1.Petrus

Predigthilfe vom 2. April 2021 (Karfreitag) – 1. Petrus 3, 15- 4,3

Monatsthema:        Matthäus-Evangelium: Durch Jesus leben 

Predigtthema:         An Jesu Tod für uns glauben – mit allen Konsequenzen

Predigttext:              1Pet 3,15-4,3

Gottesdienst Einleitung:             1Pet 4,14-16;Mt 15,16

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der Petrusbrief richtet sich an einige Christengemeinden in Kleinasien, die auf Grund ihres Glaubens viel Bedrängnis und Widrigkeiten im Alltag erfahren mussten und aus ihren Heimatorten vertrieben wurden (1,1). Die Christen standen in der Gefahr in dreierleiweise auf die Anfeindungen der Heiden zu reagieren:

  • Sich mit (Gegen-)Gewalt und Protesten zur Wehr zu setzen.
  • Sich aus Entmutigung und Verzweiflung zurückzuziehen.
  • Oder mit der Welt Kompromisse zu schließen.

Jede dieser Reaktionen wäre falsch. Petrus ermutigt im Glauben an Jesus standhaft zu bleiben. Er erinnert, dass Christen dieselben Folgen wie ihr HERR erleiden und von der Welt gehasst und verfolgt werden. Christen sind Fremdlinge auf Erden und in Wirklichkeit Himmelsbürger. Der Brief steckt voller Trost, Ermutigung und Zuspruch. Denn Christen sollen wissen:

  • In Jesus sind wir zum Heil berufen und bestimmt.
  • In Jesus bildet unser Leben ein Kontrast zur Gesellschaft.
  • In Jesus gehören Leid und Bedrängnis zur Nachfolge Jesu.
  • In Jesus stehen wir auf der Seite des Siegers und sind Überwinder dieser Welt.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfreiches Basiswissen findet sich z. B. in

  • Walvoord, John & Zuck ,Roy Das Neue Testament erklärt und ausgelegt. Hänssler-Verlag.
  • Aebi,Ernst  Kurze Einführung in die Bibel. Verlag Bibellesebund
  • Wiersbe, W.Warren. Wiersbe Kommentar NT Band III, CLV
  • Barclay, William. Auslegung des Neuen Testamentes – Brief des Jakobus, Brief des Petrus. Aussaat Verlag. Neukirchen- Vluyn
  • Querverweise in die ganze Bibel bietet die Thompson Studienbibel
  • Hilfreiche Infos zum Text liefert hier die MacArthur Studienbibel

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Der Textabschnitt von 1Pet. 3,15 – 4,3 (besser ist ab Vers 13) spricht von der Verantwortung des Christen, entgegen allem heidnischen Mainstream in der Welt, ein aufrichtiges und heiliges Leben vor Gott und den Menschen zu führen. Als Nachahmer Gottes sollen wir für das Gute und Gerechte einstehen (V. 13), auch wenn dies Ablehnung oder Spott nach sich zieht. Je dunkler die Welt, je heller leuchten die Christen. Was in den Augen der Welt störend und blendend wirkt, ist vielmehr Verherrlichung Gottes (V.14). Das beinhaltet aber die Bereitschaft, den Menschen zu jederzeit von unserem Glauben und der Hoffnung in Jesus zu erzählen, wenn wir dazu aufgefordert werden. Selbst dann, wenn die Folgen zum eigenen Nachteil sind.

Der Petrusbrief ist durch und durch ein endzeitlicher Brief, der die Situation der Christen in bedrängter Leidenszeit tröstet und ermutigt, indem er ihnen das Vorrecht und die Gnade verdeutlicht, im Namen Jesus „leiden zu dürfen“. Doch, wie es den Christen damals ging, so geht es natürlicherweise auch uns heute. Niemand möchte gerne um des Glaubenswillen Diskriminierung, Missachtung, Verfolgung oder gar den Tod ernten.

