Jahresthema: Wert(e)voll leben. Die Auswirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben (Gal 5,22)
Monatsthema: Matthäusevangelium – Authentisch Glauben
Predigtthema: Authentisch glauben
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Wir sind immer noch im Matthäusevangelium unterwegs. Der Ausleger sollte sich klar machen, dass die Erzählungen ab Mt 21-28 bis auf die Himmelfahrt in der Karwoche stattfinden. Jesus ist im „Dialog“ mit den Pharisäern in Jerusalem. Wenn man es genau anschaut muss man fast sagen, dass Jesus mit ihrem Unglauben abrechnet. Mehrfach liest man die Reaktion der Hohenpriester und Pharisäer auf die „Anklagen“ Jesu. Z.B. in Mt 21,46: Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten.“ Oder Mt 22,15: „Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn bei einem Ausspruch fangen könnten“. Es ist fast so, als stelle sich Jesus in dieser letzten Woche nochmal zur Schau und zur Überprüfung. Jeder soll sehen, dass es sich bei ihm tatsächlich um das fehlerlose Lamm Gottes handelt (Joh 1,29). Warum macht Jesus das? Warum hält er sich zwischen Palmsonntag und Karfreitag so „geballt“ in Jerusalem auf? Er macht es, damit sich das erfüllt, was für ein Passahlamm galt. Nach 2.Mose 12,3+6 wurde das Lamm am 10. des Monats in die Familie aufgenommen, bis zum 14. des Monats aufbewahrt und dann zwischen den zwei Abenden geschlachtet. Jesus war von Palmsonntag (10. des Monats) bis Gründonnerstag (14. des Monats) unter dem Volk in Jerusalem. Dann wurde er zwischen den zwei Abenden „geschlachtet“. Genau so ist es angeordnet in 2.Mose 12,6. Jesus stirbt am Karfreitag um 15 Uhr. Liest man die Geschichten von Mt 21-23 dann entdeckt man, dass das Zielpublikum eindeutig die nicht Messias-gläubigen (also an Jesus) Juden waren, repräsentiert durch die Pharisäer, Sadduzäer und Hohenpriester. Die Jünger waren auch dabei. Die Reden gipfeln in den Weherufen über die Pharisäer und Schriftgelehrten in Mt 23,13ff und der Klage über Jerusalem in Mt 23,37ff, also unserem Predigttext.
Das Fazit Jesu ist: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Kücken versammelt unter ihre Flügel und ihr habt nicht gewollt.“ Mt 23,37
„Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an.“ So heißt es in Joh 1,11. Das Volk Israel lehnt seinen Messias ab. Die Folge wird Gericht und Verstockung sein (Röm 11,7). Weil das so kam, ist das Heil zu den Nationen, also auch zu uns, gekommen (Röm 11,11).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Bevor ich mit dir etwas in die Details zum Text gehen will, möchte ich dich einladen den Text erst einmal in aller Ruhe zu lesen. Am besten, du liest den Text einmal in der Luther-/Elberfelderübersetzung und danach in einer neueren Übersetzung (Ich empfehle Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), oder Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ). Ich persönlich mache es meistens so, dass ich den Text ausdrucke und beim Lesen schon ein paar Anmerkungen, Unterstreichungen oder Fragezeichen mache. Das hilft mir dann, den Text besser zu verstehen und ich bin fokussierter auf den Gedankengang des Textes.
Gute Hilfen in der Vorbereitung leisten folgende Dinge:
* MacArthur Studienbibel -> ist sehr zu empfehlen, da sie sehr bibeltreu ist und sogar gratis (www.sermononline.de) als pdf zur Verfügung steht.
* Die Ryrie-Studienbibel -> nicht ganz so umfangreiche Textkommentierung wie die von MacArthur, aber kann ergänzend mit hinzugezogen werden.
* https://dasbibelprojekt.visiomedia.org/ Hier findest du kurze Videoclips über das Matthäusevanglium. Diese helfen einen Gesamtüberblick über den Brief zu bekommen.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Wir haben in unserem Abschnitt eine Fülle an Inhalten. Jesus übt Gericht an den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie sind die rechtmäßigen Lehrer und haben das Amt Moses inne und doch folgen sie nicht diesen Lehren, sondern heucheln ihren Glauben. Das Wort Gottes ist da, aber die Erkenntnis fehlt. Die Pharisäer zur Zeit Jesu sind blind. Sie können die Zeichen der Zeit nicht deuten. Sie verstehen nicht oder wollen nicht verstehen, dass Jesus der Messias ist. Stattdessen verkünden sie ihre Lehren, teilweise auch Sonderlehren („Überlieferungen der Ältesten“ genannt) und halten sich selbst nicht daran. Damit verfehlen sie ihre Hauptaufgabe, Menschen zu Gott zu führen. Sie sind blinde Blindenführer (Mt 15,14). Paulusgreift die Kritik auf in Röm 2,17ff. Damit ergeben sich aus dem Text viele Warnungen für uns heute, es ihnen nicht gleich zu machen.
Ich möchte im Folgenden die Kritikpunkte Jesus nacheinander abhandeln.
- Sich an die eigenen Lehren nicht halten (V3)
Paulus schreibt uns in 1Kor 9,27: „sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde.“
Paulus weiß um den Pharisäer in ihm. Er weiß um die Gefahr, andere zu lehren, sich aber selbst an das Gelehrte nicht zu halten. Jesus sagt uns in der Bergpredigt in Mt 7,2: „Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden“. Wenn wir Lehre weitergeben, dann messen wir mit einem gewissen Maß. Das wird dann auch Jesus an unser Leben anlegen. Gott sei Dank gibt es Gnade, denn wer kann seine eigene Lehre immer einhalten? Ich bin überzeugt, Jesus müsste uns Menschen gar nicht mit seinen eigenen Worten richten. Es reichen die eigenen Worte, die man anderen gesagt hat. Wenn Jesus diesen Maßstab an uns anlegen würde, dann wären wir schon verurteilt. In Röm 2,21f beschreibt Paulus das Problem so: „Der du nun einen anderen lehrst, du lehrst dich selbst nicht? Der du predigst, man solle nicht stehlen, du stiehlst? Der du sagst, man solle nicht ehebrechen, du begehst Ehebruch?
