpfungsvollendung ruhte (1Mo 2,2-3). Wir lesen auch vom wöchentlichen 7.Tag beim Auszug aus Ägypten, als Israel täglich das Manna sammeln sollte (2Mo 16,5). Aber am 7.Tage sollten sie nichts sammeln, weil es nichts gab (2Mo 16,26). Hier wird explizit das erste Mal der Begriff „Sabbat“ erwähnt.  

-> Auch wenn uns kein Sabbatgebot gegeben ist, so wissen wir vom 7-Tages Rhythmus des Ruhens und Arbeitens. Was machen wir mit dem Wissen? 

c) Der Sabbattag wurde nicht eingeführt, sondern gesetzlich bestätigt 

Dies betrifft nur das Volk Israel – sie sollten den Tag „heiligen“, was ein deutliches Gebot zur Einhaltung war (3.Mo 19,3+30; 26,2). Heiligen bedeuten: absondern, weihen oder zum Heiligtum machen. Der Sabbat wurde von anderen Wochentagen abgesondert, zum Heiligtum gemacht, weil der Tag dazu da war, die Arbeit ruhen zulassen und die Zeit bewusst Gott zu „weihen“.   

-> Inwieweit heiligen wir besondere Tage oder Zeiten z.B. den Sonntag, an dem wir bewusst die Arbeit ruhen lassen, um diese Zeiten Gott zu weihen?   

2) Der Sabbat gehört dem HERRn – Gedenke an Gottes Güte  

V.9-10 Das Sabbatgebot hat zwei Seiten. Man soll mind. einen Tag ruhen, aber auch sechs Tage arbeiten! Es ist eine Leitplanke, dass man auf keiner der Seiten von der Norm fällt. Es hilft den Workaholikern, die keinen Tag Ruhe finden und den Trägen und Faulen, die eine 4-Tagewoche fordern und immer noch sagen, es sei zu viel.  

Doch warum ist es der Sabbat des Herrn und warum ist er so wichtig? 

a) Der HERR selbst ruhte nimm ihn zum Vorbild 

Es ist der „Sabbat des Herrn“ – er gehört IHM (3Mo 19,3+19). Er selbst führte ihn ein, er selbst ruhte, nachdem er sein Werk vollendet hatte. Später sagt Jesus, dass der „Menschensohn, Herr über den Sabbat“ sei (Mt 12,8). Sowohl Jesus (Lk 4,16) als auch die Apostel (Apg 17,2) hielten den Sabbattag und gingen nach ihrer Gewohnheit in die Synagoge. 

-> Gott gibt uns nicht immer ein ausdrückliches Gesetzt, aber oft Verhaltensvorbilder. Wir können uns fragen, warum wir sie oft nicht ernst nehmen und nachleben nur weil es kein ausdrückliches Gebot gibt?   

b) Der HERR machte den Sabbath für den Menschen – Gott tut dir was Gutes 

Jesus betont, dass der Sabbat, um des Menschen willen geschaffen worden ist (Mk 2,27). Es ist also zum Guten für den Menschen, wenn er nicht nur arbeitet, sondern auch regelmäßig von seinen Mühen ruhen kann. Zuviel Ruhe ist auf Dauer ungesund und schadet (Folgen bei Langzeitarbeitslosen). Ebenso ist es auch ungesund, wer bei der Arbeit unterfordert (siehe Boreout) oder immer am Limit ist und nicht zur Ruhe kommt (Burnout). Für Christen gibt es zwar kein biblisches Sabbatgebot, aber der Sonntag steht nicht über dem Wohl der Menschen.  

-> Der Sabbat ist Ausdruck der Liebe Gottes zum Menschen. Wir können uns fragen, wie wir mit dem Spannungsfeld von Arbeit und Ruhe umgehen, um eine gute biblische Balance zu finden. 

Doch es wäre viel zu wenig, würde man das Sabbatgebot allein auf das Wohl durch den Wechsel von Arbeits- und Ruhezeit oder auf besondere Tage minimieren.  

3) Der Sabbat ist ein Zeichen der Erlösung – ihr wart Knechte 

Die zentrale Bedeutung des Sabbatgebotes beschreibt nicht nur den Inhalt des Gebotes, sondern auch den Kern des ganzen Evangeliums. Drei Dinge, die hier geistlich von großer Bedeutung sind und sich übertragen lassen: 

a) Der HERR arbeitet und vollendet alles, damit wir ruhen können – unsere Rechtfertigung  

Der Sabbattag wird zum Zeichen der vollendeten Mühe Gottes. Nach getaner 6-tägigen Arbeit am Schöpfungswerk, ruhte der Herr. Der HERR tat alles uns sagt: „Es ist vollbracht- und es war sehr gut“. Am Kreuz hat Jesus die Erlösung der Welt erarbeitet und vollendet. Jesus schuf unsere Rechtfertigung, damit wir in ihm Ruhe und Frieden haben dürfen.  