Petrus erklärt in diesem Abschnitt, warum das Unrechtleiden als Christ durchaus im Willen Gottes steht und begründet dies mit dem dreifachen Dienstvorbild Jesu.

3,13-18          Jesu Leiden – ein Vorbild zur Bereitschaft zum geduldigen Unrechtleiden

Jesus hat aus Liebe und Gnade sein Leben für uns gegeben – völlig zu Unrecht litt er für uns. Er ist das perfekte Beispiel, wie der eine sündlose Mensch (Jesus) für die Sünden anderer gelitten hat (V.18). Obwohl Jesu Handlungen nur aus Wohltaten bestand, er keine Sünde getan und kein Betrug in seinem Munde gefunden wurde (1Pet 2,22) – hat Jesus zu Unrecht gelitten, wurde geschlagen und gekreuzigt. All das war Gottes Wille! Jesus nahm diese Leiden im Gehorsam an, ohne zu rebellieren, zu protestieren oder gar sich zu verteidigen. Schweigend, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde (Jes 53), nahm er das Leid, die Schmerzen und den Tod auf sich. Welch ein Vorbild – in dessen Fußstapfen wir folgen sollen (1Pet 2,21).

Vers 18 beginnt mit „Denn“ und bezieht sich daher auf die zuvor beschriebene Tatsache, dass eben auch Christen wegen ihrer guten Taten zu Unrecht leiden. Im Wissen, dass ein Unrechtleiden in Gottes Augen nicht nur besser ist, denn wäre ein Grund zur Anklage gegen den Christen gegeben, dann wäre es nur Recht. Unser Gewissen wird beruhigt, weil solche Leiden dem Willen Gottes und seinem Vorbild entsprechen. Vertrauen wir Gottes Willen und unterstellen uns im Glaubensgehorsam bereitwilligen den Leiden um Jesu willen, flieht jede Angst vor allen unrechtmäßigen Drohungen und Anklagen (V.13-17). Im Blick auf die Leiden Jesu und was er für uns erlitten hat werden auch wir bereit für Gutes Unrecht zu leiden. Petrus, der selbst Augenzeuge der Leiden Jesu war (5,1) und im Namen Jesu Unrecht gelitten hat (Apg 4+5), spricht hier kompromisslos und entschlossen von einer leidensbereiten Jesus-Nachfolge.

3,19-22          Jesu Dienst – ein Vorbild der Bereitschaft zur mutigen Verkündigung

Ein geheimnisvoller Textabschnitt (Erklärung dazu unter 2.1. Auslegung), der manche Fragen offenlässt. Dennoch erkennen wir den Dienst Jesu in der Verkündigung des Wortes Gottes. Wer auch immer die Adressaten der Botschaft waren, sie stieß auf verschlossene Ohren, die sich weigerten zu glauben. Gottes Botschaft ertönt zu allen Zeiten und an allen Orten und trifft auf Widerhall und Widerstand, auf Annahme und Ablehnung. Unabhängig von der Reaktion der Hörer, steht der Auftrag der Verkündigung. Auch dieses Beispiel Jesu, soll uns nicht entmutigen Zeugnis von Jesus abzulegen und das Evangelium zu verkündigen. Es ist wie Paulus schon in 2Kor 2,16 sagt, den „einen ein Geruch des Todes zum Tod oder ein Geruch des Lebens zum Leben“. Allein der Glaube an Jesus rettet vor dem kommenden Gericht. Evangeliumsverkündigung ist immer beides – die Einladung zum Glauben an Jesus, die Heil und Rettung bringt, aber auch die Botschaft des kommenden Gerichtes für den, der die Rettung ausschlägt. So sehen wir es auch am Kreuz von Golgatha – das Gericht Gottes ergeht über den Menschensohn, der eine zur Rechten findet Rettung, der zur Linken lehnt ab. Die Arche wird zu einem Bild des Glaubens der rettet. Das Bild der Taufe ist keineswegs ein Hinweis auf eine „Taufwiedergeburt“. Vielmehr unterstützt und bekennt die Taufe die Tatsche der Rettung durch die Arche. Selbst im Bild, bleibt die Arche (Glaube an Jesus) die Rettung, die aber durch die Taufe (Bekenntnis) ein Zeugnis des guten Gewissens vor Gott ablegt. Nach Röm 6 ist die reale und heilsbringende Taufe die, die durch den Geist Gottes geschieht (Wiedergeburt). Die rituale Taufe ist ein symbolischer Akt der Tatsache, dass ein Christ im Glauben mit Christus gestorben, begraben und auferstanden ist.

