1.Samuel

Predigthilfe vom 21. August 2011 – 1. Samuel 24, 1-23

Monatsthema: Gottes Führung vertrauen

Predigtthema: Versucht, aber nicht gefallen

Bibelstelle: 1. Samuel 24,1-23

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Das Monatsthema lautet: „Gottes Führung vertrauen“. David ist zum König gesalbt, aber nach wie vor noch nicht als König eingesetzt. Der Platz, der ihm gebührt, ist noch von einem anderen besetzt. Unser Predigttext (1Sam 24,1-23) zeigt eine Situation, wo wir entdecken, wie David ganz auf die Führung Gottes vertraut. Der Herr hat ihn durch Samuel berufen und er wird auch dafür sorgen, dass er wird, was er sein soll. David nimmt die Situation nicht selbst in die Hand, sondern unterstellt sich ganz dem Willen Gottes (V. 7.11), reift dadurch und wird zu einem Vorbild der Versöhnung (vgl. z.B. den unberechtigten Vorwurf in 2Sam 16,8). Deshalb lautet unser Predigtthema: „Versucht, aber nicht gefallen“. Zum Umgang mit der Situation der Versuchung und dem Vertrauen in Gottes Führung vgl. z.B. Röm 5,3-5; 1Kor 10,12f; Jak 1,2-8.

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 250-256).

* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: Reichtum gewinnen, den man nicht mit Geld kaufen kann. Studien zum AT: 1. Samuel 1-31. Christliche Verlagsanstalt (S. 146-150).

* Karl Gutbrod. Das Buch vom König: Das erste Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,1. Calwer Verlag (S. 195-201).

* Charles R. Swindoll. David: Ein Mensch nach dem Herzen Gottes – mit David geistlich wachsen. Hänssler (S. 120-134).

* David Jaffin. Saul und David: Die große Verfolgung. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 74-83; http://bitflow.dyndns.org/german/DavidJaffin/Saul_Und_David_1999.pdf).

Weitere erleuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf; S. 432-433) und die Predigthilfe von Jochen König vom 19.01.2003 zu 1Sam 24,1-23 (www.studienbibel.de).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der biblischen Botschaften von Heiko Krimmer vom 18.02.2003 mit dem Titel „Geduld wirkt Vertrauen“ (1Sam 24,1-23), von David Jaffin vom 13.02.2000 mit den Titel „David verschont Saul in der Höhle von Engedin“ (1Sam 24,1-23) und von Winrich Scheffbuch vom 09.03.1986 mit dem Titel „Auf Gottes Stunde warten“ (1Sam 24,1-23). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Samuel 24] und „Autor“ [z.B. Krimmer bzw. Jaffin bzw. Scheffbuch] ausfüllt.

3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

Zur Begegnung von David und Saul in der Höhle merkt Alfred Christlieb folgendes an: „David verbirgt sich auf den Berghöhen bei Engedi. Saul erfährt das und zieht mit 3000 Männern aus, um ihn zu fangen. Der König rastet in einer Höhle, in der sich tief drinnen David mit seinen Begleitern aufhält. Diese raten ihm, die Gelegenheit zur Rache an Saul wahrzunehmen. Aber David gibt ihrem Drängen nicht nach. Er schneidet nur einen Zipfel von Sauls Rock ab. Schon darüber schlägt ihm das Herz. Er lässt auch nicht zu, dass seine Männer den König antasten. Nachdem Saul eine beträchtliche Strecke weitergegangen ist, ruft David laut hinter ihm her, sagt ihm, wie er sein Leben geschont habe und hält ihm zum Beweis den Zipfel des Überrockes hin. Da bricht Saul in Tränen aus. Er erkennt sein Unrecht. Er bittet David, ihm zu schwören, dass er später nicht Sauls Familie ausrotten wolle. Dann trennen sich beide. An David und Saul sehen wir den Unterschied zwischen einem festen und einem wankelmütigen Herzen:

* Davids festes Herz: Was reizt nicht alles den David, sich an Saul zu rächen! Die Umstände sind denkbar günstig. Saul ist in dunkler Höhle ganz nahe. Davids Männer bestürmen ihn, die Stunde zu nützen. Doch er erklärt fest und entschieden: Es geschieht nicht! Er sagt: ,Das lasse der Herr ferne von mir sein, das ich meine Hand legen sollte an den Gesalbten des Herrn‘ (V. 7). Wir kommen alle in Lagen, wo die Gelegenheit zur Sünde sehr groß ist, wo sich die Sünde sogar mit einem frommen Mäntelchen zudecken lässt (V. 5). Wohl uns, wenn dann unser Herz fest bleibt und wir dem verkehrten Drängen der Verhältnisse und der Menschenreden nicht nachgeben!