Dieses Wort ist gerade eine Warnung für die, die ein Lehramt innehaben. Wir müssen den ganzen Ratschluss Gottes verkündigen (Apg 20,27). Wir dürfen nicht einfach die Dinge weglassen, bei denen wir persönlich straucheln. Nein, wir müssen demütige Lehrer sein. Wir dürfen niemals den Eindruck hinterlassen, dass wir all das, was wir predigen auch umsetzen. Wir müssen auch zu unseren Schwächen und Fehlern stehen. Wir müssen von der Gnade Gottes reden, die wir alle im Licht des Wortes Gottes brauchen. Und trotzdem wollen wir Vorbilder sein, die danach streben, den Willen Gottes umzusetzen. Paulus redet in der oben genannten Stelle davon, dass er sich „zerschlägt und knechtet“. Paulus setzt sich voll und ganz dafür ein, ein Leben nach dem Willen Gottes zu führen.
Wer sich so hinstellt, als würde er all das Gelehrte auch tun, der bringt seine Hörer in Zugzwang.
- Gesetz ohne Evangelium verkünden (V4)
Das eigentliche Problem liegt aber darin, dass wir gesetzlich werden. Wir machen das Christsein zu einem Katalog, den es abzuarbeiten gilt und stellen uns so dar, als würden wir das schaffen. Das sind dann die schweren Lasten, die die Pharisäer anderen auf die Schulter legten, ganz nach dem Motto: Tu dies, halte das, lass jenes. Wenn du all das machst so wie ich, dann bist du recht in den Augen Gottes. Dabei geht das Evangelium anders. Mt 11,28: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.“ Wir hören in dieser Stelle förmlich unsere Stelle mit. Die Botschaft Gottes ist keine schwere Last, sondern eine befreiende Last. Aufgepasst! Was kommt final aus unserer Verkündigung bei den Menschen an? Ein Gesetzesglaube oder ein Jesusglaube!
Gal 3,11: „Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn »der Gerechte wird aus Glauben leben“. Das Halten vom Gesetz führt niemals in die Gerechtigkeit, sondern führt immer zur Sündenerkenntnis. Wir müssen alle erkennen: Den Maßstab Gottes kann ich nicht einhalten. Ich brauche einen anderen Weg. Gal 3,24: „Also ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt werden“. Wer den Anspruch Gottes verkündet, und damit eine große Last auf die Schultern der Menschen legt, muss zugleich auch das Angebot der „Entlastung“ durch Jesus machen, ganz nach Mt 11,28. Das Gesetz muss immer zu Jesus führen, sonst ist es falsch verkündet.
- Der Glaube als egoistisches Mittel zur Selbstverherrlichung (V5-7)
Um wen geht es in meinem Glaubensleben, in meiner „Religionsausübung“? Dient alles dazu, dass ich besser rauskomme? Tue ich gewisse Dienste in der Gemeinde, damit mein Name verkündet wird von der Kanzel und sich alle zu mir umdrehen und ich im Rampenlicht stehe? Wenn ich gelobt werde, gebe ich das Lob an meinen HERRN weiter und freue mich, dass er mich gebrauchen konnte oder verbuche ich das auf meinem „persönlichen Konto“? Jesus gibt uns das Beispiel der Pharisäer als Warnung. Ihnen ging es bei allem frommen Getue nur um sich selbst. Sie wollten beachtet, gelobt, ja beinahe vergöttert werden. Ihr Motto war: Tue Gutes und rede vor aller Welt darüber. Lass dich ruhig von der Menge mit Ehrentiteln ansprechen, „Rabbi“. Tu alles, um dich von der normalen Menge zu distanzieren, um etwas Besonderes zu sein. Jesus sagt in der Bergpredigt: Wer es so macht, der hat seinen Lohn weg. Wer Dinge auch im Stillen tut, der wird Lohn von seinem Vater im Himmel bekommen (siehe Mt 6,1ff). Echtes Christsein zeichnet sich dadurch aus, dass es um Christus geht. Kol 3,17: „Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!“
Wir sind im Auftrag des HERRN unterwegs. Wir sind seine Botschafter (2Kor 5,20) und wir tun Dinge, damit er verherrlicht wird. Jeder von uns wird sicherlich Dienste finden, die er eher für sich als für Christus getan hat. Ein wichtiges Prüfkriterium heißt: Geht es mir gerade noch um Jesus oder schon wieder um mich?
- Nicht über andere überheben, sondern demütig und niedrig bleiben (V8-12)
Kein Rabbi, kein Lehrer, kein Meister, kein Vater. Wie haben wir das zu verstehen? G. Maier sagt meiner Ansicht nach zu Recht, dass wir all das Gesagte in den Gemeindekontext übertagen müssen und eben nicht in die Familie.[1] Jesus will sicherlich nicht sagen, dass ich zu meinem leiblichen Vater nicht mehr Vater sagen darf. Wie geht die Gemeinde mit dem Lehramt um? Das ist die Frage, auf die Jesus hier Antwort gibt. Wir sind keine Rabbies. Rabbi war (siehe Begriffen unten) eine ehrenvolle Anrede, diesozusagen eine Unterwürfigkeit, bzw. eine Erhebung zum Ausdruck brachte. Der Rabbi war jemand Besonderes, eine Vorzeigefigur, jemand, der sich von der Menge abhob. Ihm folgten die Schüler wie die Diener einem Herrscher. Wenn sie ihre Lehrposition einnahmen, dann gab es keine Gegenstimmen mehr. Rabbies hatten per Amt unangefochtene Autorität. Im Prinzip so, wie es heute der Papst hat, wenn er etwas ex cathedra (siehe Begriffe) sagt. Solche Lehrer gibt es in der Gemeinde nicht! Wir haben keine Gurus, denen wir folgen egal was sie sagen, einfach nur, weil sie ein Amt innehaben. Jesus sagt, wir stehen alle auf einer Ebene! Wir sind eine Familie. Brüder! In dieser großen Familie, der Gemeinde, übt man Liebe und Respekt untereinander, ganz egal, welche Gaben oder Dienste man übernimmt (Joh 13,35). Die Position des unangefochtenen Lehrers, des Meisters, des Rabbies, ist vergeben. Jesus Christus gebührt dieser Platz! Was er sagt, ist unfehlbar! Auch wenn ein Pabst etwas von seinem Lehrstuhl sagt (ex cathedra), ist es noch lange nicht unfehlbar. Genauso ist es mit Brüdern in der Gemeinde, die eine Lehrtätigkeit ausüben. Wir sind alle nicht unfehlbar. Wir predigen immer mit dem Wissen: Unsere Erkenntnis ist Stückwerk (1Kor 13,9) und mit der Aufforderung an unsere Zuhörer aus 1Thess 5,21: „prüft aber alles, das Gute haltet fest!“. Wenn nach einer Predigt oder Andacht uns ein Bruder oder eine Schwester auf etwas hinweist, was wir übersehen haben, oder falsch wiedergegeben haben, dann sind wir nicht gekränkt. Es zeigt uns unsere Fehlbarkeit und es überzeugt uns von der Notwendigkeit des Kollektivs. Gemeinsam mit den Brüdern und Schwestern wollen wir den Willen Gottes ergründen und voran gehen. Das spricht eben auch dafür, dass es nicht einen einzigen Leiter gibt, dem alle folgen. Gemeinde wird von Ältesten (plural) geleitet und gelehrt, eben weil wir nicht Jesus sind!