Jesu Dienst beinhaltet sein Leiden in seinem Leben und Sterben, sein Tod am Kreuz und die mysteriöse Verkündigung der Geister, die Auferstehung Jesu und die Himmelfahrt. Nun sitzt Jesus zur Rechten Gottes – als Haupt, Hirte und Herr der Gemeinde. Ihm sind alle Gewalten unterworfen, wie sollten wir Christen uns da noch fürchten? Sein Vorbild und Dienst sollen uns Freimütigkeit und Unbefangenheit geben zum fröhlichen Zeugnis für Jesus. Egal wie Menschen darauf reagieren – unsere Verantwortung liegt allein in der Verkündigung und Einladung zum Glauben an Jesus.

4,1-4   Jesu Tod – ein Vorbild zur Bereitschaft im Kampf gegen die Sünde

Petrus schwenkt seinen Blick vom Thron zur Rechten Gottes (wo der HERR uns vertritt – Röm 8,34) wieder zurück auf Golgatha. Mit dem Blick auf die Wunden Jesu am Kreuz, der Dornenkrone auf seinem Haupt und den durchbohrten Händen und Füssen, ruft Petrus die Christen zur entschlossenen Hingabe und Heiligung auf. Die Christen lebten in einer heidnischen Gesellschaft. Alles Widergöttliche und Unmoralische wurde gesellschaftsfähig. Viele Christen, die sich davon bekehrt hatten standen in der Gefahr Kompromisse mit ihrem alten Leben zumachen. Die fleischliche Neigung zur Sünde war immer noch da. Der geistliche und fleischliche Wille stehen wie zwei Rivalen gegenüber. Wer kennt das nicht? „Das gute das ich tun will, tue ich nicht“ (Röm 7,19).

Petrus ruft zur Christusgesinnung auf. Das Vorbild Jesu, der um der Sünde willen gekämpft und sich geopfert hat, der gelitten hat und den Tod auf sich genommen hat – soll Motivation für uns sein, es Jesus gleichzutun. Es ist eine Seite, von der Gnade Gottes zu leben, wenn wir in Sünde gefallen sind. Aber es gehört auch die andere Seite zum Christsein, dass wir umkehren und nicht mehr den Willen des Fleisches tun, sondern ernsthaft nach Gottes Willen streben. Verbunden mit Aufopferung, ein Kampfgeist der Hingabe und Entschlossenheit – auch gerade dann, wenn es uns wie ein Leiden vorkommt, weil wir auf Sündenlust verzichten.

