Monatsthema: Jesu Blick für Not
Predigtthema: Aus der Not des Todes
Bibelstelle: Markus 16,1-13
Verfasser: Johann Hesse
1. Der Zusammenhang
Dieser Bericht von der Auferstehung des Herrn und den ersten Begegnungen mit den Jüngern folgt den Berichten der Kreuzigung, des Sterbens und der Grablegung des Herrn. Anschließend gibt der Herr den Jüngern den Auftrag, allen Menschen das Evangelium zu verkünden.
2. Biblische Parallelen: Matthäus 28,1-10; Lukas 24,1-35; Joh 20,1-10
3. Der Aufbau des Textes
1. Drei Frauen begegnen dem Engel und hören die Nachricht von der Auferstehung (1-8)
a) Die drei Frauen auf dem Weg zum Grab (Verse 1-4)
b) Die Frauen begegnen dem Engel (Vers 5)
c) Der Engel informiert und beauftragt die Frauen (Verse 6-7)
d) Die Frauen verlassen verstört das Grab (Vers 8)
2. Maria von Magdala und zwei Jünger begegnen Jesus und berichten den Jüngern (9-13)
a) Jesus erscheint Maria von Magdala (Vers 9)
b) Maria berichtet den ungläubigen Jüngern von ihrer Begegnung (Verse 10-11)
c) Jesus erscheint den zwei Jüngern (Vers 12)
d) Die Jünger berichten den ungläubigen Jüngern von ihrer Begegnung (Vers 13)
4. Einzelerklärungen
Vers 1: Der Sabbat endete um 18.00 Uhr am Samstag Abend. Die drei Frauen waren auch Zeugen der Kreuzigung (15,40). Das Balsamieren des Leichnams war Ausdruck der Verehrung und sollte außerdem den Verwesungsgeruch dämmen. Offensichtlich rechneten die Frauen nicht mit der Auferstehung ihres Herrn.
Vers 2: Die drei Frauen kamen direkt nach Aufgang der Sonne am Sonntagmorgen (ca. 6.00 Uhr) zum Grab.
Vers 3-4: Das in den Felsen gehauene Grab war mit einem schweren Stein verschlossen, der wahrscheinlich in einer abschüssigen Rinne vor den Eingang gerollt wurde. Ihn vom Eingang wegzurollen erforderte viel Kraft. Als die Frauen ankamen, bemerkten sie, daß der Stein bereits weggerollt war (vgl. Mt 28,2).
Vers 5: Das Grab war begehbar. Als sie hineintraten sahen sie die sitzende Gestalt eines jungen Mannes. Ein Engel, wie aus dem Parallelbericht in Mt 28,2-5 deutlich wird. Die Reaktion der Frauen: Schock! Das hatten sie nicht erwartet.
Vers 6: Der Engel beruhigt die Frauen: „Seid nicht schockiert!“ Der Engel signalisiert, daß er das Anliegen der Frauen kennt, indem er ihr Suchen nach „Jesus aus Nazareth“ nennt. Er kennt auch die Ursache seines Todes: „Der Gekreuzigte“. Bis hierher vertraute Information. Doch nun kommt das unerwartet Neue: Er wurde auferweckt! Er ist nicht hier! Auch den Nachweis erbringt der Engel: Der Platz wo er lag ist leer.
Vers 7: Der Engel schickt nun die Frauen mit einer Nachricht zu den Aposteln. Wie Jesus es vorhergesagt hatte, wird er vor den Jüngern nach Galliläa gehen (Mk 14,28). Petrus wird hier besonders genannt: Möglicherweise um ihm zu zeigen, daß Jesus ihm das dreimalige Leugnen vergeben hatte (Mk 14,30.66ff).
Vers 8: Fluchtartig verlassen die drei Frauen das Grab. Aufgewühlt, verwirrt und voll Angst, behalten sie das Erlebte und Gehörte vorerst (vgl.Vers 10) für sich. Die Reaktion der Frauen ist absolut natürlich und verständlich.