-> Weil Gott für uns gearbeitet hat, darf der Mensch ruhen und muss kein Werk zu seiner Rechtfertigung tun.  

b) Der HERR befreit die, welche in Knechtschaft waren – unsere Freiheit  

Der Sabbat ist der Erinnerungstag an die Befreiung Israels aus Ägypten (5Mo 5,12-15). Ähnlich ist der Sabbat ein Sinnbild der Erlösung Jesu. Wie der HERR sein Volk mit dem Blut das Lammes und seiner mächtigen Hand aus der Knechtschaft befreite, so befreite Jesus, das Lamm Gottes, jeden, der an ihn glaubt.  

-> Der wöchentliche Sonntag, will uns daran erinnern, dass wir in Christus aus der Knechtschaft der Sünde erlöst und befreit wurden.   

c) Der HERR wird vollenden und kommt ans Ziel – eschatologische Erfüllung 

Das wöchentliche Sabbatfest in Israel enthält auch einen Ausblick auf die messianische Zeit bzw. die himmlische Ewigkeit. Dieser Gedanke eines 1000-jährigen Reiches als Weltensabbat wurde nicht nur von Rabbinern gelehrt, sondern auch von Kirchenvätern wie Irenäus, Justin der Märtyrer oder Hippolytus. Auch in Hebr. 4,8-9 kommt dies zum Ausdruck, da dem Volk Israel noch eine Sabbatruhe verheißen wird, weil sich diese eben durch Josua nicht erfüllte.   

Wann dieser Weltensabbat (1000-jähriges Königreich auf Erden) genau kommt, weiß keiner. Aber Offb 20,2ff weist darauf hin. Auch Paulus sagt, dass z.B. der Sabbat ein Schattenbild der künftigen Dinge ist (Kol 2,16-17) und hier wohl eine messianische Erfüllung meint. 

-> Der Sabbat gibt Ausblick auf den Idealzustand, bei dem Jesus Christus HERR über den Sabbat ist und sich alles nach Gottes Vorstellungen erfüllt. Der Sabbattag erinnert, dass der Herr mit seinen Volk Israel und dieser Welt ans Ziel kommt.  

4) Der Sabbat ist ein Zeichen des Bekenntnisses – ich gehöre zum Volk Gottes 

V. 10b und 11 Der letzte Abschnitt ist die Anordnung zum Schutz des Nächsten. Diese Fürsorge steht als Grundprinzip hinter allen 10 Geboten. Der Herr sorgt für Schutz, in dem er Missbrauch verbietet – und wer sich an Gottes Gebote hält, drückt damit sein Bekenntnis aus, dass er zum Volk Gottes gehört.  

a) Der HERR befreit und schützt den Schwachen – wir tragen Verantwortung  

Die Aufforderung, dass der Sabbat auch für alle Familienmitglieder und Hausangestellte einschließlich der Tiere gilt, zeigt die Universalität des Gebotes. Es zeigt aber noch mehr, dass die Obrigkeit und die Verantwortlichen, denen Menschen und Tiere unterstellt sind, keinen Missbrauch begehen. Das Schwache und Wehrlose steht unter dem Schutz des Sabbatgebotes. Der wöchentliche Ruhetag ist ein göttliches Arbeitsschutzgesetz, dass in der Gesellschaft und Lebenswelt des Volkes Israel gelebt werden soll. 

-> Wie leben und verstehen wir den Schutz gegenüber Schwachen oder dem, was uns anvertraut ist. Achten wir darauf, dass unsere Familienglieder oder Mitarbeiter ihre Ruhetage haben?  

b) Der HERR bekennt sich zur 6 Tageschöpfung – er ist Schöpfer der Welt 

V.11 In den 10 Geboten ist die Tatsache der 6 Tageschöpfung fest verankert. Die 10 Gebote, die der Herr selbst mit seinem Finger in Stein geschrieben hat (2Mo 24,12; 31,18), bestätigen eine 6 Tageschöpfung (a 24 Std.). Gott gründet auf diese Tatsache den Wochenrhythmus und den Ruhetag für alle Geschöpfe. 

-> Es ist biblisch völlig unergründbar eine 6 Tageschöpfung in Frage zu stellen. Das Sabbatgebot ist ein göttliches Bekenntnis zur Schöpfung. 

c) Der HERR legt seinen Segen auf den Sabbattag – Begegnungszeit mit Gott  

Der Sabbat gehört zu den Festen Israels (3.Mos. 23,3). Diese sind von Gott festgelegte Fest- und Begegnungszeiten.  