Aus Dankbarkeit zu Jesus und der erfahrenen Liebe und Gnade Gottes, wollen wir unsere verbleibende Lebenszeit als Christen kompromisslos für Jesus leben. Mit der Sünde abgeschlossen bedeutet, die Sünde abgelegt und beendet zu haben. Nicht, dass ein Christ nicht mehr sündigen kann – aber er hat damit abgeschlossen sündigen zu wollen. Einmal ist Jesus für unsere Sünden gestorben, er hat die Macht der Sünde gebrochen und die Schuld ist bezahlt. Leiden um Christi Willen bedeutet auch die Leiden des Fleisches und der Begierde anzunehmen, weil wir damit der Sünde ein Stoppschild setzen. All das gelingt nur in der Abhängigkeit von Gottes Gnade. Dieses Leben ist ein völliges Kontrastprogramm zum Lebensstil der Welt, die der Sünde frönt. Petrus beschreibt das lustvolle Leben der Welt als eine unheilvolle Schlammlawine, die alles und jeden mitreißt. Wer hier nicht mitmacht scheint weltfremd. Aber Petrus erinnert, dass Christen eben Fremdlinge in dieser Welt sind und bleiben.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Der Textabschnitt beinhaltet schwierige Stellen, aber auch wichtige lehrhafte Hinweise zur Christologie. Hier eine kurze Erklärung einzelner Stellen.

V.18    Christus hat einmal für Sünden gelitten – betont das einmalige Heils- und Erlösungswerk von Golgatha. Jesus ist ein „für allem mal für die Sünde gestorben“ (Heb 9,14.26.28; 1Pet 4,1). Es braucht kein wiederkehrendes Opfer wie im AT (Opferritus) oder wie in der kath. Eucharistielehre.

Der Gerechte für die Ungerechten Jesus der Gerechte (Apg 3,14) war ohne Sünde und starb stellvertretend für die Ungerechten (1Pet 2,24). Diese Sündlosigkeit (1Pet 1,19; 2,22; 2Kor 5,21; Heb 4,15) setzt sowohl die Gottheit als auch die Jungfrauengeburt voraus (Lk 1,35). Weiter erinnert es an die vorhergesagten Leiden des Gottesknechtes, der um unserer Missetaten willen geschlagen wurde (Jes 53,1-9).

Damit er uns zu Gott führt – dies bezeichnet die große Versöhnungstat Gottes durch den Tod Jesu. Jesus ist der Hohepriester, der Nahebringer und der Mittler zwischen Gott und Menschen (1Tim 2,5; Heb 8,1; 2Kor 5,18f; Kol 1,21). Durch ihn haben wir Zugang zu Gott (Eph 2,18). Jesus führt uns ins Vaterhaus (Joh 14,6).

Wurde getötet nach dem Fleisch spricht von der leibhaftigen Tötung Jesu am Kreuz und widerlegt alle Philosophien und Theorien, wonach Jesus nur scheintot war, oder eines Ohnmachtsanfalles am Kreuz.

Lebendig gemacht durch den Geist – Jesus hatte Seele, Geist und Leib. Am Kreuz erstarb der Leib/Fleisch und wurde ins Grab gelegt. Sein „Geist starb, als er zur Sünde gemacht wurde“ und als Jesus seinen Geist dem Vater übergab (Lk 23,46). Doch sein Geist wurde wieder lebendig gemacht (passiv). Es ist ein Hinweis auf seine Menschheit/Fleisch und seine Gottheit/Geist und das in sich tragende ewige Leben (vgl. Röm 1,3-4). Dieses Lebendig-machen geschah wohl unmittelbar nach seinem Tod und ist von der leibhaftigen Auferweckung Jesu zu unterscheiden.

