Monatsthema: Gott suchen zur Rettung.
Predigtthema: Jesus hilft aus Not.
Bibelstelle: Markus 6,45-52
Verfasser: Dr. Heiko Krimmer
Predigthilfe Nr. 15
Jesus hilft aus Not Markus 6,45-52 zum 2.4.2000
1. Zusammenhang
Jesu Wirken in Galiläa, am See Genezareth.
Die meiste Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit verbrachte er dort. Voraus geht die Speisung der 5000. Jesus schickt seine Jünger weg, damit sie nicht von der enthusiastischen Menge mitgerissen werden.
2. Biblische Parallelen
Matthäus und Johannes berichten dieses Geschehen ebenfalls. Matthäus mit mehr Einzelheiten, Johannes sehr gerafft.
3. Der Aufbau des Textes
V. 45 + 46 Jesus und die Jünger verlassen die Volksmenge
V. 47 + 48 Die Jünger auf dem See in Not. Jesus sieht das und kommt auf dem Wasser.
V. 49 – 51 Der Schreck der Jünger und Jesu Hilfe in Wort und Tat.
V. 52 Bemerkung des Markus zum „Zustand“ der Jünger.
4. Einzelerklärungen
V. 45 – „alsbald“ = sofort: Jesus schickt die Jünger von der begeisterten Volksmenge weg (Speisungswunder). Er entschärft damit eine gefährliche, versuchliche Situation. Nach Joh. 6,14ff wollte ihn die Menge zum König ausrufen. Das hätte zu einem Aufstand und Bürgerkrieg geführt.
Jesus „nötigte“ – zwang die Jünger zur Abfahrt mit dem Boot. Sie waren wohl von der Begeisterung angesteckt (vgl. dazu V. 52 verhärtetes Herz). – „Bis er das Volk gehen ließe“, eigentlich: wegschickte. Es kostete Jesus große Mühe, diese falsche Begeisterung zu dämpfen.
V. 46 Nachdem die Jünger weg sind, betet Jesus auf einem Hügel. Er legt alles seinem Vater vor und erbittet seine Weisung. Da ist der Kraftquell Jesu.
V. 47 Auch geistlich übertragen zu deuten: Die Jünger ohne Jesus.
V. 48 Doch er sieht sie, gerade auch in ihrer Not: Der Westwind peitscht die Wellen auf und hindert jedes Vorwärtskommen.
Die vierte Nachtwache: Zwischen 3 und 6 Uhr morgens.
„Er wollte an ihnen vorübergehen“ – will er sie rufen?
V. 49 Jesus geht auf dem Wasser (vgl. atl. Psalm 77,20, Hiob 9,8 das kann nur Gott)„Gespenst“ griech.: „Phantom“, ein Spuk. Sie rechnen nicht mit Jesus.
V. 50 Deshalb „erschrecken“ sie, wörtl.: Kamen außer sich. Jesus redet sie an. „Seid getrost“, ein Ruf zum Vertrauen, wörtl.: seid kühn, wagt etwas.
„Ich bin’s“. Da ist das Zentrum unseres Mutes. Ich bin = der atl. Gottesname Jahwe!
„Fürchtet euch nicht“, wörtl.: Flieht nicht weg von mir.
V. 51 Jesu bloße Anwesenheit genügt. Die tobenden Elemente gehorchen ihm. Statt Anbetung immer noch Entsetzen der Jünger. Sie fassen Jesus noch nicht.
V. 52 „Sie waren nicht verständiger“ – sie hatten noch keine Einsicht gewonnen, wer Jesus wirklich ist.
„Verhärtet“ = eigentlich: wegfließend = von Jesus weg. Auf ihre eigenen Wünsche fixiert: Jesus als Brotkönig.
5. Die Spitze des Textes
Jesus der Helfer, auch wenn seine Jünger noch nicht verstehen und ein „verhärtetes“ Herz haben.
6. Der Text heute
Drei Grundlinien entdecken wir in diesem Text, auch für heute:
a) Die falschen Erwartungen der Jünger.