  • Der Sabbattag wurde für Gottesdienste genutzt, das zeigt Psalm 92  

Auch für andere besondere Anlässe wie z.B.:   

  • Eine Hochzeit sie dauerte 7 Tage (d.h. auch am Sabbat) (Ri. 14,12-18) 
  • Die Einweihung des Tempels geschah am 7. Tag (1.Kön. 8,65) 
  • Beginn der neuen Dienstwoche bei den Wachen (2. Kön. 11,5) 
  • Die Schaubrote im Tempel wurden gewechselt (1.Chr. 9,32)
  • Die Priester erfüllten ihren Dienst am Sabbat (2.Chr. 23,4.8) 

    -> Gott hat seinen Segen auf die Zeiten der Begegnung mit ihm gelegt. Wir können uns fragen, warum wir uns den Segen entgehen lassen, wenn wir mancher Einladung zur Gemeinschaft mit ihm nicht folgen. 

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

Der Sabbattag – ein Bundeszeichen für das Volk Israel 

Wir dürfen bei der Auslegung eines Bibeltextes nie den Kontext ignorieren – so auch bei den 10 Geboten. Das Gesetz ist Bestandteil des Bundes mit dem Volk Israel, welcher der Herr am Sinai geschlossen hat. Wie auch bei den anderen Bündnissen, hat jeder Bund sein eigenes Bundeszeichen. Der Bund mit Noah, den Regenbogen (1Mo 9,12-15). Der Bund mit Abraham, die Beschneidung (1Mo 17,11-14). Der neue Bund mit der Gemeinde, das Abendmahl (Mt 26,28). Wer den Sabbat hielt, der macht deutlich, dass er unter dem ganzen Gesetzesbund steht und diesen Gesetzesbund auch halten will. Es war undenkbar den Gesetzesbund ohne den Sabbat zu halten. Der Gesetzesbund und Sabbattag sind somit eins.  

-> So ist der Sabbattag, das Bundeszeichen zwischen Israel und Gott – so entnehmen wir es aus 2Mo 31,16-17. 

Das Sabbatgebot ist ausdrücklich für das Volk Israel im zukünftigen Land bestimmt. 

Wenn jemand den Sabbat nicht halten würde, dann sollte er aus dem Volk ausgerottet werden (2.Mos. 31,13), ja sogar mit dem Tode bestraft werden (4.Mos 15,32ff). Später sollten nicht nur die Menschen jeden 7. Tag ausruhen, sondern auch das Land (jedes 7. Jahr / 3.Mos. 25,2ff.). Das 50. Jahr (7×7+1) war ein besonderes Sabbatjahr, ein Hall- und Jubeljahr, an dem alle einen völligen Schuldenerlass bekamen (3.Mos. 25,8).  

-> Als Christen macht es darum keinen Sinn, den Sabbat einzuhalten oder in jüdischer Traditionsart nachzufeiern. In Christus stehen wir nicht unter dem Gesetzbund und als Gemeinde sind und werden wir auch nicht Teil des irdischen Israels.  

Wie kam es vom Sabbat zum Sonntag?   

Kirchengeschichtlich hat sich die Gemeinde am „ersten Tag der Woche“ getroffen (Apg 20,7; 1Kor 16,2). Es war der Tag der Auferstehung des Herrn (Mk. 16,2; Luk. 24,1; Joh. 20,1). Die ersten Christen trafen sich uneinheitlich zu den Gottesdiensten. Manchmal am Samstag- oder Sonntagabend, nach der Arbeit. Im Laufe der Kirchengeschichte setzte sich der Sonntag durch, der auch Herrentag genannt wurde. Der Sonntag wurde von Tertulian, Origenes und auch später Konstantin bevorzugt, weil sie mit dem Judentum nichts gemeinsam haben wollten. Der Begriff “Sonntag” wird im Neuen Testament so nicht erwähnt. Kaiser Konstantin, der das Christentum verbreitete führte im 4. Jahrhundert die wöchentliche Sonntagsruhe ein, die bis heute in unserer Kultur existiert.   

Seit dem feiern Christen den Gottesdienst meist sonntags, sind aber aus biblischen Gründen nicht an den Sonntag gebunden (Röm 14,5ff).  

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Hier mal zwei Einstiegsideen:  

Die Bedeutungsverlagerung des Sonntages 

Heute ist Sonntag und wir treffen uns wie gewohnt am 7.Tag der Woche, der in unserem Land und der nachchristlichen geprägten Kultur auch noch als Ruhetag gilt. Die meisten von uns haben frei und arbeiten nicht. Doch warum und woher kommt das?  