V. 19 Den Geistern im Gefängnis verkündigte – Luther sagte in einer Predigt von 1523 dazu: „Das ist ein wunderlicher Text und ein finsterer Spruch,…[und] ich noch nicht gewiß weiß, was St. Peter meinet.[…] Aufs erste lauten die Worte also, als hab Christus den Geistern d. i. den Seelen, die vor Zeiten sind ungläubig gewest, da Noa die Archen bauet, geprediget. Das verstehe ich nicht, kann es auch nicht auslegen.“ In der Tat eine schwierige Stelle. Klar ist, dass Jesus zwischen Tod und Auferstehung in das Totenreich hinabgefahren ist (Ps 16,10; Apg 2,31, siehe apostolisches Glaubensbekenntnis) und „den Geistern im Gefängnis“ predigte. Das Totenreich ist nicht die Hölle (wie Luther übersetzt), sondern der Zwischenort der verstorbenen Menschenseelen. Ob Jesus zu verstorbenen Menschenseelen (Geistern) predigte, die zur Zeit Noahs im Unglauben verharrten oder zu den gefallenen Engeln und Dämonen (Geistern), die ihre Behausungen verlassen haben und sich mit den Menschen vermischten (1Mo 6,1-8), ist unklar. Zweiteres ist durch 2Pet 2,4 und Judas 6 und den außerbiblischen Texten im Honochbuch begründbar, aber nicht zwingend. Weiter ist klar, dass Jesus keine „gute Nachricht“ zur Umkehr und Rettung der Verlorenen predigte, da eine Umkehr nach dem Tod nicht mehr möglich ist (Lk 16,26). Ebenso würde eine universale Heilsrettung aller Toten aus der Hölle dem Gesamtzusammenhang der Bibel vom ewigen Gericht widersprechen. Sinnvoll erscheint, ohne die genauen Details verstehen zu wollen, dass Jesus den Tod besiegt hat, als Auferstandener im Geist im Totenreich seinen Sieg und seine Herrschaften über alle Mächte und Gewalten proklamiert hat (1Pet 3,22). Selbst das Totenreich und die Hölle hat keine Macht über ihn – diese Tatsache darf uns in Leid, Verfolgung und Tod furchtlos machen.

In den Tagen Noahs – Petrus nimmt Bezug auf Noah. Er wird zum Vorbild des Leidens, weil Noah, der Gerechte, mit Gott wandelte und viel Unrecht und Spott von seinen Zeitgenossen erlitt. Er predigte erfüllt mit dem Geist Christi den verstockten Menschen seiner Zeit die Rettung (Arche) und das Gericht (Flut) und legte Rechenschaft über seine Hoffnung ab. Diese aber lehnten trotz einer 120jährigen Gnadenzeit die Rettung der Arche ab und kamen auf Grund ihres Unglaubens im Gericht der Sintflut um.

In einem bildlichen Sinn rettet die Taufe – Wie schon erwähnt, meint Petrus keine Erlösung durch die Wasssertaufe. Aber die Taufe (Flut) war damals die endgültige Trennung von der Vergangenheit mit seiner unmoralischen Lebensweise. So symbolisierte die Wassertaufe auch zur Zeit der ersten Christen ein klares Bekenntnis zum Tod (Trennung/Bruch) mit der Vergangenheit und zu einem neuen Leben mit Jesus. Dieser Schnitt symbolisiert auch nach Röm 6 die Trennung vom alten Leben mit seinen alten Gewohnheiten. Ähnlich wie das Volk Israel durch das Rote Meer von der Herrschaft Pharos abgeschnitten/getrennt wurde. Die Rettung aber liegt nicht in der Taufe (Flut), sondern allein im Glauben – durch welchen Noah und seine Familie in die Arche eingingen.

V.21    Christus ist leibhaftig auferstanden – Tod und Auferstehung bilden zusammen das Erlösungswerk. Durch den Tod Jesu erfahre ich Vergebung meiner Schuld, aber in der Auferstehung Jesu erlebe ich Gewissheit meines Heils und Befreiung vom schlechten Gewissen. Jesu Tod und Auferstehung hat bis heute für mich Gültigkeit!

V.22    Christus sitzt zur Rechten Gottes Der gegenwärtige Dienst Jesu ist die Rechtfertigung des Sünders vor Gott. Er tritt für uns ein (Röm 8,34; Heb 9,24). Noch sitzt Jesus zur Rechten Gottes, aber von dort wird er wiederkommen „zu richten, die Lebenden und die Toten“ (1Pet 4,5).