Wodurch zeichnen sich biblische Lehrer aus? Sie bleiben auf dem Boden und haben eine dienende und nicht eine herrschende Grundhaltung. Das große Vorbild ist Jesus selbst, der kommt um allen zu dienen (Mk 10,45). Das sind die wahrhaft Großen im Reich Gottes, diejenigen, die allen dienen (V11). V12 sollte uns hier noch einmal als Warnung dienen. Wenn wir meinen, wir müssten uns innerhalb der Gemeinde über die anderen hinwegheben, dann wird uns Gott erniedrigen. Lernen wir aber zu dienen, egal welches Amt wir innehaben, dann wird Gott uns erhöhen!
Gemeinde als Kontrast zu den Pharisäern der damaligen Zeit.
- Das Reich Gottes öffnen und nicht schließen (V13-14)
Verbauen wir den Zugang zu einem Leben mit Jesus oder erleichtern wir ihn? Was muss man unserer Meinung nach tun oder leisten, oder wie muss man sein, wie muss man sich geben, damit man ein Christ sein kann? Braucht es ein bestimmtes Aussehen? Braucht es ein bestimmtes Verhalten? Braucht es erste eine Art Probezeit? Die Pharisäer hatten die Latte damals so hoch gehängt, dass bei den Zuhörern klar war: keine Chance! Wir können nicht mit Gott leben! Wir dürfen natürlich das Wort Gottes nicht verfälschen! Natürlich sagt Jesus in Mt 5,20: „Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Es ist für uns Menschen unmöglich in das Reich Gottes zu gelangen, aber bei Gott sind alle Dinge möglich (Mt 19,26). Wir sind Botschafter an seiner statt und unsere Botschaft verharrt nicht bei den Mauern, sondern zeigt die Bresche, durch die man die Mauer überwinden kann. Sie heißt Jesus Christus. 2Kor 5,20f: „So sind wir nun Gesandte an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit wurden in ihm“.
Damit können wir im Namen Jesu alle Menschen zu seinem Reich einladen. Die Eintrittskarte kann sich jeder Mensch am Kreuz abholen, in dem er glaubt an das, was Jesus getan hat.
- Nicht Fans, sondern Nachfolger generieren (V15)
Wir brauchen in der Gemeinde keine Karteileichen. Der Segen Gottes ist auch nicht abhängig von unseren Mitgliederzahlen oder Gottesdienstbesuchern. Uns sollte es niemals um nackte Zahlen gehen. Jesus sucht Nachfolger, nicht Fans. Alles in unserer Gemeinde, in unserem persönlichen Dienst, sollte darauf ausgerichtet sein. Deswegen predigen wir kein verwässertes Evangelium um mehr Menschen in unsere Gemeinden zu bekommen. Wir predigen die Klarheit der Schrift durch ein hoffentlich lebendiges Zeugnis der Jesusnachfolge. Gott wird nach seinem Ermessen Menschen hinzutun. So lesen wir das auch in der Apg 2,47.
- Die Nebensache nicht zur Hauptsache machen (V16-22)
Wie oft stehen auch wir in der Gefahr, Christsein auf irgendeine Sache zu reduzieren oder zu verschieben. Wir kommen in den Gottesdienst wegen der Musik. Wir glauben an Jesus, weil wir dann nette Menschen um uns herumhaben. Wir sind in der Gemeinde, weil noch jemand gebraucht wurde, der gut Kaffee kochen kann. Die Pharisäer damals hatten das wesentliche aus dem Blick verloren. Manchmal kann das bei uns soweit gehen, dass sich alles verschiebt. Es geht nicht mehr um die Beziehung zu Jesus, sondern um irgendwelche Äußerlichkeiten. Wir sind dann mitunter sehr festgefahren. Wenn bspw. für uns Christsein das Singen von alten Liedern zwingend erfordert, dann können wir nicht loslassen. Werden doch manche dieser Dinge verändert, dann erleiden wir beinahe Schiffbruch. Dabei sind doch Formen nicht die Hauptsache, sondern Christus. An ihm muss festgehhalten werden. Andere Dinge dürfen sich immer mal wieder auch verändern.
- Den Fokus richtig setzen (V23-28)
Jesus sagt, es geht um das Recht, um die Barmherzigkeit und um den Glauben. Das ist im Prinzip ein Zitat aus Mi 6,8: „Er hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert der HERR von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und einsichtig zu gehen mit deinem Gott?“ Es geht immer darum, dass von innen etwas neu wird, dass dann immer mehr nach außen dringt. Alles andere ist Heuchelei. Man spielt etwas, das man nicht ist. Wer mit Jesus lebt, der ist neuer Mensch (2Kor 5,17). Jetzt soll und darf Jesus uns verändern (Röm 12,2) und wir sollten Christus in unserem Alltag ähnlicher werden (Gal 4,19). Andersherum wird es ein Krampf. Christsein ohne Christus zu leben geht nicht, sondern wird immer zur Schauspielerei. Man gibt was vor, was man innen drin nicht ist.
Wir müssen den Fokus darauf zu legen, dass wir keine Christen durch Umerziehung gewinnen, sondern durch Wiedergeburt!
„Tu das nicht, mach aber jenes, dann bist du ein guter Christ!“ Das ist „Umerziehungschristsein“ und pharisäisch. „Du kannst nicht so leben, wie es Jesus gefällt. Du bist ein Sünder. Jesus muss in dein Leben. Er muss dich neu machen. Kehr um zu ihm und lass dich von ihm verändern.“ Das (oder so ähnlich 😊) ist echtes Christsein. Es hat Jesus im Fokus und nicht irgendein Verhaltenscodex. Es geht immer um die lebendige Beziehung zu Jesus und es vertraut auf seine verändernde Kraft, die in uns mächtig wirkt.
Christsein ist eine Wesensveränderung und nicht eine Verhaltensveränderung! Jedoch wird die Wesensveränderung eine Verhaltensveränderung mit sich bringen.