Noch ist zwar der Sonntag, der Sonntag, aber meist nicht mehr für alle ein Ruhetag. Mittlerweile ist es üblich geworden, sonntags im Garten zu arbeiten, die Reifen zu wechseln oder zu Hause hinter verschlossener Tür (wo keiner hinsieht) zu renovieren, zu waschen und zu putzen.  

Erinnerungen an Sonntagstraditionen 

Der heilige Sonntag ist längst nicht mehr so heilig, wie er mal war. Heute gibt es sonntags geöffnete Läden, was früher nicht denkbar war – ebenso, dass man als Christ sonntags Fußball spielt… Früher erkannte man bei den Bauern und Landwirten, wer ein frommer Kirchengänger war und den christlichen Glauben lebte. Solch einen Landwirt fand man sonntags nicht auf dem Feld arbeiten oder ernten – und zum Zeugnis erlebten diese Bauern dennoch, dass sie die Ernte oder das Heu trocken in die Scheune brachten. 

Hier kann man mal überlegen, welche gesetzliche oder traditionelle und christliche Sonntagsgewohnheiten und -gesetze es gab, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.  

  1. Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Die Anwendungen sind bereits oben in der Texterklärung eingefügt.  

  • Aber man kann sich mal überlegen, ob der Ruhetag wirklich ein Ruhetag ist oder ob er nicht unnötig mit Hobbys oder anderen Dingen vollgepackt wird.
  • Man kann sich hinterfragen, ob wir den Sonntags-Ruhetag als ein Geschenk Gottes in unserer Kultur noch sehen und diesen dazu nutzen, dass sein Name bekannt wird. 
  • Habe ich den wirklichen und inhaltlichen Sinn des Sabbattags erkannt und dass es ein Zeichen für unsere Befreiung ist, weil Jesus alle Arbeit tat, damit ich in ihm ruhen kann? 

3. Sagen, wo es hingeht 

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Die Zuhörer sollen verstehen lernen, warum Gott den Sabbattag für sein Volk Israel gegeben hat und welche Bedeutung er damals und heute im Rahmen des Gesetzesbundes für sein Volk hat. 

Zentral für die Zuhörer ist aber die geistliche Bedeutung und Relevanz für heute, dass der Christ nicht unter dem Gesetzesbund steht und zur Einhaltung des Sabbattages verpflichtet ist. Dennoch ehren wir den wöchentlichen Ruhetag, auch wenn dieser nicht unbedingt der Sonntag sein muss, doch es bedeutet, dass er ganz frei von jeder Arbeit sein muss. 

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Wichtig ist die Betonung auf den eigentlichen Charakter, dass der Sabbat auf die Vollendung des Erlösungswerkes Gottes hinweist.  

  • In Christus dürfen wir den Herrn zum Vorbild haben, darum halten wir uns an einen wöchentlichen Ruhetag, weil er als 7 Tage-Rhythmus in der Schöpfung angelegt ist.
  • In Christus unterstehen wir keinem Sabbatgebot, weil wir (1) frei vom Gesetz sind und (2) nicht zum Bundesvolk Israel gehören. 
  • In Christus erfüllt sich die zukünftige und ewige Sabbatruhe der Herrlichkeit, wenn alles vollendet sein wird und Gottes Heilsplan sich erschöpfend erfüllt hat.  
  • In Christus darf der Gläubige schon jetzt in die Ruhe Gottes eingehen. 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

Ein Bundeszeichen an Israel 

  1. Gedenke an Gottes Güte – für den Menschen gemacht 
  2. Gedenke an Gottes Erlösung – ihr wart Knechte 
  3. Gedenke, dass du Gott gehörst – ein Bekenntnis  

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

„Im Jahre 1929 wurde in Russland mit der radikalen Einführung der Fünftagewoche mit ununterbrochener Arbeitszeit der Sonntag abgeschafft. Bald aber ging man zur Fünftagewoche mit allgemeinem Ruhetag und dann zur Sechstagewoche über. Im Jahr 1932 kam die alte Siebentagewoche und der Sonntag wieder zu Ehren, denn es wurde bestimmt, dass sechs Tage gearbeitet und der siebente Tag als allgemeiner Ruhetag gefeiert werden solle.“ 

„Die Erfahrung zeigt, dass ein äußerst enger Zusammenhang zwischen der Sabbatheiligung und einem gesunden Christentum besteht.“ 
John Charles Ryle 

(Klaus Eberwein)