* Sauls wankelmütiges Herz: Wie traurig macht der Blick in Sauls wankelmütiges Herz! Saul lässt sich treiben von Menschen, die David bei ihm schlecht machen, die ihn gegen David aufhetzen (V. 10). Über Davids Großmut weint er tief gerührt (V. 17). Er wünscht David alles Gute (V. 20). Bald darauf aber macht er sich wieder auf, um David umzubringen (Kap 26,1f)! Wie ist dieses ständige Schwanken zu erklären? Saul ist ein Menschenknecht, der allen Menschen bis hin zu Verleumdern und Verrätern sein Ohr leiht. Ganz anders David, der sich allein durch Gottes Wort bestimmen lassen will! Wenn Menschen sagen: Töte Saul, deinen Feind! – so folgt David seinem Gewissen, das hier nicht Gottes Stimme hören kann. Nur wen Gottes Wort und Wille leitet, der bekommt ein festes Herz“ (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2).

V. 5-8a: „Es ist kein leichtes Examen, das Gott dem David in der Höhle zumutet, als ihm sein Gegner Saul so nahe in die Hände gegeben wird. Doch David besteht die Prüfung.

1. Das Bleiben in Gottes Schule: Dass David dem Drängen, sich an Saul zu rächen, nicht nachgibt, zeigt, dass er Gott nicht aus der Schule laufen will. Es ist wahrlich keine leichte Schule, die David unter dem ständigen Hass und den ungerechten Verfolgungen Sauls durchlaufen muss. Hier in der Höhle hätte David sie eigenmächtig beenden können. Aber er hütet sich davor. Er will warten, bis Gott ihn aus dieser Schule führt. Sicherlich merkt‘ er, wie gerade dieser schwere Erziehungsweg für ihn richtig ist und ihn für den Thron zubereitet. Er darf das von Gott‘. gegebene Kreuz nicht wegwerfen und den Kreuzessegen nicht abschütteln. Durchs Kreuz soll er zur Krone dringen, wie es später, in einem viel höheren Sinn, der Weg für Jesus, den Davidssohn, war. In dem Rat, den seine Männer dem David geben, liegt etwas von der versuchenden Petrusstimme, die später dem Sohn Gottes riet: ‚Herr, schone dein selbst‘ (Mt 16,22)! Den Klang dieser Stimme können wir alle in vielen falschen Ratschlägen und Einflüssen, die an unser Herz dringen, wiedererkennen. Wir wollen es mit David halten: ‚Er wies seine Männer von sich‘ (V. 8). Wir wollen von Jesus lernen zu sagen: ‚Hinter mich, du Satan‘ (Mt 16,23)! Wir wollen unserm Gott nicht aus der Schule laufen. Seine Erziehungs- und Zubereitungswege sind gut, auch die, bei denen er Menschen gebraucht. Sie dauern nie zu lang.

2. Kein frommes Mäntelchen um eine gottlose Tat: Wie scheut sich David, eine böse Tat zu tun, der ein frommes Mäntelchen umgehängt werden soll! Seine Männer sagen zu ihm: ‚Siehe, das ist der Tag, durch den der Herr dir sagt: Siehe, ich will deinen Feind in deine Hände geben, dass du mit ihm tust, was dir gefällt‘ (V. 5). Wie fromm klingt das! Davids Begleiter deuten die Lage so: Hier hat Gott eine Gelegenheit gegeben. Wenn David den Saul jetzt tötet, dann führt er damit – das klingt indirekt, aber deutlich aus ihren Worten heraus – Gottes Absicht und Willen aus. Wie gottlos ist dieses Gerede! David lässt sich dadurch nicht zur Auflehnung gegen die zwar in Bosheit entartete, aber doch von Gott gesetzte Obrigkeit aufreizen. Noch steht für ihn fest: ‚Saul ist der Gesalbte des Herrn‘ (V. 7). Der von Gott dem David zugesagte Weg zum Thron muss anders als durch eine eigenmächtige Rache und Mordtat gebahnt werden. David lässt sich durch das fromme Mäntelchen, das der schändlichen Tat umgehängt werden soll, nicht bestechen. Tun auch wir das nicht! Wie viele eigenwillige und gottlose Pläne gibt es, die in feine und fromme Bibelsprüche eingekleidet werden können! Lasst uns Licht von oben erbitten, dass wir alle frommen Scheinmäntelchen durchschauen – bei uns und bei andern – und die Dinge im göttlichen Sinn sehen und beurteilen!