Gericht Jesu über die Pharisäer (V29-33)
Jesus macht deutlich, dass ein pharisäischer Lebensstil das Gericht Gottes auf sich zieht. „Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?“ Das ist wirklich ein krasser Satz. Er muss uns dringend aufhorchen lassen, es nicht wie die Pharisäer zu tun. Wir sollten nicht unsere eigene Gerechtigkeit aufzurichten versuchen und den frommen Max spielen. Wir müssen verstehen, dass wir ohne die Wiedergeburt durch den Geist Gottes (vgl. Joh 3; 1Petr 1,3) kein Anteil am Reich Gottes haben, auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen. Jesus sagt es deutlich zu dem Pharisäer Nikodemus in Joh 3,3: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen“.
Im Römerbrief beschreibt Paulus das Problem seines Volkes folgendermaßen, Röm 10,1-3: „Brüder! Das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen für sie zu Gott ist, dass sie gerettet werden. Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit ⟨rechter⟩ Erkenntnis. Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.“
Der Versuch, sich den Himmel selbst zu erarbeiten, muss immer scheitern. Das Problem der Pharisäer war aber zusätzlich das, dass sie meinten, sie könnten es. Wir sehen das an dem Gleichnis, das Jesus erzählt vom Gebet des Pharisäers und Zöllners. Lk 18,11: „Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe.“
Im bin ja ein ganz guter Mensch! Ich tue viele religiöse Dinge. Gott wird mich als guten Menschen annehmen. Nein, nur der wird ins Reich Gottes eingehen, der Buße tut und sich Vergebung schenken lässt. Jesus sagt es ja auch in Mt 21,31 deutlich: „Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes“ Aber nicht, weil sie Huren und Zöllner sind, sondern weil sie sich retten lassen von Jesus (z.B. Lk 19,1-10).
Das Urteil Jesu über solche Menschen, die sich nicht retten lassen, ist eindeutig! Ihr werdet das Reich Gottes nicht betreten.
Wir müssen unsere Mitmenschen davor warnen, ein Pharisäer zu sein und zu meinen, zwischen mir und Gott ist schon alles in Ordnung. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, kann man sich nur schenken lassen durch den Messias Jesus. Auch der größte Eifer nutzt nichts, wenn man auf dem Holzweg ist.
Jesu Prophezeiung (V34-36)
Was Jesus hier von sich gibt ist eine Prophezeiung, die sich in naher Zukunft erfüllen wird. Gott wird jetzt sein Volk Israel richten. Das Maß der Ablehnung ist voll. Weil sie den Messias Jesus ablehnen, wird Gott sie auf die Seite stellen, um sie zu reizen durch ein Nicht-Volk (die Heiden), deren Gott sich nun zuwenden wird. So ist es interessanterweise schon im Alten Testament im Lied des Moses vorausgesagt. In 5Mo 32,21: „Sie haben mich zur Eifersucht gereizt durch einen Nicht-Gott, haben mich gekränkt durch ihre Nichtigkeiten; so will auch ich sie zur Eifersucht reizen durch ein Nicht-Volk, durch eine törichte Nation will ich sie kränken.“
Was wir hier lesen ist die Verfolgung, die die erste Gemeinde erleben wird. Gott wird Propheten und Schriftgelehrte zu den Pharisäern senden. Denken wir an Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat, oder an Stephanus. Denken wir an Paulus, der die ersten Christen verfolgt hat. Letztlich wird Gott an dieser Generation das Gericht vollziehen, das gipfeln wird in der Zerstörung der Stadt Jerusalem 70n. Chr. Die Römer werden unter Titus alles vernichten. Die Aussage in Vers 36 macht deutlich, dass es sich um eine nahe Prophetie handelt.
Jesu Wehklage über Jerusalem und seine endzeitliche Ansage (V37-39)
Wir sehen hier Jesu Liebe für sein Volk. Es war immer das Ansinnen Gottes, sein Volk zu retten. Er hat seine Hände ausgetreckt zu diesem Volk. Er hat alles in seiner Macht Stehende getan. Es gibt aber offensichtlich ein „nicht wollen“. Die Liebe Gottes zwingt niemand. Das sehen wir übrigens auch im Garten Eden. Gott erschafft sich keine Marionetten. Nein, Gott will die Liebe von uns Menschen aus freien Stücken. Er tut alles dafür, dass die Menschen seine Einladung annehmen und sich seinen rettenden Händen anvertrauen.
Auch in diesen Versen steckt eine wichtige Warnung für uns heute drin. Es gibt ein zu spät. Die Folge der Ablehnung des Messias wird Gericht sein. Israel hat es erlebt. Israel muss nun eine lange, lange Zeit der geistlichen „Öde“ erleben. Sie werden ihren Messias nicht sehen. Darin steckt auch ein Nicht-Erkennen. Das jüdische Volk wird in der Vielzahl Jesus nicht als ihren Messias erkennen. Es wird nur ein Überrest sein. So lesen wir es in Röm 11,1-5. Diese „Verblendung“ (Decke über ihren Augen nach 1Kor 10) wird so lange anhalten, bis sie sagen werden: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Die spannende Frage ist: Wann wird das sein? Hier gehen die Auslegungen weit auseinander. Es hängt sehr stark davon ab, wie man theologisch die Israelfrage versteht. Hat die Nation Israel noch eine Zukunft, dann legt man hier endzeitlich aus und sagt z. B. mit G. Maier: „Aber was wird Israel am Ende sagen? Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn. Also genau das, was die Menge beim Einzug in Jerusalem rief (Mt 21,9)! Das heißt nichts anderes, als dass Israel ihn bei seiner Wiederkunft als Messias anerkennen wird[2].“ Diejenigen, die in der Nation Israel keine heilsgeschichtliche Relevanz mehr sehen, verstehen das z.B. so: „Jesus meint vielmehr sein Wiederkommen im Geiste zur Aufrichtung und Ausbreitung des Himmelreichs durch die Predigt des Evangeliums, indem er vorausweiß und voraussetzt, dass von den Juden, die ihn in seiner Niedrigkeit verwerfen, nicht wenige teils infolge der Ausgießung des Geistes über die Apostel und der Ausbreitung seiner Gemeinde, teils infolge des in der nächsten Zukunft über Jerusalem und das jüdische Volk ergehenden Strafgerichts zum Glauben an ihn gelangen und dann ihn im Geiste wiedersehen werden[3]“
Das muss letztlich jeder selbst anhand seiner Erkenntnis entscheiden.