Vers 9: Maria von Magdala, deren sieben Dämonen Jesus ausgetrieben hatte (Lk 8,2), kehrt allein zum Grab zurück. Was für ein Vorrecht: als erster Mensch darf sie den Auferstandenen Messias mit eigenen Augen sehen (vgl. Joh 20,11-18).
Vers 10: Maria, nachdem sie den Herrn selbst gesehen und gesprochen hat, kann nun die gute Nachricht verbreiten. In die tiefe Trauer und Verzweiflung des engsten Jüngerkreises platzt nun diese wunderbare Botschaft der Auferstehung völlig unerwartet hinein.
Vers 11: Obwohl Jesus den Jüngern mehrfach seinen Tod und die Auferstehung vorhergesagt hatte (Mk 8,31; 9,31; 10,33.34), begegnen sie der Auferstehungsnachricht mit Unglauben. Eine Auferstehung paßt weder in ihren Erfahrungshorizont, noch haben sie sich so den Weg des Messias vorgestellt.
Vers 12: Anschließend begegnet Jesus in veränderter Gestalt zwei weiteren Jüngern. Offensichtlich ist der Auferstehungskörper nicht an unsere Erfahrungen und Naturgesetze gebunden. Diese Begegnung mit den zwei Jüngern, die auf dem Weg in das Dorf Emmaus sind, berichtet Lukas ausführlicher (Lk 24,13-35).
Vers 13: Auch die Emmausjünger dürfen und können die Begegnung nicht für sich behalten. Sie berichten den Jüngern von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen. Doch auch diesen beiden Zeugen (vgl. 5 Mose 17,6) wollen die Jünger keinen Glauben schenken.
5. Die Spitze des Textes
Das Unglaubliche (Verse 8,11,13) ist Realität: Der Herr ist auferstanden (Verse 6,9,12)
6. Der Text heute
a) Hoffnung für Menschen ohne Perspektive: Um uns herum lebt eine Gesellschaft in einem Zustand der bangen Erwartung und Hoffnungslosigkeit. Viele Menschen haben heute keine Perspektive mehr, wenn sie in die Zukunft blicken. So wie die Jünger damals, sind die Menschen heute im Unglauben gefangen. Sie haben den massenhaften und ihren persönlichen Tod vor Augen. In diese Hoffnungslosigkeit und Endgültigkeit des Todes tritt auch heute der Auferstandene in das persönliche Leben hinein und bringt die Wende zur persönlichen Auferstehungshoffnung, Freude, ewigem Leben.
b) Nicht Fiktion, sondern Fakten: Der Bericht von den ungläubigen und verängstigten Jüngern bezeugt auf sehr realistische Weise die Authentizität der historischen Berichte von der Auferstehung. Anders als heute oft vertreten, haben die Jünger sich die Begegnungen mit dem Auferstandenen nicht ausgedacht, sondern mußten selbst erst durch den Herrn überzeugt werden. Unser Glaube ist nicht fromme Vision, sondern baut auf glaubwürdigen historischen Tatsachen auf.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
Bezieht sich auf die Predigtgliederung weiter unten
a.) Der erste Hauptteil geht auf die Tatsache des Todes ein. Für die Frauen (Vers 1) und die Jünger (Vers 10) war der Tod Jesu das Ende all ihrer Hoffnungen. Für sie galt die bisherige Erfahrung: Jeder Mensch stirbt. Jesus entsprach dieser Erfahrung, war also keine Ausnahme. Sollte das der Messias gewesen sein? Die Tatsache des Todes setzte allen Hoffnungen und Erwartungen ein Ende. Ihr Leben hatte keine Perspektive mehr. Die meisten Menschen unserer Zeit leben ganz genauso. Am Ende erwarten sie den Tod. Mehr hat ihr Leben nicht zu bieten. Die Tatsache des Todes ist für die Menschen unserer Zeit das einzige, was sie in der Zukunft erwartet und erwarten. Wie trostlos! (Beispiele von Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit überlegen)