3. Nicht unter Menscheneinfluss: Nein, David lässt sich nicht unter Menscheneinfluss bringen, wo allein Gottes Einfluss ihn beherrschen muss. Nicht nur ein Mann, sondern alle Männer Davids (V. 5) rieten zur Tötung Sauls. David ließ sich sonst gewiss gern von Menschen etwas sagen, aber hier gilt es, Menschen klar zu widerstehen und ganz und allein von Gott abhängig zu bleiben. Wie viele Irrwege entstehen dadurch, dass wir uns – vielleicht unbemerkt – vom Einfluss der Menschen bestimmen lassen! Es gibt versuchliche Stunden, in denen wir von Menschen unserer engsten Umgebung auf unrichtige Wege gedrängt werden sollen. Da ist es eine entscheidende Frage: Soll Gottes oder der Menschen Einfluß uns bestimmen? Gott helfe uns, es dem David nachzumachen“ (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2)!

V. 12: „Eine merkwürdige Sache, dass Saul, der erbitterte Feind Davids, sich von diesem etwas sagen lässt. David hält Saul sein Unrecht vor, so dass dieser bis zu Tränen bewegt wird. Wie konnten Davids Worte eine solche Macht haben? Weil der Wortpredigt die Tatpredigt vorausging. Und das Zeichen der Tatpredigt war der Zipfel von Sauls Rock in Davids Hand. Was war denn dieser Tuchzipfel, den David von Sauls Rock abgeschnitten hatte, als er das Leben des Königs in der Höhle verschonte? Äußerlich nichts als ein Stück Tuch, aber geistlich der Beweis, dass Davids Leben unter der göttlichen Gnadenzucht stand. Saul war in Davids Hand gegeben, aber dieser hatte den König nicht angetastet, Dieser Beweis eines heiligen Lebens, das nach Gottes Willen fragte und für eigenmächtiges, rachsüchtiges Handeln keinen Raum hatte, machte einen tiefen Eindruck auf Saul. Nicht Worte einer glänzenden Redekunst erschütterten Sauls Herz, sondern die Tatpredigt, die den Worten war. Weinend erkannte er seine Sünde und stellte David das beste Zeugnis aus (V. 18-20). Es kam bei Saul zu keiner anhaltenden Bekehrung. Man kann sich auch gegen die überzeugendste Tatpredigt und das klarste Wortzeugnis verhärten. Dann wiegt die Schuld umso schwerer. Das hebt aber die Richtigkeit und Notwendigkeit von Davids Verhalten nicht auf. Eine Zeitlang hat sich ein derart finster und feindlich gesonnener Mann wie Saul von einem so jungen Mann wie David etwas sagen lassen. Möchten wir nicht alle fernstehenden und oft feindlichen Menschen auf den rechten Weg rufen? Es geht nicht ohne den Rockzipfel in unserer Hand! Ein ‚Zipfelchen Tuch‘ bringt oft mehr fertig als 1000 Predigten voll glänzender Worte! Der Wandel muss dem Wort Bahn machen. Gesegnet sind die stillen Frommen, die – wie David dem Saul – erst mit der Tat und dann mit Worten predigen! Saul musste damals rufen: ‚Wie sollte jemand seinen Feind finden und ihn lassen einen guten Weg gehen‘ (V. 20)? Das begriff er nicht. So muss die Welt stutzig werden durch das aufrichtige Verhalten der Jünger Jesu. Dann wird auch ihr Wort Eingang finden“ (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Nach Wilhelm Wagner:

a) Die Gelegenheit ist günstig – aber was ist der Wille Gottes?

* Der Kampf gegen die geschickte Situation

* Der Kampf gegen die falscher Frömmigkeit

* Der Kampf gegen die vorherrschende Meinung

* Der Kampf gegen das eigene Herz

b) Die Rache ist süß – aber was sagt der Herr dazu?

* Nicht selbst zugreifen

* Nicht gegen das Gewissen eingreifen

* Nicht Gott vorgreifen

c) Die Tat ist überzeugend – aber wo bleiben die Konsequenzen?

* Mit Liebe wird Saul überrascht

* Mit Liebe wird Saul überzeugt

* Mit Liebe wird Saul überwunden