1.4 Struktur des Abschnittes:
Jesus spricht zu 4 verschiedenen Gruppen von Menschen. In Vers 1 haben wir „zu den Volksmengen und zu seinen Jüngern“. In Vers 8 heißt es „ihr aber“, was sich ziemlich wahrscheinlich nur auf die Jünger bezieht. Ab Vers 13 geht es gegen die „Pharisäer und Schriftgelehrten“. In Vers 37 lesen wir „Jerusalem, Jerusalem“. Jesus befindet sich ja in Jerusalem und es muss nicht zwingend sein, dass er den Abschnitt an vier verschiedenen Stellen gehalten hat. Es ist auch denkbar, dass Jesus redet und die Jünger und eine Menschenmenge dabei sind. In dieser Menschenmenge befinden sich in Jerusalem sicherlich auch Schriftgelehrte und Pharisäer oder im Laufe der Rede kommen welche vorbei und Jesus richtet seine Weherufe an sie.
Der Abschnitt grenzt sich von dem vorherigen Kapitel durch die Einleitung („Dann redete Jesus…“) ab. Es ist der 5. und letzte Redeblock im Matthäusevangelium. (Siehe andere Redeblöcke in Mt 5-7; Mt 10; 13 und 18). Mt 24-25 grenzt sich auch durch eine andere Zuhörerschaft ab. Hier wird eingeleitet: „Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ⟨ihm⟩, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen“. Offensichtlich sind hier Jesus und seine Jünger für sich alleine außerhalb der Stadt.
Innertextliche Gliederung:
V1-7: Jesus redet allgemein warnend über die geistliche/religiöse Elite
- Sie geben sich als die großen Lehrer aus, tun aber das Gelehrte selber nicht (V2-4)
- Ihr Antrieb ist Egoismus und Ansehen/Ehre bei den Menschen (V5-7)
V8-12: Jesus redet zu den Jüngern/Gemeinde
- Nicht Meister/Lehrer nennen lassen, denn das ist Christus (V8+10)
- Niemanden im Gemeindekontext als Vater bezeichnen, denn das ist Gott (V9)
- Dienende Haltung einnehmen (V11-12)
V13-33: 7 Wehrufe über die Pharisäer und Schriftgelehrten
- Verschließen das Reich Gottes (V13-14)
- Es geht ihnen nur um Mitgliederzahlen, Zugehörige zu ihrer Religion (V15)
- Sie sind blind für die Wahrheit Gottes, ihnen fehlt die Erkenntnis (V16-22)
- Haben das Zentrum des Glaubens verlassen: Recht, Barmherzigkeit und den Glauben (V23-24)
- Sind außen hui und innen pfui. Ihnen fehlt innerliche Erneuerung/echtes Leben (V25-28)
- Ihnen fehlt Sündenerkenntnis (V29-33)
V34-36: Prophetische Ankündigung
V37-39: Klage über ganz Jerusalem, letztlich das ganze Volk Israel
- Einladung Gottes und die Ablehnung durch Israel (V37)
- Gerichtsankündigung (V38)
- Hoffnungsschimmer (V39)
1.5 Wichtige Begriffe:
Ich möchte versuchen euch ein paar Begriffe aus dem Text zu erläutern, die mir wichtig erscheinen. Es werden bei weitem nicht alle wichtigen sein, aber ein paar 😉. Die Begriffe sind nach der Elberfelderübersetzung aufgelistet.
Heuchler (gr. hypokrites) 6mal
Vortäuschen, Scheinheiliger. Im Alten Griechenland war der hypokrites der Schauspieler. Man gibt sich also als jemand aus, der man eigentlich nicht ist. Man schlüpft in eine Rolle. Es ist im Prinzip das Gegenteil zur Authentizität.
Schriftgelehrter (gr. grammateus) 8mal
Schriftgelehrter, Schreiber oder Gesetzeslehrer. Sie legten das Alte Testament aus und drängten darauf, das Gesetz des Moses einzuhalten. Sie waren Experten des jüdischen Rechts.
Pharisäer (gr. pharisaios) 8mal
Sie waren eine spezielle jüdische Gruppierung, die sich dazu verschrieben hatte, das Gesetz gewissenhaft genau einzuhalten. Sie waren die „Ultras“ der damaligen Zeit, die strengste religiöse Gruppe. Sie nahmen es mit dem Glauben an Gott ganz genau und wollten es recht machen. Paulus war ein Pharisäer (vgl. Phil 3). Wir dürfen die Pharisäer nicht immer nur negativ sehen. Jesus wirbt immer wieder um diese Gruppe von Menschen und es gab auch gläubige Pharisäer wie z.B. Nikodemus, Joh 19,39.
Wehe (gr. ouai) 7mal
Es ist ein Klagerufen über sich selbst oder andere. Es ist ein Ausruf vor dem Ausspruch des Gerichtes Gottes. Wir finden den Ausruf im Alten Testament bei den Propheten, bei Jesus aber auch im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung.
Blind (gr. typhlos) 5mal
Nicht sehen können. Es ist dramatisch in diesem Zusammenhang, dass diejenigen, die sich für die Lehrer und Anführer des Volkes im Sinne eines Mose halten, blind sind. Blind natürlich nicht im wörtl. Sinne, sondern im übertragenen Sinne für die Realität Gottes. vor allem sind sie blind für den Messias. Er ist direkt vor ihren Augen, aber sie wollen ihn nicht anerkennen.
Proselyten (gr. proselytos)
Hier ist ein zum Judentum konvertierter (übergetretener) Mensch gemeint. Jude wird man gewöhnlich durch Geburt, allerdings bestand die Möglichkeit auch zu konvertieren. Erforderlich war natürlich die Beschneidung und die Proselytentaufe.
Lehrer/Meister (gr. kathegetes)
Sie waren diejenigen, die dazu berufen waren, den Willen Gottes den Menschen kundzutun und sie zur Erkenntnis der Wahrheit anzuleiten. In Jak 3,1 warnt die Bibel davor, dass Lehrer in ein strengeres Gericht kommen werden und dass deshalb nicht einfach jeder Lehrer sein sollte.
Rabbi (gr. rhabbi)
Steht für Rabbi, Lehrer oder Meister. Johannes schreibt in seinem Evangelium in Joh 1,38: „Sie aber sagten zu ihm: Rabbi – was übersetzt heißt: Lehrer (gr. didaskalos) –, wo hältst du dich auf?“ Es beschreibt eine respektvolle Anrede des Lehrers/Meisters. Der wohl bekannteste Rabbi zurzeit Jesu war Gamaliel. Er war Mitglied des Hohen Rates, des höchsten religiösen Gremiums der Juden. Sein Großvater war Hillel, der eine der bekanntesten rabbinischen Schulen gründete. Bekannter Schüler von Gamaliel war Saulus von Tarsus.