b.) Der zweite Hauptteil spricht über die Tatsache des Unglaubens. Der Engel verkündigt die Auferstehung des Herrn. Entsetzen, Zittern, Schweigen (Vers 8) und blanker Unglaube (Verse 11.13) sind die Reaktionen der Jünger Jesu. Vergessen wir nicht: Sie waren doch von Jesus darauf vorbereitet gewesen (Mk 8,31; 9,31; 10,33.34) und doch konnten sie es nicht fassen. Wundern wir uns da über den Unglauben unserer Zeit? (Bsp: Prof. Lüdemann nennt die Auferstehung: „visionäre Wirklichkeit“) Der Mensch ist so sehr von der Tatsache des Todes beseelt, daß er sich eine Auferstehung nicht vorstellen kann. Auch heute gilt es, die Nachricht von der Auferstehung zu verbreiten, wie die Frauen und die Emmausjünger es taten. Doch wie sie, müssen wir zuerst mit zweifelnden und ungläubigen Hörern rechnen. Doch dabei muß es nicht bleiben!
c.) Dann nämlich, wenn der Herr selbst die Tatsache der Auferstehung bezeugt und offenbart. Damals, indem er selbst leibhaftig Maria von Magdala (Vers 9) und den Emmausjüngern (Vers 12) erscheint. Heute, wenn er die Tatsache der Auferstehung mit dem Kommen seines Geistes in das ungläubige Herz bezeugt (persönliches Zeugnis einbauen). Diese letzte Tatsache hebt die beiden anderen Tatsachen des Todes und des Unglaubens auf. Diese letzte Tatsache ist die erste Tatsache der neuen Schöpfung, die Gott für seine Kinder bereithält. Mit dieser Tatsache können wir den perspektivlosen Menschen unserer Zeit Hoffnung geben. Welch Freude für uns Christen: Unser Glaube hängt nicht an einer Fiktion, sondern baut auf echten, gut bezeugten Fakten auf. Was für eine große Freude, daß wir diese Tatsache kennen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Ostertatsachen
a.) Die Tatsache des Todes
b.) Die Tatsache des Unglaubens
c.) Die Tatsache der Auferstehung
Einige wichtige Paralleltexte: Rö 1,4; 6,5; 1Kor 15,12.13; Phil 3,10f; 1Petr 1,3; Offb 20,6
Einige Berichte von Totenauferweckungen: 2Kön 4,35; Joh 11,1ff; Apg 9,36ff
Meinungsumfrage: Glauben Sie, daß Jesus Christus Ostern auferstanden ist? Nein glaube ich nicht (56%); Ja, glaube ich (38%); Sonstige 6% (DIMAP-Umfrage in Deutschland; Quelle Idea Spektrum 4/2002)
Buchtip: Josh McDowell, Die Tatsache der Auferstehung, CLV, 1996
Zitat: „Das ist die Bedeutung von Ostern, daß da die heimliche Majestät und heilige Kraft Gottes aus der Ewigkeit wirksam hereingebrochen ist in die irdische Geschichte und ihre entscheidende Tat getan hat, indem sie den Christus aus dem Tode zum Leben führte.“ (Friedrich von Bodelschwingh)
Zitat: „In Christi Auferstehung gipfelt die göttliche Offenbarung. Sie wird der Ausgang für die Verkündigung seiner frohen Botschaft.“ (Aloys Wenzel)
Quellen: Walvoord & Zuck, The Bible Knowledge Commentary: New Testament, Victor Books, 1983 (Deutscher Titel: Das Neue Testament: Erklärt und Ausgelegt); Walter Wessel, The Expositor’s Bible Commentary: Mark, Grand Rapids: Zondervaan, 1984.