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Es ist Karfreitag und dieser Text eignet sich gut, um die wunderbare Heilstat Jesu aufzuzeigen. Die Botschaft soll eine Ermutigung und Stärkung sein, die Angst vor den Konsequenzen der Jesusnachfolge zu nehmen. Die Predigt soll aufzeigen, dass es sich lohnt mit diesem HERRN Jesus unterwegs zu sein – koste es was es wolle.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Geduldig Unrecht leiden um Jesu willen

Schnell stehen wir als Christen in der Gefahr Schwierigkeiten als Unrechtleiden um unseres Glaubens willen zu betrachten. Hier braucht es eine gute Differenzierung.

  1. Manche Leiden sind Folgen unseres mühevollen Alltags, die alle Menschen unabhängig ihres Glaubens in einer gefallenen Welt erleben (Mühe und Arbeit, Krankheit und Gebrechlichkeit, Gewalt und Einschränkung in autoritären Regimen).
  2. Manche Leiden sind Folgen unserer Fehler oder bösen Taten (Streit, Sünde, Straftaten, Übertretung von Gesetzen). Wenn ich z.B. die Verkehrsordnungen übertrete und über eine rote Ampel fahre und den Führerschein verliere, dann ist weder Christenverfolgung noch Diskriminierung meines Glaubens.
  3. Manche Leiden sind von Gott gewollt, weil sie uns erziehen, reinigen und in die Heiligung führen und unseren Glauben stärken (Anfechtung, Prüfungen).

Dennoch erleben wir in der Gesellschaft auch eine zunehmende heidnische und antichristliche Tendenz. Aber Christen verlieren unter bestimmten Gruppen in der Gesellschaft an Akzeptanz.

  • Verursacht durch den Hass und die Abneigung von Atheisten oder liberalen und linksorientieren Gruppen, welche bibeltreue Christen als Gefahr sehen.
  • Ethische und moralische Werte der Bibel oder verschiedene Glaubensüberzeugungen werden nicht mehr toleriert, sondern vielmehr böswillig bekämpft.
  • Selbstkritik ist geboten, wo Christen wegen böser Taten (offensichtlich begangenem Unrecht) beschuldigt werden und diese nicht einsehen und daher ihre Akzeptanz aufs Spiel setzen. So sind z.B. die Corona-Maßnahmen keine Einschränkungen oder Angriffe auf den christlichen Glauben und geben kein Recht zu unrechtmäßigem Widerstand. Vielmehr erleben wir noch einen besonderen Schutz durch die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit.

Wenn wir um Jesu willen leiden, dann weil wir Gutes tun, weil wir zu Unrecht beschuldigt werden, weil wir an Jesus glauben und weil wir ein moralisch heiliges und ethisches Leben nach Gottes Willen leben und nicht nur vertreten. Weder Spott, Hohn oder böswillige Nachrede sollen uns entmutigen lassen oder aus Angst dazu führen, dass wir verzweifeln und uns zurückziehen. Auch sollen Bedrohungen uns nicht dazu zwingen mit der Welt leichtfertige Kompromisse zu schließen, die dazu führen, dass wir unseren Glauben verleugnen. Hier braucht es Weisheit und Klarheit in Jesus.

à Können wir Unrecht erleiden oder pochen wir nicht vielmehr auf unser Recht und unsere Gerechtigkeit? Bereitschaft, Unrecht zu erleiden, beginnt vielleicht mal ganz einfach im Nachgeben, Ertragen und Schweigen beim nächsten Familienstreit.

Sanftmütig Rechenschaft ablegen

Wir sollen entsprechend dem Vorbild Jesu den Anfeindungen der Heiden weise und klug unseren Glauben verteidigen. Dazu gehörten z.B.  