Sie hatten Jesus als irdischen König umjubelt. Wie oft richten wir unsere Erwartungen an Jesus: Irdische Machtentfaltung, beeindruckende Taten, äußere Anerkennung und Beifall von den Menschen. Die Jesusgemeinde aber geht, wie ihr Herr, den Weg des Kreuzes.
Lassen wir uns da nicht blenden. Dem „Gelobt sei der da kommt“ folgt das „Kreuzige ihn“.
Wir sind und bleiben die „Stillen im Lande“, unbeachtet, belächelt, ja auch verspottet und verfolgt.
b) Jesus ist Gott:
Die Elemente sind ihm untertan, er geht auf dem Wasser, er kennt die innersten Herzensregungen der Jünger. Bei aller Missachtung durch die Welt: Er hat die Macht! Das ist der überwältigende Trost in aller (auch persönlichen) Anfechtung und Verfolgung, in allem Verzagen und Leiden. Wir haben den Herrn aller Herren als unseren persönlichen Heiland und Helfer.
c) Jesus hilft und macht getrost.
Wieder geschehen große Taten (Wasserwandel und Sturmstillung), aber im Verborgenen, nur vor den Jüngern. Und das trotz ihrer verhärteten Herzen. Jesus lässt die Seinen nicht. Er kommt zur Hilfe. Das dürfen wir entschlossen verkündigen in alle Nöte hinein. Er kommt „spät“ (vierte Nachtwache). Aber:“Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein“. Darauf hin dürfen wir „kühn werden“, alles Vertrauen wagen.
7. Beispiele und Verdeutlichungen
A. Die falschen Erwartungen
a) Das wäre ein König nach des Volkes (auch der Jünger) Wünsche: Er sorgt für das tägliche Brot.
(Der Johannes-Bericht 6,15ff gehört als Hintergrund zu unserem Text unbedingt dazu).
b) Die Jünger erwarten in ihrer Not auf dem See gar nicht Jesus. Eigentlich erstaunlich.
Deshalb erkennen sie ihn auch nicht. Sie halten das für einen Spuk. Es gilt für uns: In allem auf Jesus warten. Er soll und wird handeln.
c) Jesus handelt nicht nach menschlichen Maßstäben. Seine Kraftquelle ist das Gebet. Er holt sich alle Weisungen vom Vater. Er tut nichts nach seinem Willen, sondern nach dem Willen Gottes. Unser Wille soll und darf immer mehr eins werden mit dem Gotteswillen.
B) Ohne Jesus nichts.
a) Das ist oft auch geistlich die Not: Die Jünger auf dem See, von Jesus weg. Sie sind auch mit ihren Herzen noch fern von ihm. So müssen sie sich abplagen und kommen doch nicht vorwärts. Ohne Jesu Gegenwart läuft bei uns nichts. Wir wollen entschlossen Jesu Nähe suchen.
b) Der Wind stand ihnen entgegen. Aus dem Jubel der begeisterten Menge werden die Jünger in die rauhe Wirklichkeit zurückgeholt. Das ist oft unsere Situation: Der Wind steht uns entgegen. Doch Jesus geht voraus, kommt zu uns, da weht der Antriebswind des heiligen Geistes.
c) Das Schreien und Entsetzen der Jünger: Grad weil sie so mit sich selber beschäftigt sind enttäuschte Erwartungen und gegenwärtige Not), erkennen sie Jesus nicht. Das dürfen wir einüben: Wer entschlossen wegschaut von sich selbst und den Umständen, der sieht Jesus immer besser (Erst das Wort Gottes öffnet wirklich den Blick): Ins Wort schauen macht klarsichtig.
C) Der Helfer
a) Jesus nimmt die Jünger aus der Versuchungssituation heraus. Er treibt sie sogar weg.
Er bewahrt sie so vor den eigenen falschen Wünschen. Jesus nimmt auch uns manchesmal weg (Krankheit etc.) um uns vor uns selbst zu bewahren.
b) Er steigt ins Boot und die Not hat ein Ende. Wo Jesus da ist in meinem Leben, da muss die Not weichen. Er ist der Helfer.
c) Jesus redet sie an: Habt wagendes Vertrauen. Ich bin’s = Ich, der Gott. Fürchtet euch nicht = nicht wegfliehen von ihm (Resignation oder Bitterkeit), sondern hinfliehen zu Jesus. Die Richtung ist entscheidend. Die Adamsrichtung: weg. Die Jüngerrichtung: hin.