Jesus wird in den Evangelien von seinen Jüngern auch Rabbi genannt (z.B. Mk 11,21) und sogar von anderen Pharisäern wie Nikodemus in Joh 3.
Lehrstuhl Moses (gr. kathedra)
Wörtl. einfach Sitz oder Stuhl. Die typische Lehrhaltung der damaligen Schulen war das Sitzen. Auch die rabbinischen Lehrer saßen während sie Inhalte weitergaben. Man redet heute ja auch noch von Lehrstühlen. Mose selber galt im nachexilischen Judentum als der Lehrer Israels schlechthin. Er hat Israel das Gesetz gegeben. Wenn Jesus davon redet, dass die Pharisäer auf dem Lehrstuhl Moses sitzen, dann sind sie in seiner Tradition unterwegs. G. Meier schreibt in seinem Matthäuskommentar: „Jesus bejaht die Kontinuität von Mose zu den pharisäischen Schriftgelehrten seiner Zeit. Letztere sitzen mit Recht auf Moses Lehrstuhl[4]“. Die Pharisäer hatten eine Liebe zum Gesetz Moses und sie gaben dieses mit Recht weiter. Heute kennen wir den Begriff von der Katholischen Kirche, wenn der Papst etwas von seinem „Lehrstuhl“ sagt, dann hat es unfehlbares Gewicht. Er sagt es dann ex cathedra. Vielleicht meint Jesus genau das. Wir Menschen sollten nicht meinen, wie könnten etwas „Unfehlbares“ weitergeben.
2. Verstehen, worum es geht
Wie eingangs erwähnt, ist Jesus in der Karwoche als das fehlerfreie Lamm in Jerusalem und präsentiert sich dem Volk. Jesus wirbt noch einmal für sein Volk (siehe Ende unseres Abschnittes) und doch muss er auch Gerichtworte sprechen. Was hat Israel nicht alles von Gott gehört und gesehen. Und natürlich praktiziert Jesus das, was später in Jak 3,1 steht. Jeden Lehrer wird ein schwereres Urteil treffen. Das Lehramt ist ein extrem wichtiges Amt. Hier können Menschen für Jesus gewonnen, oder der Zugang zu ihm verwehrt werden. Letztes trifft auf die Pharisäer zu (Mt 23,13-14). Deswegen handelt es sich um einen Gerichtstext über die Pharisäer und generell über Israel, der warnend für uns als Gemeinde aufgeschrieben ist. Jesus sagt ja mehrfach, wie es bei uns sein soll, bzw. nicht sein soll. Wir sollen uns z.B. nicht Lehrer nennen.
Was war das Hauptproblem der Pharisäer, die Hauptkritik? Natürlich die Heuchelei, also fromm zu tun, es aber nicht zu sein. Aber das Hauptproblem geht noch tiefer. Wir finden es mit am deutlichsten im Text Mt 21,14-17:
„Und es traten Blinde und Lahme in dem Tempel zu ihm, und er heilte sie. Als aber die Hohen Priester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosanna dem Sohn Davids!, wurden sie unwillig und sprachen zu ihm: Hörst du, was diese sagen? Jesus aber sprach zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen: »Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«? Und er verließ sie und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und übernachtete dort.“
Jesus heilt im Tempel Blinde und Lahme sichtbar für alle (auch die Hohenpriester und Schriftgelehrten, Pharisäer inbegriffen). Jeder zweitklassige Schriftgelehrte wurde an Schriftstellen aus Jes 35,4-6 erinnert, wo es heißt: „Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, ⟨da ist⟩ euer Gott, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. 5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. 6 Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jauchzen wird die Zunge des Stummen.“
Wenn Gott selber kommt und sein Volk rettet, dann wird das begleitet sein von außergewöhnlichen Zeichen, nämlich dass u.a. Blinde sehen und Lahme gehen. Genau das passiert vor den Augen der Gelehrten. Aber nicht nur das, sondern Kinder geben ein gewaltiges Zeugnis ab und rufen: Hosanna, dem Sohn Davids. Anders formuliert schreien sie: Hilf uns, Messias. Also die Obersten des jüdischen Volkes sehen Jesus heilen und hören schreiende Kinder die sagen: Das ist der Messias, das ist der Messias. Mehr Beweise kann es nicht geben. Von der Schrift her war klar. Jetzt ist Gott da und jetzt wird er uns retten. Und was tun sie? Sie wollen nicht. „Ihr habt nicht gewollt“. Sie werden zornig, ja ärgerlich. Dieser Jesus darf nicht der Messias sein.
Wir müssen die Haltung der Pharisäer als Warnung für uns verstehen. Gericht Gottes, das Wehe, kommt über solche Menschen, die den Messias Jesus ablehnen. Gericht kommt über solche Menschen, deren Glaube nur ein Schauspiel (Heuchelei) ist. Äußerlich geben sie vor, ganz fromm zu sein. Sie praktizieren verschiedene Frömmigkeitsrituale wie in Gottesdienst gehen, Gebete sprechen, Spenden etc. Aber im Herzen leben sie noch immer in ihren Sünden und haben die Vergebung Jesu nicht angenommen. Sie sind nicht wiedergeboren. Gericht kommt über die, die Jesus nicht kennen und trotzdem lehren und damit auch anderen den Zugang zum Himmel verwehren.
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir sind aktuell im Matthäusevangelium unterwegs. Wir nehmen die Hörer mit in die Auseinandersetzungen Jesu in der Karwoche. Die Karwoche ist die Entscheidungswoche. Glauben wir an den Messias Jesus oder nicht? Gerade Texte wie diese machen die Notwendigkeit einer Entscheidung für Jesus wichtig. Echter Glaube zeigt sich an einer lebendigen Jesusbeziehung. Sitzen vielleicht in unseren Reihen auch „Pharisäer“? Menschen, die äußerlich dabei, aber innerlich tot sind? Menschen, die meinen, Glaube hätte was mit bestimmtem Verhalten zu tun? Menschen, die meinen, man müsste sich den Himmel verdienen?