  • Verantwortung mit vernünftigen Argumentationen – wir sollen fair, sachlich und maßvoll diskutieren. Auf verständnisvolle Weise sollen wir unsere Überzeugungen vertreten und die Gegenargumente anhören. Unser Glaube muss gegenüber dem anderen erlebbar und nicht nur hörbar sein.
  • Verantwortung mit Sanftmut – wir treten nicht mit aggressiven Protesten für unsere Überzeugungen ein. Noch setzen wir uns mit Gewalt (Gegengewalt) zur Wehr. Christen haben keine kriegerische Art. Mit Güte und Liebe, Toleranz und Barmherzigkeit werben wir für den Glauben an Jesus und zwingen keinem Menschen den christlichen Glauben auf.
  • Verantwortung mit Gottesfurcht – Streitgespräche und Diskussionen sollten im Bewusstsein geführt werden, dass wir am Ende alle einmal vor Gott dem Herrn selbst Rechenschaft geben müssen. Achtung und Respekt gegenüber dem Nächsten ist Ausdruck von Gottesfurcht.

Jesus hat als unschuldiger für Schuldige gelitten und wurde anstelle der Ungerechten getötet. Dieses ungerechte Leiden Jesu möchte uns ermutigen, bereit zu sein auch manches Unrecht, um Jesu willen auf uns zu nehmen, weil es zur Nachfolge Jesu gehört.

  • Jesus, der von Herzen sanftmütig ist, hat die Last und das Unrecht der Menschen aus Liebe ertragen. Auch wir sollen in der Liebe Gottes Unrecht, Leid und Bosheit der anderen ertragen, selbst dann, wenn sie gegen uns selbst gerichtet ist.

Konsequent im Kampf gegen die eigene Sünde

Im Fleisch wegen der Sünde leiden – das bedeutet den eigenen Leib überwinden und wie Jesu sich gegen die Sünde zu stellen, bereit sein zu kämpfen – ja sogar der Sünde zu sterben. In dieser entschlossenen Gesinnung Jesu, sollen auch wir leben und uns aktiv gegen die eigene Sünde stellen. Diese Gesinnung ist uns in Jesus geschenkt, aber sie muss wie eine Rüstung bewusst angezogen werden (Eph 6,10ff). Dazu gehört Abstand von der Sünde. Sich vom Schlamm der Welt fernzuhalten und der Welt zu entsagen.

Wenn der Christ das aus Angst vor der bösen und sündigen Welt getrieben tut, führt es in eine ungesundes Getto-Christsein.

Geschieht das aus Liebe zu Jesus, führt das zur Hingabe und zum Gehorsam und zum bereitwilligen Zeugnis (Martyrium) für Jesus in dieser Welt.

  • Warum halten wir uns von der Sünde fern und wie verbringen wir unsere verbleibende Zeit in dieser Welt?

Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist! Epheser 5,15-16

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Weil Jesus für meine Ungerechtigkeit am Kreuz starb…

  • erkenne ich Gottes unendliche Liebe zu mir
  • erkenne ich, was Jesus bereit war für mich zu ertragen
  • erkenne ich, dass es sich lohnt kompromisslos für Jesus zu leben

Jesu Vorbild wird Anlass für ein Leben nach dem Willen Gottes.

Darin besteht die Liebe nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden. 1Johannes 4,10

Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. 1Johannes 4,19

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

JESUS hat Großartiges für uns getan – sein selbstloser Dienst und seine Bereitschaft als Gerechter für uns Ungerechte zu leiden und zu sterben, soll uns in Dankbarkeit, Anbetung und tiefe Bewunderung über Jesus und seinen Kreuzestod führen.

Sein Vorbild so mich anspornen bereitwillig mit allen Konsequenzen für Jesus zu leben und wenn Gott es will auch um seines Namens Unrecht zu erleiden.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1.  Jesu Leiden
    – ein Vorbild zur Bereitschaft zum geduldigen Unrecht erleiden (3,13-18)
  2.  Jesu Dienst
    – ein Vorbild zur Bereitschaft zur mutigen Verkündigung (3,19-22)
  3.  Jesu Tod
    – ein Vorbild zur Bereitschaft im Kampf gegen die Sünde (4,1-4)

(Klaus Eberwein)