8. Gliederung und Material zur Predigt
Einleitung: So haben die Jünger sich das vorgestellt: Der umjubelte Jesus.
Er soll Volkskönig werden, wie bei der Wunderspeisung die Bedürfnisse der Menschen befriedigen.
1. So sehen sie
Die Jünger sehen die Möglichkeiten, mit Jesus zu Macht und Ehre zu kommen. Das ist ihre Versuchung. Die bleibende Versuchung der Jesusleute bis heute. Steckt das nicht auch (in frommer Verkleidung) hinter so viel „Charismatischem“ heute? Die Welt beeindrucken durch große Evangelisationsfeldzüge („Ganz Russland für Jesus“ etc.) und Heilungswunder (Bohnke etwa). Dass wir hier nüchtern bleiben. Die Jesus-Gemeinde, das sind die „Fremden“ dieser Erde, die Verlachten, die Verfolgten, auch persönlich Angefochtenen. Deshalb sehen die Jünger Jesus nicht: Sie glauben, er wäre ein Spuk. Sie erwarten ihn nicht, rechnen nicht mit ihm, sind so mit sich selbst beschäftigt, mit ihrer Enttäuschung, ihrer Not. Lernen wir neu, den Blick von uns weg zu richten: Jesus sehen heißt: in sein Wort hineinsehen.
So wird unsere Blickrichtung neu.
Ihre Herzen sind verhärtet, die inneren Augen sind noch zu. Sie erkennen Jesus nicht in seinem wahren Wesen und Wollen. Sie sehen nur das Äußere (Brotwunder) und nicht ihn, das „lebendige Brot“. Jesus wirklich sehen heißt, seinen Willen umfassend erkennen: Er will unsere ewige Rettung, nicht nur vorübergehende zeitliche Hilfe.
Das ist Einladung zum rechten Sehen.
b) Er sieht sie
Welcher Trost in diesem Text. Jesus bewahrt seine Jünger vor ihren falschen Erwartungen. Er nimmt sie aus der Versuchung. Sei dankbar, wo und wann er auch dich in die Stille, ins Besinnen führt. Er gibt ihnen einen Seh-Kurs: Sie sollen seine Gottheit erkennen.
Jesus sieht sie in ihrer Not. So oft ist das auch bei uns so: Weg von Jesus. Der Wind entgegen. Wir plagen uns ab und nichts geht vorwärts. Jesus aber sieht das. Und er kommt. In der 4. Nachtwache, spät – sie müssen ihre Lektion lernen (ohne Jesus geht nichts), aber nicht zu spät: „Wenn die Stunden sich gefunden …
Jesus sieht ihre harten Herzen. Aber er lässt sie nicht los. Er kommt zur Hilfe, trotz ihrer harten Herzen. Jesus sieht uns wie wir sind, aber er sieht auch wie er uns gebrauchen will, was aus uns werden kann, wenn wir wirklich vertrauen und glauben und uns ihm ausliefern. Deshalb kommt die Anrede: Seid getrost = wagt ganzes Vertrauen.
c) Wie siehst du?
Der Text ist Frage an uns: Wie sehen wir Jesus? Als unseren Wunscherfüller? Als den, der beeindruckt? Als Wundertäter? Oder als den Gottessohn, der zu unserer ewigen Rettung kam? Er setzt seine Allmacht für uns ein.
Wie sehen wir den Weg der Nachfolge? Es ist der Jesusweg, durch Anfechtung, Leiden, Spott, Verfolgung – aber zum Sieg.
Wie sehen wir uns selbst, Als solche, die selber können? Wir plagen uns ab, doch der Wind ist uns entgegen. Wir sind Leute, die Hilfe brauchen. Ohne Jesus geht nichts vorwärts.
Schluss: Jesus stieg zu ihnen ins Boot. Das ist das größte Wunder in dieser Geschichte.
Jesus bei uns, er lässt uns nicht los.