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass dieses Wort sich primär an die pharisäischen Juden richtet, bzw. an das jüdische Volk. Jesus mahnt an, dass die Gelehrten seiner Zeit die Zeichen nicht deuten konnten. Siehe dazu Mt 16,1-4. Wir stehen heute heilsgeschichtlich an anderer Stelle. Wir wissen um den Tod und die Auferstehung Jesu und wir haben die gesamte neutestamentliche Briefliteratur, die uns deutlich macht: Echter Glaube setzt eine lebendige Beziehung zu Jesus voraus. Echter Glaube setzt ein inneres Neuwerden (Wiedergeburt aus dem Geist Gottes) voraus und verändert den Menschen von innen nach außen. Das Verhalten (heilige Wandel) folgt mehr und mehr auf das innere Neuwerden. Das wussten die Menschen damals in unserem Umfang nicht. Und doch sehen wir beispielhaft, wie auch heute noch der Glaube/Religiosität falsch gelebt werden kann. Wo entdecken wir in unserem eigenen Leben diese Züge? Wo sind wir „pharisäisch“ unterwegs? Wo sind wir nicht echt in unserem Glauben?
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Wir haben hier einen extrem vollen Text. Hier bietet es sich an, nur punktuell zu lesen und die Punkte herauszuarbeiten. Vielleicht wäre hier eine unterstützende Visualisierung per PowerPoint nicht schlecht.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir wollen mit der Predigt dem Themenvorschlag des Verbandes folgen und unsere Zuhörer ermutigen, ihren Glauben authentisch zu leben. Unsere Gemeinde, die persönlichen Begegnungen müssen es zulassen, dass jeder normal sein darf und nicht irgendeine „Maske“ aufsetzen muss. Wir dürfen es in unseren Kreisen nicht fördern, dass unsere Gemeindeglieder in Rollen schlüpfen, einfach weil wir es so vorleben. Ein Christ muss dies und jenes tun oder lassen. Ein Christ muss so denken und so nicht. Legen wir zu sehr den Fokus auf diese Dinge, dann verstehen unsere Gemeindeglieder Christsein als ein Erfüllen eines bestimmten Anforderungskataloges. Damit wird der Glaube zu einer Religion. Mach es so, so und so, und auf jeden Fall niemals so, dann bist du ein guter Christ. Dabei ist Christsein doch was völlig anderes. Christsein hat Christus im Fokus. Jeder einzelne Gläubige braucht diese lebendige Beziehung zu dem einen Meister und Lehrer. Diese Beziehung zu Jesus, die Power des Heiligen Geistes und die Kraft des Wortes Gottes verändern uns.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
„Authentisch glauben“ (Vorschlag vom Verband)
„Echt sein“
Ich würde dazu raten, den Verbandsvorschlag zu nehmen. Er passt gut und wir verstehen sofort, worauf es ankommt.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Ich werde dir hier eine mögliche Gliederung für die Predigt geben. Ich würde die Predigt einfach in zwei Blöcke unterteilen. Authentisch glauben kann man nur, wenn man „echt ist“ und dann auch „echt lebt“.
- Echt sein
Der große Vorwurf Jesu gegenüber den Pharisäern ist ja der, dass sie „falsche Fünfziger“ sind. Das Wort „Heuchler“ kommt im Text 6mal vor. Es bedeutet Schauspieler sein. Ist unser Glaube nur eine einstudierte Rolle, in die wir schlüpfen? Woran erkennt man einen Schauspieler? Naja, im echten Leben (im Alltag) lebt er nicht in dieser Rolle. Leben wir im Alltag unter Nichtchristen anders als sonntags im Gottesdienst? Wie geben wir uns, wenn niemand zusieht? Für wen leben wir unser Christsein? Für andere? Sollen unsere Mitmenschen davon überzeugt werden, dass wir fromm sind? Haben wir verstanden, dass es nicht um die Gerechtigkeit geht, die wir aufrichten müssen, sondern um die Gerechtigkeit, die Jesus in uns bewirkt? (Röm 10,3) Wie wird man echt? Nur, wenn man zu Jesus kommt und sich dieses neue Leben schenken lässt. Wir brauchen die Wiedergeburt aus dem Geist Gottes (Joh 3). Wir können auch an diesem Text an die Jahreslosung aus Joh 6,37 erinnern. Das Angebot Jesu steht. Wir dürfen jederzeit zu ihm kommen und er macht uns neu! In unserem Abschnitt deutet das Jesus mehrfach an u.a. in Vers 26: „Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein werde“. Echtes Christsein geht von innen nach außen. Zuerst kommt die Wesensveränderung und dann die Verhaltensveränderung. Auch hier müssen wir den Inhalt unserer Verkündigung prüfen, auch unseres persönlichen Zeugnisses. Zu was für einem Christsein laden wir ein? Fordern wir nur richtiges Verhalten und weisen nicht darauf hin, wie es geht, dann bekommen wir ein pharisäisches Christsein. Menschen strengen sich an, nach den christlichen Werten zu leben. Sozusagen den christlichen Verhaltenscodex zu erfüllen. Es wird ihnen mehr oder weniger gelingen. Aber innerlich bleiben sie leblos, tot. Das Leben wird so zu einer Qual und nicht zu einer Freude. Es ist ein Scheinchristsein, das leider nicht bei Jesus im Himmel ankommen wird! Verschließen wir auch das Reich Gottes wie die Pharisäer, weil wir Verhalten einfordern statt einer Wiedergeburt aus dem Geist Gottes?
Joh 1,12: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“
Wer unecht ist, dessen Leben wird zur Heuchelei. Der „Glaube“ wird zu einer Qual. Sei echt! Lass dich neu machen von Jesus. Nimm seine gnädige Vergebung an und werde frei davon, Christsein zu spielen! Du darfst dann nämlich Christ sein! Das ist ein großer Unterschied. Man ist dann übrigens auch Christ, selbst wenn der Alltag manchmal anders aussieht. Das eigene Versagen im Alltag ändert nichts an der neuen Existenz durch Jesus Christus. Man darf dann mit sich selbst und anderen gnädig sein und den HERRN bitten, dass er einen verändert. Echt sein stößt einen Prozess an – echt leben!
Hier können wir eines der untenstehenden Beispiele einbauen, das verdeutlichen soll: Es muss zwingend was neu werden. Das steht ganz am Anfang!
2 Echt leben
Was war zuerst da, Henne oder Ei? Kein „Echt leben“ vor dem „Echt sein“! Erst kommt der Status, dann die Performance. Aber wenn das echt sein da ist, dann geht ein Prozess los, der das „Echt leben“ anstößt. Natürlich sagt Jesus, dass wir was die Pharisäer lehren, tun sollen! Hier geht es um die Lehren Moses, also die biblische Lehre. Echt sein wirkt sich aus. Wo unser Christsein keine Außenwirkung zeigt, da muss es hinterfragt werden. Jak 2,17: „Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.“ Jakobus spricht hier von einem toten Glauben. Meine lebendige Beziehung zu Jesus Christus und das Bekenntnis, dass er HERR meines Lebens ist (Röm 10,9), wirkt sich natürlich auf mein ganzes Leben aus. Glauben ist ja ein „sich anvertrauen“, „auf jemanden bauen“. Wir werden in der Schrift immer wieder dazu aufgefordert, echt zu leben. Eph 5,8: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber ⟨seid ihr⟩ Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts“. Der „Wandel“, also das tägliche Leben, folgt nun dem inneren Neuwerden. So wie der adoptierte Mann im Beispiel nun zu erst lernen muss, was es heißt als Royal zu leben, genauso müssen wir das. Das Wort Gottes hilft uns. Nach 2Tim 3,16f befähigt es uns zu jedem guten Werk! Und klar, wir haben hier einen Lehrer – Jesus Christus. Er ist unser Meister, ihm folgen wir nach, niemand anderem. In der Gemeinde helfen wir uns gegenseitig als Brüder und Schwerstern. Niemand nimmt die Position Jesu ein. Von ihm heißt es, dass er uns ein Beispiel gegeben hat (1Petr 2,21) und das wir jetzt als Kinder Gottes „schuldig sind“ so zu leben (1Joh 2,6)! Wir sollen würdig wandeln (Kol 1,10)! Also kommt es doch auf mich an im Leben als Christ? Ja und nein! Wir dürfen uns hier zwei ineinandergreifende Zahnräder vorstellen. Wir werden immer wieder aufgefordert, den HERRN Jesus anzuziehen und die Dinge abzulegen, die nicht zu ihm passen (Kol 3). Auf der anderen Seite lesen wir, dass es Christus ist, der uns antreibt, der unsere Kraft ist (Phil 4,13). Die Veränderung geschieht durch das Werk des Heiligen Geistes (2Kor 3,18)!
Röm 12,2 und 2Kor 3,18 beleuchten genau die beiden Seiten! Ich stelle es farblich dar, rot ist unsere Verantwortung und grün, die von Jesus/Gott.
Röm 12,2: „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt (gr. Metamorpho) durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“
Christen leben anders. Sie unterscheiden sich von der Welt. Jesus, der durch den Heiligen Geist in uns lebt, verwandelt uns. Er verändert unser Denken, damit wir prüfen können, was Gottes Willen entspricht und was nicht.
2Kor 3,18: „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden ⟨so⟩ verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie ⟨es⟩ vom Herrn, dem Geist⟨, geschieht⟩.“
Unser Auftrag heißt: Jesus anschauen (siehe auch Hebr 12,1-3; Kol 3,1-2). Er ist unser Lehrer. Dazu müssen wir Zeit mit ihm verbringen, in seinem Wort lesen, beten – kurz um, Beziehung mit ihm leben. Wenn wir das tun, dann gewähren wir sozusagen dem Geist Gottes Zugriff auf unser Leben. Er wird uns dann verändern in das Bild unseres HERRN Jesus, aber er wird es so tun, wie es seinem Willen entspricht, in seinem Tempo.
Deswegen müssen wir an dieser Stelle unsere Gemeindeglieder ermutigen und sagen: Geh aufs Ganze! Setze alles auf die Karte Jesu ganz nach dem Motto von 2Kor 5,15; Gal 2,20; Kol 3,17. Wenn wir das tun, dann sind wir ein wandelndes Zeugnis. Dann sind wir offen für das Handeln Jesu, dann entdecken wir im Alltag die Werke, die er schon vorher bereitet hat, dass wir in ihnen wandeln sollen (Eph 2,10).
So kann unser Glaube authentisch sein. Unser Verhalten wird dann immer mehr unserem inneren neuen Wesen entsprechen. Dann ist Christsein auch kein Krampf, sondern eine Freude. Wir müssen dann niemandem etwas vorspielen, sondern wir dürfen leben, was wir sind. Und dann dürfen Christen auch Fehler machen. Nirgends in der Bibel steht, dass Christen keine Sünden mehr begehen! Nein, aber sie dürfen sie jederzeit vor dem HERRN und anderen bekennen und sich der Gnade Gottes gewiss sein (1Joh 1,9).
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Beispiele oder persönliche Erlebnisse sind in einer Predigt sehr wichtig und beleben sie.
Was macht uns zum echten Christen?
Hier kann man einen Vergleich verwenden. Nur weil ich in die Garage gehe und brumm brumm mache, bin ich noch lange kein Auto. Genauso bin ich auch kein Christ, nur weil ich in den Gottesdienst gehe und fromme Lieder mitsinge. Ein Christ zeichnet sich durch eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus aus.
Beispiel: Adoptierter der Queen Elisabeth
Wir können das Leben als Christ auch mit der Queen Elisabeth vergleichen. Mal angenommen, du fährst das gleiche Auto wie die Queen, du redest exakt ihren Dialekt, du besuchst die gleiche Schule wie die Windsors, du kopierst ihren Speiseplan, du hast die gleichen Hobbys wie die Royals, wirst du deswegen einer von ihnen? Nein, man wird nur durch Geburt, Adoption oder Heirat adelig! Bei Jesus ist es nicht anders. Ein frommer Lebensstil macht uns noch lange nicht zum Kind Gottes. Aber die Adoption macht es. Dann gehört man dazu. Genau das passiert, wenn wir uns an Jesus wenden und an ihn glauben. Wir werden in die Familie Gottes adoptiert (Gal 3,26). Wirst du von der Queen adoptiert, dann beginnst du auch mehr und mehr so zu leben, wie das die Royals tun. Du musst umdenken lernen. Du musst erst mal lernen, was es heißt, ein Royal zu sein. Von wem lernst du das? Im Idealfall von der Queen selbst. So ist es im Christsein auch. Wir lernen aus erster Hand von Jesus, wie man als Kind Gottes lebt.
Manuel Nowak
[1] Maier, G. (2017). Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 15–28 (G. Maier, R. Riesner, H.-W. Neudorfer, & E. J. Schnabel, Hrsg.; S. 365). SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag.
[2] Gerhard Maier, Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 15–28, ed. Gerhard Maier u. a., Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag, 2017), 400.
[3] Carl Friedrich Keil, Commentar über das Evangelium des Matthäus (Leipzig: Dörffling und Franke, 1877), 455.
[4] Maier, G. (2017). Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 15–28 (G. Maier, R. Riesner, H.-W. Neudorfer, & E. J. Schnabel, Hrsg.; S. 355). SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag.